Ausgabe 
28.7.1904 Erstes Blatt
 
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Mr Regatta siird soweit fertig und auch die schwierige Frage, Unterbringung der großen AnzM fremder Boote, ist glück- Uch.-gelöst. Gegenüber dem Bootshause, auf der Schürzschen Merche, ist eine große Bootslagcrhalle errichtet und den Zu- Ichaucrn dadurch Gelegenheit geboten, die Boote bereits auf der Fahrt nach dem Start zu beobachten. Die ersten Boote aus­wärtiger Vereine sind eingetroffen. Infolge der zahlreichen Meld- ungen finden Sonntag vormittag die Vorrennen statt, bei denen es schon zu heißen Kämpfen kommen wird. Kommen doch bei der mesigen Regatta verschiedentlich Vereine von Nord- und Süd­deutschland zusammen, die dieses Jahr noch keine Gelegenheit hatten, ihre Kraft gegeneinander zu messen. Tie Preise stehen von heute bei der Firma Ehr. Reiber im Schaufenster aus, und chelonderv die schonen Wanderpreise, gestiftet von Sr. Kgl. Hoheit ^-/ ^Kerzog von der Stadt Gießen, dem Aussämß des deutlet : Aiderverbandes und dem Ehrenvorsitzenden der G. R.-G.

I. Kirch .Em großer Teil der übrigen Preise ist von Freunden des Rudersports gestiftet. Die Musik steNt das - ^^Üvner-Regt. nach der Regatta, fhtbet bei günstiger

Witterung Reunwn am Bootshause statt, bei ungünstiger Witter- UN? /m Hotel Grofiherzog von Hessen. Mittag ist Festtafel int Hotel Großherzog von Hessen.

Kerichtssaal.

Hanau, 27- Juli. Der blinde Philipp B. von Fechenheim öwht mit der geistesschwachen Katharina G., gebürtig von Mnnedermuß, heimatlos in der Fremde umher. Ein Obdach besitzen sie Nicht, und so kcnnpieren sie vielfach tm Freien. Der Mc spielt Harmonika, die Gefährtin bettelt die wenigen Münzen, die sie brauchen, zusammen. Als sie mehrfach Feuer in der Nähe des. Waldes bei Großkrotzenburg anzündeten und dadurch bei der letzigen Dürre Gefahren heraufbeschworen, wurden sie von der Sicherh^itsbehorde aufgegriffen und Anklage gegen sie erhoben wegen Landstreicherei und wegen Anzündens von Feuer an gefähr­lichen Stellen in Wäldern. So stand gestern das erbarmungs­würdige Pärchen, das anmutet, wie ein paar Gestalten aus GorkisNachtasyl", wegen der beiden Uebertretungen vor dem Schöffengericht. Blinde wurde freigesprochen, weil das Ge­richt, da er sein Möglichstes tut, um sich durch Harmvnikaspielen seinen Unterhalt zu verdienen, ihn nicht unter die Landstreicher rechnet, an dem Feueranzünden wurde ihm vom Gericht eben- faNs keine Schuld beigemessen, da er seine Gefährtin nicht daran hindern konnte. Die Katharina G. wurde wegen Feueranzündens zu einem Tag Haft verurteilt, der durch die Untersuchungshaft verbüßt ist. Beide wurden daher wieder aus der Haft entlassen. Nach einer Mitteilung der Sicherheftsbeamtcn sind Vorkehrungen getroffen, daß beide in Armenhäusern untergebracht werden.

(S. u. H.) Frankfurt a. M., 27. Juli. Ein äußerst sen­sationelles Nachspiel zum Bilse-Prozeß wird am Freitag und Samstag das Kriegsgericht der 21. Division be­schäftigen. Unter der Anklage des Zeugenmeineides hat sich der Oberleutnant Witte zu verantworten, der früher im Lothringischen Trainbataillon Nr. 16 in Forbach 'Dienst tat und durch die Enthüllungen im Bilse-Prozeß so arg kompro- pnittiert wurde, daß bei dem großen Revirement in Forbach auch er eine Strafversetzung als Bezirksoffizier nach Siegen in Westfalen über sich .ergehen lassen mußte. Seine zeugen­eidlichen Aussagen im Vilseprozeß hatten dann noch die weitere Folge, daß eine Untersuchung wegen wissentlichen Meineids gegen ihn eingeleitet wurde, die setzt durch die Erhebung einer dahin- lgehenden Anklage seitens des Gerichtsherrn der 21. .Division ihren vorläufiger: Mschluß gefunden hat. Der Angeklagte Ober­leutnant Witte bildete eine der Hauptpersonen des Bilse'schen RomansAus einer Kleinen Garnison". Unter dem Pseudo- itiym eines Oberleutnants Borgert führte ihn Bilse den Lesern seines Romans als einen höchst unsympathischen Menschen und , Kameraden vor. Mit schwarzen Haaren und einem stechenden Blick ausgerüstet, wurde der Angeklagte als der Jntriguant des Regiments geschildert. Er wohnte zurzeit der Entstehung des Bffse'sck>en Romans mit dem Oberleutnant Koch, der im Roman unter dem Namen Leimann auftritt und ebenfalls eine sehr traurige Rolle spielt, in einem Hause. Durch dieses enge Zu­sammenleben Beider entsvinnt sich dann in der Folge ern sehr intimer Verkehr zwischen Witte alias Borgert und der Frau des Oberleutnants Koch. Nach einem Bacchanale in der Wohn­ung Witte's läßt Bilse diesen mit der Frcm Koch nach London

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 29. Juli: Zunächst wieder heiter, trocken und wärmer, später ku- nehmende Bewölkung.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Temperatur der Lahn und der Lust

am 28. Juli 1904.

Nach Recnnnur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr.

Wasser 17'/,°, Lust 16°.

Albert Rübsamen.

Israelitische Religionsgesellschaft.

Gottesdienst.

Sabbathseier am 30. Juli 1904.

Freitag abend: 7.45 Uhr.

Samstag vormittags: 8.00 Uhr.

Nachmittags 4 Uhr.

Sabbathausgang 9.05 Uhr.

Wochengottesdienst: morgens 6.30 Uhr,

abends 8.00 Uhr.

Arbeiterbewegung.

Dux (Böhmen), 27. Juli. Die Bergarbeiter schäft des Brücher Kohlenbergwerks, welche mit der neuen Dienst­ordnung unzufrieden ist, kündigte durch Delegierte für morgen den Generalstreik an. Die Belegschaft des Paulschachtes W i e s a beschloß, heute nachmittag in den A u sst a n d zu treten. Dagegen beschlossen die ausständigen Belegschaften des Johann- und Gumannschachtes morgen wieder einzufahren.

^Efennen, too das ehebrecherische Paar Selbstmord verübt. In WrrDichkett ist Frau Oberleutnant wie der Regiments­kommandeur Fuchs nn Bilse-Prozeß bekundete, im Oktober 1903, Mo kurz nach dem Erscheinen des RomansAus einer kleinen ^arrwon an einer Blinddarmentzündung verstorben, während rhr Mann fast zu gleicher Zeit seinen Abschied erhielt. Die Zeugenvernehmung im Bilse-Prozeß ergab, daß die Beziehungen des wtzigen Angeklagten zu der Frau seines Kameraden, die rm Oktober 1903 an Blinddarmentzündung gestorben ist, fast durchweg als verbotene angesehen wurden. Der als Zeuge ver- nommene Oberleutnant Witte stellte ynter dem Eide alle diese Anschuldigungen lebhaft in Abrede, ebenso bestritt er eidlich, er­hebliche Sckwlden kontrahiert zu haben. Zu der zweitägigen Verhandlung sind u. a. die früheren Oberleutnants Koch und Lindner, der verabschiedete Kommandeur hes Forbacher Train­bataillons und noch verschiedene andere aus dem Vilseprozeß her bekannte Persönlichkeiten als Zeugen geladen.

Der Saatenstand im deutschen Reiche

war um Mitte Juli: Winterweizen 2,5, Sommerweizen 2,8, Winter- spelz 2,0, Winterroagen 2,5, Sommerroggen 2,6, Sommergerste 2,6, Hafer 3,9, Kartoffeln 2,7, Klee 3,3, Luzerne 3,0, Wiesen 3,1; dabei bedeutet: 2, gut, 3 mittel, 4 gering. Die entsprechenden Zahlen vorigen Monats waren; 2,4, 2.6, 2,0, 2,5, 2,5, 2,6, 2,7, 2,6, 2,7, 2,2, 2,4. In den Bemerkungen des kaiserlichen statistischen Amts zum Saatenstand heißt es: Kennzeichnend für den abgelaufenen Berichtsmonat ist die große Dürre, die in allen Teilen Deutsch­lands auf die Saaten, vor allem auf das Wachstum der Futter­pffanzen einen ungünstigen Einfluß ausübte. Winterweizen verblühte meist gut wird, da er vielfach frühreif ist, an manchen Orten ziemlich stark von Rost befallen. Auch Roggen reifte sehr schnell. Die Sommersaaten reifen fast durch­weg Lu schnell und bleiben infolgedessen kurz im Stroh und leicht im Korn; auch über dürren Bestand, Verunkrautung und Windbruch wird geklagt. Der Stand der Kartoffeln lässt meist zu wünschen übrig; sie stehen vielfach lückenhaft, un­gleich, sterben vorzeitig ab, .zeigen mangelhaften Ansatz, die Knollen bleiben im Wachstum zurück. Die Futterpflanzen' litten unter der großen Dürre am meisten. Grünfutter wird knapp; eine Futternot ist zu befürchten, wenn nicht sehr bald ausgiebiger Regen eintritt. Die Heuernte kam meist gut unter Dach, läßt aber in Menge in Nord- und Mitteldeutsch­land vielfach zu wünschen übrig, während sie in ganz Süd­deutschland reichlich ausftel.

, Märkte.

Limburg a. d. L., 27. Juli. Fruchtmarkt. Durch» V^tspreise pro Malter. Roter Weizen 13.80 Mk., weißer 2Behen 00.00 Mk., Korn neues 9.75 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 7.05 Mk. Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

Schiffsnachrichten.

_ Norddeutscher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 27. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-PostdampferBremen", Kapitän R. Nierich. vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 1 Uhr nachmittags woblbehalten m Newyork angekommen.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 28. Juli. In Tempelhof erkrankte eine Familie nach dem Genuß einer Mehlspeise an Ver­giftungs-Erscheinungen. Ein 15 jähriger Knabe fft bereits gestorben, während die Mutter desselben und drei weitere Kinder sowie eine ebenfalls dort wohnende Frau Rechnungsrat Rhode und ihr Dienstmädchen schwer krank darniederliegen.

Berlin, .28. Juli. DemBörsen-Kurier" wird von ver­trauenswürdiger Seite über den mutmaßlichen Inhalt b e-§: de.utsch-russischen Handelsvertrages Folgendes mit­geteilt : Rußland ist mit den Minimalzöllen im deutschen Zoll­tarif für d e Einfuhr ausländischen (Getreides einverstanden und verzichtet seinerseits auf .die Differentierung des See- und Land- Transportes, wie sie in seinem autonomen Abwehrtarif fest­gelegt wird. Dagegen erhalt Rußland von deutscher Seite das Zugeständnis die russische Gerste mit dem Markzoll zu belegen, ohne Rücklicht auf ^die Qualttät. Die russische Gerste soll durch­weg als Futtergerste und in keinem Falle als Braugerste be­handelt werden. Außerdem erklärt sich Deutschland damit ein­verstanden, daß die Fabrikate der deutschen Industrie einschließ­lich der chemischen Produkte einem höheren russischen Schutzzoll unterworfen werden als der bisher in Geltung stehende Ver­trag aufweist. Endlich soll Rußland die Zusicherung gemacht worden sein, im Grenzverkehr zwischen Rußland und Deutsch­land veterinärpolizeiliche Erleichterungen eintreten zu lassen.

Petersburg, 28. Juli. Gerüchtweise verlautet, der Zar beabsichtige, das baltische Geschwader bis nach Kiel zu begleiten, wo er alsdann eine Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm haben würde. Die russische Admiralttät habe bereits die notigen Vorkehrungen getroffen.

Petersb urg, 28. Juli. Das amerikanische Staatsdepartement hat wegen der Beschlagnahme der Ladung des Knight Commander und der Ärabia eine Protestnote überreichen lasien.

Telephonischer Kursbericht.

3Ve% Reiohsan leihe . . 102.00

3o/0 do. ... 89.90

3V,°/o Konsole .... 102.00

3% do......90.15

8Vr0/n Hessen .... 100.40 3Oberhessen . . ..

4% Oesterr. Goldrenie . . 101.30 47Oesterr. Silberrente 100.50 4% Ungar. Goldrente . . 100.20

4°/d Italien. Rente , . . 103.70 47,-6 Portugieser » . . 61.80 8°/ Portugiesen. .... 61.45

1% C. Türken ..... Türkenlose .......

4% Griech. Monopol.-AnL 47.60 4l\% äussere Argpntiner 43 30 |

30/o Mexikaner .... 27.05 4,/s9/o Chinesen .... 89.10 Electric. Schnckert . . . 101.70 Nordd. Lloyd . . . . 100 50

Kreditaktien.....199.30

Diskonto-Kommandit, . . 185.70 Darmstädter Bank . . 136.70

Dresdener Bank .... 148.20 Berliner Handelsges. . . 152.50 Oesterr. Staatsbahn , . 135.10

Lombarden . . , 17.40

Gotthardbahn.....188.00

Lanrahütte......24L50

Bochum.....'. . 189.20

Harpener......201.00

Tendenz: fest.

Für die Gesamt-Redaktton verantwortlich: i. V. August Goetz.

Gustel

1. Laubenheimer.

, den

i 1904.

schweren Verluste

ie zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme an

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Schwiegermutter und Groß­mutter, sowie für die zahlreichen Blumenspenden sagt hiermit innigsten Daick

Familie Ruckstuhl-

Gießen, den 28. Juli 1904. 6427

Bullerr-Versteigerung.

Der bei Herrn Gutspachter Hesse in Otterbach ^st^bende circa !R~20 Zentner schwere Siationsbnlke soll auf dem ^bege der Submission Mim Schlachten verkauft werden. Der Bulle kmllt an Ort und Stelle nach vorheriger Meldung bei .H^rrn gesehen werden. Die Derkaussbedingungen sind durch dre Ge- schästsstelle des landw. Provin-ialoeretns in Alsfeld oder von Herrn 'Orik zu bezirl^n. .

Angebote für das Tier im Ganzen sind blö zum r. -luAUsr, vormittags 10 Uhr, an die Geschäftsstelle deS Vercms m einzureichen. Der Zuschlag erfolgt bis zum 3. August.

AlSseld, den 27. Juli 1904.

Tierzuchnnspektion für die Provinz Oberhessen.

Leit Higer. 64,31

Dmnstaift.I.Sept.M,

nachmittag- 3 Nhr,

wird auf hiesigem Ortsgerrcht die vor dem Nameil des Carl Buß und Ehefrau geb. Rumpf stehende Parzelle

1/516 243 qm Hofraite auf dem Marktplatz

öffentlich meiftbietenb versteigert. Gießen, den 28. Juli 1904.

Großherzogl. Ortsgericht Gießen. ___Gros.__6423 Donnerstag d. 11. August 1904 nachmittags 3 Nhr, werden auf hiesigern Ortsgericht die der Georg Hauß Mittr'e zu- stehenden Anteile an

1/730,s = 177 qm Hofraite auf dem Seltersweg,

1/731 = 5 qm Stall daselbst, 1/780,, = 36 qm Hofraum in der Löwengasse

äffenttich mriftbtetenb versteigert. Gießen, bcu 30. Juni 1904.

Großherzogl. Ortsgericht Gießen. Gros. 5629 MßMnahen.

Frau Schäfer, Heuchelheim, 04288 Brauhausstraße 4.

Verdingung.

Die Lieferung von Dienst­kleidung für die städtischen Arbetter soll

Mittwoch den 3. August d. Z., vormittags 11 Nhr, öffentlich vergeben werden.

Zu liefern sind:

160 blaue Drellkittel,

80 Tuchmützen und

80 Strohhüte.

Muster vorbezeichneterGegen« stände können bei uns einge­sehen werden und sind An­gebote nebst Stoffmuster spä­testens bis zum obengenannten Zeitpunkt an unS einzureichen. ZuschlagSsrist 8 Tage.

Gießen, den 27. Juli 1904. Städtisches Tiefbauamt.

Braubach. 6430

Hammelfleisch 45 Psg. [6433

sowie

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Wasser-Reinignngs Apparate

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