legte» Der Mann hatte e5 so eilig, bei der Türe hincmSzu- kommen, um daS übrige Gepäck der Prinzessin zu holen, daß er über meine vor die Tür gestellten Schuhe stolperte. Der Lärm, den er dabei machte, ging unS durch Mark und Bern. Aber e§ kam noch ärger. Der Mann, der fühlte, daß jede Minute kostber war, und der je eher je lieber dieser gefährlichen Atmosphäre entrinnen wollte, stieß plötzlich im dunklen Korridor an einen Kasten an. Das Blut gerann uns in den Adern bei diesem schußähnlichen Geräusch. Dann war es wieder still, und bange horchten wir auf den finsteren Gang hinaus. Alles blieb ruhig. Es folgten nun Augenblicke der höchsten Spannung.
Nach einigen Minuten hörten wir den leisen Schritt deS Mannes wieder auf der Treppe. Unhörbar wie ein Gespenst huschte er, mit zwei weiteren Koffern beladen, zur Tür herein und berichtete flüsternd: „Die Prinzessin kommt gleich/ Und schon hatte Thormann ein Wachskerzchen entzündet, um au: den Gang hinauszuleuchten. Zu meinem Entsetzen, denn fie wüßten nicht wie ich, daß an den Türen der gegenüberliegenden Zimmer Gucklöcher angebracht waren, durch die leicht der Lichtschein hätte bemerkt werden können. Kaum war jedoch das kurz aufflammende Licht verlöscht, als durch die geöffnete Tür die hohe Gestalt der Prinzestin, das Gesicht mit einem Schleier verhüllt, eintrat.
In wortloser, ungeheurer Erregung sanken sich die Prinzessin und Mattachich in die Arme. Lautlose Stille herrschte im Zimmer. Der tiefe Eindruck dieser Szene hielt uns ganz gefangen.
Die Prinzessin hatte sich zuerst gefaßt. ,Ruhig, ruhig/ flüsterte sie, alles geht gut, niemand hat mich bemerkt!* Dann setzte sie in traurigem Tone hinzu: „Aber sie werden mich doch wieder gefangen nehmen, diese furchtbaren Menschen."
Herr Mattachich führte die Prinzessin zu einem Sessel — es war ja stockfinster im Zimmer — und war ihr behilflich, die Hausschuhe, in denen fie gekommen war, mit Reiseschuhen zu vertauschen. ,Warten wir noch ein wenig/ sagte die hohe Frau, die uns alle an Geistesgegenwart übertraf. Still horchten wir noch einige Minuten auf den Ho' hinaus und blickten prüfend auf den mondbeschienenen Weg. Nichts regte sich.
»Nun gehen nnr!"
Auf diese Worte der Prinzessin sperrte ich vorsichtig die inS Freie führende Tür auf. Mit dem großen Kleiderbündel und meinem schweren Stock beladen, ging ich voraus, mir folgte Thormann mit zwei Koffern, den Schluß der Expedition machte die Prinzessin am Arme Mattachichs, der das Juwelenkästchen und den Mantel trug. Obwohl der Mond die ganze Gegend beinahe taghell erleuchtete, kamen wir unbemerkt und unbehelligt bis auf den Fahrweg. Ein verspäteter Gasthausbesucher bummelte un§ schwankenden Schrittes entgegen und sah uns verwundert mit unserer sonderbaren Bepackung an. r*3la, wohin denn so früh?" gluckste er.
So wanderten wir noch eine halbe Stunde fort, bis endlich zwei Lichter den heißersehnten Wagen signalisierten. Frau Stöger, die darin saß, war vor Freude ganz sprachlos und Freudentränen stürzten ihr über die Wangen herab.
vermischtes.
* Atlanta, 25. Sept. Die Southern Railway Company gibt bekannt, daß bei einem Eisenbahnunglück unweit Newmarket zwischen 50 und 75 Personen getötet und 100 bis 150 v erletzt wurden. Die Maschinisten der beiden Züge sind tot. Das Unglück wird auf einen Irrtum in Bezug auf die Mus-weichiestelle für die beiden Züge zurückgeführt.
* Wo ist die Hebamme? Unter dieser Spitzmarke erzählt die „Elb. Ztg." nachstehende hübsche Grenz- a f f ä r e. Sanitätsrat Dr. D. in L y ck i. Ostpr. wurde früher auch häufig nach Rußland hinubergeholt, wo man ihn namentlich als Chirurg sehr schätzte. Eines' Tages wurde er nach der russischen Grenzstadt Grajewo gewünscht. Die Eisenbahn fuhr noch nicht dahin. Dr. D. kam mit Wagen an die Grenze. Weiter gings nicht. Es war nach 6 Uhr nachmittags, und die Russen hatten deshalb die Grenze mit Schlagbaum und Kette gesperrt. Stoi! rief der wachthabende Straschnrk. Kein Fuhrwerk darf hinüber. Der Doktor zog seine Legitimation hervor, in der auf deutsch und auf russisch angegeben war, daß Aerzte und Hebammen zu jeder Zeit bei Tage und bei Nacht frei die Grenze passieren können. Er reichte das Papier dem Posten, doch der schnauzbärtige Mann aus dem Kaukasus' konnte nicht lesen. Er holte seinen Vorgesetzten aus dem Kordon. Dieser studierte das Schreiben; prüfend sah er zum Fuhrwerk hinauf und fragte: „Gdzie jest babka?" (Wso, i stöie Hebamme?) Dr. Di. gab durch den Kutscher, der als Dolmetscher diente, zu verstehen, daß keine Hebamme gebraucht wird, da er ja zu einem Herrn nach Grajewo fahre. Noch einmal las der Russe die Legitimation und erklärte endlich: ,Menn keine Hebamme da ist, darf das Fuhrlverk nicht hinüber, denn in dem Papier steht: Nur Aerzte und Hebammen dürfen jederzeit über die Grenze; wenn ke,ine HebaMme da ist, daml„paschol", zurück, hol' sie Dir sie." 'Alles Parlamentieren half nichts. Dr. D. mußte nach Prostzken um kehren, er »gab dort einer Frau fünf Dittchen (50 Pfg.), und dafür nrußte sie auf dem Wagen mitfahren. Nun fuhr man ungehindert über die Grenze. zu dem kranken Herrn nach Grajewo.
* Die jüngste Manie. Ernährung ausschließlich durch Gras und Wasser ist die neueste Manie in Newyork. Ein Kubaner namens Eusebion Santos hat die Grasdiät aufgebracht, und seine begeisterten Schilderungen der von ihm erzielten Erfolge haben viele andere zu seinen Lehren bekehrt. Sie sammeln täglich in den öffentlichen Parks safthaltige Blätter, die sie verspeisen. Einer der jüngsten Bekehrten, ein 72jähriger Farmer Namens Frank Taylor, sagt, er habe acht Jahre lang an Magenentzündung gelitten, sei jetzt aber durch die Graskur vollständig geheilt. Andere Leute machen ähnliche Mitteilungen. Taylor will auch weiter den ganzen Winter von (Äras leben und nur durch Klee etwas Mbitvechselung in seine Speisekarte bringen. — Guten Appetit!
* Ein liebevolles Kindermädchen. Das bei Steuersekretär Pätzold in Glogau bedienstete 15 Jahre alte Kindermädchen Anna hatte sich mit dem seiner Obhut anvertrauten, etwa eineinhalbjührigen Kinde in den Planlagengarten begeben. Dort mißhandelte das Dienstmädchen das kleine Wesen in unmerschlicher Weise, stieß es mehrmals mit voller Wücht an ein eisernes Gitter, schlug es aus den Kopf, versetzte demselben einige Fußtritte und versuchte es an den Haaren in die Höhe zu ziehen, bis das Kind ohunrächhiL liegen blieb und dann in mehrere Stunden
andauernde Krümpfe verfiel. Das ohnmächtige Kind wurde zu seinen Eltern gebracht, wo ein sofort herbeigeholter Arzt feststellte, daß das kleine Wiesen eine schwere Gehirnerschütterung, Gehirnblutungen und eine ltn^seitige Lähmung davongetragen hat. Der Staatsanwaltschaft ist Anzeige erstattet worden. Der Zustand des mißhandelten Kindes ist sehr ernst; doch ist Hoffnung vorhanden, es am Leben zu erhalten. Unbegreiflich ist, wie die große Zahl der ^Augenzeugen sich darauf beschränken konnte^ die Handlungsweise hes MnderMädchens nur zu tadeln, ohne diese Person an der Mißhandlung zu hindern und ihr selbst die geführende Tracht Prügel zu verabreichen.
Herichtssaak.
R. B. Davmftadt, 26. Sept. Die Strafkammer erteilte wiederum einem Streikpoftensteher beim jüngsten Maurer- und Zimmererstreik einen empfindlichen Denkzettel. Der Zimmerer Georg Stuckert von Oberramftadt hatte beim Neubau des „Tarmst Hofes" die arbeitswilligen Zimmerleute mit Redensarten bedroht imb unbefugterweise ein Tor des Neubaues aufgerissen und seinen Genossen die Arbeitswilligen höhnisch gezeigt. Er wurde wegen Nötigung und Hausfriedensbruchs zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt.
Handel und Verkehr. Volksmrlschast.
Kurse der B ergwerksaktien. Tie Z." meint bei Besprechung der Marktlage, daß die Kurse der Bergwerksaktien auf einen derartigen Standpunkt hinaufgeschraubt sind, daß die diesjährigen Tividenden nur eine mäßige Verzinsung lassen. Diese Ansicht haben wir schon vertreten, als die Kurs- gestaltung infolge der Verftaatlichungsaussichten eine Höhe erreichte, die sich nicht mehr verantworten fieß. — Weiter wird in dem Bericht des rheinischen Blattes geklagt, daß, wenngleich auch der Verbrauch an Hausbrandkohle eine Zunahme erfahre, der Bedarf der Industriellen immer noch viel zu wünschen lasse. Trotzdem aber find gerade zu Schluß der ver- ganaenen Woche, die Aktien der Gelsenkirchener Dergwerksgesell- fchast abermals gestiegen, infolge größerer rheinischer Kaufe. Dieselben wurden damit in Zusammenhang gebracht, daß die Abmachungen für die Jnteveffengenreinschaft zwischen der Gesellschaft, dem Schalter Gruben- und Hüttenverein und dem Aachener Hüttenaktienverein „Rote Erde" nunmehr abgeschlossen sind. — Aus allem ist übrigens immer wieder zu ersehn:, daß die Vorliebe der Privatkapitalisten für Jndustrieaktien nicht im geringsten nachgelassen hat, mochten auch auf gar manchen Gebieten recht böse Erfahrungen gemacht worden sein.
Wochenbericht der Kuxen abtei lung des Bankhauses S. H. O ppen h eim er j r., Hannover. Das Geschäft auf dem Markte der Kali- We r t e gestaltete sich in der abgelaufenen Woche recht lebhaft. Von schweren Werten wurden zwar nur Hohenfels und Wllhelmshall zu letzten Preisen umgesetzt. Haideroda wurden dagegen bis 8000 M., Mexandershall bis 6825 Mark, Drsdemona bis 5550 Mk. und Carlsfund bis 7425 Mk. unter mehrfachen Schwankungen in Posten aus dem Markt genommen. Letzttägig zeigte sich größeres Interesse für Johannas- hall, die infolgedessen bis 6100 Mk., und Hohenfels, die bis 7550 Mk. profitieren konnten. Für Heldrungen machte sich am Wochenschluß gleichfalls wieder eine kleine Besserung bemerkbar und wurden hierfür 3925—50.— Mk. mehrfach bewilligt. Angesichts des billigen Kurses zeigt sich für Einigkeit, die im Gegensatz anderen gleichwertigen Papieren bisher wenig gestiegen sind, von anscheinend informierter Seite mehrfach Kauflust. Umfangreicher Verkehr gestaltete sich ferner in Deutschland, die unter großen Umsätzen bis 975 Mk. gewannen. Für Hattorf trat ebenfalls rege Kauflust hervor, ohne daß der Kurs dieses Papieres wesentlich davon berührt wurde. Rennenberg-Aktieu gaben weiter bis auf 1300 Mk. nach, während sich bei Hansa- Silberberg bei etwas besseren Preise» wiederholt Kaufinteresse zeigte.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 26. Sept. (Orig.-Telegr. deL „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 18.00—00.00, Kurhessischer Mk. 18.00—00.00, La Plata Mk. 18.00—19.25, KansaS Mk. 18.00—19.25, Roggen (hiesiger) Mark 13.75—14.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.50—18.00, Franken- selber Mk. 18,00—18,75, Hafer Mk. 14.50—14.75, MaiS Mk. 12.25—12.50, Weizenmehl 0 Mk. 26.75—27.25, 2. Qualität Mk. 24.75
bis Mk. 25.25, 3. Qualität Mk. 22.75—23.25, Roggenmehl 0 Mk. 22.00—22.50,1. Qualität Mk. 19.25—20.00, Weizenkleie Mk. 9.75 bis Mk. 10.00, Roggenkleie Mk. 11.00—00.00, Maiskeime Mk. 10.50 bis Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier.
ko. Frankfurt a. M., 26. Sept. (Telegr. Qrig.-Bericht deS „Gieß. Anz/). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 501 Ochsen, 205 auS Oestreich, 56 Bullen, 4 aus Oestreich, 777 Kühe, Fersen, Stiere imb Rinder, 4 aus Oestreich, 264 Kälber, 323 Schafe und Hämmel, 1631 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 72—75 Mk„ 2. Qual. 68—70 M., 3. Qual. 61-65Mk.; Bullen l.Qnal. 62 bis 65 Mk., 2. Qual. 59—61 Mk.; Kühe 1. Qual. 69—71 Mk., 2.Qual. 66—68 Mk., 3. Qual. 56—58 Mk, 4. Qual. 47-49 OTt, 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber: 1. Qual. 81—85 Pfg., Lebendgewicht 48—51 Pf., 2. Qual. 71—76 Pfg., Lebendgewicht 42—46 Pfg., 3. Qual. 55—60 Pfg., Schlachtgewicht 00—00 Pfg., Schafe: 1. Qual. 68—70 2. Qual. 60—62 Pfg^ 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 60—00 Pfg., Lebendgew. 47 Pfg., 2. Qual. 58- 59 Pfg., Lebendgewicht 46—00 Pfg., 3. Qual. 52—55 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, Ueberstand unbedeutend, bei Kleinvieh Kälber gedrückt, Schafe und Schweine gut, kein Ueberstand.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
VorauSfichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 27. September: Aufheiternd und trocken, bei milder Nacht tagsüber Temperatur noch weiter ansteigend.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
Neueste Meldungen.
Originaldrahttneldnngeir des Gießener Anzeigers.
W. T. B. Detmold, 26. Sept. Der GrasiRegent von Lippe ist heute vormittag gestorben. (Graf Ernst von Lippe- Biesterfeld, Regent des Fürstentums Lippe, war am 9. Juni 1842 geboren. Die Regentschaft geht jetzt wohl auf seinen ältesten Sohn, den Grafen Leopold, geb. 1871, über. Graf Leopold ist mit der Prinzessin Bertha von Heffen-Philippstal- Barchfcld vermählt).
Berlin, 26. Sept. Unter dem Verdacht des Kindesmordes wurde die 22 jährige Dienstmagd Jänicke verhaftet.
Berlin, 26. Sept. Der bei dem Grafen Arnim in Blumb.erg angestellte Förster Strempel wurde von einem Berliner Wilderer, welchen er beim Zerlegen eines Rehes überraschte, erschossen. Von fcetn Täter fehlt jede Spur.
Thorn, 26. Sept. Ein Infanterist ist cm chwarzen Pocken im Ganisonlazarett gestorben. Die Kaserne ist streng abgesperrt; niemand darf sie verlaßen. Von außerhalb kommende Personen dürfen sie nicht betreten. Der Verstorbene ist bei Manöverübungen mit diesseits der Grenze beschäftigten russischen Arbeitern in Berührung gekommen und hat sich dort wahrscheinlich angesteckt.
Gleiw ttz, 26. Sept. Die Stvaffannner verurteilte den rüheren Polizeisergeanten Johauu Lepiory aus Gleiwrtz wegen wissentlich falscher Anschuldigung und' Beleidigung jeiuvr VorgeisetztM zu
Gefängnis Ttrtb-' ordnete die sofortige Berhasiungl des Verurteilten an. ■
26. Sept. ®uf der Auffalo-Bcchn fmid ritt Stunden-Rerrneu statt, das Walthour siegreich sah vor Sin-, ncrr und Lawson. ö
Paris, 26. Sept. Der Advokat Stimmer, welcher wieder in Paris eingetroffen ist, überbringt der Prinzessin die Friedens-Bedingungen des Prinzen von Ko bürg. Diese Bedingungen erscheinen der Prinzessin jedoch unannehmbar. Der Prinz ist zu Konzessionen auf pekuniärem Gebiet bereit, verlangt aber, daß die Prinzessin in Oesterreich wohnen, sich von Mattachich trennen imd nicht in dem Prozeß, den Mattachich in Berlin gegen Hofrat Pierson anstrengen will, als Zeugin erscheint. Die Prinzessin denkt nicht daran, sich diesen Wünschen des Prinzen zu fügen.
Paris, 26. Sept. Einen skandalösen Verlauf nahm das Gordon-Bennet-Rennen der Motorradfahrer auf der Rundstrecke von Dourdan. Es stellte sich heraus, daß die Chaussee dicht mit Nägeln besät war, so daß sämtliche Konkurrenten Reifen-Defekte erlitten und die deutsche und die englische Mannschaft völlig aus dem Rennen kamen. Da8 internationale Komitee beschloß demgemäß, das Rennen zu annullieren.
Wien, 26. Sept. ^Dre ßeit* meldet, daß sich bei der Begegnung der Gräfin Lonyay mit der Prinzessin Luise in Paris herausstellte, daß die Gräfin Lonyay jahrelang von der Koburger Partei verhindert wurde, ihre Schwester zu besuchen. Es wurde ihr vorgespiegelt, Luise sei vollständig toll und tobsüchtig. Sie erkenne niemand und würde sich cm ihrer Schwester vergreifen. Ferner erfuhr die Gräfin Lonyay, daß von dritter Hand die Unterschrift der Prinzessin Luise auf Wechseln gefälscht worden sei und daß gerade diese Wechsel vom Prinzen Philipp von Koburg eingezogen und bezahlt worden waren. (Man darf dieser tendenziösen Mädung berechtigte Zweifel entgegensetzen. D. Red.)
Vom Kriege.
Petersburg', 26. Sept. Ter Entschluß des Zaren, eine zweite mandschurische Armee bilden zu lassen und diese dem Befehl des Generals Griepenberg zu unterstellen, bebeutet einen Erfolg des Statthalters Alexejew, welcher schon längst die Bildung einer zweiten Armee unabhängig von 'dem Oberbefehl Kuropatfine' vvrgeschlagen hatte.
London, 26. Sept. Alle während den letzten 2! Stunden aus dem Kriegsgebiet emgetwffenen Meldungen bestätigen, daß Kuropatfin in Mnkden keine Entscheidungsschlacht! annehmen wird, sondern daß er selbst sein Hauptquartier schon bedeuterrd weiter nach Norden verlegt hat.
Paris, 26. Sept. „Eaw de Paris" meldet aus Petersburg: Tie Abfahrt des baltischen Geschwaders, nach dem, äußersten Osten werde rurmnehr befHirnnt zwischen dem 6. und. 7. Oktober erfolgen. Ter KvrrespvndeM t^sselben Blattes be-' richtet, daß der Großfürst Nikolajewitsch, ein Vetter des Zaren, znm Oberkommandi er enden in der Mandschurei ernannt werden wird. Alexejew werde diese Stelle nur noch nominell führen.
Tschifn, 26. Sept. Einzelheften über die letzten Kämpfe- um Port Arthur berichten, daß der Sturm aus diese Feftung, bet am 19. bS. begann, 50 Stunden gedauert hat. Drei rnfsische Stellungen sowie 6 Forts wurden von den Japanern eingenommen. Am 20. mittags begann! eine heftige Beschießurrg auf die rechte Flanke der Russen. Tie japanischen Truppen drangen gegen die rechte Flanke östlich "ber1 Eisenbahn vor. Das Fort Tschantschijeu wurde nach^ heftigem Widerstande eingenommen, da die Besatzung desselben mir unbedeutend war. Die Artillerie des Forts ^Ku-- ropatki^ beschoß bte Japaner heftig. Trotzdem gingen die Japaner znm Sturm über und nahmen das Fort, welches nordöstlich vom Exerzierplatz gelegen ist Auch die Stellung, bekannt rmter dem Namen Niedriger Hügel, welche bestimmt mar, den Wafserzuflnß für die Russen zu sicheru, wurde von den Japanern rm Sturm genommen. Das Fort Erlantschan, welches gegen bie japanischen Angriffe gesicherter war, als die andern, ist gleichfalls genommen worden. Nachmittags^ bemächtigten sich die Japaner eines neuen Forts, welches etwas! tiefer gelegen war. Während bei Nacht wurde die Beschießnng der russischen Stellungen fortgesetzt. AV der russische Widerstand! etwas nachließ, gingen die Japaner zum Sturm über und! machten verzweifelte Anstrengungen, um den Niedrigen Hügel zu erreichen. Sie schnitten den massenhaft gelegten Stacheldoaht durch und drangen in das Fort ein, welches die Russen trotz ihrer Uebermacht mrfgeben mußten. Die gesamte BesLtznng des Forts ist entweder tot ober verwundet.
Petersburg, 2. Sept. Hier verlautet, daß die Armee Kuropatkins in drei Abteilungen gegliedert werden soll, da die bei Lraujang gemachten Erfahrungen dringend die Eftrschafturvg solcher Armee-Kommandos erheischt. Als Armeeführer werden Baron von Meyendorff, der Kommandeur der L Armee, Baron von Bilder fing, der Kommandeur des 17. Korps und Sarubajew, der Kommandeur des 4. sibirischen Armee-Korps genannt. Diese müßten dann in ihren bisherigen Sttllungen als ko-mmandierende Generale ersetzt "werden. — Die Lage vor Mukden.we chs e l t. Bald greifen die Japaner, bald die Russen an. doch ziehen die Japaner vorläufig Verstärkungen heran, sodaß die Schlacht jeden Tag beginnen kann. Es verlautet, daß eine iapanffche Kolonne läncA des Laohe auf Tienlmg marschiert. Der Kiewer Profeffor Pawlowski, der soeben ans der Mandschurei zurückgekehrt ist, schildert den Gesundheitszustand der russisches Aifmee aV ausgezeichnet. Er sagt, Lause des Sommers haben Typhus und Tysseitterve mir in ganz leichter Form geherrsäst. Selten habe die Krankheit einen tödlichen Verlauf genommen. Tiie Verpflegung der Truppen sei gleichfalls gut. — In Wladiwostok aus Pvrt Arthur eingetroffene Personen erzählen, daß der französische Marmo-Attachee de C u- verville >ich am 10. September noch in Port Arthur be- and und wohl auch noch gegenwärtig dort ist Auch der deutsche Nilftär-Attachee v. Gilgenheimb fdll noch in Port Arthur ein. —, General Stössel hat Befehl gegeben, die FortS von Port Arthur, die dunst bte Angriffe der Japaner gelitten haben, zu reparieren und sie in einiger Entfernung zu unterminieren.. Ten Japanern ift es gelungen, bas Fort; Erlantschan zu erreichen, weil durch Spione bte Drähte abge- ckmitten waren, mit welchen die bie FortS schützenden Mineu^ hätten zur Explosion gebracht werden fallen. Vier dieser Spione wurden sofort hing ericsttet..
Telephonischer Kursbericht.
37,0/0 Reiohsftnleihti . . 101.80 8% do. ... 89.60 8V//0 Konsolß . . . . 101.80 3°/o do......89.70
37to/n Hessen .... 100.00 3Vu% Oberhossen . . . 98.70 4% Oosterr. Goldrente . . 101.70 47,96 Oosterr. Silberrente 100.50 496 Uugsr. Goldrente . . 99.80 4O/o Italien. Rente , . . 104.05 47,96 Portugieser . . . 63.70 30/ Portugiesen.....61.75
196 C. Türken . . .
Türkenloso
4% Grieoh. Monopol.-Anl.
47»% Äussere Argentiner
30/0 Mexikaner .... 28.75 41/9% Chinesen .... 90.00 Electric. Sehuckert . . . 118.00 Nordd. Lloyd . • . . 106 75
Kredünktien..... 208.90
Diekonio-KormnandiL . . 191.25 DarrostÄdter Bank . . . 142.00 Dresdener Bank .... 154.90 Berliner Handelsgas. • . 160.30 Oosterr. Staats bahn . . . 138.90
Lombardei; ..... 18.30’
Gotthardhahn.....189.25
Laurahüito . . .... . 251.00
Bochum.....'. . 209.00
Harpen er......215,20
TcndtcM: fest.


