Ausgabe 
28.5.1904 Erstes Blatt
 
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von Kalnein vom Kürassierregiment Nr. 3 und em russi­sch e r B a r o n. Tas Duell bestand in einem einmaligen Kugel­wechsel und nahm einen unblutigen Verlauf. v. Kalnein ist zurzeit zum Militär-Reit-Jnstitut in Hannover kommandiert und kehrte sofort nach dem Duell nach Hannover zurück.

* Köln, 27. Mai. Die beiden des M o r d e s an einem Tienstmäd chen verdächtigen Männer konnten ihr Alibi nachweisen. Ter Verdacht lenkt sich neuerdings auf einen Mansardendieb, der sich seit längerer Zeit in der Umgegend bei- Mordstelle bemerkbar gemacht hatte. In der Nähe der Ortschaft Buer wurde am Waldessäume die Leiche eines unbekannten, 30 Jahre alten Mannes gefunden, die bis zur Unkenntlichkeit mit einem harten Gegenstände -erschla­gen, deren Kopf völlig zerschmettert war. Die Mord stelle zeugt davon, daß ein ungemein hef­tiger Kampf stattgefunden haben muß. Eine der Tat dringend verdächtige Persönlichkeit wurde verhärtet, als sie in gerader Richtung auf die Leiche zuging und längere Zeit dabei verweilt hatte. In Erla bei Köln erfaßte die Frau eines Bergmanns im Wahnsinn ihr einjähriges Töch­terchen und schleuderte es in einen großen Kübel heißen Wassers. Das Kind starb an den erlittenen Brandwunden.

* Düsseldorf, 27. Mai. Ein Großfeuer äscherte die Putzwollfabrik von Krauß und Sohn ein.

Bremen, 27. Mai. Bei einer Ruderpartie auf der kleinen Weser kenterte ein Boot mit zwei Insassen. Einer ertrank.

* Rendsburg, 27. Mai. Amtlich wird gemeldet: Der von Vandrup kommende Personen zug 755 über­fuhr heute morgen 7 Uhr 10 Min. auf dem Bahnhofe Nordschleswigsche Weiche das auf Halt stehende Einfahrts­signal und stieß gegen einen Rangierzug. Personen sind nicht verletzt. Die Maschine und zwei Gepäckwagen wurden beschädigt. Die Geleise sind bereits wieder frei.

* Hirsch berg i Schl., 27. Mai. In einer Dampf­schneidemühle erstickten beim K-'sselteeren infolge einer Lampenexplosion drei Arbeiter.

* Straßburg i. E., 27. Mai. Ein Soldat des In­fanterie-Regiments Nr. 97 aus Saarburg legte in Bitsch scherzweise auf einen Fuhrknecht das Gewehr an und drückte ab, da er vermeinte, daß es entladen sei. Ter Fuhrknecht, ein Familienvater, wurde augenblicklich getötet.

* Dover, 27. Mai. Ein hier eingetroffener englischer Dampfer landete fünf Matrosen, welche er auf hoher See halbverhungert ausgenommen hatte; dieselben waren seit drei Tagen ohne Nahrung.

* R o m, 27. Mai. Bei Paternopoli st ü r z t e der italie­nische Luftschiffer Zambianchi mit seinem Ballon aus einer Höhe von 2000 Meter herab und war sofort tot.

* Wieinan Millionen transportiert. Am Montag erhielt die Bank von Frankreich die erste Ueberweisung ameri­kanischen Goldes als Mschlagszahlung auf die 160 Mill. Mark, die der französischen Panamakanalgesellschaft von der Regierung der Vereinigten Staaten gezahlt werden. Tas Geld kam mit »dem Norddeutschen LloyddampferKronprinz Wilhelm" an und wurde mit der allergrößten Vorsicht in Cherbourg ausgeschifft. Kleine Kisten, die 26 400 000 Mark in Gold enthielten, wurden genau geprüft, ehe man sie übernahm, damit man sicher war, daß an Bord nichts damit vorgegangen war. Das Gold wurde in einen besonderen Wagen mit Stahlpanzer gebracht und dieser an den Zug von Cherbourg angehängt: ein paar Bankbeamte und vier bewaffnete Schutzleute wurden mit dem Schatze in dem Wagen eingeschlossen. In Paris wurde das Gold sofort in be­sonderen Wagen der Bank von Frankreich befördert und unter bewaffneter Eskorte in die Keller der Bank gebracht. Eine weitere Abschlagszahlung wird in einigen Tagen mit dem französischen DampferLorraine" ankommen, aber in diesem Falle ist die Damvfergesellschaft verantwortlich für das Gold, bis es Paris erreicht.

* Prämien für Kinderreichtum. In Preußen hat vor kurzem der Finanzminister sich dahin ausgesprochen, daß den Häuptern sehr kinderreicher Familien eine Erleichterung in der Steuerleistung zu gewähren sei, und eine ähnliche Ansicht waltete auch in Bayern ob, wo bei der projektierten Gehaltsauf­besserung der Beamten eine Bevorzugung des stärkeren Familien st an des geplant war. Nun wendet man der Frage auch in Frankreich Aufmerksamkeit zu, allerdings nicht aus Gründen fiskalischer Begünstigungen, sondern vorwiegend mit Rücksicht auf die geringe, beinahe stockende Zunahme der Be- völkerungszifser. Die weitaus größte Eisenbahngesellschaft Frank­reichs, dieParisLyonMittelmeerbahn", gibt ihren Beamten je nach der Kinderzahl bemessene jährliche Prämien. Es erhalten Beamte bis zu einem Jahresgehalte von 2100 Francs für drei Kinder jährlich 30 Francs: diese Prämie steigt bei neun Kindern bis auf 630 Francs. Bei Angestellten in den Gehaltsstufen von 2100 bis 2400 Francs ist die niedrigste Prämie 80 Francs, wofür man allerdings sechs Kinder aufweisen muß, und steigt bis 440 Francs für neun Kinder; Beamte mit höherem Einkommen, und zwar bis 2700 Francs, bekommen eine Jahresprämie von 100 Francs für acht Kinder und von 250 Francs für neun Kinder. Mehr als neun Kinder sind alsoFleißaufgabe". Die Zeitungen veröffentlichten bereits das Dankschreiben des Senators Piot, das dieser Führer der Bewegung gegen dieEntvölkerung" Frank­reichs an die Verwaltung der genannten Bahn richtete.

* D i e Preise interessanter Autographen. Bei der kürzlich stattgehabten Versteigerung seltener Autographen in Berlin wurden für die hervorragenden Sachen folgende Preise erzielt' ein Brief, eigenhändig geschrieben von Martin Luther, 1680 Mark, von Philipp Melanchthon 126 Mark, Franz von Sickingen 200 Mark, Johannes Spangenberg zu Eisleben 241/» Mark, Friedrich Großherzog von Baden 55 Mark, Maria Theresia 15 Mark, Henri IV., Roi de France 40 Mark, Louis XIV. 160 Mark, Napoleon L, 2 Zeilen, 106 Mark, Friedrich Wilhelm I. hon Preußen 13 Mark, Luise, Königin von Preußen, 205 Mark, Wilhelm I., deutscher Kaiser, 110 Mark, Prinz Karl 130 Mark, Kaiserin Augusta 451 ? Mark, Kaiser Friedrich 200 Mark, Wil­helm ft. 50 Mart. Albrecht, Prinz von Preußen, Regent von Braunschweig, 3 Briefe, 601 Mark, Prinz Friedrich Karl 40 Mark, Friedrich der Gr-ße 78 Mark, Heinrich, Prinz von Preußen, Bruder Friedrichs des Großen, 46 Mark, Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth, 75 Mark, Hans Joachim von Zielen 100 Mark, Garibaldi 61/2 Mark, Gustav Adolf von Schweden 67 Mark, Tilly 24 Mark, Wallenstein, Herzog zu Friedland, 130 Mark, Blücher 31 Mark, Ferdinand von Schill, 2 Briefe über sein Frei­korps, 200 Mark, 1 Gebetbuch vom Jahre 1871 der Brüder­gemeinde, die täglichen Lesungen und Lesetexte mit Widmungen des Kaisers und der Kaiserin Friedrich:Der lieben Tante Marie (Prinzessin Karl' mit herzlichen Glückwünschen zum neuen Jahr, das uns bald den Frieden bringen möge, Versailles, 7. Jan. 1871. Friedrich Wilhelm. Dasselbe wünscht von Herzen Deine treue Nichte Victoria", 30 Mark. Podbielski (1870) Vor Paris nichts Neues 50 Mark, Kriegsminister Roon 50 Mark, Otto von Bismarck 75 Mark, Theodor Fontane 15Vg Mark, Leoncavallo 15 Mark. H Sienkiewicz 21i/2 Mark, Lola Montez 3 Briefe 40 Mark, Napoleon III. 25 Mark, Richard Wagner 320 Mark, Ferd Lasalle 28 Briefe 220 Mark, G. W. Leibniz 50 Mark, Friedrich Nietzsche 3 Briefe 365 Mark, Franz Grillparzer 160 Mark Heine 100 Mark, Hoffmann von Fallersleben 85 Mark, Gottfr. Keller 50 Mark, Kleist 110 Mark, Klopstock 64 Mark, Körner 15 Mk., Christ. Körner (sein Vater) 90 Mk., Fritz Reuter, 5 Briefe 77 Mark, Chr. Schubart 53 Mark, Seume 23Vs Mark, Goethe, 1 Gedicht, 12 Z., 310 Mark, Schiller, 2 Seiten Manu­skript, 605 Mark, Karl August von Weimar 30 Mark, 193rief Schillers 200 Marl. Von Wieland 12 Briefe 614 Mark, Munk­manuskripte: Beethoven, 4 Seiten Nottn, 940 Mark, 1 Brief 260 Mark, Bocherini 170 Mark, Boildieu 52 Mark, Brahms 505 Mark, Chopin, 31/2 Seite Mazurka, 600 Mark, Herold

30 Mark, Franz Liszt, 13 Manuskripte, zusammen 1063 Mark, Meyerbeer 70 Mark, Franz Schubert, 3 Lieder der Wanderer, Geistergesang, Du liebst mich nicht, kaufte die Stadt Wien für 901 Mcrkk, Robert Schumann, 5 Manuskripte, 988 Mark, Viotti 110 Mark, Weber, Widmungsblatt, 110 Mark.

* Im Zeichen des Z. Zierliche Zahnglossen zeitigt einer dortigen Zeitung der derzeitige Zahnarztkongreß zu Straß­burg: Zur zahnärztlichen Zusammenkunft zollte Zeus zweck­mäßig zufriedenstellendes Zahnkongreßwetter. Zahlreich zusam- mengeströmte Zünftler! Zahlet Zoll zenslicher Zustimmung zum Zahnarztkongreß! Zahlreiche Zahntechniker zaudern zahnkongrcß- lichen Zielen Zweck zuzusprechen. Zähnefletschend zürnen zopfige Zahnkünstler zahnärztlichem Zusammenschluß. Zweifelsüchtige Ze­loten! Zuchtlose Zungendrescher! Zähmet zwecklosen Zornes- ausbruch, ziehet zurück zähneklapperndes Zetergeschrei. Zollet Zuneigung zahnärztlichem Zunftwesen. Zeitgeschichtliche Zeugnisse zeigen Zahntechnikern zahnärztliche Zauberkraft! Zwanglos zer­malmen Zahnärzte Zahnfäulnis, zersetzendes Zerstörungswerk zer­rütteter Zähne: zerschmettern Zahnruinen: zerstreuen zahlreiche Zahnkrankheiten, zerklüften Zahnfisteln, zaubern zu Zweckessen zierliche Zahngcbisse. Zeitweilig zahnschmerzstillenden Zahntropfcn, Zahntechnikers zeitwidrigen Zöpfen, zürnen Zahnärzte: zahlen zuweilen zuvorkommenderweise zerlumpten Zahnpatienten Zahn­arzneien. Zahnärzte! Zeiget zeitgemäße Ziele, zerstört Zerr­bilder zunftgemäßer Zahnheilkunde! Zahnziehstangc zurück: Zahn- plombe----Zahnkongreß! Zecket Zeltinger. Zacherlbräu!

Kunst und Wissenschaft.

Frankfurt a. M., 27. Mai. Das Donk n nstlerfest des allgemeinen deutschen Musikoereins (40. Jahresversammlung), das vom 27. Mai bis 1. Juni hier abgehalten wird, wurde heute Abend mit einer von der Intendanz dargebotenen Festaufführung im Opernhause eingeleitet. Zur Darstellung gelangte die Oper Ter Bundschuh" in Uraufführung, Dichtung von Otto Erler, SOiufif von Waldemar von Baußnern. Außer den Mnsiklimstlerischen Veranstaltungen in Franksurt, die eine große Anzahl Uraufführun­gen von Werken namhafter Tonkünstler zu Gehör bringen wollen, ist am 29. Mai ein Konzert in der Neuen Heidelberger Stadthnlle und am 31. Mai eine Festaufführung am Hof- und National- theater in Mannheim 00i-jichen.

Herichtsfaat.

Schwurgericht Gießen. Tas zum 6. Juni ein­gesetzte Schwurgericht fällt voraussichtlich aus. Es liegt nur 1 Fall wegen Kindsmords vor, wobei die Angeklagte geständig und mit der Verlegung ihres Falles in die nächste Schwurgerichtssitzung einverstanden ist.

d. Mainz, 27. Mai. Der am Montag vor der ersten Strafkammer angcsetzte B e l e i dck g u n g s p r 0 z e ß, der durch V e r ö s f e n t l i ch u n g d e r B r i e i e d e s v e r st 0 r b e n e n Generals K r e t s ch m a n n in derMainzer Volkszeitung" ent­stand und gegen den Landtagsabgcordneten und Redakteur August Bernhard Adelung und den Geschäftsführer Friedrich Toller gerichtet ist, mußte a u f u n b e st i m m t e Z e i t v e r t a g t werden, iveil ein Hauptzeuge, der Oberleutnant a. D. Balser in Darm­stadt, erkrankt ist.

Dresden, 27. Mai. Wegen Mizbrauchs der Dienstgewalt, Mißhandlung und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener und Anstiftung zur Begehung strafbarer Handlungen wurde der Unteroffizier Viehweger von der 7. Kompagnie des 177. Infanterieregiments in Königstein vom Kriegsgericht der 23. Division zu insgesamt 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt.

Arbeiterbewegung,

Zittau, 27. Mai. Hier ist ein allgemeiner Maurerstreik ausgebrochen, Die Streikenden fordern einen Stundenlohn von 35 Pfennig und zehnstündige Arbeitszeit.

Landwirtschaft.

w. Wetzlar, 27. Mai. Der Verwaltungsbericht des Kreis- ausschuffes des Kreises Wetzlar giebt soeben Ausschluß über den Stand des K r e i s - V i e h - V e r s i ch e r u n g s - B e r e^i n s. Ver­sichert waren im letzten Berichtsjahre 419 Pferde, 4254 Stück Rind­vieh, 9488 Schweine, zusammen 14161 Tiere gegen 12292 im Vor­jahre. Für Schndeiüälle wurden bezahlt: a bei der Pierde- versicherung 3186 85 Mk., b) bei der Rindviehversicherung 9399 Mk. 86 Pfg., c) bei der Schweineversicherung 6511.82 Mk. Auch die aus Kreismitteln gegründete Viehleihkasse, die den Zweck hat, be­dürftigen Landwirten zur Beschaffung des in ihrer Wirtschaft not­wendigen Viehbestandes Unterstützung zu gewähren, Hal sich als eine segensreiche Einrichtung bewiesen. Mit der. Fassung der vom Vorsitzenden im Entwürfe vorgetragenen neuen Satzungen erklärte sich die Hauptversammlung einverstanden. Tie neuen Satzungen sind unterm 17. März 1904 vom Regierungspräsidenten genehmigt warben und treten am 1, ^uli 1904 in Mini1 .......

tzisenbahn-ZnIung.

Berlin, 27. Mai. Tie Studiengesellschaft für eleck- trischc Schnellbahnen wird auch aus der Welt-Aus­stellung in St. Louis ausstellen. Die bafür bestimmten Gegen­stände waren dieser Tage zu einer kleinen ^onderausstellung im großen Sitzungssaale der Deutschen Bank vereinigt, und sind jetzt nach Amerika abgegangen. Die beiden Schnellbahnwagen, die nicht gut übers Meer geschickt werden können, sind durch zwei photographische Aufnahmen von je sechs Quadratmeter Größe wiedergegeben. Ferner ist das Drehgestell von jedem der beiden' Wagen photographisch ausgenommen. Auch die Führer­stände der beiden Wagen in ihrer verschiedenen Anordnung sind wiedergegeben. Am meisten Eindruck werden zwei große Tafeln machen, auf denen die Leistungen der Wagen an zwei Tagen graphisch dargestellt werden. Es ist darauf die Versuchsfahrt des Wagens nach Widerstand, Kraftverbrauch, Bremsverhältnissen und Schnelligkeit dargestellt.

Anfangs- n. . 201.10 . 218.50 . 136.50 . 190.50 . 197.90 Ruhig.

Schlußkurse.

201.25

219.00

136.80

190.20

198.00

Handel und Verkehr. Vaiküluirtschaft.

Berliner Börse vom 27. Mai 1904.

(Mitgetcilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 3 Prozent.

Reichshaushaltsetat. Laut dem jetzt zur Verösfcuilich- ung gelangten Gesetz über die Feststellung des Reichshaushalts­etats für 1904 wird der Reichskanzler ermächtigt, zur Beseitigung einmaliger außerordentlicher Ausgaben die Summe von 152 065 221 Mark im Wege des Kredits flüssig zu machen. Weiter wird der Kanzler ermächtigt, zur vorübergehenden Verstärkung der ordentlichen Betriebsmittel der Reichshauptkasse nach Bedarf, jedoch nicht über den Betrag von 275 Mill. Mark hinaus Schatz- anweisungeu auszugeben. ?n betreff der Matrikularbciträge wird bestimmt, daß dieselben, insoweit sie den Betrag von 219 650 000 Mark übersteigen, der Reichskanzler ermächtigt ist, deren Erheb­ung vorerst für dieses Rechnungsjahr auszusetzen, bis der zur Deckung des Reichshaushalts - EtatS erforderlich? Betrag fest­gestellt ist.

Deutsches Kapital und Rumänisches Petro­leum. Der Generaldirektor der Minen im rumänischen Land- wirtschastsministerium und Präsident der Vereinigung der Erdöl- Industriellen und Erdöl-Fabrikanten Rumäniens, L. Ale- manestiano, weilt gegenwärtig in Berlin. Er hat sich dahin aus­gesprochen, daß die Verbindung des deutschen Kapitals mit der rumänischen Petroleumindustrie eine sehr glückliche ist. Dadurch sei es erst möglich, die reichen Petroleumlager Rumäuens ra­tionell auSzubeuteu und Deutschland Hai den Vorteil, Petroleum zu erhalten, das gut und billiger ist. als das amerikanische. Die Regierung proteg:.rc das deutsche Kapital und mit Freuden

Oest. Kredit.

Deutsche Bank

Darmstädter Bank Bochumer Guß . Harpener Bergbau

Tendenz:

sei es zu begrüßen, daß die Deutliche Banr uno ote Disronro- gesellschaft ein gemeinsames Arbeiten in Rumänien beschlossen haben.

Märkte.

(th.) Gießen, 28. Mai. Auf dem gestrigen Ochsen­markt stand, was seit Jahren nicht vorgekommen ist, nicht ein Stück Vieh vorrätig. Tie wenigen Käufer, welche am Markt waren, sahen sich humorvoll gegenseitig an und machten schlechte Witze. Ter Schweiuemarkt hatte einen Auftrieb von 900 Stück, ein Vorrat, der für die Nachfrage viel zu klein war. Diesem Umstande war es wohl zuzuschreiben, daß die Verkäufer recht hohe Preise für die Tiere verlangten und auch daran sesthielten, als eine größere Anzahl Käufer unverrichteter Dinge den Markt verließ. Bezahlt wurden für junge Ferkel: bis 10 Wochen alt: 3045 Mk, bis 20 Wochen alt: 5066 Mk., Springer gingen mit 75110 Mk., je nach Güte und Alter (die Preise verstehen sich pro Paar . Nächste Markttage am 7. und 8. Juni: am zweiten Marlttage aus' >i r ö in e r 111 a r k t.

Gingesandt.

(Für Form und Inhalt alle, unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.l

Gießen, 28. Mai.

Die Spaziergänger der Gießen-Lcihgesternerstraße werden hiermit benachrichtigt,' daß durch den starken Regenfall die Straße wieder unpassierbar ist. Das Bankett ist schon seit einem Jahr bei feuchter Witterung überhaupt nicht zu begehen, weil man bis an die Knöchel stecken bleibt. Weshalb man die Straße so stief- mütterlich behandelt und nicht einmal das Bankett mit einigen Wagen Kies bestreut, ist unbegreistich. Müssen die auf dem Gießener Braunsteinbergwerk wohnenden Beamten und besonders das Werk selbst nicht so viel Steuer bezahlen, daß sie dafür einen gangbaren Fußweg verlangen können I -r.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag, den 29. Mai 1904: Meist schwachwindig, zeitweise heiter, bei etwas kühlerer Nacht tagsüber wärmer; nur stellenweise geringe Gewitter­regen.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Acncltc Mellumgen.

Originaldrahtmcldnnaen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 28. Mai.Theater an der Spree" wird das neue Theater heißen, das Ecke Friedrichstraße und Weiden­dammer Brücke errichtet wird. Das hierzu gehörige Terrain ist von Direktor Bruck, dem Besitzer des Orpheum-Theaters in Frankfurt a. M., erworben worden. Das Theater wird drei Ränge haben, ca. 1700 Personen fassen und voraus­sichtlich ein Operctten-Theater im Weltstadtstile werden. Die Eröffnung soll bereits im September nächsten Jahres er­folgen.

Berlin, 28. Mai. Die hiesige japanische Gesandtschaft dementiert das Gerücht, daß der Mikado beabsichtige, das Christentum als Staatsreligi0n in Japan einzu­führen. Eine solche Absicht stehe auch der neuen Verfassung entgegen.

Stuttgart, 28. Mai. Infolge der in vergangener Nacht niedergegangenen heftigen Gewitterregen ist der Neck ar über die Ufer getreten. In der Nähe von Weins­berg ist der Eisenbahndamm abgerutscht und der Verkehr auf der Linie HeilbronnWeinsbergHall bis auf weiteres unterbrochen.

Paris, 28. Mai. Nach Privatmeldungen aus Adisabeba ist Kaiser Menelik von Abessinien so schwer er­krankt, daß die Aerzte ihn bereits aufgegeben haben. Es wird ein Parteigängerkrieg befürchtet, der teilweise schon vorbereitet sein soll.

Petersburg, 28. Mai. Nach Privatmeldungen aus Jnkau haben alle drei japanischen Armeen die Mandschurei erreicht. Kurdki befestigt Föngwangtschön. Oku landet noch immer Truppen bei Pitsewo. Dieser Tage erivartet man die Besetzung von Susjan durch die Japaner. Letztere scheinen die Linie HaitschengHaitschei zu über­schreiten, um mit der russischen Armee von Süden Fühlung zu gewinnen. Die Belagerung ist der 3. Armee und bei Flotte übertragen.

Petersburg, 28. Mai. Bisher liegen noch keine amtlichen Nachrichten über die Schlacht bei Kintschau vor. Nach Privatmcldungen aus Mulden hat der dort ein» getroffene japanische Parlamentär um einen 48stündigen Waffenstillstand nachgesucht, um die bei Kintschau gefallenen Toten zu bestatten.

Belgrad, 28. Mai. Am 29. August sollen programm­mäßig die' Krönungsfeierlichkeiten beginnen und drei Tage dauern. Von den fremden Staaten erwartet man, daß sie sich durch ihre hiesigen Gesandten oder durch Spezial- Gesandte an der Krönung beteiligen werden.

L. Tokio, 28. Mai. Admiral Togo hat am Donnerstag die Liaotong-Halbinsel südlich von Pitzeno und Pulantien für blockiert erklärt. 5000 Mann russischer Truppen sind dem BlatteJiji" zufolge in Niutschwang ein­getroffen.

New-Pork, 28. Mai. Infolge der Geschäftslosigkeit auf dem Effektenmarkt sehen sich fast alle 1200 Bank- nnb Maklerfirmen in New-Pork, darunter auch die Firma Morgan, genötigt, durchgreifende Ersparnisse einzuführen. Jede Woche werden zahlreiche Angestellte entlassen. Die Zahl der in den letzten 14 Tagen entlaßenen Bankbeamten wird auf 2500 angegeben.

Teiephonischer Kursbericht.

Berankfnrt a. J1-. 28. Mai.

3*/en/u Reiobsanleihe . . 101.90

30/n do. ... 89.60

3'/,°/ Konsole .... 101.70

3% do.....89.60

3'/e% Hessen .... 99.75 3' .,% Oborhesecn . . ..

4% Oesterr. Goldrente . 100.75

4/6 % Oesterr. Silborrente 99.90 !

4% Uncfar. Goldrente . . 99.15 I 4!l/,> Italien. Rente , . . 103.00 4vi% Portugieser , . . 60.00 !!c/ Portugiesen.....58.80

1% C. Türken ..... Türkenlose......127.40

4°/q Griech. Monopol.-Anl. 47.20 41/,% äussere Argentiner.

8o/o Mexikaner .... 26.30 4,/21/n Chinesen .... 86.80 Electric. Schuckert . . . 105.50 Nordd. Lloyd . . . . 102 50

Kreditaktien . ... 201.50

Diskonto-Kommnndit. . 186.90

Darmstädter Bank . 136.60 Dresdener Bank .... 151.10 Berliner Handelsges. . . 152.50 Oesterr. Staatsbahn . . , 136.50 Lombardei; .....13.40

Gotthar-lbahn ..... 191.50 Laurahütte......241.90

Bochum.......191.75

Harpener......198.80

Tendenz: fest.

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