Ausgabe 
26.9.1904 Zweites Blatt
 
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Spruch:29er frohen Mutes kommt mb tvillkvmnwn sein." Am Cirvgang

sen und den

öcnniidytci

Vorfälle benachrichtigt.

Kleine Mitteilune

der Gewerbe Müh'u"; der Sparkasse :ZinstragendGeld ist angenehm; Zins zahlend Geld ist unbequem; doch beides hier in einer Hand wirkt fruchtbar fur'n Gewerbestarrd; das Stübchen, wo die alten Gewerbevereinler chren Skat spielen: ,/ÄLends beim Schöppche hier auf 'em Treppche, so bis um Uhr eins, das is was sein's^ die Polizei: Tas Auge des Gesetzes wacht, drum lärmet nicht um Mitternacht." Schließlich die D r u ck e r e i :Was sich begibt in Ost und West, zu Land und Meer hier wird's gepreßt. Doch klug dünkt irtfe- der Zeitungsmann, der auch von manchem schweigen kann." Die sonstigen zahlreichen Sprüche al?, die mehr den Einheimischen verständlich sind, mögen unterbleiben. An dem Schulgebäude erhebt sich ein Auf­bau von mächtigen Fahnenmasten, mit Tannengrün ver­ziert, mit der Aufschrift: Ausstellung der Arbeiten. Das', ganze Schulhaus ist geschmackvoll mit dem hessischen Wappen und Tannengrün geziert. Im Schuthause selbst sind in 7 Sälen die Arbeiten ausgestellt, über die weiterer Bericht folgen wird. Die Stadt selbst ist reich geflaggt und dürste wieder reicher Besuch zu erwarten sein.

cf-rif-.'en Hochschule Wiener und Sonne wurde eröffnet durch einen ,,Gewerbeans- komponiert und dirigiert vonGe-

* Berlin, 25. Sept. Samstag nacht brannte das KulijsenhauS des Lessingtheaters nieder.

* Coblenz, 25. Sept. Hier ist eine Familie von vier

ntralstelle für die Gewerbe Regierungsrat esebulrat Meyer, Gewerberat Reuther, die

stellnngsmarsel Endres- Jabba.

Die Heneralversammlung des Laudesgewerbevereius.

W. Nidda, 24. Sept.

Ob<wmntsrichter Nöncheld-Mdda verfaßtes Gedicht go-t boten. Hierauf begrüßte Landtagsabgeordnetcr Erk nanrenS der Stadt die Gäste, besonders die Vertreter der Behörden. Er führte dabei aus, daß das Kteingerverbo viel Leid und Kampf durchzumachen hübe tm Kampf mit der Großindustrie und dem Großkapital; aber es dürfe deshalb nicht auf seinem Wege einhalten, Mühe und Kampf nicht scheuen, um gedechlichen Boden zu finden; alle 'Anstrengung der be­rufenen Faktoren müsse auf Hebung des Gewerbes gerichtet sein, dann erfülle sich das Dichterwort: Segen ist der Mühe Preis. Beim Rückblick auf das nunmehr 30jährige Bestehen des hiesigen (r^werbe-vereins Müsse man der Großh. Regier- nng für" die Bereitstellung und der Zentralstelle für die richtige Verwendung der Mittel herzlichen Dank sagen. Er schloß mit einem Hoch aus die Gäste. Das weitere musttd- lffche Programm brachte außer anderen Stücken die Ouver­türe zu Titus. Eine besondere Einlage bot ein Männer­chor mit dem von Oberamtsrichster Römheld-Nidda . ge­dichteten und von Earl Kern gesetzten Lied:Zu Hassias Preis." Das Lied wurde mit großer Begeisterung ausge­nommen. herrschte eine sehr animierte Stimmung, die sich noch steigerte, als Regierungsrat Noack seinen Dank für den Empfang aussprach in den Worten: Wir waren nochnie da"; jetzt find wir inNidda"; wir hoffen, man wird wünschen: Kommt wieder nach, Nidda. Es tvurde noch den verschiedenen Mtwirkerrden der gebührende Dank abge­stattet, und der Kommers nahm gegen 12 Uhr sein Ende.

Rechnung zu tragen geneigt sein, als er Maitasitsch eventuell durch Wiederaufnahme des Prozesses auf Grund neu ent­deckter Tatsachen zu seinem Recht verhelfen will. Wie es heißt, ist Gräfin Lonyay gegenwärtig über den ganzen Fall so genau informiert, daß sie in der Lage wäre, dem Kaiser neue Tatsachen vorzulegen. Zur Berufung des Prinzen Philipp von Koburg hatte sich der Kaiser nach einer Kon­ferenz mit einem der obersten Hofwürdenträger entschlossen, der zur Affäre infolge seiner Dienstfimktion Beziehungen hat und die Unhaltbarkeit des Koburgschen Standpunktes dar­getan hatte. Infolgedessen ist es auch nicht ausgeschlossen, daß der Monarch selbst eine wohl äußerst überraschende, aber gerechtfertigte Maßregel trifft, die allerdings eine scharfe Fronde gegen den Prinzen Philipp bedeuten würde. Diese Erwägung allein hat es vielleicht bisher verhindert, daß diese Verfügung^ schon getroffen wurde. Vor ihrer Abreise von Paris sandte Gräfin Lonyay folgendes Telegramm an ihren Schwager, den Prinzen Philipp von Koburg:Prin­zessin Luise ist nicht schwachsinniger als Sie. Ich bin empört und entrüstet über Ihr unrechtmäßiges Vorgehen gegen diese Unschuldige und werde alles tun, um ihre Ehre, die Sie ihr genommen haben, wieder­herzustellen. Das Telegramm übergab sie zwei Wiener Korre­spondenten zur Veröffentlichung. Der Gras und die Gräfin Lonyay trafen am Samstag in Wien ein. Eine Persönlich­keit, die mit dem Grafen Lonyay sprach, erklärte, das Tele­gramm sei tatsächlich unter dem Eindruck ihrer Wahrnehmungen abgesendet worden. Die Gräfin werde beim Kaiser für d> Prinzessin Luise eintreten.

Nachbarstaaten. AuS Mainz, 24. Sept., schreibt man: Nach den offiziellen Aufzeichnungen deS ftädtt- chen Konttolleurs über die Einnahmen und Ausgaben der Theaterdirektion (Steinert in der Saison 1903/04 erzielte Steinert, außer den Ergebniffen der Aufführungen in Worms und Bingen, einen Reingewinn von 22 82 6 Mark. Die Einnahmen betrugen 222 180 Mk. und die Ausgaben 199 354 Mk. Es ist also kein schlechtes Ge­schäft, Theaterdirektor in Mainz zu fein. Frl. Helene Schröder, eine junge Sängerin der Frankfurter Oper, ist plötzlich in einem Alter von 20 Jahren am Herzschlag gestorben. Frl. Schröder wohnte in einem Hause der Praun- heimersttaße neben den Wohnräumen des bekannten Schau­spielers Max Bayrhammer. Als am Samstag früh das Dienstmädchen vergeblich klopfte, ließ Bayrhammer durcht einen Schlosser die Tür öffnen. Helene Schröder wurde^ toe in ihrem Beite gefunden. In Ettingshausen stürzte der Landwitt Kühn in seiner Scheune von der Leiter in die Tenne und brach ein Bein.

Daß Herr Ruhstrat wahrend seines Urlaubes von bein Umfang der gegen ihn gerichteten Angriffe nichts erfahren hat, ist merkwürdig genug, da die gesamte deutsche Presse wiederholt darauf hingewiesen hat. Der Landtag wird jetzt erst die Ergebnisse des netten Prozesses abwarten müssen, ehe er zu der Angelegenheit Stellung nimmt.

DerResidenzbote" setzt übrigens trotz der Verhaftung feiner beiden leitenden Redakteure den Kampf gegen ben Minister Ruhstrat fort In seiner letzten Ausgabe teilt das Blatt mit, Btermann habe den Minister wegen Meineides bei der Staatsan waktscha ft an ge­zeigt und von dieser die Erhebung der Anklage auf vwurrv zuverlässiger Zeugenaussagen verlattgt.

lieber die Verhaftung Mernranns teilen dreNacyr. für Stadt und &rnb" in Oldenburg mit: Wegen der Schwere des Falles ttnirbc Fluchtverdacht angenommen und zotet* * mann, der km Begriffe stand, heute morgen mit ferner Familie nach Hamburg abzureisen, angeblich zu einern ^er* wandtenbesuche, verhaftet. Rach seinen letzten Aussagen sucht er den kommenden Ereignissen mit Ruhe entgegen'; er will für alle Behauptungen imanfichtbarc Zeugen haben. Biermann hatte sich bereits von hier ab- und nadu Bremen hin gemeldet. Er beabsichttgte, seinen Wvhnsch dorthin zu verlegen und fein Blatt dort herauszugeben, um damtt dort "bei Gericht zuständig zu sein und den hiesigen Ge­richten zu entgehen, was nach Beschränkung des ^genann­ten fliegenden Gerichtsstandes' der Presse mit der Vetleg- nng des Hevansgabeortes der Fall gewesen wäre.

komponiert und dirigiert vonGewerbelehrer l köpfen und ein bei der Familie in Stellung befindliches Der Willkommengruß wurde durch ein vonlDienstmädchen nach dem Genüsse giftiger Pilze schwer

der Grosst

Jtoarf, l

Profess o

erkrankt. An dem Aufkommen des Dienstmädchens wird gezweifelt.

Leipzig, 25. Sept. Gestern nachmittag erschwin­delte ein angeblicher Graf Wedel aus Braunschweigs mittels gefälschter amtlicher Urkunden bei einem Bankinstitut Wertpapiere in der Höhe von 24 000 Mk. Aus die Ergreifung deS Verschwundenen ist eine Belohnung von 1000 Mk. ausgesetzt^

Neapel, 25. Sept. Die Tätigkeit deS Vesuv nimmt; weiter fortgesetzt zu. Es werden durch starke Explosionen eurige Stoffmassen zu bedeutenden Höhen emporgeschleudett^ Beim oberen Bahnhof der Drahtseilbahn ist durch auS-> geworfene glühende Massen ein Vorrat von Holz in Brand geraten. Der oberste Bahnhof steht in Flammen. Aus dem Atrio del Cavallo wurde ein Steinblock von 18 Tonnen Gewicht geschleudert. Fortwährend fließen Lavaströme aus. Die Bevölkerung am Vesuv ist nihig.

* Bozen, 25. Sept. Der Prager Tourist Leopold Kehlhamimer ist von der Löffler spitze am Ahrntal 40 Meter tief ab gestürzt und sch-ver verletzt aufgefunden worden.

* Petersburg, 25. Sept. In Baku erkrankten an Cholera 19 Personen; 9 sind der Krankheit bereits zmn! Opfer gefallen.

* Newy ork, 24. Sept. Bei New-Market in Tennessee ließ ein von Knoxville nach Salisbury in Nord-Karolina abgegangener Personen zug mit einem anderen zusanr- men. Die Magen der beiden Züge, von denen der erstere tarf besetzt war, wurden zertrümmert. Man spricht von 50 To t en und 7 5 Verwundeten.

Herbert Bismarcks Fügen dr o man. Der Tod des Fürsten Herbert Bismarck weckt die Erinnerung an ein romantischiks Kapitel aus seinen früheren Mannes­jahren. Ende der siebziger Jahre gehörte zu den toncnv- gebenden und gefeiertfiieii Frauen des an weiblichen Schän>- heiten so reicherr Hofes Wilhelms L die Fürstin Elisa­beth zu Carolath-<De uthen, eine Schwester des Füisten Hatzfeldt. Das Palais ihres Gatten an der Ecke der Assen- und Msmarckstraße bildete eins der gesuchtesten Zentren der vomehrnen Berliner Geselligkeit. Aber hinter dieser glänzenden Mlßenscite barg sich viel häuslichies lln- gemacb; die Ehe der fürsttichen Ehegatten war keine glück­liche. Da lernte die an der Schwelle der Merziger stehende Fürstin den um zehn Jahre jüngeren Grafen Herbert Bis­marck, den ältesten Sohn des damals allmächtigen Kanz­lers, rennen. Kennen und lieben. Sie beschloß, die Scheid­ung von ihrem Gatten durchzuführen Scheidungen sind im Hause Hatzfeldt von jeher nichts Seltenes gewesen> um dem Grafen Herbert die Hand fürs Leben reichen zu können. Und um die Welt vor das fait aecompli dieses Ent­schlusses zu stellen, wählten die Liebenden das offerrkundigste Mittel: sie entflohen beide aus Berlin. Die Aufregung über diesen Mhtlen Schritt war in allen GesellschastskreiserH der Reichs Hauptstadt ganz ungeheuer in die Bismarcksche Familie schlug er mit der Gewalt einer Bombe ein. Der Zorn des Kanzlers soll, wie Zeugen jener Tage versichern, unbeschreiblich gewesen sein. Und als sein Sohn ihm nun von Italien aus das Geschehene sozusagen auch offiziell meldete und ihm seinen Willen erklärte, die entführte Fürstin zu ehelichen, verweigerte er hierzu nicht nur seine Einwilligung, sondern setzte alles in Bewegung^ um ihn zum Aufgeben seines Vorhabens zu bewegen. Lange wider­stand Graf Herbert, aber endlich gab er dem energischen Drängen des Vaters und den flehentlichen Mtten der Mutter nach Er trennte sich von der Fürstin. Diese hatte viele Jahve unter dem Zusammenbruch ihres erträumten Glucks schwer gelitten, bis sie die untere Ruhe wiedererlangte. Daß sie dem eisernen Kanzler, dem Zerstörer ihres Glückes, tttcht gerade freundliche Gefühle entgegenbrachte und hier­von, wenn sich die Gelegenheit bdt, auch kein Hehl Mächte, kann weiter nicht verwunderlich erscheinen. Sie lebt jetzt, teilweise gelähmt, in Venedig. Wie sie, bewahrte Graf Herbert Bismarck lange Zett ihrem kurzen Liebesrausche ein treues Gedenken, bis der Lauf der Zeit es wohl aus­löschte. Als er dann, viele Jahre spater, die jugendschöne Gräfin Margarete Hoyos als Frau heimgeführt hatte, ent­deckte diese, so erzählt man, einst in irgend einer .Rumpel­kammer ein Bild der unglücklichen Fürstin Elisabeth. Sie nahm es und ließ es in ihrem eigenen Zimmer aushängen, wo es jeder Besucher seitdem sehen konnte. Ein schöner Zug weiblicher Güte und Hochherzigkett.

Zur Angelegenheit der Prinzessin Luise von Ko bürg wird Über eine Audienz, die Prinz Philipp von Koburg angeblich beim Kaiser von Oesterreich hatte, gemeldet: Der Kaiser behandelte den Prinzen weit ungnädiger als seinerzeit die Prinzessin. Nach der Audienz^ sprach sich der Kaiser in dem Sinne auS, daß er als Offizier sich verpflichtet fühle, einem unschuldig Verurteilten feine Ehre wiederzugeben, und daran denke, Herrn Mattasiisch auf dem Wege der Abolition vollständig zu rehabilitieren. In der Umgebung deS Kaisers sollen jedoch Bedenken gegen einen solchen Vorgang erhoben worden sein mit der Begründung, daß eine Abolition eine Diskreditierung der Militärjustiz be­deuten würde. Der Kaiser soll diesen Bedenken insoweit

Gestern abend fand im großen Saale desGambrinus" für die bereits erschienenen Mitglieder des Landesgewerbe­vereins ein Begrüßungsabend statt. Eine zahlreiche Ver- samrntura Einheirniicker hatte sich> eingesunden; auch zahl­reiche ar -'- "irttge Gäste waren bereits anwesend, z. B. von

Die Vorbereitungen zn der Generalversannnlung des Landesgewerbevereins sind beendet und ist alles zum Em­pfang der Gaste aufs schönste hergerickttet. An dem Bahn­hof empfängt sie der Spruch.-29er frohen Mutes kommt herein, soll lieb hier und unllkommen sein." Am Eingang der Bahnhoflstraße erhebt sich eine mächtige Ehrenpforte, gebildet aus einem halb geöffneten Zirkel, deren Schenkel jeder 9 Meter lang sind und einem oben angebrachten -mächttgen Wttck^l, die Ztrkelführung enthält auf der Bahn- bofssette den Spruch:Seid willkonrmen tm gastlichen Nidda!" unb auf der Stadtsette den Spruch:Gott segne das ehrbare Hmidwerk". Das Ganze ist mit Dannengrün und Fahnen geschmackvoll drapiert. Etwas Ori girrelles, was wohl noch bei keiner derartigen Gelegenhett gemacht wor­den ist, sind die längs der Hauptsttaße an jedem Hanse, angebrachten, auf die Beschäftigung des Besitzers bezüglichen Sprüche nebst beigegebenen Mgnetten. So am Hanse eines Lehrers:'Ausübend lehre, nachahmend lerne." Ein photographisches Atelier schmückt folgender Reim: Gar herrlich ist die Kunst der Type, insonderheit für junge Liebe: wünschst Dir Dein holdes Konterfei, hübsch freundlich, bitte: eins, zwei, drei!" Nebenarr hat ehr Tierarzt folgende Widmung: ^Gar wohl geordnet ist der Staat, wo eifrig sorgend früh und spät die Wächter der Gesundheit sehn, selbst auf des Rindviehs Wvhlergehn." Einem Schuster wurde folgendes gegeben:Schuster sind was derb/ doch ehrlich und der Menschhett unentbehrlich, müssen auf dem Lauf stets halten, so die Jungen wie die Men." Einem Sattler: ^Sattlerzunft wttd fröhlich blühn. so lang sie darf vom Leder zieh'n und ohne Kriminal zu leiden, aus fremder Haut darf Riemen schneiden" Einem Spengler:Blech zu schmieden, bied're Kunst, Blech zu reden, Narrenkunst." Einem Barbier:Mein Geschäft ist ernst und nicht zum Spaßen; wer zu mir kommt, muß Haare lassen; nur den Kahlkopf und, das Milchgesicht kennt man in diesen Hallen nicht." Einem Schneider:Die Nadel ist nicht minder wert, als in der Schlacht ein schneidig Schwert." Einem Hntmacher: Und sei der Kopf auch noch fo hohl, ein seiner Hut steht doch ihm wohl" Einem Metzger:Manch Kälblein muß sein Dasein enden, um Atzung für das Fest zu spenden." Einer Modistin :Mode wechselt wie der Wind, ,,b e h u t'" Dich wohl mein schönes Kind." Das Forstamt hat folgende Ausschrift:Einst rannte mich im dunklen Tann am Jagdspieß mancher Eber an; jetzt sitz' ich hinterm Schreib­tisch hier und fang' die Sau mit Löschpapier." Einem Arzt wird zugerufen:Dottors Kunst verjüngt uns wieder, heilt Rheuma, Krampf und Gicht, repariert zerbrochfne Glieder, nur gebrochene Herzen nicht" und dem Apo­theker:Manch' würzig Säftlein braut man hier, doch sst's kein Wein und ist kein Bier; au cf); dreht man hier irrt Stillen ganz wirkungsvolle Pillen. Doch wer das Stöff- lein schlucken muß, für den sst's meist kein Hochgenuß." Einem Postboten:Ob heiß, ob naß, ob windig, den Postbot' schreckt es nicht; stets höflich, prorript und findig, tut"treu er seine Pflicht." Noch seien angeführt die 'Auf­schriften der Gewerbeschule:Kunst und Gewerke, des Volkes Stärke"; fener des Lokals des Gewerbevereins': Heimstatt bist Du ihm geworden, dem rastlos strebenden Verein; laß gastlich deine trauten Pforten ihm künftig auch geöffnet sein, auf daß er wirke taten kühn allzeit für

Aus Stadt und Land.

Gießen, 26. September.

- Vom letzten Manövertag des 18. Armee­korps. AltS Gießen, Butzbach, Lich, Grünberg, Hungen und den umliegenden Ortschaften wohnten große Menschenmengen dem Gefechte am Samstag bei. Wie in der vorhergehenden Nacht, hatte wieder von jeder Division eine Infanterie- Brigade Biwak, die 41. Brigade (87er und 88er) und die 49. Infanterie-Brigade (115er, 116er). Vorposten-Biwak hatten die Regimenter 115 und 87, daß zuerst genannte bei Bessingen-EttingShausen, letzteres bei Albach-BurkhardSfelden. Die 116er biwakierten am Heffenbrückerhammer bei Wetter- eld, die 88er bei Reiskirchen, beide als Vorpostengros. Nach dem Schluß der Manöver rückten die Infanterie-Regimenter nach den Bahnstattonen Gießen, Lich, Butzbach, Lang-Göns ab, um dott die Bahn zu besteigen. In etwa 30 Extta- zügen wurden die Truppen über Sranffurt in die Garnisonen befördert, während die llavallerie und Attillerie über Fried­berg, Frankfurt, Homburg heimmarschierte. In Gießen wurden am SamStag abend die Regimenter Nr. 87, 88, 80 und 81, das Pionierbataillon Nr. 21, die Festungsartillerie Nr. 3, die Unteroffizierschule Biebrich und die Koblenzer Telegraphenabteilung m neun Extrazügen verladen; der letzte ging mit den 81em um 9.30 Uhr ab. Mit Aus­nahme der 81er, die in mehreren Wirtschaftssalen aßen, wurden die Truppenteile in einer eigen« erbauten großen Feldküche nahe dem Bahnhofe gespeist. In acht großen Refietn bereitete man die Speisen zu. Die Lagerplätze der zirka 5000 Mann an der Klmikstraße und ^Schönen Aussicht^ waren von Tausenden von Menschen besucht, besonders in­teressant war das .Löffelbegraben" der Reserve- lente. Die schönen Weisen der Militärkapellen wechselten mit dem Gesang der Reservelieder. Eine solche Menschen- maffe auS nah und fern, ein solche« Treiben hatte man seit Jahren nicht gesehen, viele Burean«, Geschäftsräume, Fab­riken waren geschlossen und auf den Baustellen wurde die Arbeit eingestellt. Die 115er, 117er, 118er, 168er wurden in Lang-GönS, Lich, Butzbach verladen. Um 1 Uhr traf daS hiesige Regiment in den Kasernen em; die drei Bataillon«- sahnen wurden mit klingendem Spiel nach der Wohnung de« Regimentskommandeurs gebracht. Die Manöver find beendet und »Reserve hat Ruh^. Die Infanterie-Reserve wird heute, die Kavallerie- und Artillerie-Reserve am 30. September ent­lassen. Die Reservisten des 116. Regiments wurden heute früh V28 Uhr unter Borantritt der Regiments-Kapelle nach dem Bahnhof geleitet.

§ Herchenhain, 23. Sept. Gestern wurde zum Bürgermeister der Landwirt Heinrich Komp mit 65 Stimmen gewählt. Der langjährige Bürgermeister und Landtagsabg. Weidner, welcher 27 Jahre an der Spitze der Gemeinde stand, erhielt keine Stimmen. Der Wahlsieg wurde in den beiden Wirtschaften Adolph unb Reuning Wttv. tüchtig gefeiert. Dem Neugewählten wurde ein mächtiger Ehrenbaum gesetzt.

? Ober-Seemen, 23. Sept. Der Schottener Deka­natsbote wurde gestern rm Walde von einem Hcmdwerks- burfchen angefallen. Der Sttolch entriß ihm den Regen­schirm, schlug, als der Angegriffene sein Messer zog, mit einem dicken Knüppel ihm mehrmals auf die Hand rmd entfloh. Die Gendarmeriestation in Gedern wurde sofort von dem