von einer am Weihnachtsabend angelegten Brandstiftun g, die aber glücklicher Weise nicht zur Ausführung kam. Jetzt ist der Bruder des Mannes, dem man ein solches .Weihnachtsgeschenk* zugedacht hatte, unter dem schweren Verdachte, -oer Brandstifter gewesen zu sein, in die Untersuchungshaft nach Gießen gebracht worden.
L. Friedberg, 27. Jan. Vom Gießener Stadttheater ging vor nahezu auSverkauftem Hause nachmittags in einer Schüler- und Volksvorstellung .Minna von Barnhelm* über die Bretter, abends gelangte .Maria Magdalena* zur Aufführung.
R. B. Tarmstadt, 27. Jan. Das fürchterliche Unheil, das durch den Genuß vergifteten Bohnensalats aus der Alice-Kochschule angerichtet worden ist, erregt überall in der Stadt Bestürzung und Betrübnis, um so mehr, als es immer neue Todesfälle Nach sich zieht. Bis heute abend sind bereits fünf Personen an den Folgen des verderbenbringenden Salats gestorben, nämlich außer der Vorsteherin und Lehrerin Frl. Göring und Frl. Bernau, sowie dem Kind einer Fran Bernius noch ein Tienstmädchen der Frau Dr. Weidenhammer, namens Hohenstein ait§ Zwingenberg, und eine der beiden schwer erkrankten Krankenschwestern. Bei dem Tienstmädchen, das schon am Montag starb, hatte der Arzt zuerst Herzschlag als Todesursache angegeben, die heute vorgenommene Sektion der Leiche bestätigte aber die Vermutung, daß auch hier Vergiftung durch das Bohnengift vorliegt. Frau Tr. W. kam der Salat gleich nicht recht einwandsfrei vor und sie warnte auch das Mädchen davor, das sich aber nicht abhalten ließ und den ganzen Salat von der Schüssel verzehrte. Daher erklärt sichs auch, daß sie schon am Montag, also als erstes Opfer unter großen Schmerzen verstarb. Mehrere Frauen, die ttut wenig von dem Salat aßen, sind zwar ebenfalls an Dergiftungserscheinungen erkrankt, aber ohne daß Gefahr für ihr Leben bestände. Frl. Göring, die einige Stunden nach dem Genuß bewußtlos wurde, soll bald darauf auch plötzlich das Augenlicht verloren haben. Im Laufe des heutigen Tages wurden noch zwei weitere, an den Vergiftungserscheinungen Erkrankte in das städtische Krankenhaus eingeliefert, die Aufwartefrau Bernius und ein Dienstmädchen namens Klingler. Die Bohnen waren seinerzeit von Frl. Göring auf dem Markt gekauft und unter ihrer Anleitung von den Kochschülerinnen in Büchsen eingemacht worden. Außer dem Dienstmädchen Hohenstein wurde heute noch die Leiche des Frl. Bernau seziert und ihr einzelne Teile entnommen, die mit mehreren noch verschlossenen Büchsen mit Dohnenkonserven zur Untersuchung an Geh. Rat Gaffky in Gießen gesandt wurden. Tie Alice-Kochschule, die eine Einrichtung des Alice-Frauen- vereins ist, hat seit einer Reihe von Jahren hier außerordentlich wohltätig gewirkt und namentlich durch die Abhaltung vieler praktischer Kochlehrkurse je nach den Darbietungen der Jahreszeit auch in den Kreisen der minder bemittelten Familien großen Segen gestiftet.
Offenbach, 27. Jan. Auf Veranlassung des Offenbacher Lehrervereins hält Professor Dr. Staudinger auS Darmstadt in der Zeit vom 24. Februar bis einschließlich den 12. März d. I. sechs Vorträge über .Die Elemente der Erkenntnislehre, mit Streiflichtern auf ihre pädagogische Anwendung*. An sämmtliche Lehrer und Lehrerinnen des Kreises Offenbach sind zur Beteiligung an diesem Vortragszyklus Einladungen ergangen. — Der Maurer Joh. Georg P rasch von hier war vor einigen Tagen wegen Blutschande verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis abgeführt worden. Dort fand ihn der Schließer gestern ftüh tot in seiner Zelle vor. Prasch hatte durch Erhängen keinem Leben ein Ende gemacht.
Frankfurt a. M_, 28. Jan. Im Februar vorigen Jahres wurde das auf der Friedbergerstraße gelegene alte historische Gasthaus zum Hafer käst en nieder- gerissen, um in kurzer Zeit wieder in neuer Form zu entstehen. Der alte Haferkasten war im Dolksmunde wohl eins der bekanntesten Gasthäuser und zwar nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Umgegend. Mit seinem vorstehenden Gesims war es ein gutes Stück Alt-Frankfurt. Der Haferkasten wurde besonders von den vielen Fuhrleuten besucht, die in früheren Zeiten mit ihrem Frachtfuhrwerk den Verkehr mit dem Lande vermittelten. Ties hat ihm auch seinen Namen eingetragen; denn das Gasthaus mußte nicht allein Sorge tragen für das leibliche Wohl der Fuhrleute, sondern auch die Pferde bedurften nach den langen Fahrten Nahrung. Vor dem Hause standen hölzerne, verschließbare Futterkästen, in welchen sich Hafer befand, und welcher den Fuhrwerksbesitzern gegen Entgelt zur Verfügung stand. Tiefe Vorrichtung trug dem Gasthaus den Namen Haferkasten ein, den es bis heute erhalten hat und welcher auch in der Zukunft die Erinnerung an den ehemaligen Gasthof erhalten soll. Tie günstige Sage des Haserkastens im Zentrum der Stadt machte ihn für die Landbewohner besonders zum angenehmen Aufenthaltsort; aber auch die volkstümliche Führung trug bedeutend hierzu bei. Der Haferkasten zeichnete sich zu allen Zeiten durch eine besonders gute, reichhaltige und billige Küche aus. Tas Haus bestand ursprünglich aus zwei Häusern, die im Jahre 1790 von einer Witwe Lindheimer angekauft wurden. Diese errichtete in dem Hause eine Brauerei, die ausschließlich Wer für die Wirtschaft braute. Im Jahre 1876 ging der Haferkasten in den Besitz des Herrn Henninger und nach der Umwandlung bar Henninger'schen Brauerei in eine Aktiengesellschaft, in den Besitz dieser über. Im Laufe der Zeit machte sich jedoch an oem Gebäude das Alter bemerkbar und die Brauerei Henninger enschloß sich, das alte Gasthaus niederzureißen und einen Neubau zu errichten. Ta der neue Haferkasten so viel wie möglich in demselben Genre des alten geführt werden soll, trägt der vordere Raum des Parterrelokals den Charakter einer großen Bauernstube. Ter hintere Teil des Parterrelokals drückt durch das Kreuzgewölbe mehr das Kellerartige aus. So wird nun der wieder aufgerichtete Haserkasten in den nächsten Tagen seinem Zweck übergeben werden und seine Tore jedermann öffnen.
Homburg, 27. Jan. Konsul Christ in Frankfurt a. M. der Vorsitzende des Arbeits- und Wohnungsausschusses für das Gordon-Benett-Rennen teilt mit, daß die Preise für erstklassige Hotels seitens des Gastwirtvereins wie folgt festgesetzt sind: Zimmer mit einem Bett 20 Mk. pro Tag, Zimmer mit zwei Betten 35 Mk. pro Tag im Minimum unter Voraussetzung eines achttägigen Aufenthalts. Ter Verein der Frankfurter Gasthofbefitzer hat unter Voraussetzung eines mindestens sechstägigen Aufenthalts während des Rennens 15 Mk. für Zimmer mit einem Bett, 35 Mk. für Zimmer mit zwei Bitten im Minimum vereinbart. Wer auf Luxusappartements mit Salon, Bad usw. reflektiert, hat in den erstklassigen Hotels selbstverständlich höhere Preise zu gewärtigem
Wiesbaden, 27. Jan. Von einem Hunde auf die schrecklichste Weise zerfleischt wurde ein 18jäh- rigeS Mädchen in der Varkstraße. Die Schwester einer im Hause der Gräfin zu Leiningen-Neudenau angestellten Dame wollte mit dem Hunde spielen; plötzlich wurde dieser wild und überfiel das junge Mädchen. Auf das Hilferufen sprangen sofort mehrere Angestellte herbei und entfernten mit Eisenstangen die Bestie von der am Boden leblos liegenden Dame. Die Verletzungen find derartige, daß an dem Auskommen der Bedauernswerten gezweifelt wird. Der Hund wurde auf der Stelle erschossen. Der Wert des Tieres beläuft sich auf 800 Mk.
s. Marburg, 27. Jan. Heute nachmittag starb hier her Professor der Rechte, Geh. Rat Dr. Heinrich Lehmann. Mit ihm verliert unsere Universität einen ihrer angesehensten Lehrer, die Bürgerschaft ein für das Wohl der Stadt eifrig bemühtes Mitglied des Stadtrats, das Vaterland einen begeisterten Patrioten, die evangelische Kirche ein aufrichtiges, ftommes, für ihre freiheitliche und volkstümliche Entwicklung warm interessiertes Glied, die Arbeiterwelt einen treuen Freund, der mit Wort und Schrift für ihre Hebung gewirkt hat. In der juristischen Fakultät vertrat er die Fächer des Privatrechts, des Kirchenrechts und der deutschen Rechtsgeschichte. Zahlreiche Werke aus diesen Fächern geben Zeugnis von jenem hohen Scharfsinn, seiner ausgebreitoten Gelehrsamkeit und einer ungewöhnlichen philosophischen Durchbldung. Zum akademischen Lehrer befähigte ihn auch sein besonderes pädagogisches Talent. Fast noch hervorragender war er als Mensch und Charakter. Er war ein Mann von seltener Lauterkeit, unbestechlichem Gerechtigkeitssinne und einem hohen Pflichtbewußtsein. Vor allem besaß er aber ein reiches Gemüt von ungemeiner Zartheit und Feinheit. Andern etwas zu sein und ihnen mit seinen Gaben zu dienen, war sein hervorstehendster Charakterzug. Kein Wunder, daß er sich einen großen Kreis von Freunden erwarb, die nun mit der Familie um den früh Heimgegangenen trauern. Er stand erst im 52. Lebensjahre. Seit 1889 wirkte er in Marburg. Vorher war er von 1888 bis 1889 in Gießen. Auch dort ist er bei vielen unvergessen und wird von ihnen betrauert werden.
Kassel, 27. Jan. Bei der Ausbringung des Kaiser- toasteS auf dem heutigen Heftmahl des OffizierkorpS der Garnison erklärte der kommandierende General deS 11. Armeekorps von Wittich, daß eS das letzte Mal sei, daß er an dieser Stelle das Wort ergreife.
Kleine Mitteln "" aus dessen und den Nachbarstaaten. Die Modelle zur Saalburg und eine vom ReichSgesundbeitsamt veranstaltete wissenschaftliche Sammlung, beides für St. Louis bestimmt, werden im Februar im alten Akademiegebäude zu einer Ausstellung vereinigt werden. — In Steinberg fand, wie man uns schreibt, am Sonntag daß 16 jährige Stiftungsfest des Gesangvereins „Jugend- freunb* statt. — In der letzten Stadtverordnetensitzimg in Weil bürg wurde auf Antrag deS Magistrats beschloßen, sich um die Errichtung der dritten Bezirks - Irrenanstalt zu bewerben. — Die Braunkohlengrube und Brikett- fabrik „Friedrich* bei TraiS-Horloff ist in den Besitz der Firma Stein in Kassel übergegangen._______________________
Vermischtes.
• Zum Brandunglü ck von Aalesund. Der Dampfer der HamburH-Amerika-Linie „Phoenicia* mit der Hilfsexpedition ist am 27. d. M., früh 8 Uhr, in Aalesund angekommen. Sofort nach der Ankunft deS Dampfers traten der Bürgermeister und Vertreter der Stadt mit den Vertretern der Hamburg-Amerika-Linie zu einer gemeinschaftlichen Sitzung zusammen, an der auch der Abgesandte des Kaisers Wilhelm, Flügeladjutant Kapitän Gramme teilnahm. An Bord der „Phoenieia* waren unterwegs zwei große Hospitäler hergestellt, eines für Frauen und Kinder, eines für Männer, zusammen 104 Betten. Die „Phoenieia* nahm 2000 obdachlose Einwohner von Aalesund an Bord; ferner versorgte sie die Hilfsbedürftigen mit Kleidern und Lebensmitteln. Nach Berichten der Leiter der Hilfsexpedition wird die Not später noch größer werden, wenn die jetzt bei Bauern in der Umgegend untergebrachten Obdachlosen wegen Mangels an Lebensmitteln nach Aalesund zurückkehren. Als dringend erforderlich wird die Beschaffung weiterer Baracken, außerdem die Beschaffung von Türen und Fenstern bezeichnet, um die Ruinen notdürftig bewohnbar zu machen. — Der Dampfer „Weimar* des Norddeutschen Lloyd war bereits um 1 Uhr nachts dort eingetroffen. Dort setzte man sich mit dem Kommando des „Prinz Heinrich* und mit den städtischen Behörden in Verbindung und sofort wurde mit Verpflegung und der Aufnahme der Hilfsbedürftigen begonnen. — Von dem Kreuzer „Prinz Heinrich* wurden wieder Decken und Proviant an Land gebracht. Die Verteilung geht an mehreren Stellen der Stadt vor sich. Der Hafen war gestern anläßlich des Geburtstages des deutschen Kaisers reich mit Flaggen geschmückt. — Bis jetzt ist fest- gestellt, daß in Aalesund 7 50 Häuser gebrannt haben und nur etwa 10 0 einigermaßen erhalten geblieben sind. — Einer Pariser Meldung zufolge wird dort für die Opfer des Brandes eine Theatervorstellung veranstaltet werden. Die schwedisch-norwegische Gesandtschaft eröffnet eine Schwedensammlung.
Kurz vor Schluß der Redaktion trafen folgende Nach- richten ein:
Hamburg, 28. Jan. Der Führer der Hilfsexpedition der „Phoenicia* ließ der Hamburg-Amerika-Linie folgendes Telegramm aus Aalesund zugehen: Die unterwegs getroffenen Vorbereitungen haben sich überall auf das Beste bewährt. Wir wurden sofort nach unserem Ankommen von Massen hungriger Leute in Anspruch genommen und konnten innerhalb 2 Stunden 2100 Portionen glatt verabreichen. Der Zulauf ist dauernd. Wir werden nachts ca. 2500 Personen beherbergen. Alle Sorten Schuhzeug sind dringend nötig, ebenso alle Sorten Weckzeuge für den Bau von Baracken und Häusern. Den Ankerplatz, welcher sich in der günstigsten Lage der Stadt befand, mußten wir leider wechseln, da wir beim Schwojen den Grund berührten. Der jetzige Ankerplatz ist etwas weiter entfernt Trotzdem haben wir gute Verbindung durch die eigenen Boote und die Boote der Kriegsschiffe und verbessern die Transpockmöglichkeiten stündlich. DaS Wetter ist trocken und milde bei Südwind, das Feuer glimmt unter den Trümmern weiter, das Kohlenlager ist noch mcht ausgebrannt Nur wenige Häuser find unbe
schädigt 700 zerstört Die Stadt trtetet einen grauenhaften Anblick. ES herrscht em penetranter Geruch von verbrannten Fischlagem. Die Bevölkerung ist saft apathisch, aber von grenzenloser Dankbarkeit für den Kaiser erfüllt
Aalesund, 28. Jan. Hier sind drei Depots für Proviant und Kleider errichtet Bvns werden verteilt, die für eine Woche Gültigkeit und einen Weck von drei Kronen pro Kops haben. Insgesamt stehen 250 000 Kronen zur Verfügung. Die Begeisterung für Kaiser Wilhelm ist sehr groß. — Der Magistrat in Christiania schickte an Kaiser Wilhelm ein Geburtstags-Glückwunschtelegramm.
Berlin, 27. Jan. Im Oberlichtsaal der Philharmonie entstand gestern abend eine Panik. Kurz nach 9 ITfrr, während des Konzertes der russischen Sängerin Nadina Wander-Brandt ertönte plötzlich ein s ch u ß ä h n - licher Knall und ein heftiges Gepolter folgte. Ter große Teil des Publikums eilte in wilder Hast dem Ausgange zu, ohne sich durch die energischen Ruse: „Sitzen bleiben!" „Ruhe!" aufhalten zu lassen. Tie Ursache des Knalls war, daß eine Milchglasscheibe des Oberlichtes wahrscheinlich infolge allzugroßer Hitze geplatzt war und die Glasscherben mitten zwischen die Zuhörer fielen, glücklicherweise ohne großes Unheil anzurichten. Infolge des Platzens der Scheibe war eine über dem Oberlicht befindliche Flamme fr ei gelegt worden, was die Beunruhigung des Publikums noch vermehrte. Erst nachdem die Flamme abgestellt war, kehrte ein Teil der Zuhörer wieder in den Saal zurück, und das Konzert wurde bei Halbleeren Bänken zu Ende geführt.
* Trornsoe, 28. Jan. Drei Schifferbote sind heute nacht im schweren Schnee sturm verschwunden. Es wird angenommen, daß die an Bord befindlichen 6 Personen umgekommen sind.
* Klein-Sibirien. In Klausthal spielt zur Zest der Theaterdirektor Unger mit einer Schauspielertruppe, die er „Berliner Residenz-Ensemble* nennt. Dieser Tage wollte dieses „Residenz-Ensemble* „S'Lorle oder Dors und Stadt" aufführen. Die Vorstellung fand jedoch nicht statt. Die Direktion gab die Gründe dafür durch ein „Extrablatt* bekannt, das also lautet: „Gestern, nachts, um die neunte Stunde ist die Schauspielerin Trudchen (folgt der Name) heimlich ausgekniffen. Die junge Dame warfest einigen Tagen bei meinem Ensemble (vorher am Stadttheater in Kottbus) und sollte in der heutigen Vorstellung das Locke spielen. Da es mir nicht möglich ist, so schnell Ersatz zu finden, so muß die heutige Vocktellung ausfallen und auf Freitag, den 22. Januar, verschoben werden. Den Grund ihres Durchgangs schildert die Dame in einem hinterlassenen Briefe wie folgt: „Ich habe nicht gewußt, als ich hierher reifte, daß ich nach Klein-Sibirien käme, und i ch b in entsch ieden zu hübsch, um mich der Gefahr auSzusetzen, eines schönen Tages irgend an einer dunklen HauSecke als Eiszapfen entdeckt zu werden. Auch bin ich im schönen Süden und nicht in Lappland geboren, als daß man mir zumuten könnte, mich in einer unheizbaren Theater-Garderobe umzukleiden." Indem ich das geschätzte Publikum bitte, diese Repeckoirstörung entschuldigen zu wollen, zeichne Hochachtungsvoll Fr. Unger, Theater-Direktor.*
• Sind, cerev. Brauereiingenieure will der preußische Staat schaffen. Für die Studierenden der landwickschaftlich- technischen Gewerbe an der landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin ist durch Verfügung des preußischen Landwickschafts- ministers eine besondere Prüfungsordnung erlassen, durch die em Diplomexamen für Brauerei-Ingenieure eingeführt wird. Das Examen kann im fünften Studien- semester abgelegt werden, wenn gleichzeitig eine praktische Ausbildung von mindestens zwei Jahren nachgewiesen ist. Der vorgeschriebene Studiengang schließt ein zweisemestckges Studium an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin in sich. So wird dann auch wohl der Titel „Stnd. cerev.“, den der bekannte Herr Biermörder in den Spalten des „Kladderadatsch" schon fest Jahren fühck, endlich zur Tatsache werden.
• Reiseabenteuer des Kronprinzen. Ein Eisen- bahnerlebnis des Kronpcknzen wird jetzt bekannt. Als er vor ein paar Tagen Nachts vom Potsdamer Bahnhof zu Berlin mit dem Vorockzug in einem Abteil erster Klasse nach Potsdam fuhr, wurde plötzlich, als der Zug schon im Abfahren begriffen war, die Coup4tür aufgerissen, und herein stürmte ein junger Mann, der im letzten Augenblick erst auf dem Bahnsteig eingetroffen war. Er war nicht weniger eckchreckt, als er sich plötzlich dem Kronprinzen und seinen rnststäckschen Begleitern gegenübersah und wollte schnell wieder au6 dem Zuge herausspringen, woran er aber von dem Kronprinzen verhindert wurde. Von Berlin aus hatte man inzwischen nach Potsdam telegraphieck, wo der junge Mann infolge der Intervention des Kronprinzen weiter nichts zu zahlen hatte als die übliche Ordnungsstrafe für das Benutzen einer höheren Fahcklasse und für das Besteigen eines schon im Abfahren begriffenen Zuges.
* Eine Paarung zwrschen Löwen und Tige t wurde noch vor wenigen Jahren bestritten. Da schlossen bei einer Hagenbeckschen Gruppe von Löwen und Tigern der Löwe Milan und die Tigerin Betty ein Herzensbündnis. Aus dieser „Ehe" entsprossen vier Junge, die sich prächtig entwickelten und im Hagenbeckschen Tierpark unter gebracht sind. Seitdem sind mehrere derartige Paarungen beobackstet worden, aber die Jungen kamen entweder tot zur Welt oder lebten nur kurze Zeit. Ein fünf Wochen altes totes Tier, das die Eigentümlichkeiten von Tiger und Löwe deutlich aufweist, befindet sich im Besitze des Prof. Dr. Schmalz, der an der Berliner tierärztlichen Hochschule die Anatomle lehrt. Tiefes stammt aus dem Besitze des Tierbändigers Sawade. Tie bengalische Königstigerin Venus, die zu der von Sawade im Zirkus Busch vorgeführten Hagenbeckschen Rastbtiergruppe gehört, zeigte, wie die „Voss. Ztg." berichtet, schon sett längerer Zett Zuneigung zu einem Senegallöwen. Am Mtttwoch verrichtete sie im Zirkus noch emsig ihre „Arbeit", am Donnerstag nachmittag zog sie sich zurück, kurz vor der Vorstellung. Tierarzt Klingener, der seit Jahren mit den Raubtieren auf vertrautem Fuße steht, war gleich zur Stelle und gab der Tigerin einige Arzeneien. Nach geraumer Zeit erfolgte die Geburt eines toten Jungen. Die Tigerin wurde sehr müde und gähnte beständig. Diese günstige Gelegenheit benutzte der Arzt, um ihr Kognak in den Rachen einzuspritzen. Diese Einspritzungen verfehlten chre belebenden Wirkungen nicht Tas Tier kam wieder zu Kräften und brachte nun das zweite Junge lebend zur Wett, das dritte war tot. Der ganze


