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26.7.1904 Erstes Blatt
 
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am Wrave Mgust ^auvettyeiwers, meines dotyvegabten früheren Schülers, dann Mitarbeiters und befreundeten Kollegen habe ich in erster Linie zu gedenken gehabt seiner hervorragenden Leistungen für das chemische Universitätslaboratorium. In dank­barer Anerkennung derselben lege ich einen Kranz nieder.

St. Goarshausen, 25. Juli. Heute schlug der Blitz in die neuausgebaute Burg Maus bei Wellmich und setzte sic in Brand.

vermischte».

* Köln, 25. Juli. Bei dem Versuche, ihr kleines Kind, das kurz vor dem Einlaufen eines Zuges auf den Bahn­körper unweit der Station Kaltscheuren geraten war, zu retten, fand die Mutter selbst ihren Tod, sie wurde von der Maschine erfaßt und zermalmt, während das Kind wie durch ein Wunder von einem Bahubediensteten gerettet wurde.

* Kottbu §, 25. Juli. Gestern früh wurde im Fließ bei Burg, Kolonie Sprecwalde, die unverehelichte Woraschk als Leiche aufgefunden. Da dieselbe mehrere Messerstiche aufwies, liegt jedenfalls Mord vor. Als Täter konuut der Liebhaber des Mädchens in Betracht, der zur Alimentation des unehelichen Kindes herangezogen war.

Thorn, 25. Juli. Einem Raubmorde ist in der Nacht vom Samstag auf Sonntag der Bankier 9jdani zum Opfer gefallen. Adam versah auf dem Thorner Haupt­bahnhofe das Wechselkontor bis zuur Einuhrzuge. Bei seiner Heimkehr zur Stadt wurde er überfallen, beraubt und in die Weichsel geworfen. Die Leiche, die an den Beinen mit Steinen beschwert war, wurde gefunden. Die Geldtasche war leer. Wie viel den Räubern zur Beute gefallen, ist bisher noch nicht festgestellt.

* London, 25. Juli. Heute früh strandete bei dichtem Nebel der DampferKaiser", der zwischen Hamburg und Westhartlepool fährt, auf dein Bleawyke-Felsen, sieben Meilen nördlich von Scarborough. Die aus 30 Mann be­stehende Besatzung und ungefähr 20 Passagiere feinten sicher an Land. Man befürchtet, daß der Dampfer aufbrechen wird.

* Madrid, 25. Juli. Gestern fand in San Sebastian im dortigen Stierzirkus ein Kampf zwischen einem Tiger und einen: Stier statt, wobei letzterer infolge eines gewaltigen Hornstoßes den Sieg davontrug. Die Etsengitter des . Käfigs, in dem der Kampf sich abspielte, zerbrachen., Stier und Tiger stürzten hinaus in die Arena. Eine ungeheure Panik bemächtigte sich der Menge, alles drängte den Ausgängen zu. Viele Zuschauer wurden zer­quetscht und getreten, die Gendarmen schossen kopflos auf die Tiere, der Tiger wurde getütet, zwanzigZuschauer wurden schwer verletzt. Unter den Verletzten befindet sich auch der Vizepräsident des Senates Marquis Pidal.

* Gegen das geplante Wiederauftreten der Frau Professor Meyer auf dem Variötö wird in Ar­tistenkreisen mit aller Entschiedenheit protestiert. Es müsse, heißt es in einem Artisten-Fachblatt, dem Unfug ein Ende gemacht wer­den, daß das Variete zu einer Schaustellung verkrachter In­dividuen herabgewürdigt wird. 'Die Absicht, dem Sensations- bedürfnis der niedrigen Schaulust der Menge entgegenzukommen, träte in diesem Falle um so deutlicher zutage, als Frau Pro- fessir Meyer bereits einmal wegen ungenügender Leistungen der Variötebühne Valet sagen mußte. Diejenigen Direktoren, welche dieser Dame trotzdem jetzt wegen ihres Skandalprozesses günstige Engagementsbedingungen bieten, schädigten den Ruf des Va- rietös aufs tiefste, und sollten von allen anständigen Artisten gemieden werden.

Kunst und Wissenschaft.

Bayreuth, 25. Juli. Unter Hans Richters sicherer Leitung ging heuteR h e i n g o l d" in stimmungsvoller Aufführung in Szene. Im Mittelpunkte der solisttschen Darbietungen standen B e r t r a m s hoheitsvoller Wotan und Briesemeisters aus­gezeichnet geistvoll und künstlerisch angerundete Leistung als Loge. , .Hervorragend war auch Breuer als Mime. Von den Reintöchtern zeichneten sich besonders die Frauen Knüpfer und Osborne (Wellgunde und Fleshilde) aus. Neu waren Naviasky (Alberich) und Frau Geller-Wolter (Erda) ohne ihre Vorgänger Friedrichs und Schumann-Heink ersetzen zu können. Szenisch unerreicht bleibt das erste Bild mit den Rheintöchtern. Nach dem Schlußbild, Einzug der Götter in Walhall, wurde reicher Beifall gespendet. Gestern war großer Empfang bei Frau Wagner in Villa Wahnfried.

Zlniversstäts-Aaäirichten.

Marburg, 25. Juli. Zum Rektor der hiesigen Uni­versität für das Jahr lr04/05 wurde der Professor der Zoologie Eugen Korschelt gewählt.

Berlin, 25. Juli. Der außerordentliche Professor der romanischen Philologie an der Berliner Universität, Dr. phil. Oskar Schul tz-Gora ist als Nachfolger von Prof. E. Kosch- witz zum ordentlichen Professor dieses Faches in Königsberg be­rufen worden.

Wien, 25. Juli. .Der Wiener Chirurgieprofessor Hofrat Freiherr v. Eifelsberg hat die Berufung an hie Berliner Universität abgelehnt. Ihm waren in Berlin ein Jahres­gehalt von 32 000 Mark, sowie 25 000 Mark garantiertes Kol- legienhonorar geboten worden. Die Llblehnung erfolgte aus Fa­milienrücksichten.

Jer Königsberger Kochverrats-Mojeß.

CX.

Königsberg, 25. Juli.

Heute wurde das Urteil verkündet und, wie zu erwarten tvar, ist die Hauptanklage wegen Hochverrats und Majestäts­beleidigung für die Angeklagten günstig abgelaufen. Das Urteil lautet: Kögst, Ehrenpfort und Braun wurden frei­gesprochen. Novagrotzky wurde zu 2^2 Moanaten, Ku g e l 8 u 3 Monaten, Klein z u 8 Wochen, Treptau zu 2i/s Monaten, Maertins und Pätzel zu je 3 Mo­naten Gefängnis wegen geheimer Verbindung verurteilt. Die Angeklagten wurden sämtlich wegen Hoch­verrats freigesprochxn. Novagrotzky, Kugel, Klein und Treptau wurde ein großer Teil der Untersuchungshaft ange-- rechnct.

In der Begründung des Urteils bemerkte der Vorsitzende, die Angeklagten seien von der Anklage wegen Hochverrats und Beleidigung des Kaisers von Rußland freizusprechen, da laut § 260 des russischen! Strafgesetzbuches durch einen Staatsvertrag, der veröffentlicht ist, die G e g e n s e i t i g k e i t e i n e m f rem- den Staat verbürgt sein muß. Ein solcher Staats­vertrag ober Gesetz existiert laut amtlicher Auskuirft des Aus- wärtigen Amtes der russischen Regierung nicht. Die Gewähr" leistung im Strafantrag des niffifdjen Botschafters sei nicht ausreichend, da die Gegenseitigkeit bei Begehung der Tat ver­bürgt sein müsse; dagegen sei der Gerichtshof überzeugt, daß eine geheime Verbindung im Sinne des § 128 bestanden habe; dafür sprächen die Beziehtrngen, die zwischen London, der Schweiz, Berlitz, Charlottenburg, Königsberg, Memel und Tilsit zwecks eine Schrifttnsclniinggels nach Rußland bestanden hätten. Bei den Angeklagten Ehrenpfort, Kögst und Brann sielen die Tatbestandsmerkmale einer geheimen Verbindung weg; die an­deren Angeklagten seien genräß dem Grade imb der Dauer ihrer Beteiligung .verurteil

Oerichtssaak.

)( L i ch, 24. Juli. Eitz interessanter, in der Umgegend viel besprochener Prozeß schwebte bisher zwischeir den beiden Nach- onrgemeinden Holzheim und Eberstadt und ist dieser Tage zu Gunsten Holzheims ausgegangen. Seit alter Zeit führte ein direkter Fahrweg von Holzheim nach Lick und Kloster Arnsburg. Durch detz Bau der Kreisstraße nach Dorf-Gill und jeit der Zuteilung Holzheims zum Amtsgericht Butzbach früher gehörte volzheim zu Lich verlor der Weg allmählich seine Bedeutung als Fahrweg und .wurde nur noch als Fußweg benutzt und zwar besonders an den letzten Feiertagen, an denen viele Holz­heimer zu detz religiösen Festen nach Arnsburg gingen. Die Gemeinde Eberstadt, durch, deren Gemarkung der Weg geht, wollte nun den Holzheimern die Benutzung des Wegs wehren und ließ sämtliche Passanten zur Anzeige bringen. Die Holzheimer be­standen auf ihrem althergebrachten Recht, und so wurde die Sache gerichtlich ausgetragen. Das Urteil lautete, daß die Ge­meinde Holzheim auch künftig zur Benutzung des Weges be­rechtigt ist.

Frankfurt, 25. Juli. Vor der hiesigen Strafkam­mer wurde ein Preßprozeß verhandelt. DieFrank­furter Zeitung" veröffentlichte am 16. Mai einen längeren Artikel, der eine Vorgeschichte d^s Prozesses gegen Groß und Stafforst brachte. Wegen dieses Artikels ist gegen den verant­wortlichen Redakteur Albert B lisch ing und den Verfasser, den Journalisten Dr. Eugen Gantter Anklage erhoben worden, und zwar wegen Vergehens gegen §§ 17 und 18 des Preß- gcsetzes. Tie Angeklagten bestreiten, daß sie sich einer straf­baren Wiedergabe der Anklageschri ft schuldig gemacht haben, da der zwei Tage vor der Verhandlung veröffentlichte Artikel nur eine Zusammenstellung des gesamten in der Presse über den Raubmord Lichtenstein erschienenen Materials enthalte. Der Staatsanwalt beantragt Freisprechung von Büsching und die Verurteilung von Dr. Gantter zu 30 Mark Geldstrafe. Das Gericht verurteilt beide Angeklagten zu je 30 Mark Geldstrafe. Die Urteilsgründe besagen u. a.: § 17 des Preßgesetzes ist objektiv verletzt, weil die Anklageschrift tat­sächlich zu dem Artikel benutzt worden ist. Der Gerichtshof hält _ es nickst für erforderlich, daß die .Benutzung der An­klageschrift für einen Dritten erkennbar ist. Deswegen war Dr. Gantter als Verfasser zu bestrafen. Der Angeklagte Büsching ist gemäß § 20 Absatz 2 des Preßgesetzes, wonach der Redakteur- haftbar ist, falls nicht besondere Umstände die Annahme seiner Täterschaft ausschließen, zu bestrafen gewesen. Der Gerichtshof ist der Ansicht, daß § 20, Absatz 2 unter allen Umständen, auch int Falle des § 21, Absatz 2, wonach die Bestrafung des Re­dakteurs ausgeschlossen ist, wenn der Verfasser als eine int Inland befindliche Person nachgewiesen wird, zur Anwendung zu kommen hat, wenn nicht der Redakteur den Gegenbeweis gegen seine Beteiligung führt. .Beide Angeklagte werden Re­vision einlegen. (Frkf. Ztg.)

Straßburg, 25. Juli. Der frühere Oberleutnant R u g e r , der bekanntlich wegen Todschlags des Hauptmanns Adam zu secks Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, ist jetzt völlig begnadigt und aus dem Straßburger Bezirks­gefängnis entlassen Nwrden. Im Vorjahre war seine Strafe in Gefängnis umgewandelt worden.

Arbeiterbewegung.

Görlitz, 25. Juli. Dreihundert Bildhauer, Drechsler und Tischler der Schlesischen H o l z i n d u st r i e Aktiengesellschaft, vormals Ruscheweyh u. Schmidt, in Langenöls haben heute morgen die Arbeit e i n g e st e l l t. Sie verlaitgen Verkürzung der Arbeitszeit unt eine halbe Stunde und zehn Prozent Lohnerhöhung. Die Fabrik arbeitet weiter.

Landwirtschaft.

Künstliche Dünger in ihrer Wirkung bei Jo- hannisbeer st räuchern. Johannis- und Stachelbeeren sind unsere sichersten Fruchtträger. Es muß schon merkwürdig kommen, wenn sie versagen. Weil sie alljährlich reich mit Früchten be­hangen sind, gebrauckten sie durch jährliche Düngung auch einen steten Ersatz der Stoffe, die sie dem Boden entzogen haben. Man kann nun Johannisbeeren jit jedem Herbst mit Kloake und Jauche düngen und sie werden sich dabei wohl fühlen. Kloake und Jauche sind aber nicht immer vorhanden, deshalb ist ein Düngungsversuch nicht allein interessant, sondern auch wichtig, der im sächsischen Provinnalobstgarten mit der Düngung mittels künstlichen Düngern bei Johannisbeeren gemacht wurde. Dieser Versuch ergab, daß Johannisbeeren ungedüngt jährlich durch­schnittlich 0,228 Kilo Beeren pro Strauch brachten, bei der Düngung mit Kali, Phosphorsäure und Stickstoff ihre Erträge auf 1,717 Kilo pro Strauch erhöhten. Am nachteiligsten wirkte das Fehlen von Kali bei der Bemessung der Dünger.

Der größte Vieh markt der Welt. Chicago besitzt zweifellos den größten Viehmarkt der Welt. Auf diesem Markt ist Platz für 461 000 Tiere, und zwar für 75 000 Rinder, 390000 Schweine, 80 000 Schafe und 6000 Pferde. Im allgemeinen werden die Tiere jedoch schnell verkauft, sodaß sie selten mehr als drei oder vier Tage auf dem Markte bleiben. Im Jahre 1901 wurden auf diesem Markte nicht weniger als 16 Millionen Tiere gehandelt. Das genannte Jahr war übrigens ein Rekordjahr nach jeder Ricktting hin. Mehr als 4 Millionen Schafe wurden ge­handelt, 8 Millionen Schweine und ungefähr 3 Millionen Rinder. Bis zu 40 000 Tiere einer Art kamen oft an einem Tage an, und die Marktbeamten sind zmveilen genötigt, innerhalb 24 Stunden für hunderttausend verschiedene Tiere Unterkunft zu schassen. Für den gelegentlichen Besucher ist die Pferdeabteilung dieses Marktes am sebenslvertesten. .Zwischen 100000 und 120 000 Pferde wer­den hier jährlich gehandelt. Die Gesamtsumme der Verkäufe im vorigen Jahr erreichte über 280 Millionen Dollars. Amerika­nische Packhäuser produzieren jährlich Waren zum Betrage von 144 000 000 Dollars, wovon 54 Prozent nach Großbritannien gehen. .In der Zahl von Schlachtungen und der Herstellung von Würsten steht ein Packhaus in Indianapolis en erster Reihe; es kann binnen fünf Stunden 3298 Schweine verarbeiten.

Sport.

Homburg v. d. H., 25. Juli. Das Lawn!-Tennis- Turnier für aktive Offiziere des deutschen Heeres und der Flotte hat heute begonnen. Den Kaiserpreis werden 21 Offiziere bestreiten. .Die Offiziere der Marine sind wegen der Flotten­manöver nicht erschienen.

Paris, 25. Juli. Heute sand in den Ardennen das Automobilrennen um denPreis durch die Ardennen", wobei eine Strecke von 600 Kilometern zu durchfahren war, statt. 34 Wagen hatten sich AM Start eingefunden, von denen der erste um 5 Uhr morgens wegftihr, die anderen folgten in Zwischenräumen von je 5 Minuten. Wie verlautet, wurde der bekannte Fahrer Fournier in der Nähe von St. Hubert durch einen Steinwurf verletzt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit, welche bei den Rennen errett wurde, betrug 91 Kilometer 650 Meter in der Stunde.________________________________________

Handel und Verkehr. Dolkswittschast.

F e u e r v e r s i eh e r u n g und T a b a k i n d u st r i e. Im Jahresbericht der Aeltesten der Kausmannschast zu Elbing wird über die Feuerversicherungsgefellschasten schwer geklagt, die ohne jede Mehrleistung von den Tabakfabriken eine Erhöhung der Prä- mten um ea. 70 100% verlangen. Die Gesellschaften erlassen außerdem noch Versichercmgsbediugungen, die ütetiad) äußerst schwer-, zum Teil überhaupt nicht inne zu halten sind. Es hat sich zwar gegenüber dein Feuerversicherungsring ein Feuerversichenncgsschui;- verband gebildet, doch ist dessen Erfolg der Einigkeit der Gesell­schaften gegenüber nur sehr gering geblieben. Die vereinigten FeuerverficherullgsgeseNschaften betonen bei jeder Gelegenheit, daß sie nur dann Pränuenerhöhnngen verlangen, m-nn ihr Risiko es unbedingt ersorderr. Es wäre zu wünschen, meint daS ,B.

baf? die Berliner Zentrale des Ringes sich zu den Beschwerden der Handelskammer äußert.

Wöchrntlilhk WkrKchl der Todesfälle m der Stadt Gießen

24. Woche. Vom 5.-11. Juni 1904.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitszisser: 22,68

nach Abzug von 4 Ortsiremden: 15,12 %c.

Es starben an: Zi

Kind lsammen: Erwachsene: int

er

vom

Tuberkulose der

1. Lebensjahr: 2.-

15. Jahr

Lungen

2(1) 1 -

1 (1)

Schlagfluß

2 2 -

Keuchhusten

1 1

_

Pemphigus

1 (1) - 1 (1)

_

Gehirnentzündung

1 (1) - -

1 (1)

Neubildungen

2 (1) 2 (1)

Gefäßverkalkung

1 1 -

_

Altersschwäche____

2 2

2lum.: Tie m Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Temperatur der Lahn und der Luft

mit 26. Juli 1904.

Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr.

Wasser 19°, Luft 18°.

Albert Rübsamen.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Boraussichttiche Witterung in Hessen für Mittwoch, beit 27. Juli: Meist trüb, noch kühler, Regenschauer, besonders im nordwestlichen Hessen.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Gingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, den 26. Juli.

Tie Paffanten der oberen Hammstratze waren gestern nach mittag tatsächlich in Gefahr, vor Schmutz und Staub' zu ersticken, denn der aufgehende Gewittersturm hatte solch gewaltige Staub- und Schmutzmaffen ausgetriebeu, daß Minuten lang iücht ein Schritt weit zu sehen war und Jedem der Atem stockte! Mehrere Geschirrführer, die gerade den betreffenden Teil der Straße passierten, mußten anhalten, da die Pferde unruhig wurden, und nur zu bewundern ist es, daß fein Unglück passiert ist! An und für sich ist es bei Sturm ja nicht zu vermeiden, daß Staub auf- gewirbelt wird, allein solche gewaltigen Staubwolken können doch nur da sich bilden, wo die Reinlichkeit der Straße zu wünschen übrig läßt. Tatsächlich liegen hier meist solche Staubmaffen, daß es im allgemeinen Interesse liegt, die Bahnverwaltung, der ja wohl der betreffende Teil der Hammstraße gehört, zu einer sorg­fältigeren bezw. öfteren Reinigung zu veranlaffen.

Famitien-Nachrichten.

Gestorben. In Bad Kissingen Herr Kommerzienrat Gustav Müller, Bensheim a. d Bergstr.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldnngen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 26. Juli. Der Reichskanzler Graf Bülow, begleitet von dem Wirkt. Geh. Oberregienmgsrat v. Conrad, ist heute früh hier eingetroffen.

Elbing, 26. Juli. Die Kaiserin ist mit Kindern und Gefolge gestern abend von Cadinen nach Wilhelms- höhe abgereist.

Freiburg i. Br., 26. Juli. Im Schwarzwald gingen vielfach Gewitter mit Hagel schlag nieder. An einem Orte lag der Hagel 1/s Meter hoch.

London, 26. Juli. Die Reeder des von dem Wladi­wostok-Geschwader in den Grund gebohrten Dampfers Knight Commander erklären, das Schiff habe keine Munition, wohl aber Eisenbahn-Material an Bord gehabt, das die Russen wohl für Kriegskontrebande er­klären konnten.

Petersburg, 26. Juli. Ein Telegramm Kuro« patkinS berichtet, daß er nach zweitägigem hartem Kampfe den Befehl gegeben habe, Taschitschia zu räumen. Die Stadt wurde sofort von den Japanern be­setzt, nachdem Lodzu und Oku ihre Streitkräfte vereinigt hatten. Die Verluste auf russischer Seite beliefen sich auf 2 000 Tote und Verwundete, diejenigen der Japaner werden auf 3000 geschätzt. Die Japaner rücken auf Jin kau vor.

Ludwig Alter

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