Ausgabe 
28.10.1904 Erstes Blatt
 
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Seite gehalten, um sie vor dem Zerbrechen zu schützen. Dagegw habe Metzger I. gerufen: Schmeißt ihm das Gewehr an den Kopf! Ter erste Richter nahm für erwiesen an, daß die Angeklagten sich bewußt waren, daß sie den Forstwart vor sich hatten. , Menn er auch seine Tienstuniform nicht trug, so hatte er doch fein Dienft- zeichen an der Seite des Hutes befestigt. Er war nach Auffassung der Vorinstanz dann stets als im Dienst befindlich anzusehe-tt, wenn sich ihm Anlaß zur Ausübung seines Amtes bot; ein solcher Anlaß lag aber vor, da der Forstwart eine Grenzverletzung be­fürchtete. Somit handelte es sich um einen Angriff gegen einen in rechtmäßiger Amtsausübung befindlichen Forst- und Jagd­beamten. Tie Revision der Angeklagten, vertreten durch Rechtsanwalt Klarenaar-Gießen, rügte zunächst, § 117 St.-G.-B. sei zu Unrecht angewendet worden; während an einer Stelle des Urteils festgestellt werde, daß Emerich sich in recht­mäßiger Ausübung des Amtes befinde, führe dasselbe an anderer Stelle aus, es sei irrelevant, ob die Angeklagten sich dessen be­wußt waren. Nach der Judikatur ist es aber erforderlich, daß die Angeklagten wissen, daß sie 1. einem Beamten gegenüber­stehen und daß 2. dieser sich in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes befinde. Nun hätten aber die Angeklagten zwar die Be- amtengualität des Emerich gekannt, aber geglaubt, daß er sich nicht in rechtmäßiger Amtsausübung befinde. Das letztere werde vom Vorderrichter bei der Begründung der Strafzumessung aus­drücklich festgestellt:sie glaubten, er wolle das Wild ver­scheuchen!" Tas Wildverscheuchen gehöre aber jedenfalls nickt zu den Tiensthandlungen eines Forstwarts. Der Reichsanwalt bezeichnete die Beschwerden für unbegründet. Die Angeklagten kannten Emerich als Forstwart, mithin also als Beamten. Aus dem Urteil ist außerdem nicht zu entnehmen, daß er im kritischen Moment, eine Amtstätigkeit nicht ausübte. Im Gegenteil wird ausdrücklich festgestellt, daß er nach der Hessischen Instruktion vom 8. Juli 1841 als Forstwart verpflichtet war, darauf zu sehen, daß kein Jagdfrevel und keine Grenzverletzung begangen werde. Hatte er aber die Pflicht zu kontrolieren, daß keine Grenzver­letzung vorkam, so handelte er auch in rechtmäßiger Amtsaus­übung.

Ter erste Strafsenat erkannte nach dem Anträge des Reichs- anwalts auf koüenvfsicktiae Verwerfnna der Revision.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

2 2, Sonntag nach Trinitatis, den 30. Oktober: Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

Vormittags 9 V? Uhr: Pfarrer Schwabe.

Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst.

Pfarrer Euler.

Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.

Pfarrer Schwabe.

Abends 5 Uhr: Siehe Johanneskirche.

Donnerstag, den 3. November, abends 8 Uhr, im Gemeinde­haus, Kirchstraße 9, im unteren Saal, Bibelstunde. 1. Eor. Kap. 1 Forts. Pfarrer Schwabe.

Nächstkünftigen Sonntag, den 6. November, findet Beichte and heiliges Abendmahl für die Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam im Abendgottesdienst statt. Anmeldungen dazu werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

In der Johanneskirche.

Vormittags 97r Uhr: Pfarrer Euler.

Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukas- gemeinde. Pfarrer Euler.

DlbendS 6 Uhr: Pfarrassistent Schulz.

Sonntag abend 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung tm Konfirmandensaale der Johanneskirche. 1. Mos. 41, 144.

Montag, den 31. Oktober, abends 8 Uhr, B i b e l st u n d e im Konfirmandensaal der Lukasgemeinde, Liebigstraße 56. Offb. Joh. 2, 811. Pfarrer Euler.

Am nächstfolgenden Sonntag, den 6. November, Feier des Reformationsfestes. An diesem Tage Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und die Johannesgemeinde. An­meldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. An demselben Tage nach allen Gottesdiensten Kollekte für die Gustav Adolf-Stiftung.

Katholische Gemeinde.

Gottesdienst.

Samstag, den 29. Oktober 190 4.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Sonntag, den 30. Oktober 190 4.

23. Sonntag nach P f i n g st e n.

Vormittags von 61/2 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

v um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.

um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe.

um 9 */2 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 5x/2 Uhr: Christenlehre; darauf Rosenkranz- Andacht mit Segen.

Montag abend 67a Uhr ist Rosenkranz-Andacht mit Segen.

Donnerstag um 7 Uhr: Segensmesse.

Neneste Meiöungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Großgerau, 28. Okt. Gestern abend fiel auf der Station DornbergGroßgerau beim Rangieren der verheiratete Bremser Bikoni so unglücklich von einem Wagen herab, daß ihm beide Beine überfahren wurden. Ec wurde ins Spital Großgerau übergeführt; sein Zustand ist hoff­nungslos.

Berlin, 28. Okt. Wie das B. T. erfahren haben will, soll die Affäre in Südwestafrika binnem Kurzem auf dem Wege der Verhandlungen erledigt werden. Von deutscher Seite soll die Auslieferung der Rädelsführer der Aufstände zur Bedingung für die Friedensgewährung gemacht werden. Ein Erfolg dieser Verhandlungen steht in naher Aussicht. Unter diesen Umständen würden nur noch die nö­tigen technischen und Ersatztruppen nach der Kolonie abgehen. Alle größeren Nachschübe würden unterbleiben. Das Blatt gibt diese Nachricht selbst unter Vorbehalt wieder.

Heidelberg, 28. Okt. Auf der Großh. Landes- Sternwarte auf dem Känigsstuhl wurden drei neue kleine Planeten entdeckt, welche der 11. und 12. Größenklasse angehören.

Wien, 28. Okt. Die kaiserlichen Handschreiben, durch die die Ernennung der drei neuen Minister Grafen Bouquoi, Kosel und Randa vollzogen wird, werden heute in der Wiener Zeitung veröffentlicht.

Die baltische Flotte und der Zwischenfall von HuL

London, 27. Okt. DerStand." meldet aus T o ki o i Me i «panische Presse verurteilt einstimmig das ,B e r - galten der spanischen'Regieren g und hält d,aK Entnehmen von Kohlen in spanischen Gewässern für einen Neutralitätsb'ruch.

Paris, 28. Okt. Aus London wird telephoniert^ die heutige Ausgabe derTimes" sage, die russische Retzierungf ser davon verständigt worden, daß die baltische Flo tte. ihre Fahrt nicht fortsetzen kann, bepor die russische Regierung die englischen Forder­ungen nicht beantwortet haben wird.

Gibraltar, 28. Okt. Ter Kapitän des deutsches DampfersTalbot" erklärte, unweit dem! Kap St.' Vinzent zwei russischen Kreuzern begegnet zu sein, welche Havarie erlitten hatten. Der Kapitän desTcüDdbf fragte an, ob die Kreuzer Hilfe nötig hätten, was.' von diesen verneint wurde.

London, 28. Okt. Eine hiesige Telegraph en agentur berichtet: Die russische Regierung werde heute der englischen vollständige Genugtuung geben. Außer der Entschädigung an die Hinterbliebenen der Opfer würd«if die russischen schuldigen Offiziere bestraft und! der englischen Regierung (nur dieser?) die Versicherung! gegeben werden, daß sich solche Zwischenfälle in ZuLmA nicht mehr ereignen werden.

London, 28. Okt. Ter amerikanische Geschäftsträger Henry White drückte der britischen Regierung, wie verlautet, die vollste Sympathie der amerikanischen Regierung aus, deren moralische Unterstützung er zusagte. Tas Parla­mentsmitglied für Hüll, Sir Seymour King, hatte eine Kon­ferenz mit Lord Landsdowne, wobei er auseinandersetzte, daß der russische Bericht nicht richtig sein könne. Fischerdampfer mit her­abgelassenen Netzen lägen so gut wie verankert.

London, 28. Okt. In hiesigen diplomatischen Greifen! wurde versichert, daß, nachdem Admiral Roschdjestwensky die volle Verantwortung für den Nordsee-Zwischenfall übernommen und ernstlich bedauert hat, das hiesige Kabinett beschließen wird, nicht auf der Abberufung Roschdjestwenskys zu b e st e h e n, um es Rußland zu ermöglichen, die übrigen englisches Forderungen zu bewilligen.

Telephonischer Kursbericht.

3l/2°/o Reichsanleihe . . 101.20 30/0 do. ... 89.05 3Vt% Konsols .... 101.15 3% do......89.15

372% Hessen . . . 99.75 37,% Oberhessen . .. 4% Oesterr. Goldrente . . 101.70 478% Oesterr. Silberrente 100.20 4% Ungar. Goldrente, . . 100.05 4% Italien. Rente . . . 103.60 41/, % Portugiesen . . . 62.70

8% Portugiesen 61.80 1% C. Türken ....

Türkenlose 127.00 4% Griech. Monopol.-Anl. 48.00 47,% äussere Argentiner.

3% Mexikaner .... 39.80 47,0/0 Chinesen .... 89.70* Electric. Sohuckert . . . 119.70 Nordd. Lloyd .... 106 90 Kreditaktien .... 209 40 Diskonto-Kommandii. . , 190.40 Darmstädter Bank . b , 141.50 Dresdener Bank .... 153.20 Berliner Handelsges. . . 160.00 Oesterr. Staatebahn . . . 140.20 Lombarden .... 17.40 Gotthardbahn 188.50 Laurahütte ..... 250.00 Bochum ...... 213.25 Harpener 213.90 Schatzscheine. :: besser.

Bekanntmachung,

Einquartierung betreffend.

Alle bis jetzt nicht zur Auszahlung gelangten Vergütungen für übernommene Einquartierung während der diesjährigen Herbst­übungen können von Freitag den 28. Oktober ab bei der Stadt­kasse gegen Vorlage der Quartierbillets erhoben werden.

Gießen, den 27. Oktober 1904. B37/io

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

________________Mecum._________________

Bekanntmachung.

Es haben aus der Stadt Gießen im Hofe der alten Kaserne am Brand zu erscheinen:

1. Offiziere, Sanitätsoffiziere rind Beamte der Reserve (kleiner Dienstanzug):

2. die Mannschaften der Reserve, sowie die zur Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden Entlassenen aller Waffen;

3. diejenigen der Landwehr I. Aufgebots angehörigen Mann­schaften,welchen ein besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Herbst-Kontrollversammlung zugeht, und zwar:

am 9. November, vormittags 9 Uhr: Jahrgänge 1897,1898, 1899 der Infanterie, sowie die oben unter Nr. 1 Aufgeführten aller Jahrgänge und Waffen (der Reserve, Offiziere 2c.);

am 9. November, nachmittags 2 Uhr: Jahrgänge 1900 und 1901 der Infanterie;

am 10. November, vormittags 9 Uhr: Jahrgänge 1902,1903 und 1904 der Infanterie;

am 10. November, nachmittags 2 Uhr: sämtliche Jahrgänge der Reserve der Garde, Jäger, Kavallerie, Feldartillerie, Fuß- artitterie, Pioniere und Verkehrstruppen;

am 11. November, vormittags 87, Uhr: sämtliche Jahrgänge der Reserve des Trains, Sanitätspersonals, Veterinärpersonals, sonstige Mannschaften und Marine, sowie zur Disposition der Truppenteile und Ersatzbehörden entlassene Mannschaften aller Waffeir und die oben unter Nr. 3 Aufgeführten. (Landwehr I. Auf­gebots, denen ein besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Kontrollversammlung zugeht.)

Es wird folgendes erinnert:

1. Befreiungsgesuche sind bis spätestens 8 Tage vor dem Appell durch das Hauptmeldeamt einzureichen und muffen durch die Bürgermeistereien bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Be­hörde beglaubigt sein. Berücksichtigung kann nur m den dringendsten Fällen stattsinden.

2. Jeder Kontrottpflichtige ersieht die Jahresklaffe, zu der er ge- * hört, auf dem Deckel seines Militärpasses.

3. Die Militarpässe mit eingeklebter roter Kriegsbeorderung bezw. Paßnotiz und Führungszeugnis sind mitzubrinqen.

4. Tie Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen, Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen.

6. Sämtliche Mannschaften stehen während des ganzen Kontroll- ' tages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.

Denigemäß werden auch Unpünktlichkeit und Versäumnis der Kontrollversammlung bestraft.

Die Ersatz-Reservisten haben bei der Herbst-Kontroll- versammlung nicht zu erscheineu.

Gießen, den 26. Oktober 1904. , B28/10

Großherzoglicke Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Eurschmann.

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Burkhardsfelden für 1905/06 liegt vom 31. Oktober d. Js. ab acht Tage lang zur Ein- flicht der Interessenten auf hiesiger Bürgermeisterei offen.

Burkhardsfelden, den 28. Oktober 1904. Großh. Bürgermeisterei Burkhardsfelden. ____________________Hoffman n. ______________8147

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Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die liebevolle Pflege der barmherzigen Schwestern während der letzten Tage des Krankseins meines lieben, unvergeßlichen Gatten

Herrn

Heinrich Schadeck III.

sowie den beiden teilnehmenden Gesangvereinen spreche ich hiermit meinen tiefgefühltesten Dank aus.

Elisabethe Schadeck, geb. Geißler.

Lollar, den 27. Oktober 1904. 8150

Wähler!

Um einer demnächstigen größeren, öffentlichen Bürgerversammlung eine die Gesamt­interessen der Stadt berücksichtigende Kandidatenliste zur Diskussion zu unterbreiten, schlägt eine Anzahl unvoreingenommener Bürger folgende Herren aus allen Ständen )ur Ltadtverordnetenwahl vor: DM/10

Zllsiijklit Dr. Gntfleisch, Th. Haubach. Kmmnzikmt Heichelheim, Jughardt, Kirch, Loos, W. Wallenfels; ferner: Pnschr Dr. Biermer, Dr. Ebel, Max Friedberger,

nachmittags 2 Uhr, werden im Bieker'schen Saale- versteigert: 67 Schlösser, 80 Flaschen Weiß- und Rotwein und Sekt, 14 Flaschen Boonekamp, 30 Flaschen alkoholfreie Getränke u. a. m.

Die Versteigerung der Schlosser findet ganz bestimmt statt. Sie können jetzt schon bei Martin Simon, Sonnenstraße, besichtigt werden. 8148

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