Ausgabe 
25.8.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 199

Erscheint tÜglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGiehener KamMenblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der -hejstsche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitätsdruckeret. R. Lange, Gießen.

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Zweites Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 25. August 1904

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Pie Haufe des rufstfchen Thronfolgers.

Petersburg, 24. Aug.

Heute vormittag wurde in der Peterbofer PalaiSkirche die Taufe des Thronfolgers vollzogen. Der kaiserliche Konvoi wurde mit einer achtspännigen Staatskarosse unter Vorritt von Husaren und Kosaken auS Alexandria nach dem Großen Palais gebracht. An dem Zuge in die Palaiskirche nahmen teil: der Kaiser, die Kaiserin-Mutter, die Königin der Hel­lenen, die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, Prinz Heinrich von Preußen, der Prinz von Battenberg und die Mitglieder des kaiserlichen Hauses. Nachdem der Metropolit dem Täufling das Abendmahl gereicht hatte, legte der Zar ihm den AndreaSorden an. Glockengeläute und ein Salut von 301 Schüssen kündigten in Peterhof wie in beiden Residenzen die vollzogene Taufe an. Während der Thron­folger in feierlichem Zuge nach Alexandria zurückgebracht wurde, nahmen die Majestäten die Glückwünsche des voll­zählig erschienenen diplomatischen KorpS, des Hofes und der Würdenträger entgegen. Den Anwesenden wurde ein Früh­stück serviert. Peterhof und die Residenz hatten Festschmuck angelegt. Heute abend sand Illumination statt.

Daß vom Prinzen Heinrich überreichte Geschenk des deutschen Kaisers besteht in einem Pokal, der aus massivem Golde getrieben und in romanischem Stile gehalten ist. DaS kostbare Geschenk wurde in einer Hofkarosse an seinen Bestimmungsort gebracht.

Durch kaiserliches Handschreiben wurde u. a. verliehen: der Alexander Newski-Orden dem Justizminister Muraw jcw und dem Ackerbauminister Je rmolow; die Brillanten dieses Ordens dem Minister des Aeußern Grafen Lamsdorss, dem Generaladjutanten Richter, dem Grafen Woronzow- Daschkow. Ferner wurde der weiße Adlerorden dem Präsidenten des Ministerkomitees v. Witte verliehen.

Em Tagesbefehl des Zaren ordnet an, auf gesetzgebe­rischem Wege den finländischen Militärbezirk auf- zuh eben und dem Petersburger einzuverleiben. Für die Armee und die Flotte sind auf der Grundlage des heutigen Manifestes besondere Gnadenerlasse erfolgt,

DaS gestern bereits in unserem Depeschenteil mitgeteilte Gnadenmanifest deS Zaren wird von den meisten Blättern in anerkennender Weise besprochen. DieVoss. Ztg." meint, die Kundgebung werde manche Träne trocknen und manches Gute stiften, wenngleich die politischen Amnestierungen kaum als ein Schritt zur Versöhnung betrachtet werden könnten, da bedingungslose Begnadigungen politischer Verbrecher nicht erfolgt seien. Andrerseits liege in der Aufhebung der Prügelstrafe ein entschiedener sittlicher Fort­schritt. DieNationalztg.^ findet in dem Manifest eine wahrhaft fürstliche Liberalität, vermißt aber einen Hinweis, und habe er nur die Bedeutung eines Hoffnungsschimmers, in der Richtung der Einführung des parlamentarischen RegierungSsystemS in Rußland. In der Tat hegten nicht wenige gebildete Russen entsprechende Erwartungen, da gerade jetzt das Volk in und für Ostasien die schwersten Opfer bringt. Doch die Hoffnung hat fich nicht erfüllt und dürfte deshalb auf absehbare Zeit hin unerfüllt bleiben. Das Gnaden­manifest des Zaren ist danach nur eine Abschlagszahlung aus tiefergreifende Reformen.

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AuS Anlaß der Taufe deS Großfürsten Thronfolgers son Rußland fand gestern in Berlin in der Kapelle der russischen Botschaft, aus welcher die weiß-blau-rote National­flagge wehte, feierlicher Gottesdienst statt.

Dom Kererokrieg.

Zu den letzten Kämpfen in Südwestafrika gibt die Nordd. Mg. Ztg." eine längere Erläuterung. Leider be­schränkt sich das offiziöse Blatt auf eine Reihe von topo­graphischen Angaben, während es sich über das, was zurzeit von allerwesentlichstem Interesse ist, ausschweigt; über die Aussichten für den weiteren Verlaus der Aktion gegen die Herero sagt dieNorddeutsche" kein Sterbenswörtchen. Sie schreibt:

In der letzten Meldung des Generalleutnants v. Trotha erscheint für das Verständnis der gegenwärtigen Lage auf dem Kriegsschauplätze die Angabe von besonderer Bedeutung, daß die Herero sich mit starken Teilen auf der Linie Omeihei-Okahitua- Okosongo (? Okosongoho?) nach Südosten auf Otjekongo und Otiimajo in Rückzug befinden. Es ergibt sich daraus, daß die geschlagenen Aufständischen, die nach der Meldung vom 15. d. M. panikartighauptsäMich in östlicher Richtung" flüchteten, es aufgegeben haben, ihre Rettung in dieser Richtung zu suchen, die sie, wie die .Kriegskarte lehrt, in das Sandfeld (Omaheke) geführt hätte, sondern sich in der Richtung zurückziehen, aus der sie vor ihrer Konzentrierung bei Waterberg gekommen sind, in dre an Buschwald reichen, toupierten Landstriche nordöstlich von Owikokorero. Die genannten drei Orte Omeihei-Okahitua- Okvsongoho liegen südöstlich von Waterberg, auf eine Strecke von 30 Kilometern verteilt, am Flußbett deS Omuramba-u-Oma- tako. Otjomaso, das als eines der Ziele der flüchtenden Banden bezeickmet wird, siegt fiwöftlich über Okofondusu hinaus halbwegS zwischen, dem Omuramba und dem Eiseb, Otjekango aber mehr südlich in der Richtung Okosondusu-OtjAsondu-Owikokorero. Bei Otfekango hat bereits vor einigen Tagen Oberleutnant v. Winkler feindlichen Banden eine verlustreiche Schlappe bereitet. Er war bekanntlich bei seinem Zug durch das Epukiro- und Eisebgebstt ^nbe Juni unerwartet bei Otjvsvndu mit der gegen Okuscmdusu vormarschierend.il ylbteilung v. d. Hevde zusammengetroffen und batte, wie es scheint, jetzt den Auftrag, Pie dort befindlichen Etappen- und Krankenstationen zu decken. Sanins Maharero soll fick» unter dm gegen Otjekango zurückgel-enden Banden befinden, währens die aus der Gegend von (WofaibtS stammenden Tetjo- Leute bofa'n ihren Riickzim nehmen. Diesen den Weg abzuschneiden, scheint nur? die Ausgabe der 5. Kompagm'e des 2. Regiments unter Hauptmann v. Heydedreck zu sein, nun dem die gestrige Meldung sagt, er habe die Aufgabe, ein Ausweichen des Gegner- aus Epukiro im Osten zu verhindern. UebrigenS sei daran er­

innert, daß eine Meldung vom 27. Juni besagte, Epukiro, Gobabis und Rietfontein seien diesseits noch besetzt.

Bekanntlich haben Hererobanden auch versucht, nordöstlich, den Omuramba-u-Omatako abwärts, zu entkommen, sind aber am 15. d. M. von Major v. Estorfs, der von Norden her vorging, mit großen Verlusten geschlagen worden. Ob Major v. Estorfs von Ombujo-Natanga aus, das nur etwa 10 Kilometer nordöstlich von dem oben genannten Omeihei liegt, im Flußtal aufwärts marschiert oder sich an der Verfolgung des Feindes nach Südosten beteiligt, ist aus der Meldung nicht ersichtlich.

Generalleutnant v. Trotha, der mit den Abteilungen Mühlen­fels und Deimling die Herero von Hamakari ostwärts bis Omut- jatjewa (westlich bom Omuramba) verfolgt hatte, dann aber durch Mangel an Weide und Wasser verhindert war, weiter vor­wärts zu gehen, hat inzwischen diese Teile seines Korps süd­wärts dirigiert, um ein Eindringen der Herero in den Westen zu verhindern. Major v. Mühlenfels, der am 19. d. M. den Herero bei dem Dley (Wasserbecken) Erindi-Endeka, nördlich von Okosongoho am Omuramba, eine Schlappe beigebracht hat, ist südwärts narfp Orutjiwa marschiert. Weiter westwärts, auf dem Wege, den General v. Trotha seinerzeit nordwärts zog, geht die eine Kolonne des Obersten Deimling südwärts. Ihr gehört er­sichtlich die Kompagnie Franke an, denn aus Privatmeldungen ist zu entnehmen, daß Hauptmann Franke sich am 20. d. M. bei Okawitumbika, etwas südlich vom Omuramba, befand. Er bat auf dem Marsche einige Herero gefangen, welche aussagten, daß die Banden, mit denen der Kampf am 11. d. M. bei Hamakari stattfand. die Leute des Mambo getvesen feien, eines Häuptlings, desfen Sitz am weißen Nofob, also östlich von Windhuk, lag. Auf diesem Wege ist wohl auch General v. Trotha marschiert, dessen Hauptquartier am 21. d. M. in Otjire war. Die andere Kolonne Deimling ist noch eine Strecke am Omuramba aufwärts vorgerückt, um über Otjikurume den Marsch nach Owikokorero zu machen."

Wenn wirklich die Flrlcht panikartig gewesen ist, wie kommt es dann, daßstarke Teile" der Herero zusammen­bleiben konnten? Wie kommt es, daß diestarken Teile" des Feindes ihre Viehherden mitnehmen konnten?

Im Gefecht am Omuramba

am 15. d. M. sind, wie dasMil.-Wochenbl." meldet, der Oberleutnant Bischoff, früher im Jnf.-Regt. 132, uni) der Leutnant Hans d. M e 1 e n, früher im Jnf.-Regt. 15, beide jetzt im 1. Fetdregiment der Schütztruppe, verwun­det worden. In demselben Gefecht sind fünfMann gek- fallen und fünf Mann verwundet worden, deren Namen noch nicht mitgemeldet sind.

Es fielen ferner im Gefecht bei O m a t u p a am 15. August: Unteroffizier Oskar Schöder aus Lähn (Kreis Lieg- nitz), früher beim 2. Garde-Dragoner-Megt.: Reiter Otto Handrock aus Naumburg a. d. S., früher Regt. Nr. 71; Reiter Hermann Kämmler, früher Drag.-Regt. Nr. 4; Ge­freiter Wilhelm Mayer aus Jesse bei Spremberg, früher Regt. Nr. 12. Schwerverwundet: Oberleutnant Bischoff, früher Regt. Nr. 132, Schuß in den rechten Fuß; Unteroffizier Paul Kanitz, früher Dragoner-Regt. Nr. 2, Gesichtsschuß; Reiter Emil Worbs, früher Pionier- Bat. Nr. 5, Aüm- und Hüftschuß. Leichtverwund et: Leutnant Maien, früher Regt. Nr. 115, Streifschuß in der linken Hand; Unteroffizier Oswald Standow, früher Regt. Nr. 96, Streifschuß am Hals. Im Gefecht bei Ornat- jatjewa am 13. August: Schwerverwundet: Ge­freiter Millers, früher Regt. Nr. 75, Schuß in den Kopf; Reiter Steindorf, früher Regt. Nr. 26, Schuß in die Schulter. Leichtverwundet: Reiter Christoph, früher Gren.- Regt. Nr. 1, Streifschuß: Reiter Kruber, früher Eisenbahn- Regt. Nr. 3, erschloß sich am 19. Juli in Epukiro infolge eines Anfalls augenblicklichier Gerstesstörung.

Am 30. d. M. wird ein neuer Truppen trans- Port von 800 Mann nach Südwestafrika abgehen. Militävischerseits wird mit der Notwendigkeit gerechnet, die dienstfähigen Mannschaften etwa 2 Jahre in den Schutzgebieten zu belassen.

W. T. B. verbreitet folgendes: Die Presse bemängelte, daß die Verlusttelegramme au§ dem Schutzgebiet nach dem Gefecht vom 11. August so lange auf sich warten ließen. Die Sache findet nun ihre Aufklanmg durch ein Telegramm des Generals v. Trotha, welcher meldet: Da der Feldtelegraph zerstört gewesen und der Helio­graph durch Telegramme für Operationen überlastet war, ist die namentliche Verlustliste durch eine Offiziers- Patrouille nach Okahandja auf den Draht gebracht worden. Daher die Verzögerung.

Politische Tagesschau.

Minister Moller.

"R. Berlin, 24. August.

Der preußische Handelsminister Möller hatte ursprünglich die Absicht, gegen Ende August die Weltausstellung in St. Louis zu besuchen und eine Studienreise durch die Ver­einigten Staaten anzuschließen. Ob diese Absicht noch be­steht, ist fraglich. Zur Zeit weilt der Minister in Schlesien, vermutlich um sich über die der Oderschiffahrt entstandenen Schäden ein Urteil zu bilden. Im übrigen sind Herrn Müller­in der Angelegenheit der Hibernia-Verstaatlichung Schwierigkeiten erwachsen, die er in solchem Umfange offenbar nicht erwartet hatte, und die ihm kaum geraten erscheinen lassen dürsten, auf längere Zeit in8 Ausland zu gehen. Das Glück ist Herrn Möller als Minister nicht gerade hold. Der einzige unter seiner Aegide ausgearbeitete und nach Nöten groß und schwer endlich vorgelegte Gesetzentwurf, die Börsen­novelle, ist der Vertagung anheim gefallen und wird, obwohl sehr bescheidene Aenderungen des Bestehenden darin vor­gesehen sind, wahrscheinlich nur in abgeschmackter Form Gesetz werden. Den Börsen- und Handelskreisen kann Möller äugen- scheinlich nicht das Maß von AktionSfreiheit schaffen, das sie von seiner Berufung inS preußische Ministerium erhofft hatten. Die Börse kann warten und Möller auch.

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Gelbe und schwarze Gefahr.

Es ist wenig bekannt, mein das Schlagwort von dergelben Gefahr"' seine Entstehung verdankt. $cr wirkliche Erfinder ist

niemand anders, als Pobjedonoszew, der Prokurator des heili­gen Svnods. Pobjedonoszew hat kürzlich in einem Geheimerlaß angewiesen, wie die Bedeutung des russisch.j apanischen Krieges den Schülern dargestellt werden wll. Aus diesem Schriftstück geht deutlich hervor, welche Dienste diegelbe Ge­fahr" der militärisch-religiösen Fanatisierung des russischen Bür­ger- und Bauerntums leistet.

Weit mehr aber als Rußland wird Großbritannien von der gelben Gefahr bedroht. Es hat bei seinem ungeheuren Handels- interesse in Ostasien mehr auf dem Spiele stehen, als irgend eine aridere zivilisierte Macht. China ist sein bedrohlichster Nachbar für Indien. Die Ausbreftung des Cbinesentums in Eng­lands Kolonien macht auf alle Fälle die Cfnnesenfrage zu einer der ernstesten Fragen der Eingeborenenpolitik, mit denen es seit der Nebernahme Ostindiens von der Indischen Kompagnie und feit dem Zulukriege zu tun gehabt hat. England hat aber die Chinesen- frage immer viel kühler und mehr vom Standpunkte des prakti­schen Menschenverstandes behandelt, als es sonstwo geschehen ist. Es vlacht sich den gefährlichen Chinesen in umfassendster Weise für die Entwicklung seiner jüngeren Kolonien dienstbar. Alle Grubenleiter, alle Fabrikdirektoren, alle sonstigen Industriellen, die den Chinesen aus der Praxis der Arbeit kennen, sehen in ihm das beste Material für den Unterbau des weißen Arbeits­marktes in allen den Kolonien, wo der Schwarze, oder der Misch- ling trotz Jahrhunderte dauernder Schulung, nicht zur gesitteten Dienstleistung im wirtschaftlichen Haushalt hat erzogen werden körmen. Den Chinesen als Handelsmann^ ungefährlich zu mach«, die Aufgabe, welche in den Vereinigten Staaten, als es Zeit war, versäumt worden ist, nehmen die Engländer in ihren Kolonien verhältuisniäßig frühzeitig in die Hand. Was daher in Rhodesien^ und dem Transvaal vorgeht, ist ein Paradeexperiment, das den' Kolonialpolitikern beweisen soll,wozu der Chinese zu brauchen ist". Es ist zugleich ein Ultimatum an den Schwarzen. Dxshalb hatte der Präsident der britischen Antisklaverei-Gesellschaft recht, wenn er kürzlich behauptete, die Einführung von Kulis nach Durban bedeute den Anfang einer schwarzen, nicht einer gelben Gefahr. In englisckien Kolonialkreisen rechnet man durchaus mit der Möglichkeit, .daß in zwei bis drei Jahren die Schwarzenftage mit der Waffe in der Hand endgiltig geregelt werden müsse. Es fvill doch gewiß für ein englisches Empfinden viel sagen, wenn auf dem diesjährigen Antffllaverei-Kongreß der Aufruf zu gemeinsamer Wacht der Afrikamächte gegen die schwarze Gefahr erscholl. Vor beiläufig 50 Jahren ließ die Verfasserin von Onkel Toms Hütte einen gut­mütigen Louisiana-Pflanzer sagen:Wenn wir die Schwarzen um urrs haben wollen, so müssen wir uns eben mit ihren Lastern, ihrer Dieberei und ihrer Wildheit abfindem" Von der angli- kanisck>en Rasse ist diese Ansicht heute aufgegeben. In Amerika steht man noch ratlos vor der Frage, was tun? Die englische Politik spielt zunächst den chinesischen Kulturmenschen gegen den wild gebliebenen Schwarzen aus: in der Tasche aber ladet sie die Pistole, mit der sie ihn zwingen will, entweder zu feinem eigenen Heile zu arbeiten, .oder aber Raum für nützliche Arbeiter zu geben.

Kirche und Schule.

Der 22. Dleutsche Proteftantentag vom 4. 5iS 7. Oktober in Berlin wirb eröffnet durch einen Fesk« gottesdienst in der Jerusale-ms^irche am 4. Oktober, Sei dem Pastor Dr. Mehlhorn-Leipzig die Festpredigt hält. Die Tagesordnung bietet drei öffentliche Hauptversammlungen: 5. Oktober, Gegenstand:Die chflckstliche Lehre nach 'dem gegenwärtigen Stande der theologischen Wiffenschaft und ihre Vermittlung an die Genreinde". Berichterstatter: ,1. Prof. Dr. Dörner aus Königsberg ü Pr.; 2. Pfarrer Dr. Max Fischer-Berlin (St. Marcus) und 6. OLober, Gegen­stand :Nur durch die Ueberwindung deS Katho­lizismus beider Kirchen ist die wachsende Macht deS Atheismus zu brechen." Berichterstatter: 1. Pastor Dr. Sulze-Dresden; 2. Pfarrer Mayer-Kaiserslautern. Jv einer dritten Hauptversammlung am 7. Oktober wird über die Arbeit der Sektionen Bericht Erstattet. In Sektionssitz­ungen, die nicht öffentlich, aber jedem zugänglich sind, War­den folgende Gegenftärrde behandelt: 4. Oktober: 1.Ent­spricht die Zusammensetzung der Synoden dem Ideal der Volkskirche^ Referent: Direktor Schrader, M. d. R. 2.Das Stimmrecht der Frauen in der Kirche". Referentin: Frl. Martha Zietz-Eutin. 5. Oktober: 1.DiS- kussionsabcnde". Referent: Hauptpastor D. Grimm-Ham­burg. 2.Protestantische Wege zur Jugendpflege". Referent: Pastor Classen-Hamburq. 5. Oktober:Kirche und Sozialdemokratie". Referent noch ^mbestimmt. Am 5. Oktober werden vier Volksabende veranstaltet. Mit- glieder des Deutschen Protestantenvereins erhalten Fvei- quartiere.

Ans Stadt and Land.

Gießen, den 25. August 1904.

** Vom Manöver. Daß Infanterieregiment 168 ist am Montag per Baku in Großen-Btlseck eingetroffen, um bei Beuern und Reiskirchen scharf zu schießen. Montag und Dienstag war zugweise und kompagnieweise Schießen, gestern hatte das 1. Bataillon (Butzbach), heute das in Offenbach liegende 2. Bataillon Prüfungsschießen im Beisein deS Brigade- kommandeurS Generalmajors Grafen von Kanitz. Nächste Woche trifft daß Regiment Nr. 115 zum Scharfschießen in Großen-Buseck ein, alSdmm beginnt auch daS Brigade­exerzieren der 49. Jnsanteriebrigade bei Steinbach, Schiffcn- berg und Garbenteich. Die 168er bleiben hier im Caiaritcr, die 116er in ihren Kasernen, und die 115er beziehen in der Gegend von Steinbach, Watzenborn, Garbenteich und Hausen Quartier. Die Besichtigting der Brigade ist am 9. September.

' Iss land in Gießen. Der Verein für Tbcater-

gesck)ichte in Berlin hat kürzlich des einst berühmten Schau­spielers und Dramatikers Jffland Briefe, an seine Schwester Luise und andere Verwandte gerichtet, beran-gegeben. Stuf einer Gastspielreise im August 1783 hat Jffland auch Gießen passiert. Damals war noch kein Theater, geschtveige ein Theaterverein hier, den großen Mimen festluy zu «mpjangen, nnb Jffland hat nur über eine schlechte Nacht zu benchten, die er im Gießener Po st hau S verbracht hat. .Zu Gießen", heißt c8,bin ich im Posthause, eS ift greulich lärmend, und ganz großstädtisch, was baS ^auS anbetrift*. Und ferner:Dre Nacht auf den 29 len war tch m Gießen. Zwischen 89 war ich wohl auch unnihig, denn ba ijt