Quf8ow d
102.4
100.1
Ai
1(
Iß
M
1.1871
trie-AMie»;
At
SK’e'Ä
K
K
10.- li-:'
i i
anbbr. ?.25O
soll 95: 96Ä
Ä8 101.-!.
1(2-
. 102 . . . . irg r. 103 . . .
nt. v. Fraalsurt .
A
xir.io ;;
SttlK" gi»4» S«L'
öi'r!
Obligationea. oo'::::: 02 . . .
‘ ist»! *■
sliehe Lose«
. . . . ZTrJOOlld . . . . Er. 100(17, . . . .. r.fi.M! - öbr.I . . Ar.M!-
II Dr.100 - . . Xfr.oO - . . WLlOOlß . . £(r. lOOiiy
. . Nr. 50
. . Fr. N -
. . Fr. 100 ü
. . £lr.W- . . Lonv.N. - . . 5.fL500 !:ii . . Sir. 401* alt ft. «M. 100 S*-
IAO
1 * fäStp- ■■
Ä*;
■_ ' alt.ft.«HK"’- -Graz . .
. . ö.fl.15-' chemr.....
nsliche Lose.
t.,n
^•Hb.^ 1 K !•18 uni. b iqno ‘1
?• " uni b IQin ■ 1011 ■Mi •
x UN b. 1905: ft S®’ b-1908 * 24 uni b. 1919 ’ean unt 5. M ' nnl b. iso?
W.9< b- 'l90ä J S tf.: • • -« ifj'X b.M’jW
>7U'6’ 8etl‘utnt|^; itt.-ei' ' - .
»• 1251 ‘ •
ÜJ* *■ ““:
&! ®nJ- b. 1909 £ < !• 1911 S ■ o uul- b. 1913 £■ ® uni b. 1905
4 uni b. 1907 Nuizial-gargnt. •«tr.Iu.Hunf 1909 l^trh.n uni 1909 • Q • . . . .; lo- -U-50.LLu.1M- . M. N. P. . . _ l $■ blttd.-Lnst. uuk. 1906 j 2.'
Nr. 147
«erstes Blatt.
154. Jahrgang
Samstag 25. Juni 1904
•r|*eint täglich aufeet Sonntag«.
Dem Dieben er Anzeiger werben im Wechsel mit dem heMschen Landwirt die Gießener Familien- ölütter viermal in der Woche bergelegt.
Rotattonödruck il 93er- *ag der Brü h I'scheu Untvers.'Buch-u. Steindruckerei. 8t Lange. Redaktion, (troebtttoe und Druckerei:
Vchulstratze 7. ftldrefie für Depeschenr
Anzeiger «tetzen.
Fernsprkchanschlutz Nr. 51.
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger 87
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
BeangSprei»: monatlich 75 Pf^ ütertel- sSbrltch DL LLO; durch Aohole- u. Hrveigstellen monatlich 60 Pf.; durch biePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie LageSnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ auSwärlS 20 Pfg.
Derantwortlich für den poilt und aUgem. Teil: P. Wittko: für „Stadt und £anb" und „Gettchtssaal^: August Goetz; für den Anzeigenteil: HanS Beck.
Kur Kammerberatung über die Waylrechtsvorlage.
Man schreibt uns:
In der zweiten hessischen Kammer steht die abermalige Beratung des Wahlgesetzentwnrfs unmittelbar bevor; da mag es gestattet sein, derselben ein haar nüchterne Geleitworte mit an, den Weg zu geben. Tie Vorlage ist bekanntlich zu Anfang 1903 von der Großh. Regierung im wesentlichen nach den Beschlüssen der zweiten Kammer abgeänderter Form wieder eingebracht worden. Wie die Regierung selbst betont, hat sie an dem Entwurf diejenigen Aenderungen vorgenommen, „welche entweder von ihr während der Verhandlungen im Ausschuß vorgeschlagen und von diesem und der zweiten Kammer angenommen worden sind oder von dem Ausschuß oder der zweiten Kammer voraeschlagen, von letzterer beschlossen und von der Großh. Regierung nicht beanstandet worden finb'. Rach dieser ausdrücklichen Versicherung hätten optimistrsch veranlagte Naturen annehmen können, daß mit >em abermaligen Entgegenkommen der Regierung die Wahlrechtsfrage in Hessen so gut wie gelöst sei und die zweite Kammer schleunigst ihr Ja und Amen dazu sprechen würde. Es kam aber anders! Man hat es anscheinend gar nicht übel genommen, daß die mühsamen Ausflicker'eien der Art. 6, 7, 14 und vor allem die Artikel 9 a bis 9 f, welche die Einführung der Wahlpflicht, sowie die lebhaft diskutierten Strafen für deren Versäumnis enthielten, einfach wieder in, der Versenkung schwanden. Dagegen aber schlug zu höchster Flamme die Frage der Mandatsvermehrung und der neuen Wahlkreiseinteilung empor. In der ersten Lesung im Juni 1902 war entgegen dem Regierungsvorschlag, welcher die Abgrenzung der ländlichen Wahlkreise im Wege der Verordnung geregelt wissen wollte, beschlossen worden, daß diese Abgrenzung „im Wege des Gesetzes" mi erfolgen habe. Jetzt war man im Ausschuß einstimmig der Ansicht, daß es im Interesse des Landes liege, mit der vorge,chla- genen Abänderung des Wahlrechts auch gleichzeitig eine Neueinterlung der Wahlkreise vorzunehmen. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen und darüber wenigstens 'eine einstweilige Verständigung zu erreichen, hat aber der Ausschuß nahezu IV2 Jahre Zeit gebraucht und ist dabei mitten in die Heuernte hineingernren!
Es wäre nun gewiß für alle Kreise von besonderem .Interesse aewesen, zu vernehmen, wie sich die einzelnen Parteien oder Ausschußmitglieder zu den hauptsächlichsten Streitfragen im Ausschuß gestellt Hubert. Der Ausschuß- be richt soll nach den verfassungsmäßigen Bestimmungen dazu dienen, die nicht dem Ausschuß an gehörenden Volksvertreter über alle Hauptpunkte aufzuklären und ihnen -Gelegenheit zu geben, sich ein eigenes Urteil über die Beschlüsse und Beweggründe desselben zu bilden. Aber ge- -,adc über die wichtigsten, im Ausschuß monatelang verhandelten Fragen schweigt sich der Ausschußbericht fast vollständig aus. Hatte man schon bei der ersten Beratung der Vorlage 1902 daran Anstoß aenommen, daß die Ein- sührung einer so tief einschneidenden Verfassungsänderung kurzerhand ohne eine sorgfältige Prüfung und Uebersicht des bezüglich der Materie vorhandenen Materials — etwa in Form einer Denkschrift — erfolgen sollte, so muß noch entschiedener dagegen protestiert werden, daß jetzt der Ausschußberichterstatter es schlankweg unternimmt, durch einfache Verschweigung der intimeren Vorgänge im Schoße des Ausschusses die große Mehrheit der Volksvertreter im Untlaren zu lassen. Die wenigen dürftigen Sätze, die man zur Erläuterung der Ausschußbeschlüsse für notwendig fand, sind so nichtssagend, daß sie für eine ernste Beurteilung nicht in Betracht kommen können.
Den Kernpunkt ter ganzen Ausschu^öeratung hat zweifellos die Frage der W a h l kr e i s e in te rlu n g gebildet, und hier beschränkt sich der Bericht auf die Bemerkung, der Ausschuß habe sich im Interesse des Zustandekommens des Gesetzes bemüht, mit der Regierung in möglichst allen Punkten eine Uebereinstimmung zu erzielen; er sei auch der Ansicht, daß „keine prinzipiellen Fragen" zwischen der Regierung und der Ausschußmehrbeit „streitig geblieben lind". Wirklich nicht? Hat denn nicht erst vor einigen Tagen der klerikale Kammerpublizist in seinem Mainzer Moniteur erklärt, daß die Regierung dem Ausschuß atlsdrücklich mitteilte, sie werde sich ihre Stellungnahme zu der Wahlkreiseinteilung bis nach deren Erledigung in der Kammer Vorbehalten? Mer garantiert da für „prinzipielle Uebereinftimmung"? Mir fürchten vielmehr, daß die Frage der Wahlkreiseinleil- mnq nicht nur in der Kammer, sondern auch im Lande noch viel Staub aufwirbeln wird. In Rheinhessen gibt es sicht schon Protestversammlungen. Es ist auch in Darmstadt durchaus kein Geheimnis mehr, daß die dortigen Nationalliberalen über diesen Punkt den Part'i- Mnossen im Mahlrechtsausschuß ihre Meinung ausgesprochen haben. Die Aufstellung einer veränderten Wahlkreiseinteilung wäre nach unserem Dafürhalten über- hmrpt Sache der Regierung gewesen: der Ausschuß Hütte sie prüfen und auch die dabei beteiligten Gemeinden uisw. üm ihre Meinung befragen müssen, anstatt einfach üiber die Köpfe aller Interessenten hinweg verfügen zu wollen. Der strategisch sehr gewandte Ausschußpräsident W doch trotzdem und alledem noch kein Generalstabschef! Die tonangebenden Mitglieder des Ausschusses scheinen aber im den letzten Monaten ganz unter der Autosuggestion gestanden zu haben, daß sie unter allen Umständen „etwas st.rtio bringen" mußten, und nur so ist es wohl auch zu crklären, daß andere wichtige Punkte der Wahlrechtsvor- laroe, wie z. B. die vermehrte Berufung von Mit- gjsiedern zur ersten Kammer, die Ungleichheit d>er Wähler in den städtischen Wahlkreisen, die Mitberücksicktigung von Vertretern der be
ruflichen Interessen, wie sie in anderen süddeutschen Staaten so erfolgreich angestrebt wird, vom Ausschuß völlig außer Betracht gelassen worden sind.
Es will uns scheinen, daß über der ganzen Ausschußberatung der Wahlrechtsvorlage kein besonders günstiger Stern gewaltet hat. Die jetzt um jeden Preis in der größten Hitze des Jahres anberaumte Plenarberatung mag ja in der einen oder anderen Richtung zu einer vorläufigen Entscheidung führen, im Interesse einer gesunden Weiterentwickelung der politischen Verhältnisse unseres engeren Vaterlandes muß doch hier die dringende Mahnung ausgesprochen werden, daß unsere Volksvertretung ernstlich den Grundsatz unseres größten Strategen beherzigen möge:
Erst wägen, dann wagen!
Pie Insel Ka'i'ti
macht wieder einmal von sich reden. Wie wir gestern schon nach einem Telegramm aus Port-au-Prince meldeten, wird die französische Regierung für einen auf ihren Gesandten verübten Angriff von Haiti Genugtuung verlangen, bei dem der Gesandte von einem Palastwächter durch einen Stein- wurf verletzt worden sei. Heute liegen uns nun folgende Depeschen vor:
Port-au-Prince, 23. Juni. (Havas.) Als der deutsche und der französische Gesandte beute eine Spazierfahrt in der Stadt unternahmen, wurden gegen den Wagen Steine geschleudert. Keiner der beiden Diplomaten wurden verwundet.
Paris, 24. Juni. Der französische Gesandte in Port-au-Prince, Deprez, ist nach einer halbamtlichen Meldung bei dem vorgestrigen Angriff von einem großen Stein am Bein getroffen worden und hat eine Quetschwunde davongetragen.
Paris, 24. Juni. (W.-B.) Die Regierung beschloß, ein Kriegsschiff nach Haiti zu entsenden, um Genugtuung für den Angriff auf den Vertreter Frankreichs in Port°au°Prince zu fordern.
New y ork, 24. Juni. (Reuter.) Nach einem Telegramm aus Port-au-Prmce erhielt der französische Gesandte, gegen deffon Wagen bei einer Ausfahrt mit dem deutschen Gesandten ein Stein von einem Palast Wächter geschleudert wurde, wodurch der Gesandte getroffen wurde, ein Entschuldigungsschreiben. Ter Zwischenfall, so heißt es in dem Telegramm weiter, sei damit als erledigt anzusehen.
Wie wenig die amerikanische Austastung zutreffend ist, daß die Angelegenheit von Frankreich als erledigt betrachtet werde, ersieht man aus der Pariser Meldung der bevorstehenden Entsendung eines strafenden Kriegsschiffes. Merkwürdigerweise scheint sich die deutsche Regierung gar nicht zu regen!
In Paris erregt die den Gesandten zugefügte Unbill besonders deshalb große Entrüstung, weil der Angriff von regulären Soldaten verübt wurde. Der französische Gesandte in Port au Prinee hatte übrigens vor einiger Zeit einen anderen Posten erhalten und sollte Haiti demnächst verkästen. Sein Nachfolger Descos, bisher erster Legationssekretär in Tanger, befindet sich bereits auf der Reise nach Port au Prince, wo er in einigen Tagen eintrifft.
Jedenfalls ist diese ein Ausfluß der in Haiti herrschenden remden feindlichen Stimmung. Die Eingeborenen machen die Ausländer für die traurige finanzielle Lage verantwortlich. Die an der Nationalbank beteiligten Finanzhäuser haben gegen die lange Gefängnishaft gewißer deutscher und französischer Bankbeamten Einspruch erhoben, die der Beteiligung an der Ausgabe gefälschter Staatspapiere im Jahre 1903 beschuldigt werden. Die Newyorker „Tribüne" erklärt, der Zwischenfall sei darauf zurückzuführen, daß auswärtige Regierungen diebische Bankbeamte in Schutz genommen haben. Die „World" meint, die Monroedoktrin werde bie Diebe nicht vor der Strafe schützen.
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Juni. Ter Kaiser empfing gestern in Kiel den Prinzen Wilhelm von Schweden und Norwegen, welcher auf der „Freya" hier eingetroffen ist. Der Prinz ist eingeladen, an Bord der „Iduna" an der Regatta teilzunehmen. — Bei dem gestrigen Sttirme kenterte auch die Barkasse „Mecklenburg 1". Dabei ertrank ein Obermatrose. — Der Kaiser segelte heute auf dem „Meteor". Zur Teilnahme an der Regatta auf dem „Meteor" waren geladen: Der Earl of Lonsdale, Earl of Mar, Mr. Riggs, Mr. Goelei. Vanderbilt, Perecval und Parlv, owie die Admirale von Köster, und von Hollmann. — Fürst Albert von Monaco ist heute an Bord seiner Jacht „Prin- cesse Alice" hier eingetroffen.
— Zur Abendtafel Bei den Majestäten waren in Kiel geladen, außer den Herren und Damen der Gefolge: Der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, der Fürst von Monako. Prinz Wilhelm von Schweden-Norwegen, der Kommandant der schwedi- chen Korvette „Freya", Prinz und Prinzessin Adolf von Schaurn- burg-LiPve, Oberstkämmerer Graf 'Solms-Baruth, Admiral von Knorr, der heute sein 50 jähriges Dicnstjubikäum feiert, und Gemahlin, Botschafter Gras Wolff-Metternich, .der Herzog von Ratibor, Baron van Zuylen vom französischen Automobilklub, Gesandter Schoen (zur Meldung', ferner von der Jacht „Carriad" Earl of Dunraven. von der Jacht „Brynhild" Sir I. Pender und Duke of Sommerset. von der Jacht „Warrio" Mr. Frederick W. Vanderbilt. von b?r Jacht „Vanity" Baron de Rhecdtz-Thott, von der Jacht „Ar'.cdnc" Baron v. Blixcn-Fincke, von der Jacht „Clara" Konunerzieurat B. M. Guilleaume.
— Ter Staatssekretär des Innern, Gras Posadowsky, hatte gestern eine Reihe von Arbeitern zu sich geladen, die gegenwärtig einen sechswöchentlichen Ausbildungskur- us in Berlin besuchen. Ter Kursus war vom Gesamt-Verband evangelischer Arbeiter-Vereine Deutschlands mit Unterstützung der sozialen Geschäftsstelle für das evangelische Deutschland, des Bureaus sür Sozialpolitil, .des evangelisch-sozialen Kongresses und der freien kirchlich-sozialen Konferenz veranstaltet.
— Wie das „B. T." erfährt, ist bezüglich der deutschbelgischen Handelsvertrags-Verhandlungen auch weiterhin strenge Geheimhaltung beschlossen.
Posen, 24. Juni. Heute wurde in dem früheren Vororte St. Lazarus der Grundstein zu der ersten evangelischen Kirche gelegt, die unter dcm Protektorate der Kaiserin erbaut wird. Anwesend waren der Oberhofmeister der Kaiserin, Frhr. v. Mirbach, sowie l>ie Spitzen sämtlicher Militär- und Zivilbehörden. Tie 'Weiherede wurde von dem Ge- meindeaeistlichen, oas Schlußgebet von Generalsuperintendent Hesekiel gesprochen.
Düsseldorf, 24. Juni. Der Frauentag nahm nach den Referaten über die Beziehungen der Frau zur Kunst folgende Resolutton an: „Tie auch zum Frauentag in Tüsseldorf versammelten 'deuftchen Frauen hatten die Eröffnung der. st a a t 1 i ch e n K u n st a n st a 1 t e n für die Frau für dringend notwendig, da die jetzige private künstlerische Ausbildung den Frauen das Studium unverhältnismäßig verteuert und erfdjroert". Eine weitere Resolutton fordert von den Regierungen die Einrichtung von Schulgärten.
Karlsruhe, 24. Juni. Wie verlautet, .hat die Ve r - fassungskommission der ersten Kammer heute über die Verfassungsrcsormvorlage Beschlüsse gefaßt, die eine Verständig- ung der gesetzgebe^n Faktoren über diesen Gesetzentwurf erhoffen lassen. — Tie Regierung hat heute der Kammer einen neuen Entwurf einer Wahlkreiseinteiluug für die Wahlen zur zweiten Kammer vorgelegt. Derselbe enthätt einige.Abänderungen für einzelne Bezirke.
preußisches Kerrenhaus.
Berlin, 24. Juni.
Der Erttwurf eines Wildschongesetzes wird mit Mwher Mehrheit angenommen. Es folgt der mündliche Kommissionsbericht überden Entwurf eines Gesetzes bett, die Verpflichtung zum Besuche ländlicher Fortbildungsschulen in der Provinz Hessen-Nassau. — Prof. Dr. Küster- Marburg tritt filr möglichst große Bewegungsfteiheit der Gemeinden in der Festsetzung der Unterrichtsstunden ein. Bei der Abstimmung wird der Abänderungsantrag der HerrenhauSkom- mission mit großer Mehrheit abgelehnt, das Gesetz in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen.
Ausland.
Amsterdam, 24. Juni. T-as „Hcmdelsblad" meldet anS Batavia: In Tjokjokamta wurde eine Verschwörung entdeckt. Auf einem Gute -sind drei Personen verhaftet worden, die den heiligen Krieg predigten. Man befürckftet, daß die Verschwörung weit verzweigt sei.
Paris, 24. Juni. Der Kommandeur der 34. Infanteriedivision General Bonnet hielt auf einem von der Toulouser Unterrichtsliga veranstalteten Bankett eine Rede, worin er erllärte, die Schullehrer würden ein gutes Werk ausüben, wenn, sie die chri stli ch e n Idc en fo rtp fl a n zt e n. Bonnet kant alsdann auf den Krieg zu sprechen, den er als das größte Hebel bezeichnete. Er fügte Isinzu, die Schullehrer dürften nicht mehr als notwendig auf die Nachteile der Ausübung der Militärpflicht in den Schulen Hinweisen, denn die großen Milttäv- mächte reichten Frankreich nur die Hand, weil cs stark sei. Der Redner schloß mit den Worten: Wir wollen unsere Pflicht tun, aber den Krieg verdammen, dies soll unsere Devise sein!
Konstantinopel, 23. Juni. Tie infolge der Gerüchte von einem bevorstehenden Anschlag in Saloniki und anderen Orten durchgeführten strengen Haussuchungen und archeren Nachforschungen sind bisher erfolglos geblieben. Den infolge von Soldrückständen jüngst in Saloniki und Monastir stattgehabten
Wilkelm Jordan
Wir erhielten heute vormittag folgendes Telegramm:
Frankfurt a. M., 25. Juutt Der Dichter Wilhelm Jordan ist heute vormittag 9 Uhr 35 Min. sauft entschlafen.
Als letzter jener kraftvollen deutschen Poetengestalten, die im Jahre 1819 das Licht der Welt erblickten, ist Wilhelm Jordan, der Nibelungensänger, ins Grab gesunken. Ihm voran gingen in den Tod bereits vor ein paar Jahren die um wenige Monate jüngeren Theodor Fontane- Gottfried Keller und Klaus Groth. An seinem 80. Geburtstage vor fünf Jahren hatte Wilhelm Jordan noch, rüstig wie ein Sechziger, eine geistvolle Theaterrede gehalten vor einem überaus zahlreichen Publikum, das sich im Frankfurter Schauspielhause zur Feier seines Ehrentages festlich versammelt hatte, und von seinen vom Weißbarl umrahniten Lippen brauste das Wort bis in die entferntesten Winkel des großen Thcatersaales. Im Jahre darauf aber warf ihn, den knorrigen riesigen Recken, ein schwerer Schlaganfall aufs Krankenlager. Er erholte sich zwar wieder, doch die alte kernige Frische des Körpers und des Geistes hat er nicht wieder errungen. Nrn hat seinem taten- und ereignisreichen Leben der Tod, als Erlöser von schwerem Siechtum, ein Ende gemacht.
Wilhelm Jordan hat sich als Wiedcrcrwecker der nordisch-germanischen Nibelungensage für das Leben der deutschen Dichtung Weltruhm erworben. Indem er die uralten Sagenreste aus der Ultima Thule wieder ans Tageslicht brachte, indem er auf der Trümnierstätte altnordischer Dichtung die kostbarsten Schätze sammelte und zu einem neuen Juwel deutscher Poesie fügte, ward er der deutsche Homer. Und indem er sein von deutfchnationalen Gedanken flammendes Herz auffchreien uird aufjubeln ließ in seinem grandiosen Epos, ward er zugleich der Herold des neuen deutschen Kaisertumes, dessen Wiederkehr er schon in seinem „Demiurgos", einem gewaltigen poetischen Mysterium aus den „tollen^ Jahren 1848/49, geweissagt hatte.
„Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem, Ich werde nimmer seinesgleichen sehn."
P. W.


