Ausgabe 
25.5.1904 Erstes Blatt
 
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Don gut unterrichteter Seite erfährt man, daß nach den letzten Beratungen der Kommission zur Reform des Strafprozesses die Einführung der Berufung im Prinzip gesichert sei.

Ludwigslust, 24. Mai. Heute erfolgte die Ueber- führung der Leiche des He rzogs Paul Friedrich- Sohn von dem Bahnhofe nach der kathol. Kirche, wo eine Trauerfeier stattfand.

Dresden, 25. Mai. Frau Prinzessin Johann Georg ist gestern abend gestorben.

Kolonialpost.

London, 24. Mai. Eine Kapstadter Drahtung besagt, in der Sitzung des Parlaments am 23. Mai teilte der Kolonialsekretär Drews mit, die Regierung habe die Meld­ung empfangen, daß die Bo nd elzw arts-H o tten- tölten wieder unzufrieden sind und einen neuen Auf­stand gegendie Deutschen oder einen Ein fall in dasbritischeGebiet planen. Unter diesen Umständen sei die Regierung genötigt, eine kostspielige Streitkraft zur Ueberwachung der Grenze aufrecht zu erhalten.

Ausland.

Paris, 24. Mai. Deputirtenkamrner. Der Rationalist Millevoye bringt eine Interpellation über den Zu st and der Armee ein. Er legt Verwahrung ein gegen jeglichen Gedanken an eine teilweise Abrüstung und erwähnt die Rüstungen in England und vor allem in Deutschland. Millevoye fragt an, ob das Gesetz über die zweijährige Dienstzeit die Verteidigung der Nordostgrenze sicherstellen werde. Der radikale Sozialist Maujan erklärt, die zweijährige Dienstzeit werde den Effektivbestand des Heeres auf 575 000 Mann bringen. Man dürfe nicht darnach streben, die Heeresstärke Deutschlands zu erreichen, jedoch müsse man seine ganze Sorgfalt auf die vorgeschobenen Heercskörper verwenden. Darauf zeigt er, wie man bei der zweijährigen Dienstzeit das Heer zu organi­sieren haben werde. Der Kriegsminister Andrö er­klärt, er werde keiner Vorlage zugänglich sein, die der Stärke des Heeres Abbruch zu tun geeignet wäre. Er legt dar, daß nach Einführung der zweijährigen Dienstzeit keinerlei Dienst­befreiung mehr geben werde. Der Effektivbestand werde gleich bleiben.

Arras, 24. Mai. Auf dem Banket, welches der Gemeinderat gestern abend zu Ehren des Präsidenten Loub et gab, sagte dieser: Ich kann nicht genug wiederholen, daß ich ein überzeugter Anhänger und beharrlicher Werkmeister der Friedensidee bin. Nach einer Be­merkung über die Armee fügte der Präsident hinzu: Ich will nicht sagen, daß wir den Krieg vorbereiten müssen, aber das ist ein altes, wahres Wort: Seien wir stark nicht um den Krieg vorzubereiten, sondern um ihn zu vermeiden.

Belgrad, 24. Mai. Eine neue Anleihe von 15 Millionen Goldfranken beabsichtigt die serbische Regierung.

Konstantinopel, 24. Mai. Es verlautete, Cemal- Pascha, der Sohn des verstorbenen Gasi-Osman-Pascha, ein Schwiegersohn des Sultans, sei am Samstag mit mehreren Würdenträgern im Pildiz verhaftet, und einige der Verhafteten seien nach summarischer Untersuchung sofort verbannt worden._______________________________

Aus Stadt und Kaud.

Gießen, 25. Mai 1904.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Werkmeister Peter Mink III. zu Marienberg bei Lautern i. O., dem Fabrikarbeiter Philipp Essinger zu Reichenbach i. O., dem Vorarbeiter Peter Krichbaum zu Reichenbach i. O., und dem Vorarbeiter Georg Kippel zu Gadern das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift Für treue Arbeit", und zwar dem Werkmeister Mink am Bande des Verdienstordens Phllipps des Großmütigen ver­liehen. Ernannt wurde am 18. Mai d. I. der Gefangen­aufseher am Provinzialarresthaus in Gießen, Karl Stork, zum Gefangenwärter am Haftlokal in Hungen unter Belastung des AmtstitelsGefangenaufseher". Am 18. Mai d. Js. wurde der Brückenwärter-Aspirant Nikolaus Kissel aus Gernsheim zum Brückenwärter an der fliegenden Brücke bei Oppenheim ernannt.

** Die theologische Fakultät hat den evangelischen Pfarrer Friedrich Kalbhenn in Burg-Gräfenrode anläß­lich seines heute stattfindenden 50 jährigen Dienstjubiläums zum Doktor der Theologie honoris causa, und aus Anlaß der Jubelfeier des Seminars der Brüdergemeinde zu Gnadenfeld den Dozent der Philosophie daselbst, Theo­phil Steinmann, zum Licentiaten der Theologie honoris causa ernannt.

-k Die 2. ordentliche Generalversammlung oer landwirtschaftlichen Haupt-Genossenschaft für die Provinz Oberhessen, eingetragene Genossen­schaft mit beschränkter Haftpflicht, fand am 21. Mai in Friedberg statt. Leider hatte der Psingst-Samstag ge­wählt werden müssen, ein Tag, welcher durch die Fest­vorbereitungen eine Anzahl von Vertretern der Genossen­schaften verhinderte, die Generalversammlung zu besuchen. Immerhin waren 43 Vertreter anwesend, die unter dem Vorsitz des Geh. Regierungsrat Haas von Darmstadt die Tagesordnung erledigten. Der Geschäftsbericht wurde durch )en Direktor, Oekonomierat Schlenke, erstattet, während die Vorlage der Rechnung und der Bilanz durch den Direktor hirschel geschah. Die Hauptgenostenschaft eröffnete ihren Geschäftsbetrieb am 1. September 1903 mit den wenigen damals angeschlossenen Genossenschaften. Die Bilanz ergab am 1. Januar daher nur einen verhältnismäßig kleinen Ge­winn. Mit der Zunahme der landwirtschaftlichen Genossen­schaften im Laufe des Winters stieg der Umfang des Ge­schäfts, so daß bis zum 1. Mai d. I. der Betrag für an die Genossenschaften gelieferten Waren die Höhe von rund 170 000 Mk. erreichte. Bisher sind 44 Genossenschaften der landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft in Friedberg ange- schlosten. Es bestehe die begründete Aussicht, daß sich ihre Zahl und damit der Warenabsatz erheblich vermehren wird, trotz des lebhaften Wettbewerbes der Händlerkreise, die sich sifrig bemühten, der Hauptgenossenschaft die Wirksamkeit zu erschweren. Im Verein mit den angeschlossenen Genossen­schaften wird es der Hauptgenossenschaft gelingen, sich Raum zu schaffen und ihre für die landwirtschaftlichen Kreise segens­

reiche Wirksamkeit immer weiter zu entfalten. Dem Vorstände der Hauptgenostenschaft wurde bei der Genostenschaftsbank in Darmstadt ein Kredit von 100 000 Mk. eröffnet. Weiter wurden die nach § 16 und 21 der Statuten notwendigen Ergänzungswahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat vor­genommen. Die Besprechungen über die inneren Aygelegen- heiten nahmen einen lebhaften und sehr befriedigenden Ver­lauf, so daß man der weiteren günstigen Entwickelung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens in der Provinz Ober­hessen ruhig entgegensehen kann.

Frankfurt, 24. Mai. Dr. Stulz hat für den zum Tod verurteilten Bruno Groß Revision beim Reichsgericht eingelegt. Dr. Heß wird, wie wir hören, das Gleiche für Staf forst morgen tun. Die Staatsanwalt­schaft hat die Beamten in Preungesheim streng angewiesen, niemandem Nachrichten über das Befinden von Groß und Stafforst zu geben.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Ranstadt feierte am 23. Mai der Landwirt Konrad Müller und seine Ehefrau im Kreise von 30 Kindern und Enkeln in voller Rüstigkeit das seltene Fest der goldenen Hochzeit._________________________________________

Vermischtes.

* Köln, 24. Mai. Ein schweres Verbrechen wurde gestern in einem neu erbauten Hause ausgeführt. Das 19jährige Dienstmädchen einer dort wohnenden Herrschaft, Margarete Kurst, wurde auf scheußliche Weise ermordet. Es wurde mit einer Wunde am Kopf an Händen und Füßen gefesselt, mit einer zusammengeballten Schürze im Mund an den Bettpfosten gebunden tot aufgefunden. Die Täter raubten dann die Wohnung aus. Der Regierungspräsident hat auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung- von 500 Mk. ausgesetzt. Die Dienstherrin des ermordeten Dienstmädchens, deren Mann verreist war und die den Mittag bei ihren Eltern verbrachte, hatte das Mädchen beauftragt, mit dem etwa ein Jahr alten Kinde in den An­lagen des ihrer Wohnung gegenüber gelegenen Römcrparks auf sie zu warten. Als die Dame um 6 Uhr am Abend nach Hause kam und in der: Anlagen ihr Kind mit dem Dienstmädchen nicht fand, erkundigte sie sich bei der Familie des Hausbesitzers, ob man dort nicht das Mädchen mit dem Kinde gesehen habe. Ihre Wohnung fand die Dame verschlossen und sie nahm an, daß das Mädchen sich auf einem Spaziergang verspätet habe und wartete daher bei der Frau des Hausbesitzers bis gegen 7 Uhr. Auf Ver­anlassung der Dame, die aus ihrer Wohnung Kindergeschrei zu vernehmen glaubte und sehr beunruhigt war, erbrach man die zur Wohnung führende Tür: die Zimmer waren in größter Unordnung und auf den ersten Blick sah man an den aus Schubladen und Schränken herausgerissencn Sachen, daß Spitzbuben die Wohnung heimgesucht hatten. In einem Zimmer fand man auch das kleine, halbangezogene Kind mit den umherliegenden, Sachen spielend vor. Da man von dem Dienstmädchen nichts sah, schloß man dessen Mansardenzimmer auf und fand hier die Aermste geknebelt und erdrosselt oder erstickt vor dem Bette liegend vor. Allem Anschein nach hat ein Mansardendieb das Verbrechen ausgeführt. Die Anlage für die elektrische Klingel und den Türöffner des neuerbauten Hauses war noch nicht ganz fertig und man hatte, um die Haustür tagsüber offen zu halten, zwischen Tür und Rahmen einen Pflasterstein gelegt. Diesen Umstand scheint der Täter benutzt zu haben, um sich durch die offene Tür über die Treppe in die Mansarde einzuschleichen und dort zu stehlen. Das ermordete Mädchen, das gegen 1 Uhr noch das kleine Kind in einem Wagen auf dem Trottoir auf- und abgefahren hatte, scheint der Weisung seiner Herrin gemäß dabei gewesen zu sein, das Kindchen zum Äusgehen anzukleiden. Es wird die Tritte des über dem Zimmer in seiner Mansardenstube sich aufhaltenden Spitzbuben gehört und haben nachsehen wollen, wer dort sei. Der Dieb scheint das Mädchen, dessen Leiche eine schwere Schädelverletzung aufweist, mit einem harten Gegenstand zu Boden geschlagen und dann geknebelt zu haben. Der Unglück­lichen waren die Hände rücklings hinter dem Kopf zusammen­gebunden und diese Kordel war mit einem solchen, die um die Beine gebunden war, verbunden; in diesem Zustande hatte, der Mörder das arme Geschöpf, dem er auch den Mund noch mit einer Schürze zustopfte, am Kopf und an den Beinen an die Bettpfosten angebunden. So scheint das unglückliche Mädchen erstickt zu sein. Blutflecke und Speichelreste in dem Zimmer sowie der auf der Rückseite beschmutzte Rock des Mörders deuten darauf lsin, daß die Bedauernswerte sich ihrer Fesselung widersetzt hat. Nach Tötung des Mädchens war es dem Verbrecher ein leichtes, die unter dem Mansardengeschoß gelegene Wohnung ungestört zu durchsuchen, dort zu stehlen, sich umzukleiden und dann mit den dem Mädchen abgenommenen Etagen- und Mansardenschlüsseln die Türen bei seinem Fortgang wieder zu verschließen. Die Kriminal­polizei stellte sofort weitgehende Nachforschungen an. Nach einer anderen Mitteilung soll die Ermordete mit ihrem Lieb­haber ein Zerwürfnis gehabt haben, im Besitz von Briefen eines andern Mannes gewesen sein und soll auch den Täter gekannt haben. Der Liebhaber des Mädchens, ein 22 jähriger Schlosser- geselle ist von der Kriminalpolizei vorläufig sestgenommen wor­den. Der Mann bestreitet entschieden die Tat und will Pfingsten nicht in Köln gewesen sein.

* Essen a. Ruhr, 24. Mai. Der zwischen Borbeck und Bergeborbeck verkehrende Postwagen wurde von Wege­lagerern überfallen. Der Postillon wurde schwer ver­letzt. Die Täter sind geflüchtet.

Berlin, 24. Mai. Arn 2. Pfingstfeiertage kam es nachmittags in einem Stadtbahnzuge auf dem Bahnhof Alexanderplatz zu einer Prügelei, die einem alten Bahnbeamten das Leben ko st et e. Es wird darüber in Ergänzung unserer gestrigen kurzen Notiz gemeldet: In einem Stadtbahnzuge wurde eine Dame, die sich in Begleitung ihres Bruders in dem Zuge befand, von drei Maurern tätlich belästigt. Als sich ihr Begleiter dieses energisch verbat, geriet er in Tätlichkeiten mit den Mau­rern; es entspann sich eine Schlägerei, die Waggonsch eiben gingen in Trümmer und der Herr erhielt mannigfache Wunden im Gesicht und an den Händen. Auf dem Bahn­hof Alexanderplatz wandte er sich mit blutüberströmtem Gesicht an den Eisenbahnassistenten Kühne. Dieser forderte die Maurer auf, den Zug zu verlassen; als sie dieser Aufforderung nicht Folge leisteten, bestieg ein Schaffner das Coupe, um die Maurer zum Verlassen des Abteils zu veranlassen. Es entspann sich abermals eine Rauferei, wobei dem SchaffnerdasGesichtargzer- schlagen und ihm ein Ohrläppchen abgebissen wurde. Als Kühne dann selbst eingriff, wurde er von dem einen der Maurer bei der Gurgel gepackt, gewürgt und gegen eine Eisenbahnbarriere gedrängt und fortwährend, vermutlich mit einem Schlagring, gegen die Brust geschlagen. Inzwischen war ein Schutz­mann herbeigeeilt, der die Maurer feststellte. Der Assistent fühlte sich hierauf unwohl, er sank in einen Stuhl und verschied ein paar Minuten vor Eintreffen des Arztes kurz nach der Schlägerei.

* Der Könitzer Mord wird jetzt wieder aufgerübrt. DieDanz. Ztg." erhält folgendes Telegramm: Gegen den aus dem früheren Meineidsprozeß im Anschluß an die Ermordung Winters bekannten Arbeiter M a ß l o f f und die Frauen Roß und Berg ist von der Konitzer Staats­anwaltschaft ein Str afverfahren eingeleitet worden, man sagt aber, dasselbe werde nur dazu dienen, diese Leute vom Verdacht zu reinigen. Sehr zuversichtlich über die jetzige Phase der Untersuchung äußert sich das Ponitz.

Tagebl." Nach demselben sei man jetzt endlich in der Lage, die Frage nach der Lösung des Rätsels zu be­antworten.In nicht allzu ferner Zeit wird", so schreibt das Konitzer Blatt dann wörtlich,wie wir von bestirnter-- richteter Seite bestimmt erfahren, der hiesigen Bevölker­ung volle Aufklärung über die Schreckenstat zuteil wer­den. Es können noch Tage, Wochen, auch Monate bis dahin vergehen, doch ist der Tag nahe, an dem auch dieses Rätsel seine Lösung finden wird. Leider können wir vorläufig nichts mitteilen." Wie von anderer Seite berichtet wird, haben Katzenhaare auf die Spur des Mörders bezw Totschlägers geführt.

* Kosten in Posen, 24. Mai. Auf dem dem Groß­herzog von Sachsen gehörigen Gute Racot wurden drei Hengste beim Ausführen aus dem Gutshofe wild und gingen durch. Ein Reiter stürzte und b r a ch 'd a s Genick, einem anderen wurde durch einen Hufschlag die Sch ädeldecke vollständig zertrümmert.

* Innsbruck, 24. Mai. Ter Papst verlieh den Mit­gliedern der hiesigen katholischen Verbindung Austria Arthur Weber bas Ehr en kreuz pro ecclesia und Doktor Schu­macher das Ritterkreuz des Gregorius-Ordens, weil beide ein Duell ablehnten und dafür aus dem Re­serveoffizierkorps entfernt wurden.

Madrid, 24. Mai. Durch heftigen Hagelschlag wurden in Orense 5 0 Personen verwundet und be- deutender Materialschaden angerichtet.___________________

Sport.

(E. T.) Kassel, 24. Mai. Der zweite Tag der Sitzung des deutschen Fußballbundes brachte folgende wichtigen Ent­scheidungen: Ter Protest des Süddeutschen Verbandes gegen das Meisterschaftsspiel Karlsruhe contra Berliner Britannia wird an­genommen, da der süddeutsche Klub durch die 14 stündige Reise nach Berlin ungerecht benachteiligt war. Die Meisterschaft wird infolge vorgeschrittener Saison dies Jahr nicht mehr ausgetragen. Der Vorstand besteht nunmehr aus den Herren: Vorsitzender F. W. Nohs-Wiesbaden (vorher Universitätsprofessor Dr. Hueppe- Prag); 2. Vorsitzender Behr-Altona: 1. Schriftführer Dr. Kar- ding - Kiel-Mülhausen, 2. Schriftführer Thomas-Magdeburg: Kas­sierer I. K. Roth-Frankfurt a. M. Der Spielausschuß besteht aus vier Hamburger Herren, Vranken-Köln. Brcining-Karlsruhe, Dr. Rahdt-Leiv.ua also keinem einriaen Berliner foerrn.

Zandwirtschaft.

w. Wetzlar, 22. Mai. Die in diesen Tagen hier ab­gehaltene Generalversammlung des landwirtschaft- scha ftlichen Vereins war über alles Erwarten stark besucht. Nach den Mitteilungen des Vorsitzenden, Landrat Dr. Sartorius, beträgt die Mitgliederzahl des Vereins zurzeit 549. Außer zwei Vorstandssitzungen wurden fünf Wanderversammlungen im abgelaufenen Jahre abge­halten. Die Jahresrechnung ergab einen Kassenbestand von 2546,85 Mk. Im Mittelpunkt der Tagesordnung stand der Vortrag des Spezialkommissars Röper, welcher sich in klaren und von warmer Teilnahme für den Bauernstand zeugenden Ausfführungen über die bestehende Erbteilung im ländlichen Grundbesitz unh die im bürgert. Gesetzbuch gegebenen bessernden Maßnahmen aussprach. Ter Landrat machte bekannt, daß es den Lehrern auf dem Lande ge­stattet sei, falls sie für die Folge die Generalversammlung oer Lokalabteilung besuchen wollten, an diesem Tage die Schule zu schließen.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag den 26. Mai 1904: Meist schwachwindig, meist heiter, bei milder Nacht tagsüber wärmer, trocken.

Näheres durch die Giekener Wetterkarte.

Neueste Meldungen.

Frankfurt a. M., 25. Mai. Hermann Mumm von Schwarzenstein, der frühere Inhaber der welt­bekannten Champagnerfabrik in Reims, ist gestern abend

gestorben.

Straßburg, 25. Mai. Der Taglöhner Walter, der den 24jährigen Taglöhner Jäger als Liebhaber seiner Frau überraschte, tötete diesen durch Messerstiche.

Paris, 25. Mai. Nach einer vom Vatikan inspirierten Note wäre der von Frankreich als beleidigend erachtete

Satz des päpstlichen Schreibens nur in dem für Portugal bestimmten Dokument enthalten gewesen. Der Papst beabsichtigte nämlich, dem König von Portugal, welcher durch seine Mutter mit Viktor Emanuel verwandt ist, ein­dringlich zu wiederholen, daß die zu Leos Zeiten geltend gewesenen Bestimmungen über den Besuch katholischer Souveräne in Nom unverändert fortbestehen. Diesen Sach­

verhalt wollte Merry del Val dem Botschafter Nisard schrift­lich mitteilen, aber dessen Weigerung, sich auf einen Schrift­wechsel einzulassen, verhinderte die päpstliche Erklärung, daß eine beleidigende Absicht unter diesen Umständen vollständig fehle.

Rom, 25. Mai. Wie ein Prälat aus der venezianischer

Umgebung des Papstes versichert, wäre die Abberufung des Pariser Nuntius, Lorenzelli, beschlossen worden.

Wien, 25. Mai. An der 58jährigen Witwe Anno Faron in Floridsdorf bei Wien wurde gestern nachmittag ein Raubmord begangen. Täter bisher noch nicht er­mittelt.

Petersburg, 25. Mai. Wie verlautet, hat sich herausgestellt, daß nicht das PanzerschiffBogatyr", sondern ein Transportschiff vor Wladiwostock auf Grund gelaufen und in die Luft gesprengt worden ist.

Tokio, 25. Mai. Wie aus Telegrammen vom Kriegs­schauplätze hervorgeht, wurden die russischen Kosaken- Abteilungen in dem Treffen von Takuschan völlig aufgerieben. Sämtliche Offiziere wurden getötet verwundet oder gefangen genommen. Einige Kosaken ent­kamen, nachdem sie ihre Pferde und Waffen im Stich gelaßen hatten.,

Telephonischer Kursbericht»

. 26.45

-Anl.

41j1% äussere Argentiner

128.80

47.10

43.60

102.90

59.65

58.35

4°/(i Italien. Rente 4/2% Portugieser 30/ Portugiesen. .

1% C. Türken Türkenlose . .

4% Grieoh. Monopol

. 87.00 . 105.60 . 103 10 . 202.25 . 186.3U . 136.50 . 151.00 . 153.00 . 137.00 . 13.30 . 191.0" . 241.75 . 191.25 . 198.9c

. . 101.80

. . 89.70

. . 101.80

. . 89.50

. . 99.75

3% Mexikaner . . 4V2o/o Chinesen . . Electric. Sohuckert . Nordd. Lloyd . .

Kreditaktien . .

Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . . . Gottbardbahn . . . Laurahütte . . . .

Bochum . .

Harpener .

Tendenz: ruhig.

3'/-°/o 3%

3V,% 3%

3/e0/n 3 V, %

Reichsanleihe do.

Konsole do. . .

Hessen Oberhessen

4% Oesterr. Goldrente . . 100.80 4xI6% Oesterr. Silberrente 100.10 4% Ungar. Goldrente . . 99.35