Ausgabe 
25.1.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die Preise bestanden meist m hübschen Silbergegenständen. Das Arrangement lag erfolgreich in den Händen der Herren Ernst Balser, Dr. Bernbeck und Dr. Liefmann.

** Wohltätigkeitskonzert des Kronbauer­ischen Quartett-Vereins am 31. Januar im Klub- JaaL Wir baben vor kurzem auf dieses beachtenswerte Unter­nehmen hingewiesen und zwar nicht darum allein, weil es edlen Zwecken dient, sondern ganz besonders des musikali­schen Wertes halber. Herr Leopold Geller, der Dirigent des Quartettes, hat mit feinem Geschmack und musikalischem Verständnis Werke ausgesucht, die sich weit von der Liedertafel - Literatur fern halten, ohne in das fast ebenso schädliche Gegenteil $u verfallen. Einen besonderen Wert legen wir darauf, daß in den gewählten beiden größeren Chorwerken, neben einem unvair"^!#^ Bariton- Solo, ein ebenso wichtiges Sopran-Solo Verwendung fand. Es liegt ein wunderbarer Reiz darin, wenn durch die Chor­massen dunkler Männerstimmen eine helle Frauenstimme tönt und jene übertönt. Freilich ein diskreter Chor und eine stimmbegabte Sängerin setzen wir voraus, be'des trifft aber im vorliegenden Falle zu. In der Kammersängerin Fräulein JohannaDietzist eine V rtrctepin der Sopran- Partie gewonnen worden, wie sie besser nicht sein konnte. Die Künstlerin hat in Großstädten, wie Berlin, Dresden, Frankfurt und München Erfolge erhielt, die nur eine Sängerin allerersten Ranges erringen kann. Die Kritiken in den hervorragendsten Zeitungen und Kunstblättern sind in einer Weise günstig, daß jeder Zweitel an die Bedeutung dieser Künstlerin hinfällig erscheinen muß. Besonder? freundliche Beziehungen zu der eminenten Künstlerin und der eigene Wunsch, sich einem schönen Zwecke dienstbar zu machen, haben die Gewinnung derselben ermöglicht. Gleiche Motive waren bei Herrn Adolf Müller, dem Bassisten Par excellence, maßgebend, auch er stellte sich, wie er das oft getan, mit Freuden in den Dienst der guten Sache.

'* Der vierte Vortrag des Kaufmännischen Vereins und des Ortsgewerbevereins findet heute abend 8V$ im Neuen Saalbau statt. Herr Rudolf Gronau spricht über die Vereinigten Staaten von Nordamerika und ihre Bewohner. Er wird seinen Vortrag mit der Vorführung von Lichtbildern begleiten.

)( Grünberg, 24. Jan. Ans Einladung des hiesigen Gesangvereins fand gestern ab(md eine sehr zahlreich besuchte Bürgerversammlung im Gasthaus zum Hirsch statt, um die Komitees für das im Sommer hier stattfindende Sängerfest des Lahntalsängerbundes zu bilden. Es wurden gewählt: Empfangsausschuß, Wohnungsausschuß, Finanzausschuß, Bau- und Tekoratiousausschuß, Zug- und Ordnungsausschuß, Preßausschuß, Musik- und Vergnüg­ungsausschuß, Wirtschaftsaussckmß. Als Zeitpunkt für die Abhaltung des Festes wurde der 9., 10. und 11. Juli be­stimmt. Als Festpräsident nominierten die Anwesenden ein­stimmig Assessor Vetzberger und zum Stellvertreter Amtsgerichtsrat Hörle. Ein altes, verdientes Mitglied und Mitbegründer unserer Freiwilligen Feuerwehr, Herr K Hammel, wurde heute nachmittag zur letzten Ruhe geleitet.

R. B. Darmstadt, 25. Ian. (Eigener Draht­bericht.) Der frühere preußische Gesandte Graf Do en hoff ist gestorben. Er wurde anfangs der 80 er Jahre zum preuß. Gesandten ernannt. Er erfreute sich der beson­deren Gunst des verewigten Großherzogs Ludwig IV. 1897 quittierte er infolge verschiedener Mißstimmigkeiten den Dienst als Gesandter und lebte seither in stiller Zurückgezogenheit. Die Annahme einer Erbschaft im Jahre 1897, an die der Uebertritt der Familie zum Katholizismus geknüpft war, hatte in Berlin verstimmt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Leihgestern starb bte 25jährige Tochter einer armen Witwe an Blutvergiftung. Die ganze Gemeinde nimmt an dem Vorfall die größte Teilnahme. Vor dem Kreisausschuß in Mainz wurde ein Rekurs deS ehemaligen Schutzmanns Herrman verworfen, der aus dem städt. Dienst entlassen worden war, weil er einen Wirt unbe­rechtigt angezeigt haben soll aus Rache darüber, weil er von ihm keine Getränke umsonst bekam. Der Stationsaufseher Müller in Flacht ist überfahren worden. Die Leiche war vielfach zerstückelt. In Frankfurt a. M. ist der Bankier Rudolf Sulzbach, Mitinhaber der Bankfirma Gebrüder Sulzbach und langjähriges Mitglied der Handelskammer ge­storben.

Dermifd?tes«

* Brandenburg a. H., 24. Jan. Heute brannte die Tucyfabrik von Matzenthin bis auf die Um­fassungsmauern nieder. Ter Scyaden ist bedeutend, ein Feuerwehrmann wurde getötet.

* T a n z i g, 24. Jan. In Prauß st a ch ein 14 jähriger Burscye einen 10jährigen Schüler in die Brust, iso daß erstarb. Ter Täter wurde verhaftet.

* Chemnitz, 24. Jan. DerAllg. Ztg." zufolge hat am Samstag auf den hiesigen Garnifon-Schießständen zwischen zwei Offizieren ein Duell stattgefimdeu, bei dem Leut­nant Schubert des 177. Jnf.-RegtS von seinem Gegner -erschossen wurde.

* München, 23. Jan. In der vergangenen Dacht wurde in einem Restaurant der 25jährrge Student der Rechte, Anton Willems aus Köln, von seinem Freunde, dem Chemiker Curt Lequis, auf fahr­lässige Weise durch einen Revolverschuß ins Herz getötet. Ter Revolver gehörte einem dritten Studenten, der die Waffe herumzeigte. Lequis, der sich in angetrunke­nem Zustande befand, manipulierte mit der vermeintlich ungeladenen Waffe. Diese entlud sich, und Willems wurde tödlich ins Herz getroffen. Lequis befindet sich vorläusig in Haft.

London, 24. Jan. Die ganze Stadt ist in schwarz braunen Nebel von einer Undurchdringlichkeit ge­hüllt, wie sie selbst hier kaum je erlebt worden ist. Die Feuerwehr unterhält an allen wichtigen Straßenkreuzungen mächtige künstliche Feuer, da selbst die elektrischen Bogenlampen der großen Verkehrsadern nur aus einem Um­kreis von wenigen Schritt Licht verbreiten. Aus Chapham- Funktion wird ein durch den Nebel verursachter Zusammen­stoß zweier Eisenbahnzüge gemeldet.

* Melbourne, 25. Jan. Die Fidschi-Insel Levuka wurde von einem verheerenden Orkan heimgesucht. Viele Menschen sind umgekommen. An Eigentum, namentlich an den Schiffen, wurde großer Schaden ange­richtet. Auch die Insel Suva litt, wenn auch weniger schwer, durch das Unwetter.

* Ein Zwischenfall im Deutschen Theater in Berlin. Während der Vorstellung von Fuldas ,.No vella d'Andrea" am gestrigen Sonntag im Deut­schen Theater stürzte wenige Minuten nach Beginn des dritten Aktes dieTecke des das Parkett umgebenden Kor­ridors in einer Ausdehnung von fünf bis sechs Meter und zwar im Hinteren Teil herab. Theresina Geßner als Novella stand gerade mit dem Prinzen und drei Ande­ren auf der Szene, als das laute Geräusch wie Tonner- schläge ins Hans drang. Gleich darauf füllte sich durch die geöffneten Türen der Theatersaal mit Staub. Es ent­stand eine große Panik. Namentlich Frauen schrien und weinten. Auf der Bühne erschien Direktor Brahm und der Regisseur und suchten das Publikum zu beruhigen. Einzelne applaudierten. Es stürzte aber alles nach den Garderoben. An eine Weiterführung der Vorstellung war nicht zu denken. Erhebliche Verletzungen sollen nicht vor- gekommen sein.

Zitniverfitäts-'Dachrichten.

Der Professor für Literatur an der deutschen Universität in Prag, Dr. Detter, ist im Alter von 40 Jahren gestorben.

Kerichtslaal.

Mainz, 23. Jan. In der heute fortgesetzten Verhandlung gegen die 4 Maurer Johann Qrth, Peter Barth und Christian Bttt, die anqeschuldigt sind, an dem UeberfaUauf italienische Arbeiter beim Maurer-Aus st and im vorigen Jahre be­teiligt zu sein, beantragte der Staatsanwalt gegen Johnn Orth und Christian Ditt je zwei Jahre Gefängnis, gegen Peter Barth ein Jahr Gefängnis unb stellte die Strafbemessung gegen Johann Barth dem Ermessen des Gerichts anheim. Die vier Verteidiger plädierten für ihre Klienten auf Freisprechrmg. Das Gericht er­richt erkannte nach anderthalbsiundiger Beratimg auf Frei­sprechung gegen die beiden Brüder Barth und v e r »i r t e i l t e die beiden Änderen, Orth und Ditt, zu je 8 Monaten Gefängiiis, wovoii 4 Monate auf die Untersuchimgshaft angerechnet wurde. Das Gericht hat den Tatbestand der Körperverletzung, nicht aber U e b e r f a 11 oder Nötigung als vorliegend er­achtet. Der Verhaftungsbefehl gegen sämtliche vier Angeklagte wurde aufgehoben.

Oldenburg, 24. Jan. Redakteur S3i ermann vom Residenzboten legte Berufung gegen das Urteil des Schöffen­gerichts ein, das den I u stizrninister Ruh st rat wegen Be- leidigimg Biermanns (Rubstrat hat der Frau Biermawi gegenüber B. als Lumpen bezeichnet) zu 20 Mk. Geldstrafe verurteilt. Be- rusiingsgnmd ist die geringe Strafbemesiung.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 28. Januar 1904.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießens Privat-Diskont 21/« Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Kredit . . . 213.75 213.37

Deutsche Bank . . . 223.80 223.80

Darmstädter Bank . 144.50 144.50

Bochumer Guß ... 191.90 191.25

Harpen er Bergbau . . 206.40 206.20

Tendenz: Schwach.

Berlin, 28. Jan. Die .Nordd. Allg. Ztg." dementiert ore Blättermeldung, wonach das Reichsschatzamt in diesem Jahre auf die übliche Begebung einer neuen Reichs-Anleihe verzichten wolle und statt deffen Schatzscheine auszugeben beabsichtige. Bestimmte Entschließungen lägen hierüber nicht vor

Hessische Landeshh-othekenbank Darmstadt. Dem Geschäftsbericht für das abgelaufene erste Geschäftsjahr ist zu ent­nehmen, daß das Institut auf das Aktienkapital von 4 600 000 Mk. einen Reingewinn von 66 826 Mk. erzielt hat, woraus eine Divi­dende von 2 Prozent zur Verteilung gelangt. Aus Inventar werden 1757 Mk. abgetrieben, Vergütungen an Personal erfor­dern 2574 Mk. Zur Verfügung der Generalversammlung stehen 14 775 Mk^ deren Uebertrag auf das nächste Jahr vorgeschlagen wird. Der Aufsichtsrat hat bereits in einer früheren Sitzung die Erhöhung des AkttenkapstalS ins Auge gefaßt, es aber für angezeigt erachtet, die endgilttge Beschlußfassung hierüber bis zu weiteren (Erfahrungen zu verschieben Der Vorstand sieht sich nun zu dem Antrag veranlaßt, die Erhöhung des Aktienkapitals von Mk. 4 600 000 auf Mk. 9 Millionen herbeizufuhten durch Aus­gabe von Mk. 4 400 000 neuer Aktien. Der Zuwachs an Aktien­kapital würde für die Bank bei ihrem dermalrgen Ausleih-Zinsfuß von 3,75 Proz. eine Erhöhung ihrer Rein-Einnahmen um mindestens 3,50 Prozent des neuen Kapitals erbringen. Wie wir bereits früher schon mitteilten, wurde gegen Ende des Berichtsjahres vom Staat die Garantie für die Verzinsung der Pfandbriefe und Kommunal- schuldverschreibungen des Instituts übernommen und dadurch den Werten auch außerhalb Heffens der Markt im weiteren Umfang zugänglich gemacht. Die Schuldverschreibungen der Bank haben mit der staattichen Zinsgarantie in den sämtlichen deutschen Bundes­staaten die Mündelsicherheit erlangt.

Deutsche Petroleum-Uttteugesellschaft Berlin. Ueber diese Gesellschaft sind bis jetzt zum Teil recht schwer verständliche Nachrichten in die Preffe gelangt DieF. 3/ erläutert die Tat­sachen dahin, daß die jetzt unter Führung der Deutschen Bank er­richtete Deutsche Petroleum-Aktiengesellschaft ein Trust ist, in den. zunächst der Besitz dieser Gruppe an Aktien der Stenna Romana eingelegt wurde. Es ist nicht nur wahrscheinlich, daß auch die Schodnica hinzutritt, jedoch ohne sich von den kartellierten Petroleum-Rasfinerien Oesterreichs ganz cmszuschließen. Eine Der- kanfs-Organrsatton schafft sich ohne Zweffel auch die Gruppe der Deutschen Bank, aber hierfür konnte sie zunächst nur an ihr ru­mänisches und etwa an deutsches Petroleum denken, da für das galizische die Bindung an die Standard Oil Company im Werke ist.

Projektierte Petroleumbank für Rumänien. Von der Errichtung einer solchen Bank war schon früher die Rede und sie soll nun durch eine französische Gruppe allein oder unter Mit­wirkung der Standard Oil Co. erfolgen. Das Grundkapital soll angeblich 20 Millionen betragend

Märkte.

ko. Frankfurt a. M., 25. Jan. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz."). Amtliche Notterungen der heutigen Viehmarkt­preise. Zum Verkaufe standen: 395 Ochsen, 186 aus Oest­reich, 49 Bullen, 4 aus Oestreich, 564 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 ans Oestreich, 227 Kälber, 232 Schafe und Hammel, 1652 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht Ochsen 1. Qualität 7274 Mk., 2. Qual. 6567 Mk., 8. Quäl. 6162 mt; Bullen L Eluat 64 bis 66 Mk., 2. Qual. 6163 Mk.; Kühe L Qual. 6163 Mk., 2. Quast 5759 Mk^ 3. Qual. 4547 Mk, 4. Quast 4144 Mk., 5. Quast 0000 Mk. Kalber: 1. Qual. 8486 Pfg^ Lebendgewicht 5052 Pf., 8. Qnal. 7683 Pfg^ Lebendgewicht 4649 Pfg^ 3. Quast 0000 Pfg., Schlachtgewicht 6065 Pfg^ Schafe: 1. Quast 6668, 2. Qual. 5256 Psg^ 3. Quast 0000 Pfg.; Schweine 1. Quast 5455 Pfq^ Ledendqew. 42 Pfg- 2. Qual. 5253 Pfg., Lebendgewicht 4100 Pfg., 3. Quast 4446 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Gef chatt gut, kein Ueberstand.

fc. Frankfurt tu M., 25. Jan. (Orig.-Telegr. desGießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise : Weizen Mk. 16.7500.00, Kurhefsischer Mk. 16.7500.00, La Plata Mk. 17.2518.00, Kansas Mk. 17.2518.00, Roggen (hiesiger) Mark 13.2513.50, Gerste (Wetteraueri Mk. 15.5015.75, Franken- felber Mk. 00,0000,00, Hafer Mk. 12.7513.75, Mais Mk. 12.5012.75, Weizenmehl 0 Mk. 25.7526.25, 2. Qualität Mk. 25.75

bi? Mk. 26.25, 3. Qualität Mst 21.7524.25, Noggenmehl 0 Mk. 22.0022.50, L Qualität Mk. 19.2520.00, Weizenkleie Mk. 8.75 bis Mk. 9.00, Roggenkleie Mk. 9.7510.25, Maiskeime Mk. 10.75 bis Mk. 11.00, Franken, Pfälzer, Ried M. 00.00000.0. Alles per 100 Kg. ab hier.

Spielplan der nerrimqte« Frankfurter Ktadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 26. Januar, abends 7 Uhr:Der Prophet.* Fides: Frst L. Marck vom Stadttheater in Königsberg a. G.

Schauspielhaus.

Dienstag den 26. Januar, abends 7 Uhr: Trittes Gastspiel des Fräulein Irene Triesch:Cyprienne* Hierauf: Literatur."

Eingesandt

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perautwortimg.)

Der Verfasser des ArtikelsPatronat und Theo» (o g i e* fühlt sich durch dasEingesandt" in Nr. 18 desGieß. Anz." vom 22. Januar, 1. Blatt, durchaus nicht betroffen. Es ist ihm auch nicht im Srattme eingefallen, bei der Versöhnung vom christlichen Glauben und modernem Denken an eine Preisgabe zentraler christlicher Gedanken zu denken. Und wenn der Verfasser desEingefandt" schreibt: Wir wollen untere jungen Theologen so erzogen haben, daß jene Heiligtümer, an denen der Glaube hängt, in ihnen fortwachsen, daß namentlich die Person Christi ihnen als der absolut feste Punkt erscheint, als die Stelle, wo Himmel und Erde zusammentreffen", so kann der Verfaffer des Artikels dazu nur ja rmd Amen sagen. Fährt dasEingesandt" aber fort:Daß unsere jungen Theologen so erzogen werden, dafür sich von ganzem Herzen zu intereffieren, dazu ift nicht bloß die theologische Fakultät in Gießen, sondern sind auch alle evmiaelische Gemeinden des Landes berufen", so ist das selbstverständlich unb bas Gegenteil von Niemanb behauptet werben. Der Ausbruckrüefftänbig" aber war in völlig unanstößigem Zusammenhang gebraucht. Der Ver­fasser besEiugefandf wirb nicht in Abrebe stellen wollen, baß neben ber Vorstellung der Theologen, bie bie Bibel als Urkunde der Offenbarung Gottes an die Menschheit zu verstehen sich be­mühen, in unseren Tagen noch eine Benutzung ber Bibel vor­kommt, bei ber man aus ihr bie eigene Dogmatik herausliest. Das istrückständig", denn es ist ein Rest der Betrachtungsweise des 17. unb 18. Jahrhunberts, unb ber Verfaffer desEingesanbt" wirb nicht in Abrebe stellen, baß diese rückständige Betrachttmgsweisc den fruchtbarsten Nährboden für sektiererische Bewegungen bildet. Wozu also die Empsindlichkeit? Selbstverständlich wird auch ein­mal die moderne Theologie rückständig werden, denn jede Theo­logie i st ein menschlicher Versuch, die göttliche Offen­barung zu deuten. Man wird aber gut tun, mit der Behauptung, baß sie es schon sei, zu warten, bis eine Gestalt ber Theologie ent­stauben ift, bie bie Aufgaben ber Theologie bester lost. Der Ver­fasser bes Artikels würbe sich herüber mir freuen.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Montag, den 25. I a n u a r, abends 8 Uhr: B i b e l st u n d e im Konsirrnandeusaal der Johanneskirche. Text: Jak. 3, 3 ff.

Pfarrer Euler.

Familien-Nachrichten.

Gestorben: Wilhelm Lesky, königlich sächsischer Hoirat und Ritter hoher Orden, Mainz.

Neueste Melduuizeu.

Originaldrahtmeldnngen des Gießener Anzeigers.

Wiesbad en, 25. Jan. Gestern stürzte sich ein aus Münchhausen auf dem Westerwald gebürtiger Füsi­lier von der 2. Kompagnie des hiesigen Füsilierregimerrts Nr. 80 aus dem 2. Stockwerk der Infanterie- Kaserne. Er ist nach kurzer Zeit seinen schweren Ver­letzungen erlegen. Das Motiv der Tat soll in Heim­

weh zu suchen sein.

Berlin, 25. Jan. 150 Zeugen sind bis jetzt gegen den Professor Meyer und Frau vernommen worden und fast alle haben in stark belastender Weise gegen das Ehepaar ausgesagt. Tie Hcntptverhandlung wird vor­aussichtlich Anfang Februar erfolgen.

Könitz, 25. Jan. Ter hiesige Stadtkämmerer und Beigeordnete Berkhahn, Rendant der hiesi­gen Vorschußkasse hat sich erschossen. Tas Motiv des Selbstmörders ist, wie verlautet, gekränkter Ehrgeiz.

Breslau, 25. Jan. In Hirschberg wurde der Töpfer Fristet von der Strafkammer wegen Maj estäts-Belei­digung anläßlich einer Besprechung der Krupp- Affäre zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

Greiz, 25. Jan. Hier ist ein starkes Erdbeben mit donnerähnlichem Rollen aufgetreten.

Kopenhagen, 24. Jan. Tie Vereinigte Dampf­schiffsgesellschaft entsendet am Montag den Tampser ^Cim- bria" zur Hilfeleistung nach Aalesund. Tas Kriegs- und Marineministerium schicken soviel Zelte, Betten und Kochapparate mit, wie entbehrlich sind. Tas Hilfs- komftee, das sich hier gebildet hat, sammelte im Laufe des Tages soviel Geldmittel, daß es 1000 Sack Mehl und andere Vorräte ankaufen konnte, welche dieCimbricv"

. 26.85

136 60

W/o 8% 3V.o/o 3% W/q

8°/0 Mexikaner 4l/el/o Chinesen Electric. Schockest Nordd. Lloyd . . Kreditaktien Diakonto-Kommandit Darmstädter Bank Dresdener Bank . Ber'iner Handelspes. Oesterr. Staatabahn Lombarden . . Gottharibahn . . Laurahütte . . . Bochum ....

Reichsanleihe do.

Konsole . do. . .

Hessen

. 90.20 . 104.40 . 104 70 . 212.80

193.80 . 143.70 . 156.20 . 16010 , 144.20 . 16.10

192.00 . 235.00 . 190.70

8x/,X Oberbessen . . . 4% Oesterr. Goldrente .

41/6% Oesterr. Silberrente 4% Untrar. floldrento . .

40/ Italien. Rente . . .

41/,Portugieser , . .

zo/' Portugiesen.....

1% C. Türken . . . .

Türkenlose......

102 80

92.10

102.80

92.15

101.00

99.50

102.90

101.20

100.50

10385

62.80

32.10

mitnehmen soll.

Warschau, 25. Jan. Einer Mättermeldung zufolge ist in C^enstochau die Celluloidfabrik von Lander niedergebrannt. Zwei Arbeiter kamen in den Flam­men um. 16 Personen erlitten Verletzungen. Nacheiner Meldung aus Kursk kamen daselbst 40 Personen auf dem Wege zur Kirche im Schnee um.

Montevideo, 24. Jan. Amtlichen Telegrammen zu­folge haben die Aufständigen in dem Gefecht bei Melo eine große Niederlage erlitten. Ter Kampf war sehr heftig, die Rebellen flüchteten nach der brasilianischen Grenze. Auf beiden Seiten war der Verlust bedeutend. Die Rebellen hatten 2M Tote und 300 Verwundete, worunter sich viele Offiziere befanden. Tie Verluste der Regierungstruppen betrugen 60 Tote und Verwundete. Man glaubt, daß mit diesem Gefecht der Aufstand beendet ist.

N e w y 0 r k, 25. Jan. Bei dem Brande des großen Geschäftsgebäudesin Chicago sind zwei Leute verbrannt. Die Panik war ungeheuer, weil die Treppen wegen furchtbaren Qualmes fast unpassierbar waren. Glück- lic^rweise funktionierten die Fahrstühle tadellos. Der Newyork-Herald" meldet aus Pittsburg, daß die Ueber- schwemmungsgefahrbes eitigtzu sein scheint. Das Hochwasser geht zurück. ,

Telephonischer Kursbericht«

4°/o Griech. Monopol.-Anl. 41/t% äussere Argentiner

43.75

Harpener..... 204.50

Tendenz: schwach.