Ausgabe 
26.9.1904 Zweites Blatt
 
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Zweites Btattt LS4. Jahrgang Montag Lir. September 1804

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags. V V

-------- ^tattontzdruck und Verlag der Brühl'schen

DieSiebener FamMenbiStter" werden dem g| MW || W |! feLr || J/rj q ß( Jr |j M kTUnwerftlätsdruckerel. R. Lange. Gießen.

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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

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Volttische Wochenschau.

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ffeirtc Prof. Löb mrf dem in ter* I t l. Kongreß in St. LouiS, b e r pv cst stell ung d c S Oe* or ihrer Geburt entdeckt.

War er nicht freigesprochen? hatten die Geschworenen nicht ihren Spruch aufNicht schuldig" abgegeben und hatte darauf hin nicht der Genchtshof ihn fteigesprochen?

Er lachte plötzlich hart auf.

wegen mangelnder Beweise seiner Scauld! Seine Unschuld hatte er nicht benx'isen können,

*^nnjnIt lnnc Schiild nicht beweisen konnte, und die Im Verteidigers hatte darauf die Geschworenen

zu demNicht schuldig bestimmt.

. Wr der Verdacht blieb auf ihm lasten der Verdacht, seinen Bruder ermordet zu haben, um sich dessen Reichtümer an- zuedgnen, bte blitzenden diamanten und Juwelen, die wie Blut "^^onden. .nubrncn, die in Himmelsbläue strahlenden Smaragden und grünlichen Saphire!

Mcm hatte nichts geftinden nicht einen Diamanten man einen der wertvollen Steine nichts nichts von dem cheTQtiim seines ermordeten Bruders hatte man bei ihm gefunden, " . -r?o"noch hatte man ihn angeklagt und hatte ihn fast ver- ur.eut und ihn nur freigesprochen, weil der Staatsanwalt keine genügenden Ben-csie finden konnte.

. i (iri) dem Freispruri) hatte er erleichtert aufgeatmet. Stolz erlwbenen Hauptes schritt er aus dem Gerichtsgebäude er frei,, er war unschuldig. ?lls sich aber seine früheren «freunde ulben von ilnn zurückzogen, als fick) ihm keine Hand ent* gegen Dreckte, kein Glückwunsch, als der seines kühl lmiielnden Verteidigei>8 ihn empfing, da legte es sich wie Zentnerlast auf Kin Sjyt# er war ja nur wegen mangelnder Beweise frei» gefprock^n, der Verbackt blieb aus ilnn lasten, das Kainszeichen des Brikdermordes leuckitete nach wie vor auf seiner Stirn.

(Fortsetzung folgt.)

Tie Affäre Ruhstrat.

Der oldenburqische Justizminister hat, wie schon gemeldet, gegen seine Angreifer im Residenzboten Strafantrag gestellt, und Redakteur Biermann, nach zehnmonatlicher Haft eben, erft aus dem Gefängnisse entlasten, ist wieder in Unter* suchungsbaft genommen. Redakteur Schweynert wurde sofort steckbrieflich verfolgt und ist alsbald in Erfurt ver* haftet worden. Einem Interviewer hat nun Ruhsttat auch die Gründe seiner Langmut angegeben. Er erklärte:

Als der Residenzbote Anfang August d. Js. feine schon im Marz ausgestellten verleumderischen Behauptungen, ich hätte vor Gericht und un Landtage die Unwahrheit gesagt, wiedecholte, habe ich geglaubt, diese Verleumdungen auch jetzt, wie im März, un­beachtet lasten zu können, denn ich habe ja im März in der Bier» mannfchen Privatklagesache vor Gericht erklären lassen, daß die ^edauptungen erilmden seien, und wie man mir damals in der ^estentlichkeit Glauben schenkte, meinte ich auch jetzt aus diesen Glauben bauen zu können; es war ja inzwischen gar nichts ge- schehen, was eine Aenderung der Auffassung hätte herbeiführen tonnen. Als ich dann aber am letzten Samstag abend von meinem längeren Urlaub nach Oldenburg zurückkehrte, erfuhr ich, welchen Umfang die Preßangriffe gegen mich genommen und wie sie es offenbar zu Wege gebracht hatten, die wirkliche öffentliche Mei- gestellt "9 3U verwirren. Ich habe darauf sofort Strafanttag

Nolttlsche Tagesschau.

Neber Herbert Bismarcks Krankheit

schreibt Harden in derZukunft:Im Juli wurde mir autz Homburg berichtet, Fürst Bismarck gebe durch unverhüllten Hochmut deutschen und fremden Kurgästen von Tag zu Tag mehr Aergernis. Für höflichen Gruß danke er mit grimmiger Miene, die deutlich zeige, wie lästig ihm solche Pflicht fet Ein deutsch-amerikanischer Millionär habe ihn artig ange­sprochen und daran erinnert, daß er, als Führer einer Deputation, die dem Vater eine silberne Riesenkanne übers Meer brachte, auch dem Sohne vorgestellt worden sei. Der Fürst habe eine Sekunde lang den Kopf gelüstet, halblaut gesagt: I do nt remember; und dem Manne den Rücken gekehrt. Da die Absicht angedeutet war, diesen Vorgang in die Presse zu bringen, antwortete ich, man dürfe dem tot- kranken Fürsten, dem jede Hochmutsregung fremd sei, die durch sein Leberleiden bewirkte grämliche Reizbarkeit nicht wie einem Gesunden nachtragen. Die Diagnose stand damals noch nicht fest. Herbert Bismarck hatte seit Jahren eine ab­norm große Leber; nun war er abgemagert und fühlte im Herzen und in den Verdauungsorganen wachsende Beschwerden. Anschoppung, Eirrhose, carcinoma hepatis: seine Tage waren gezählt. Schweningers ungeheuere Suggestivkrast riß ihn oft noch aus tiefem Brüten und gab ihm neue Hoffnung. Dann stand der Zusammengesunkene auf, plauderte und trank in behaglicher Stimmung, fuhr mit dem befreundeten Arzte durch den Sachsenwald und glaubte wieder, den Lenz noch einmal, noch manchmal ans seinen Buchen sprossen zu sehen. Mehr konnte kein Sterblicher für ihn tun; die Zerstörung war nicht aufzuhalten und seit Wochen gewiß, daß er den Septembermond nicht überleben werde. Der Arzt blieb, trotz­dem er selbst erkrankt war, in der Nähe des Leidenden, so lange er den faum noch erträglichen Schmerz zu lindern^ blieb rasch erreichbar, so lange er auf die Psyche zu wirken vermochte. Am 16. September begann ba§ Koma, in der Morgenfrühe dcS 18. starb der zweite Fürst Bismarck an Leberkrebs. Vier Tage nach der Weihnacht wäre er fünf* undfünfzig Jahre alt geworden."

DieHamb. Nachr." veröffentlichen folgende Dank» sagung der Fürstin Bismarck:

FriedrichSruh, den 24. September.

Wahrend der Krankheit und nach dem Tode meines geliebten. Mannes sind mir aus allen Kreifen unserer Freunde, von Ein»! zelnen und von Vereinen, von nah und fern so viele Beweise der! Teilnahme zugegangen, daß es mir leider unmöglich ist, jede Kund*« gebung besonders zu beantworten. Ich werde den Zeitungen banf-' bar sein, wenn sie durch die Aufnahme dieser Worte allen, die irr den letzten schweren Tagen meiner und meiner Kinder mit Siebe gedacht, und ihr Mitgefühl durch die Spendung prachtvoller Blumen znm .iusdnick gebracht baden, meinen warmen, herzlichen Dank befannt geben wollen. Fürstin Bismarck.

Entgegen der sich in grellen D-ifsoncmzen bewegenden Tonart auf dem vorjährigen Dresdener sozialdemokratischen Parteitage hat man diesmal in Bremen mildere Töne an- geschlagen. Von dem im schönen Elbflorenz an der Tagesordnung gewesenen Allegro furioso ist mcm in der alten Hansaftadt zu einem Adagio cantabile übergegangen. Dagegen finb die au bcm Parteitage erzielten Resultate nichts weniger als geeignet gewesen, den gläubigen Genossen im Lande eine erhöhte Be- wunderung vor der taktischen Befähigung ihrer gewählten Führer em zu flößen. Gleich der erste Antrag, den der Sohn des alten Liebknecht miss Tapet brachte, erwies sich als ein Schlag ins Waffer. Stellte doch der jugendlicheRechtsanwalt der Partei" allen Ernstes den Antrag auf, unter der militärpflichtigen Jugend eine wn^ante soziarkstische Propaganda gegen den Militarismus zu inf&eTtteren, um diesyn gefährlichsten Feind der sozialdemokratischen Tiewegung wirksam bemmpien zu können. Gewiß zum großen Teidwcgen des Herrn Da. Liebknecht, den die Lorbeern seines Vaters nickst haben schlafen lassen und der um jeden Preis von sich reden machen möchte, wurde der Antrag glatt abgelehnt. Tie alten, erfahrenen Genoffen tonnten nur zu gut, welchen Gefahren v£?"cl Ult^ Tie selbst durch Annahme dieses' von hervorragender WUtpcher Unreife zeugenden Antrages ausgesetzt sein würden. ^.ie Hanptstärke der sozialdemokratischen Partei in Deutschland hat bis jetzt darin gelegen, daß sie von den Fehlern ihrer Gegner gelebt hat, sie würde aber genau so verkehrt wie diese gehandelt haben, wenn sie zur Ausführung dieses unglücklichen Projektes hnsreiche Hand geleistet hätte. Von wesentlich ernsterer Bedeutung war der zweite Punkt der Tagesordnung, das Sherbengericht über das entfernt terrfble der Partei, den Abg. Schippel. Dieser ist zweifellos eme interessante Persönlichkeit, nicht zuletzt darum, weil 2 ^versteht, dieGroßleute" der Partei in gewissem Sinne an der Nase zu führen, und zwar nicht etwa von gestern. Seit achtzehn Jahren, lautete die bewegliche Klage Bebels, habe die Partn alle zwei Jahre ihrenFall Schippel" gehabt, das müsse endlich aufhören. Trotzdem aber haben die über den proteusartigen Charakter des Angeschuldigten zu Gericht sitzenden Genossen doch mckst genagt, .Schippel aus der Partei auszuschließen, sondern haben sich damit begnügt, eine geharnischte Resolution vom Stapel zu lassen, in der ihm nahegelegt wurde, die notwendigen Konse- guenzen aus seinem Verhalten zu ziehen. Schippel hat aber gar nicht daran gck>acht, den erbitterten Genossen den Gefallen zu tun dNnndat niederzulegen, int Gegenteil. Mit staunenswerter Gefch.icklrchkert verstand er es, auf die heftigen Anklagen seiner Gegner zu antworten und zum soundso vielsten Male zu er- klaren, daß er nämlich grundsätzlich Schutzzöllner, aber im prole- rarvschen Interesse gegen die Agrarzölle sei. Und dabei blieb es.

so großem Applomb m Szene gesetzte Ketzergericht endete Mueßlrch mit erneut kläglichen Fiasko. Schippel wird auch ferner i^r Part^ angehören und sein ReichStagsmandat ausüben, während seine Feinde ihren Grimm im Geheimen hinunterschlucken müffen. , seinen letzten Sitzungen, über die wir wegen Raummangels leider mckst aussilhrlicher berichten Tünnen, beschäftigte sich der Par- tettag zunächst mit Kommunalpolitik. Tr. Lindemann befürwortete einen sehr langen Antrag, in dem eine ganze Anzahl bezüglich der Kommunalpolitik, wie Unentgeltlichkeit mler Institute des Volksgesundheits* * und des Volksschulwesens, Crnchtimg von Arbeitsämtern als Zentralstellen kommunaler Arberterpositik, Einsetzung von Arb eit er aussdyfiffen zur Vertret­ung der Interessen der Gemeindearbeiter, Festsetzung der Löhne nach Gewerffchaftssätzen, Abschaffung dec Streikllausel, volles Koaltttonsreckst für alle Gemeindebeamten und STrbeiter, gefordert

.T-em roten Ulrich aus Offenbach behagte sehr vieles nicht, was Lindemann vorschlng, und er zog gehörig vom Leder. Schließ» lich gelangte aber der Antrag Lindemann doch fast einstimmig zur Lmnahme. Sehr heftig entrüstete man sich über den von uns am Sonntag wiedevgegebenen lustigen satirischen Artikel derLitz. Volksztg." contra Tr. Südekum in Sachen der Prinzessin Luise von Koburg. Und Herr Mehring, der Verfasser des boshaften.Artikels, kroch zu Kreuze. Er sagte de- und we^ mütig pater peccavi. In einer Depesche an den Parteitag revo- zierte er alles, ^was er über den Heben Genossen Südekum Treffeiches und Schönes in munterster Form blutigen Hohnes gesagt hatte, und flehte den hohen Parteitag um Vergebung feiner sündhaft wahren Charakterisierung deselejanten und jlanzvollen" Frauen freundes und heldenhaften Beschützers un­getreuer Prinzessinnen an. Ferner nahm der Parteitag eine Reso­lution Bebels über den Amsterdamer internationalen Kongreß entgegen Ter^Appell Bebels, 1907 dem nächsten internationalen Kongreß in Stuttgart einen glänzenden Empfang zu bereiten, sarch begeisterte Zustimmung. Württemberg werde sich hoffentlich von dem in Preußer: herrschendenRussenkurs" nicht beeinflussen taffen. Außerdem sei Schwaben ohne Berührung Preußens zu erreichen, lieber verschiedene Anträge, den Freisinn bei Stichwahlen nicht mehr zu unterstützen, wurde auf Antrag Arons zur Tagesordnung ßbergegangen. Angenommen ftnrrw eine Resolution gegen Soldatenmißhandlunge n. neuner wurden Resoluttonen über die Schulfrage, das Fremden- rC!- 'wd gegen denRusserckurs^^ angenommen. Der bisherige

konnte denn die Welt nod) wttter bestehen, leben, atmen, sich freuen nach dieser sthrecklichen Zeit?

besame Mann stand auf und sah sich wie erstaunt um. War das wirklich dos alte Landhaus, in dem seine Eltern sckwn gewohnt? War das wirklich der Hof mit den strohgedeckten gepeuneu und Viehställen, dem holpriger! Pflaster, dem altertüm- Iwn Torweg, der alten Platanen-Allee und dem schattigen Garten, m dem er als Knabe mit seinem Bruder, der nun da draußen auf dem Friedhof der kleinen D-orfkirche schlummerte ~~ J? ""cm k^chlagen von Mörderhand?

Der Mann schauderte zusammen. Tann strich er mit der Dand über Ern und Augen und atmete tief auf.

w er war wieder daheim! Das war fein altes Wendessen, ine Hennat seiner Jugend, die 6eintat seiner Mannesjahre, die t nL cr in schwerer Arbett zu erhalten, zu befestigen

vestvevt gewesen war, die er geliebt hatte mit der ganzen Kraft semeS ernfachen, ehrlichen Herzens!

rc wnr das alte Zimmer mit dem einfachen Hausgerät seiner Eltern! Tas der alte große Schreibtisch mit dem verblaßten ferner Mutter darauf das das alte Sofa mit den steilen Zehnen das der alte Lehnstuhl neben dem Kachelofen, der alte liebe ^>tt!hl, in dem sein Vater sanft zur etuigen Ruh hinüber- aeschlummert, in dem er selbst so oft von de- Tages Müh und Arbeit ausgeniht hatte Alles Alles war dasselbe, das Alte, wie er es vor drei Monaten verlassen nur er selbst ein anderer geworden, seine Munterkeit war dahin, seine Kraft, fern streben, seine Arbeitslust, fein frisches, fröhliches ^Jelcn alles, alles lvar dahin, und er war heim gekehrt als ern vernichteter Mann, auf dessen Stirn das Kainszeick^n brannte, mr den die Menschen mit Fingern wiesen und hinter dessen Rücken sie flüsterten: er ist es doch geivesen er hat seinen Bruder ermordet. . . .

Verzweislungsvoll griff cr sich in die m-irren Haare, die an den Schläfen in diesen letzten Mützen grau geworden waren Er mußte sich aufmffen. So ging nickst weiter, sollte er nicht wahnsinnig werden.

PartnVorstand Bebel, Singer, Gerisck», Pfanukuch, Auer und Molkenbuhr wurde wiedergewählt, ebmso die bisherigen Kontrol­leure. AlS nächster Versammlungsort des Parteitages wurde Jena bestimmt. Alsdann wurde der Parteitag mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratte geschlossen.

Unter einem Aufwand von großen Worten hat derRestbs- mrzeigett" die staatsmännischen Verdienste des verstorbenen Fürsten Herbert Bismarck in überschwänglicher Weise zu feiern gesucht. Wenn man aber in und außerhalb der deuttchen Grenzen nach ^beipflichtenden Stimmen zu dieser W"'rdigung juriru würde, so tvürde das Ergebrns nur geringfög'g ausf illen. Ter Verstorbene hatte Zeit seines Lebens und nickst nur während seiner amtlich"n Tätigkeit unter der niederdrücken den Tatsache zu leiden, d^r Sohn eines großen Mannes zu sein, ohne dessen geniale Anlagen zu besitzen. Seit feinem freiwilligen Seiden aus dem Amt be- sihränkte fich seine öffentliche Wirksamkeit auf die Ausübung seines Reichstagsmandats, bei welcher Gelegenheit er es feiten unterließ, taiarf pointterte Ausfälle gegen dos herrfchende Regime zu machen. Mit fernem Tod? scheidet die fürstliche Familie Bismarck für geraunte Zeit aus dem Gesichtskreis des öflentlicki-en Lebens aus, da der jetzige Trager der Fürstenkrone erst sieben Jahre zählt.

Gelegentlich des in fast allen größeren Städten Italiens versuchten, aber völlig mißglückten Generalstreiks hat sich wieder einmal die Unmöglickikeit dieser sozialistischen Pdantas- magorie ergeben. Im besten Fall ist der Generalstreik ein Schreck­schuß für furchtsame Gemüter innerhalb der besitzenden Klassen, daß aber gerade die Angehörigen des sogenannten vierten Standes am meisten darunter zu leiden haben, wird den Beteiligten zu ihrem Schaden immer erst hinterher klar.

In Belgrad hat sich vor kurzem das pomphafte Schauspiel einer Königskrönung abgespielt, das in diesen halb orien­talischen Ländern stets einen starken Sttch ins operettenhaste zeittcst: König Peter hoch zu Roß, mit wollendem Purpurmantel, die Krone auf bem Haupte, Szepter und Reichsapfel in den Händen, zu der in allen Regenbogenfarben schillernden Kathedrale ziehend. Sein Ziel hat der in der Wahl seiner Mtttel, wie man weiß, durchaus nickst skrupeHafte zähe und energische Abkömmling Kara Georgs erreicht, jetzt aber, wo er sich endlich am Ziel seiner Wünsche befindet, wird er vielleicht finden, daß ihm seine Einbildungskraft und sein Ehrgeiz ein ungleich fabelhafteres Glück vorgespiegelt haben, alb er es jetzt in Wirklichkeit findet. Alex ander und Traga sind tot, aber noch manchmal mögen ihre blutigen Schatten die Träume ihres Nachfolgers beunruhigen.

.Nach einem vorübergehenden allgemeinen Stillstand in den militärischen Operationen auf dem Kr iegsschauplatze in Ostasien hat jetzt die japapisri^e Offensive gegen Mukden mit frischen Kräften eingesetzt. Marschall Ovama treibt die Kosaken Rennenkamps, Ssamsenows und Mischt schon kows, obgleich diese durch Detachements von Infanterie und Artillerie verstärkt sind, vor fich her auf Mukden zurück. T4e japanische Kavallerie greift bereits um beide russische Flügel herum und streift mit Pa­trouillen bis in die Gegend von Tienling. Tste Armee Kurokis ist in der Gegend von Danjapusa und Poensihu. Ihre Vortruppen ind auf dem Wege nach Fufchuntscheng und Fulm vorgeschoben. T«ie beiden anderen japanischen Armeen stehen noch bei Jentai und den Kohlenberaworken. Russische Kavallerie und Arttllerie, unterstützt durch Infanterie, hält beide Seiten des Hunho besetzt. Eine starke Abteilung russischer Kavallerie fleht an der Straße von Mulden nach Pomsihu. Es herrscht intensiver Frost, nachts liegt schon Schnee, jedoch nicht tief.

~ Aethur >^hölt sich über alles Erwarten lange.

Sewst m roklo glaubt man nicht an eine baldige llebergabe des Platzes. Rian sck^int, was die Einnahme anbetrifft. Über» «nxyt zu einer resignierten Auffcrffung gelangt zu sein. Aus lieberer Quelle will man allerdings wiflen, daß General Stössel anfangs November mit seiner ganzen Munition fertig sei. Tie jermanenten Werke sind entgegen früherer Annahme durchaus turmftei, und daher müffen an mehreren Stellen gangbare Breschen erst gefckwfsen werden. Auch befinden sich innerhalb der permanenten Werke zahlreick^e gute bombensichere Hohlräume, sodaß die Vertewiger nur bei ihren wiederholten Ausfällen Verluste er- toten, aber nicht bei den eigentTM>en Verteidigungskämpfen. In Tsingtau weilende Nufsen erklären, daß vor kurzem mehrere Vorratsschiffe mit Proviant, Munition und Arznei- Mitteln m Port Atthur eingetroffen feiern Ein neuer An- grtff auf Port Arthur begann am 19. September und wurde am 20 fortgesetzt. Gerüchten zufolge, die bisher nicht bestätigt sind, ollen Ine Japaner einige Erfolge gehabt haben. Tie Beschießung der Lotadt am 19. Septcunber wurde um 3 Uhr morgens begonuen mid dauerte eine Stunde. Bei Tagesanbruch steigerte sich das Dombaichement zu einer Heftigkeit, lvie sie nie zuvor erreicht wmDe. In Talni flirrten sämtliche Fensterscheiben. Die Beschieß­ung wurde in der Nacht vom 20. September in heftiger Weise ort-gesetzt. Nach einer Meldung aus Tschifu gelang' es zwei europäischen Zivilärzten, nacht» Port Arthur zu erreichen. Sie brachten Tesinftktiousmtttel mit und besitzen eine eigene Tes- ^^ktionsmethode, die in Port Arthur durchführbar ist ZS. l e r a ford-rt indes zahlreiche Opfer unter der Zivil- und Milctarbevolkerung.

Aer Mng.

Kriminal-Rommr von O. Elfi er.

Nachdruck verboten.

1. Kapitel.

Freigefprochen wegen mangelnder Beweise!-

Schwer fiel seine Stirn in die geballten Fäuste, die sich wit den (llcnbogen auf den Tisch stützten, und so saß er eine amr^e Welle da in dem stillen einsamen Zimmer, dessen Schweigen das emrönrge Tiftak des großen Regulators an der Wand über dem ^l-reibttsch noch mehr hervorhob, noch vertiefte, noch un# jeimiwr machte. Von draußen flutete der goldene Sonnen- schcm des Herbstes durch die offenen Fenster und umgab die zu- sammengesunkcne Gestalt des Mannes wie mit einem Glorien- fri)ein, wie mit einem durchsichtigen, aus goldenen Sonneu- straUen gewebten Mantel.

Zn,^ilen vernahm man einen fernen Ton, wie das Klingen einer >L>enie, das Klirren einer Kette oder den lauten Ruf eines Mannes, der die Pferde zum Zickhen anhxibt. Dann war alles wieder still lautlos still nur die große Uhr tiTte unaufhalt- far5 . weiter ttk tak tif tat langsam und bc- dachtig^ als wäre sie sich ihrer Wichtigkeit, in dieser lmttlvsen Totenstille das einzige gleichsam ledende Wesen zu sein, be­wußt.

Plötzlich ertönte aus der Ferne das lustige Lachen und Kreischen junger Mödcheu: und der einsame Mann in dem ein­samen Bimmcr fuhr empor und starrte mit wilden ?lugeii in dem 3immer umher, cllS habe das Lachen ihm gegolten, als habe dieses luftige 9neben und Reifen ityn verhölmen wollen.

Konnten denn die Menschen noch ftöhlich fein und lachen nach düsen letzten furclstbareu Wochen?! Konnte denn der GönnenflraM nod) so herrlich strahlen die Vögel noch so munter ^vitsck)ern und Hüpfen der Himmel in solch tiefem Blau schimmerni der grüne Wald die goldenen Felder

Wie versickx' t wird nationalen w i f f e n f er habe die K c u u t n schlcri>ts der Kindc Nähere An-axilx n hierüber