Ausgabe 
25.5.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

kn

LI 4698

thallr.

nach

hirme ^"xtrasolitz. -Ailine Preislage Konkurrenz, iseler infabrik ^EllerSweg 9.

nhofeu.

on Sielen täglich.

10 Uhr. Nach- 0, 3.00, 120, 5.40, Bedarf 8.20.

lle an der alten hinter dem neuen i. 4451 '

eu Poften ikartoßeln M. empfiehlt [4501 . Weisel, eonnenftrane b.

fei iui änem Los zu ge- 4es Los mindestens Der kleinste Treffer hr wie der Einsatz, jj Auslosung kein »ineKlassenlottene, n. oder Bat*.

erlaubt! Bem 1 Jeder überzeuge [lange erst Prospekt

tek sup

34, Königsberg Vertreter 'M korall angestellt.

I-OELLACKFARBE ÜENLOB blei- u. giftfrei, ssbodenanstn'ch hglänzend, elegant, jj ht trocknend. if bei August ft

»vier

Men parieren

lloser durch

Str. 1*40 Erstes Matt. Iö4. Jahrgang

Mittwoch Mai ir-O4

Erscheint täglich

außer Sonntag«.

Dem Gießener Anzeiger werden fm Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Siebener ZamUten. blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Stem- druclerei. R. Sange. Redaktion, GpebUh» und Druckerei:

Schulstratze 7.

Adresse für Depeschen: «uzetger Gieße».

Fernsprechanschluß Nr. 51.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

32

Bezugspreis» m onatlich 75Pf^ viertel- jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2. viert el- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür bie TageLnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12PL, auSwärlS 20 Pfg.

Verantwortlich für den polft. und allgem. Teil: P. Wittko: für »Stadt und ßorür und .GerichtSsaal": August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Aer Krieg zwischen Japan und Außlaud.

Gefechte.

Petersvurg, 24. Mai. Ein Telegramm be§' Gene­rals Kur 0patkin an den Kaiser von gestern be­sagt: Am 22. und 23. Mai stellte die Kavallerie der russischen Vorhut fest, daß japanische Streitkräfte in der Richt­ung nasch Westen auf dem Wege nach Hcritscheng vor­gingen. Am 21. Mai griff eine japanische etwa 6 Kom­pagnien und 3 Eskadrons starke Abteilung mehrere Ko- sakensotnien an, die zu Fuß das rechte Ufer des Sedznho- flusses besetzt hielten. Bei Beginn des Gefechts zog sich die japanische Kolonne hinter japanische Infanterie zurück, die nicht wagte, das Tal zu durchschreiten und sich auf fast ununterbrochenes Fernfeuer beschränkte. Nur eine un­bedeutende Abteilung versuchte den Fluß zu überschreiten, um den russischen linken Flegel zu umgehen, wurde aber in die Flucht geschlagen. Gegen Abend zogen die Ja­paner ihre Postenketten ein und zogen sich zurück. In diesem Gefecht wurden zehn Kosaken verwundet.

Tokio, 24. Mai. General Kuroki berichtet, daß eine Abteilung Infanterie am 21. Mai mit einem aus 200 Mann feindlicher Kavallerie bestehenden Detachement 8 Meilen nordöstlich von Knautien handgemein wurde. Der Feind floh in nordwestlicher Richtung und ließ 20 Tote zurück. Die Japaner hatten keine Verluste.

Die Abstammung des Generals Kuroki.

Aus Paris wird geschrieben: In einem Briefe an die Patrie" teilt ein gewisser Blanchard die wundersame Tatsache mit, daß der japanische General Kuroki zur Hälfte Fran­zose sei. Von 1850 bis 1860 lebte in China ein französischer Offizier Josef Curicgue, der in Sierck im heutigen Deutsch-Loth­ringen geboren war. Während eines langen Aufenthaltes in Shanghai hatte er dauernde Beziehungen zu einer hübschen jungen Japanerin, die ihm einen Sohn schenkte. Da er das Kind nicht anerkennen konMe, ließ er es wenigstens europäisch erziehen und feinen Namen für dasselbe in Kuroki verwandeln. Die Mutter soll noch heute in Kioto leben, während Curicgue vor einem Jahr in Toulouse als pensionierter Hauptmann gestorben ist. Bis zu seinem Tode soll er mit General Kuroki in lebhaftem brieflichen Verkehr gestanden haben. (Bei der bekannten Un­zuverlässigkeit derPatrie" wird man die Nachricht immerhin mit Vorsicht aufnehmen müssen.)

Port Arthur.

P e t e r s b u r g , 24. Mai. Ein Lieferant der russischen Marine bestätigt, daß sich in Port Arthur mindestens für 2 Jahre Kohlen befinden. Ebenso mangele es nicht an Nahrungs­mitteln.

Die Minengefahr.

Washington, 24. Mai. Die Marineattachees der Ver­einigten Staaten im Auslande erhielten Instruktionen, zu be­richten über die Gefahr, für die neutrale Schiffahrt durch schwimmende Minen an der mandschurischen Küste. Der Bericht wird dem Generalseeamt übergeben werden, welches seine Ansichten dem Präsidenten unterbreiten wird. Eventuell sollen den Kriegführenden Vorstellungen gemacht werden.

Brüssel, 24. Mai. Zwei Handelsschiffe, die von Colombo (Ceylon) nach dem äußersten Osten ausliefen, sind verschollen, man befürchtet, daß sie auf treibende Minen gestoßen und gesunken sind.

Französische Meldungen.

Paris, 24. Mai. DerMatin" meldet aus Shanghai: Gerüchtweise verlautet, daß bei einem Ausfall von 14 russischen Torpedobooten die Russen den Japanern drei Kriegs­schiffe in den Grund gebohrt und zwei andere schwer beschädigt haben. Auf russischer Seite sollen nur zwei Torpedoboote verloren sein. Weiter wird berichtet: Bei dem Angriff der japanischen Torpedoboote und Kanonenboot-Flottille sollen die Russen ein Kanonenboot und zwei Torpedoboote der Japaner in den Grund gebohrt haben. (Da beide Meldungen aus Shanghai kommen, ist ihnen wenig Glauben beizumessen.)

Kosaken in Korea.

Söul, 23. Mai. (Reuter.) Man nimmt an, daß die Kosaken, die mit den Koreanern bei Hancheung kämpf­

ten, sich nach Changjin zurückgezogen haben. Major Takagi, oer Gouverneur von Gensan, ist im Begriff, Truppen nach Norden zu schicken, wahrscheinlich als Be­satzung für Hancheung.

Nach Privatmeldungen wurde der Gouverneur des Distrittes Jongehoen von den Japanern verhaftet, weil er den Russen wichtige Informationen gegeben hatte.

Krankheiten.

Petersburg, 24. Mai. Der Korrespondent desRußk" berichtet aus Liamang: Chinesen, welche Föngwangffchöng ver­lassen haben, versichern, daß eine pestartige Krankheit unter den japanischen Truppen ausgebrochen ist. Die Zahl der Todesfälle beläuft sich täglich auf über hundert. Die Krankheit nimmt einen sehr raschen Verlauf. Die meisten der von ihr Befallenen sterben innerhalb 24 Stunden. Man glaubt, daß der Ausbruch der Krankheit ein Grund dafür ist, weshalb die Japaner ihren Vormarsch eingestellt haben.

Eine Rede Itos.

Tokio, 24. Mai. In einer Konferenz der japanischen Minister, leitenden Bankiers und ältesten Staatsmänner richtete Marquis Ito eine zweistündige Ansprache an die Versammelten. Er führte aus, daß die Regierung bis zum letzten Augenblick den ehrlichen Wunsch gehabt habe, den Frieden zu er­halten. Zu ihrem Bedauern sei dies nicht möglich gewesen. Japan sei dazu gezwungen worden, die Waffen zu er­greifen, und sei nicht imstande, über die möglichen Folgen ein zuverlässiges Urteil abzugeben. Es herrsche das herzlichste und harmonischste Einvernehmen im Zusammenwirken der mili­tärischen Organe und den Verwaltungsbehörden. Die wohlhaben­deren Klassen haben die sichere Zuversicht, die Kriegskoften auf­zubringen. Japan sei im Besitz der herzlichsten Sympathien der zivilffierten Welt.

Eifersüchteleien.

Paris, 24. Mai. Das Journal de Paris berichtet aus Petersburg, der Statthalter Alexejew habe sich geweigert, den Admiral Skrydlow bei seiner Durchfahrt zu empfangen. Infolgedessen sei Skrydlow sofort ,nach Wladiwostok gefahren. Es heißt, Skrydlow habe bei Alexejew die Erlaubnis nachgesucht, selbst an Bord einer Dschunke von Chinesen in der Nähe von Port Arthur ost Land gesetzt zu werden. Alexejew habe dies jedoch abgelehnt.

Vom Kronstädter Attentat.

Petersburg, 24. Mai. Die Polin, welche unter dem Verdacht verhaftet wurde, ein Attentat gegen das Pyroxilin-Lager in Kronstadt versucht zu haben, ist freigelassen worden.

Gut Wetter" für Rußland.

Man sch-veibt uns aus Berlin, 24. Mai:

Von oer heutigen Berliner Börse wird berichtet, daß wiederum die Besserung der russischen Werte sich, geltend machte. In weiteren Börsenkreisen herrschen, so heißt es, sehr optimistische Anschauungen über einen schnellen, für Rußland günstigen Aus­gang des Krieges: einige Spekulanten, die im Rufe einer besonders glücklichen Hand stehen, sollen bedeutende Rückkäufe inRussen" vorgenommen haben. Aller­dings ist unverkennbar, daß ein Stillstand in dem japanischen Sieges zu g eingetreten ist. Endlich be­ginnt die russische Heeresleitung ihre bisherige nicht eben von Erfolg gekrönte Passivität fallen zu lassen Aber die kleine Besserung zu Gunsten der Russen würde die in der Tat optimistische Anschauung gewiegter Spekulanten noch nicht rechtfertigen. Es scheint, daß fürgut Witter" an der Börse gesorgt wird im Hinblick darauf, daß Ruß­lands Kriegs anleihebed arf, der durch die Pariser Emission keineswegs gedeckt ist, demnächst auch in Deu t s ch- land untergebracht werden soll. Daß mit einem Male die Aussichten des neuen deutsch-russischen Han­delsvertrags sich aufklären, darf ebenfalls als ein Zeichen dafür gelten, daß Rußland Deutschland braucht. Man wird bald bemerken, daß die russische Presse den be­rühmten Wink von der Zensur erhält, sich jeden Angriffs auf diebefreundete Nation" zu enthalten. Da muß manches Blatt eine ziemlich jähe Wendung vollziehen, z. B. die Petersburger ZeitungRnst'", die erst vor kurzem mit

aller Offenheit geschrieben hat, nach Erledigung Japans komme Deutschland an die Reihe. Daß Deutschland der nächste Gegner sei, behauptete bekanntlich auch die gelbe Presse der Vereinigten Staaten im Tatendrang des Krie­ges mit Spanien. Die Prophezeiung ist an ihrer gro- tesken Lächerlichkeit zu ^Grunde gegangen.

Mlitische Tagesschau.

Ein Steuer-Bouquet.

R Berlin, 24. Mai.

Mit ungeheurem Eifer bemüht sich der reichsparteilich«: Abg. v. K a r 0 0 r f f als Steuerfinder; er überreicht jetzt, zur Ergänzung seiner Anregungen im Reichstag, den ver­bündeten Regierungen ein ganzes Bukett von Reichssteuer­vorschlägen. Fahrkarten-, Mauerziegel-, Koh­lensteuer, Abgaben auf Spirituosen und Tabak, das alles wand Herr b. Kardorff zum duftigen Strauß, um sage und schreibe ungefähr vierzig Millionen Mehr­einnahmen, hauptsächlich zum beschleunigten Ausbau der Flotte, erzielen zu helfen. Die Oeffentlichkeit braucht sich aber nicht über diesen Fleiß zu beunruhigen Es ist nicht daran zu denken, daß eines der Projekte in Er­wägung kommt, am wenigsten die Fahrkartensteuer, die bereits zu Miquels Zeiten auftauchte und kurzer Hand abgetan wurde.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Mai. Man meldet aus Prökelwitz: Der Kaiser ist heute früh hier eingetroffen.

König Alfons XIII. von Spanien wird von Berlin aus dem 3. Magdeb. Infanterie-Regiment Nr. 66 in Magdeburg, dessen Chef er ist, einen Besuch abstatten. Ferner beabsichtigt der König, die deutschen Höfe in Mün­chen, Stuttgart und Wien zu besuchen und möglicherweise auch noch den Höfen in Kopenhagen und Stockholm seinen Besuch zu machen.

Heute vormittag wurde im Sitzungssaal« des Reichs­tages der 7. internationale Kongreß für ge­werblichen Rechtss chutz unter dem Ehrenvorsitz des Staatssekretärs Grafen Posadowsky feierlich eröffnet. Er­schienen waren Vertreter der fremden Staaten und Fach­leute aller Länder. Nach der Begrüßungsansprache des Grafen Posadows-ty dankte diesem der Präsident v. Schütz und legte dann die Aufgaben des Kongresses dar. Nach verschiedenen Begrüßungen sprachen der Präsident des fran­zösischen Patentamtes Breton, Harmand namens des franzö­sischen Unterrichtsministers, Chaumat namens des franzö­sischen Justizministeriums, Sektionsrat Beck von Magna- getta namens des österreichischen Patentamtes, der Präsi­dent des ungarischen Patentamtes Ballai sowie die offi­ziellen Vertreter der Vereinigten Staaten, Portugals, Bel­giens, Schwedens, Norwegens, Dänemarks, Rumäniens und andere. Nach einer Frühstückspause begann die erste Arbeitssitzung mit Vorträgen von Maillard-Paris und Dr. Richard Alexander-Katz. Der Kongreß nahm einen Antrag Tailleser-Paris an, welcher es für wünschenswert erklärt, daß Arttkel 2 der Pariser Konvention dahin abgeändert werde, daß die Angehörigen der Vereinigung Recht auf die Wohltat der Gesetzgebung jedes andern Univnsstaates haben, ohne gezwungen zu sein, in diesem Lande eine Nieder­lassung zu besitzen. Ferner wurde eine Reihe von Grund­sätzen angenommen, roonatf) dringend erwünscht ist, daß im Unionsvertrage selbst die Grundsätze, nach denen der Ausstellungsschutz zu regeln ist, festgesetzt werden. Die Berliner Handelskammer hatte heute abend die Teilnehmer am Kongreß eingeladen. Nachdem der Präsident der Ber­liner Handelskammer die Versammelten begrüßt hatte, dankte der Präsident des Kongresses, Direktor v. Schütz für den herrlichen Empfang und brachte ein Hoch auf die Ber­liner Handelskammer und ihren Präsidenten aus.

Leoncavallo Beim Kaiser.

Ruggiero Leoncavallo ist, wie wir bereits kurz meldeten, am zweiten Pfingsttage vom Kaiser in Potsdam im Neuen Palais empfangen worden, um dem Monarchen die OperDer Roland von Berlin" zu überreichen. Wie wir auch schon mitteitten, hatte der Kaiser ihn zu dem Stiftungsfest des Lehr-Jnfanterie- Bcftaillons, dem sogenanntenSchrippenfest", eingeladen, dar­über berichten heute die Berliner Blätter folgendes:

Nach dem Gottesdienst und der Parade der Truppen vor dem Kaiser, benachrichtigte ein Zeremonienmeister die Milftär-Attachees, zu denen sich Leoncavallo gesellt hatte, sie möchten sich dem Mon­archen nähern. Plötzlich erblickte der Kaiser Leoncavallo. Mtt Leb­haftigkeit ging er auf den Maestro zu, drückte ihm herzlich die Hand, und nun entwickelte sich folgende Unterhalttmg in ftanzösischer Sprache:

Bonjour! Ich freue mich, daß ich Sie hier bei uns sehe! Ich weiß. Sie bringen mir den Roland!"

Ja, Majestät, das Buch ist zur Stelle, und wenn Ew. Ma­jestät zu befehlen geruhen werden, werde ich die Ehre haben, es 5U ^Sehr^gift also später! Sind Sie mit Ihrem Werke zu- ftieden

Ew. Majestät überbringe ich die Frucht einer sechsjährigen <örBeit es ist das Beste, was ich zu geben vermochte!"

Dann wird es vollendet sein! Denn Sie sind gegenwärtig 6er erfte dramatische Komponist der italienischen

Ew. Majestät sind zu gütig! .

Sie haben schon Herrn von Hülsen besucht! Das ist em Mann von großem Talent!"

Eine wahrhafte Künstlernatur von großem Sttl. Ich konnte mich davon beim Besuch der königlichen Theater überzeugen!

Hie-auf drückte der Kaper noch ernmal Leoncavallo herzlich die Hand und verabschiedete sich einstweilen von ihm mit den Worten: , . . . . .

-Vous restez dSjeaner avec nous! Au revoir a tantot. Nach dieser Unterhaltung wurde Leoncavallo von vielen Per­

sonen umringt. .Der katholische Feldprobst Vollmar fing ein Gespräch mit Leoncavallo an; da der Geistliche aber weder der ftanzösischen noch der ftalienischen Sprache mächtig war, und Leoncavallos deutscherSprachschatz" sich auf die Worte:(Sutten Tag!" undieck bin ein lieber K6rl!" beschränkt, so stockte die Konversatton bald.

Die Ueberreichung desRoland" fand unmittelbar nach dem Frühstück statt.

In einer Ecke des Salons stand ein Hofdiener, denRoland" auf dem Arm. Plötzlich tritt der Kaiser ein, geht auf Leon­cavallo zu, reicht ihm die Hand und sagt:

Et le Roland ?

Der General-Intendant erwiderte:

Das Buch ist hier. Wenn Ew. Majestät befehlen, wird es sofort geholt werden."

Der Intendant winkte dem Diener, nahm das schwere Buch entgegen, entfernte das Lederetui, das in Silber die Kaiserkrone und den Namen des Monarchen trägt, und zog den Band hervor. Auf dem prachtvoll geschmückten Deckel erblickte man nun en relief aus Elfenbein denRoland von Berlin", das Denkmal bei der Sieges-Allee in getreuer Nachahmung.

Der Kaiser sagte, sichtlich erfreut:Ach, das' ist aber schön! Das ist prachtvoll!"

Nachdem sich der Monarch erttrndigt hatte, wo das Werk her- gestellt sei, blätterte er in dem Buch und las die Widmung, die in deutscher Sprache abgefaßt lautet:

Seiner Majestät Wilhelm II., Deutscher Kaiser, König von Preußen in Ehrfurcht und tiefster Tankbarkeft

R. Leoncavallo."

Uebevrascht sagte der Kaiser;Mais cest trop d'honneur pour moi! und fuhr fort:Ich freue mich, daß mein Name mit einem solchen Werk verknüpft ist!" Dann wies der Monarch wieder auf den Deckel des Buches und bcmertte zu dem Komponisten:

Cest le Roland de Berlin et vous serez le lion de Berlin! Zum Intendanten sich wendend, fügte der Monarch hinzu: Jetzt beginnt Ihre Arbeit! Suchen Sie den Maestro zu­friedenzustellen!" Dann zu Leoncavallo:Seien Sie sehr difsi- cil, damit das Werk die Ausführung erhält, die es verdient!"

Der Komponist sagte zum Schluß:

Darf ich an Ew. Majestät die Bitte richten, den letzten Proben desRoland" beiwohnen und uns durch einige Rat­schläge unterstützen zu wollen?"

Der Kaiser verabschiedete sich von dem Maestro mit den Worten:

rJe viendrai pour vous admirer! Au revoir! . . .

Später wurde Leoncavallo zur Kaiserin befohlen. Sie unter­hielt sich längere Zeit mit ihm und sagte:

Ich freue mich, daß Sie das Werk vollendet haben! Der Kaiser hat mir oft davon erzählt!" . . .

*

Stuttgart, 24. Mai. Tie bei den Ständen eingebrachte H 0 f t h e a t e r v 0 r l a g e fordert 350000 Mk. als einmaligen Baukostenbeitrag für das bereits gebaute Jnterimstbeater und 300 000 Mk. als erste Rate für das neue Hoftheater, für welches der König den Platz zur Verfügung gestellt hat. Von dieser ersten Rate entfallen 100 000 Mk. auf Gewinnung eines Planes und 200 000 Mk. auf die Wiederherstellung und Erneuerung des In­ventars.

Kopenhagen, 24. Mai. Der Kapitän des heute aus Grön­land eingetroffenen SchiffesGodtharb" teilt mit, daß diedanische Polarexpedition unter Leitung des Schriftstellers Dvlius° Erichsen am 20. Januar 1904 mit Hundeschlitten die Saun- d e r n i n s e l, wo sie lange Zeit unter Eskimos gelebt habe, ver­ließ und glücklich Npernivik in Westgrönland erreichte, von wo sie später nach Udanak ging. Dylius-Erichsen besuchte Anfang Mai Holsteinborg, wo das Schiff am 7. Mai ankam und beabsichtigte, von dort nach Udanak zurückzukehren.

London, 24. Mai. Im Hotel Metropole fand heute abend eine internationale Versammlung von MänniM der Wissenschaft statt. Bei dem Bankette, das von der Royal Society of London zu Ehren der internationalen Vereinigung der Akademien veranstaltet wurde, führte Sir William Huggius den Vorsitz. Ab­ordnungen aus jeder Hauptstadt Europas und aus Washington waren anwesend. Tie Verhandlungen wurden mit einer Ansprache Professors Treis-Berlin geschlossen, der einen Toast auf die Royal Society ausbrachte.