Wochenbericht der Kuxeuabteilung des Bankhauses H. S. Oppenheimer jr.
Hannover, 23. Dez.
Christnacht
Wieder mit Flügeln aus Sternen gewoben Senkst du herab dick, o heilige Nacht;
Was durch Jahrhunderte Alles zerstoben — Du noch bewahrst deine leuchtende Pracht!
Ging auch der Welt schon der Heiland verloren, Der sich dem Dunkel der Zeiten entrang, Wird er doch immer aus's Neue geboren, Nahst du, Geweihte, dem irdischen Drang.
Selig durchschauernd kindliche Herzen, Bist'du des Glaubens süßester Nest; Fröhlich begangen bei schinnnerliden Kerzen, Bist du das schönste, das menschlichste Fest.
Leerend das Füllhorn bcglückeiider Liebe, Schwebst von Geschlecht zu Geschlecht du vertraut — Wo ist die Brust, die verschlossen dir bliebe, Nicht dich begrüßte mit innigstem Laut'?
Ulid so klingt heut' iioch das Wort von der Lippe, Das einst ui Bethlehem preisend erklang, Strahlet noch immer die liebliche Krippe, Tönt aus der Feriie -er Hirten Gesaiig . . , Was auch im Sturme der Zeilen zerstoben — Senke herab dich m ewiger Pracht, Leuchtende öu, ans Sternen gewoben, Frohe, harzdusieiidc, heilige Nacht!
Ferdinand v. Saar.
der Zukunft.
♦♦ Ob erb syrische s Bauern-Theater. Wie roirl schon mitgeteüt, beginnt am Donnerstag, dem 29. Januar, das zweitägige Gastspiel des großen Oberbayrischen Bauern- Theaters in Steins Saalbau. Das Ensemble, unter der Direktion Michl Dengg Schliersee ist aus dem bekannten Schlierseer Bauerntheater hcroorgegangen und in den Städten, Berlin, Wien, Breslau, Hannover, Magdeburg, Stuttgait, Mainz, Wiesbaden u. j. w. mit großem künstlerischen Erfolg aufgetreten. Näheres wird durch die folgenden Inserate be-
Wünscben wird eS erfüllen? Ob der kleine Ernst sein edmu trlpferb erhalten wird und Hrlddsen bas hübsche Buch L^eriblättchenS Zeitvertreib" und Hänschen den „großen Soldaten mit den Wander dein en", Jlschen die j^uchenern- richtuna und klein Erica den großen Tuschkasten'? Oder ob das Christkirrdchen gehört bat, was sie alle für dumme Streiche gemacht haben, wie faul sie gewesen ftnd und wie widerspänstig und ungehorsam und unartig, wre unvorsichtig ilnd unbedacht mit ihren Kleidern re. re. Wenn das llhrislkinbchen dies alles loeiß, dann hat es vielleicht doch statt der heißersehnten Wunderdinge nichts werter unter den Tannenbamn gelegt, als die Rute! Den Kleinen tvird es bänalich ums Herz; sie laufen zur Mutter, um sich bet ihr Trost zu holen und ihr die heiligsten Versprechungen Lu geben. Und die Miitter beruhigt sie und heißt sie geduldig übwarten. Geduldig! Als ob man das konnte, wenn einem das Erwartungsfieber in allen Gliedern zuckt und prickelt! Endlich, endlich ist's ganz dunkel geworben uüd Mutter heißt ftie, das Weihnachtslied anstimmen „Stille Rarcht, heilige Nacht!" Das alte, viel gesungene Lied, von dem es wie ein ewiger Zauber ausgeht, klingt frisch au-> den Kehlen. Und in den Sang hinein tönt — Bim, bim! — ein seines Glöckchen. Die Tür geht puf. Schimmernder dichter glanz! Ter Weihnachtsbaum in Pracht iind Hcrr- Lichkeit und unter ihm — Hurra! — das Schaukelpferd und Herzblättchens Zeitvertreib und der große Soldat nut den Wanderbcinen unb die Mcheneinrichtmig mtb der Tuschkasten. Und obendrein Llepfel und Nüsse, Lebkuchen mid Marzipan, ganze Teller voll. Mit großen, glanzenden Augen mit Backeri, so rot wie die Weihnachtsapfel, geht das junge Volk auf die Herrlichkeiten zu und ergreift feierlich Besitz davori. Und die Eltern stehen dabei unv sehen zu, ftoh über das Glück ihrer Kinder. Sie denken der Zeit, wo sie selber von Vater und Mutter unter den Lrchter- baurn geftchrt wurden, wo sie jubelten und fangen, wie jetzt ihre Sprößlinge. Eine Freudenträne rinnt wohl von der Wimper der Ntutter, vor dem geistigen Auge des Vaters ziehen die Bilder der Vergangenl-eit vorüber, er gedenki der eigenen Kindheit und der Freuden, die treue Elternliebe ihm einst bereiteten. O, es waren gar schöne, selige Zeiten, die nimmer wiederkehren — nur nach empfinden taiui man es heute den Kindern, verstehen kann man die Helle Freude, die ihnen aus den .Augen leuchtet. ,,£! du fröhliche, o du selige, gnadenbringenoe Weihnachtszeit" und „Vorn Himmel hoch da komm' ich her und bring' Euch oute neue Mar" klingt es und singt es im Lichtermeer.
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die 93ie[roeibc«i gdtattet )et. Din geromer »a xronimn war wegen Bigamie angeklagt und zu einer ®etangm6firafe von zwei Monaten verurteilt worden. Er legte gegen dieses Urteil Berufung ein, und sein Verteidiger führte aus: Die Monogamie sei jetzt allerdings von den Juden allgemein angenommen, aber die jüdische Religion fordere von ihren Anhängern keineswegs die Einehe, sondern lasse auch Biel, weiberei zu. Ais Beispiele können die Könige David, Salomo u. a. dienen, die viele Fraiien hatten. Die den Juden ver- wandten östlichen Völker, z. B. die Aethiopier und die un Kaukasus lebenden Bergjuden leben noch heute in Vielweiberei. Richtig sei, daß vor 6OO—7OO Jahren der Nabbl Gerschon । bic Monogamie angeordnet habe; das sei aber nur die Ansicht eines Gelehrten und keine Grundlage des Glaubens. Die Juden Europas und besonders Westeuropas haben sich der Verordnung GerschonS gefügt, weil sie im Mittelalter heftiger Verfolgung ausgesetzt ivaren. Aber auch das verändere ihre Glaubenslehren nicht. Ta der Verteidiger aus diesen Gründen nichts finde, woraus eine Verantivortlichkeit des Tronstein folge, bitte er, einen Rabbiner als Sachverständigen darüber zu vernchnlen, ob nhch jüdischem Gesetz eine Vielehe zulässig sei oder nicht. Der Gerichtshof gab
vermischte».
»Verlangt der juois^e Glaube die Einehe? Wir lesen in den „Odess. Nowosti": Vor dem Odessaer Bezirksgericht wurde jüngst die Frage erörtert, ob den Juden
Wie immer findet der Weihnachtsaufbau im Muschelsaal ' des Neuen Palais statt. Früher wurde mit ber Bescherung früh begonnen Wenn die ersten Sckwtten des Abends stch herabsenktcn, dann imirdcn die kleinen Kruder, die so lebendige Prinzessin Viktoria Luise, der immer noch etwas -arte Joachim O'ranz I Humbert, der so lustige und aufgeräumte Prinz Oskar, recht unruhig, sie tonnten, icic alle kleinen SHnbcr, die Zeit nicht I erwarten; jetzt ist die Prinzessin bereits 12 Jahre all, ^oachrm Humbert ist am Samstag 14 Jal>re geworden; die Bescherung kann also weiter lstnausgeschoben werden.
Ein Tiner des engeren Hofstaates wird auch in biciem Jahre der Bescherung vorausgehen. Zu diesem Trner werden die drei Chefs des Zivil-, des Militär- und Mannekabmetts, Wirkt Geh Rat von Lucanus, Generalleutnant Graf Hülsen- Häsclcr und Admiral Freiherr v. Scud.n-Bibran zugezogen; sic werden ebenfalls vorn Kaiserpaar reichlich besckfenkl.
Tie Weihnachtsbäume werden imttrdftscn angezundet; hinein i begeben sich in den Muschelsaal der Kronprinz mit seinen Brü- bern- voran stürmt die Prinzessin. Jedes der kaiserlichen Kinder erhält seinen iKabontisch, Tannen. Ostpreußische Luft in den Wäldern Romintens, umrauschte sie ernst; es sind ausgesucht I sckwne Bäume, kerzengerade. Tie sechs Tannen stufen sich etwas ab Tie größte steht auf dem Gabentisch des Kronprinzen, dw kleinste aus dem der Prinzessin Viktoria Luise.
Wenn bei dem hellen Kerzensästin der Jubel ertönt, die jüngeren kaiserlichen Kinder vor Freude aufjauchzen und den Eltern ihren Dank abstatten, „das stille heilige Nacht erklingt" und der Kaiser mit seiner kräftigen Stimme, innig bewegt, dies die Herzen ergreifende Lied mitsingt, dann liegt auf dem Gesicht der Kaiserin mit ihren ftirw rosigen Zügen und dem lämeeweißen Haar hellster Sonnenschein, innigstes Glück. In keiner bürgerlichen Familie kann das Weihnachtsfest inniger, herz- ersrischender, poesievoller begangen werden. Ter Kaiser pflegte! I in den letzten Jahren vor der Versicherung, wenn es zu dunkeln anfing, einen etwa einstÄndigen Spaziergang durch den Park I von ä-ansscuci zu machen. Blitzblanke Fünf- und Zweimarkstücke I stchrte er in großer Anzahl bei sich, armen Frauen und Männern, oie den Kaiser ost nicht erkennen, überreicht er ein Geldgesck)ent.
I Wenn der Dank erllingt und Helle Freude aus den Augen der armen Aienschenkinder blipt, die so unerwartet von ihrem Kaiser
I 5cjU)ert irurocn, dann ist auch der 5kaiser tief bewegt. Wenn die alten hohen Bäume des i'Hünen Parkes erzählen tonnten, dann würden sie laut jene um'-iderstehllche, geheimnisvolle Poesie des WeibuachtSs'esteS verkünde,dem Kaiser innigsten Dank zollen, der in das sreudwse Dasein so vieler^ armer und geplagter
I jicnia)cntiubet mit einen' Mal Hellen Sonnenschein ergoß.
diesem Anträge nach.
* kleine Tages chronik. In K a t t o wi d waren vor zwei Monaten acht Angelstirige der L.sitzerssamilie Stolletzki von einem Affenpivschcr g° bissen 'Eden. Tie Bisse wurden von den Betroffenen unbeachtet gelassen ^tzt Uno der Later und zwei Kinder an den Folgen dcr Bisse gestorben, wöl/rend die übrigen an Toll w u t nkraukt — Ein Gc ° väckzug von London en t g leist e, als er m die ^tatton Aulesdurv einsuhr. Der Lvkonwtivführcr wurde schwer verletzt, der Heizer und zwei Eisciibahnbeamte, die sich un Zuge befanden, wurden getötet. — In Nurn b er g gerieten im Ge- richlsgebünde der Bader Georg Poll und seine frühere■ liebte, die Lackiererin Anna Döring, jn Streit, in dessen
i Verlaus Poll der Döring fünf l e b en s g e s a hr 11 ch e e 11 in den linken Arm. Rücken und Unterleib versetzte. Poll tzt das Verhältnis mit der ihm angeblich untreu gewordenen Donns gelöst und diese aus Rückgabe der, gemachten Geschenke verklagt. Poll wurde festgenommen. — Die schw arz e n Po^cken wurden bei einem an der A^osel-Kleinbahn beschäftigten Italiener ui Traben-Trarbach festgestellt. Ein zweiter pockenverdachtiger Arbeiter ist entflohen. — In K o w (Polen) crichosz ein Offizier deS 19. Tragonerregiments Namens Glowaczcwski fei n c 17jährige Braut und dann sich selbst, weil die Eltern ber Braut die Einwilligung der Eheschliestung vertoeigerten, da der Osftzicr nach dem ^'kriegsschauplatze abgchen sollte — Die Anssindung einer Frauen leime in den Anlagen des cl)€nialigen Hamburger Bahn Hoss in Berlin gob^ Anlaß zu Gerüchten von einem Akorde. KTirninalpolizci und ^taati-ansvaltichaft wurden aufgeboten, um an dem Fundorte die ersten Feststellungen zu machen Tie Frage, ob ein Mord an der etwa 40 Jahre alten noch unbekannten F-rauensperson begangen tvorden ist oder ob sie nachts vielleicht von Krämpfen befallen und verstorben ist, muß noch als unentschieden bezeichnet werden. — Jn Eisenach sinb bei dein Zusammenstöße der beidcii Güterzuge v i e r 3 u g *
I beamte umgekommen. — In Co11b us lauerte der öo- iälmge 5)ausdiencr Emst Lehmann 1 einer tr u he r en Br aut, ber Knoterin Pauline Lenke, auf, als diese von der Arbeit kam, und lötete sie durch zwei Revolverschüsse durch den Kops; er selbst brachte sich einen IcbcnsgesährlicksLn Schuß in den Kops bei. Das Alotiv zur Tat ist verschmähte Liebe.
Die außerordentliche seste Tendenz, welche seit einiger Zeit auf dem K a l i - K ux e nmarkt e herrscht, hielt auch m der zu Bericht stellenden Woche nxiter an. Am lebhaftesten gestaltete »ich die Bewegung in Ausbeutewerten, HMi denen, nanieittlich Hercvnia bis 24 000 Mk., Wilhelmshall dis 13 iOO Mk., 9!eu- staßsurt bis 16 600 Mk. und Bürbach bis 9800 Mk. bezahlt wurden Von mittlere» Werten übernahm Kaiseroda in der Auft nättsbcwegung die^Führung und wur^n postenweise bis 8800 Mark von erster Seite aus dem Markte genommen. Da^selb gilt von Beienrode, Hohenzollern und Carlssund, indenen alles verfügbare Material bis 8700 Mk., bezw. 77v0 und 8250 Mk. schlank ausgenommen wurde. Ter Grund ^^die starkeli Steigerungen liegt in der Verteilung der WeihnatAsausbeute, bezw. der Erlröhung der rcgelmäßigeii Quartalsausbeute, was jefion un laufenden Quartal zum ^Ausdruck kommm wird. Lebhaft gefragt ivaren ferner Johanneshall bei ^^50 Mk Desdcmmia bi Mark, Großherzog von wachsen bei 6600 Mk., Justus I. bei «dOO Mark und Wintersl)all bei 9250 Mk., ohne daß ledoch tn diesen Werten die großen Umsätze vorhanden geiveseii waren, wie.bei ben erstgenannten. Ho Hensels lagen bei 10 90O Bries flau. In Alcxandershall machte sich letzttagig euiiges ^nteresse bemerk- bar, woraushin der KMrs bis 6,50 Mk, anzlehm konnte. Bon
Herzogin bei 590 Mk. urw Sigmunbslwll-Akt. bei 1115 Mk. bezw. 1825 Mk. Die übrigen Werte zeigen bet wenig veränderten Kurien durchweg feste Teiidenz.
Die Vorgänge auf dem K v hl c ii - K n z e u m a r kt c wurden durch das große Interesse, ivelches die Spekulation den Kaluverten inmanbtc weniger beadjlct. Gesragt sind nur König Ludwig unÄAtxS unb ivuvben bierfür 2-300• WJerc W-
bewilligt Von Mittelwerten waren Ettitracht, Tiefbau, Graf SdMTin, Johann Teimclsbcrg unb D-mnch bei vcrcmzelten Staufen etwas gclntssert, wohingegen .Herknles uitb ilugnfta Bik- toria unoCTaubcrtc Notizen anstocijen. Treinonia imb Sicken- uta ietcn geluannen gleichialls ca. 100 Mb, wayrenb «chuckailk unb Ehartottcnburg, Bo-rusjia Dahlhauser Tiefbau unb lyret 'Uoget unb Unvcrlwfft Verunberungen iticht auszuivetscn haben.
kann! gegeben.
** Fährverbindung zwischen Gießen unb Lroj borf. Vorgestern abeno fanb,_ivie man uns aus Krojbors fdjieibt, int Jreunbschcn Saale dort eine gut bejuchte Verjammlung ftatt, die sich mit der Erzielung einer regelmäßigen Fährverbindung zwischen Ärosdor, und Gießen beidjaitigte. Nachdem die Unzwcctmutstgieii der verschie- denjien Einrichtungen dargeian war, entmann sich etne lebvaste TlSkusjion über eine event. elett rii dje Bahnver- binbuna Selbst das riutcmvbii, ba5 dieser uotarbcüctw den Weg bahnen sollte, crwreS sich nach ein« kurzzugigen Ren- tLbilitätsberechnuug als unrentabel. sich uit elektrische Verbindung geiaalten soll, bleibt erne Fiage uer
falls ist ein SchienengAeiS alö Grunv^age emes fill^ercn und rentablen Verkehrs mibedtngl.es ^riordernis.
uanb man vor der Frage, oo die je^rgerr ^.rru^^.oeryatt- nijje öic Aufnahme eines GcckeijeS ge.-arten, ^rotzüem von
unterrichteter Seite miitßctcilt wurde, daß nach behördl- lichen Verhandlungen der neue Weg gegebenenfalls einen i3diienenn>cq ermögliche, wurde diese Frage allgeniern verneint. Tiefe Eventualität (besser „Notfall") darf uns nacht aenüaen. Etwas Gaiizes ober nichts, neue Weg ont- spricht, wie mit Recht hervorgehoben wurde, seiner geringen Brette lvegen, nicht den Bebürftnssen der Bevoltcr- una. Solange bie F-elbbereinigung noch nicht bcpiiüio zum Abschluß gekommen ist, erscheint es als ein Leichtes, eine Spurbreite lcuigs bes Weges ab^utrennen, wahrenb bres I später zur Umnöglich keit wirb. T ie 9iotwenbig kett cmer Berbessermig des Weges oberhalb des ^iabittts, der mit einem Schlag seiner lästigen Knrveu- und Steigungs-Ber-. bältnisse entboben werben kaim, unterliegt Eeincni Zweifel. Mit Freubcn würbe bie Albsicht ber Gießener Stabtoertret- unn begrüßt, ihre Vororte, unter denen sie Krofdorf mdjt vergessen darf, durch elektrische Bahnen zu verbinden Die Rentabilität einer solchen Bahnverbindung steht nicht m Jxage, zumal bie Anglieberung des Posd- unb Güterverkehrs ein Leichtes wäre.
w. Nibba, 22. Dez. Gestern abend hielt unsere Kleinkinderjchule ihre diesjährige Christbescherung! ab. Die Sonntagsschüler eröffneten die Feier mit einem geistlichen Lied; bie Kinber sagten ihre L-prüche her unb I langen ihre Weihnachtslieder. Pfarrer Werner, als Vorsitzender des Vorstands, hielt eine Ansprache über bas Wort: .Seht welch' eine Liebe hat uns ber Vater erzeiget, daß wir selber Gottes Kinder heißen.- Danach wurden 65 Kinde r, öie Armen mit warme Kleider und Spielwerk, die anderen mit Spielsachen beschenkt. Sie sprachen nachher den Gebein ihren Dank in gebundener Rede aus. — Der Bauplatz für eine neue Kleinkinderjchule ist gekauft und der Bau wird im neuen Jahre begonnen werden. — ^eit zwei Tagen fyabcu wir Winter und eine prächtige Eisfläche.
w. Wetzlar, 23. Dez. Jn der letzten Stadtverord- neten-Versainrnliuiig surnd u. a. auu) die Beschlußfassung über b ie Aufbringung ber noch nicht gedeckten 10 000 Mk. des Kostenbetrages des Neubaues der e v a n g e I. Kirche Wetzlar-Niedergirmes auf ber Tagesordnung. Nach ben bisherigen Beschlüssen uno Genehmigungen stehen für ben Bau der evangel. Kirche in Wetzlar-Nieber- girmes außer bem Bauplatz 50000 Mk. aus bem Barvermögen ber früheren Gemeinde NiebergirmeS zur Verfügung. 1OWO Mk. sind vom Konigl. Konsistorium in Slussicht ge- y~v ---- —o-------, w , k [ teilt Ter Gesamttosumberrag stellt sich nach bem Vor-
Es ist etwas wundersames um den Zauber de^ -^ortc^: Lnjchiaq des Architekten Hofmann auf .O OO0 Mi. Der Re- Weihnachten! Friede, Hofftiung, Glücrseligkeit und Zu:bc q^rungspräsibem fordert nun, daß über die Beschaffung verbinden wir damit. Wir sind jetzt gern bereit, das noch fehlenden 10 000 Mk. dem Stadtvcroronelentolle- Schmücken des Weihnackftsbaumes für eine uralte deutsche . Vorlage gemacht und von diesem ein Beschlug hier- Sirte zu hallen, ebenso wie den Brauch, Verwandte und herbeigefuhrl werde. Ter Finanzausschuß schlägt vor, Freunde durch Geschenke zu erfreuen. Und doch ist *>cr kje ~feh(cnbe Summe dur ch Entnahme aus dem Niedcr- Weihnachtsbaum seit etwa einem halben Jahrhunderr. erfi airmejCE Kapital aufjnbringen.
allgemein in Tcutschland verbreitet, und auch das Ansehen ü,____■--------------\------------”
des Festes als Bescherungstag ist erst verhälmismagig Das Weihnachtsfest ber Hofe.
neueren Datums. Nikolousiaa (6. Dezember) unb Neujahr Berlin, 13 Dez.
aallen urfprunglich in Teutschlanb als Bescherungstag. Das Tie Wcihnachtsvorbcreitungen bei Hofe sind beendet. Die Beitreben ber vndie, bie an diesen Tagen üblichen Brauch. Kaiserin liebt es, ihre^Einkäse rocht frühzeitig. »n beginnen unb aut bal Sm zu tonyntueren, hauen nur alb bereits in ben Xa8<? «wo I, .
mählich Erfolg, und als das Weihnachtsfest seine Neb°n^ LwInAem ^Mst^k stch ^aktische^tw'solÄ Weih^a^s-! ibuhler endlich in den Schatten stellte, da war die Freude I ‘jt^ zu taufen. Ehe die Influenza die
der Kirche keine ungetrübte. Je allgemeiner unb vvllli- ^is-rin crgriss, war der größte Teil der Weickrsnachtsemkaiife tümlicher bie Weihnachtsfeier würbe, befto mehr streifte ite | QcmQC[)t, m diesen letzten Tagen vor dem Fest waren durch die ihren religiösen Eharakter ab. Bis zum 16. Jahrhmideri I ^ofpamen nur noch kleinere Gesck-enke zu kaufen.
gibt es noch keine Weihnachtsbescherung. Erwachsene senden 2ie Kaiserin, welche ja nicht über unb ef chran rr e
htnpite man die Geschenke in em Bündel zusammen und [uTng“ be’l'‘
banb daraus eine Rute, die 'Mchsolgerm dev viehfegnenden - Wcihnachtsgabcn zu finben. Von l>ohlem Tand ist die Martinszweiges — wer benft heute noch an bie|e Bebeut- tcme ^eundm, siir iie entscheidet hauptsächlich der
ung der Dirtenreiser. AIS bic Geschenke an Umfang unb I Ü^ttifche Wert In langen und ausgedelmtcn Konferenzen mit Aienge zunahmen, und das Bündel nicht mehr ausreichcn I Oberhojmcisterin wird daS Progiamm für die Weihnachts- wollte, stellten bic jtinbci: in ber Ehristtiacht leere Schüsseln cmräufe sestgelegt ... .. ß... . ,
aUr den Tisch, um sie am frühen WeihnachtSrnorgen mit In biejem >zahre galt cy für bie Kaiserin auch wsosirn
breiten. In ber Kirche yiey der Werhnachtsi.ag fruhw ! uuD nützlichen Tingen gefck/ickt werden mußte. Ihr Trüter dies lumicariam, der Tag des Lichts. Daher pflanzte sich t t ja ;(^on inchrsach das Weihnachtsfest im Auslande verlebt; der Brauch fort, Lichter zur Freude zu brennen, Wachs stocke erstemal iwdj als Seekadctt auf dem SchulschiN.„Eharlottc^ äu schenken, die rnaii sich wechselseitig verehrt. Nach dem Und das Mutterherz wird ja nicht mehr so bewegt wie beim ersten Berichte des Presbyters Alfjo hat jeder, der Weihnachten Male sein, als brr so schmucke und fnsche Prinz Adalbert am
der Erneuerung des Herdfeuers am Jahresanfang ein» gemündet. Noch in Goethes Tagen gehörten Lickft und Geschenk eng zusammen. Als er Kastner Kleiderstoss für | dessen kleine Schwäger sendet, schreibt er: „Stellt ihnen ein Wachsstöckchen dazu und fußt jie von mir." 1799 schenkte man sich in Leipzig gegenseitig Wachsstöcke zu Weihnachten. Noch vor ca. 30 Jahren war es in Norodcutschland beim Wech- nachtsbaum Sitte, dem unerwartet eintrctenden Gaste, für den man kein Geschenk bereit hatte, wenigstens einen Wachsstock anzuzünden, den man als ihm geschenkt betrackftete.
Ohne Tannenduft und Lichterglanz können wir uns heute das Weihnachtsfest gar nicht mehr recht vorstellen. In dem Weihnachtsbaum erhält das Fest feinen Mittelpunkt. Aus der Erinnerungsfeier an eine ehemalige Begebenheit ist eine Gegenwarll^eier geworden, das Fest der Kinder, das Fest der auswachjenden Generation, das Fest


