154* Jahrgang
Drittes Blatt
Nr. «01
Samstag 27. August 1904
Gießener Anzeiger
Erschein« täglich mit Ausnahme de- Sonntags.
Die „Gießener LamilienblStter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der -Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
RotatUmSdruck und Verlag der vrühltchen UnwerfttLtsdruckeret. 8L Lang«. Gießen.
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblati für den Kreis Giehen.
Zum Knadenmanifest des Zarev.
Das am Vorabend der Taufe des jüngst geboretten Zarensohnes, des nunmehrigen Thronfolgers Aleraj Nikolajewitsch, in herkömmlicher Weise erlassene Gnadenmanifest hat nach den bis jetzt vorliegenden Preßstimmen — zu denen russische allerdings nicht gehören unb aus naheliegenden Gründen, nicht gehören können •— in manchen Kreisen enttäuscht. Es ist das bei allen denen der Fall, die der Erjwartung sich hingegeben hatten, Nikolaus II. werde, einerseits fteuöig bewegt durch die Geburt eines direkten Thronerben, die ihm einen Herzenswunsch erfüllt, andererseits aber auch schMer-lich berührt vom Gange der Ereignisse im fernen Osten, das Bedürfnis empfinden, aus dem Wege der inneren Entwicklung seines Reiches einen entscheidenden Schritt vorwärts zu tun und seinem Volke an der verantwortlichen Leitung seiner Geschiß einen, wenn auch zunächst noch beschränken Anteil zu gewähren. Nur auf diese Weise — so meinen sie — werde der Zar dahin gelangen, Frieden zu haben mit seinen Untertanen, die schlummernden nationalen Kräfte zu wecken und nutzbar zu machen und dem Sohne derjeiwst ein im Innern gefestigtes und nach außen machtvoll dastehendes Reich zu überliefern.
Es kann keinem! Zweifel unterliegen, daß das hier bezeichnete Ziel — Herstellung des Friedens im Fnnern, Weckung der Volkskrast und Festigung der äußeren Machtstellung Rußlands — auch vom Zaren ins Auge gefaßt und erstrebt wird. Würde er doch unbegreiflich- ja pflichtwidrig handeln, wollte er; als Staatsoberhaupt zu einem solchen Programm sich nicht bekennen. IN Bezug auf die Mittel und Wege zur Ertreichung. dieses Ziels denkt er jedoch wesentlich anders als diejenigen, die ihm den wohlgemeinten Rat geben, auf einen Teil seiner Herrschergewalt aus freien Stücken Verzicht zu leisten und Rußland, tvenn auch nur Schritt für Schritt, in die Reihe der konstitutionellen Staaten einzuführen. In einem vor Jahr und Tag erlassenen Manifest hat er denen, die den Träger der Zarenkrone für das Linlenken in die Bahn liberaler Reformen nach westeuropäischem Muster zu gewinnen suchten — nnH überzeugte Befürworter einer solchen neuen Aera finden sich in Rußland bis in die hohen u.nd höchsten Kreise hinaus —, zu verstehen gegeben, daß er an den beiden GHuidpftilern der russischen Staatsordnung, der unbeschränkten Selbstherrschaft des Zaren und bet dominierenden Stellung der im Kinser ihr sichtbares ObehhauPt und chren Schutzherrn verehrenden orthodoxen Kirche, nie rütteln lassen werde. Zu Reformen, die innerhalb dieses Rahmens durchführbar seien, insbesondere zu einer Entwicklung der lokalen Selo stv er Wallung werde er gern die Hand bieten, das autokratische Prinzip werde er dagegen zu wahren wissen».
Ueber eine f o förmliche und feierliche Darlegung dessen, was er als seine Herrscher Pflicht, als unabweisbare Pflicht gegenüber seinem Hause und seinem Lande betrachtete, gewissermaßen ^ur Tagesordnung überzugehen", konnte Mko- laus II. weder durch das Glücksgefühl, nunmehr einen Sohn, einen direkten Thronerben, zu besitzen, noch durchs die Fülle trüber Erfahrungen aus jüngster Zeit veranlaßt werden. Im Gegenteil, die Geburr dessen, der menschlicher Voraussicht nach berufen sein wird, als sein unmittelbarer Nachfolger die Geschicke Rußlands zu leiten, konnte chn, den überzeugten Befürworter der Heilsamkeit des autokratischen Prinzips, den beseitigen Träger desselben eher bestimmen, nun mit doppeltem Eifer dafür Sorge zu tragen, daß von der zarischen Machtsulle nichts verloren gehe, daß sie also unverminoert vom Vater auf den Sohn vererbt werden könne. Wohl werden die traurigen inneren Zustände, von denen die bald hier, bald dort zum Ausbruch kommenden; lokalen Unruhen, die immer wieder sich erneuernden Atterv- tate, die Brandschriften der revolutionären Propaganda u. a. m. nur allzu deutlich Zeugnis ab legen, und die andauernd militärischen Mißerfolge im äußersten Osten- die alle Tapferkeit der dort im Felde stehenden Truppen nicht abzuwenden vermochte, auch ihm gezeigt haben, daß etwas faul ist im Zarenreiche, und wohl wird der Wunsch, dieser Fäulnis zu wehren und dem russischen Organismus frisches, gesundes Blut zuzufühven, bei ihm nicht weniger lebhaft sein als bei den Führerin der Steformparteien, der liberalen wie der radikalen. Wer sobald <s um die Beantwortung der Frage, wo der Sitz der Krankheit zu suchen sei und um die Wahl der Mittel zur Beseitigung des Uebels, sich handelt, weicht die Uebereinstimmung zwischen ihm und den Lüfornlecn der schäriften GegensätzliaMr. Was diese als die unheilvollen Folgen eines potenzierten Absolutist mus und Bureaukmtismus bezeichnen, stellt sich ihm, der bie Tinge ja zumeist mit den Augen seiner nächsten Ratgeber und obersten Diener ansieht, als das verderblich^ Werk böswilliger Agitatoren, verbissener Revolutionäre dar, und was ihnen als Heilmittel erscheint, ist in feinen Singen Gift oder bestenfalls eine ungeeignete Arßnei, die, statt dauernde Heilung zu bringen, nur neue Hebel herausbeschwören würde.
Ber sich all das gegenwärtig hielt, konnte kaum' entnehmen oaß das Gnadenmanifest des russischen Selbstherrschers den Wünschen urch Ratschlüssen der Reform' freunde, auch der maßvollsten und abgeklärtesten, in nemuuswertem Umfange Rechnung tragen, mit dem bisherigen Regierungsshstem mehr oder weniger offen brechen und Rui-luild eine neue Aera verheißen wurde. Als refvr- matorisci) kann man denn auch nur einen Punkt in der kaiserlichen Kundgebung betrachten: die Ankündigung, daß die törperliche Züchtigung als gesetzliche straft künftighin vollkommen inWegfall kommen, also auch den Bauern gegenüber, sowie im Heer und be i Der M a r i n c nicht mehr vollzogen werden solle. Das ist eine humane und dankenswerte Rtaßnahme, die hoffentlich bn,ut beitragen wird, die Mßstimmung in den bäuer- lichen > hin zu vermindern, denn gerade unter der Laud- bcböll ii'M hatte die barbarische Handhabung des Rechts der Pr 1 ।r "(Vic, durch die einzelne Gouverneure dieMasjen neu« ihiiifj IN Schach halten zu sollen glauben, eine hochf- aradige 1 .iterung hervorgerufen. Dem dringenden Verlangen .uhlreicher Semstwos nach endlicher Beseitigung
dieses traurigen Ueberbleibsels vergangener Zeiten hat der Zar nunmehr Rechnung getragen, und schon deshalb begrüßt das russische Volk das Gnadenmcntifest freudig. Hier ist ein wirNicher Fortschritt, ein wahrer Reformakt zu verzeichnen.
Im übrigen verheißt das Manifest eine ganze Reihe von Einzelmaßnahmen, die dazu bestimmt sind, Härten der Verwaltungspraxis oder der Gesetzgebung zu beseitigen, teils dauernd, teils wenigstens für den Augenblick. Alle diese Anordnungen zeugen von dem humanen Sinn des Zaren, von seinem auftichttgen Wunsche, sein Volk, vor allem die ,in gedrückten Verhältnissen lebenden breiten Massen desselben, an der Frjende des Kaiserhauses teil» nehmen zu bassen und für die Gnade, die der Himmel ihm erwiesen hat, dadurch zu danken, daß er seinerseits Gnade walten läßt gegenüber denen, die absichtlich oder unabsichtlich mit oen Gesetzen in Konflikt geraten sind oder gegen die bestehende Staatsordnung sich aufgelehnt haben. Auch den Finländern- die in der Verteidigung ihrer alten Rechte und Freihetten seit Jahren so oft seinen Unwillen erregt und die Schärfe des Gesetzes herausgefordert haben, will er als gnädiger Herr sich erweisen, sofern sie daraus verzichten, den Russifizierungsmaßniahmen einen allerdings aussichtslosen Widerstand entgegenzusetzen.
Ob diese und andere bedingungsweise gewährte Sttaf- minderungen vcher Sttafaufhebungen tatsächlich die Wirkung haben werden, die Nikolaus II. sich von ihnen versprecht, dürfte im wesentlichen davon abhängen, wie das Gnadenmanifest nicht nur von der Zentral-, sondern auch von den Lokalbehörden gehandhabt werden wird. Das alte Wort» daß der Himmel hoch und der Zar weit entfernt ist, könnte sich auch diesmal wie allzu oft nur als zutreffend erweisen. Nur wenn die russische Bureaukratie sich von Dem Geiste freundlicher Anteilnahme am Geschicke der Mühseligen und Beladenen durchdringen läßt, der in Der kaiserlichen Kundgebung unverkennbar zu tage tritt, werden die guten Absichten des anscheinend allmächtigen, in Wahrheit aber sowohl im großen wie im kleinen von der Dienstwillig- keit und Tüchtig kett einer tausend köpfte en Beamtenschaft abhängigen SelbstHerrfchers in allen Teilen des werten Reiches auch zur Tat werden.
Der 24. Kongreß des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit.
(Origiucttöerichr des „Gieg. Anz.")
-o- Dan zig 24. August 1904.
Weit ttt den Rondo sten unseres Vaterlandes hat die heurige Tagung den Kongreß geführt. Trotzdem sind ihm seine Mll- gliü>er treu geblieben, und auch aus dem Westen und Süden sind sie sehr zahlreich herdeigeeilt. Unser Gießen ist durch die Berren Beigeordneter Dr. Curschmann und Pfarrer Dr.
chlosser vertreten. Zu diesem zahlreichen Besuch mag neben dem Gewicht der zur Verhandlung stehenden Themata vor allem auch der Rus Danzigs als eine der interessantesten deutschen Städte beigetragen haben. Und wahrlich, es verdient seinen Ruf mit Recht. Keine von den alten Städten, die ich kenne, Nürnberg nicht ausgenommen, .Hal so treu seinen allertümlichen Charakter und die Erinnerungen einer großen Vergangenheit bewahrt, wie Danzig. Zwar nicht weniges hat auch hier den Bedürfnissen einer neuen Zeit, und einer neuen bedeutsamen EMwicklung der Stadt zum Opfer fallen müssen. So sind z. B. in der berühmten Hauptstraße, die Langgasse, die eigentümlichen geräumigen, von Bäumen überschatteten Vorbauten der Häuser, die mit lijren Freitreppen weit in die Straßen vorsprangen, die sog. Beyschläge, zum großen Tell verschaounden. Aber in der Zopen-, Frauen- und Heil. Geistgasse süw sie noch zu finden, und geben den Straßen ein ganz ÜMralleristisches Gepräge. Sellen wird die Reihe der eigentümlichen, oft sehr reizvoll durchgebildeten Giebel durch einen störenden, modernen Giebel durchbrochen. Auch in den neueren Stadteilen bemüht man sich, besonders von Seiten der „staatlick-en" und städtischen Behörden, die Neubauten der allen heimischen Architektur anzupassen. Gan^ besonders rühmend ist in dieser Beziehung die neue technpche Hochschule zu erwähnen. Der Charakter der Handelsstadt Dmrzig prägt sich besonders länas der die Stadt durchfließenden Dtetllau aus. Sie wird auf der einen Selle durch die mächtigen alten Speicher, die noch die alten Namen (König David, Roter Hahn usw.) tragen, .auf der anderen Selle durch den Sttaßenzug der Langen Brücke mit ihren alten Giebeln, den berühmten und mächtigen Krahnturm, und den alten Toren, durch die die Straßen der inneren Stadt auf die Atottlau münden, begrenzt. Gedenken wir noch des stattlichen allen Rathauses mit seinem schlanken, von frietticljen Barockgiebeln gekrönten Turm, her mächtigen Marienkirche, der größten Deutschlands (sie faßt 24 000 Menschen), mit ihren beruh raten Kunstwerken, vor allem dem herrlichen „Jüngsten Gericht" von Hans Memling, pes Artus- Hofs des allen Gesellschaftshaufes der St. Georgsbrüderschast und endlich der sck-ünen Umgebung, in der Wald und Wasser und See zufammenwirken, so wird es verständlich werden, wie wohl- begrürldet der Ruf Danzigs ist.
Wie üblich, fände,: sich die Kongreßteilnehmer am Vorabend zu einer zwanglosen geselligen Zusammenkunft, für die die schönen Mume des Danziger Hofs gewählt waren, zusammen. Vorher hielt der Zentralausichuß seine geschäftliche Sitzung in dem schönen Sitzungssaal deswtagistrats im Rathaus (dem berühmten roten Saal) ab.
Danzig, 25. August.
Um 9 Uhr begannen die Verhandlungen im großen Saal des Schützenhauses, der von einer zahlreichen Versammlung, .darunter auch vielen Damen, gefüllt war. Im Auftrag des ver- binderten Oberpräsidenten begrüßte Herr Oberpräfidialrat von Liebermann den Verein, im Namen der Stadt Herr Bürgermeister Trampe. , Nach Erledigung der geschäftlichen Mitteilungen und einem von dem Vorsitzenden gegebenen Rückblick über den Stand des Vereins, erteilt der Vorsitzende das Wort Herrn Stadtrat Sam ter aus Charlottenbilrg zur Erstattung seines Referates über die A u f g a b e d e r A r m e n p f l e g e b e: de r Bekämpfung der Tuberkulofe. Cr weist darauf hin, wie in diesem fcbema sich die völlig veränderte Auffassung der Armenpflege in unserer Zeit spiegele, wie sie nickst mehr in Spendung von Almosen, sondern in umfassender Bekämpfung der Ulfaibcn der Armut ihre Hauptaufgabe sehe.. Ganz besonders trete hier der Kampf gegen die große Volksseuck)e, der Tuberkulose, in den Vordergrund. Dieser Mambf konnte erst von dem Augenblick an in gröberem Maßstabe ausgenommen iverben, iiaclchem das Wesen dieser Kranklstit durch die ärztliche Wisfen- schaft tiefer ergründet war. Seitdem ist zum Glück die Hoff- uungslofigkeit, mit der man dieser Krankheit gegenüber stand, übenvnnden. Ein Kind tuberkulöser Eltern, gilt, wie von der Tuberkulose erstmals Versallener,. nicht mehr als rettungslos
verloren. Die ärztliche Wissenschaft weist den Weg zur Ueber» Windung der Krankheit durch Stärkung der gesamten Konstllution, wie sie besonders in ben Lungenheilstätten angestrebt wird. Noch stehen wir am ersten Anfang des Kampfes. Noch fallen dieser Krankheit Hunderttausende blühende Menschenleben zum Opfer. Aber schon zeigen sich die günstigen Folgen des, besonders unter Führung unserer Jnvalrdenanstalten, eröffneten Kampfes in der Abnahme der Sterblicksteitsziffern. Der Erfolg der Heilb stättenbehandlung beschränkt sich nicht auf die direkte Heilung der Kranken. .Ganz besonders wichtig ist die sanitäre Erziehung der Kranken. Kenn die Hauptaufgabe ist nickst die Heilung der bereits von der Krankheit ergriffenen, sondern die Verhütung ihrer Ausbreitung. Dazu dient die möglichste Jsollerung der Kranken, die UnschMichmachung _ ihres Auswurfs durch größte Reinlichkeit. Durch größte Sorgfalt und Reinlichkeit kann ein Tuberkulöser für seine Umgebung nahezu unschädlich gemacht wetten, .während ein unreinlicher Tuberkulöser eine fortwährende Gesahr ist. Aufklärung der Bevölkerung über das Wesen der Krankheit und die Mittel ihrer Verhütung ist darum einer der wichtigsten Aufgaben. .Daneben ist vor allem die Jugend in das Auge zu taffen und durch Ferienkolonien, .Walderholungsstätten, (zu denen in Charlottenburg jetzt sogar eine Waldschule kommt) und dergleichen gegen die ihr drohenden . Gefahren zu stärken. Die Erfüllung dieser Aufgaben macht eine befonders geregelte Fürsorgestelle, in denen die Armenpfleger mll den Aerzten und den Krankenschwestern zusammenwirken, nötig. Von ihr muß die Auffuchung der Kranken, ihre geeignete Behandlung und vor allem auch die dauernde Fürsorge für die gebessert aus den Heilstätten Entlassenen übernommen werden. Tie Armen- vslege hat von ihrem Standpuntte aus das allergrößte Interesse daran, diese Bestrebungen zu unterstützen. Da das Bundesamt für Heimatwesen auch die Unterbringung in Lungenhellstätten als zur Aufgabe der Armenpflege erklärt hat, so besteht rechtlich kein Hindernis dafür. Aber auch finanziell werden sich die großen Kosten, .die dafür aufgewandt werden müssen, dadurch lohnen, daß dann an diretten Armenunterstützungen gespart werden kann. Es ist darum zu fordern, daß, die Armenpflege in umfaffenderer Weife in den Kampf gegen diesen furchtbaren Volksfeind eintrete. Eine Grundbedingung dafür fei aber, daß daS, was die ArmeuDslege für Tuberkulöse tue, nicht in jedem Falle als eigentliche Arnlenunterftützung angesehen werde, die den Verlust des Wahlrechts nach sich zieht. Dadurch würden welle Kreise von solchen, .die im übrigen jede Armenunterstützung ablehnen, aber dock) die Mittel zum Eintritt in eine Heilstätte von sich aus nicht besitzen, abgehallen, die Hllfe der Armenpflege nach^usuchen.
Der Gegenberickiterstatter Dr. K o h l h a r d t aus Halle a. S. ergänzt diese Ausführungen vom ärztlichen Standpunkt. Er betont besonders die ficher festgestellte Heilbarkell der Tuberkulose, wenigstens in den ersten Stadien. Wenn auch die Zahl der in den Heilstätten wirklich 'Geheillen verhältnismäßig .gering sei, so hören doch diese auf, eine Quelle der Infektion für ihre Umgebung zu sein. Dies sei bei der recht großen Zahl vorübergehend Gebesserter wenigstens für eine Zell der Fall, bei den völlig Unheilbaren wenigstens für die Zell ihrer Unterbringung. Ganz besonders hoch anzusckflagen jei die allgemeine Hygiene Erziehung der Kranken, die ihr Zufammenleben mll ihren Angehörigen weniger gefährlich mache. Ein besonders wichtiges Moment sei die Fürsorge für die Famllie der Erkrankten, damll ihre Heilung nicht durch Sorgen erschwert werde.
Mehr und mehr treten in der Gegenwart alle die Maßregeln in den Vordergrund, die die Vermeidung der Ausbreitung der Kranthell erstreben, Pie Unschädlichmachung der Infektionsquellen des Auswurfs der Kranken, und die Tuberkelbazillen in Fleisch und Milch. Nachdem der Tuberkulose gegenüber die Hoffnung der Heilung bestehe, sei es feine Härte mehr, .wenn man die Kranken darüber auf klärt, daß sie an Tuberkulose leiden, weiin man auf möglichste Schonung, eventuell Unterbringung \nt Krankenhause, auf größte Reinlichkeit in betreff des Auswur's, auf zeitweilige Desinfektion der Wohnung, des Bettes bringt Auch die Gefunden feien darauf hinzuweifen, daß jede Kräftigung des Organismus die Gefahr der Erkrankung an Tuberkulofe vermindere. Ker Settionsbefund beweise in zahllosen Fallen, daß eine große Masse von Menschen, .die davon keine Ahnung haben, .in der Zell ihres Lebens einen Tuberkelherd besaßen, aber die Krankhell dank ihrer kräftigen Konstitution überwunden Sn. Besonders den Kiiidern sei danmi Fürsorge zuzuwenden.
tuberkelkranken Familien seien noch gesunde Kinder herauszunehmen. /Alle diese Bteßregeln können zwectentsprecheiid und vollständig auch durch besondere Organisation von Fürsorgestellen für diesen besorrderen Zweck, wie sie in Halle, Kassel, Poserr, Berlin und Charlottenburg bereits bestehen, getroffen werden.
In der Diskussion betont Geh. Rat Pütter, der frühere verdienstvolle Leiter des Armenwesens von Halle, der dort bo- fonders den Kampf gegen die Tuberkulose organisiert hat und auf Grund davon in das Reichsgefundhellsamt berufen wurde, auf Gruiid feiner reichen Erfahrung die planmäßige Fürsorge vor allem für die in ben Anfangsstadicn befindlichen Kranken und alle Maßregeln zur Verhillung der weiteren Anltecknng.
Professor Dr. P e r r u s cd k y ans Dmizig hat mit Tuberkulin sehr gute Erfahrungen gemacht. In Danzig sind damit gute Heilerfolge erzielt worden. BefoiiderS wichtig sei es auch als Mittel, die Angehörigeii von Kranken vor Ansteckung zu sichern.
Dr. Bühl, der Letter der Hamburger Armenpflege fordert daß es ben Armenärzten in größerem Maße als bisher, jur Pflicht gemackst werde, den Kampf gegen die Tuberkulose bei den
Prozent völlige Öntbaltung
mäßigen Gebrauch und nur bei festgestellt. Der S H \V 1111
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Kivcheurat H ö ck, steiler au
ch erweitert diese AuS-
AlkobvliSmus sei ein gutes
Pfleglingen der Armenpflege aufzuuehuien. Die Cmtziehung des Wahlrechts für solche, die durch die Armenpflege in die Anstalten geschickt werden, .widerspreche der modernen Auffassung. Um sie zu verineidcn, bedürfe es einer besonderen gesetzlichen Jnerprtetation deS Begriffs ,,Armenunterftützung^, ivoiiach er auf solche vorübergehende AnstaltsbelMidlung keine Anlvendung
finbe.
Von anderer Selle wird für diesen Zweck die Schaffung von Freistellen in Lungenheilanstatten bunt) bie Kommunen empfohlen. Den Erfolgen der Heilstätten wird allseitig das grüßte Lob ge> spendet. Bei der Frage, .wie die ungeheuren Kvslcn hierfür aufgebracht »vorden sollen, wird von einer Seite auf bie ErbsckaflS- steuer hingewiesen. Dr. M ü n st erborg fasst die Ausgaben der vlrnieiipflege, .und besonders die empfohlenen Fürforgeftellen, der Tuberkulose gegenüber babin zusammen, alle .'hätte und Faktoren unter Führung der Aerzte und unter bei rüderer Beteiligung der Frauen, zusammeiizusassen, um das ganze Nest der in ben Verlßiltnifsen der breiten Bevölkerung vorhandenen uucucn der Tuberkulose au-zuheben. . x ,
Von den Vertreten« der MäßigkeitSbervegung Witt butx Pastor Stubbe aus Kiel auf ben nachgclviest'lien >ustimmen-' Hang zunfckien Tuberkulose und AUolroltennis hingen’ic|en. xr. Liebe in Braunfels habe bei feinen Kranken au, dein Olipu-s hauferhof bei 10 Prozent auSgefl’rachcncn ^llkicholu. mu >, bei -4 Prozent regelmäßigen Gebraust’ von^ A^kolwO be^ - Prozent


