Ausgabe 
28.4.1904 Erstes Blatt
 
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Auf dem heutigen

Telephonischer Kursbericht

. 26 25

. 101.85

4* 4% Oesterr. Silberrente 100 70

Höchste Tenrperatnr am 26.27

Tendenz: behauptet.

Niedrigste

26.-27.

130.20

45.60

. 90.95

. 108.00

. 60.15

. 59.00

$Vt% Hsagen . .

Vf, % Oberheseen

4% Oesterr. Godrente

4 . 10210

. . 90.05

. . 101.95

. . 90.20

. . 100.15

8V/o 3%

3°/a

202.87

217.37

138. 193.62

198.10

Reicheanleihe do.

Konsole . do. . .

3°/o Mexikaner 4,/o% Chinesen . . Electric. Sohuckert . Nordd Lloyd . . Kreditaktien Diekonto-Kommandit. Darmetädter Bank Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatebahn . Lombarden . . . Gotthard h»hn . . . Laurahfitte . . . . Bochum.....

Harpener

In Ferkeln war das Angebot stark; das Paar kostete burchschnitt- lich 40 Mk.

§ Ruppertenrod, 27. April. Unser heutiger »Frühjahrs- m a rk t", den gutes Wetter begünstigte, zeigte eine sehr starke Aus- iahrt von Jringschweiilen, von denen 800 Stück zum Angebot kamen. Dies starke Angebot im Verein mit den seither üblichen billigeren Preisen liehen den Handel einen etwas flauen Gang nehmen, der erst dann Leben bekam, als die Forderungen sich er­mäßigten. Bezahlt wurde für das Paar erstklassiger Ferkel 60 Mk. (gegen 75 Mk. der vorigen Jahres, Durchschnittsware pro Paar 50 Mk., geringere Sorte bis zu 45 Mk. Dafür konnten die Jung­schweine ohne Rlage über allzu hohe Preise gekauft werden.

Limburg a. d. L., 27. April. Frachtmarkt. Durch­schnittspreise pro Malter. Roter Weizen 00.00 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 10.20 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 6.60 Alk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 00.0 Mk.

. 87 OC . 108.2(1 . 103 20 . 203 00

185 80 . 138.90 . 154 50 . 154 50 . 188 90 . 1410

192 90 . 243.40 . 194.00

197.90

April =4- 9,9ü C. , = 4- 4,3 " C.

Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliuer Börse vom 27. April 1904.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 23/< Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Alenelte Itlcluumu'ii.

Berlin, 28. Apvil. Me derVorwärts" berichtet, ist das gegen Normann-Schumann seit längerer Zeit schwebende Majestätsbeleidigungs - Verfahren von der Berliner Polizei eingestellt worden.

Essen, 28. April. Unter dem Verdacht, an den Unter« schlagungen bei der Borbecker Kredit- und Spar- g e s e l l s ch a f t beteiligt zu sein, wurde der Vater des flüch­tigen Defraudanten Hollmann, der frühere Bankdirek­tor Hollmann verhaftet.

Bremen, 28. April. Der Vorsitzende des Bremer Hilfskomitees für die Abgebrannten in Aalesund, Konsul Hermann Gerdes, teilt mit, daß die Sammlungen für die Abgebrannten beendigt sind. Aus ganz Deutschland liefen reiche Gaben ein. Das hiesige Hilfs­komitee setzte sich zu Beginn der Hilfsaktion mit dem Ma­gistrat von Aalesund in Verbindung. Der von den cinge- gangenen Geldern verbliebene Restbetrag von 10 409.35 Ätorten wurde der Regierung in Ehristiania überwiesen, mit dem Ersuchen, diesen Fonds als Grundlage zur Erricht­ung eines Kinderheims, welches ein Bedürfnis in Aalesund ist, der dort ansässigen Dame Frau Elise Devold zur Verfügung zu stellen.

Paris, 28. April. DerNewport Herald" meldet unter Vorbehalt, K u r o p a t k i n sei bei dem jüngestn Attentat verwundet worden und seine Gesundheit lasse zu wün­schen übrig.

Paris, 28. April. Der Petersb'urFer Korrespondent desPetit Parisien" berichtet, er erfahre aus bester Quelle, daß die Japaner Widju besetzt haben. General Ku­rv p a t k i n habe den Truppen der ersten Gefechtslinie den Befehl gegeben, sich zurückzuziehen und den Fluß- Uebergang sonach freizugeben. Kuropatbin habe die Möglichkeit eines Rückzuges der ersten Gefechtslinie längst in seinem Programm vorgesehen und er weigere sich, eine Schlacht zu liefern, wenn ihm nicht der Sieg sicher sei. 20000 Mann sollen den Tumenfluß über­schritten haben und in Eilmärschen auf die rechte Flanke der Japaner Vordringen. Die von den Russen zurückzu­legende Strecke beträgt 500 Werst, welche in einer Woche bewältigt werden können. Der Plan Kiiropatkins gebt dahin, bie Japaner in die Ebene der Mandschurei zu locken und ihnen vort ein Gefecht zu liefern, sobald die russischen Streitkräfte, welche vom Tumen-Fluß kommen, die Jalu- Ufer beherrschen. Diese russischen Truppen haben die Auf­gabe, die Brücken der Japaner zu zerstören und den Feind im Rücken anzugreifen.

Rom, 28. April. Ein Leitartikel derTribuna" bringt die Trinksprüche in Rom mit den Trinksprüchen in Neapel in Einklang und weist auf die Rolle Italiens hin, eine Vermittelung zwischen Paris und Berlin zu schaffen. Die Republikaner suchten ihre polizei­lich verbotene Demonstration für Loubet ins Werk zu setzen, wurden aber durch ein größeres Aufgebot von Polizei und Militär daran gehindert.

Luzern, 28. April. Kaiser Wilhelm traf heute früh hier ein und setzte nach kurzem Aufenthalt die Reise nach Basel fort.

Budapest, 27. April. Die Primadonna des unga­rischen Theaters Frl. Toncsanhi erlitt infolge der Er - plosion eines Spiritusbrenners lebensgefährliche Brandwunden.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gieren.

4% Unerar. Goldrente, . 4/ Italien. Rente . . , 4*/t % Portnt'ieser » . .

<0/ Portngiesen. ... 1% C. TÖrken . . . Türkenloee . . . .

4% Griech. Monopol.-Anl. 4V,% äussere Argentiner

Oest. Kredit.... 203.

Deutsche Bank . . . 217.

Darmstadter Bank . . 137.90

Bochumer Guß . . . 193.90

Harpener Bergbau . . 197.80

Tendenz: fest.

Märkte.

Allendorf a. d. Lda., 27. Avril.

Markte wurde besonders lebhaft mit Schweinen gehandelt.

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Lrod)en,bie$erun alb einer Woche n° äner Auslerlignng schlag an die Ortstalk Buseck während eine durch einmalige re m dem .Siebener 31 Kosten deS SlngM zu machen.

Die Richtigkeit d der Urteilslomel roh und die Vollstreckbar teils bescheinigt.

Sieben, den 20. A

Braun, ®et»3

EerichtSschre deS Lroßherzogl. Li

F. d. A.

Älatenaar, Reck als Vertreter der Lhristoph Scheid I in Großen»?

perts mündlich gegebenen Bescheide hervorhob, unter keinen Umständen zulassen. Ausschlaggebend für diese Stellung­nahme des Gerichts dürfte die R ü ck s i ch t n a h m e auf d t e persönliche Sicherheit Hüsseners sein, denn in Essen hat sich, wie uns mitgeteilt wird, die Erbitter­ung gegen ihn, obwohl bereits mehr als ein Jahr seit der unseligen Bluttat, der der Kanonier Augusts Hartmann zum Opfer fiel, noch keineswegs gelegt. Auch sämtliche anderen Zeugen in dem Prozeß sind kommissarisch vernommen worden.

Kompagnieschule ist jetzt beendet, und eS beginnen nun die Felddienstübungen und das BataillonSexcrzieren. Die Be­sichtigung der Bataillone wird voraussichtlich nach Pfingsten abgehalten. _ 1

** Besitzwechsel. Herr. v. Münchow verkaufte sein Haus Wolkengasse 21 für 23 000 Mk. an Korbmacher Heinrich K u h l - Eheleute von hier.

Arbeiter-Impfung. Gestern nachmittag sind hier 68 ausländische Arbeiter durch zwei Aerzte geimpft worden. Seit einiger Zeit arbeiten hier weit über hundert Italiener, Kroaten und andere Südländer, zum Teil bei der Kanalisation der Bismarckstraße, zum Teil beim Gail'schen Thonwerk, wo ein Schienenstrang gelegt wird. Angesichts der Pockenfälle in einzelnen Orten deS rheinisch-westfälischen Jndustriebezirks, die bei ausländischen Arbeitern auftreten, ist es im Interesse des Gesundheitszustandes der Stadt für erforderlich erachtet worden, die ausländischen Ar- beiter hier einer Impfung zu unterziehen. Die Leute wurden wiederholt von der Polizei aufgefordert, zu diesem Zwecke auf dem Polizeibureau zu erscheinen, doch immer vergeblich. Schließlich wurde den Arbeitgebern aufgegeben, die Leute entweder an bestimmtem Termine zur Impfung auf die Polizei zu schicken, widrigenfalls die Arbeiter sofort über die Grenze geschoben werden würden. Diese Maßnahme hatte den ge­wünschten Erfolg. Es erschienen 68 Leute gestern auf dem Polizeiamte, wo die Impfung im Beisein einer Schutzmanns- Eskorte vorgenommen wurde. Es sei darauf hingewiesen, daß alle Arbeitgeber und Schlafstellenvermieter die Pflicht haben, ihre Arbeiter, bezw. Schlafstelleninhaber binnen 24 Stunden polizeilich anzumelden. Zuzug weiterer ausländischer Arbeiter nach unserer Stadt steht noch bevor.

Offenbach, 27. April. Ein schweres Unglück, welches ein Menschenleben gekostet hat, ereignete sich in der verflossenen Nacht. In der Geleitsstraße Nr. 10 wohnte in dem an der rechten Hofseite gelegenen Nebenbau im Parterrestock die 63jährige Frau Margarete Müller, die als Mtwe eines städtischen Angestellten eine kleine Pension bezog. In ihrem Schlafzimmer entstand in der Nacht gegen 2 Uhr aus bisher noch nicht aufgeklärte Weise Feuer, durch welches das einfensterige Zimmer völlig ausbrannte. Der Brand wurde um 2 Uhr bemerkt und von den Hausbewoh­nern und Nachbarn bald gelöscht, ohne daß die Feuerwehr einzugreifen brauchte. Als man dann in die Stube ein­drang, fand man die Frau unbekleidet und halb ver­kohlt vor dem Bette liegend. Ob die Frau, die stark an Asthma litt, in einem Anfall von Atemnot das brennende Licht umgeworfen hat oder auf welche Weise sonst das Un­glück geschehen sein mag, wird sich schwerlich ermitteln lassen. Die Leiche der verunglückten Frau wurde in das Leichenhaus verbracht. (Ofsenb. Ztg.)

Mainz, 27. April. Bei der Brückeneinweihung, zu welcher auch der Reichskanzler Gras Bülow hierher kommen wird, werden vor der Stadt 40 große, reich ge­schmückte Rheindampfer Aufstellung nehmen, und zwar werden an dem rechtsseitigen Ufer auf der 1800 Meter langen Sttecke zwischen der Mainmündung und der Sttaßen- brücke 16 Dampfer jn einer Entfernung von etwa 100 Meter auf fahren. Die übrigen Dampfer werden an dem linken Rheinufer Aufstellung nehmen und sich von dem Winterhafen bis zur neuen Brücke verteilen. Ein Na ch - y,iel zum Karneval fand heute morgen vor dem chöfsengericht statt. Die Unsitte, mit den Pritschen den Sttaßenpassanten an den Fastnachtstagen die Hüte ein­zutreiben, hat sich hier seit einigen Jähren immer mehr eingebürgert. Ein Buchhalter hatte einer großen Anzahl von Herren mit der Pritsche die Hüte eingettieben. Er wurde zu einer Woche Haft verurteilt. Ein Tag­löhner, der eine Frau mit der Pritsche ins Gesicht ge­schlagen hatte, wurde zu fünf Tagen Hast verurteilt. Das Gericht war der Ansicht, daß nur durch exemplarische Strafen einem derartigen Unfug gesteuert werden könne.

fc. Frankfurt a. M., 27. April. Der Hausierer Bender auS der Rothekreuzgasse, der seinen 2 Kindern die Hälse abschnitt, wurde heute morgen in die Irren­anstalt gebracht. Er gilt als geisteskrank.

to. Hanau, 27. April. Infolge Genusses ver­dorbener Fleischwaren sind hier in den letzten Tagen zahlreiche Erkrankungen an Brechdurchfall vor- gefommen, besonders in dem Viertel jenseits der Kinzig.

Vermischtes.

* Berlin, 27. April. Nach Stellung von 30 000 Mk. Kaution ist gestern auch der zweite frühere Direktor der Pommerschen Hypothekenbank, Romeik, aus der Unter­suchungshaft entlassen worden.

* Stettin, 27. April. Nach Blättcrmeldungen wird der Mühlenverwalter der Ordshager Mühle ver­mißt. Die Revision der Bücher ergab einen Fehlbetrag von 50000 Mk.

* Könitz, 27. April. Unter dem Verdacht des Gatten- morde s bezw. der Beihilfe sind die Besitzerswitwe S ch m i d t und der Schneidermeister GustavMilbrandt aus Neu-Batttow verhaftet und ins hiesige Gericbts- gefängnis eingeliefert worden. Die Frau hat die Tat bereits eingestanden.

* Paris, 27. April. Im Theater Palais Roval machte gestern abend während der Vorstellung ein junger, wenig bedeutender Schauspieler Jules Gravier in der Garderobe den Versuch, sich zu erschießen. Er verletzte sich indessen nur leicht. Gravier war unglück­lich in eine Kollegin verliebt.

* Petersburg, 27. April. In dem chemischen Laboratorium in Kronstaot, wo große Dynamitvorräte lagern, brach Feuer aus. Ein großes Unglück wurde durch rechtzeitiges Löschen verhütet.

* Schneefall wird aus der Ostschweiz und den Vogesen gemeldet.

'* Rücksicht auf Hüssener. In dem Prozeß gegen den Redakteur derEss. Volksztg", Kappert, wegen Be­leidigung des Marineoberkriegsgerichts zu Kiel, das am 6. Juli v. I. das Urteil über den früheren Fähnrich z. S. Hüssener aefällt hat, und des Kieler Offizier- korps, hat der Vorsitzende der Strafkammer, Landaerichts- direktor Dr. Laarmann den vom Angeklagten gestellten An- ttag, H ü s s e n e r als Z e u g e n zur Verhandlung am 4. Mai vorführen zu lassen, abgelehnt. Der Vorsitzende erklärte, daß das Gericht, falls sich die Stellung weiterer Fragen an Hüssener als notwendig ergeben sollte, bereit sein würde, die Sache zu vertagen, um Hüssener nochmals kom­missarisch in Ehrenbreitstein, wo er zurzeit den Rest seiner zweijährigen Festungshaft absitzt, darüber vernehmen zu lassen. Eine persönliche Vorführung Hüsseners werde das Bericht, wie dser Vorsitzende in den dem Verteidiger Kap-

MH

Herichtsiaal

R. B. Darmstadt, 27. April. Wegen Neberschreitnng d e S ZüchtigungsrechtS resp. Körperverletzung hatte sich hellte der 29jährige Lehramtsassessor 1l. ans Offen- dach vor der hiesigen Strafkammer zlr verantworten. Er hatte den Sohn Georg des Weißbinbermeisters Werner tn der Quarta der Offenbacher Oberrealschule wegen fortgesetzter Geborfams- verweigerung am 15. Januar ds. Js. nut einem langen Rohrstock derart auf Rücken und Schulter geschlagen, daß noch vier Sage darnach starke Striemen am Körper zu bemerken waren, ^re eigentliche Schuld an dem Ungehorsam des Knaben trug aber der Vater, der, nachdem ihnt sein Sohn in unwahren Angaben sein Vcib über den gestrengen Herrn Lehrer geklagt, die Anfertigung einer Strafarbeit verbot und dies auch dem Lehrer brieflich mit- teilte. Als dieser den Juilgen dann zur Rede stellte, lief er einfach aus der Schule weg. Am zweiten Tag kam er wieder; der Lehrer forderte den Schüler auf, aus der Bank vorzlltreten. Da schrie der Jlinge erregt: Ich lasse mich nicht züchtigen, wenn Sie was wollen, so reiben Sie sich mit meinem Vater rum! Darüber und über die fortgesetzte Gehorsamsverweigerung in Allfreglmg ge­bracht, ergriff der Angeklagte den Stock und schllig hastig aus den Jungen los. Staatsanwalt Schudt wies darauf hin, daß der Lehrer gegen das Miuisterialausschreiben vom 19. Mai 1882 ge­handelt habe, nach welchem die Züchtigung von Schülern nur im Falle grober Widersetzlichkeiten, Lügenhaftigkeit rc. erfolgen dürfe, beantragte aber in Rücksicht auf die durch das Verhalten des Schülers heroorgerufene Allfreglmg nur eine Geldstrafe von 25 Mk. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Mark-Offenbach, wies auf die auch vor Gericht gezeigte große Lügenhaftigkeit, Rohheit und Frechheit des Knaben hin, der auch über andere Lehrer allerlei Unwahr­heiten verbreitete und auf dessen widerspenstiges Benehmen der Angeklagte schon von seinem 9lmt5oorgänger aufmerksam gemacht worden war. Ter Gerichtshof stellte fest, daß der Angeklagte durch das freche Benehmen des Jungen gereizt^ worden war und deffen widersetzliches Benehmen eine kräftige Züchtigung verlangte. Der Lehrer sei aber über das erlaubte Matz der Züchtigung hinaus­gegangen und daher zu 25 M k. Geldstrafe zu verurteilen.

R. B. Darmstadt, 27. April. Zwei Anklagen wegen Sittlichkeitsverbrechens wurden heute unter Ausschluß der Oesfentlichkeit vor der Strafkammer verhanbelt. Die eine betraf den 61jährigen oerioiliuetcn Privatier Fischer, die andere ben 56jährigen Hanbelsmann Ferbinaub Levi, beide aus Gerns­heim. Beide Angeklagte hatten lange Zeit mit einem Mädchen unter 14 Jahren unzüchtige Hanblungen vorgenommen, ber letztere auch noch mit anberen Kinbern. Unter Annahme milberuber Um- ftänbe wurde Fischer zu 9 Monaten, Levi zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt, wobei jedem vier Wochen auf bie Untersuchungshaft abgerechnet würben.

Görlitz, 27. April. Der Zugführer Gust. Finke, ber im Dezember 1903 aus einem Packwagen Schmucksachen, Galanteriewaren und Lebensrnittel g e st 0 h l e il hatte, würbe von ber Strafkammer wegen Unterschlagung im Amte zu zwei Jahren unb sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

DerB ürgermei st erssohnalsWeichell steiler. Eine ungewöhnliche Laufbahn hat der Weichensteller Karl Jordan durchgemacht, ber wegen Unterschlagung im Amte vor einer Straf­kammer in Berlin ftanb. Der 25jährige unbescholtene Angeklagte stammt aus einer achtbaren Familie, sein Vater war früher Ober­leutnant unb später Bürgermeister. Der Angeklagte hat bas Abiturienten-Examen gemacht unb feiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger genügt. Da starb sein Vater unb ba Vermögen nicht vorhanben war, geriet er in eine üble Lage. Er bewarb sich bei ber Eisenbahnbirektion um eine An­stellung, würbe als Weichensteller eingestellt unb führte sich anfäng­lich zur Zufriebenheit seiner Vorgesetzten unb würbe halb zum Vorbereitungsbienst als Weichensteller erster Klasse herangezogen. Er geriet bann in leichtsinnige Gesellschaft unb bie Folge war, baß man ihn von biefem Vorbereitungsdienst wieder zurückzog. Zu den dienstlichen Obliegenheiten des Angeklagten gehörte auch der Dienst an der Fahrkarten-Ausgabe in den Bahllhöfen Rummelsblirg-Ost unb Karlshorst. Bei einer Revision würbe in ber vom Angeklagten verwalteten Kaffe ein Manko von 216 Mk. entbeeft. Er war ge- ftänbig, zwei Hundertmarkscheine unterschlagen zll haben, bie er zur Deckung alter Schulben oerroenbet haben will. Der Gerichtshof verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefäng- n i s unb Verlust ber bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von einem Jahre.

Arvettervewkgu n g.

Budapest, 27. April. Der allgemeine Ausstand in D e b r e c 3 i n ist seit heute beendet. Sämtliche Arbeiter traten die Arbeit wieder an.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst

Vo>-anHsichtliche Witicrnng in Oberbeffen für Freitag den 29. April 19N4: Im Norden zeitweise wolkig, im Süden meist heiter, bei milderer Nacht tagsüber wärmer, nur zeitweise windig. _____'_______Näheres durch die Gienener Wetterkarte.

Israelitische Religionsgesellschaft. ($ottesbienft.

Sabbathfeier am 30. April 1904. Freitagabend 7.15 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittag 4 Uhr, SabbathauSgang 8.30 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.30 Uhr,

__________ abends 8.30 Uhr.

tzlsenbatin-Z'ilung

Die Schnellfahr-Versuche, die von der Staats- bahnverwaltrlng auf der Militärbahnstrecke MarienfeldeZossen mit Dampflokomotiven angestellt wurden, sind vorläusig zum Abschlnsie gelangt. Interesiant und nicht ohne eine ge­wisse Ueberraschung verliefen die Fahrversiiche der letzten Tage. Die Staatsbahnverwaltung hatte lediglich zll Vergleichs- zwecken auch eine unserer im Dienst befindlichen Schnell- zligSlokomotiven zu den Versuchen herangezogen. Diese vier­achsigen (2/4 gekuppelten) Maschinen sind ziemlich leicht gebaut lind eignen sich in ihrer jetzigen Bauart wohl kaum für schnelle Dauerfahrten, weil die Keffel nicht genügend Dampf her- zugeben vermögen. Trotzdem zeigte sich ihre Leistungsfähig­keit steigerungsfähig, da sie ganz erheblich schneller fuhr als die Schnellzüge: bie Lokomotive beförderte den Sechswagen- zug mit einer Geschwindigkeit von 113 Kilometer per Stun de, unb zwar bei ziemlich ungünstigen Windverhält­nissen, wahrend bei nur drei Anhängewagen die Fahr­geschwindigkeit auf nahezu 12 0 Kilometer gesteigert werden konnte. So leistete unsere gewöhnliche Schnellzugs- lnaschine fast dasselbe wie die neue 2/b-gekuppelte Loko- motioe, die es bekanntlich auf 111, bezw. 118 (mit sechs Wagen) und 123 bezw. 126 Kilometer (mit drei Wagen) gebracht hatte. Dieses Resultat gestattet schon den Schluß» baß unsere Schnellzugslokomotiven eine mäßige Erhöhung ber Fahrgeschwindigkeit unbedenklich zulasten. Um aber ju Ge­schwindigkeiten von 120 Kilometer per Stunde übergehen zu können, wird man voraussichtlich überhitzten Dampf anwenden. Eine solcheHeißdampflokomotwe" ist von Borsig-Berlin nach den Angaben des Geh. BauratS Garbe gebaut und auf der Versuchsstrecke geprüft worden; sie erzielte 12 8 bezw. 137 Kilometer Fahrgeschwindigkeit, dürfte also für Dauerfahtten mit ea. 120 Kilometer pro Stunde völlig au8- reichen.

April 1904.

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur ber Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative j Feuchtigkeit I

§

8

Winbstärke 1

Wetter

27.

9«

748,3

8,4

6,0

73

NE.

2

Sonnenschein

27.

9,s

749,4

5,2

6,1

92

E.

2

Heller Himmel

26.

7$6

750,8

4,7

5,6

87

W.

2

Sonnenschein