Ausgabe 
27.8.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 201

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schere Universitätsdruckeret. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.N Tel. Nr. 5L Telegr^Adr. r Anzeiger Gieß«.

Erscheint tüglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener ZamilienblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »hessische Landwirt*' erscheint monatlich einmal.

Zweites Blatt. 154. Jahrgang Samstag 27. August 1004

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

Jer Aufstand in Peutfch-Südrvestafrika.

St. Bureaukratius.

Ilm Auftrage der Entschädigungskornmission für Südwestafrika hat als deren Vorsitzender der Oberrichter in Windhuk unter dem 14. Juli 1904 folgende Bekanntmachung erlassen:

Aus Grund des 8 8 der Verfügung des Reichskanz-lers vom 2. Juni 1904 betreffend die Verwendung des in der zweiten Ergänzung zum Haushaltsetat der Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1904 unter Kapitel 1 Titel 14 der Ausgaben für das sudweshaffikanische Schutzgebiet bereit­gestellten Fonds von zwei Millionen Mark werden die­jenigen, welche während des Heperouuffhandes durch eine Handlung der aufständischen Eingeborenen einen unmittel­baren Schaden an beweglichem oder unbeweglich>em Eigen­tum erlitten haben, Darlehen oder Hilfeleistung (letztere ohne Verpflichtung der Zurückerstattung) wünschen, aufge- fordert, den' Schien sowie die Art und die Höhe des ge­wünschten Darlehens oder der gewünschten Hilfeleistung bis zum 31. Dezember 1904 zur Vermeidung der Nichtberück­sichtigung an zu meld en. Zu der Anmeldung ist ein Formular, welches kostenfrei von der Kolonial­abteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin bezogen werden kann, zu benutzen. FrühereohnediesesFor- mular ein gereichte Anmeldungen müssen unter Benutzung des Formular wiederhol t werden. Die Höhe des angemeldeten Schadens ist durch Beläge (Ver­sicherungsverträge, Fakturen, andere Urkunden), nötigen­falls auch durch Benennung von Zeugen, dapzutun. Die Darlehen und Hilfeleistungen können in Geld- oder Na­turalleistungen bestehen; in der Anmeldung ist anzugeben, ob mit) welche Naturalleistungen gewünscht werden. An­träge auf Leistung eines Vorschuss es auf die später zu gewährenden Darlehen oder Hilfeleistungen zum Zwecke der Wiederaufnahme des Wirtschastsbetriebes vor Abschluß der Ermittelungen (§ 10 der Verfügung des Lteichs'kanzlers vom 2. Juni 1904) sind besonders einHureichen. Die Eingaben können an die Adresse des Kaiserlichen Gouvernements ge­richtet werden."

Der heilige Bureaukratius kommt hier wieder einmal mal zu Ehren. Mit Recht wirft dieVoss. Ztg." die Frage auf, ob es denn nicht einfacher und weniger zeitraubeiw gewesen wäre, wenn die Formulare im Schutzgebiet ber- gestellt und an die Ansiedler verteilt worden wären? Letz­tere tarne« auf diese Weise früher in den Besitz von Bar­mitteln, und wenn irgendwo, dann gilt doch hier das Doppelt gibt, wer schnell gibt!" Wie reimt sich diese pedantische Schwerfälligkeit mit der den gai> mern gegebenen Zusicherung, es solle chnen im be- schleulligten Verfahren geholfen werden?

(Amtliche Meldung.) Reiter Max Hertlei n, geboren am 25. Mürz 1882 zu Amberg, Oberpfalz, früher 2. Bayer. Jügerbataillon, ist am 13. August bei Otjosondu ge­fallen.

Das Kornhaus Einbeck liefert 25000Zentne r Hafer Nach Deutsch-Südafrika an die Truppen. Zur Ver­ladung des Hafers ist in Hamburg ein Dampfer gechartert.

Politische Tagesschau.

Pernerstorsjer.

Nach derFrkf. Ztg." hat der östreichische Sozialdemokrat Pernerstorsfcr am Freitag in Mannheim tatsächlich in einer von etiva oOuO Personen besuchten Volksversammlung gesprochen, und zroar über die Entwickelung der Sozialdemokratie in Oester­reich Als am Schluß der Versammlung eine Resolution verlesen wurde, die die Maßregelung des Referenten durch die preußische und hessische Polizei ver­urteilte, lüste der Vertreter der Polizeibehörde die Versammlung auf. Es folgte ein ungeheurer Lärm. Schließlich ging die Versammlung unter dem Gesang der Arbcitcr- marseillaise auseinander.

Bei der ostentativen Herausforderung, die sich Herr Perners- torsfer gegen den deutschen Reichskanzler hat zu Schulden tom* men lassen, ist das Verhalten der Mannheuner Verwaltungs- behörden überraschend. Wie der sozialdemokratischenFranks. Volksstimme" mitgetcilt wird, ließ das hessische Ministerium des Innern den sozialdemokratischen Vertrauensmann in Offenbach durch die Polizeibehörden einem Verhör unter­ziehen, ob es wahr sei, daß beabsiäKigt werde, statt Perncrstorsfer einen anderen, zurzeit der Polizei noch nicht bekannten, Aus­länder in Offenbach sprechen zu lassen. Man habe davon gehört, daß ein F r a n z o s e die Absicht geäußert hätte, in Offenbach zu sprechen. Was der Herr Vertrauensmann darauf erlvibert, und was endlich daraufhin geschehen ist, das verschweigt das genannte Blatt seltsamerweise. Uns wird heute aus Offen­bach gedralstet, daß an)teile Pernerstvrffers Ledebour, der Vertreter des 6. Berliner Reichstagswahlkreises, dort heute abend reden wird. TasOsfenb. Abendblatt" wirst natürlich nach je­dem, J>cr nicht in das schrille Hörnlein der Aufgebrachtheit über das hessische Regierungsverbot mittutet, mit dicken Knäueln von dreisten Unwahrheiten. Das ist so sozialdemokratisck-eTattit!

Deutsches Keich.

Berlin, 26. Aug. Der Kaiser ließ heute vornrittag 6le in Altcngrabow versammelten Kavallerieregimenter zu­nächst Evolutionen ausführen und kommandierte daun zwei Kavallerieangrisfe, zuerst gegen einen markierten Feind und dann gegen eine abgeneigte Kavallerie-Brigade. Ein Vorbeimarsch schloß die Hebung. Das Frühstück nahm der Kaiser im Kasino ein. Die Mrei.se erfolgte um 2 Uhr.

Der Kaiser traf heute nachmittag um 6 Uhr in Wildpark ein, wo die Kaiserin zum Empfang mv* wesend war. Die Majestäten fiiljqen nach dein Neuen Palais.

Der Kaiser wird sämtlichen Flotten-Ma- n ö v e r n in der Nordsee an Bord der JachtHohenzollern" beiwohnen. Die Kaiserslottille geht am 6. September elb- abwärto nach Helgoland. Am 11. September trifft der Monarch in Kiel ein und schifft (taj, aus, um mit der Bahn in - iUlanübergetänbe int Mecklenburgi,che11 zu fahren.

Zum O Vers ch i c o § richt e r für uie diesjährigen Kaifermanover ist Prinz Albrecht von Preuße^

der Regent von Braunschweig, ernannt worden, mit der Einschränkung, daß her Kaiser in allen denjenigen Fällen, in oenen er nicht persönlich die Führung inne hat, das Amt eines Oberschiedsrichters selbst übernimmt.

DerStaatsanz." veröffentlicht das Gesetz betr. die Gründung neuer Ansiedelungen in den Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, BrandeMurg, Pommern, Posen, Schlesien, Sachsen und Westfalen vom 10. August 1904.

Der dritte Verbandstag des Verbandes deutscher Schuhwarenhändler, der 40 Vereine mit 2500 Mitgliedern umfaßt, wurde heute im Bürger­saale des Rathauses eröffnet. Nach der Begrüßung durch deu Vorsitzenden Emil Jaeobi (Berlin) erstattete der Ge­schäftsführer den Verwaltungsbericht. Herr Arthur Jacobi (Berlin) hielt hieraus einen Vortrag über Fachausstell­ungen und Weltausstellungen. Herr Albert Auerbach sprach zuletzt über die Kunst der Reklame und ihre Erfolge.

Der Reichskanzler hat vor längerer Zeit eine Um­frage über die Verkürzun g der Arbeitszeit der gewerblichen Arbeiterinnen veranstaltet. Die hierauf von den Gew erbe Inspektoren erstatteten Berichte sind im Reichsamt des Innern einer Prüfung und Be­arbeitung unterzogen worden. Sie bilden die Grundlage für eine Denkschrift, die dem Bundesrat zugehen und in der die Frage oer allgemeinen Einführung eines zehn- st ü u d i g e n Maxim alarbeitstages für die gewerb­lichen Arbeiterinnen erörtert werden soll. Tie Gutachten zeigen zwar, daß die Ansichten vielfach auseinandergehen und daß insbesondere in den Kreisen der Arbeitgeber die Bedenken dagegen lueit über wie gen. Die Mehrheit der Gewerbeinspektoren hat trotzdem schließlich, nament­lich aus Gesundheitsrücksichten, eine Verkürzung der Dauer der Arbeitszeit der gewerblichen Arbeiterinnen befür­wortet und darauf hingewiesen, daß eine solche bereits in vielen Industriezweigen ohne w>esentlich nachteilige Folgen eingeführt ift

Heilbronn, 26. Aug. Kürzlich erstattete der agra­rische ReichStagsabg. Dr. Wolfs in Heilbronn Bericht über die Reichspolrrik. Er kam dabei auch auf die Han­delsverträge zu sprechen und versicherte, daß, wenn er gegen die Verträge stimmen sollte, dies nach reiflicher Ueberlegung und aus zwingenden Gründen geschehen werde. (Demnach darf man also heute schon sicher sein, daß Dr. Wolff ebenso wie andere Agrarier die Handelsver­träge ablehnen wird.) Viel bemerkt wurde auch, daß in der Diskussion der agrarische Mg. Vogt sich energisch gegen jede Verschlechterung des Reichstags- wahlrechts erklärte. (Aus die Ansicht des Bundes der Landwirte wird man aber hieraus wohl keine Schlüsse ziehen dürfen, denn die würtrenrbergifcheu Agrarier sind Demokraten, die norddemschen dagegen meist Konservative.)

^uteinatiouuletgabaliartieitaRoiißrc^.

Ju dem schönen Gebäude, das hey der Vechand der hollän­dischen Diamantarbeiter in der Franzelaanschenstraße in Amster­dam vor etwa Pier Jahren erbaut hat, findet im Anschluß an den internationalen Sozialistentongreß die sechste internationale Besprechung der Tabakarbeiter statt.

Am Sonntag vormittag fand eine kurze vorbereitende Ver­sammlung statt. Nack)dem eine Mandatsprüfungs- und eine Ent- lastungsKommission gewählt waren, wurde einjiimmig die Ein­setzung einer dritten Kommission bcfdjlonen, um ein gerechtes sowohl der Stärke der einzelnen Organisationen wie dem Rechte leber Natwn entsprechendes Abstimmungsststem ausfindig zu machen.

Sie legte, als am MoMag nackMittag die Plenaroerhandlung wieder ausgenommen wurde, folgenden Entwurf vor:

Deutscher Tabakarbeiterverband (18 50u Mitglieder) 6 Stim­men, englischer (2000 Mitglieder- 2 Stimmen, ebensoviel der dänische für 2/50, der schwedische für 2u00, der holländische für 1800 und der belgische für 1750 Mitglieder; schließlich soll Luxemburg für 30 Mitglieder eine Stimme erhalten. Nachdem die Deutschen die Hofsnung ausgesproa-cn hatten, daß der nächste Kongreß eine billigere Stimmverteilung treffen werde, wurde dieser Vorschlag der Kommission einstimmig angenommen. Dann erstattete der internationale Sekcretär Jngters-^rüssel den Bericht über die Tätigkeit des internationalen Sekretariats 1900/04. Der internationale Unterstügungsfonds nahm in dieser Zeit 27 668 Francs ein, gab 10 454 Francs aus und hat jetzt 24 197 Francs Kassenbestand. .Der Vriesverkehr mit allen angeschlossenen Grup­pen, von denen die Schveiz auf diesem Kongretz nicht vertreten ist, war rege. .Die Versuche, neue Mitglieder für den internationalen Bund zu gewinnen, haben bisher noch keinen Erfolg gehabt. Die ftanzösische Tabakarbeüerorgani- fation verhält sich ablehnend, .mit der amerikanischen schweben die Verhandlungen noch

Die Entlaitungslommission teilte mit, daß die ganze Ver­waltung in bester Ordnung vorgefunden tuorben fei, regte aber Drucklegung des Kassenberichtes und häufigere Mitteilungen über die Tätigkeit des internationalen Bureaus an die Fachpresse an.

In der Diskussion wurde hauptsächlich von den deutschen Delegierten scharfe KritZk an dem jetzigen Zu st and der internationalen-'Tabakarbeiterunion geübt.'

Deichmann und Junge führten etwa folgendes aus: Der vorgelegte Kassenabschluß sei deshalb unübersichtlich, weil er nicht klar erkennen lasse, wieviel jedes einzelne Land an Beiträgen geleistet und an Unterstützung beansprucht habe. Es scheine aber, als ob Deutschland das nach seiner Mitglied er za hl den lveitaus größten Teil der Einnahmen für den internationalen Unter ft ützungSsonds Her­tz e i s ch a f f e, wenig Nutzen von der Union Hütte. DaS Sekretariat glaube anscheinend, daß seine Ailfgabe mit der Ver­teilung des aus Deutschland eingekommenen Geldes an die an­deren Nationen ersüiöpst sei. Dbenbrcin müßte die deutsche Orga­nisation, die einen Wochenbeitrag von 75 Pfennig erreicht und gute Uiiterstützungseinrichtungen geschaffen habe, die aus dem Auslande zurcnsenden Kollegen sofort in den vollen Genuß der Unterstützungen insbesondere der Arbeitslostnunterstützllng setzen, wahrend die deutschen Kollegen im Auslande keine entsprechenden Unterstützungseinrichtungen vor- f au den. Selbst die Schwerer, deren Organisation sich faktisch feit Jabren in keiner Weise um den Bund kümmere, gälten in Deutschland als vollberechtigte Mitglieder. Hier müßten die and* ländischen Organisationen, so gern auch die deutsche im übrigen im Interesse der internationalen Solidarität ihre Leistungen böte, zum Ausbau ihrer Einrichtungen^ veranlaßt werden. Vor allem aber müßte das internationale Sekretariat mehr Initiative be­tätigen. Material über die Haus-, Kinder und Frauenarbeit, über die Schutzgesetze m den einzelnen Ländern herbeischafien, i um damit die xapitalisteiUlasse unb die Regierungen zu den

notwendigen Reformen zu zwingen. Erblicke das Sekretariat darin und nicht in der Verwaltung des Unterstützungsfonds seine Auf­gabe, so könnten die Beiträge zum Bunde ohne Schaden bedeutend herabgesetzt werden.

Coopor (England), Bruens (Holland) und Debster (Belgien) erkannten die Berechtigung dieser Kritik an.

Die deutsche Delegation brachte folgende Resolution ein:

Der Kongreß billigt die Tätigkeit des internationalen Sekre­tärs, .da sie ihm im heutigen Reglement so vorgeschrieben ist, und erteilt ihm Deck)arge. .Der Kongreß ist aber der Ansicht, daß in Zukunst dem internationalen Sekretariat eine andere Aufgabe gestellt werden muß; er beschließt deshalb, daß die anwesenden Vertrauensleute der verschiedenen Länder mit dem internationalen Sekretär eine Kommission bilden sollen, die ein nach den Aus­führungen der deutschen Delegation umgearbeitetes Statut dem Kongreß vorlegen soll.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 27. August 1904.

'* Konzert. Im neuen Saalbau findet am Dienstag, den 30. ds., abends 8 Uhr, ein großes Monstre-Konzert der vereinigten Militärkapellen der Regimenter Nr. 116 und 16 8 statt. Wir wollen nicht versäumen, unsere Leser hierauf besonders aufmerksam zu machen, um so mehr, als das große TongemäldeDeutschlands Erinnerung an die glorreichen Kriegsjahre 1870/71, Schlachtenmusik, durch beide Kapellen zur Aufführung gelangt.

* Zum Schutz der heimischen Vogelwelt har das Hess. Ministerium des Innern, wie auch die Ministerial- abteilung für Schulangelegenheiten ihren unterstellten Behörden die größte Aufmerksamkeit empfohlen, und sie beauftragt, für möglichste Verbreitung des Inhalts einer vom preuß. Land­wirtschaftsministerium herausgegebenen Anleüung zur Aus­übung dieses Schutzes Sorge zu tragen.

(*) Alt en-Buseck, 26. Aug. Unser alter Bürger­meister Körber ist heute einstimmig als solcher wieder­gewählt worden.

mg. Großen-Lindeü, 26. Aug. Bei der Gemeinde» ratswahl am 25. d. M. wurden die seitherigen Mitglieder Ludw. Lang mit 208, Ludw. Velten mit 198 und Joh. Menges I. mit 158 Stimmen wiedergewählt. Der vierte Kandidat, Gastwirt Ludw. Keßler V., erhielt 126 Stimmen. Velten wurde vor 30 Jahren genau an demselben Tage zum ersten Male gewählt und gehört seit dieser Zeit ununterbrochen dem Gemeinderat an. Nächsten Sonntag feiert der hiesige Turnverein sein Sommerfest, verbunden mit VereinS- wetturnen, wozu er die benachbarten Vereine eingeladen hat. Stach dem Programm scheint der Verein alles auszubieten, um den eingeladenen Gästen einige genußreiche Stunden zu verschaffen.

w. Bad-Nauheim, 26. Aug. Bis zum 25. August sind 21 479 Kurgäste angekommen, wovon an ge­nanntem Tage noch 4729 anwesend waren. 286 231 Bäder wurden bis zum 25. August abgegeben.

g. Büdingen, 26. Aug. Heute bezog eine Batterie des Feldartillerie-Regiments Nr. 27 hier Quartier. Sie befindet sich auf dem Marsche nach dem Manöoer- gelände. Bei derselben tun auch zwei siamesische Prinzen Dienst.

[ J Marburg, 26. Aug. Der vor einigen Jahren ver­storbene Landeskonservator für Kurheffen, Dr. Bickel, hat bekanntlich alle heffischen Altertümer, die er nur bekommen konnte, gesammelt und auf dem alten Landgrafenschloffe un­tergebracht, mo sie sich noch heute befinden. Heute beschäftigt sich nun die Stadtverordneten-Versammlung mit dem Antrag, das älteste Bauwerk Marburgs, die in unmittelbarer 9lähe des Rathauses auf dem Schuhmarkt stehende, auS dem 12. Jahrhundert stammende St. Kilianskapelle umzubauen und aus Anlaß des 400jhrigen Geburtstages des Landgrafen Philipps des Großmütigen dem Verein für hesslsche Geschichte und Landeskunde behusS Aufstellung der Sammlung hessischer Altertümer zu überweisen. Wenn man auch davon Abstand nahm, die aus 40 000 Mk. ver­anschlagten Kosten des Neubaus auf die Stadt zu über­nehmen, so war man doch zu einem angemessenen Beitrag bereit und beschloß, dem Geschichtsverein dieses althfftorische Gebälide, welches sich zu einem Hessen-Museum wie kein an­deres eignet, zu überlassen. Das Gebäude dürfte wieder her­gestellt werden, wie eS vor bem Jahre 1584 war.

fc. Main z, 27. Aug. (Drahtbericht.) In Selzen wurde die 75jährige Witwe Hinkel tot in einer Kotgrube auf­

gefunden. Sie hatte Selbstmord verübt.

Frankfurt, 26. Aug. Im Hause Mainzer Land­straße 135 kam es heute mittag zu einer blutigen ©jene. Der 22 Jahre alte bei Kiener beschäftigte Taglöhner Prott drang mittags ins Zimmer seiner Braut Katharina Schmal­bach ein und feuerte, als das Mädchen die Tür öffnete, ohne ein Wort zu sagen, zwei Schüsse auf sie ab. Daraus richtete er die Waffe gegen sich selbst und verletzte scch durch drei Kugeln schwer am Kops. Er flüchtete dann trotz der schweren Verletzungen und sprang an der Unter* mambrücke in den 2)1 ain. Ein Badtanstaltsbesttzer zog ibn

jedoch heraus, unb der Lebensmüde eilte, von furchtbaren Schmerzen gequält, auf die Rettungswache, wo er verbunden und tnö städtische Krankenhaus gebracht wurde. ^ie irei Kugeln sind in die rechte Schläfeugegend emgedrungen und sitzen im Kopf fest. DaS Mädchen ift nur leicht verletzt. Eine Kugel ist ihr in den Unterkiefer gedrungen, die zweite ist fehlgegangen. Prott giebt an, er habe bat Mädchen töten wollen, da sie ihn schon vier Jahre lang hmhalte. er habe zum 'Utilitär einrücken sollen und wolle daS Leben so nicht länger ertragen. Am Frcstag mittag wurde Groß- feuer vom Opecuplatz gemeldet. Im ^l. Goar,chen Hause war durch eint Ezploston cm Automobil tu Brand