Erstes Blatt.
154. Jahrgang
Donnerstag 28. April 1904
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Die
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Kompagniebesichtigungen des Regiments haben am Donnerstag, Freitag und SvmStag stattgefunden im Beisein der Brigade-, Division- und Korpskommandeure. Gestern, bezw. beute haben die einzelnen Kompagnien einen Ruhetag. Am Montag und Dienstag fand Felddienst bei Klein-Linden, Großenlinden, Allendorf, Lützellinden und Dutenhofen statt. Gestern hatte das zweite Bataillon Felddienst in der Gegend nach Annerod und Reiskirchen. Das Exerzieren in der
Vom Kaiser Wilhelm-Regiment.
Politische Tagesschau.
Gegen den preußischen Lotteriegesehentwurf wird eine Petition an daS Abgeordnetenhaus vorbereitet, die darauf hinweist, daß durch ein solches Gesetz zahlreiche Handlung?- und Fabrikationszweige geschädigt werden würden. Die überwiegende Zahl der staatlichen Lotterieverwaltungen und der offiziellen Verwaltungen außerpreußischer privater Lotterieunternehmungen decke ihren Bedarf in Berlin. Unter anderem heißt eS in der Petition:
„Mußten nach dein bisherigen Stande der Gesetzgebung die beteiligten Firmen, welche auf ihren Ruf halten, ihren Betrieb aufs strengste überwachen, um nicht durch die Unvernunft eines Angestellten sich Mißdeutungen und eventuell strafrechtlichen Verwickelungen auszusetzen, so wird diese Gefahr bei Ausnahme der von der königlichen Staatsregierung vorgeschlagenen Strafbestimmungen so gesteigert, daß kein vorsichtiger, auf seinen Rus haltender Kaufmann sich den mit dem Fortbetriebe der bestehenden Unternehmungen verbundenen Gefahren aussetzen darf.
Die Petition ersucht um Abänderung des Lotteriegesctz- entwurfeS und bittet die Negierung, mit den außerpreußischcn Lotteriestaaten zwecks Erstrebung einer Lotteriegemeinschaft weiterhin zu verhandeln.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 28. April 1904.
** Amtsgerichtsrat Zimmermann f. Gestern verschied infolge eines Herzschlags im Alter von 39 Jahren der Großh. Amtsgerichtsrat Zimmermann. Er war geboren am 20. August 1864 und studierte hier in Gießen von W.--S. 1882/83 bis W.-S. 1885/86. Während dieser Zeit gehörte er der jetzigen Landsmannschaft Darmsbadtia an. Im Herbst 1886 bestand er die juristische Fakultätsprüfung, im Frühjahr 1891 die Staatsprüfung. Den größten Teil seiner dienstlichen Tätigkeit hat er in unserer Stadt auS- geübt. Er war seit 17. Oktober 1894 Staatsanwalt am his- sigen Landgericht, bis er im März 1902 zum Amtsrichter an unserem Amtsgericht ernannt wurde. Am 30. September 1903 erhielt er den Charakter als Amtsgerichtsrat. Zimmermann war in weiten Kreisen Hessens als Mensch und Beamter beliebt und geachtet. Er hinterläßt in seinem Freundeskreise eine schmerzliche Lücke. — lieber die 23fr erdigung findet man nähere Angaben im Inseratenteil.
L. U. Dem Assistenten am chemischen Laboratorium der Landes-Universität Dr. phil. Johannes Schroeder, wurde die venia legendi für das Fach der Chemie erteilt. — Seine Habilitationsschrift handelt über: Chemisches und physikalisch-chemisches Verhalten des Pyridins und von Metallsalzen zu und in Pyridin.
Ausland.
London, 27. April. Wie der Admiralität aus Aden drahtlich gemeldet wird, nahmen die Besatzungen der englischen Kriegsschiffe „Hyacinth", ,.For" und" „Mohawk" mit 125 Mann britischer Infanterie die Stadt Illig am 21. April nach heftigem Kampfe. Die Derwische wurden nach entschlossenem Widerstande verjagt und erlitten schwere Verluste. Die englischen Verluste sind drei Tote und sechs Verwundete. Die italienisch eundenglischeFlagge ist Seite an Seite gehißt. Da der Sultan Osman Mahmud nach Einnahme von Illig sich weigerte, den Platz besetzt in halten, kamen der englische Kommandant Atkinson und der italienische Kommandant Lorecchio vom „Volturno", der an der Unternehmung teilgenommcn, überein, die Stadt dem Midjartschnstamme anzuvertrauen, der das italienische Protektorat anerkannt hat.
Marseille, 27. April. Der Vorstand des Syndikats der Schiffskapitäne hat die aus ständigen Offiziere um Mitteilung ihrer Forderungen ersucht. Die Ausständigen verlangen die sofortige Wiedereinstellung dreier abgesetz^er Offiziere, ferner die Unterbreitung jedes neuen Streitfalles zwischen Offiziere und Matrosen bei dem Verwalter der Marineinsvektion. sowie die strikte Beachtung des bestehenden Schiffahrtsgesetzes.
Alicante, 27. April. Infolge des gestrigen Anschlages auf den Eiscnbahnzug, in welchem sich der Ministerpräsident M a u r a befand, wurden 15 Personen verhaftet
Nr. 99
Orf»ei«t ISgttch außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kekfischea Landwirt die Siebener Kamillen« Mütter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brü b l'schen Umvers^Buch-u.Slein- druckerei. 9L Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schnlstraße 7.
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Fernfprkchanichluß Nr 51.
Wien, 27. April. Kaiser Franz Josef sprach sich heute beim Besuch der Spiritusausstellung sehr anerkennend über die Trainautomobile mit SpirituS- betrieb der deutschen Armee aus und bat Generaik Werneburg, dies Kaiser Wilhelm mitzuteilen.
— Abgeordnetenhaus. Nach drei namentlichen Abstimmungen will der Präsident die auf der Tagesordnung stehenden Wahlen, darunter diejenige der Quotendeputation, vornehmen lassen. Als Choc dagegen protestiert, setzt das Haus die Verhandlung der DringuchkeitSanträge fort. Der Präsident erteilt dem Aba. Steinwerder, welcher bei dem Protest Chocs gegen die Wahl der Quotendeputation dem Präsidenten zugerufen hatte: ,/Lassen Sie den dummen Kerl reden, was er will!" einen Ordnungsruf. Choc beantragt wegen dieses Rufes die Einsetzung eines Mißbilligungsausschusses.
Konstantinopel, 26. Apm. Die griechische Gesandtschaft verlangte energisch Genugtuung für den Vor- fall in Smyrna. Die Pforte ist bernt, diese zu gewähren, sobald der Tatbestand genau festgestellt ist. Nach griechischer Angabe verweigerte ein griechischer Untertan die Bezahlung der Gebühr für den Gewerbeschein, welche Frage seitdem Kriege von 1897 kritisch ist. Der Sekretär des griechischen Konsulates Delyannis wollte mit zwei Kawassen das Geschäft der Griechen wieder öffnen, was die Polizei verhinderte. Als Delyannis sich entfernte, gab er fünf Revolverschüsse ab und verwundete
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Aus Deutsch-SüdurestafriLa.
Die Verluste bei der Kolonne Glasenapp.
Der Ausbruch einer Typhusepidemie bei unseren Truppen in Südwestafrika muß lebhafte Besorgnisse erregen. Die Truppe hat seit dem 13. März d. I. insgesamt einen Verlust von 63 v. H. ihrer Offiziere und von 35 v. H. der Mannschaften erlitten. Es wird vom 25. d. M. aus Otjihaenena gemeldet:
„Da bei den schlechten Wasserverhältnissen in Onjatu die Typhuserkrankungen zunahmen, so marschierte das Detachement Glasenapp am 21. von Otjatu nach Otjihaenena, wo wir gestern eintrafen. Sofort wurde heliographisch die Verbindung mit Okahandja via Secis und Windhuk her- gestellt. Stabsarzt Wiemann richtet hier, wo die Verhältnisse besonders günstig liegen, ein festes Lazarett ein. Hier erwartet auch das Detachement Ersatz für die durch Gefechte und Krankhert ausgefallenen Offiziere, Mannschaften und Pferde sowie auch weitere Zufuhr von Proviant und Winterkleidung. Am 13. März früh, vor dem Gefecht bei Owikokoreo, war die Kopfstärke des Detachements 22 Offiziere und 476 Mann: davon fielen acht Offiziere und 56 Mann. Verwundet wurden 4 Offiziere und 18 Mann; an Krankheiten" starben 8 Mann. Krankheitshalber wurden zurückgeschickt 2 Ofsiziere und 62 Mann. Momentan typhuskrank sind 44 Mann. In der letzten Woche sind heftige Regengüsse gefallen; außerdem gab eS starke Nachtftöste, die sich in den Biwaks sehr fühlbar machten."
Der von Major v. Glasenapp gewünschte Ersatz an Offizieren und Mannschaften dürfte ihm ohne weiteres bewilligt und mit möglichster Beschleunigung hinausgesandt werden. Daß unsere Truppen in Südewstafrika Verluste durch Typhus erleiden würden, ist von vornherein erwartet worden. Diese Krankheit zeigt sich dort regelmäßig nach Beendigung der Regenperiode und erlischt mit Eintritt der warmen Jahreszeit, welche die vielen, oft verun- r einigt en Wasserstellen austrocknet, sowie auch die für operierende Truppen sehr in Betracht kommenden Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperaturen ausgleicht. In diesem Jahre war die Negenperiode besonders intensiv und daher mußte eine vermehrte Gefahr des Ausbruchs einer Typhus epi d em ie ins Auge gefaßt werden.
Tie durch Strapazen, unregelmäßige Ernährung, kalte Mwaknächte geschwächten Soldaten sind durch erhöhte Disposition und verminderte Widerstandsfähigkeit der Erkrankung an Typhus am meisten ausgesetzt. Hierin ist also die Erklärung dafür zu sehen, daß er ber der Kolonne Glasenapp zum Ausbruch gekommen ist. Es kann mit voller BestimmthE angenommen werden, daß der Höhepunkt der Epidemie erreicht ist; durch die ärztlichen Maßnahmen — namentlich Festsetzung und Kontrolle der Lebensweise sowie Wechsel des Aufenthaltsortes — darf das baldige Sinken und schließlich das Erlöschen der Erkrankungen als gesichert angesehen werden.
Als Vorbeugungsmittel gegen die durch schlechtes Trinkwasser begründete TyphuSgefayr sind gleich den ersten nach Südwestafrika verschifften Transporten Wassersterilisier- ungs-Apparate mitgegeben worden. Diese bestehen in einem fahrbaren Destillationsapparat, in welchem das Wasser verdampft und unter Zusatz von Sauerstoff kondensiert wird. Diese Apparate können schon während des Marsches — also in der Bewegung — ungestört funktionieren und stellen in der Stunde 300 Liter reines und gesundes Trinkwasser her. Es kann wohl angenommen werden, daß auch >ie Kolonne Glasenapp einen solchen Apparat hat.
Siu neuer Oberbefehlshaber?
Zu allen Hiobsposten tauchen immer wieder Behauptungen auf über angebliche „Mi ß he lli g kei te n" unter den Führern. Oberst Dürr, der Kommandeur des Marine-Expeditionskorps, kehrt nach Deutschland zurück, weil er, wie man sagt, sich mit dem Gouverneur L e u t w e i n nicht vertragen kann. Der offizielle Grund der Rückkehr ist Erkrankung; indessen selbst die offiziöse „Köln. Ztg." erlaubt sich, die unvermutete Abreise „auffallend" zu finden. Mindestens erscheint die Sache nicht ganz aufgeklärt durch die lakonische Begründung. Nun verzeichnet Der „Lokalanz " als ein „mit voller Bestimmtheit in parlamentarischen Kreisen auftretendes Gerücht", Oberst Leut- rt>e in habe seine Entlassung als Truppenführer angeboten und vorgeschlagen, seine Tätigkeit auf die Gouvernementsgeschäfte zu beschränken. In anderen Blättern ist dieses Gerücht nicht erwähnt. Ebensowenig soll man an amtlichen Stellen von solchen Vorschlägen des Gouverneurs etwas wissen. Trotzdem hat das Gerücht eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Schon vor einiger Zeit ging die Rede von einem Beinleiden des Obersten Leutwein; schon damals wurde die Hervorhebung dieses Leidens als eine Vorbereitung des Rücktritts betrachtet. Dann aber hieß es beschwichtigend, der Gouverneur werde m so schwerer Zeit so lange als irgend möglich ausharren.
Bemerkenswert ist, daß in der neuen Meldung wiederum Generalleutnant v. Trotha als der ko m m e n d e. M a n n für Südwestafrika genannt wird. Herr v. Trotha werde als Oberbefehlshaber mit neuen, bedeutenden Verstärkungen hinausgehen. Verstärkungen unseres Truppenaufgebotes sind allerdings beabsichtigt; wir wiesen vor Wochen bereits darauf hin. Nur dürfte es einstweilen zweifelhaft fein, ob Herr v. Trotha, der Südwestafrika nicht aus eigener Anschauung kennt, das Kommando erhält. Sollte es aber gar um den Oberbefehl sich handeln, dann würde freilich Gouverneur LrntwsinS Demission als Truppenführer begreiflich fein.
DaS ^.Berk. Tagebl." meldet: Die Krankheit des aus Südwestafrika heimkehrenden Obersten Dürr ist ein Herzleiden-
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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as Schwurgericht verurteilte te. i wegen Ünterfdilaflur.: vier Jahren Gelängnil hte eines Kindes begeh' wnAttl Berlin. Dor k- ta Schmidt wegen barbr- brigen Etiessohne, ÄW als sie sich mit ihrem jetzigen^ den Mo mit in die Ehe geb:- machbarinnen war der ^m« un zu betreiben. ttebg* nqeklagte täglich vier- W fr r au' den Knaben mit voller ÄS ,i, MtriM * * LE
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und Messern an gefallen. Die beiden ersteren wurden getötet, ein Polizist schwer, der andere leicht verwundet. Vier Mitglieder der Bande sind verhaftet.
Washington, 27. April. Der Senat nahm einen Gesetzentwurf an, wonach die Ausstellungsgegenstände für die Weltausstellung in St. Louis Zollfrei sind. Senat und Repräsentantenhaus nahmen den Gesetzentwurf über Aendcrung der Einwanderungsgesetze in der von der Kommission vorgeschlagenen Fassung an.
einen Polizisten. Auf Verwendung des Generalkonsuls wurden dieselben wieder fteigelassen.
Warschau, 27. April. Heute nachmittag vier Uhr wurden in der Dvorskystraße der Adjunkt des Chefs der Geheimpolizei, der Adjunkt des Pc"' m i s s a r s und zwei Polizist en beim Ei- Haus Nummer sechs von einer Bande mit Revolvern
Landwirtschaftlicher Bezirksverein Gießen. Am Dienstag nachmittag fand im Neuen Saab- bau eine Sitzung der Ausschußmitglieder mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mitteilung des Prüfungsergebnisses der Rechnung für 1902/03; 2. Prüfung der Rechnung für 1903/04; 3. Festsetzung des Voranschlags für 1904/05; 4. Wahl eines Stellvertreters an Stelle des nach Friedberg verzogenen Oekonomierats Schlenke. (An seine Stelle tritt Ockonomierat H o s f m a n n-Hof-Güll.) 5. Wahl eines Abgeordneten zum Ausschüsse des landwirtschaftlichen Pro- vinzialvercius an Stelle des nach Mainz versetzten Regierungsrats Dr. Heinrichs. (Es wurde Rechtsanwalt Sa nb mann-Zungen gewählt.) 6. Zum Sekretär des Be- zirksvereins wurde Kreisamtmann H e ch l er gewählt. 7. Die Neuwahl des Ausschusses des M^irksvereins ergab die Wahl folgender Herren: Stadtv. Helfrich-Gießen, Pachter Schuch ardt-Neuhof, Rentner E. Zimmer-Lauter, Rechner Lang-Wie'eck, Landwirt Weil-Langgöns, Oberbürgermeister Mecum - Gießen, Kreisamtmann Dr. Kranzb übler-Gießen, Kreisveterinärarzt Schmidt- Gießen, Bürgermeister Krämer- Steinbach, Bürgermstr. Leun- Großen-Linden, Bgm. Zimmer- Grünberg, L a n g-Odenhausen, Bgm. Kö b ler -Langsdorf, Feldmann-Lauter, Bgm Schneider-Utphe, Heller - Lich, Pachter Klein-Hof Albach, But tr o n-Hungen.
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Deutsches Reich.
Berlin, 27. April. Der Kaiser hat zum Neubau einer evangelischen Kirche in Dubeniugkeu, Bezirk Rominten in Ostpr. einen Beitrag von 10 000 Mk. gewahrt. Die Bauarbeiten sollen beratig geförbert werden, daß die Einweihung des Gotteshauses während des diesjährigen Aufenthaltes des Kaiserpaares auf Jagdschloß Rominten im Herbst in dessen Gegenwart erfolgen kann.
— Reichskanzler Graf Bülow ist heute abend zur Begrüßung des Kaisers nach Karlsruhe abgercist.
— Dem heutigen vom Staatssekretär Grafen Posa- dowsky veranstalteten parlamentarischen Abend wohnten die Staatssekretäre Frhr. v. Nichthofen. Tirpitz, Kraetke und Dr. Nicberding, die Minister Frbr. v. Hammerstein, Dr. Studt, Möller, Budde, bet Rektor b'r Universität v. Richthofen, Oberbürgermeister Kirschner, Vertreter der bürgerlichen Parteien bes Reichstages sowie bcs Abgeordnetenhauses, ferner Vertreter der Wissenschaft, der Kunst und Hochfinanz bei. Der Abend, der bis zur späten Stunde die Gäste zusammenhielt, verlief äußerst angeregt.
— Graf Pückler ist am Dienstag wieder in Berlin aufgetreten. Nach dem Bericht der „Staatsbürgerztg." erklärte Graf Pückler, er habe wieder einmal „irret Tage gebrummt pro patria et gloria". Mit blitzendem Schwert stehe er der Regierung gegenüber. Im Gefängnis in Glo- gau hat ihm eine Hallucination den Sieg der Sozialdemokratie in Berlin vorgespiegelt. Graf Pückler versicherte nämlich: „Als ich in dem Judenloch Glogau saß, da sah ich im Geiste meine roten Brüder in Berlin im wilden Kampf mit dem Jubentum. Ich sah schließlich das internationale Judentum vernichtet und zerschmettert am Boden liegen."
— Den Regierungen der Bundesstaaten ist vom Neichs- amt des Innern der Entwurf eines Gesetzes betr. das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie mit dem Ersuchen um Prüfung mitgeteilt worden. Der Wortlaut des Entwurfes wird heute im „Reichsanzeiger" veröffentlicht.
— Bei der dritten Lesung des Etats wird die sozial- demokratische Fraktion Mißstände int) en Ge - fängnissen zur Sprache bringen.
Keer und Aiotte.
— Die drei Richter im Bilse-Prozeß haben jetzt sämtlich ihren Abschied erhalten. Nachdem schon vor einiger Zeit der Divisions-Kommandeur General v. Tippelskirch, der Gerichtsherr im Bilse-Prozeß. verabschiedet worden war, wird jetzt der Abschied gemeldet von Oberstleutnant Geisel vom Jufan'erie-R'gi- ment 98 und Major Hirsch desselben R g'ments.


