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26.2.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 48

Zweites Blatt

154. Jahrgang

Freitag26. Februar!904

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen

1

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag».

DieGlehener Familienblätter" werden dem /Mnflclflcr viermal wöchentlich beigelegt. Der «hessische Canbrolrt4* erscheint nwnaUich einmal.

Notationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Univcrsitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion,Expedition ».Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen,

Ale heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.

Gießen, den 23. Februar 1904.

Betr.: Fortbildungskurse für Handarbeitslehrerinnen.

Die (Srofch. Kreisschultoliimission Eichen

an die Schulvorstände

tn Annerod, Rabertshausen, Rodheim, Treis a. d. Lda.

Der in Aussicht genommene Handarbeilslehrerinnen- kursuS soll

Dienstag den L März L IS., vormittags 10 Uhr, in der Aliceschule dahier, beginnen.

Wir beauftragen Sie, die Handarbeitslehrerinnen der obengenannten Orte aufzufordern, sich zur bezeichneten Zeit pünktlich in der Alilcschule einzusinden.

Dr. 95reibert

Gießen, den 25. Februar 1904.

Betr.: DaS Landgestüt; hier: den Abgang der Land- gestütSbeschälcr nach den Landgestülsstalionen.

Das Grohher,^gliche Kreisaml Gietzen

a» die (Srohh. Bürgermeistereien deö Kreise».

Wir beauftragen Sie, in Ihren Gemeinden velannt machen zu lassen, daß die Landgestütsbeschäler für die Land- gestütSslationen Berstadt, Butzbach und Grünberg abgegangen sind.

I. v.: Tr. W a g n e r.

Ate Kraftquelle des Judentums.

Manschreibtuns von sehr geschätzterSeire: Woher schöpft das Judentum die ihm unbestritten inne­wohnende Kraft? Wodurch hat eS sich unter den arau- samsten Verfolgungen, denen eS im Lause der Geschichte ausgesetzt war, erhalten? Wie kommt eS, daß gerade Juden die reichsten Privatleute geworden sind, daß sie im Verhältnis zu ihrer Volkszahl ein großes Kontingent in der Gelehrienwelt repräsentieren? Warum werden sie nicht müde, die höchsten Stellen im christlichen Staat zu erstreben in Justiz und Verwaltung, selbst mit Hintansetzung ibreS väter­lichen Glaubens durch eine wenigstens äußerliche Tause? Woher gewinnen sie die Fähigkeit, sich in der Diaspora über die ganze bewohnte Erde verstehen und zusanirnen- zuhalten gegenüber Christen, Mohammedanern und Heiden? Woher vermögen sie in jedem Volke noch ein besonderes Volk zu bilden, äußerlich sich sügend den Dtaatsgesetzen, iuiieclich eine geschlossene, säst lelbstäudige Korporation, in Kultus und sozialem Zusammenhang?

TciS Judentum ist entschieden eine Macht, eine große Macht, welche augenscheinlich im Laus der letzten zwei Jahrhunderte gewachsen ist, und noch täglich säst zu­sehends wächst. Tie Juden haben in den zivilisierten Nationen sich allmählich daS volle Bürgerrecht erkämpft, Gleichheit vor dem Gesetz, Gleichberechtigung fast zu allen Aemtecn, sogar im Militär bis zu einem gewissen Grade, getuusle Juden sind Minister geworden. Vor allem aber besitzt das Judentum, wenn nicht die Alleinherrschaft, doch den Löwenanteil derselben an und über den Geldmarkt in den gemäßigten Klimaten der Erde, wo überhaupt ein Handelsverkehr möglich oder gewinnbringend ist.

Woher entnimmt diese offenbare Macht des Juden­tums ihre Kraft, und welches ist die Quelle dieser Kraft?

Sie haben alle Abraham zum Vater", sagen Einige. Die gemeinsame Abstammung von denselben Ureltein, bis hinaus an die zwölf Stämme Jakobs von Ruben bis Benjamin; zum Teil ja auch wohl nachgewiesen bis zu diesen Stammvätern zurück das gemeinsame Blut soll einer der Gründe sein, welcher den Zusammenhang der Juden untereinander bedingt, umsomehr als sie sich dessen in voller Wuck)t bewußt sind, und ihrenAdel" älter erachten als alle anbete Nobilith. Gleiches Blut, gleiche, oder doch ähnliche Typen, gleiche Gewohnheiten von Jahr­hundert zu Jahrhundert überkommen und absichtsvoll übermittelt: diese vermögen auch wohl eine Einheit mäch­tig zu begründen. Man wendet dagegen ein: daß es doch zwei start differierende Typen unter den Juden gebe, das rote Haar und die stumpfe Nase, wiederum das schwarze Laar mit der Adlernase. Das ist richtig, und noch wun­derbarer, daß durch Verheiratung dieser Typen unterem- ander sich kein entschiedener mittlerer Typus herausgebildet hat Trotz dieser Grundverschiedenheit ist der Jude doch meistens leicht zu erkennen, an Gang, Bewegung der Schultern, und besonders an der Aussprache der Zungcn- uiü) Gaumenbuchslaben also eine wirkliche, bleibende Gemeinsamteit.

Neben diesem leiblichen Linheitscharakter der Juden, werden von airderen die geistigen Eigenschaften als das vor- nehmlich Homogene betont. Als Tatsacl-e treten hervor: Marie Beobachtung aller umgebenden Verhältnisse und Menschen, unterstützt durch gut geschultes Auge und Ohr, damit verbunden: Vorsicht im Benehmen, Berechnung und Beobactituna des Augenblicks, und Wahrnahme des rich- tigen ^eitpuntles beim Handeln. Während die Juden uiiteicuiaiibcr sich gehen lassen, in Manier und Gespräch, so sind sw oem Christen gegenüber behutsam, und es muß UiVii eine lange Freundschaft vorher gegangen sein, ehe ein Judo einen Christen vertraulich auf die Schulter klopft, und ihn so gewissermaßen zu den Semen rechnet.

Lierzu lommt eine im jüdischen Volte unverkennbare «roße aeijäge Begabung. Welch bedeutende Mathematiker lind aus ihnen hervvrgegangen, Musiker und Kornpo- niiten, philoiopyen; «eit Lpmoza haben fte unermüdlich Phi- w ophisch in allen austauchenden Systemen weitergeur. leitet, auch, wenn sie getauft waren, ö;e posttiv chri^iche Ahilosop^e gefördert. In der Jurisprudenz, und bvjuii» Le cs u, uet praktischen und w sseuf./.'.^u )Ui Haben sie >m bürgte.ua-n ^eben ur.v B. .,r,iu.,-te.> i, i. Do tragendes geleijirt. Während die c. ge üegaounL tut

den Handel unstreitig eine den Erfolgen nach eminente ist, haben sie in dec Industrie und in dem Fabrikwesen weniger geleistet, im Landbau garnichts, er ist ihnen gleich- giltig oder zuwider.

Line weitere jüdische Charaktereigenschaft, durch welche das Volk Israel sich in allen Prüfungen, welche dasselbe betroffen hat, aufrecht erhalten hat, ist eine ausgeprägte Zähigkeit im Festhalten eines gesteckten Zieles. Unentwegt haben die Juden von Josua und den Makkabäern an, durch die Gefahren des Mittelalters, unter tausend Be­drückungen und Verfolgungen fest gehalten an ihren reli­giösen Gebräuchen, an der Verteidigung ihres Eigentums, ihrer Gerechtsame, wo sie deren besaßen, sich tröstend da­mit, daß sie ihren Ingrimm in sich fraßen und ihre Rache auf spätere Zeiten verschieben könnten. Zähigkeit, Geduld und Ausdauer haben sie ihren Feinden entgegen­gesetzt unb damit oft die Gewalttätigkeit, welche ihnen widerfuhr, unwirksam gemack)t und auf ihre Feinde zu­rückfallen lassem

Aber wie anders gestaltet sich diese Hartnäckigkeit im Ertragen und Streben bet dem schüchternen Gelehrten, dem frommen Rabbiner, dem hausierenden Handelsmann und dem verwegensten Rossebändiger auf dem Pferde- markt, kaum kann man sich größere Gegensätze in sonst sich so ähnlichen Rassetypen denten, als uns hier in allen Lebenssphären entgcgentreten. Und doch erkennen sich diese so ganz versanden gearteten Typen alsbald in jeder Gesellschaft untereinander und verstehen sich fast ohne Worte, finden sich, und halten zusammen, eine Art Pha- lanx gegen diejenigen, welche nicht ihres Volkes sind.

Noch einer Eigenschaft begegnen wir bei den Juden, welche sie öfters mit ihren eigenen Volksgenossen in Zwiespalt bringt, die aber um so erfolgreicher für den Glücklichen ausfällt: nämlich dem Ehrgeiz. So ungern Der Jude einer für ihn aussichtslosen Sache ein Opfer bringt, wenn es gilt, seine Stammesehre oder seine per­sönliche Stellung Geltung zu verschaffen, dann ist ihm nicht leicht eine Entbehrung, oder eate Arbeit oder ein Beitrag zu hoch uno wir verdanke» dieser Eigenschaft eine Menge nützlicher EinrickMngen, die nickst nur den Israeliten, sondern auch den Aiidersgläubigen zu gute kommen.

Aber alle diese besprochenen EigenschafLen, und andere etwa nicht erwähnte, vermögen nickst Die hervorragende Stelle zu erllären, welche das Judentum in der Jetztzeit auch besonders in Deutschland, ich kann wohl sagen: dem gereckstesten und tolerantesten aller Länder eiu- nimmt. Wir müssen den Urgrund tiefer Erblicken, als in den bloßen leiblichen und geistigen VolkÄeigentümlich- ketten der Juden.

Mir gehen deshalb wohl nicht fehl, .wenn wir noch weitere innerliche Beweggründe aufsuchen, unö wir finden dieselben in dem religiösen Tenken und Fühlen, welck)e das Judentum durchziehen.

Als eine theolratische Republik gegründet mit strikter Clanversassung in Familie uni) Grundbesitz, nur ihren Jehova als Oberherrn anerfenneni), hat sich dieser Sinn durch alle Verirrungen und Verfassungsänderungen, Kö­nigtum, Dienstbarkeit unter Aegypten und Rom, erhalten, und nach der Zerstörung Jerusalems von neuem wieder als ein unsichtbares, das Volk Israel zusammenfassendes Band entwickelt, und umschließt jetzt Die Juden in der Zerstreuung aus der ganzen bewohnten Erde.

Ten Kern des Judentums bildet der altgläubkge Jude, der wahre Jünger eines Moses, Elias, Tantel; den Re- sormjuden können wir hierbei ignorieren. Ter altgläubige Jude ist durchdrungen von der Ueberzeugung, daß sein Volk noch heut das auserwählte Volt Jehovas ist, und daß ihre alten, den Vätern gemachten Verheißungen der­einst erfüllt werden sollen. Und zwar nimmt ete diese Verheißungen wörtlich, so wörtlich- wie Hesekiel in seinem großartigen Gemälde die Auferstehung der Totenbeine be­schreibt. Alles, was berichtet wird in den heiliget» Ur­kunden, ist wirklich um Israels willen geschehen. Uäberall hat Jehova persönlich mir seiner Allmachr eingegpifsen, um sein Volk zu erretten uni) zu verherrlichen. Und wenn Er es eine zeittang verlassen hat Und seinen Fein­den übergeben, so war es um der Sünden Israels willen, die gestraft iverben mußten. Um Israels willen mußte Pharao mit seinen Reisigen im toten Meere ertrinken, um seiner Sünden willen ward cs aus einem freien Volke tn die Botmäßigkeit feiner asiatischen Nachbarn und später der Römer gegeben. Tamals war es noch nickst Zeit, daS fremde Joch avzusckstitteln. Es mußte noch schlimmer kom­men! Auch sein letzter Hort, Jerusalem, ist zerstört, unb das Volk verstreut in alle Welt, aber wie ein Phönix soll es sich erheben zu altem Glanze, zu Macht und Reichtum, erheben auch in dem getobten Lande, in Jeru­salem selbst. Alles, bis inß Minutiöse hin, was ge- Icf)rieben steht, ist wirklich geschehen, und geschehen zur endlichen Verherrlichung ocs Voltes Jehovas, einst hier auf Erden.

Tiefer Grundgedanke beseelt und begeistert den alt­gläubigen Juden, und mit ihm ist er der Halt des Judentums in Kultus, in seiner sozialen Gemein,chaft, es ist die Quelle seiner Kcaft. Um dieser GlaudenSüber- zeugung willen ertrügt es die erdrückenden Fesseln des Talmud, erträgt es die Gemeinschaft mit den abtrünnigen und verführten Gliedern, den Cyrillen, feinen Feinden. Um ihres Glaubens willen finden Die Juden sich auch gesellsck)aftllch mit den Christen ab, sie weisen sogar in wissenschaftlichen Werken nach, daß daS Christentum nichts enthält, waS nicht das Judentum längst besessen, und daß es höchstens em unäckstcr jrocig ist, gepfropft auf edlen Stamm. Es ist der Glaube an Jehovcnö Wun­der, die er für fein Volk getan hat. jetzt tut niid tun wird, bis es einst alle feine Feinde unter die Füße creten ivird. (Psalm 137.)

R. B. Lar m Habt, 25. Febr Nachmittags - Sitzung.

Tie Sitzung begur. um -i1/» Im untre Vorsitz des BJe- vräiidenten Reinhart. Bei Fvrichtzuiig bet Beratung des

Justizetats kommt Abg. Leun auf die Stempelaebühren und stellt den Antrag, die Gebühr von 2 Mk. für orts- gerichtliche Beglaubigungen auf etwa 20 Psg. herabzusehen, um für die kleineren Ochelte eine Erleichterung zu schassen.

Abg. v. Brentano meint, er wolle sich bezüglich der Vorbildung der Juristen zwar nicht ganz aus den Stand­punkt des Abg. Tavid stellen, aber er habe schon früher betont, daß er das Griechiscre für den Juristen nicht für erforderlich erachte und dasselbe im Lehrplan zu gunften moderner Lehrfäck>er zurückgestellt wünsck-e. Tie Definierung des BegriffesOeffentlichkeit" fei ja nickst leicht, aber man könne bod) die veilckstebenartige Beurteilung durch die Staatsanwaltschaft hier zur Sprache bringen. Er stimme dem Minister ganz darin bei, daß die Staatsanwallschaft die im öffentlichen Leben stehenden Männer gegen gröbliche Kränkungen sckstitzen müsse, es sollte das aber nickst nur bei nationalliberalen, sondern bei Männern aller Parteien gescksthen, man müsse auch hier den GrundsatzGleiche- Recht sur alle" festhalten. Redner besprickst dann eingehend die Vorgänge bei der letzten Reichötagswahl in Offenbach unb stellt fest, daß man Trahtlinien auf der Straße ge­spannt habe, um Tr. Becker, wenn er seinen fdaueren Be- rufspflichten nachgehen wollte, zu Fall z-u bringen. Das sei doch das Gemeinste, was man seit langer Zeit erlebt habe. Auch vor körperlichen Angriffen unb vor Verhöhn­ungen sei man nickst zurückgeschrcat. Redner beleuchtet bann eingchenb das gegen den Redakteur desRheinhess. Beob." eingeleitete Strafverfahren, weil er einen freireligiösen Prediger in Schutz genommen hatte. Es sei gegen den Redak­teur, obwohl er gelähmt unb leidend war, sogar ein Haft­befehl erlassen worden. Dagegen müsse dock) entschieden Protest erhoben werden.

Justizminister Tr. Dittmar erklärt, das Justizmini­sterium sei stets bestrebt, bei allen berechtigten Beschwerden 21bhilfe zu sck)affcn, und stelle sich irgenbwo ein Unrecht heraus, so bringe er mit aller Krafr aus Abhilfe. Dem Abg. v. Brentano müsse er wibcrspreck)en, da» in dem Fall mit dem Redakteur ein Unrecht seilens der Justiz geschehen sei. Ter Betreffende sei doch geistig vollständig normal und sich auch seiner Tat bewußt geivesen, da mußte er auch die Konsequenzen tragen.

Abg. UI r i d> lommt auf die Offenbacher Reichstagswahl zurück und sucht darzutun, daß jettens der Anhänger der Aandidatur Becker alles geschehen sei, um die Wahlkämpfe

en

zu verschärfen.

Abg. Cramer kommt noch einmal auf die ihm an­gedrohte Verhaftung und verlangt den Sck-utz des Art. 84 der Verfassung.

Abg. Hirsche! wünjwt bezüglich des Schutzes der Staatsanwaltschaften ebenfalls gleiches Recht für alle unb bringt einen Fall des Rabbiners Tr. ©aalfelb in Mainz vor, der plötzlich in dem Ornat eines evang. Geistlichen erschien. Tie Behörde hätte nickst in der erwünschten Weise eingegriffen. Man nehme in Hessen immer nur die Juden in Schutz, daß man aud> mal Katholiken oder Andersgläubige schütze, habe er uoch nicht erfahren. Redner beklagt, baß der Justizmlnister zu wenig Cntgegenkomnien zeige.

Justizniinister Tr. Dittmar erwidert, er führe sein Amt durchaus nach Recht u»ö Gewissen. Wenn er die Staatsanwälte em fad) kritisieren und ihnen Vor­haltungen machen wollte, so würden dieselben sagen, er zweifle an deren Unparteilidsteit. Er würde sofort einschreiten, wenn er den Eindruck gewinnen würde, Daß ein Staatsanwalt in irgend einer Richtung nach Partei­rücksichten handelte. Er dente aber viel zu hoch von unseren hesjisd)en Juristen, um einen Verdacht in dieser Richtung aufkommen zu lassen. Tie Sozialdemokraten kämen immer mit dem SchlagwortKlassenjustiz", das nun einmal zu ihrem agitatorischen Mstzeug gehöre. Tas sei ein so schwerer Vorwurf gegen die deutjcyen Richter, daß er ihn gar nickst

energisch genug zurückweistn könne. Ter Beweis einer be­wußten Parteiilcksteit in der hessischen Rechtsprechung sei bisher noch nie in irgend einer Weise erbracht worden.

Nachdem Avg. Tr. David auf verschiedene Bemerk« trugen des Justizministers geantwortet, betont Abg. Tr. Gutfleisck) als Ausichußverichterstatter: Es seien im Laufe der sehr umfangreichen Tebatte ja viele Klagen unb Wünsche im Hause erhoben worden, aber er sei doch her Ueberzeugung, daß wir mit Stolz auf die allgemeine Recksts- pslege in Hessen blicken dürfen. Ihr Zustand sei durchaus nicht so, daß er eine herbe Kritik erfahren müßte. Gr halte mit dem Justizminister an der Anschauung feft, daß von einer absichtlid)en Parteilichkeit nirgends die Reoe sein könne. Laß einmal auch Versehen vorkämen, sei menschlich- aber daß ein deutscher Richter mit Bewußtsein das Recht zu beugen versuckjen sollte, halte er nach seinen langjährigen Erfahrungen |ür unmöglid. Tie Klagen über die mangel­hafte Ausstattung der verschiedenen Jullizlokalitäten halte er für beredstigt, uno der Hinweis auj Die Landgerichts- ptäjiDenteti genüge nicht, denn die säl)cn doch die Aus- [lattung und veranlaßten keine Verbesserung. Ter Referent sprach dann nodj seine Freude aus, daß z. B. die von dem Abg. Leun betunbete Gegnerschaft gegen die neuen Grund­bücher zu praltisch.cn Vorjchlügen umgewandelt wurde, und berichtigte dann versästeDene, bei der Berich'erstatlung über den Justizetat in der Presse mit unterlaufene Irrtümer.

Abg. Weidner gab nun eine längere persönliche Er­klärung ab, daß er bei der Besprechung über die Hüte- Undersrage int Vogelsberg nicht die Absickst, gehabt habe, an der Wahrheitsliebe der obechcssifchen oder überhaupt der Geistlichkeit zu zweifeln. Seine Ansfuhimngcn hätten sich sveziell gegen die geistlichen Arlikelschreiber in derFrkf. Ztg." gerichtet.

Darauf erfolgt Schluß der Debatte und das Haus ge­nehmigt Kap. 88, Ministerium, in Ausgabe mit ö6 670 Mark, unb Kap. ö9, Gerichte, in Einnahme mit 1613 700 Mark, in Ausgabe mit 13 i 8x0 Mk., nachdem eine vom Abg. Hirjchcc näher Legfunbete Peli.io» der Schreibgehil um Verbesserung ihr^r untünfte an den Ausschuß vervne en worden nut. Ohne -libaile wurden iann die Etats für ZelleuanstaU Bu§vaa BaudeszuchU-aus Marienschloß, Ge- langr.iije zu Darmch e- und Mallis, Kr minaltapfri Liatlen- bueg, Odeiyejchn unb Rheinhessen, unb her Rest des Etats bewilligt. Ferner wurden im Anschluß daran bte Justiz-