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25.4.1904 Zweites Blatt
 
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154, Jahrgang

Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

I in! täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen

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Eigenart und im Zusammenhang mit der allgemeinen Kultur ge würdigt. Proben beleben die Darstellung.

Feuilleton.

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stadt, 26. April. Die erste Aufführung .Vasantasena" von Reichwein, Text

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buüer, M.

Montag 25. April 1904

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» UnwersilLtLdruckerei. R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulst».?. t«L Nr, bl. Lelegr^Adr.i Anzeiger Dießen,

E .Lietzener Kamllienblätter" werden dem , ger viermal wöchentlich beigelegl. Der . jttöÜ« tanbwUf erscheint monaUtch einmal.

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Eine tolle Geschichte

hat sich in einer in der Jubiläumshalle zu KöNigS- berg i. Pr. abgehaltenen Versammlung des Vereins deutscher Kaufleute zugetragen. Direktor Dr. Dullo referierte über die Neuorganisation im Detail- Handel (Warenhäuser und Ko ns umvereine). Dabei kam es, wie die freisinTrigeKönigsb. Hartgsch. Ztg." berichtet, zu folgendem wunderbaren Auftritt:

Der Referent hatte bereits den größten Teil seines Vortrages erledigt und war etien im Begriffe, näher auf die Konsumvereine einzugehen, als plötzlich der Be­sitzer der Jubiläumshalle, Herr Karnus, an ihn heran­trat und ihn aufforderte, seinen Vortrag zu unterbrechen. Auf Zwischenrufe auS der Versamm­lung erklärte Karnus zur Versammlung gewendet:Heber Ko nsumvereine darf hier nicht gesprochen wer dem" Die Folge war eine Salve von energischen Protestrufen, die Herrn Karnus zu der Erklärung veran-

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Dolitische Tagesschau.

Die Organisation der hessischen Sozialdemokratie.

Das sozialdemokratischeOffenb. Abendblatt gibt kol- gende Schilderung der Organisation der hessischen Sozial­demokratie:

Wir haben eine einheitliche Landesorganisation, die sich in Kreiswahlvereine gliedert. Die Kreiswahlvereine wiederum werden gebildet aus den Lokalorganisationen. Bei dieser einheitlichen Landesorganisation mit einem Landeskomitee an der Spitze läßt sich bad Kassenwesen in verblüffend einfacher Weise regeln, ohne komplizierte Verrechnungen und ohne daß eine Instanz auch nur um einen Pfennig zu kurz kommen könnte. Entsprechend der einheitlichen Organisation kommt in Hessen auch eine ein­heitliche Beitragsmarke zur Ausgabe, und zwar über den Betrag von 10 Pfennig monatlich müssen zwei Marken Ke-' klebt werden. Die Marke wird vom Landeskomitee an die Kreisvereine zum Preise von 3 Pfennig abgegeben. Die Lokalorganisationen beziehen die Marken vom Kreiswahl- verein für 5 Pfennig. Das ist die denkbar glatteste Rech­nung. Der Lokalorganisation verbleiben auf diese Art 50 Prozent der Beiträge zur Verwendung am Orte, den Kreis­wahlvereinen verbleiben von den Beiträgen 20 Prozent zur Befriedigung der Bedürfnisse im Kreise, das Landes- romitee erhält 30 Prozent, davon hat es zwei Drittel zur freien Versügrmg für die Zwecke der Landesvartei, ein Drittel gibt es nach Berlin weiter an den sozialdemokra­tischen ReichSsäckelwart Gerisch, so daß auch der zu seinen vorgeschriebenen zehn Prozenten kommt."

Das ist freilich eine sehr einfache Art der Verrechnung. Um sie durchführen zu können, ist aber auch die Kon­trolle notwendig, die von dem sozialdemokratischen Partei­komitee aus geübt wird.

Wesen des deutschen DolksgesanasS. Bon Prwatdozent Dr. I. W. B r u i n i e r. (Aus Natur uno Geisteswelt." Sammlung wissen' schaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 7. Bändchen.) 2. Aufl. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. [IV u. 156 S.s Preis geb. Mk. 1.25. Unter Volks- lieb versteht der Verfasser alles, was in einem von der Sitte -usam- mengen'chrten Chore als Lied erklungen ist und erklingt. Das We­sen des Volksliedes in diesem weiteren Sinne weit) er in schwung­voller poetischer Sprache darzulegen, roarm und innig vor allem seinen Ctimmungsgehalt lebendig zu machen.' Er zeigt, was unser Volk seit den ältesten Zeiten gesungen hat und.wie die Kunsldich- tung beirucytend auf den Bolksgesang einwirkt und doch wieder dem Geschmacke des Volkes angepaßt wurde. Aeltestes Helden-

Von dem englischen Poeten Oskar Wilde, dem Dichter der prunkvollen kleinen TragödieSalome", gibt die im Verlage von I. C. C. Bruns in Minden in deutscher Ueber- sekung erschienene SchriftOskar Wilde, die Geschichte einer un­glücklichen Freundschaft" von Robert Harborough Sherard, die mit Porträts und ftacfimtleS reich ausgestattet ist, ein packende? Bild. Der Verfasser, der in dem Frhrn. v. Taschenberg einen tüchtigen Verdeutscher gefunden hat, liefert eine reichhaltige Fülle biographi­schen Materials. Das Leben deS bedauernswerten Dichters war ungemein reich an seltsamen Geschehnissen, es war selber eine Tragödie, in deren einzelnen Akten Pracht und Glanz mit Not und Hunger und Gefängnismiseren abwechseln.

Im Verlag von Franz Wlmder in Berlin 8.W. 47 erschien: Nietzsches Metaphysik" von Hans Bölart Preis geheftet 2 Mk. Der Verfasser behandelt als bedingter Anhänger Nietzsches vorzüg­lich die, modernen Kernfragen der Metaphysik. Außer einer prä­zisen Erörterung der einschlägigen Psychologie enthält das Werk eine eingehende Darstellung von NtetzscbeS Theorien in seiner Um- wertungSperiode über organische Welt, KokmoS, Tod und Unsterb­lichkeit, im Vergleiche mit Schopenhauer, Kant ued Darwin: die Abschnitte über Lebensoerneinung und Musik bringen namentlich über die Stellung Nietzsches zu Waguer und dessen Parsisal gehalt­volle Darlegungen, die Prinzipien einer neuen Werteinsehung Nietz­sches finden in den Kapiteln über daß Jenseits von Gut und Böse und die Lehre vom Uebermenschen ihre fesselnde Erörterung. Be­sonderes Interesse erwecken auch die vorherrschend in.den Schluß- betrachtungen angebrachten Ausführungen über Häckels Dtelumftru- tene Welträtiel, sowie die vom Verfasser auf melachsysischem Gebiete angeregten Reformen.

Vollmoeller: Aßüs, Fitneund Sumurud. Ein Trauerspiel. '®. Fischer, Verlag, Berlin). Geh. Mk. 5. DaS Hohelied der Treue, der Leidenschaft und der grausamen Lust hat Vollmoeller in der phantastischen Verkettung der Schicksale dreier un­glücklich Liebenden besungen. Dieser Poet führst uud denkt in Bildern und Tönen, Farbe und Rhythmus sind die Schwingen seiner Phan­tasie, die ihn höher und weiter tragen als bis an die Grenzen einer räumlich und zeitlich beengten dramatischen Handlung.Aßüs, Fttne und Sumurud" ist ein Buch, an Schönheit der Diktion, an Reichtum der Form den besten Werken d'Annunzios vergleichbar.

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Politische Wochenschau

In ihrem 89. Jahrgang erscheint jetzt (bei E. A. See­mann in Leipzig) dieZeitschrift für bildende Kun st". Diese ausgezeichnete, vielseitige Kunstzeitschrift steht über der Parteien Gunst und Mißgunst; vornehm im Ton bei der Beurteilung von Kunstschöpfungen der Gegen­wart, verliert sie nie den richtigen Maßstab Künstlern der Vergangenheit gegenüber. Mssenschaftliche Forschung, sach­liche Kritik und feinsinnige Betrachtung finden hier gleicher­maßen ihre Pflege. Dem textlichen Inhalt entspricht der illustrative Teil der Zeitschrift, der das verwöhnteste Auge erfreut in kunsttechnischer uni) buchtechnischer Hinsicht durch die Tonfeinheit der Klichees, den klaren Druck und die ge­schmackvolle Einfügung der Bilder in den Text. Von be­sonders hvhem Wert sind die Kunstbeilagen, prachtvolle Farbendrucke, Originallithographien und Originaldarier­ungen, Kunstblätter im wahren Sinne des Wortes. Zu jedem Jahrgang dieser trefflich redigierten Nionatsschrift, die dem Kunsthistoriker und dem kunstsinnigen Laien eine Fülle von Anregungen bietet und manchen hervorragenden Kunstgenuß vermittelt, gehören noch 40 Nummern des gut unterrichteten zuverlässigenKunstmarktes" und 33 Hefte derKun stchr on i k", die dieZeitschrift für bil­dende Kunst" nach der mehr fachwissenschaftlichen Seite hin für Forscher und Sammler ergänzen. Der Abonnemcntspreis für die reich illustrierte Seemannsche Kunstzeitschrift mit ihren Beilagen beträgt halbjährlich 16 Mark.

Das deutsche Volkslied, lieber Werden und

Expreß" aus Kobe, die Russen Hütten Döngtschtn tie- setzt und gänzlich niedergebrannt. DaS japanische Konsulat, oas Zollamt und dos Postamt seien ein Rauhs der Flammen geworden. Dann seien die Russen nach Puktschoeng weiter marschiert unb hätten auch diesen Ort besetzt. Diese Abteilung der Russen sei etwa 6000 Mann stark, und habe augenscheinlich den Zweck, die Ja> paner im Rücken zu belästigen, während sich der Einmarsch einer größeren russischen Streitkraft vollzieht. DiePost" läßt sich aus Petersburg schreiben, daß die Reise des Zaren nach dem Kriegsschauplatz im Prinzip entschieden sei, der Zeitpunkt derselben hänge aber von der Beendigung der Konzentration der Armee Kuro-< patkinS ab; erst wenn diese vollendet und die Offensive in Sicht sein wird, werde Nikolaus IL die weite Reise an* treten. Vor Juli dürfte sie also kaum stattfinden, wahr­scheinlich aber noch etwas später.

v n > i' Lehrmann, erzielte heute abend im Hoftheater . cn ' iften Erfolg. Das Libretto schließt sich im all- r dem bekannten Schauspiel von Emil Pohl an

5 i geschickt aufgebaut. Die brillant instrumentierte lsiiü» k tzt eine fleißige originelle Durcharbeitung und gt i einem bemerkenswert selbständigen Talent des gc m^mponisten. Der musikalisch schönste ist der erste

i > chncnwirksamste der dritte. Die Aufführung war i 'er itimt de .Haans Leitung ausgezeichnet; besondere An- mri® verdient Frl. Kapust als Darstellerin der Titel- i le ! 'Frl. Rüdiger als Mandanika, sowie Herr Spe - nt an m:[4i Karudatta, Herr Weber als Bettelmönch und r rter als Maitreja. Neben den Hauptdarstellern rr d) dem dritten und letzten Akte auch die beiden Berfa M i wiederholt stürmisch gerufen.

?.er Ste rn". Ein Herr A. Fischbof schreibt und an? Pyns: Madame Sigrid Arnoldson sang am 17. d. '! ,rim hundertsten Male in ParisMian on". Das Plibli R b-creitete der Künstlerin bei diesem Anlasse seltene OvatiiÄki und die Opsra Comique machte die größte (Sin- naijtmaa heurigen Saison.

ii Reichstage wurden in der verflossenen Woche endlich . imtten geschlossen, die sich an die Beratung über den Et.iioc d«?s Reichskanzlers geknüpft hatten, lieber Volen- frcin|! rmd Handelsverträge, Welfen tum und Bundesrat WUM ein Langes und Breites geredet, ehe man dazu fern Grafen Bülow sein Gehalt zu bewilligen. Hieran

'ch Iss si ch in ebenso ermüdender Weitschweifigkeit die Aus- i'ir.w^rfebung über den Etat des Auswärtigen Amtes, bel/Jl: '6;er Gelegenheit besonders die scharfen Angriffe auf a =1 §l»!isulatSwesen im Auslande auffielen, die von der lin i!r -»'eite des Hauses gegen Mängel, die sich in dieser iranri ( mg gezeigt hatten, erhoben wurden. Duck, der Etat deiÄsiiaiiatischen Expedition, der Kolonialetat und der Etat i * n? tnueftafrita brachten, trotz der sehr bedeutungsvollen ThlWTi!.., nichts sonderlich Neues. Wesentlich interessanter > 'i M dlagegen die Verhandlungen im preußischen Ab- g e ;n d n e t e n h a u s e, von denen die Interpellation Stötzel ;i6itr bii Stillegun g der Ruhr kohlenzechen am " er ^wertesten war. Im Reichstage wurde die Beant- toOTOning der dasselbe behandelnden Interpellation Auer lsÄW zu den Angelegenheiten des Reiches gehörend von b errtleiäigtegietung ab gelehnt. Wenn der preuß. Abg. Stötzel m l'-.ie Anfrage gewünscht hatte, daß die Antwort am milicrtische so ausfalle l möge, daß dadurch die Erregung, der rheinländisch en Bevölkerung mitgeteilt habe, i' jtkr l.gen möge, so mußte er von der Entgegnung des c im £1 ölIer einigermaßen enttäuscht sein, da Herr Ri Sl'tr ie ganze Angelegenheit in kühler und leidenschafts- ios «r se behandelte. Die Stillegung der Ruhrzechen, er- lir M bet Handels Minister, der früher als nationalliberaler i6 '.jg^Diieter den Ruhrorter Wahlkreis vertrat und die >oi flifen Verhältnisse kennt, sei absolut nichts neues, ein f)i :w'. t Stillegen von Zechen sei schon seit Jahrzehnten ar nii rt> gäbe, die Zahlen über die feiernden Arbeiter ei,'?- l''erordentlich übertrieben, und die Aufregung zum -~'?ii!f:iitlirf) erzeugt. Zur Untersuchung der dortigen Sach- lagW^Äe man eine Kommission entsenden, die sich dann an : Ott r.ntb Stelle möglichst eingehend informieren könne.

iu$ Südwestafrika läuten die Nachrichten noch iiiwirenig tröstlich. Nach einem in Berlin eingegangenen i'r ii. 'tm Telegramm des Gouverneurs Leut wein hat m i Litecberg abermals ein Gefecht mit den Aufständischen thfuiliben, wobei leider wieder einige deutsche Soldaten hr i iibai lassen mußten. Ueberhauvt häufen sich unsere ^er-M lin jener unglückseligen Kolonie in erschreckender ei! i! -iS jetzt sind 17 Offiziere und 221 Mann o r 't.recknet man hierzu noch die ermordeten Ansiedler, so nrl t: an auf die für einen Krieg geg'enMld^ recht ebet.&ltnfoe Zahl von 331 für ihre Heimat gefal- nnm Land Sie Ute. Und dabei ist das Ende deS Auf- n Lii! noch gar nicht abzusehen! Nach den letzten aus iüdi'Sttlicrfrika eingegangenen Meldungen wird Gouverneur killte 'bie Absicht, in südöstlicher Richtung nach Seeis bSihLrt'tiemfen, wieder aufgeben und statt dessen in gerader iiiiüiiiMtt nach Osten auf Onjati marschieren, daS inmitten de-^ 1 i .ihinamigen Gebirgskomplexes 25 Km. von Otjosasu gele.W iiit. Der weitere Verstärkungs-Trup- - e um-.rcLN Sport, welcher am 30. d. M. von Hamburg aus j i:5xe geht, wird an Bord des von der Reichsregierung geckuM!r1?m ReichSpostdampfersHerzog" (Kapitän Weis- mrnr ncch Swakopmund befördert werden. Er soll, wie i x:t, hauptsächlich dazu bestimmt sein, die englische reu e zu überwachen, da es sich gezeigt hat, daß e J S:.no von dieser Seite auS unseren Schutztruppen am säi h ken geworden sind. In den nächsten Tagen werden n pfiurg 500 000 Gewehrpatronen nach dem Schutz- biEStsmi: Verschickung gelangen.

Ghcbfyl im Inland wie iim Ausland hat der plötzlich ausg.Ui'ciene StreikderungarischenEisenbahn- an g-;i lten das größte Aussehen hervorgerufen. Ver-

peö. b. BL eiter joioü geiucht m he«.

[02373 g Lirajt 9. eirau furTmen .Aul« Fahrer muß auch mit betten oertrout troe;19. [023^5 mrschel n Tür [oiort ge f Aaritsn.^. i« Mk ze'uchL M j£b^rrafet_o.

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--rlu'i dem Kongreß für irtnereMedizin in Leip .^'berichtete Privatdozent Dr. Koppe-Gießen über I: Hämolyse. Die Auflösung der roten Blut­ti r per-cki entsteht durch Verletzung ihrer Wände. Bei ije- nbnevlyse wird dieWand" der Blusscheibcn mecha­nisch : rcimgt durch den osmotischen lleberdruck; mecha- i he kle-'tzung der Wand ist noch die Ursache beim Ge^ p .crei tu i Au stauen des Blutes. Bei der WÜrmehämolyse schmil Aiier Wand resp. ihr fettähnliLer Bestandteil. Bei

S ^üi-'ämolyse wird der fettähnliche Bestandteil der i .;b . Alten, bei Alkalihämolpse verseift, aufgelöst bei der HäiLUe durch fettlösende Moffe. Bei der Serumhämo-I.... ....

pjfe w eiweißartige Bestandteil der Wand angegriffen. | lieb, Priestergefang, Spielmannslied und Liebeslied werden in ihrer

Mer teit sofort 3665 koßauheim.

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anlaßt durch eine Weigerung der Regierung, einigen Kate­gorien von Essenbahnbeamten die gewünschte Gehaltsauf­besserung zu gewähren, griff der Ausstand bei seinem Ent­stehen sogleich mit Blitzesschnelle um sich, sodaß der Ver­kehr auf fast allen Eisenbahnlinien TranSleithaniens mit einem Schlage lahmgelegt war. Die Regierung sah sich durch diese unerwartete Katastrophe in eine sehr fatale Lage versetzt. Gab ste ohne weiteres nach, so wäre eS mit ihrer Autorität zunächst für absehbare Zeit vorbei gelvesen, bebarrte sie auf ihrem Standpunkte, so setzte sie die Be­völkerung, vornehmlich Budapests, den schwersten Schädig­ungen aller Art auS, nicht zu gedenken der kolossalen Einbuße, die das ungarische Nationalvevmögen durch einen solchen Schlag mit Notwendigkeit hat erleiden müssen. Lange konnte der Streik angesichts der Einbußen auf beiden Seiten nicht dauern; am Samstagabend ist er denn auch mit Gewalt beendet worden. Am Nachmittag wurde einer der Haupt­führer der Streikenden, der Budapester StationschefSstell- vertreter Sarlay, wegen Majestätsbeleidigung ver­haft e t. Sodann wurde unter großem Aufgebot von Polizei und Militär daS Streiklageraufaelöst, nachdem den streikenden Reservisten ihre sofortige Einberufung mitgeteilt worden war. Der Oberstadthauptmann tat dies mit der Begründung, daß die Streikenden ihren geleisteten Eid ge­brochen hätten. Nach der Auflösung des Streiklagers inter­venierte der Aba. Vazsonyi nochmals beim Streikkomitee, indem er die Aussichtslosigkeit des weiteren Kampfes be­tonte. Das Streikkomitee erklärte sich endlich bereit, die von der Regierung gewahrten K o n z e s st o n e n als Grundlage des Friedens anzunehmen und das weitere Schickfal der Streikenden in die Hände der Regierung zu legen. Großen Einfluß auf die Entscheidung des Streik komitees übte die authentische Meldung, daß sich in Neu­häusel 1200 Eisenbahner zum Dienst gemeldet hatten. Als das Streikkomitee dann beim Minister Hierontzmi erschienen, erklärte dieser, nunmehr, die A m n e st t e nicht gewähren zu können. So werden denn leider neue Komplikationen und neue Unruhen nicht ausbleiben.

Auf dem Kriegsschauplatz im fernen Osten ist es in der letzten Zeit auffällig still geworden. Gerüchte von einem größeren Gefechte am Jalu entbehren der Be- stätiaung. W wird zugegäien, daß beständige Plänkeleien stattfinden. Doch darüber hinaus ist nichts zu erfahren. Es gilt immerhin nicht als unwahrscheinlich, daß ein Frontangriff bevorsteht. Die Gerüchte rühren auS einem Telegramm auS Port Arthur her, worin es heißt, daß eine japanische Kolonne, welche am Jalu operierte, völlig vernichtet worden sei. Die Nachricht ist gleich­falls bisher ohne Bestätimrng. Gin englischer Korresvon- dent meldet, daß die erste japanische Armee den Jalu bereits überschritten habe, ohne nennens­werten Widerstand aefunden zu haben. Ein Militär- Attachee dagegen, der die Jalumündung genau kennt, er­klärte, daß eine Landung der Japaner an diesem Punkte mit großen Schwierigkeiten verknüpft sei. Gin russisches Kanonenboot mit Schnellfeuer-Gescyützen würde genügen, um ein großes Armeekorps zurüdhalten. Die japani­schen Schiffe können wegen ihres großen Tiefganges nicht an die Mündung herankommen. Jedenfalls ist daher jene englische Meldung wieder einmal reine Erfindung. Nach anderer englischer Versicherung landeten Japaner westlich vom Jalu und die Russen konzentrierten sich bei Jengh- wangtscheng, 40 englische Meilen Wetter westlich, wo ein schwerer Zusammenstoß beider Parteien erwartet wird. Die weitere Beschießung von Port Arthur durch die Japaner ist angebttch auf 14 Tage aufgeschoben worden und zwar wegen der Gefahren, welche die in der Nähe des Hafens gelegten Minen bieten. Japanische Torpedoboote begnügen sich damit, den Hafen zu überwachen und die schwimmenden Minen aufzufangen unb unschädlich zu machen. Metier den russischen Vormarsch in Nordo st- Korea drahtete der Berichterstatter deSDaily