der süddeutschen Eisenbahnen geführt. Diese Polittk hat tu einer Herrschaft der preußischen Eisenbahnpolitik geführt, der sich aitfh Südbeutschland nicht mehr entziehen fannschon die Rücksahrkartenreform lehrt daS — lväh- rend es gerade seine SeWftändigkeit behaupten uwllte. Jetztk ist es also eifenbabnpolitisch ziemlich unselbständig und muß dafür noch statt des Gewinnes jährliche Verluste tragen.
Hessen macht bekanntlich seit dem 1. April 1897 diese kostspielige Art Selbstständigkeit nicht mehr mit und bildet mit Preußen eine Eisenbahngemcinschaft, sowohl im Betrieb wie auch finanziell. Hessen betrieb noch im Jahre 1896 die hessische Ludwigßbahn (692 kni) nebst 78 km Nebenbahnen, die beide zusammen 218,2 Millionen Anlagekapital darstellten und damals 4,48% Kapitalsrente abwarfen; außerdem betrieb es die oberhessischen Bahnen mit ihren 233 km, deren Kapital von 41,89 Millionen nur die klägliche Rente von 0,76% einbrachte. Alle diese Bahngruppen zusammen verzinsten sich also mit 3,8% de? Kapitals (im Durchschnitt). Bei Bildung der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschast erwarb nun der preußische Staat die in Preußen bclegenen (146 km) und Hessen die hessischen Strecken der Ludwigsbabngesellschaft. Von dem Anlagekapital, das jetzt 226,86 Millionen betrug, übernahm Preußen % oder 64,06 Mill. Mark, Hessen aber % oder 162,80 Millionen Mark. Preußens Anteil am Betriebsüberschuß (1896/97) entsprach einer Verzinsung von 3,15%. Der Betriebskoeffizient, d. h. die Ausgaben, als Anteil der Betriebseinnahmen dargestellt, war damals 75,94%. Ende 1902 zählte das gesamte preußisch - hesfische Eisenbahnnetz 32 050 km — davon 1140 km hessische Strecken — und der Betriesüberschuß des gemeinsamen Anlagekapitals von 8276 Mill. Mark ergab eine Jahresverzinsung von 6,54%. Diese ist 1903 ans die stattliche Höhe von 7,3% gestiegen. Hessen scheint in der Vereinigung mit dem Eisenbahngroßbe-- triebe Preußens also einer hohen und sicheren Kapital Srente gewiß zu sein und sich viel besser zu stehen als vorher. Das einzige ist nur, daß wir in unserem Parlament über eigene Bahnen nicht mitreden und verfügen können, was natürlich beim Aufgehen in eine Reichsbahngemeinschaft anders gewesen wäre. Auch die 96 km lange Main—Nekar- Bahn (von Frankfurt a. M. nach Heidelberg) ist seit dem 1. Oft. 1902 in die preußisch-hessische Gemeinschaft übergegangen. Preußen hat dabei an der bisher sehr kostspieligen Verwaltung allein für seinen Anteil schon 750000 Mk. erspart. Leider fehlt es in der Eisenbahnstatistik und dem preußischen Betriebsgericht nach an einer genügend klaren, zusammenhängenden Darstellung dieser Bahnverhältnisse, wie fie sich vor und nach der Gemeinschaft entwickelt haben. Doch allenthalben wird Hessens Gemeinschaft mit Preußen als ein finanzieller Erfolg angesehen, wenn auch die Ansichten über die politische Seite geteilt sind.
Die süddeutschen Bahnen ringen schwer mit ihren Eisen- ziahnsorgen, und in Württemberg tauchte schon der Gedanke eines Anschlusses an die preusisch - hessische Gemeinschafi auf: Wenn auch der BetriebSkoeffizient an sich noch nicht viel sagt, eS blieb doch auffallend, daß er bei dem Großbetrieb Preußen immer günstiger war, als bei den süddeutschen Staatsbahnen, auch wenn er bei allen auf- und abschwankte. Für 1902 stellten sich Betriebskoeffizient (Ausgabenanteil der Betriebseinnahmen), Anlagekapital, Rente und kilometrischer Betriebsüberschuß folgendermaßen:
<?*
s
'X «Ä
■e .
Ltaatsbahncu: Preußisch-hessische.
81967
61,34 % R,
8360 6,56 °/0 eicbseise nbah
17 046 n e n.
Mk.
542,5
1670
73,65 %
627 3,8 °/0 Bayern.
12 695
Mk.
23,7
5 902
72,41 %
1488 3,19% Sachsen.
8100
Mk.
46,8
2 668
71,92 %
940 3,86 %
13 339
Mk.
35,7
Württemberg
1802
70,93 %
600 2,83 % Baden
9 378
Mk.
16,9
1582
81,59%
602 2,36 %
8 360
Mk.
13,9
Für 1903 belief sich der preußisch-hessische Betriebskoeffizient auf 59,75%, die Rente auf 7,3%, der sächsische Koeffizient auf 67,93 %. Wie man sieht, reichen die Renten in Süddeutschland nicht zur Verzinsung des Anlagekapitals aus, deffen Zinsfuß in den Anleihen meist Häher ist. Bayern setzt jährlich 1% Mill. Mark aus der Tasche der Steuerzahler zu. Wenn Süddeutschland in Gemeinschaft mit Preußen auch nur etwa 60% der Einnahmen für den Betrieb verausgabte, so würde das die Eisenbahnüberschüsse der hier genannten fünf süddeutschen Bahnen etwa um 70 Millionen erhöhen. Ta die Reichsbahnidee zur Zeit — wenn auch ohne zureichenden Grund — für undurchführbar gilt, so planen die deutschen Staatsbahnen jetzt eine Betriebsmittel- gemeinschaft, die durch bessere Ausnutzung des rollenden Materials, Verringerung der Leerläufe, Abrechnungen usw., wenigstens eine Besserung erzielen solle und, wie schon berichtet, auf der Konferenz in Heidelberg das erste Stadium *^rer Verwirklichung betrat.
Politische Tagesschau.
Wahlrechtliches.
Ter freisinnige Nürnberger „Fränk. Kur." schreibt zur bayrischen Wahlrechtsreform:
„Tie Freisinnigen werden sich gewiß aus den Standpunkt stellen, einem Gesetzentwürfe zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechts — ob aui Grund des Proporzes oder nicht — unter ictrr Bedingung zuzustimmen, wenn die Ausstellungen, die den Liberalen eine Zustimmung zu dem von der Negierung vor- aeschlaaenen Gesetz«» unmöglich gemach' haben, also vor allem die relative MehÄeit und die ganz .zu Gunsten der Schwarz-m iirrd Roten gemachte Wahtkreiseinteilung. entfernt werden."
Tamil ist, so bemerken dazu die nationalliberalen „Münch. N. Nachr.", bewiesen, daß die Liberalen allerSchattier- ungen in Bayern in der Forder ung nach einem allgem«'in''n, gleichen geheimen, direkten Wahlrecht völlig einig sind.
Bei uns m Hessen bemühen sich die unseligen rheinhessisck>en »r mit aller ihrer leider nicht geringen Macht, das gemeinsame volkssreundliche Wahlreformwerk der Regierung und der
zweiten Kammer in der erstrn Kammer zu Falle zu bringen und behaupten trotzdem mit seltsamer Hartnäckigkeit, „liberal" zu sein.
H'arlamcnlarischcs.
Darmstadt, 26. Oft. Der Erste Ausschuß der zweiten Kantmer befürwortet die Regierungsvorlage Betreffen5 die Wieder y erstellun g t> e 9 f cn b it r n er Schlosses zu Offenbach und beantragt, die 44500 Mk. als tm Wege des Staatskredits aufzubrinaend zu bewilligen. — Der dritte Ausschusi beantragt: die Vorstellung der Mühlenbesitzer Jakob Schmidt IV. und Konrad Schmidt II. von Holz? hausen für begründet zu erklären und die Großh. Negierung zu ersuchen, die Petenten von der Verpflichtung einer .Hundesteuerzahlung zu entbinden. — Ter Erste Ausschuß beanttagt, der Vorstellung des Großh. Straßenmeisters i. P. Marn dttimrich zu Bensheim, betreffend anderweitige Regelung seiner PensGnsverhälttnsse keine Folge zu geben. — Die Regierungsvorlage betreffend Entwurf eines Gc- fetzes, die Ausfertigung von Schuldverschreibungen des Staates u n d der K o m m u n a l v e r b ä n d e findet die volle Zustimmung des 1. Ausschusses.
Berlin, 26. Olt. Die „Fr. deutsche Pr." meldet, die freisinnige Volks Partei des Mgeordnetcnhaicses beschloß, die Angelegenheit der Verstaatlichung der Hibernia zum Gegenstände einer Interpellation zu machen, die den Landtag demnächst beschäftigen wird.
— Wie verlau.tet, ist die Interpellation der freisinnigen Volkspartei zum S ch u l st r e i t zwischen dem Kultnsrnini- sterium und der Stadt Berlin im Mgcordnetenhause vertagt worden, weil noch weiteres Material zur Beurteilung dieser Angelegenheit gesammelt werden soll.
Fircr und 3foftr.
Berlin, 26. Oft. Das „Militärwochenblatt" meldet: Der König von Sachsen, bisher st la suite des Garde- schützen-Bataillons, ist zum Chef des Ulanenregiments Rr. 16 ernannt. Bei dem ersten Seebataillon wird er aucE) ferner st la suite geführt.
— Der Stadtkommandant von Diedenhofen hat dem „Elsässer* zufolge unter Aufbietung militärischer Macht von dem Gelände neben der neuen Kreis-Direktion Besitz ergriffen, wegen deffen ein Besitzstreit zwischen Stadt und Militärverwaltung entbrannt ist. Ein Posten unter Gewehr sowie ein Leutnant überwachen die Gesteckung deS Geländes, die durch die Fortifikation vorgenommen wird.
Die afrikanischen Aufstände.
Oberst Leut wein meldet aus Reboboth vom 21. Oktober : In dem Kampfe gegen die aufständischen Witbois sind gefallen: Farmer — ehemaliger Reiter — Meinig. — Rach einer telegraphischen Meldung des Gouvernements aus Windhuk vom 25. d. M. beruht die Nachricht von dem Tode des Bezirks Hauptmanns v. Burgsdorfs, des Missionstechnikers .Holzapfel und des Farmers H u ß- feld auf einer Meldung des Leutnants Freiherrn von Maltzabn, der in Gibeon war. Nähere Nachrichten fehlen noch. Frau v. Burgsdorfs befindet sich in Gibeon in Sicherheit, desgleichen in Tsuhnis die Frau des getöteten Farmers FricciuS. Ter früher als tot -gemeldete Farmer Georg Bräuer befindet sich mit seiner Frau und zwei Kindern in Rehoboth in Sicherheit. Dagegen ist der Tod von Fräulein Bräuer amtlich bestätigt. — Die erfolgte Beerdigung des Gouvernementstierarztes Dr. Albrecht, der Farmer Hermann, Meinig und Friceius und des Fräulein Bräuer wird vom Tistriktschef in Rehoboth gemeldet.
Aus jeder neuen Meldung, welche General v. Trotha über den Stand der Operationen gegen die Herero abstattet, geht mit immer größerer Deutlichkeit hervor, daß hier erhebliche militärische Leistungen nicht mehr zu erwarten sind. Der Feind hat sich zwar bis jetzt noch der Verfolgung unserer Truppen mit seinen Hauptmassen zu entziehen vermocht, aber zu aktivem Widerstand ist er nicht mehr fähig. Das bedeutet immerhin für die Krieg- flihrung gegen die aufständisch gewordenen Hottentotten eine wesentliche Erleichterung. Die neueste Meldung des Generals v. Trotha lautet wie folgt:
„Major Mühlen fels hat Oberbefehl im Norden. Hauptmann Hu mb rächt sperrt mit 1. Bataillon 2. Regiments, 7. Batterie, zwei Maschinenkanonen, einem Maschinengewehr Wasserstellen am Epukirofiuß von Otjimanan- gombe bis Kanduwe, hält Sturmseld und Ombakaha besetzt und hat Postierungen in Eware, Okatjekuri und Okowaru- mende; 6. Kompagnie 2. Regiments geht nach Gobabis. Estorfs gelangte 30 Km. Eiseb-Fluß abwärts, fand zersprengte Herero aller Stämme an mehreren Wasser- löchern. Herero ermattet, wider st andsunfähig. Weggeworfene Gewehre, sehr viel verendetes Vieh ge- filndcn. Gefangene sagen übereinsttmmend aus, Samuel sitze an einer Wasserstelle vier Tage nordwestlich von letzterem von Estorfs erreichten Wasserloch, habe fast alles Vieh, Hälfte seiner Leute verloren. Estorfs bleibt zunächst in Gegend Owinaua—Naua. Im übrigen Absperrung wie bisher."
lieber irrtümliche Beschießung von Deutschen durch Deutsche bei einem Zusammenstoß nach den Gefechten am Waterberg wird in Briesen eines Mitkämpfers in der „Schles. Ztg." berichtet: Kaum stand die Kompagnie in Omatupa zum Abmarsch bereit, und Leutnant v. Bojanowsky wollte gerade als Spitze vorgehen, als der Posten vom Baume meldete, daß drei Herero über die Pad gegangen seien. Um die Kerle aufzuheben, wurden sofort drei Reiter abgeschickt, ' och kaum hatten fie ihre Pferde abgegeben, als der % en meldete, es sind mindestens zehn Kaffem, worauf Leutnant v. Bojanowsky sich entschloß, mi't seinem 17 Mann starken Zuge vorzugehen. Kaum hatte er den Befehl zum Abaeben der Pferde gegeben, als ein furchtbares Schnellfeuer begann. Nun hieß es, „Pferde zurück und Schützenlinien gebildet!" Wildes Durcheinander. Tie Pferde wollen in den Dornen nicht laufen, da zu beiden Seiten feuernde .Herero, hinter uns aber die bereits ihr Feuer eröffnende Vattertc stand. Leider feuerte sie zu kurz, und einige Schrapnells krepierten über unseren Schützen. Ein Pferd bricht nach dem anderen zusammen. Leutnant Schmidt, der links von der Artillerie mit zwei Maschinengewehren Aufstellung genommen hatte, und gerade das Feuer eröffnen wollte, wird, da gerade vor ihm die Schützenlinie der 2. Kompagnie tvy ', nach dem linken Flügel der 2. Kompagnie dirigiert. T. r. "-nie war inzwischen durch eine von uns abgeschickt. ? rouille zum Schweigen gebracht worden, da sie stets zu krz schoß, und der Major befahl infolgedessen nach dem Gefecht, daß für den Fall, daß ein Truppenteil • inen anderen derselben Abteilung beschießt, der beschossene Tr: >->enteil erst das Signal des ihn beschießenden Teuppentei:'^ und daun „Du bist verrückt, mein sthib" blasen lassen solle.
Die „Nordd. Allg. Z^tg." schreibt, die Mättermelbung' könne nur auf einem Mißverständnisse beruhen, nach welcher in Südwestafrika Sendungen an Mannschaften des Expeditionskorps nu? als Fe ld p o stp a ke t e zollfrei ein gehen, für Offiziere Hb'er auch als gewöhnliche Pakete. Die Norddeutsche fügt hi:tzu: Merdings wurde b'ei dem Regime des Aufstauens der Gouverneur zunächst telegraphisch angewiesen, Feldpostpakete für zollfrei zu erklären. Ein späteres Telegramm dehnte die Zollfreiheit auf sämtliche mitgeführteu und nachgesandten Ansrüstungs- und Bedarfsgegenstände der Truppen und der Truppenangehörigen unter ausdrücklicher Erwähnung von Tabat und Zigarren aus. , Ein Unterschied besteht nur in dem einen Punkte, daß in: Privatbesitze der Offiziere befindliche Waffen und Munition zollfrei find. Dieser Unterschied bericht darauf, daß die Mannschaften keine Privatwasfen mitführen. Selbst- verstäiidlich sind auch die Liebesgaben für zollfrei erklärt worden.
Hamburg, 26. Okt. Heute nachmittag 4 Uhr ging der Dampfer „Gertrud Woermann" mit 25 Offizieren, 375 Unteroffizieren und Mannschaften, sowie 375 Pferden nach Südwestafrika ab. Der kommandierende General hielt eine AVschiedsansprache, die mit einem dreifachen Hurra auf den Kaiser schloß. Bei der Llbfahrt des Dampfers war auch Generaloberst v. Hahnke zur Verabschiedung seines Sohnes, des Hauptmanns Hahnke, anwesend.
Ans und Km»-.
Gießen, den 27. Oktober 1904.
** Stadtverordnetenwahl. Wir machen auch an dieser Stelle auf die Bekanntmachung der Bürgermeisterei im Inseratenteil aufmerksam, wonach die Liste der Stimmberechtigten vom 28. Oktober bis einschließlich 4. November zu 'jedermanns Einsicht offenliegt. Dem he^ltigen Blatte liegt ein 2lbdru k der Wählerliste bei. Nach Artikel 13 der Städteordnung sind wahlberechtigt: 1. alle in der Gemeinde wohnenden Ortsbürger, 2. alle männlichen Einwohner, welche die deutsche Rcichsangehörigkeit besitzen und seit zwei Jahren ihren Unterstützungswohnsih in der Gemeinde erworben haben, jedoch unter der Voraussetzung, daß sie zurzeit der Wahl 25 Jahre alt und vom 1. April des dem Rechnungsjahr, in welchem die Wahl stattfindet, vorhergehenden Jahres an in der Gemeinde kommunalsteuerpflichtig sind. Nichtortsbürger müssen danach 4 Jahre hier wohnhaft sein und seit 1. April 1903 Gemeindesteuern zahlen. Bayerische Staatsangehörige sind nicht wahlberechtigt, weil fie einen Unterstützungswohnsitz nicht erwerben können. Nach Artikel 14 der Städteordnung kann die Stimmberechtigung von denjenigen nicht aus- geübt werden, welche: 1. unter Vormundschaft oder Kuratel stehen, 2. über deren Vermögen Konkurs erkannt worden ist, während der Dauer des Konkursverfah-rens, 3. infolge strafrechtlicher gegen sie ergangener -rechtskräftiger Verurteilung von der Stimmberechtigung ausgeschlossen sind, 4. zurzeit der Wahl zu ihrem Lebensunterhalt eine nicht blos vorübergehende Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln beziehen oder in den letzten der Wahl vorhergegangenen zwölf Monaten bezogen haben, 5. mit der Entrichtung der Kommunalsten er zurzeit der Wahl länger als zwer Monate sich im Rückstand befinden. Die nach Vorstehendem Wahlberechtigten, welche ihren Namen nicht in ber Liste finden, haben das Recht, Einspruch bei der Mrger- meisterei zu erheben und ihre nachttägliche Aufnahme in die Liste zu b'eanttagen. Es empfiehlt sich, bei der Reklamatton eine Aufenthaltsbescheinigung des polizeilichen Meldebureaus und die Gemeindesteuerzettel von 1903/04 und 1904/05 vorzulegen. Wir erfahren übrigens, daß die Wahl jedenfalls nicht vor dem 21. November stattfinden kann.
Aus Lehrer kreisen schreibt man uns:
Tie in Nr. 251 des „Gieß. Anz." angezogcne Verfüqung, nach der die körperliche Züchtigung als Tiszivlinarmittel beim Unterricht in Wegfall kommt, bezieht sich nur auf die Fortbildungsschule. In der Volksschule ist dem Lehrer das Recht der körperlichen Züchtigung nicht nur nicht beschränkt worden, sondern es sind im letzten Jahre durch ministerielle Verordnung alle früheren einschränkenden Bestimmungen in Wegfall gekommen, sodaß auch bei Mädchen und Kindern in den zwei ersten Schuljahren die körperliche Züchtigung nicht mehr verboten ist. Unsere Ueberzeugung aber ist, daß in den hessischen Volksschulen künftig eher weniger als mehr „geprügelt" werden wird; denn der Lehrerstand weiß das ehrende Verttauen, das die Regierung mit dieser Verordnung in ihn gesetzt hat, wohl zu würdigen.
Zu der Notiz, daß das Regiment Nr. 118 die Volksschnl- lebrer vom Offizier - Aspiranten-Unter richt ausgeschlossen habe, seien folgende Bemerkungen gestattet: Undere Regimenter haben öffenbar an der Zugehörigkeit eines Einjährig- Freiwilligen zum Volksschullehrerstand keinen Anstoß genommen. So ist uns bekannt, daß in verschiedenen hessischen Regimentern — nuefi im Regiment „Kaifrr SBitMm" in Kictz-n — schon »M. reiche VolUschuttehrer am Aspirantenunterrickt bis zum S«nß teilgenommen und auch die bett. Prüfung bestanden haben. Ans den Prozentsatz der „Zugelassenen" und „Bestandenen" dürfte vielleicht gerade der Lehrerstand in Hessen stolz fern im Vergleich zu anderen Ständen, lieber ihre Stellung zu der „Reserve- Lsfiuers-.Herrlichkeit", wie die „Hess. Schulblätter" sich aus- drücken, sind sich die Lehrer klar, und an dieser „Herrlichkeit" hängt ihre Seele übrigens gar nicht so sehr, als das genannte Blatt vielleicht amummt. Wenn die deutschen Volksschullehrer für sich den einjährig-freiwilligen Heeresdienst erstrebten, so geschah das in erster Linie mit der wohl ebenso erklärlichen Ivie berechtigten Absicht, ans einer militärischen Ausnahmestellung herauszukommen, unter der ihr Ansehen lang genug gelittzn hatte. Und die Beseitigung dieser Ausnahmestellung war vielleicht den militärischen Behörden ebenso erwünscht und angenehm als dem Lehrerstand selbst.
** Unglücklicher Fall. Ein auswärtiger Schüler des yiesigen Gymnasiums' siel beim Spielen auf dem Hofe der genannten Lehranstalt mit dem rechten Beine so unglücklich auf das eiserne Geländer, daß unterhalb des Knies eine große Wunde entstand, welche in der Klinik zu genäht wurde.
C. Wäschedieb st a h,l. In der Rächt vom 25. auf 26. l. MtS. wurden von bis jetzt noch unbekannten Dieben au§ verschiedenen HauSgärten in der Liebig- und Hosmann- straße eine Anzahl zum Trocknen aufgehängt gewesener Wäschestücke gestohlen.
C. Unehrliches Dien stm ädchen. Wegen eines zu Garbenteich verübten Gelddieb st ahl§ wurde gestern hier ein Dienstmädchen in Untersuchungshaft genommen. Es batte sich von dem entwendeten Gelde eine Uhr und sonstige Schmucksachen gekarcst.
lHerichtssnak.
Gießen, 26. Okt. Tie in dem Bericht vom 25. d. M. über die Kriegsgerichtsverhandlung gegen die Oberleutnants A. und v. d. H. und den Geftcitcn Sch. auf Grund privat geäußerter Zeugenbekundungen veröffentlichten Pinsel beite»


