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28.6.1904 Erstes Blatt
 
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Str. 149 Erstes Blatt.

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Are Kreter Woche.

ftiet, 27. Jnm.

Die Monarchen sahen .i IL" aus dem

Wettrudern der Fähnrich 'en und Schiffs­

jungen zu. Der Kaiser empfing hierauf a-;f derHohenzollem" die Sieger des Handicaps Dover-Helgoland zur Preisverteilung. Zu fünf Uhr waren zahlreiche Einladungen zum Tee bei dem Kaiserpaar an Bord derH o hen zo ll er n" ergangen. Geladen waren außer dem Gefolge und der Umgebung des Kaisers und der Kaiserin, der König von England mit Gefolge und Ehren­dienst, der britische Botschafter Lascelles mit den Herren der Botschaft, die hier anwesenden Fürstlichkeiten, der Reichskanzler, die anwesenden Diplomaten, die Spitzen der Behörden, der Admiralität und Generalität irfto., viele anwesende Engländer von Rang und zahlreiche Damen.

Am Llbend fand ein Festmahl im kaiserlichen Jachtklub statt. Die Tafel zierte der große von König Eduard gestiftete goldene Pokal. An der Hauptafel saß der Wnig von England zwischen dem Kaiser und dem Kronprinzen. LinW vom Kaffer Wilhelm faßen der Großherzog von Oldenburg, der Prinz Ernst von Sachse^-Altenbrrrg, der Fürst von Monaco, der Reichskanzler Graf v. Bülow und der erste Lord der Admiralität Earl of Sel- bourne. Zur Rechten des Kronprinzen saß Prinz Wilhelm von Schweden, der britische Botschafter in Berlin Sir Francis Las­celles, Prinz von Battenberg, Oberhof- und Hausmarschall Graf von Eulenburg und Viscount Churchill. Den Monarchen gegen­über saßen die Prinzen Eitel Friedrich und Heinrich. Kaiser Wilhelm und König Eduard hielten Trinksprüche. Rach dem vom Kaiser ausgebrachten Toast wurde Salut ge­schossen. Später hielten die Majestäten Cercle im Garten. König Eduard hatte ein längeres Gespräch mit dem Reichskanzler. Eine glänzende Illumination, verstärkt durch die Beleuchtung von den Sckiffsscheinwerfern, und Feuerwerk bildeten den Abschluß der festlichen Veranstaltung.

Die Mouarchenreden.

Der Trinkspruch, den der Kaiser ausbrachte, hatte folgetrdeu Wortlaut:

Vor zehn Jahren, im Jahre 1894, kam der damalige Kommodore des Rohal Jacht Sguadron mit einigen englischen Herren hierher und brachte uns gute Wünsche zu unserem eben neu aufblühenden Sport. Nach zehn Jahren, am heutigen Tage, haben wir die hohe Ehre imb die große Freude, Se. Majestät König Eduard den Siebenten, den Admiral des Royal Jacht Sguadron, unter uns begrüßen zu können, und zwar als unser Mitglied. Gestatten Eure Majestät, daß ich als Kommodore des Klubs meinen herzlichen Dank Eurer Majestät ausspreche im Namen aller Mitglieder. Wir wissen die hohe Ehre voll zu schätzen, den Admiral des Royal Jacht Sguadron in unserer Mitte zu wissen, von dem der Sport so viele Fahre in England seine Entwicklung und seinen Aufschwung ge­nommen hat und wo ich meine Lehrzeit durchgemacht habe. Gleichfalls bitte ich, meinen innigsten Dank aussprechen zu dürfen für den wundervollen Pokal, den Eure Maje­stät dem Klub verehrt haben. Diesen Gefühlen unb dem Dank, den wir im Herzen tragen, wollen wir Ausdruck geben, indem wir nach echter Seglerart Sr. Majestät Wohl ausbringen: Se. Majestät König Eduard der Siebente Hipp? Hipp! Hipp! Hurra!"

König Eduard erwiderte in deutscher Sprache: Darf ich Eurer Majestät meinen innigsten Dank aussprechen für Ihre so freundlichen Worte! Ich bin hierher gekommen sehr erfreut über den Empfang, der mir bereitet worden ist von Eurer Majestät und von allen Mitgliedern des kaiserlichen Jachtklubs. Ich bin stolz, heute Mitglied des Klubs geworden zu sein. Ich hoffe, daß Eure Majestät oder ein an­derer von den Herren den Preis gewinnen wird, der für alle offen steht. .Ich danke tausendmal für Ihre guten Wünsche. Ich trinke auf die Gesundheit des Admirals des kaiserlichen Jachtklubs. Es lebe der Kaiser! Hoch! Hoch! Hoch!"

Eine Ansprache des Prinzen Heinrich.

Heute abend fand auch zu Ehren der britischen See­len t e ein Gartenfest statt, an dem etwa 1500 deutsche und englische Marinesoldaten sowie zahlreiche^Offiziere teilnahmeu. Eingeleitet wurde das Fest durch ein gemeinsames Effen, bei dem dör Kapitän z. S. Emsmann die Anwesenden in englischer und deutscher Sprache willkommen hieß; er schloß die Ansprache mit einem Hoch auf König Eduard und Kaiser Wilhelm. Darauf hielt Prinz Heinrich eine Ansprache in englischer Sprache, in der er die Bedeutung der englischen Marine hervorhob und auf "die zwischen der deutschen und englischen Marine bestehenden guten, freundschaftlichen Beziehungen binwies. Ter Prinz brachte am Schluß ein Hoch auf die englische Marine aus. An das Festessen schloß sich ein Konz mit unterhaltenden Aufführungen, sowie ein Ball, der die Mannschaften in bester Stimmung bis gegen 12 Uhr zusammenhielt.

Ter König von England verlieh dem Staatssekretär Frhrn. v. Richthofcn, dem Staatssekretär v. Tirpitz, dem Admiral Köster und dem Vizeadmiral Büchse! das Großkreuz des Viktoriaordens. Der Kaiser verlieh dem Botschafter Graf Wolff-Metternich den gtoten Mlcrorden erster Klaffe.

Tas Motorbootrennen fand heute nachmittag vier Uhr statt. *

Tie 7 rinksprüche der Monarchen am Samstag und Montag haben ihre Bedeutung. -Ter Trinffpruch König Eduards vom Samstag hat an Wärme und Vertrauen die Erwartungen weit üt> er troffen. Das gilt be­sonders von dem Wunsch des Besuchers, daß die englischen und deutschen Flaggen bis in die fernsten Zeiten nebeneinander wehen möchten zurAufrechterha ltung des Friedens. Deutlicher konnten die B^e st r e b u n g e n nach einem herzlichen Einvernehmen mit Deutschland nickt gekeunzeicknet werden. Gegenüber dem Korrespondenten des Daily Expreß" hat Graf Bülow die Hoffnung ausgesprochen, daß die beiden Nationen die Wünsche ihrer Herrscher erfüllen werden. Wie weit diese Hoffnung .begründet ist, das wird sich allerdings erst nach den Kieler Festtagen erkennen lassen. Immer­hin berührt es smypathisch, daß die Londoner Blätter mit Befriedigung und ohne Vorbehalt die Samstags-Triuksprüche auf nehnv'n. Weniger belangreich ist, was am Montag gesprochen wurde Kaiser Wilhelm, der am Samstag einen auffallend reser­vierten Ton angeschlagen hatte, sprach diesmal von seinerin England durchgemachten Lehrzeit". Dabei hat man selbst­verständlich zu ergänzenin sportlichen Tingen" Wenn König Eduards Samstags-Toast eine Spitze gegen Rnpland ent­halten, d. h. wenn er zwischen den Worten darauf hingedeutet hatte, daß Teufchlands Freundschaft für Rußland durch die für

England in Schach gehalten werde, so hielt er sich am Montag wie Kaffer Wilhelm mir au Sport Kaffer Wilhelm aber holte ein wenig weiter aus und wurde diesmal Würmer, als er am Sams­tag gewesen war.

Der ironische Ton, mit dem französische Zeitungen, wieEclair", .die Begegnung beurteilen, ihr krampfhaft jegliche politische Sebeutmut abfprechen, beweist Beklommenheit und Verdruß. .Frankreich hat es nicht dahin bringen können, trotz aller Opfer, den russischen Verbündeten allein zu besitzen; nun gewahrt es, daß auch der neu gewonnene englffche Freund, ebestso wie der italienffche, die älteren Verbindungen keineswegs Frank­reich zuliebe aufgibt. Es ist wieder einmal nichts gewesen mit derVereinsamung" Deutschla nds,die von der ganzen Boulevardpreffe als unumstößliche Tatsache hingestellt wurde. Zu den deutsch-englffchen Erklärungen über Egypten erfährt die ,Mationalztg." daß Deutschland von Seiten Englands dieselben Zusicherungen und Rechte empsing wie Frankreich. Also auch in dieser Hinsicht farm sich' Frankreich keiner Bevorzugung rühmen; die Freude an Marollo ist ihm durch die bekannten intereffanten Vorkommnisse arg genug vergällt worden.

Die Londoner leitenden Blätter erklären, daß die Reden am Samstag die wahre politische Bedeutung der Monarchcn-Zusam- menkunft an den Tag legten. Der Korrespondent desDaily Expreß" in Kiel berichtet, ein beim Tiner anwesend gewesener Minister habe ihm erzählt, daß die beiden Monarchen im Laufe ihrer Unterhaltung auf den o st asiatischen Krieg zu sprechen kamen und dabei sowohl für die Tapferkeit der Russen wie für das militärische Genie der Japaner Worte der Bewunderung hatten. ^Wenn dasselbe Blatt behauptet, daß der wahre Zweck des Besuches König Eduards sei, eine Intervention Deutsch­lands im ostasiatischen Kriege herbeizuführen, so kann kein oer- nünftiger Mensch das ernst nehmen.

Der ftühere Arbeitsminister im französischen Kabinett Waldeck- Rouffeau, Baudin, weilt in Kiel und sendft dem Parffer .^Jour­nal" Artikel, die äußerst sympathisch für Deutschland gehalten sind. Baudin, der zu Pelletans Gegnern gehört, schildert die großen Fortschritte der deutschen Marine und Handelsschiffahrt und sagt, man müsse nach Deutschland kommen, um ganz zu verstehen, welche Fehler in Frankreich be­gangen worden feien.

Aer Krieg zwischen Japan und Dußtand

Der Vormarsch der Japaner.

Petersburg, 27. Juni. Ein Telegramm des Generals Sacharow au den Generalstab vom 26. Juni besagt: Man hat Grund, zu vermuten, daß bedeutende Streitkräfte des Gegners von der Sttttion W' nseliu in die Berge ab- geschwenkt sind und in östlicher Richtung zum Tschapanlinpaß vorrücken. Vom 25. Juni bemerkten russische Streifwachen, daß japanische Truppenabteilungen auf dem nördlichen von Siujan nach Kaitschan führenden Wege bon Tauntun nach der Pandsiabai und weiter zum lluaidalinpaß vorzurücken begannen. An demselben Tage begann der Gegner den Vormarsch von Sselutschan in der Richtung auf die große nach L i a u j a n g führende Straße, sowie auf die Straße nach_ dem Modulinpaß über Tafangou, 18 Werst nordwestlich von Sselutschan. Aus der großen Straße nach Liaujang marschierte ein Bataillon, ostwärts desselben im Tale des Tsach-e zwei Eskadrons und ein Regiment Infanterie, im Westen in den Bergen ein Bataillon und zwei Eskadrons. Der Vormarsch des Gegners auf der großen Straße nach Liaujang wurde anfangs von zwei Kompagnien Schützen aufgehalten, die sich # langsam nordwärts zurückzogen. Hierauf erhielten sie noch zwei Kompagnien Unterstützung. Nachmittags um 2 Uhr 30 Min. besetzte der Feind Tsch'impu. Tie russischen Schützen zogen sich abends nach Pchachegan, 35 Werst nördlich von Sselutschan, zurück. Auf ruffischer Süte sind ein Oberleutnant und fünf Schützen verwundet. An demselben Tage bedrängte eine etwa ein Bataillon Infanterie starke japa- nffche Abteilung, die aus dem Tungapasse auf dem Wege nach dem Madnlinpaß vorrückte, bei Tafangou zwei Kompagnien Schützen: diese zogen sich langsam zuerst nach Ualiunda und hierauf nach Kewdigpudsa zurück. Ein Hauptmann wurde verwundet: ein Arzt le^te jhm einen Verband an; als der V e r - wundete auf einer Bahre weggetragen wurde, feuerten die Japaner auf die Träger, wovon drei verwundet wurden. Der Hauptmann, der Arzt und drei Träger blieben in den Händen des Gegners. 'Ferner sind auf russischer Seite zwei Schützen getötet, ein Leutnant und 13 Schützen verwundet. In der Nacht auf den 26. Juni hielt der Gegner in einer Stärke von etwa einem Regiment Infanterie mit einem Regiment Kavallerie bei Tuinpu. Am 26. Juni ftüh 9 Uhr begann eine feindliche Abteilung in einer Stärke von einem Bataillon auf der von Liaujang nach Haitscheng ftihrenden Straße von Ssohodza nach Wansiapudza vorzurücken. Gegen mittag zeigten sich hinter diesem Bataillon weitere Jnfanterieabteiluugen des Feindes mit Gebirgsartillerie. An demselben Tage begann der Feind früh um 7 Uhr aMfs'n e ue den Vo rm arsch auf der großen Straße von Tuinpu^wch Pchageou und auf dem nach dem-Modulinpaß führenden Weg über Ualiunda, sowie auf dem Gebirgswege von Madiapudsa unter Umgehung der rechten Seite des Modolin- passes. ..Auf der großen Straße nach Liaujang wurde das Vor­gehen von nid# weniger als einem Regiment Infanterie mit Artillerie bemerkt. Diese Abteilungen waren morgens um 9 Ahr bis Tidiavain, drei Werst nördlich von Tuinpu, vorgerückt.

Petersburg . 27. Juni. General Ssacharow meldet weiter: Eine von ftner russischen Abteilung am 22. Juni aus- gefichrte Rekvgnoszieruirg der japanischen Streitkräfte bei Aianiamyn ergab folgendes: Vormittags l'OVa Uhr ver­drängte die russische Kavallerievorhut den Gegner aus den Lauf grüben der vordersten Stellung. Nachmittags 1 Uhr 40 Min. nahmen vj^r ruffische Gebirgsgeschütze gegenüber dem zechten Flügel des Gegners Stellung. Tiefe Geschütze unterhielten ein äußerst wirkungsvolles Feuer auf die sich zurück- zrehenden Schützenketten und auf.bie zusammengeschloffenen Trup­penteile der Japaner, die ein außerordentlich starkes, aber fast ergebnisloses Gewehrfeuer entwickelten. Die inzwischen ausgerückte ruffische Infanterie wurde nun folgendermaßen verwandt: Vier Kompagnien wurden gegen den rechten Flügel der feindlichen SteUung vorgeschickt, eine Kompagnie wurde zur Sicherung des' rechten russischen Flügels ausgesandt, gegen den zwei japanische Kompagnien vorrückten. Unter dem Andrange der russischen Ab­teilung zog sich der Feind drei bis vier Werst zn- rück, indem er die Laufgräben räumte. Nachmittags 4 Uhr wurde die berittene Kosakenbatterie, als sie sich der Hauptstellung des Feindes näherte, dem vereinigten Feuer von 18 Gebirgs­geschützen ausgesetzt und verlor in wenigen Minuten: 8 Kosaken tot ^und 20 verwundet. Beide Kompagnien fuhren fort, den Gegner zu bedrängen, inti> auf der Hauptstellung wurde in den

Laufgräben zahlreiche japanische Infanterie bemerkt, etwa drei Regimenter stark. Ms der Abteilungschef die Stärke des Gegners festgestellt hatte, beschloß .er den Angriff einzuftellen und befahl der Gebirgsbatterie, ihre Stellung nicht zu wechseln, um sic nicht vergeblichen Verlusten auszusetzen. Da die russische Arttllerie das Feuer eingesteltt hatte, ging der Gegner nachmittags 6 Uhr auf dem rechten Flügel mit einem Bataillon zum Angriffvor. Die beiden ffuffischen Schützenkompagnien und eine abgesessene Sotnie unter dem Kommando des Stabsrittmeisters Söderberg schlug den Feind durch Salven in völlige Flucht. Das Bataillon erlitt bedeutende Verluste. Da nicht nur das Erscheinen der Bedienungsmannschaft, sondern sogar dasjenige einzelner Leute auf der Stellung der russischen Batterie Salven­feuer der feindlichen Artillerie hervorrief, zog der dlbteilungschef den Kampf bis zum Anbrucbe der Dunkelheit hin, unter deren Schutz die russischen Geschütze fortgeschafft wurden. Ein bereits nach Anbruch der Dunkelheit ausgeführter vorsichtiger Angriff der Infanterie des Gegners wurde durch das Feuer der russischen Schützen aufgehalten. Der Kampf war abends 9 Uhr beendet. Aus russischer Seite wurden sieben Offiziere leicht verwundet, 26 Mann getötet, 53 verwundet, darunter sieben schwer. Die Verluste des Gegners sind bedeutend.

Weiteres vom Kriegsschauplätze.

Petersburg, 27. Juni. Wie ein Telegramm des Statt­halters Alexejew an den Kaiser vom 27. Juni meldet, gingen nach den Berichten der Kontteadmirale Witthöfst vom 20. d. M. und Grigorowitsch vom 23. d. M., dem Auslaufen des Geschwaders langwierige und schwere Arbeiten zwecks Vernichtung der feindlichen Minen voraus. An diesen Arbeiten nahmen alle Schiffe und Hafenkutter, sowie alle Dampfer der Baggerkarawane teil. In der Nacht auf den 23. Juni fand vor Port Arthur ein Kampf zwischen russi­schen und japanischen Torpedobooten statt. Auf russischer Seite wurden ein Kapitän und ein Leutnant leicht verwundet. Um 2 Uhr nachmittags lief das ruffisck-e Geschwader aus. Zur selben Zett waren am Horizonte 11 japanische Schiffe und 22 Torpedo­boote zu sehen, Eine Mitteilung des Generalstabs besagt: Auswärttge Blätter und Telegramme aus Tokio melden, daß in den Kämpfen bei Wasangou die Japaner eine Fahne erbeutet hätten. Aus ein anläßlich dieser Nachricht ergangene Anfrage des Kriegsministers teilte der Chef des Feldstabes des Statthalters Alexejew unter dem 26. Juni mit, daß keine Fahne erbeutet tourbe, sondern ein FÄdzeic^n, das nach dem Felddienst-Reglement den Standort des Regimentskomman­deurs im Kampfe und im Nachtlager angibt.

Ein englffcher Dampfer konfisziert.

London, 27. Juni. Ter Eigentümer des kürAch von dem russischen Wladiwostokgeschwader beschlagnahmten Dampfers Ällowtvwn" erhielt peirte nachmittag ein Telegramm seines Kapitäns, in welchem es heißt, daß das Prisengericht beschlossen habe, das Schiff und die Ladung zu konfiszieren, daß ihm aber innerhalb eines Monats Berufung dagegen xufteht.

Em neues Unglück in Port Arthur.

London, 27. Juni. Auf dem Bahnbwfe von Port Arthur explodierte eine Landmine uno tötete eim große Anzahl russischer Soldaten.

Der Aufstand in Aeuisch-SüdwestafriLa.

Einige neue Verluste in Sudwestaftika werden vom Hauptquartier aus Okahandja telegraphffch wie folgt gemeldet: Reservist Pröltzsch ist bei der Polizei­station Otjisewa gefallen und beerdigt; in Okahandja See­soldat Raver Bacherl att§ Waldmühle, Kreis Oberpfalz, 21. ds. Mts. an Darmtyphus gestorben. Gefretter Heinrich Priebe aus Wandau, Regierungsbezirk Marienwerder, am 24. d. M. zu Okahandja an Darmtyphus gestorben. Retter Albert Becker aus Rehwinkel, Kreis Saatzig, Pommern, am 24. dss. Mts. m Otjosondo am Typhus gestorben. Eine Anzahl Verwundeter und Erkrankter aus Deutsch-Südwest­afrika ist an Bord des ReichspostdampferSKronprinz^ im Hamburger Hafen eingetroffen. Unter den Verwundeten befinden sich Oberleutnant Herrmann, Leutnant Find eis und Sergeant Wied eh o lt. Herrmann erhielt im Gefecht bei Owikokorero zwei Schliffe in Schulter und Hüfte und einen dritten Schuß in das Bein, der ihm auf dem Transport durch einen wahnsinnig gewordenen Ita­liener beigebracht worden war'. Findeis wurde in dem­selben Gefecht durch einen Schuß in die Schulter verletzt. Die Wunden sind ziemlich gut ausgeheüt und die beiden Offiziere inzwischen soweit wieder hergestelltz daß eine wettere ärztliche Behandlung nicht mehr nötig erscheint. Der Sergeant Wiedeholt dagegen, welcher eine schwere Schußverletzung in dsn rechten Arm erlitt, wird noch einige Zeit ärztlich be­handelt werden müssen, da seine Wunden noch nicht geheilt sind, im übrigen auch sein gegenwärtiges Befinden zu Be- sorgniffen Anlaß giebt. Außer diesen drei Verwundeten brachte derKronprinzsechs Erkrankte der deuffchen Schutztruppe nach der Heimat zurück. Es find dies der Hauptmann Fischel vom Seebataillon, zwei Unteroffiziere und drei Mann von der Matrosen-Arttllerieabteilung. Die Erkrankungen be­stehen durchweg in Darmleiden. Der Zustand der Erkrankten hat sich jedoch derart gebessert, daß von einer Lazarctbehand- lung 2lbstand genommen werden kann. Schließlich befand sich an Bord des Dampfers auch der Sohn des Gouvernetrrs von Dsutsch-Südwestafrika, Leutnant Leutwein, der auf ein Jahr in die Heimat beurlaubt worden ist.

Voliüsche Tagesschau.

Zu bem Konflikt ans Haiti erfährt die ^Nationalztg." von unterrichteter Seite, daß Deutschland eine identische Aktion wie Frankreich unternimmt und ebenso wie dieses ein Kriegsschiff nach Port au Prince a-bzusenden gedenkt, um Genugtuung zu erlangen. Wie das Blatt weiter erfährt, werden Deutschland und Frank­reich einander auf dem Laufenden über alle in dieser Hinsicht zu unternehmenden Schritte halten.