Nr. 27S
Zweites Blatt
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigebialt für den Kreis Gießen
So möge denn auch bei nns in
Redaktion, Expedition u. Druckerei. Schusstr.^
Tei. Nr. 6L Letegr^Adr. r An-elg« Giepe»
154. Jahrgang
und nur einen Rivalen kennt. Tie Alten hatten eine Schröder- Devrient und eine Jennv Lind: wir haben eine Teresa Carreno! So möge denn auch bei nns in Gießen Teresa Carreno finden.
Erscheint vtgNch mit Nu-nahme bei Sonntags.
Die ^Gletzener LamllienblStter" werden dem ,9lnAeigei viermal wöchentlich betgelegt Der «heifilch» tanöwltr erschemi monatlich einmal.
Samstag 26. November 1904
aa RotattonSdruck und Verlag da Brühllchatz j Unwerf'lätsüruckerei. R. Lange. Gretz«.
Forderungen für das Heer.
Der Etat für das preuß. Militärkontiugent weist an Ein- ft ahm en nach im ordentlichen Etat 6 670 215 (weniger 21 760 Mark) für Rechnung der Bundesstaaten mit Ausschluß Bayerns, 416 324 (weniger 309180 Mk.) für Rechnung aller Bundesstaaten; im am '
Branntweinsteuer Mk. 117 478 000 (weniger Mk. 3 697 000), bie Cchaumweinsteuer wie im Vorjahre Mk. 4 581 000, die Brausteuer u. s. w. Mk. 29 521 000 ^weniger Mk. 29 000), bie Stempelabgaben - Einnahmen werben anaesetzt mit Mk.^36 424 000 (weniger Mk. 2 432 000).
Tie 6V» Millionen weniger als im Vorjahr an !e^rlD^fun?.fAait die Bundesstaaten ist ein für die Emzelstaaten höchst unerfreuliches Minus, aber eS war nach den Ausfallen bet der Brann tweinverbrau chsadg ab e nnb den Rcrchsuemvelabgaben zu erwarten.
Der Etat für die Osta si en-Expedition weist im ordentlichen Etat noch eine Einnnhme von Mk. 11 024 013 (weniger Mk. 1 317 041), im außerordentlichen Etat Mk. 57g 055 (mehr Mk. 21 945). Hier sind folgende Be- merkunqeu hervorzuheben: ^Die politischen Verhältnisie haben im Jahre 1904 eine Verringerung der BesatzungS- brigade nicht ermöglicht." Es wird danach also auch für 1905 keine Blenderung zu erwarten sein.
Aerzte und 30 Sanitätsmannschasten, sodann den Beamtenbedarf für das neue Garnisonlarnrett Wiek. Tie einmaligen Ausgaben des Ordinariums belaufen sich auf 111498 450 Mark (Plus 10 632 420 Mk.). T-dvon entfallen auf S ch i f f s b a u t e n 70 070 000 Mk. (Plus 835 000 Mark). Der Zuschuß des außerordentlichen Etats zu den Schisfsbaukosten betrögt 28070000 Mk (Minus 2 225 000 Mk.), da die außerordentlichen Einnahmen des Reiches 6 Proz-ent des Sckiifssbauwert-es der Flotte von 700 Millionen gleich 42 Millionen Mark zu decken hatten.
Im einzelnen werden verlangt: Schlußraten für die Linienschiffe „Preußen" und „Hessen", nachträglich Verstärkung der Schlußrate fiir den Umbau der Brandenburg- t'lasse (1 Million st dritte Raten für die Linienschiffe „Lothringen" und Schlußraten für die Kreuzer „Porck", „München", „Lübeck", zweite Raten für die Linienschiffe „£)" und „P" den großen Kreuzer „C", die kleinen Kreuzer „N", „Ersah Alexandria", „Ersaß Meteor". An Wer- mehrungs- und Ersatzbauten nach Maßgabe des Flottengesetzes erscheinen neu die ersten Raten für die Linienschiffe „Q" und „R", den großen Kreuzer „D", die llemen Kreuzer „Ersatz Wacht", „Ersatz Blitz", ein Aus- tandskanonenboot „C". Ferner werden gefordert: ein weiteres Hochseevermessungs-Spefialschiff, eine erste Rate für einen Minendampfer, dessen Bau durch die Er- ,ahrungen des russisch-japanischen Krieges nötig geworden. ist, ferner eine Schlußrate und eine neue erste Rate für T o r p e d o b o o t s d i v i s i o n e n , schließlich neue Posten von 11/2 Millionen Mark zu Versuchen zwecks Be- ichaffung von Unterseebooten.
Für artilleristische Armierungen werden gefordert Mk. 29 271000 (Plus 6 743000). 'Mit Rücksicht auf die Mehrkosten bet Stahlgeschosse sowie behufs Verstärkung der leichten Artillerie erhöht sich die Summe für die Armierung ber Linienschiffe künftig auf je Mk. 7 900 000, für bie großen Kreuzer auf je Mk. 1350 000. Auch bei den Torpedobooten wird eine Verstärkung der Eeschützarmierungen notwendig und zwar künftig auf je Mk. 770000 für eine Division. Die Verstärkung ber leichten Artillerie auf den schon vorhandenen oder im Bau begriffenen Schiffen ber Torpedoarmierungen erfordert weitere Mk. 3 000 000. Die Torpedoarmierungen beanspruchen Mk. 4460000 (Plus Mark 1 280 000). Es wird ein leistungsfähigererTorpedo- typ ein geführt, durch den sich die Anschlagfunnne für Torpedoarmierung erhöht. Die sonstigen einmaligen Ausgaben belaufen sich auf Mk. 7 377 450 (Plus Mk. 1452 480) und omii die gesamten einmaligenAuSgaben des ordent- lichen Etats nach Abrechnung des Zuschusses des außerordentlichen Etats auf Mk. 83 428 450 (Plus Mark 12 8?7 4 80). außerordentlichen Etat werden, einschließlich des Zuschusses für die einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats, Mk. 50117 000 (Plus Mk. 4 002 000) und ohne den Zuschuß Mk. 22 047 000 (Plus Mk. 6 227 000) gefordert.
Der Reichsschahamtsetat veranschlagt die Einnahmen auf Mk. 5 218 445 (mehr Mark 1 493 360), die fortdauernden Ausgaben auf Mk. 210 893 905 (weniger Mk. 2 485 504). Die Ue b erweis ungen an die Bundesstaaten werden angesetzt mit Mk. 189 335 000 (weniger Mk. 6 592 000). Beim allgemeinen Pensionsfonds berechnen sich di-Ausgaben aus Mk. 73 281 058 (mehr Mk. 2 339 939), auf den Reichs- invalidenfonds entfallen als Ausgaben Mk. 67 863 262 (mehr Wik. 4 741 863). Die Reichseinnahmen an Zöllen, Verbrauchssteuern und Aversen werden veranschlagt aus Mk. 857 281 740 (mehr Mk. 13 595 270). Die Zöllen ollen erbringen Mk. 512 282 000 (mehr Mk. 1 413 000), bie Tabaksteuer Mk. 11 109 000 (weniger Mk. 746 000), die Zuckersteuer Mk. 130000 000 (mehr Mk. 14 678 000), die Salzsteuer Mk. 52 282 000 (mehr Mk. 1 976 000), die
daß wir reif Hub für solch gewaltige Kunst? Niemand weiß, ob je der Tag iviebeneljrt, an dem jie hier gespielt--Niemand
versäume, sich dieses Ereignis aus eigener Anschauung zu fiebern! Noch in leinen spätesten Tagen lvirt> er daran eine uuauslöschliclM
und Ton erregt hatte. Tas Problem: höchste Krastentfaltung bei höchster Legerität ist durch jie gelöst. Keiner hat die volle Kugelung des Tones, keiner ein perlendes SAel von solch körniger Klarhnt, von solch h'nreißenbem Schmiß. Wohin man hört: immer eine prachtvolle Tongebung, ein blendendes Sr-ttl freier, gcläster und doch vom Willen gezähmter, gebändigter Kräfte. Ten kl inen gedrungenen Händen scheint alles ein müheloses Nichts. Kraftstrotzende Att, urgesnnder Losbruch elementarer Kräfte und doch nie ein Ringen und Quälen, ein Keuchen oder Stöhnen. Im freuet geschweißt sind alle Passagen und Skalen, klassisch ist ihr Oktavenspiel, von elfenbeinerner Klarheit die friorituren und alles .Kleinfingerwerk.
Mit solchem Rüstzeug verbandet sich ein herrlicher Stolz, ein fürstlich Geblüt von feuriger Rasse. Ihre ganze Technik, ihre ganze Musik ist bnrchflammt von einem leuchtenden Temperament, ihre Musik ist beherrscht vom bramaHfdfen Prinzip, ihr genügt nur das Große und Kühne, die monumentalen Bauwerke der Klavierkunst: sie verwert sich nicht im Tetail: dazu ist sie zu sehr Leben und Rhvthmus. Ter dramatische Instinkt für jegliche Steigerung sichert ihr die zündende Wirkung: sie weiß, daß es vor Höhepunkten und vor 9ibgrünben die Zügel straffer zu spannen gilt, daß man das dampfende Gespann zn?äckreißen muß. - Mit der Kraft aber ist immer die Grazie gepaart.
Tie sprühenden Blitzoklaven der bar Etüde von Chopin, das Schlickerstaecato im Trio des Militärmarsches von Schubert Taussig wissen davon zu sagen. Und bann ihre himmelstürmenbe Bravour in den Finalsätzen! Nur eine zähe Energie, eine geradezu tolle Ausdc>"er und technisckw Kunst wie die ihre vermag ein wirkliches „finifb' zu spielen. So erleben Chopins Polonaise in As und „ihr" Militärmarsch jene hinreißende Wirkung und grandiose Wucht! Was aus feurigem Hem en stießt, wissen die ehernen Hände knnkwoll zu schmwben. Und gut schmiedet sich's im freuet der Brust!
So war ihr Leben ein einziger Triumph, ein einziges gewaltiges Crescendo, das sei ihr Gewißheit, ihr, die keine Rivalin
Marineforderungen-
Der Vergleich des Etatsansatzes der Marine für 1905 mit der Geldbedarfsrechnung zum frlottengesetze ergibt 238,4 gegen 222,8 Millionen, also 15,6 Millionen mehr. Dagegen betragen die tatsächlichen Ausgaben bezw. Etatsansätze 1900 bis 1905 1070,1 Millionen'gegen 1070,6 Mill, ber bezeichneten Geldbedarfsrechnung, mithin 0,5 Mill, fertiger. Ter Marineetat weist 589 927 Mark ordentliche und oOO 000 Mark außerordentliche Einnahmen auf. Tie fortdauernden Ausgaben des ordentlichen Etats belaufen sich einschließlich Kiautschous auf 105 260 755 Mk. (Plus 5 950 246 Mk.), ohne Kiautschou auf 105164390 Mk. (Plchs 5 943 904 Mk.). Die Konstruktionsabteilung des Reichsmarineamts wird in ein Departement umgewandelt. Die Vermehrung des frlottenpersonals beträgt, wie in den Vorjahren, etwa ein Viertel mehr als die in der Begründung des Flottengesetzes ermittelte Durchschnittsquote. Neugefordert werden hundert Seeoffizierstellen. Damir bleibt der Bestand noch um 56 Köpfe hinter dem Bedarf zurück. Ferner treten hinzu: 20 Marineingenieure, 2 Marineinfanterieoffiziere, 2108 Deckoffiz-iere, Unteroffi- giere und Mannschaften bei den Matrosen und Werft- divlsionen sowie den Torpedoabteilungen, 97 bei den Matrosenartillerieabteilungen, außerdem 300 für die Bild- ung einer besonderen Minenkompagnie, ferner 11
Aus Dem neuen BeichsyausSaltsetat.
Tie soeben von der „Nordd. ANg. 3tg." veröffentlichien HuSjune ans dem Reichshanshaltsetat fiir 1905 enthalten feine Neuerungen von großem Belang.
Die für den außerordentlichen Etat vorgesehenen Ausgaben belaufen sich auf Mk. 12 659 605 '(weniger Mk. 104 442), hiervon entfallen auf die Neichsheer- verwaltung Mk. 11 414 111 (mehr Mk. 169 064), die Marineverwaltung Mk. 990 000 (mehr Mst 313000), Post- und Telegraph enverwa ltu ng Mk. 235 000 (weniger Mk. 7000), Reich samt des Innern Mk. 6000 (weniger Mk. 14000), Reichsschatzamt Mk. 14 494 (mehr Mk. 14 494). k J
Aer Aufjiand in Il'uisch-Südwekasrika.
Auf dem südlichen Kriegsschauplatz
hwrsckit nach 'ber „Kolonialztg." noch große Unklarheit über die Stellungnahme der meisten Hottentotten- Ü.a m m e. Wir wissen heute noch nicht, ob die Veldschvendra-er, dw Tseibschen, bie Bersebaer nnb Bondelzwarts sich den Aufständischen angeschlossen f^ben oder nicht. Es ist das ein Beweis für die Schwierigkeit der Verbindung und der lieber* mittefimg schwieriger Nachrichten in dem dünnbevölkerten Groß- Namalande, dess-n weite Grasstepven, Einöden und wilde Gebirge von jeher ein Torado für Buschklepper und allerlei lichtscheues Gesindel warep. Wenn mm einzelne Landstriche des Groß-Nama- landes schon in friedlichen Zeiten dauernd als „unficber" bekannt nnb verrufen waren — so z. B. die von den Khauas, den Gochas- Leuten und Veldschoendragem bewohnten, oder besser gesagt: durchstreiften" Gebiete — so wird jetzt, in Kriegszejten, gerade oc.e Verbindung ber Truppen untereinander und bie Srcgerung der Verkehrslinien, der Wagentransporte, Viehherden u. a. m. sich zu einer äußerst schweren 'n u f g a b e gestalten. Es wirb „höllisch" aufgepaßt werden müssen, um große Verluste zu vermeiden, denn ber Hottentott liebt bjnrhge Unternehmungen hinter der gegnerischer' Front über und scheut keine Anstrengung, keine Entfer- n u ng , we nn er von einem günstigen Coup Wind bekommen hat.^ Deohalb wird vor allem die Sicherung der wichtigsten Etappen- straße des Südens, der Linie Lüderitzbucht-Kubub-Keetmanshoop, viel Arbeit und viel Kräfte beanspruchen. Offen gehalten werden muß sie unter allen Umständen und mit allen Mitteln.
Der Kamps gegen die Herero im Sandfeld trirb im „Militär-Wochenbl." einer Besprechung unterzogen, bet mir folgendes entnehmen: Tie Gefechte, die Ende September unter ben ^igen des Generals v. Trotha stattfanben, brachten bie Gewißheit, daß der Widerstand des Feindes gebrochen war, ein überieten mit größeren Abteilungen im Sand- telbe aber unmöglich sei. Er beschloß, die Herero nicht aus dem Sandsilbe herauszulassen unb sie in diesem ber Bemich- timg preiszugebeu. -lamit wurde allerdings ber Standpunkt per- Injfcn, bet bei Beginn des Aufstandes veranlaßt hatte, die Abteilung v. Glaseuapp nach "der Ostarenze zu senden. Diese sollte die Herero daran hindern, mit ihrem Vieh über die Grenze N ftiehen; die Absperrung aber mußte sie hierzu zwingen. Tie Aeuderung des Knegsplanes ist dadurch begründet, daß es wich- ttb^ist, die Herero zu unterwerfen, als das Vieh zu retten; ,'?bald die Herero halb freiwillig, halb gezwungen in das Sand- reib gegangen waren, formte überhaupt nur so wenig Vieh übrig bleiben, daß der Gedanke an Erhaltung des Viehes zurücktreten mußte . . Wer nimlere Truppen im Oktober bei der Bildung des Absperrungsgürtels aus der Vogelperspektive hätte beobachten können, mußte bas langsame, scheinbar zwecklose Kreuz -und Quer-, Vor - und ZurÜ ckmarschieren, das zeitweise Zusammendrängen und Auseinander^ ziehen unerklärlich finbcit Drei Umstände be- bingten biefe scheinbare Unsicherheit: Tie gänzliche Unerforschtheit des vermulich wasser- und w e i b e l o s e u S a n d f e l d e s, die Unsicherheit über den Verbind , und wahren Zustand ber Hauptmasse des fremdes und die Schwierigkeit, Wasser und Verpflegung für die eigene Truppe unb ben Zusammenhang ihrer Operationen zu sichern. Aus den näheren Ausrubrungen über diese brei Erschwernisse ber Kriegführung führen
Teresa Carreno.
Wcnn^ eine Künstlerin von dem Range, der Größe unb Be- r küner Teresa Carreno untere Gießener Musikfreunde zu bmmjen sich ausckückt, so gebührt diesem Ereignis eine Würdigung Wett üb?r den Rahmen sonstiger musikalischn- fresttage unserer ksuten Stadt Gießen hinaus! Tteier Tag verdient wirklich.ein Ereignis $u Werben, nicht eines von jenen Eintagsereignisscn, heute geschehen, morgen vergessen, sondern eines von denen, do der Saü gilt, den Rudolf M. Breithaupt seiner Skizze über unsere KünAerin. vorausschickt: Ties ist daö sihönssi künstlerische Los auf Erben: Als E r i.(u e r u n g fortzuleben . . . .
Auf keinem Gebiete vielleicht hat sich ber Teutsche ben Weltmarkt in b°m Maße erobert, wie in Wissenschaften unb Kimsten: unb hier allen anderen Zweigen voran in ber Philosophie und in ber Musik. Tas ist eine herrliche Beziehung, die uns mit gerechtem Stolz aus unser Teutschtum blicken läßt. Wer zahlt bie Häupter, nennt bie Namen? Es lffeße Eulen nach Athen tragen, wollte man bas hier näher ausftihren. Auch eine Teresa Carreno trotz ihres Namens ist eine T-Lutsche — geworden. Unter- all den Pianisten unserer Zeit — es sind stolze Namcn darunter: D'Albert, Lammond, Ansorge, Vusonr, . Godowsky, Rosenthal u. a. — nimmt sie, eine Frau, vielleicht den ersten Rang em. Ein wenig subjektiv wirb solmes Urteil ja stets bleiben, ober wie ber Kaiser u.nter den beutschen Bundesfürsten nur Primus intet pares ist, so gebührt auch Teresa Carreno bicicr Rang unter den Königen unb Mitherrschern auf dem Klavier.
Hören wir einiges, was R. M. Breit Haupt, em scharfer, Relleicht ber schärfste .Kritiker Berlins über Teresa Carreno sagt: wir folgen seinen Ausführungen in ber „Musik, 3. ^ahrg., Heft 15, Mai 1904. t
Teresa Cgrreno hat nicht ihresglerchen. Als Kunftlerm lebet Zoll ein Genie, ein glücklicher Wurf ber Allmntter Natur, als Weib eine-Königin und Herrscherin! Ihre Technik ist nicht eine Technik, es ist bi c Technik, d. h. bie nur burcf) bas Instrument unb bie physischen Kräfte bedingte Naturtechnik. In der Ausnützung des Gewichtes bet ganzen Anschlagsmassen, bie in dm Tasten ruht, liegt ihr Geheimnis: daher bie schöne, große, plastische Tonform, bas machtvolle Bilden und Eutwicklen aus bt-rn Instrument heraus. Unb doch ist Teresa Carreno nicht eine bloße geniale Naturalistin, bas ist sie größtenteils, aber sie schuf unb bildete, formte und feilte, bis sie die (Einbeit zwischen Technik
Bayerns, 4id 5^4.(weniger 309180 Mk.) für Rechnung aller Bundesstaaten: im außerordentlichen Etat 1858547 Mk (weniger 2963383 Mk.). Die fortdauernden Ausgaben des ordentlichen Etats betragen 463 961397 Mk (mehr 12 845 841 Mk.), die einmaligen 25 026 920 W. (weniger 993 369 Mk.). Im außerordentlichen Etat werden 53589400 Mk. (mehr 32470700 Mk.) verlangt. Bei, den Mehransätzen des ordentlichen Etats machen sich vielfach^ die aus den Gesetzentwürfen betreffend die frri e den s pr äsen zstär?e und die Aend erun g der Wehrpflicht hervorgehenden Maßnahmen geltend. Es erscheinen für 1905 u, a. die Erfordernisse für zwei Bataillone Infanterie mit niedrigem Etat als dritte Bataillone bestehender Regimenter. Durch die dauernde frestlegung der zweijährigen Dienstzeit wird bei jedem Infanterieregiment ein zweiter Kammerunteroffizier, bei der Feld-Artillerie die Erhöhung des Pferde- Etats notwendig. Im außerordentlichen Etat werden zur Beschaffung von Handwaffen als erste Rate 9 Millionen Mark gefordert. Me Forderungen an neuen laufenden Bedür'fnissen aus 2lnlaß der Verstärkung des, Heeres und anläßlich der dauernden Festlegung der zweijährigen Dienstzeit. An N e u s o r m a t i o n e n erscheint am 1. November 1905 ein Kavallerie-Regiment mit niedrigem Etat unter Absetzung von zlrei Eskadrons Jäger zu Pferde. Die einmaligen Ausgaben betragen 3 430 941 Mk. (mehr 196972 Mk.). Im außerordentlichen Etat werden 6 649 735 Mk. (mehr 6 649 735 Mk.) gefordert. — Das Reichsmilitärgericht erfordert an fortwährenden Lkusgaben 527 229 Mk. (mehr 4532 Mk.), an einmaligen 232 800 Mk. (mehr 216 800 Mk.).
Erinnerung in sich tragen. Unb aus Erinnerungen webt sich schließlich ber Lebensabend! Tas Glück von der Minute auSae- schlagen bringt keine Ewigkeit zurück! -h.
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Mathilde s.
Aus Frankfurt kommt bie Trauerkunde, baß frrau Ma* tbilbe Weisienbach nach fm^r Krankheit aus dem Leben geschieden ist Erst vor einem Lustrum hatte sie nach mehr als breißig- ^^^LrL??^uthalt in Gießen ihren Wohnsitz nach ber Nachbarstabt am Marn verlegt. Obgleich sie nicht in Gießen geboren war, hat sie unsere Stadt als ihre zweite Heimat be- kraLtet und ihr mienvorteter Tod wirb in weiteren Kreisen aufs schmerzlichste empfunden n>erben. Tie Tochter eines G^ist^ lichen genoß sie ihren ersten Unterricht in ber Dorfschule, kam nach Bern, Ivo sie mit 16 Jahren ihr Lehrerinnenexamen aufs glänzendste bestand. Tm-auf war sie mehrere Jahre als Erzieherin m der Familie des Fürsten Qrloff im südlichen Rußland tätig, vervollkommnete ihre Ausbildung in London imb Paris unb kehrte bann nach Deutschland zurück, um in Darmstadt unter M ango I d s Leitung Gesangsstudien obznli-egen. Im Jahre 1867 war, es, baß sie m Gießen in ber Matthäns-Passion die Alt- partre lang, und zwar mit so ausgezeichnetem Erfolg, daß viel- ach iyr Wunsch rege wurde, bie jugendliche Konzertsängerin dauernd für Gleßen zii gewinnen. Hierzu bot sich Gelegenheit, da die Leitung der xr. Krumm schon höheren Töchterschule in andere Hände übergehen sollte und nunmehr Mathilde Weiffenbach "an- vertrant wurde. Als Pädagogin hat sie von 1868—.1874 hier gewirkt unb ihre zahlreichen Schülerinnen werden sich mit inniger Lon.barkeit ihrer anregenden und verständnisvollen Lehrerin erinnern. Als oberster Grundsatz in ifyrem erzieherischen Beruf galt ihr, was ein Weltweiser in bie Worte kleidet: „Tie wahre Bildung besteht, nicht in totem Wissen und leerem Gedächtnis- kram, sondern in lebendiger Entwicklung des C^emüts unb der urtellskraft des Verstandes". ??achdein Mathilde Weiffenbach von der Direktion der Töchterschule zurückgetreten war, widmete sie sich wieder mit Vorliebe ocr Musik nnb war als vortreffliche Altistin und Gesanglehrerin weitlnn geschätzt. Mer das Glück hatte, sich der Fr>-udsäiaft der seltenen frrau zu erfreuen, der wurde ihres edlen Cstr > . - > inne, ber nur in Aufopferung und Selbstlosigkeit fein Genägen sand denn über ihrem Talent Raub ihre erprobte, treue unb nxibre Gesinnung, Mft. B.


