Ausgabe 
28.7.1904 Zweites Blatt
 
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Z>ic Einweihung des Denkmals Philipps des Kroßmütigen in Kloster Kama.

[] Kloster Haina, 27. Juli.

In nnfcrein fernab dem Weltgetriebe liegenden, noch nicht vom Tampftoß berührten, von waldigen Bergen um­gebenen Orte hatten sich heute viele hunderte, vielleicht auch tausende von Bewohnern unseres Hessenlandes eingefunden, um der Enthüllung des Denkmals des Stifters des hiesigen Landeshospitals, des Landgrafen Philipp des Großmütigen, dessen 400jährigcr Geburtstag gestern bereits durch einen Festakt im Marburger Schlosse begangen wurde, beizuwohnen. Von 9 Uhr ab trafen nach und nach in endloser Reihe die Wagen ein, welche die Festteilnehmer von den verschiedenen Stationen, die meist über 46 Stunden entfernt liegen, ab­geholt hatten. Unter den Festgästen waren Oberpräsident Exzellenz v. Windheim, Regierungspräsident v. Tratt zu Salz, der Vorsitzende des Kommunallandtags, Kammerherr v.Pappen- heim, sonstige Vertreter der Regierung aus Kassel, des Kon­sistoriums und der Geistlichkeit, die hessische Ritterschaft, die Landräte, der hessische Geschichtsverein, der von seiner Jahres­versammlung aus Marburg gekommen war usw. Da auch alle Schulkinder der Umgegend geschlossen anzogen, bewegte sich bald in den sonst so stillen Gassen eine Menschenmenge, wie sie Haina noch nicht gesehen hat. Die Feier wurde um 2 Uhr mit einem Festgottesdienst in der alten Klosterkirche eröffnet. Diese war so gedrängt voll, daß Mancher wieder umkehren, mußte. Auch ein Teil der armen geistesschwachen Anstaltseingesessenen wohnte in einem besonderen Abteil dem Gottesdienst bei. Eröffnet wurde er mit gemeinsamem Gesang, worauf Pfarrer Weiß- Haina in seiner Rede der Verdienste des Landgrafen Philipp um das Hessenland gedachte und ihn als einen echt kirchlich gesinnten Fürsten schilderte. Die Schlußandacht hielt General­superintendent Werner-Kaffel, worauf der feierliche Gottes­dienst mit dem Gesänge des Lutherliedes:Ein feste Burg ist unser Gort!" sein Ende sand.

In geschloßenem Zuge wurde dann zu dem in un­mittelbarer Nähe der Kirche befindlichen Amtsplatz gezogen, wo das Denkmal Ausstellung gefunden hatte. Der Direktor der Kgl. Zeichenakademie in Hanau, Prof. Wiese, hielt hier als Schöpfer des Denkmals die erste Ansprache. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß es ihm vergönnt war, dem Hefsenland das Denkmal zu schaffen. Nach ihm sprach namens des Kommunallandtags Kammerherr v. Pappenheim. Er betonte, daß neben dem Denkmal von Erz und Stein der edle Hessensürst durch sein Wirken ein bleibendes Denkmal im Herzen jedes Hessen habe. Er übergab dann das Denk­mal der Fürsorge des Landeshauptmanns für Hessen, Frhr. Riedesel zu Effenbach, der es dann in die Obhut des Vorstehers des Landeshospitals Haina, des Sanitätsrats Scheel, gab. Sämtliche Redner gedachten der warmen Liebe und Fürsorge Philipps für sein Volk und gelobten, sein Werk, das er begonnen, in seinem Sinne weiter zu führen.

Nachdem dann ein Zögling der Anstalt einen Kranz niedergelegt und mittlerweile die Hülle des Denkmals ge­fallen war, hielt Pfarrer Wissemann-Hofgeismar die Festrede. In fast einstündigem Vortrag entwarf er ein Lebensbild des Fürsten, erwähnte seine Tugenden und vergaß auch nicht seine Fehler, die mit den damaligen Zeitverhältnissen vielleicht zu entschuldigen seien. Philipp der Großmütige habe viel getan, besonders für die Armen und Schwachen, und als leuchtendes Vorbild stehe er vor aller Welt. Nach dem Gesang des ChoralsNun danket alle ©oft' betonte Oberpräsident v. Windheim in einer Ansprache, daß jedes Volk, das seine großen Mäuner ehre, sich damit selbst Ehre erweise. Der Redner schloß, nachdem er aus die heutigen Zeiten hin­gewiesen, mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser.

Hiermit hatte die offizielle Feier ihr Ende erreicht und es schloß sich Volksfest an. Das 5 Meter hohe Denkmal trägt die Inschrift:

Landgraf Philipp dem Großmütigen Geboren 13. November 1504 Dem Stifter dieses Hospitals Das dankbare Hessenland.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 28. Juli 1904.

* * Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Kommerzienrat Wilhelm Preetorius in Mainz von der Stelle eines Handelsrichters bei der Kammer für Handels­sachen mit dem Sitze im Mainz auf sein Nachsuchen ent­hoben.

* * Empfänge. S. K. H. der Großherzog empfingen am 27. Juli u. a. den Lehrer Schneider von Heuchelheim und den Lehrer Walter von Schwarz bei Alsfeld.

* * Reichs bank. Am 8. August d. J§. wird in Eickel eine von der Reichsbankstelle in Bochum abhängige und am 10. August d. Js. in Gebweiler eine von der Reichsbankstelle in Mülhausen i. Els. abhängige Reichsbank­nebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giro­verkehr eröffnet werden. Auch werden Wechsel auf den in Eickel anstoßenden Ort Wanne, welche nach dem 7. August fällig sind, von jetzt ab angekaust werden; diese sind an die Reichsbanknebenstelle in Eickel zu girieren.

* * Vorkehrungen zur Verhütung von Wald­bränden. Angesichts der anhaltenden Trockenheit hat der Minister der öffentlichen Arbeiten die Königlichen Eisenbahn­direktionen mit Beziehung auf den Erlaß vom 13. März 1901 veranlaßt, die Vorkehrungen, die zum Schutze der einer Entzündung durch Flugfeuer besonders ausgesetzten Wald­strecken getroffen sind, aus das sorgfältigste zu prüfen und zu überwachen. Besonders sei für Wundhalten der Schutzstreifen und Schutzgräben und für ausreichende Bewachung gefähr­deter Stellen mit Nachdruck zu sorgen. Ebenso ersucht der Minister die Eisenbahnkommissare, auf die ihrer Aussicht un­terstellten Privatbahnverwaltungen in gleichem Sinne zu wirken.

w. Nidda, 27. Juli. Das am Montag und Dienstag vorübergegangene Gewitter hat neben ausgiebigem er­quickendem Regen heftige Stürme gebracht, welche Bäume umgeriffen und Kornhaufen umgeworfen haben. In Ober- Schmitten schlug der Blitz in einen Kornhaufen und brannte ihn vollständig zusammen. Das Obst wurde vielfach von den Bäumen geschüttelt, kann aber nun zu Gelee verbraucht werden.

§ Friedberg, 27. Juli. Die diesjährige Prüfung der Schulamts-Aspirantinnen findet vom 5. bis 8. September am hiesigen Lehrerseminar statt.

Darmstadt, 27. Juli. Der durch Mörderhand ge­fallene Architekt Döring, der ein Vermögen von rund 135 000 Mk. hinterließ, hat die Stadt Darmstadt nach Abzug der Vermächtnisse zu einem Viertel zum Erben eingesetzt. Die Stadt ist nach dein Testament in der Ver­wendung des ihr angesallenen Erbteils nicht beschränkt. Die zahlreichen Verwandten Dörings sind sämtlich mit Vermächt­nissen bedacht. Nach Abzug dieser Vermächtnisse bleiben zu verteilen annähernd etwa 50 000 Mk., jo daß also die Stadt, welche die Erbschaft angenommen hat, ein Viertel hiervon erhält.

Darmstadt, 27. Juli. Ein Zeichenkursus für Volksschullehrer beginnt hier am 1. August; er dauert drei Wochen.

fc. Mainz, 27. Juli. Im September d§. J§. findet hier der deutsche Hebaurmenkongreß statt. Eine gestern abgehaltene Sitzung, der auch der Kreisarzt Dr. Balser bei­wohnte, beschloß mit dem Kongreß eine Fachausstellung zu verbinden.

Laudwirtschast.

Obsternte-Aussichten im Kreise Schotten. Obst­bautechniker Wißner-Friedberg hat soeben eine achttägige Rund­reise durch den Zkreis beendet, um einen Ueberblick übeS die Obst­erträge zu gewinnen und für die Beschickung der Obstausstellung in Büdingen und später Düsseldorf zu interessieren. Die Ertrags­aussichten sind überall, je nach den Beständen und angebauteu Sorten gute. Zum mindesten ist eine gute Mittelernte in Aepfeln sicher. Tie Trockenheit hat den älteren tragenden Bäumen bis letzt noch nicht geschadet. Die Früchte sehen glatt und gesund aus. Das Laub fängt nur bei jüngeren Pflanzungen an gelb zu 1 verben. Aus den trockensten Stellen tragen in diesem Gebiete gute, wohlausgebildete Früchte: der Sauerapfel, Geflamter Kar­dinal, Schafnase, Jakob Lebet, Landsberger Reinette, Goldpar­

mäne und graue französische Renette. .Auf der Hohe von ttssa nach Stornfels steht ein aller Baum von der zuletzt genannten Sorte in seltener Frische und reichem Behang, als wenn er stets nach Bedarf Regen gehabt hätte. Weiter tragende Sorten sind die verschiedenen Süßäpfel, Roter Herbstcalwill, auch Casseler Renette hängt sehr voll, ebenso Oberdiecks Renette, Baumanns Renette und die .vereinzelt anzutteffenden Canada-Renetten und Ribston Pepping. Lokalsorten zählen wieder mit zu den besten Trägern, nur meist zu kleinftüchtig. Die meisten Aepselfrüchte dürften geerntet werden in Ulfa, -vo auf der sogenannten Gänsweide", einem trockenen Hang, wunderbar reichtragende Bäume und in besten Sorten stehen; weiter in Laubach und Nachbarorten, Bobenhausen, Eichelsachsen, Schotten und besonders auchinSLeinberg-Glas Hütten. In Birnen ist kaum eine Mittelernte zu erwarten. Z w e t s ch e n- bäume sind meistens zum Brechen voll, auch die Nußbäume zeigen eine seltene Fruchtbarkeit. Den betreffenden Gemeinden ist zu empfehlen, ihre Obstversteigerungen nicht bloß im Kreisblatt bekannt zu machen, sondern auch dazu dieMllteilungen der Zentralstelle für Obstverwettung und des Obstmarkt-Komitees Frankfurt a. M." zu benutzen. Geschäftsstelle: Gneisenauftraße 15, am Hauptbahnhof. Im ganzen Kreise Schotten ist ein sichtlicher Fortschrllt im Obstbau zu erkennen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Märkte.

§ Grünberg, 27. Juli. Heute wurde hier unserJa­kobimarkt" abgehallen, der ttotz des gleichen Marktes zu Ulrichstein starke Auffahrt an Vieh und guten Besuch aufwies. Auf .dem Viehmarkt zeigte sich die Auffahrt mit Rindvieh mäßig, mit Schweinen in gewohnter Art stark. Der Handel in beiden Viehgattungen hatte nicht den üblichen flotten Gang, sondern stockende Abwicklung. Die Preise für Rindvieh müssen immer noch als hoch angesehen werden, obwohl eine Rückwärtsbewegung ein­getreten ist. Die Preffe für die Schwene waren niedrig. Man be­zahlte für das Paar Ferkel erster Güte 4648 Mk., zweiter Güte kosteten herab bis zu 40 bis 38 Mk., Läufer wurden pro Paar mit 70 bis 80 Mk. bezahlt. Aer Krämermarkt hatte tnr im Gange befindlichen Emtearbeiten wegen schwachen Besuch.

() Ulrichstein , 27. Juli. Unser heutiger,, gestriger und vorgestrigerJa ko bim ar kt" hat seinem .Ruf alsRegen­markt" trotz der seitherigen Trocknung wieder wahr gemacht, und unsere Landwirte, die ihre Hoffnung auf den Jakobimarkt als Regenbringer gesetzt hatten, sind nicht getäuscht worden. Der erste Markttag brachte den sehnlichst erwarteten Regen. Ein Gewitter- sturm tobte dabei in den Nachmittagsstunden, daß der kaum auf- gebaute Zirkus zusammengerissen wurde. Die Auffahrt mit Bullen und anderem Rindvieh war am vorgestrigen Markte schwach, geftern aber stärker. Der Handel zeigte gedrückte Stimmung, eine Folge der Dürre, die keinen Wuchs des Grünfutters auf- kommen läßt. ,Die Preise waren nicht hoch; sie müssen als Mittelpreise bezeichnet werden. Kühe erster Klasse gingen für 400420 Mk. ab, Rinder erster Sorte für 200250 Mk. und 300 Mk., jüngere für 150180 Mk.; Kälber waren wenig vor- handen, da sie auf Lebendgewicht meist von den Händlern in den Ställen aufgekauft werden. Der Preis für die Schweine zeigte gleichfalls einen Rückgang; man zahlt nicht mehr die ungewöhnlich hohen Preise von 60 bis 70 Mk. für ein Paar junger Ferkel. Obschon auch der heutige dritte Markttag zweifel­haftes Wetter mit zellweise kleinen Regenschauern brachte, war doch 4ein Besuch gut.

Kerichtsjaal.

d. Marnz, 27. Juli. Als ein gemeingefährlicher Schwind­ler hat sich der Maurerpolier Klemens Koch aus Molsbach erwiesen. Er wurde in Köln ausgewiefen und kam jim 7. Juli hierher. Er suchte die streikenden Maurer auf und schwin­delte diesen vor, daß er laut Vertrag mit den Bauunternehmern 42 auswärtige Maurer hierher verbringe. .Er habe nichts von bem Streik gewußt, sonst hätte er ben Vertrag nicht abgeschlossen. Die Streikenden boten ihm nun Vergütung für den Rücktrans­port der 42 Leute an; er wollte aber außerdem für seinen persönlichen Schaden noch 100 Mk. Durch seine vielen Schwatze­reien entstanden bei den Streikenden an seine Ehrlichkeit Zweifel, diese ließen den K. verhaften, worauf fein SMvindel sich heraus- ftetite. Die Strafkammer verurteilt ihn heute zu einem Jahr Zuchthaus.

Ztniversttäts-Wachrichtea.

Bonn, 27. Juli. Der bisherige Studiendirektor an der städtischen HandelZhochschule in Köln und außerordentliche Pro­fessor der Staatswissenschaften an der Bonner Universität, Dr. jur. Hermann Schumacher ist zum ordentlichen Professor der Staatswissenschaften in Bonn ernannt worden und zwar an Stelle von Professor Dr. .Eberhard Gothetn, der nach Heidelberg.über­siedelte.

Heidelberg > 27. Juli. Die Professoren Dr. .Max Weber und Dr. Ernst Troeltsch von der hiesigen Uni- versllät werden sich demnächst, einer an sie ergangenen Einladung Folge leistend, nach St. Lou4s begeben, um dort Vorträge zu hallen.

Iic Iarmuädter Kunstausstellung.

R. B. Darmstadt, 24. Juli.

Die Kunstausstellung im Ernst Ludwighause, der wir heut noch einen Besuch abzustatten haben, ist der Gegenstand besonderen Interesses für alle diejenigen, die vor drei Jahren hier die ersten Früchte der neuen Künstlerkolonie näheren Betrachtungen unterzogen. Damals warenDie Sieben", die erst wenig Mo­nate vorher aus den verschiedensten Kunstkreisen hier zusammen- berufen wurden, noch ziemlich fremd zu einander, es fehlte ihnen nicht nur jede nähere Verständigung ober Aneinander­schließung in Bezug auf das gemeinsam zu erstrebende Ziel, sondern auch die Harmonie der Persönlichkeiten, die innere Ueber- einstimmung und Kordialität untereinander ließ viel zu wün­schen übrig. Heute ist das anders. Pon den damaligen Mit­gliedern sind nur die beiden Professoren Olbrich und Habich da, die gewissermaßen auch die künsilerische Führung übernom­men haben. JDie drei neuen Mitglieder, Paul Haustein, I. V. C i s s a r z mW Dr. Greiner kamen nickst in eine neue, ungewisse Wirkungsstätte, sondern sie wurden durch den hohen Protettor berufen auf Grund ihrer bisherigen Proben künst- llrischer Befähigung uni) Entwickelung, von denen man sich ein gedeihliches Fortschrellen der hier vertretenen Shinftbeftrebungen versprechen durfte. Und die Erwartungen, die man an ihre Berufung knüpfte, sind bisher auch in erfreulicher Weise er­füllt worden; die jetzige Ausstellung gibt den Beweis dafür.

Im Mittelraume des Ausstellungshauses haben wir zunächst Gelegenheit, die jüngsten Werke unseres hochtalentierten Darm­städter Künstlers, Prof. Ludwig Habich, Lu bettacksten, die hier in einer prächtigen Kollektion von zehn Stücken ausgestellt sind. Am meisten entzückt uns eine neue Porträtherme unseres Großherzogs aus Bronze, die auf einem hohen dunklen Granit­sockel ruht. Die allen wohlbekanMen Gesichtszüge sind hier mit außerordentlicher Feinheit und Charakter istil im Ausdruck wieder­gegeben, und auch die beiden Porträts des Stadtverordneten Sck-upp und des Grafen Känitz sind Meisterstücke feinkünstlerischer Individualisierung. .Ein groß angelegtes und in vollendeter. Weise durckMfnh-rtes Werk ist auch die Jüngl ngsfigur mit dem russischen Kreuz, die als Denkmal für den Moskauer Friedhof angefertigt wurde und dem Großfürsten Sergius gehört. Neben diesen Prachtstücken hat der Künstler noch einen herrlichen weib­lichen Torso in natürlicher Größe (Gipsmodell) und mehrere Reliefs ausgestellt, darunter ein kleines, als Türfüllung für das graue Haus bestimmtes Medaillon, das den Bibelspruch ,Jch lasse Dich nicht, Du segnest mich denn" in genialer Wesse symbolisiert. Neben dieser von tiefeniftem Empfinden durch brunpenen Szene, die einen mit dem Engel des Gebets ringen­den Jüngling barstellt, gibt der Künstler auch noch einige Proben

köstlichen Humors in bem weinfroh lacl)enden Bachantenkopf, der als Brunncnmaske den von der Stadt für den Plataneiihain auf der Mathildenhöhe gestifteten Brunnen sckMÜckt und in dem großen, zunächst in getöntem Gips ausgeführten Relief, das eine häusliche Szene einer Faunenfamilie zeigt und für das Eckhaus der Dreihäusergruppe bestimmt ist. Ludwig Habichs auS gereifte Kunst darf .den Werken der ersten unter den modernen Meistern würdig zur Seite gestelll werdeii!

Der schon bei Besprechung der Muster-Häuser rühmend er­wähnte Künstler Paul Haustein hat im Emst Ludtvighaus noch in drei tveiteren Räumen schöne Proben seiner dekorativen Wohnungsausstattungskunst ausgestellt, ein Herrenzimmer in dunkelgebeiztem Eichenholz jnii Intarsien, ein Damenzimmer in weißem Ahorn mit Holz- und Elfenbeinschnitzereien und ein Schlafzimmer in Nußbaumholz. Diese Zimmereinrichtungen sind von der Hofmöbelfabrik Ludwig Alter hier in gediegenster Weise ausgeführt und werden gewiß unter den sie besichtigenden Ehe­paaren volles Entzücken Hervorrufen. Mit einer tveiteren Sonderausstellung ist auch der jüngste Zugehörige der ^Mnstler- kolonie, Herr Dr. Greiner, .vertreten. Er hat erst vor wenigen Jahren die Kanzel mit dem Künstleratelier vertauscht und ging von seinem geistlichen Wirkungsort in Oberhessen (Schotten) zum Studium der Plastik Aach Paris, wo er in überraschend kurzer Zeit seine Ausbildung für seinen neuen Beruf vollendete. Dr. Greiner hat einige 60 Arbeiten ausgestellt, darunter Mar­morbüsten von Balzac, Suppes und seiner Gattin. Unter den zahlreichen Studienköpsen ragt besonders das Haupt Johannes, des Täufers, hervor, und unter den Basreliefs ein Flöten­spieler. In den maimigsachen Porttätplaketten, Terrakotta-Ar­beiten und Zeichnungen tritt eine außerordentlich reiche Phan­tasie und Vielseitigkeit deS Künstlers zutage; zwar noch recht verschiedenartig.an künstlerischem Wert, lassen die gröberen Ar­beiten doch zweifellos ein ganz hervorragendes Talent erkennen, daS bei weiterer gewissenhafter Fortbildung noch reiche Früchte zeitigen wird.

Die umfangreichste Sonderausstellung hat das vierte der Koloniemitglieder, I. V. Cissarz, veranstaltet; sie umfaßt weit über 100 Nummern, und besteht auS Gemälden, Zeick>- nungen, Studien, Radierungen, Impressionen, sowie aus einer Anzahl von nach feilten Entwürfen durch Artur Berger in Dresden angefertigten Schmuckgegenständen. Der Künstler er­scheint in fast sämtlichen Arbeiten als eine fertige, zielbewußte Kraft, die sich besonders auch in feiner bucl)gewerblict)en und Plakate-Ausstellunp offenbart. Die zahlreichen und mannig­fachen Jllustraliolteu des noch jungen Künstlers für größere Verlagsweike, die Entwürfe für die altbeiitfdH'n Webereien der Firma Ferd. Stein in hllsseld und für viele andere knnst- gcwcrblickx Anstaltett werfen eine fcltcnc Fülle origineller künst­

lerischer Ideen auf, die sich dabei dem prakttschen Zweck des Ganzen mit größter Leichtigkeit anpassen. Cissarz hat sich in der erst kurzen Zeit seiner hiesigen W.rlsamkeit schon in der vortell- haftesren Weise auf den verschiedensten Gebieten nützllch ge­macht, und die beste Probe dafür liefert er durch die kunstvolle Ausgestaltung des Ausstellmtgskatalogs, für welchen Schrift­steller Viktor Zobel, der die Redallion desselben besorgte, auch eine gemütvolle Betrachtung über die Darmstadter Kunstbestreb- ungen im allgemeinen schrieb.

Mit der Llusstellung verbunden sind auch noch in ben freien Räumen der drei Meisterhäuser verschiedene kleine kunst- geivcrblicfte Sonderausstellungen hiesiger Firmen, die meist nach Entwürfen der vorgenannten Künstler arbeiteten. Wir nennen hier nur die Sonderansstellungen der Hofbnch- und Stein­druckerei H. Hohmann, des Leinenhauses H. und F. Becke r, der Firma Heinrich L a u tz, der Firma Joseph Stade und der deutschen Linkrustmoerke Gerhard u. Co. in Höchst a. M. Daß namentlich für die Aussckwiuckung der einzelnen Zimmer durch Stickereien, .kostbaren Vorhängen, Sophakissen, Glas, .Por­zellan, Blumen usw. iwch zahlreiche ^andere hiesige und aus­wärtige, Firmen tätig waren, bedarf wohl keines besonderen Hinweises, ^ie sind im Katalog sämtlich getreulich verzeichnet, auch ist fast allen Sackien der Preis beigtfügt, was vielen der Defuckjer sehr erwünscht sein wird. Die Ausstellung wird neben ihrem eigentlichen künstlerischen Zweck auch reiche prattische Anregungen bieten und dem Wunsche des hohen Protektors nttsprechend Hessens Kunst und Gewerbe ^cutz und Ehren bringen!

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M a n n h e i m, 25. Juli. Wie demBerl. Börsen Courier" von einem Wiener Korrespondenten gemeldet wird, foll jicb unter den Bewerbern um den diesigen Intendanten post en, der durch die Berufung Dr. Bass'ermanns nach Karlsruhe frei wurde, auch Josef Kainz, Mitglied des Wiener Burgtheaters, be­funden haben. Es seien ihm 30 000'Mk. feste Bezüge geboten mürben, unb_ die Verhau, l..ngen seien nur daran gescheitert, daß Kainz das Sckwuspiel von der Oper getrennt haben wollte.

Ein Dante-Standbild als Geschenk von Italien. Das Goethe-Standbild, das der freu flehe Kaiser in Rom errichten ließ, hat in Italien den Gedanken wachgerufen, Deutschland ein OH'genge)ebenf zu widmen. Die befannte, in Florenz erscheinendeSeena JUustrata" trat mit der Anregung hervor, daß Italien ein Dante Standbild in Berlin errichten möchte. .Die genuensche ZeitungEaffaw" empfiehlt diesen 'An schlag, der die Billigung bcrvorragcnbfi Italiener fand, in einem idXvmtgbollen Aussatz. In Florenz wird demnach)! ein Komitee zusammentreten, um eine Aktion im Sinne der Anregung ein- Gleiten. Man rechnet uisbefondcre auch auf die Teilnahme der tialu'xiiÄ'it Äolowc in Beilin.