Ausgabe 
27.8.1904 Zweites Blatt
 
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geraten. SSmtliche drei LSschz-Iqe rilcftm aus, sanden aber ein, -'Irbftl mehr vor. Da« Automobil ist verbrannt: der Schaden beträgt bOOV Mk._______________________________

3um 27. August.

Heute, am 27. August, sind 60 Jahre vergangen, das; man m Darmstadt das erste Volksfest feierte, damals du- feierliche Enthüllung der LudwigSsüule aus dem Luisen- platze begehend. Welche unendliche Festesfreude herrschte in Darntstadt, als man die Erinnerung an den ersten Ludwig, jenen vielseitigen Fürsten, feierte. Ein schlichtes Gedicht, als .Huldigung der Liebe und Treue* schilderte die warme, treu- hessische Stimmung:

gubd erfüllet die LudewigSstadt. Fraget ihr, welche Bedeutung cS hat? Sdiaut her ein Denkmal fleht vor euch enthüllt, TaS aller Herzen mit Wonne erfüllt.

Seht dieses Denkmal; ein hehrer Altar Ist eS auS Liebe und Treue fürwahr Darb e» erbaut und den Manen geweiht Ludwigs des Ersten. Drum jauchzen wir heut. Freudig schauen mit biederein Sinn Äir auf HassiaS Fürsten jetzt bin, Jauchzend begrubt ihn deS HessenvolkS Schar Dringet die Opfer der Huld'gung ihni dar.

Ludwig dem Zweiten ein donnerndes Hoch! Hoch leb' auch Ludewig, Erbgrotzberzog! Heute soll, Hessen, stimmt alle mit em, Ludewig hoch! unser Losungswort fein.

Am 4. April 1790 war Ludwig X. zur R. g.erimg gekommen und manche Verschiebung der Grenon feines Landes mußte er erdulden, selbst die Residenz wechseln Nachdem ei' einige Zerr hier in Gießen und dann in Sachsen gewohnt hatte, Ion nie cd erft im Marz 1799, als es zu einem <^eper atfrieden zwischen Hesseu-Tarmstadr und Frankreich gekommen war, nach Darmstadt ^uruckkhren. Es dauerte lange, bis er dem .Rheinbund beicrat: eS geschah am 1. August 1806 und nun uannre er sich alS Souverän Großhcrzog Ludwig I. BeretrS int Oktober desselben Jahres hob er die in ein­zelnen Teilen des Landes bestehenden alten Landstände aus. Seine Verbindung mii Frankreich kostete ihm große Qv^er; die Hessen fochlen bei Badajoz, bei Wagram und in Rußland. Erst im November 1813 schloß er sich durch die Frankfurter rwnvennon den Verbündeten au. Als der Wellfriede geschlossen war, da umfaßte Hessen, das bei seinem Regierungsantritte auf 100 Quadratmeter 300 000 Gin* üwhner hatte, 185 Quadrattnerer mit GoOOOO Einwohnern. Aber im Lande gahrre es noch und Ruhe brachte er ft die BersassungsurEunde vorn 17. Dezember 1820. Nachdem am 24. Oktober 1829 seine Gemahlin, eine Tochter des Land- grafen Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt, gestorben war, starb er selbst am 6. April 1830. Er war freigesmnt und hochherzig in seinen Ansichten. Ter Redefreiheit trat er nie, selbst unter Napoleon nicht, in den Weg; geheinre Polizei würde er nie geduldet haben. Hessen hatte bis zu den Bundestagsbeschlüssen von 1819 volle Preßfreiheit und auch nachher eine gelinde Zensur. Er tvar religiös

und tolerant, Mnstlersreund und eifriger Förderer der Wissenschaften, von besonderer Vorliebe für das Theater. Seine Wesensart war einfach, dem Prunke abhold, und bei aller reichen Bildung er hatte in Lehden studiert, Reisen durch die Niederlande, Frantreich and England ge­macht und m russischen Kriegsdiensten gestanden Hellem Verstände und vielfachster touitnijje natürlich und selbst oft derb, befonders im Llus drucke.

Wer erinnert sich nicht beim Betrachten Ludwigs auch an die reizende Erzählung von der Reise desBürger­meisters von Maiches" und seinesGevaddermannes Hannes" nach Darmstadt. Als die beiden an jenesgrüße .große) Werk" kamen, konnten sie dessen Bedeutung nicht begreifen, aber der findige Hannes, der auchlesen" tonnte, brachte es doch heraus;Buigerniaster, sagte er, das iS dem Großherzog Ludwig sein dankbares Volk." öd lautet die Aufschrift auf dem Denkmal. Wieder grüße Mann do owe enuff" gekommen war, das konnten sie erst recht nichtrund bringen", bis ihnen ein witzigerHeiner" auf iljre Frage antwortete:Ei, der is enufi tummc, mie er iwch en ganz Koalier (flcüier) Bub war und dann is er oroe gclvachse." lind das soll den beiden eüigeleuchlet haben.

^erichtssaal.

(ch.) Gießen, 27. Aug. Strafkammer.) Angeklagt ,raren ein Fabrikarbeiter und dessen Frau aus Wenigs des Betruges. Beide k-aren Anfang März, der Mann, ivic er zugibt, mit 16 '.l'uir'i in der ^aseoe, nach Alsfeld gekommen, hallen sich tu einer Wirtschaft dort eiuquattien uno der Mann trat als Reflektant der Witwe Valin suk'n Wirtschaft auf. Er finau) von einer Anzahlung von 1UUUU Mart und beflimutte die Verkäuferui, ihm dura; Maunwiul -um Preise von 24 500 Mk. die fragliche Loiraithe als Eigentum zu übertragen. Den Kauf, vertrag hat auch die angeklagte Ehefrau unterschrieben. ~ Für Wohnung, Essen und trinken hatte man 14 Tage hindurch ^chnl den gemacht und da der Wirt auf Zahlung drängte, begab sich der Ang^lagte zum Brauereibesiver Wallach am Ort, teilt, ihm mit, er habe die Wirtschaft im Kauf und spielte den Zahl ungssahchen, wobei er Herrn Wallach in Aussicht stellte, er )volle seinen Bürde darf von ihm beziehen. Schließlich erleichterte er den Brauereibefitzer um 100 Mark, von denen er 50 Mark dem Witt bezahlte, der ihm Wohnung und Lebensunterhalt auf Borg gewährt hatte. Mit der Fache hat sich bereits das Schöffengericht m Als seid beschüstigt. ES baiL- den Angeklagten ivegcn des Be­trugs zum Nachtell Waliaä-S zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt, einen Betrug -um Nachteil dcS Wittes, iveldKT für Wohnung usw. schließlich mit einem Rest von 40 Neark kleben blieb, verneint. TaS Set-öffengericht war der Ansicht, daß iveber der Angeklagte noch dessen Frau betrügerisch gehandelt hätten, als sie, ohne eigene Mittel -u besitzen, die Wirtschaft kauften, und batte auch dieserhalb auf Freisprechung erkannt. Hiergegen verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung, mdem die Anklage behauptet, öie Angeklagten hätten vor dem Kaufabschluß oder mindestens bei demselben erflärt, der Brauerei- besitzer Ihring in Lich fei ein Venvandter von ihnen und iverbc die Anzalstung leisten. Zn der Verhandlung gestern versagten icdoch die Belastungszeugen nach dieser Richtung und cdlärtcn nur, daß der Angeklagte geäußert l)at, Ihrmg in Lich iverde ihn, wenn er die Wittschaft kaufe, unterstützen. Brauereibesitzer Zhring selbst aber erllart, als Zeuge vernommen, daß er dies dem An­geklagten auch zugcsagt batte, und auch bereit geivesen fein

würde, mit Kapital einzuspringen, wenn dieser aber eine genügend große Anzahlung zur Verfügung gehabt hätte. Wegen der ange- Nagten Frau beantragte der Staatsanwalt selbst die Freisprechung, dagegen hielt er gegen den Ehemann in zwei Fällen einen Be­trug für vorliegend, und beantragte, auf feebtf Monate GefungniS zu erkennen. Die M'ammcr kam aber -n einer Freisprechung beiber Angeklagten. Gegen den Mann liege allerdings ein starker Verdacht vor, aber zu dessen Gunsten sei anzunehmen, baß er nach der Rücksprache mit 3bring fest daran geglaubt hat, dieser werde 10 000 Mark -um Ankauf der Wittschaft hergeben. Von einer Zeclchrellerei des LogiswirtS könne ebenfalls leine Rede ein und baber sei auch die mitangeklagte Ehefrau, gegen lvcld>c übrigens gar nichts erwiesen sei, f r e i zuspreche n. (ES ist unbegreiflich, daß jemand Hans und Hof verkauft, ohne ich vorher nach der Zahlungsfähigkeit des Musers zu erkundigen Dir können nickst genug vor solcher Torheit warnen. D. Red.)

Sport.

Gießen, 27. Ang. Radsport. Am Sonntag toerbtn auf dem Spottplatz an der Hardt folgende Rennen ansgesahren: 1. Eröffnungsfahren (2000 Mieter). 2. Gauwanderpreisfahren (2000 Meter). 3. Motorfähren, nur offen für Fahrer aus Stadt und Kreis Gießen (10 000 Meter). 4. Hauptfahren (6000 Meter). 5. Ansscheidungsialwen. Der Weltmeisterschaftsfahrer Struth aus Mainz hat sich angemeldet.

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