Ausgabe 
27.8.1904 Erstes Blatt
 
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mtyTtrt err mr6t3mfTrt)*cf)tnrrnnmcn Akademie von Perugia, dt^rrmnitylieb mehrerer ärztlicher Vereine.

Am 13. Juli 1899 wurde ihm das Komturkreuz U. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verlieben.

25 Jahre also hat Geheimerat siegel der Gießener Uni* persitüt angehört. Am 18. Mai d. I. konnte er sein silbernes Vroseffvrenjudtläum begehen, und dieser Tag brachte ihm mannigfache Auszeichnungen, Ehrungen und verschiedene Feierlichkeiten, deren eindrucksvoller Verlauf heute noch in aller Teilnehmer Gedächtnis ist. Se. Kgl. HoH. her Groß* herzog verlieh ihm die Krone zum KomtHurkreuz 2. Klasie des VHÜippSordenS.

Damals widmete dem Jubilar Dr. Georg Honigmann fn Wiesbaden einen längeren Aufsatz in der .Münch, med. Wochenschrift*, dem wir heute folgendes entnehmen:

Als Riegel nach Gießen kam, befanden sich die Ver* hältmffe deS klinischen Unterrichts in traurigster Verfasiung. Wenn man heute die wunderschönen neuen klinischen Anstalten sieht, so kann man daraus ermeßen, welche unermüdliche, unverdrossene Arbeit, Energie und Ausdauer Riegel auf* wenden mußte, um auS einem Zustand kümmerlichster Un* zulänglichkeit sich zu modernen UnterrichtSanstalten empor- zickämpfen. Hauptsächlich ist seinem Betreiben die ganze Umgestaltung der klinischen Bauten in Gießen zu verdanken. 11 Jahre nach seiner Berufung wurde die neue medizinische Älmif eingeroeiht; seitdem sind noch eine Reihe anderer In* fnhite teils entstanden, teils tm Bau, so daß Heute Gießen üch modernster medizinischer Institute rühmen kann.

AuS der reichen Anzahl seiner Arbeiten und derjenigen seiner Schüler, die unter seinem Einflüsse entstanden sind, läßt sich die große Vielseitigkeit seiner wisienschastlichen In- terefien ersehen. ES gibt wohl wenige Gebiete der klinischen Medizin, die ihm nicht fruchtbare Untersuchungen verdanken. Sie alle aufzuzählen und ihre Ergebnisse zu berichten, ist hier nicht der Ort, wohl aber verlohnt eS sich, den gemeinsamen Zug hier aufzusucheu, her sie fast alle miteinander verbindet. In chm liegt auch dre Bedeutung Riegels für den Fort­schritt der mnertn Medizin. Der leitende Gedanke, her bei ihm stets der Betrachtung pathologischer Verhältnisse zugrunde liegt ist daS Aufsuchen der physiologischen Störung. Ohne den Wert deS pathologisch-anatomischen Befundes zu gering einzuschätzen, ist er doch davon durchdrungen, daß wenigstens der jetzige Stand ihrer Leistung in der Mehrzahl her Erscheinungen uns nicht das vollkommene Beichrändnis für das klinische Rraitfbeitäbilb zu erwecken txnnraq: dies wissenschaftlich zu durchdringen ist vielmehr dem Studium der pv biologischen Störung, der patho­logischen Funktion gegeben. Die^ Richtung läßt sich mrbt nur aus seinen direkt erperimen teilen Arbeiten, sondern ebenso aus fernen zahlreichen nein klinischen Untersuchungen leicht erkennen. Darum sind auch die Gebiete von Anfang an das Lieblingsfeld seiner Arbeiten gewesen, in denen sich das Studium bei gestörten Funktion von selbst als Grundlage des Loankheitsbildes ergibt Es war dabei chavakteristisch für seine Arbeitsweise, daß er, einmal aus eine Frage gestoßen, die ihm besonderen Interesses wert schien, nun mit unermüdlichem Fleiß der Sache von allen Seite« zu Leibe ging, bis sie ihm die gewünschte Klarheit M haben schien. Auf diese Weife bedeuteten alle diese Arbeiten wesentliche Fortschritte in der Erkenntnis patho­logischer Vorgänge. Aus den letzten Jahren stammt sein jetzt bereits in zweiter Auflage erscheinendes Lehrbuch der Magenkrankheiten.^

Ebenso wie in seinen Beröfsentlichungen, die ihm auch bei dem größeren ärztlichen Publikum eine große Popu­larität verschafft haben, zeichnet sich Riegel auch in seinen Vorlesungen als klinischer Lehrer durch die klare, verstandniserweckcnde Darstellung aus, die aus kompli­zierten pathologischen Verhältnissen das für den Arzt Wichtigste herauszuschaleu wußte. In gleicher Weise hat er. seinen Schülern den wichttgslen Grundstein ärztlicher Tätigkeit, die systematische, voraussetzungslose Kvanken- tntersuchung bei.zubringen gewußt. So haben seine Schüler oohl alle ohne Ausnahme bei ihm ebensogut klinisch unter* hüben, wie klinisch-physiologisch denken gelernt. Die von Jahr zu Jahr sich mehrende Gießener Medizinerschast ver­ehrte in ihm einen verständnisvollen, wohlwollenden Lehrer.

Indem wir zum Schluß noch seiner umfassenden ärzt­lichen Tätigkeit gedenken, die er am klinischen Kran­kenbett, in der Sprechstunde und als konsultierender Be­rater einer großen Zahl von Aerzten mit großer Hin­gabe oblag, und die ihm die warme Dankbarkeit einer aus den weitesten verschiedensten Kreisen sich zusammen­setzenden Klientel erwarben, so haben wir das Bild des anspruchslosen, rastlos arbeitsamen Mannes, der in selbst­losem, redlichen Streben nach Wahrheit nichts besseres kannte, als in seinem Berufe als Gelehrter, als Lehrer unb Arzt völlig auszugehen.

Seit dem Jahre 1874 war Riegel verheiratet. Die kurze Ruhe, die ihm seine Arbeit gönnte, gehörte allein seiner Familie. In diesem schönen Familienkreis, in seinem reizenden Heim, das der feinsinnige Geschmack seiner liebenswürdigen, kunstliebenden Gattin ihm geschaffen, haben die zahlreichen Freunde und Assistenten RieaelS Jahr für Jahr schöne, behagliche und anregende Stunden verlebt.

Sie alle gedenken jetzt in aufrichtiger Trauer und herbem Schmerze deS verehrten ManneS. Sie werden den Toten nicht vergessen.

Die Beerdigung ftndet hier am Dienstag vormittag 11 Uhr aus dem neuen Friedhöfe statt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 27. August 1904.

Don derLandeS-Universität. Wie wir hören, 4at Professor Dr. Hermann Kassel, RegierungSrat und Mitglied beS Kaiserlichen Gesundheitsamts zu Berlin, einen «Ruf als Nachfolger GasskyS an die Landes-Universität erhallen und angenommen.

Die Promenadenmusik morgen vormittag um 11,80 Uhr <Süd-Anlage, hat folgendes Programm: 1. Ar­mee-Marsch Nr. 9, 2. Blumenwalzer von Tschaikowsky, 8. Abendlied von Schumann, 4. Ouvertüre zumCarncval roounn* von Berlioz.

- Zahlreiche Kirchweihfeste werden morgen in Mmmtlelbarer Nähe unserer Stadt abgehalten, z. B. in SU ein* Linde», Lollar, Graßen-Buseck, Staufenberg, fern«: m Ockstadt »ob Schwachem, bei Friedberg.

-j- Krofdorf, 26. Äug. großen Leidwesen für Eltern und Schüler war die vow Landrat im Einverständnis mit dem Kreisschulinspektor getroffene Ferienordnung, wonach in sämtlichen Schulen unseres Bezirks (außer Halbtags* schulen) her gesamte Unterricht zwischen hon Heu- und Herbst* cricn auf den Vormittag verlegt werden kann, von nur kurzer Dauer, indem mit hem gestrigen Tage wieher überall her Nachmittagsunterricht ausgenommen roorben ist. Somit ist auch hie unter dem 15. Mai vom Gesamt-Schulvorstand ge­troffene Bestimmung, den Nachmittagsunterricht im August, als dem Erntemonat, ganz ausfallen zu lassen, wieder hin* ällig geworden. ES ist unerklärlich, auS welchen Gründen die Kgl. Regierung zu Koblenz diese Abänderung getroffen bat, zumal aus Grund bc5 Ministerialerlasses vom 19. März er. ür sämtliche Schulen biese Neuerung erlaubt war. Unter biefen Umständen wirb sicherlich bic bisherige Dreiteilung her Ferien wieher erwünscht, beim gcrabe bei her Frucht- unb Grummeternte können bie Kinher ihren Eltern gar manche Dienstleistung verrichten Helsen.

Homburg, 26. Aug. Se. Kgl. H. her Großherzog v on Hessen traf heute mittag mit Gefolge hier ein und nahm in Gesellschaft beS großbritannischen Botschafters auf der Kurterrasse baS Diner ein.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Pläne fflr bic EnveiternngS* unb Neubauten beS Bahnhofes unb ber BahnhofScrweiternngö- arbeiten ber Station Eurvc Strecke Frankfurt-WieSbaben haben bie lanbeSpolizeiliche Genehmigung erhalten. In Darmstadt hat sich auf Anregung ber Abteilung her Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur ein Ausschuß für DolkSvortragSkurse fonftituert ber sich auS Vertretern beS GewcrkfchaftSkattcllS, ber christlichen Gewerkschaften u. a. zusammensetzt. Die Kurse sollen Mitte Oktober beginnen. In WormS c n t g I c i fte her abenbS 10.35 hier fällige Zug 588 gestern abenb kurz vor ber Station Bürstabt, Der Matcrialschaben ist ziemlich bedeutenb, Verletzungen sollen nicht vorgekommen sein. Ein von hier beorbericr HilsSzug brachte bie Passagiere gegen l/t12 Uhr nach WormS.Ein in Singen bebienfteter HauSbnrsche auS her Schweiz setzte einen uralten Witz berart in bie Tat um, baß er in einem Schuhwarengeschäft fünf linke Schuhe holte. In einem gleichen Geschäft holte er bic rechten Stüber bazu. Er ging unb warb nicht mehr gesehen. Jetzt gehört er zu bengesuchten* Ser* önlichkeiten beS PolizeiamtS Singen. Ein von Bad Nauheim auS wegen bcbcutcnbcn SctnigS verfolgter AnS- länber würbe in Singen sestgenommen. In Hungen ließ einem jungen Manne ein Unfall zu, ber sich mit bem Reinigen von abgeschoffenen Patronenhülsen beschäftigte. Eine Patrone explodierte und verletzte ben jungen Mann an Hanb unb Arm erheblich, so­daß ärztliche Hilfe erforderlich war. In Erz­hausen bei Darmstadt wurden bei der Gerneinde- ratSwahl die beiden sozialdemokratischen Kan­didaten mit 146, bezw. 114 von 206 abgegebenen Stimmen gewählt. Die Sozialdemokraten haben jetzt im dortigen Ge* meinderat 6 Sitze.

verniischteA.

Oberhausen, 26. Aug. Gestern sand auf der Oster* elder Sttaße ein Zusammenstoß zwischen einem mit fünf Personen besetzten Automobil und einem schweren auS Esten komnrcnden W a g e n statt. Der Chauffeur wurde schwer, die übrigen vier Personen leichter verletzt. DaS Automobil wurde vollständig zertrümmert.

Greifswald, 26. Aug. Ein Arbeiter wurde durch daS Automobil des Rittergutsbesitzers von Sprenger überfahren unb getötet

Antwerpen, 26. Aug Aus sjobofen hier ringetrvffme Petroleumtanks stehen in Flammen. Dichter Rauch verhüllt die Stadt. weht Südw. .noind Der Brand ist durch Ervlofion von Reservoirs unter dem Druck von Petrolenm- gafen cntfianbai. Das Pettoleum lief aus und entzündete sich an ."inre rn der Nähe br brennende Menge auf 100 000 Kubikmeter. Das Perroleum arhört ruffischen Gesellschaften. Später ergriff das Feuer auch Danks der amerikaMchen etanbarb Oil Company. Der starke, gegen die Schelde hin wehende Wind begünstigt das Feuer, doch besteht keine Gefahr für die Quais von AnNverpen. Die in der Nähe estgemachten Schiffe verlassen icbod) ihre Liegeplätze. Die FnlCr- wehr, unterstützt von Soldaten, bemüht sich, das Feuer aus seinen .Herd zu beschränken. Bis jetzt verbrannten von der Standard £tl Company 160 000 Barrels, von der rufüfdyen Gesellschaft Eiste 120 000 Barrels. Beim Ausbruch des Brandes waren 80 Ar­beiter in Tätigkeit Bier Arbeiter erlitten schwere Verletz­ungen Die Anstrengungen der Feilerwehr beschränken sich aus den Schutz der benachbarten Gebäude. Von 40 Petroleumbe* hältern stehen <38 in Flammen. Das Uebcrgreifen des Feuers auf die beiden übrigen Schalter wird ieden Angcnbllck ermattet. Der Schaden wird auf mehrere Millio neu geschätzt, ist aber durch Versicherung gedeckt. Der Brand dauert in ungrschtvach. ter Stärke fort. Die Hitze ist so groß, daß dasStraßenplaster auf 2 5 Meter Entfernung glüht. Mehreren Arbeitern gelang es, sich tm Petroleum schwimmend $u retten. Tic Zahl derTot en wirb auf sieben angegeben. Das Gterüdjt läuft um, daß au herbem eine Frau mit ihr en--Wei Kindern sowie zwei weitere Arbeite r einer benachbarten Fabrik ver­brannt sind. Etwa 80 Millionen Liter Pettoleum stehen in Flammen. , Außer englischen Versicberiingsgesellschaftcn werden sich auch deutsche in den Schaden zu teilen l-aben. Das Feuer dürfte einige Tage anhaltm.

Roosevelt unb bie deutschcnStubentcn. Die zu ben in St. Louis abzuhaltenben olympischen Spielen ein getroffenen beutschen Stubenten erhielten eine Einlabung von Roosevelt zu privater Vorführung einer regel­rechten natürlich unblutigen Stubenten-Mensur.

Cholera. Nach Melbungen ans Teheran richtet bic Cholera in Persien furchtbare Verheerungen an. lieber 200 000 Personen sollen ihr bereits znm Opfer gefallen sein, bavon in Teheran allein 30 000. Alle Zeitungen in Teheran mußten ihr Erscheinen einstellen.

* FolgcnbeS Schulerlebnis berichtet ein babischer Lehrer in berWürzb. N. Bayer. LanbeSztg.E:

Vom Sünbenfall hab ich erzählt!

Wie dort die Menfchen schwer gefehlt! Was Adam und fein Weib verbrochen, Ward lange unb genug besprochen. Zum Sdüuß erzählt es schön imb wahr Klein Else in dem Lockenhaar.

Schon steht Fran (h)n an dem Bcmm Und gibt der Sund' im Herzen Raum. Vom Anschau'n ist nid)t weit zur Tat Ties Else so geschildert hat:

Die Schlange hat da- Weib versucht, «S ,e p t r die verbotene Frucht"

Nicht recht gefällt der Else da«!

Ml ein, mein Kind, man sagt bod) a h !#M Nicht« half mein Mahnen und mein Dräuen;

Ta8c ß t e" sagt sie stet« oon neuem.

So folg' doch jetzt, sag'" geschwindt!"" Errötend läßt da« liebe Kind

Nun zögernd bann ba« Wort vom Stapel: Unb Eva, ba« A a «, ba«c ß t e ben Appel."

Landwirtschaft.

Saatgutbau und Saatgutverkauf unter Kon­trolle. ^Neuerdings hat der Hessjfchc Lanbwirtfd^aftsrat eine Ein­richtung getroffen, bic Beachtung verdient. Bekanntlich sind nur sehr iwiiigc Landwirte in der Sortenkenntnis unb im Bezug von Saatgut so erfahren, baß sie sich beim Bezng darüber vcr- gctvissern können, ob das bezogene Saatgut tatsächlick> von der gewünschten Sorte ober Züchtung ist, ob bn9 betresfende Saatgut überhaupt sortenrein, ob es, wie angckünbigt, Originalsaatgut oder langjähriger Nad'bau ist. Selbst ein Teil der Saatgutvcr- käuser ist Inerfiber erfahrungsgemäß nicht sicher: er verkauft häufig verkrenztes, auSgcattctes und unreines Saatgut, lvenn er auch selbst d.'s guten Glaubens ist, erste Qualität verkauft zu haben. Der Landwirt aber erhält für teures Geld minder- wettiges Saatgut, unb entdeckt den Schaden erst bann, wenn er zum Erntm kommt, und es natürlich zu spät ist. Um diesem Mißstand ab?,«helfen, hat der Dessisd>c Landwirtsd^astsrät Saat- baustellen errid-tet, b. h. ben Saatgntbau unb bat Saatgut­verkauf bestimmter Gntsbctriebe unter seine Neberwachung ge­nommen. Diese Saatbaustellen bauen daS zur Saatgntgewinn- ung bestimmte Gctteide unter einheitlichen sttengen Sebingungen: ihre Felber n-erden allfährsich vor ber Ernte bestätigt, unb dabei nur diejenigen Mir Saatgutt^rstellnng unb zum spateren Saat* gutverkauf ^gelassen iangekört', welche den Körbedingnngac ent­sprechen. Von ben gekötten Saaten nimmt der Landwirtsck^afts- rat Verkaufsmuster unb Proben in Derwah^nng, welck^ zur Kontrolle bienen. Ferner vermittelt er tm Verkauf von Saat­gut ans diesen Saatbaustellen und verpflichtet i'id) bie orbnung«- gemäße Lieferung zu fibmixrrhcn, sowie eventuelle Beschwerben zu verfolgen. Für den Herbstbedarf stel-cn bereits verschiedene Weizen- und Rvggensotten zum Verkauf. Anfragen und Bestell­ungen sind an ben Hessischen Landwirtscl-aftsrat in Darmstadt, Bismarckstraße 78, zu richten.

DerSaatcnstandfür dasdeutscheReich war Mitte August: Winterweizen 2,6 (gegen 2,7 im August 1903), Som­merweizen 2,9 gegen 2,6, Winterroggen 2,5 gegen 2,4, Som- nterrvgcn 2,8 gegen 2,5, Sommergerste 2,8 gegen 2 5, Hafer 3,1 gegen 2,5, Kartoffeln 3,4 gegen 2,5, Klee 4,0 gegen 2,6, Lu­zerne 3,6 gegen 2,7, Wiesen 3,9 gegen 2,4. Hierbei bedeutet 1 sein gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering. Hierzu wird bemerkt, daß die bereits im Vormonat beklagte große Trockenheit unb ungewöhnliche Hitze, die auch von Mitte Juli bis Mitte August fort bauerte, bem Pflanzen- wach s t u m ungemein schadete. Der im Anfang der zweiten Augustwoche gefallene Regen brachte etwas Er­holung: meist genügten aber die kurzen Niederscki-läge nicht zur nrnügenim Durchfeuchtung des verhärteten Bodens. An Schäd­lingen tverben Rost unb Mäuse erwähnt. Tie Besckxistcnheit der Winter nngsernte unrd allgemein als gut bezeichnet, iriihrcnb die Menge, sowohl in Körnern wie im Stroh, meist zu tvüntdxm übrig läßt. Der Erttag des Sommergetreides e n t f p r i d) t nicht den gehegten Erwartungen^ häufig trat 9Z o t r c i f e ein. Ter im Vormonat ziemlich gute Stand der Kartossein hat sich infolge her Türre und Hitze so ver- khlcchtert, daß er jetzt als unter Mittel angesprochcn wird. Ev bedarf baldigen, burdärringenden Regens, um bic viclfad) bcfüTdrtetc Mißernte sernzuhalten. Klee, Luzerne sind, mit weni* gen Ausnahmen, nur spärlich oder gar nicht nacbgenxidnen. Auf vielen Feldern ist 'aus einem zweiten Sdmitt überhaupt nicht mehr zu rechnen. Arich die Wiesen haben unter der Dürre sehr ge­litten: daS Ausselten ist mrist ttostlos.

Handel und Verkehr. Votkswirlschast.

Ccft Kredit . Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß .

201.60

221.62

142.87

208.70

217.10

worden.

Grünberg, 25. Au, markt zeigte einen au

. 222.00

. 143.25

. 209.10

. 217.00

Märkte. ____

g. Der heute abgehaltenc Vieh- ißerordcnllid) starken Auftri'b vvn

Harpener Bergbau Tendenz: schwächer.

Folgen derTrockenheit. Welch enormer Schaden durch die überaus langanlraltende konstante Trockenheit angcridrict ivurde, ist kaum zu errneffen. Am entsdyedensten gelitten haben in Enropa die Staaten Rumänien, Ungarn und Serbien und von dießrn iricbcntm am meisten Rumänien. Der Ausfall an Mais beträgt allein 130 Mill. Mk Bei her ungarischen Weizenernte stellt sich daS Minbererträgni« auf 12 Mill. Meterzentner. Wird ber Meterzentner mit 10 Kronen gerechnet, so ergibt sich auch hier ein Verlust von 120 Mill. Kr.: aber auch Roggen, Gerste, Hafer und MaiS haben infolge ber Trockenheit ein große« --in* dererttägnis gebrad't und ber Ausfall, den die ungarische Lnep- zudä erlitten, ist ttod) garnicht abzuscl)cft»en. Ter Gctanmeiwrm Ungarns dürfte sich 'schlecht gcredmet auf 2 Milliarden Kr. be­laufen. Die Gesamtverluste, die ganz Europa,, .vornehmltch die südöstlichen Teile, erleiden, werden mit 5 Milliarden Mark als tridrt zu hoch veranschlagt bezeichnet. Ei" anderer Umstand nt noch zu beadden. .Die Organisation des Weltmarktes tl derart, daß jede Towne überschüssigen Weizens, die sich m per Welt ve- finbet, mit Leichtigkeit auf denicnigen Matz zu btrtgteren tft, auf dem sie gebraucht ivirb. Indes wird es bod) em Unterschieb sein ob bie Millionen Tonnen von Getrerde, btc verzebtt werden, sich um 20 bis 30 Mark pro Tonne billiger ober teurer stellen. Wenn man ungefähr annimmt, daß 111 ^olt erne

Menge von nngefähr 300 Mill. Quattcrs Wcrzen in emem Jalwe verbraudtt wirb und ba« Quarter mir eine Preissteigerung von 10 Mk auf bem Weltmarkt erfahrt, so macht bas gleich bie kolossale Summe von 3500 Mill. Mk., die allein für dieses eine Srotaetreibc mehr auSzugeben sind, als in gewöhnlicher Zeit.

"N>ueS Hochofen werk. Ter Hessen Nassauische Hüttcn- Vcrein errichtet bei Sberscheld im Kreise Ttflcnburg ein neues Hod)oscnwerk, das bis anfangs nächsten Jahres fettiggestellt wer­den wirb unb int Frühjahr ben Betrieb aufnehmen bürste. Für die Ttortfiihrung der Sd)elbebahn fft mit ben Vorarbeiten begonnen

Schweinen, dem indessen ungenügende Nachfrage gegen Überstand, sodaß die Mare zum großen Teil unverkauft wieder abgefahren werden mußte: die nnsicneren Futteranssichten bceiufluhten die Kauflust augenscheinlich in ungünstiger Weise. Tic erzielten Preise waren 254550 Mark pro Paar: EinlegsckÄveine 601000 Mark. Auftrieb und Handel beim Rindvieh marcit unwesentlich

Berliner Börse vom 26. August 1004.

(Mitgeteilt von ber Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-DiSkont 2/e Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Aniv<>rsttäts-^ial8 richten.

Ministerialbirektor A l t h o 1 f in Berlin wurde von der Recht«- und stattSwissenschgftlick)en Fakultät ber Universität M ü n st c r zum Ehrenboktor ernannt.

Geh. Justizrat Pros. D. Heinrich De rn bürg, der bc- rühnitc ZivilrechtSlchrer ber Berliner Universität, ein ge­borener Mainzer, begeht heute (27. Ana.) daS 50 jährige Jubi­läum als Professor Temburg ist seit langer Zeit Mitglied des Herrcnlxinses. OberlandesgerichtSrat Geh. Instizrat Dr.

9llbcrt M offc ist zum ordentlichen Honorarprofessor an der juristisd)en Fakultät der Universität Königsberg ernannt ward"