Nach einer anderen Meldung ist die Entsendung eines Kriegsschiffes für Port au Prince seitens der deutschen Regierung beschlossen worden, da nach Ueberein- stnnmung mit Frankreich ein einfacher Entschuldigungsbries der haitianischen Regierung für die von einem Angehörigen des haitianischen Heeres verübte Unbill nicht für ausreichend erachtet werden kann. Welche Forderungen nach dieser Seite gestellt werden sollen, ist noch unbestimmt. Die deutsche Regierung wird aber jedenfalls nur inUebereinftimmung mit Frankreich vorgeben.
Ausland.
Lond on, 27. Juni. Oberhaus. Lord Newton lenkt die Aufmerksamkeit des Hauses auf den Bericht der Kommission, die über die Angelegenheiten der Miliz und der Freiwilligen beraten hat und die eine regelrechte Aushebung der Freiwilligen vorschlägt. Darauf erklärte der Staatssekretär des Kriegsamtes, Denoughmore, England bleibe, sobald es in einem Kriege die Seeherrschaft verliere, nichts übrig, als Frieden zu schließen. Der Vorschlag auf Einführung der Konskription sei unnötig, denn letztere werde durch die Bedürfnisse der Lage nicht erfordert.
Paris, 27. Juni. Die Freiherren Alphons Gustav und Edmund v. Rothschild teilten dem Handelsminister Trouillot heute abend mit, sie beabsichtigten, 10 Millionen Francs zur Schaffung billiger Wohnungen und zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter zu spenden.
— Ein Mitarbeiter des „Matin" wurde in Petersburg von dem Minister des Innern, v. Plehwe, empfangen. Herr v. Plehwe äußerte sich über Finland, wo alles vortrefflich stehe. Die Ermordung des Generals Bobrikow sei ein vereinzelter Fall, aus dem man keinerlei Schlüffe auf die Situation in Finland ziehen dürfe. Der Mörder, erklärte v. Plehwe, hatte Komplicen, und das Komplott ist in Schweden geschmiedet worden. Alle Schuldigen werden bestraft werden. — lieber die inneren Verhältnisse Rußlands sagte der Minister: Im Reiche herrsche ein vollständiger innerer Frieden, die bäuerlichen Unruhen haben sich nicht wiederholt. Die Ernten sind vorzüglich. Die Ernte dieses Jahres dürfte eine der besten werden. — Der Minister ist auch sicher, daß Rußland im Kriege gegen Japan siegen wird und bezeichnet jeden etwaigen Versuch einer Friedens- vermittelung als eine Beleidigung der russischen vNation.
Kiew, 27. Juni. Infolge der Aushebung einer nihilistischen Geheimdruckerei durch die Polizei fanden Massen- erhaftungen von Sozialisten statt, darunter diejenige des Schriftstellers Pawlowicz Rybakow.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 28. Juni 1904.
*" Die Herbstmanöver der 25. (hessischen) Division werden Ende August mit dem Regiments- und Brigade-Exerzieren beginnen. Die 49. Infanterie-Brigade hält ihr Regiments- und Brigade-Exerzieren in dem Gelände bei Steinbach, Garbenteich, Watzenborn-Steinberg und Hausen ab. Die Regimenter Nr. 115 und 168 werden in genann- Orten Quartier beziehen, während das Kaiser Wilhelm- Regiment Nr. 116 in der Kaserne bleibt und täglich ins Gelände rückt. Der Brigadekommandeur bezieht auf dem Schiffenberg Quartier. Die 50. Infanterie-Brigade wird in der Gegend Grünberg, Ettingshausen, Lich und Laubach ein quartiert. Nach dem Brigade-Exerzieren beginnt um den 16. September das Brigade-Manöver zwischen der 49. und 50. Brigade in der Gegend von Reiskirchen, Lich, Hungen. Um den 20. September beginnen die Divisions-Manöver, die sich ostwärts nach den Kreisen Alsfeld und Lauterbach erstrecken. Generalmajor v. Schmidt (50. Brigade) weilte dieser Tage in Grünberg zur Besichtigung deS Geländes. In der Gegend von Queck, Langenschwarz, Rimbach und Wegfurt roll ein Artilleriescharfschießen stattfinden.
"" Für die städtischeSandgrube amRödgener- weg ist als 3jährige Pacht der Betrag von 901 Mk., von dem vorherigen Pächter 225 Mk. für 3 Jahre, erzielt worden. In der gestrigen Notiz war von einer Jahrespacht die Rede.
(f.) Li ch, 27. Juni. Das gestern hier abgehaltene Feuerwehrfest hatte einen ziemlichen Menschenzusammen- schlrrß zur Folge. Nur der Besuch der Feuerwehren blieb hinter den gehegten Erwartungen zurück. Das zum Sitzen sehr kühle Wetter und wohl auch im Arrangement des Festes gemachte Fehler, ließen eine echte Feststimmung nicht aufkommen, was sich auch durch teilweise ftühzeitiges Abrücken der Wehren dokumentierte. Das beste Geschäft machte der Kinematograph. Auch am heutigen zweiten Festtage bewegte sich wieder ein Zug nach dem Festplatze, bestehend aus den Festdamen, der freiro. Feuerwehr mit Musikkorps, und es entwickelte sich bald wieder ein lebhaftes Treiben.
a. Bad-Nauheim, 27. Juni. Am Sonntag abend /urz vor 8 Uhr, als gerade das Konzert mit dem Dresdener Gast Frau Erika Wedekind anfangen sollte, bemerkten einige Paffanten, daß das Dach über dem Lesesaal rauchte. Sofort eilten die Betriebs beamten und der Kurdirektor hinzu und machten Löschversuche. Glücklicherweise gelang es, den kleinen Brand, der durch Kurzschluß entstanden war, zu löschen. Im Saal soll ein kleiner Schaden entstanden sein. Eine kolossale Menschenmenge hatte sich natürlich angesammelt, und äußerst komffch machte es sich, als verschiedene Vertreter der Kurküche mit Töpfen Löschversuche machten. Das Konzert im Theatersaal wurde nicht gestört, sondern nahm bei auS- verkauftem Hause und unter großem Applaus einen günstigen Verlauf.
Hungen, 27. Juni. Die Landesversammlung des Bundes der Landwirte im Großherzogtum Hoffen wurde gestern nachmittag hier abgehalten. Es nahmen daran teil: der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Dr. Rösicke, der stellvertretende Vorsitzende, Lucke-Patershausen, die hessischen Landtagsabgeordneten Korell, Hirschel-Offenbach unb Köhler-Langsdorf. Dr. Rösicke hielt einen längeren Vortrag über die wirtschaftspolitische Lage. Als zweiter sprach Generalmajor z. D. v. Kloeden-Wiesbaden über Heimatspolitik. Ferner sprachen die Landtagsabgeordneten Hirschel und Köhler.
Die Versammlung faßte folgende Resolution: Die heute zahlreich in Hungen zur Landesversammlung des Bundes der Landwirte versammelten Angehörigen von Landwirtschaft und Gewerbe sehen in der Erhaltung und Kräftigung des Mittelstandes in Stadt und Land die einzige Möglichkeit zu einem wirksamen Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Sie sind der Ansicht, daß ein baldigst in Kraft tretender neuer Zolltarif für die Landwirtschaft dringend notwendig ist, und fordern die sofortige Kündigung sämtlicher bestehenden Meistbegünstigungs- und Handelsverträge.
§ Laubach, 26. Juni. Ein Fuhrmann aus Ruppertsburg hatte bei Freienseen einen Wagen voll Buchenholz für die Friedrichshütte geholt. Im Walde bei Freienseen geriet er an einer abschüssigen Stelle beim Hemmen unter den schwer beladenen Wagen; die Näder gingen ihm über den Leib. Der Verunglückte wurde ins Hospital nach Laubach gebracht, wo er schwerverletzt darniederliegt.
B. Alsfeld, 27. Juni. Der Alsfelder Zweigverein der Gu siav - A d o lf-S iftu n g feierte gestern fein Jahresfest in unserer Stadt, verbunden mit dem 50 jährigen Jubiläum des hiesigen Frauenvereins der Gustav-Adolf-Stiftung. Um 2 Uhr begann der zahlreich besuchte Festgottesdienst in der Walpurgiskirche, in welchem Professor Drews von Gießen auf Grund von Gal. 6, Vers 9 und 10, die packende Festpredigt hielt, während Dekan Sauerwein den Altardienst versah und nachher als Vorsitzender des Zweigoereins die Festgäste begrüßte. Um 5 Uhr fand im großen Saal des „Deutschen Kaisers" eine Nachversammlung statt, die so zahlreich besucht war, daß nicht alle Erschienenen Platz finden konnten. Nach einem ausgezeichnet vorgetragenen Chor des Kirchengesangvereins, der auch beim Festgottesdienst mit- gewirkt hatte, eröffnete Dekan Sauerwein die Versammlung und erteilte dem Pfr. Dr. Becker-hier das Wort zu einem Vortrag über die Geschichte des hiesigen Frauenvereins. 9(b= wechselnd mit Vorträgen des Kirchengesangvereins redeten dann noch Pft. Diefenbach-Eudorf, Pfr. Zinn-Herbstein und Pft. Sommerlad-Maiches über den Gustav-Adolf-Verein und suchten durch packende Schilderungen der „oft schauderhaften" Not der Evangelischen unter katholischer Mehrheit die Herzen der Anwesenden für die Gustav-Adolf-Sache zu begeistern; besonders wurde auch der evangelischen Bewegung in Oesterreich gedacht. Als gewandte Rednerin zeigte sich auch wie schon öfters die Vorsitzende des Frauenvereins, Frau Reuschler-Alsfeld, welche in trefflichen Worten den Dank des Frauenvereins aussprach und zum Schluß eine Sammlung für die Evangelischen in Oesterreich empfahl. Die Sammlung ergab den Betrag von 55.10 Mk., die Kirchenkollekten hatten 93.35 Mk. betragen, welch letztere zur Hälfte der evangelischen Gemeinde Herbstein, zur Hälfte einer anderen bedürftigen Diasporagemeinde zufällt. Gegen 8 Uhr schloß Dekan Sauerwein die Versammlung. Es wurden auch viele Gustav-Adolf-Schriften und -Postkarten verkauft, deren Reinertrag gleichfalls der Gustav-Adolf-Stiftung zu gute kommt. '
Darmstadt, 27. Juni. Im Alter von 55 Jahren ist der Direktor der Großh. Hessischen Hofbibliothek, Dr. phil Gustav Nick, gestorben. Der Verstorbene, ein Darmstädter, wirkte seit 1875 an der Hofbibliothek.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Leihgestern begingen die Fünfzigjährigen ein Fünfzigerfest. — In Frankfurt wird ein junger Arzt, Dr. Schulz, der auf der Zeil wohnte und in Sportkreisen viel verkehrte, seit Mitte voriger Woche vermißt. Es hat sich jetzt herausgestellt, daß er bei einer Offenbacher Portefeuilles-Firma eine Schuldsumme von angeblich 205 800 Mk. kontrahiert und damit das Weite gesucht hat. — In Offenbach wurde in der Nähe der Grenzstraße der beschäftigungslose Bernhard Hüber tot aufgefunden. Er lag mit dem Gesicht in einem Wasserloch; wahrscheinlich ist er in der Dunkelheit hineingefallen und konnte sich, da er einarmig war, nicht herausarbeiten. — In Bingen fand am Sonntag der diesjährige Delegiertentag der katholischen Männer- und Arbeitervereine statt.
vermischtes.
* Berlin, 27. Juni. Der für die Aufdeckung des L u st- mordes an der Lucie Berlin wichtige Korb ist jetzt aufgefunden worden.
"München, 27. Juni. Von der im Bau begriffenen neuen Maximilians-Jsarbrücke wichen heute auf beiden Seiten an den Uferwiderlagern die Gelenke aus und zwar am rechten Ufer um 37 Zentimeter, am linken Ufer um 50 Zentimeter, sodaß der Einsturz des linken Bogens, wo das Gerüst bereits seit 14 Tagen entfernt ist, unvermeidlich war, während das Gerüst rechts noch steht. Auch der Bogen auf der rechten Seite muß abgebrochen werden. Verunglückt ist niemand, doch sind die Arbeiten eingestellt. Die Ursache des Ausweichens ist noch nicht festgestellt. (Vor etwa 5 Jahren ist bei einem fürchterlichen Unwetter in Müncheu^schon einmal eine Jsarbrücke eingestürzt.)
• Graz, 27. Juni. Der Pächter der Schutzhütte, auf der Petrulalpe, Bergener, wurde ermordet aufgefunden. Die Kasse war ausgeraubt. Ein des Mordes verdächtiges Individuum wurde verhaftet.
* Philadelphia, 27. Juni. In einer hiesigen Feuer- werkfabrik ereignete sich eine Explosion , die eineFeuers- brunst herbeiführte. Dabei kamen viele in der Fabrik Beschäftigte um. Von 22 Arbeiterinnen werdon 20 vermißt. Auch Feuerwehrleute wurden verletzt.
"Ein Duell zwischen Fähnrichen. Zwischen den Fähnrichen von Wedell vom 17. Feld-Artillerie-Regiment und von Heintze von einem Dragoner-Regiment, beide zur Zeit in der Potsdamer Kriegsschule, fand wegen tätlicher Beleidigung, wobei von Heintze bvn Fähnrich von Wedell g e- ohrfeigt hatte, ein Duell auf Säbel statt. Von Heintze wurde an Nase, Stirn und Wange so schwer verletzt, daß er ins Garnisonslazareth gebracht werden mußte. — So meldet das Depeschenbureau Herold. Ein Berliner Blatt dagegen erfährt, daß es sich nur um einen Waffengang mit Rapieren unter Anwendung von Schutzbrille und Bandagen handelt. Die Verletzungen seien gcrinfügiger Natur.
* In der Wandelhalle des (französischen) Abgeordnetenhauses: „Ich stelle Ihnen hier einen Herrn vor, der im Leben schon mehr Dummheiten nieder
geschrieben hat, als irgend ein andrer Mensch. Der Herr ist Parlaments st enograph!"
Kunst und Mssenschafl.
— Der Kaiser sandte dem Deutschen Künstlerverein in Rom auf die Huldigung anläßlich der Enthüllung des Goethedenkmals ein Danktelegramm, in dem er die Hoffnung ausspricht, die deutschen Besucher Roms, insbesondere die deutsche Künstlerschaft, möge durch das Denkmal neue Anregung finden, gleich dem großen Dichter aus den unvergleichlichen Vorbildern Roms und Italiens für die Entwickelung und Vertiefung des eigenen deutschen Geistes Nutzen zu ziehen.
Eine neue Kinderkrankheit. In der „Wiener Klinischen Mockenschrift" veröffentlicht Dr. Dionys Pospischill sehr interessante Beobachtungen über dies hochaktuelle Leiden. Pospischill beschreibt dreierlei verschiedene Formen dieser neuen Krankheit, womit, wie er glaubt, ihre Variationsmöglichkeit noch nicht erschöpft ist. Gerade mit Rücksicht auf den „einzig dastehenden Formenreichtum der llinischen Bilder" schlägt er vor, die Krankheit „Exanthema variabile" zu nennen, was im Deutschen so viel wie veränderlicher Aus schlag bedeutet. Tie erste Form ist wohl am ausführlichsten von Professor Sticker, der eine in der Umgebung von Gießen ausgebrochene K i n d c r s e u ch e als infektiöses Erythem bezeichnet hat. Auch andere Autoren haben diese Krankheit eingehend studiert und beschrieben. Besonders charakteristisch für diese Form ist die Art des Ausschlages (Exanthems Pospischill sagt: Es ist das schönste von allen Exanthemen, seine Zeichnung ist von großer Zartheit dort, wo am Rande der schon zusammensließenden Röte, so namentlich an der Beugeseite der Vorderarme, neue Exanthemringelchen aussckießen und seine Färbung reizvoll wechselnd, bald rosa, bald lila, bald graublau, seltener bräunlickrot, die Haut an der Vorderseite des Rumpfes und der Beugefläche der oberen Extremitäten, so weit sie vom Ausschlage eingenommen ist, glatt, oft mattglänzend, wie Seide, in verschiedenen Farbentönen schillernd. Nicht jeder Fall zeigt schon im Beginne den harmlosen Charakter; ich sah vor kurzem einen Knaben mit typischem Erythema in- fectiosum, der am Vortage unter Allgemeinerscheinungen und jähem Anstiege der Temperatur bis 39 an einer Angina erkrankt war; wenige Stunden darauf war der Ausschlag ausgebrochen. Alle die bisher berührten Fälle haben nicht die entfernteste Aehnlichkeit mit Scharlach, Masern und Röteln, und es ist umjoweniger zu begreifen, daß Epidemien dieser Form als Röteln beschrieben wurden, als auch den letzteren eigenen Erscheinungen bei dieser Form, dem Erythema infectiosum, fehlen. Die zweite Form zeigt große Aehnlickkeit mit Scharlach (Scarlatina) und ist ebenfalls schon bekannt gewesen. Dr. Tramer hat vor Jahren eine in Bosnien aufgetretene Epidemie als Scar- latinoid bezeichnet. Ter Ausschlag ist jedoch bei dieser Krankheit gröber gezeichnet als beim Scharlach und blaßt bald ab,, auch das Fieber ist sehr gering. Die dritte Form jedoch ist eine „vollendete Kopie der Masern". Der Gesamteindruck der Kinder ist der von masernkranken Kindern. Tie Diagnose ist nicht leicht zu stellen; Posvischill bietet den Aerzten diesbezüglich genaue Anhaltspunkte. Er meint, bei Kindern unter vier Jahren komme es immer bei der neuen Krankheit zu der dritten Form. „Je jünger aber das Kind, desto masernähnlicher das Bild; in drei Familien erkrankt: nur der Säugling allein an diesem Ausschlage, die älteren, nicht gemaserten Kinder blieben gesund; dieser Umstand erweist zumindest die nicht geringere Disposition der Säuglinge". .Voriges Jahr wäre die Krankheit sicherlich nicht zu beobachten gewesen. Ferner beschreibt er noch eine vierte Form. .Sein Verdienst ist es, den Zusammenhang dieser verschiedenen Formen nachgewiesen zu haben. Pospischill schließt mit den bedeutungsvollen Worten: Je mehr akute Exantheme man gesehen hat, desto vorsichtiger wird man in ber Tiagnosenstellung. Wir haben noch viel zu lernen. Ich glaube,, daß sch berechtigt bin, die Priorität, den Zusammenhang von Erythema infectiosum, Scarlatinoid und Morbilloid erkannt und das zuletzt besprochene Exanthem vom Scharlach abgetrennt zu haben, für die Wiener Schule in Anspruch zu nehmen.
Universttüts Nachrichten.
Marburg, 27. Juni. Ter außerordentliche Professor der llassischen Philologie an der hiesigen Universität, Dr. phil. Karl Kalbfleisch ist zum ordentlichen Professor ernamit worden.
)( Tübingen, 27. Juni. Dem o. Professor Dr. mcd. Ludolf K r e h l hier, der nack Straßburg i. E. anstelle von B. Nanyn übersiedelt, wurde die nochgesuchte Entlassung bewilligt und die hiedurch in Erledigung kommende Stelle eines ordentlichen Professors für spezielle Pathologie und Therapie und eines Vorstandes der medizinischen Klinik an der Tübinger Universität dem bisherigen o. Professor und Direktor der medizinischen Poliklinik in Marburg Dr. Ernst Romberg übertragen.
Ktteratur.
— Das Familienrecht von Arthur B. Schmidt (Gießen) und H. Habicht (Berlin), das den 4. Band des Hölder Schollmeyerschen Kommentars zum B. G.-B. bildet, ist durch die soeben erschienene zweite Lieferung fortgesetzt worden. (Verlag: C. H. .Beck, München). Die vorliegende Lieferung, welcke das Vertrags mäßige Güterreckt enthält und auch die einschlägige Rechtsprechung berücksicktigt, hat lange auf sich, warten lassen. ,Tie erste Lieferung ist bereits vor vier Jahren erschienen und im Interesse der Einheitlichkeit des Werkes wäre ihre Umarbeitung unter Verwertung der Jndikatur wohl zu empfehlen. Der Kommentar zeichnet sich durch große Gründlichkeit, Klarheit und Uebersichtlichreit aus und gibt in dankenswerter Weist vor jedem Titel des Gesetzbuches in einer Vorbemerkung eine systematische Darstellung des Jnhalls, der historischen En! Wicklung der Bestimmung und aller wesentlichen Streitfragen. Der dlbschluß des 4. Bandes (dritte Lieferung) ist in Arbeil und sott bald nachfolgen. Hoffentlich läßt er nicht lange aus sich
Sport.
Frankfurt a. M., 27. Juni. Bei der heutigen internationalen Ruderregatta auf dem Main siegte un Rennen um dem Kaiserpreis der (belgische) „Sport nautigue de Gand" (Gent). Zweiter wurde der Mannheimer Ruderklub. Glänzend gewonnen.
Gerichtssaal.
Düsseldorf, 27. Juni. Das Schwurgericht verurbnlte den Fabrikbesitzer Weyermann aus Odenkirchen wegen Unterschlagung von Kirckengeldern unter Annahme mildernder Umstände zu vier Monaten Gefängnis.
Flensburg, 27. Jmri. Der Anfang April ausgebrochene Konkurs der Scherebecker Kunstwebeschule, einer Gründung des Pastors Jacobsen-Scherebeck, hafte beute ein gerichtliches Nachspiel vor dem Landgerickt wegen Konkurs vergehens und Bilanz-Verschleierung, sowie Gläubiger-Begünpig ung. PastorJacobsen wurde zu zwei MonatenG e f a u g- n i s und 900 Mark Geldbuße, die Mitangellagten Buchhalter Raabe und Kaufmann Petersen, beide aus Scherebeck. zu je einem Monat Gefängnis und 60 Mark Geldstrafe verurteilt. .
Hof, 27. Ium. In dem Beleidigungsvrozetz des Reichstagsabg. Münch-Ferber gegen den Direktor der <ogt- ländischen Spinnerei-Aktiengesellschaft Schmid ^urbe von der Strafkammer das Urteil der ersten Instanz dahin gcanbert, daß Sckmid auf Grund des § 186 zu 100 Mark, Münch-herber aut Grund des § 187 zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Schmid wurde in einem Falle freigesprochen.


