Ausgabe 
28.10.1904 Zweites Blatt
 
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^Pfleglinge. Ter Snhodalvertreter für Dckanatskrankcn- pfliege, Pfarrer. S chw ab e ans Gießen, konnte ^genüber dem ui tyrtebberg bei Gelegenheit der Tagung der Evang. Konferenz ausgesprochenen Urteil, als ob unsere Krankenpflege sich nicht bewahrt habe, feststellen, daß sie im Gegenteil aufs Beste gedeihe. ^Schwestern leisteten in 1903 741 ganze Tagpflegen, 1 aC»ien' Pflegebesuche, wofür eine Vergütung

Don /ol Marr einging. In Steinbach ist eine vierte Schwester angestellt, die allerdings in erster Linie für diese Gemeinde da stin loll. Taß immer mehr Gemeinden darauf ausgehen, eine Schwester anzustellen, entspricht auch den von Anfang an in Aussicht genommenen Zielen. Aber auch für diese Schwestern vietet. un'iere Organisation den rechten Halt. Tie Synode ge­nehmigte den Vertrag mit der Gemeinde Steinbach, und ist ein­verstanden, wenn ein ähnlicher Vertrag mit der Gemeinde Großen- Linden geschlossen wird, letzterer in der Hoffnung, daß demnächst erne weitere Schwerter angestellt wird, um die sich die Gemeinden Lang-Göns und Watzenborn bewerben.

Ter Kirchenvorstand und die Kirchengemeindevertretung zu Beuern .haben an die Tekanatssynode den Antrag gestellt: sie möge bei zuständiger Behörde vorstellig werden, daß durch Poli- ^Verordnung den katechismuspflichtigen Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren der Besuch des Wirtshauses ohne Begleitung r?Tr ^^lern oder erwachsener Angehörigen verboten werde, und diesen Antrag durch Hinweis auf offenkundige ärgerliche Erfahr- ungen und Vorkommnisse begründet. Ter Antrag wird ein-- stimmig angenommen. Er soll zunächst an das Kreisamt Gießen gerichtet, und weiter auch der demnächst zusammentretenden Lan­dessynode vorgelegt werden. Auf Ersuchen des KircheNvor stand es tSLr ^^lus - Gemeinde zu Bessungen wird eine Resolution beschlossen, worin an das Großh. Ministerium die Bitte gerichtet Aolle, bevor die geplante Aenderung der Gesetzgebung vetr. das Lokalkirchen-Steuerwesen an den Landtag gebracht werde, ke? G^otzh. Oberkonsistorium und der Landessynode Gelegenheit geben, sich darüber zu äußern. Alsdann wurde der Voranschlag für bte Jahre 1905/08 vorgelegt und mit 8749,27 Mk. in Ein- nähme und Ausgabe genehmigt.

Bei der nun folgenden Wahl zur Landessynode, wurde zum geistlichen Abgeordneten Pfarrer Dr. Schlosser aus Gießen, zum weltlichen Landgerichtsdirektor T o r n s e i f f in Darmstadt, U r n®tellüertretern Pfarrer Schwabe zu Gießen und Altbürgermeister Kreiling zu Heuchelheim gewählt. Leider mußte die Verhandlung über das Thema: ,,Tas Lesebedürfnis des Volkes und die. Aufgaben, welche der Kirchen gemeinde daraus erwachsen" aus Zeitmangel nochmals zurückgestellt werden. So muß auch hier wieder die alte Klage erhoben werden, daß die T^anatssynoden vor lauter Formalien kaum zur Erfüllung ihrer geistlichen Aufgabe kommen.

Verinifehtes.

* Breslau, 27. Okt. Auf dem Schlosse Tworkau bei Ratibor erstickten die zu Besuch weilende Verwandte des Grasen Saurma-Jeltsch, Maria von Michalowitsch und deren Begleiterin in ihrem Schlafzimmer durch Austritt von Kohlenoxidgas aus einer kürzlich neueingerichteten Heizanlage. Die Verunglückten waren Franziskanerinnen aus dem Annun- ziatakloster bei Eichgraben in Niederösterreich.

* Hamburg, 27. Okt. Hier erregt ein neuer Raub­mord sehr großes Aufsehen, welcher gestern abend verübt wurde. In der Wohnung des Pastors Kaerner, welcher in der Straße Bei den Kirchhöfen wohnte, erschien der Bücher­reisende Jsermann und bat ihn um ein Empfehlungsschreiben. Als dec Pastor sich dazu hinsetzte, schlug Jsermann ihn

mit einem Stück schweren Eisen nieder. Auf die Hilferufe des Pastors entfloh der Attentäter. DaS Dienst­mädchen folgte ihm auf die Straße, und ein Briefträger hielt ihn so lange fest, bis Schutzleute herbeikamen und ihn ver­hafteten. Pastor Kaerner ist mittags im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

* Hamburg, 27. Okt. Heute vormittag brach auf dem Grundstück der Vakuum Oil Company in Borgfelde bei Hamburg Feuer aus, das sich schnell verbreitete, den dort vorhandenen Kanal übersprang und die Lagerräume und die dort befindlichen Petroleumlager angrisf. Man schätzt, daß etwa 3000 Tonnen Oel verbrannt sind. Das Feuer ist anscheinend durch Explosion verursacht wordeu. Es brannten zwei Wohnhäuser aus. Der Schaden beläuft sich auf zwei Millionen Mark. Nach mehrstündiger angestrengter Tätigkeit gelang e§ der Feuerwehr, der weiteren Verbrettung des Feuers Einhalt zu tun.

Kandel und IerKehr. WolKsNirtschaft.

DerHessischenLandeshypothekenbankin Darm- stadt ist die Genehmigung zur Ausgabe von Mk. 30 Mill. 3V2vroz. Hypotheken-Obligationen und Mk. 15 Mill. Kommunal-Schuld- verschreibungen erteilt worden.

Paris, 27. Okt. (Börsenbericht.) Auch während des größten Teils der heutigen Geschäftstätigkeit lag die Börse wegen der englisch-russischen Affäre schwache Ter Rückgang der englischen Konsols wirkte auf oas ganze Geschäft ein. Gegen Schluß trat auf, das Gerücht von einer freundschaftlichen Intervention Frankreichs in dieser Affäre eine Er­holung ein.

Zum teuren Geld st and. Taß nicht allein die Börse, sondern überhaupt dem Handelsstand das teuer gewordene Geld recht ungelegen kommt, ist leicht zu begreifen. Tie Wechselzirku­lation in Teutschland beträgt jährlich 2025 Milliarden Mark, das macht pro Monat fast 2 Milliarden Mark aus, und da ist eine Diskonterhöhung von 1 Prozent gewiß keine Lappalie.

Die Luxuspapierfabrik und Kunftanstalt Al­brecht il Meister G. m. b. H. in Berlin ist unter Mit­wirkung der Darmstädter Bank in eine Aktiengesellschaft Albrecht u. Meister umgewandelt worden.

Schnellbahnprojekt Berlin-Hamburg. Am 10. November findet in Berlin eine Konferenz zwischen den an dem genannten Projekt interessierten beiden großen Elektrizitütsgesell- schaften und den Vertretern des (Äsenbahnministeriums statt. Ob damit schon der Verwirklichung der Angelegenheit näher ge­treten wird, ist eine Frage, die wohl noch einige Zeit offen bleiben wird.

Märkte.

§ Ruppertenrod, 27. Okt. Unser heutigerHerbst- markt" wurde von sommerlich warmem und schönem Spät­herbstwetter begünstigt. Der Schweinemarkt war gut befahren. Ter Handel zeigte nickst den sonst gewohnten flotten Gang. Diese Stockung wurde von den niedrigen Preisen verursacht, welche sich auf den Herbstmärkten zurzeit geltend machten. Auch auf dem heutigen Markte standen die Preise noch hinter denjenigen des Gallusmarktes von Grünberg. Man bezahlte für das Paar Ferkel 1. Sorte 333640 Mk., 2. Sorte 242630 Mark. Springer kosteten pro Paar zweiter Güte 4050 Mk., erster Güte 5060 und 6070 Mk. Im Vergleich mit den Frühjahrs­preisen beträgt die Preisdifferenz ca. 50 Prozent. Ter Krämer- markt war gut mit Verkaufsständen besetzt und gut besucht.

Kerichlssaal.

F r a n k e n t a l, 27. Okt. Heute fand die Verhandlung wegen vorsätzlicher Körperver letzun g gegen Dr. Beri toldY und Frau aus Lambrecht statt, die im Frühjahr den von der Praxis kommenden Arzt Tr. Kulimann mißhan­delt hatten. Dr. Bertoldy wurde wegen Körperverletzung unter Zubilligung mttdernder Umstände, weil er, um seine Ehre zu wahren, die Tat begangen hatte, zu 250 Mark Geldstrafe, seine Frau wegen Beihilfe zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt

Paris, 27. Okt. (Prozeß d'A Ulriche.) Tas Kriegs« gericht setzte heute bei gleicy starker Beteiligung des Publikum- wie bisher das Verhör Marechals fort, der bei der Versicherung blieb, er habe voll seine Pflicht getan. In dem sodann folgenden Verhöre des Hauptmanns Francois erllärte dieser, er habe stets den Befehlen seiner Vorgesetzten gemäß gehandelt. FrancoiS be­spricht sodann die von dem Agenten Tomps angestellte Unter­suchung, die beweisen sollte, daß die Aussagen Czernuskis im Prozeß in Rennes falsch gewesen seien. Er erörtert dann ferner die Beziehungen Tomps zu Mathilde Baumker, Wessel und Przy- borowski mit der Versicherung, er habe während seiner Beschäftig­ung int Nachrichtenbureau nichts sträfliches getan. Hierauf wird die Verhandlung vertagt.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Sehr geehrte Redaktion!

Zu meiner größten Freude ersah ich auS Ihrer heutigen Nummer, daß der Konzertverein in feinem ersten Konzerte sich der Mitwirkung einer so ausgezeichneten Sängerin versichert hat. Ich lernte Frau Hensel-Schweitzer auf dem großen Nieder­rheinischen Musikfest 1902 zu Düsseldorf kennen. Sie sang damals unter anderm mit Karl Scheidemantel zusammen das große Duett aus R. StraußFeuersnot" und die Zuhörer waren so begeistert, daß man stürmisch da capo verlangte, was freilich mit Rücksicht aus das große Programm nicht gewährt werden konnte. Um so eindrucksvoller blieb wohl jedem Teil­nehmer diese unübertreffliche Leistung im Gedächtnis. Es war der Sängerin gelungen, neben einem Karl Scheidemantel nicht nur zu bestehen, sondern sich ihm als durchaus ebenbürtig zu erweisen. Möchte Frau Hensel-Schweitzer erfahren, daß ein musik- verständiges Gießener Publikum solche Gaben, wie ihre Kunst sie zu bieten weiß, vollauf zu würdigen versteht. Möge die Künstlerin ihren guten Tag haben und möge die Teilnahme aller Musik­freunde eine so allgemeine sein, daß die Sängerin bald wieder zu uns kommt, uns mtt ihrer Kunst zu erfreuen.

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