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27.10.1904 Erstes Blatt
 
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Erstes Matt

Donnerstag 27. Oktober 1904

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Amis- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

154» Jahrgang

Akr. 253

Otfärtnt tSgNtd aufeet SonmagS.

Dem (Siebener ^In^eiget werden hn Wechsel mit dem Kefsischen Landwirt die Gießener Familien, diairer viermal tn der Woche beipelegL

Kotationsbrnck tu Der- lag der Brüh l'schen Unwers.-Buck-u. Stern» druckeret, 8L Lange. Wedaklton, E^ve ditto« unb Donneret:

Schulsteobe 7

Adresse für Devescheu: Anzeiger Gictze«.

FrrnlprechanIchlntzNr 51

rAnzeiger

General-Anzeiger w

«-»ng«pretSr monat!ich7b viertel» jährlich Mt. 8.20; durch Ävhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk. 8.viertel» iährl. rwßschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 18 Pf^

auSwärtS 20 Pfg. Verantwortlich ffit den po(tt und allgem. Teil P. Wittko: für »Stadt und Land" und .GenchlSf aal": August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Sie ßeuftflt* Kummer umfaßt 8 Seiten.

Krlmnnlmachung.

Betreffend: Umbau der Kreisstraße Stockhausen nach Strafe FlensungenFreienseen und Herstellung der Orts­durchfahrt Stockhausen.

Wegen Umbaus der Kreisstraße von Straße Flen­sungenFreiens een nach Stockhausen wird diese von heute an bis auf weiteres für schweren Fuhrwcrksverkehr gänzlich gesperrt. %

Leichtere Fuhrwerke können wie bisher den im Bau be­griffenen Teil bis zum Bahnübergang benutzen und von da über eine Notbrücke und Wiesengelände nach Stockhausen gelangen.

Gießen, den 27. Oktober 1904.

Großherz-o gliche? Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. K r a n z b ü h l e r.

Bekanntmachung.

Unter dem Schweinebestand des Philipp Keßler und des Christian Avemann zu Lang-Göns ist ein Fall von Rotlaufseuche festgestellt worden.

Gehöftsperre ist verhängt.

Gießen, den 26. Oktober 1904.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Hechler.

Kckanntmachnng.

Unter dem Schweinebestand des Friedrich Pfaff zu Lollar ist ein Fall von Notlaufseuche festgestellt worden.

Gehöftsperre ist verhängt.

Gießen, den 25. Oktober 1904.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Hechler.

Are MsHkeßung der Kuller Iischereidampfer.

Tic Erregung Über die Beschießung der Hüller Fischerei- ffottilTe durch das russische Geschwader hat sich in England natürlich noch'nicht gelegt. An dem V«eileidstelegramm des Zaren und einigen wehr oder weniger verbindlichen Aeußer- ungen der zunächst beteiligten russischen Staatsmänner will die erregte öffentliche Meinung sich nicht genügen lassen. Tie englischen Blätter nehmen mit Achtung von der Zaren­depesche" Vermerk und drücken bedingte Befriedigung dar­über aus^ Einmal sei 'sie jedoch 'nicht schnell genug ein- getrofscu, sodann mache sie die Aufklärung des Falles z-ur Bedingung. Hierauf könne England nicht warten. Ferner verlange England sofortige Bestrafung der Schuldigen, wo­von die Botschaft nichts erwähne. Tas Volk erwarte, daß, falls letztere Bedingung nicht erfüllt werde, die Ostseeflotte. ßct Vigo oder Gibraltar von der englischen Flotte an- gehalten werde. Mch genüge eine Botschaft vom Zaren nicht: man erwarte ein bindendes sVersprechen von der russischen Regierung. Tie russischenVorwände eines Miß- verstündnissis könnten von England Nicht zugegeben werden; denn selbst wenn die Ostseeflotte der Fischerftotte signali­siert hätte, aus dem Wege zu gehen, so habe sie hierzu kein Recht gehabt, noch wären die F-ischerdampser mit ihren Netzen hierzu imstande gewesen. Die englischen Zeitungen drängen daher einstimmig die Negierung dazu, daß Eng­land eventuell sich selbst Satisfaktion verschaffe.

Ter englische Premierminister Balfour, der erste Lord der Admiralität, Lord Selborne, der Staatssekretär des Auswärtigen Lord Lansdowne, der Attorney-General N. B. Finlay, Prinz Louis Battenberg und der Direktor des Nachrichtenbureaus der Admiralität hielten am Mitt­woch nachmittag eine Beratung ab. Nach einer Meldung desDaily Expreß" wurde die Mobilisation der kritischen Reserve befohlen, die ungefähr 25000 Mann zählt. In Chatham ist ein Befehl der Admiralität eingegangen, nach dem die Arbeiten an den Kreuzexn 1 Klasse'Kent" undBerwick", welche in Chatham ausg( bessert werden, bis zum 28. Oktober soweit beendet sein müssen, daß sie am folgenden Tage auslaufen; können, um sich mit dein Kreuzer ge sch wad er zu vereinigen. r, . .

Stic demGtobe" aus Portsmouth gemeldet wird', sind dort Zeichen ungewöhnlicher kriegerischer Vorbe­reitungen wahrnehmbar. Es gingen auch Befehle ein, die Dercilsiellung gewisser Schiffe der Reserve zu beschleu­nigen Tie in Dienstvereitschast befindlichen Kreuzer, dar­unter die SchiffeGeod Hope",Drake",Eclipse" und Terrible" haben Befehl, sich bereitzuyalten, u'nt tn kurzer Zeit in See zu gehen. Der von einer Llnslandsreise zurück­gekehrte KreuzerEclipse" hat neue Munition eingenommen. In englischen Marinekreisen verlautet, die Negierung hätte die Ordre erteilt, daß ein siiegendes englisches Geschwader der russischen Flotte zur Beobachtung bis Indien folgen soll.

>Das Rnitcrsche Bureau meldet aus Gibraltar: Das Ka­na l g e s ch lv aber hat Kohlen genommen und Vorräte und Munition aufgefüllt. Es ist klar, uni jeden Augenblick in See zu gehen. Die LinienschiffeJupiter" undHanibal" und der KreuzerDoris" halben außerhalb der Straße scharfe Wache. Die SchlachtschisfeVietorious",Jllustrious" undMasistic" und die KreuzerLancaster",Lheseus" undEndymion" haben Befehl erhalten, am Freitag früh in See zu gehen. Wie verlautet, sollen diese Schisse die Bewegungen der Schlacht schisse der russischen Flotte, von denen man annimml, daß sie über das Kap der Guten Hossnuag und) dem äußersten Osten gehen, verfolgen und beobachten. Von den Kreuzern und Torpedobooten toirh,

angenommen, daß sie die Straße, von Gibraltar passieren werden, um nach dem Suezkanal zu dampfen. D-ie ganze Torpedobootsflottille von '^Gibraltar ist mobil gemacht worden.

Aus Venedig wird telegraphiert: Das Kreuzungs- Programm der Mittelmserflotte im adriatischen Meer wurde aufgehoben. Der Oberbefehlshaber Sir Eampton Domvilc erhielt dringende Depeschen, worauf die gesamte Flotte nach Gibraltar abstrhr. r Aus Fiume kommt da­gegen folgende Meldung: Ein Teil des englischen Mittel­meergeschwaders, die LinienschiffeVenerable",Duncan", Vulwark" undLondon", ist unter Kontreadmiral Custance hier ein gelaufen.

In einer Rede, die der A cke r b a u m i n i st er Onslow hielt, sagte er: Sie werden nicht erstaunt sein, daß die Mitteil- nnsi an die russische Regieruna gerichtet worden ist, daß wir eine Entschuldigung und volle Entschädigung für das Getane erhalten müssen, sowie ausreichende Sicherheit gegen die Wiederkehr eines ähnlichen Ereignisses. Wir dürfen durchaus hoffen, daß die Mit­teilung in dem von uns gewünschten Sinne ausgenommen sein wird. Obgleich wir noch keine anitliche Antwort erhalten haben, wird nach der Meinung derjenigen, die am ehesten zur Beur­teilung der Lage berufen sind, diese Mitteilung in entgegenkom­mender, freundschaftlicher und befriedigender Weise ausgenommen werden. Ter Minister gedachte ferner der Weisungen, die die Flotte erhielt, und schloß: Wir glauben, daß diese Maß­regeln nur ein Anzeichen der allgemein herrschenden Stimmung sein werden, daß es nicht notwendig sein wird, in dieser Ange­legenheit weiter zu gehen, und daß unsere freundschaftlichen Be­ziehungen zu Rußland keinen Bruch erfahren.

DasJournal de St. Petersb'ourg", das eine Sammlung für die Opfer von Hüll er­öffnete, führt das Unglück, das sowohl für die Russen wie für die Engländer als em solches zu betrachten sei, auf die unmögliche Art und Weise zurück, wie die Japaner den Krieg aufsassen. Jedenfalls werde die russische Regierung jeden Schadenersatz leisten, den das Gerechtigkeitsgefühl der Russen und Engländer verlange. DerNipponismus" kenne keine durch die militärische Ehre gesetzten Grenzen, die Grenze zwischen wirklicher und eingebildeter Gefahr sei dadurch verwischt. Die Folge davon sei das Unglück bei Anll. Das einzige Gegenmittel sei, den Nipponismus" in die Acht zu erklären.

Ter Bürgermeister von Hüll erhielt ein Telegramm aus Newbaven, in welchem es heißt, daß dort ein Mann angekommeu sei, dec sich für den einzigen U eberlebenden von der Be­satzung des FischdampfersSvlvia" aus Hüll ausgibt, der bei betft Angriff der baltischen Flotte verloren ging.

Die Meldung, daß der FifchdampferSylvia" bei dem Angriff der russischen Flotte untergcgangen sei, bestätigt

Nach einem derCorrespondenzia de Espana" aus Vigo zugegangenen Telegramm erklärten die russischen Offiziere die Beschießung folgendermaßen: Während der Nachtfahrt fteien angeblich zwischen den Linien der russischen Schiffe zwei Torpedoboote gesehen worden. Man habe geglaubt, daß es sich um einen japanischen An- gr iff "handle, deshalb sei gefeuert worden. An Bord von zwei Booten seien Kanonen gesehen worden. Keiner der Seeleute habe das Ausseh.en eines Fischers gehabt. Die Offiziere fügen hinzu, sie hätten nicht gewußt, ob die Leute verwundet wären, und bedauern ihren Irrtum.

Deutschland hat Schuld!

Mit bekannter Promptheit erscheint eine französische Meldung auf dem Plane, die T e u t s ch l a n d die S chu l d zu­schiebt an dem russischen Bombardement auf die englischen Fäscher- boote. Tas nationalistischeEcho de Paris" beruft sich auf die angebliche Mitteilung des russischen Admirals Wirenins, Rußland sei durch Deutschland vor einem möglichen Angriff in der Nord­see gewarnt worden. Menn das der Admiral dem Petursburger Mitarbeiter des Pariser Blattes gesagt hat, so hat er etwas durchaus Falsches behauptet. Kein wahres Wort ist daran. Ter deutschen Negierung ist es nicht eingefallen, den Warner zu spielen. Ties würde mit der Neutralität sich nicht vertragen, ganz abgesehen von der Lächerlichkeit der Unterstellung, als ob für deutsche Rechnung Kundschafter tätig wären, um Deutschland in den Stand zu setzen, einem der Kriegführenden Winke zu geben. Tie Erklärung für die kopflose Handlungsweise der russischen Ka­pitäne braucht gar nicht weit her geholt zu werden. Nervosität oder der Wein hat die Herren verleidet, Gespenster zu sehen.

Die englischen Fischerflotten in der Nordsee

bestehen manchmal aus hundert Schiffen, von denen jedes eine Besatzung von fünf bis sieben Mann hat. Meistens betreiben sie die Schleppnetzfischerei in der Nähe der Toggerbank. Diese große Sandbank, die auch der Schauplatz des russischen Ueberfalls war, ist von Westen nach Osten etwa 515 Kilometer Meilen lang und 64 Kilometer breit. Von allen Fischgründen der Nordsee wird die Toggerbank wegen ihrer Größe und Ergiebigkeit am meisten besucht. Jeden Morgen bringt ein Schnelldampfer die Fische aller Srbmacken nach dem 300 Meilen entfernten London. Etwa 12 000 Mann bilden dieses F-ischerheer, das den größten Teil des täglichen Bedarfs an Fischen in England liefert und auch das Rückgrat der britischen Marinereserve bildet. Seine Eigenart bekommt das Leben auf diesen Fischerflotten durch die Tätigkeit der englischen Mission für Tiefseefischer. Tie Fisckttrfl otten sind gewissermaßen schwimmende Dörfer. Jede hat ihre Kirche, ihr Krankenhaus, ihre Bibliothek und ihren Klub; das verdanken die Fischer der genannten Mission, sie ersetzt den Arzt, den Bibliothekar, den Gastgeber, den Briefträger und den Prediger. Ihre Arbeiten erstrecken sich jetzt auf die schottisckten und irischen Fischereien bis an die öden Küsten Labradors; sie kommen aber hauptsächlich deu Schleppnetzfischern der Nordsee zu gute, wie diese Mission ursprünglich auch in ihrem Interesse begründet ist. Eins der Hospitalscküsfe der Mission nahm auch die Verwundeten nach der Beschießung durch die Russen an Bord. Auf diesen Missionsscknffen fehlt es an nichts, was zum Fischen erforderlich ist, aber es ist auch alles vorhanden, was zur ärztlichen Behand­lung und für die religiöse Betätigung nötig ist. Alle Fischer der Nordsee ^kennen die vier SckMe, die sich den drei großen Scklcpp- netzsischerflotten zugesellen und Sommer wie Winter an ihrem täglichen Leben teilnehmen. Sie verkaufen auch guten Tabak zum Einkaufspreise, um den holländischen Händlern, die den Schisser« billigen Tabak abgaben und sie dadurch verleiteten, auch Getränk in katts-m entgegcnzuwirken. Aus Grmrd eine- UcbneiukommmS

mit dem Steuerdepartcment erhalten die MissionZschiffe den Tabak zollfrei, und können ihn nun so Lillig wie die Groghändler der holländischen Schiffe verkaufen. Sie haben Bücher, Zeitschriften und Spiele an Bord und sie hakten Gottesdienste unkonfesfronellen Charakters ab. Im Winter leiten die Kavitäne die Arbeit, her Sommer bringt zahlreiche Helfer vom Land, Geistliche und Laien. Wenn an Sonntagen und an ruhigen Wochentages das Fischen unmöglich ist, drängen sich auf Teck der Missionsschifft^ die vom Wetter gebräunten Seebären. Tas Kommen und Gehen dauert den ganzen Tag, und manchmal findet vom ftühen Morgen bis zum späten Abend der fast ununterbrochene Gottesdienst statt. Von diesen Männern hört man keine konventionellen Phrasen und gezierte Redensarten, dazu sind sie zu ntärmlich und ernst. Sie erzählen ihren Gefährten von ihren Erfahrungen, und diese können am besten die Wahrheit ihrer Worte wägen und beurteilen. Wie sehr diese naiven aber männlichen Fischer geschätzt werdm, z^ügt der Ausspruch eines der geretteten Offtziere der unglück­lichenElbe". Als zuerst die FischerschmackWildflower" 'ge­sichtet wurde, bemerkte er ruhig:Es ist ein Boot von der Ost- küste, und nachdem es uns jetzt gesehen hat, wird es uns nie im Stich lassen." Von diesen Fischern hört man gewöhnlich nur )venig, nur bei großen Unglücksfäsien wendet sich die Aufmerk­samkeit ihnen zu. So ertranken bei dem Sturm im Jahre 1883 360 Mann, und bei dem großen Sturm zu Weihnachten 1894 kamen 200 um. In den letzten acht Jahren ertranken 1304 infolge des Sinkens der Schleppnetzschiffe, und weitere 825 fielen ins Wasser oder wurden über Bord gefegt, während sie mit Fischen von ihren eigenen Schmacken zu den Schnelldamvfern hinüber­fuhren. ____________________________

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Okt. Anläßlich der am gestrigen ® e* burtStag des Sultans erfolgten Eröffnung der ersten 200 Kilometer langen Teilstrecke der Bagdadbahn Komia EregliBurgurlu ging dem Vorsitzenden des VerwaltnngS- rates der Bagdadbahn-Gesellschoft, Direktor der Deutschen Bank Arthur Gwinner, folgendes Schreiben des Kaisers zu:

SliiS Ihrer Meldung vom 80. b. Mts. habe ich mit großer Beftiedigung ersehen, daß am heutigen Geburtstage meines er­lauchten Freundes, S.M. des Kaisers derOsmanen, die erste Teilstrecke der Vagdadbahn von Konia nach Burgurlu feierlich eröffnet wird. Ich freue mich, daß eS gelungen ist, das bede:ttungSvolle Unternehmen deutschen Unternehmungsgeistes und deutscher Ingenieurkunst trotz mannigfacher entgegentretender Schwierigkeiten bis zu diesem wichtigen Abschnitt zu fördern, imb ich kann es mir nicht versagen, Ihnen wie allen an bem großen Werke Beteiligten meine volle Anerkennung zu bem bisher Er­reichten unb meine wärmsten Wünsche für eine weitere glückliche Fortsetzung und Vollendung des Bagdadbahn-Unternehmens aus­zusprechen."

DerReichSanz." veröffentlicht die Berufung deS Grafen Waldemar Noon und des Grafen Wilhelm Moltke zu erblichen Mitgliedern deS Herrenhauses.

DerNationallib. Korresp." zufolge werden die vom NeichSamte deS Innern veranlaßten Erhebungen über die Verhältnisse in den Syndikaten und Kartellbildungen demnächst fortgeführt.

Im ^VonväriS" veröffentlicht der sozialdemokratische Parteivorstand eine Erklärung über den Tod deS früheren Abg. Schmidt. Es war in sozialdemokratischen Blättern behauptet worden, derselbe habe einen verzweifelten Kampf um die Existenz führen müffen. Demgegenüber erklärt der Parteivorstand, daß die Gattin des Schmidt während seiner Strafzeit unb nachher er selbst immer aus der Parteikafse ein monatliches Gehalt von 200 Mk.j erhalten habe. Darüber, was den Mann in den Tod geführt hat, spricht sich der Parteivorstand nicht aus.

Detmold, 26. Okt. Die ,ßipp. Tagesztg.* teilt m ihremBriefkasten" mit, daß der sächsische Hof em<* Mitteilung von dem Tode König Georgs von Sachsen an den lippischen Hof nicht gemacht hat. 3n- folgedessen habe der lippische Hof auch keinen Vertreter zu den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Dresden gesandt.

Dresden, 26. Okt. Das ,D. I." erfährt über bte- Audienz einer Abordnung der evangelisch-lutherischen^ Landeskirche beim König, daß der König in seiner Dankantwort aus die ausgesprochenen Beileidsbezeugungen der Abordnung die Versicherung aussprach, daß die evangelisch- lutherische Landeskirche auch unter seiner Regierung auf den­selben Schutz und die gleiche laudeSväterliche Fürsorge rechnen dürfe, die sie unter seinen Vorgängern auf dem Throne ge­nossen habe, in derem Sinne überhaupt die Regierung zu führen deS Königs Wille sei.

DasD. I." schreibt:

.Einige Blätter haben erneut die Frage aufgeworfen, ob bfe Gräfin Montiqnofo an den Königlichen Hof zn rück­kehr en und der König geneigt sein werde, sich »lieber mit ihr zu vereinigen. Wie wir aus zuverläffiger Quelle wiffen, bestehe auch, nicht b i e entfernteste Aussicht dafür, daß es jemals zu einer Wiedervereinigung kommen könne. Der König hat nicht bloß vor dem Tode des bochfeligen Königs, sondern auch nach­her in der allerbestimmtesten Weife die unzweideutige WillenS- meinung kundgegcben, daß er für alle Zeit jede An­näherung von jener Seite weit von sich weise. Demenlfprechend sind schon früher bindende Abmachungen, zwischen beiden Deteiligten getroffen worben. Jeder Einsichtige- weiß von selbst, daß der König nach allem Borangegaugenen eine andere Haltung niemals annehmen kann.

Wie ein Korrespondent derFrkf. Ztg." an zu-, ständiger Stelle erfährt, ist die direkte Veranlassung zu der im entschiedensten offiziellen Ton gehaltenen Willensäußenmg des Königs zurückzuführen auf diese andauernden Anstrengungen interessierter Kreise, die nicht nur einer möglichen Rückkehr, sondern sogar einer Wiedervereinigung die Wege ebnen wollten^ Insbesondere soll sich die« beziehen auf eine an den König, gerichtete Petition, die bereits gegen bunderüausend Unter*