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24.12.1904 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

MM,

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

154* Jahrgang

|ä()d aukschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen üt die iageönurmnet biS oormtttagS 10 Uhr. ßeilenpreiS. lokal 12VBU LuSwärlS 20 Psg, verantwortlich fül den poltt und allgem. r?il P. W'ttko. für .Stadt und Cnnb' und .lÄerichtsjaal-: August Goetz, für den An» ^ctgenleil: Han8 Beck.

Air. 303

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Saursrag 24. Dezember 1904

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W monatlich 7b Pf., oiettel»

t xth. » xi Ehrlich DU. 2.20; durch

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M monatlich 65 93L; durch

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Aus der Arühzeit der .Ludoviciana.

(Schluß.)

Interessant ist auch das Kapitel über die Gehälter der Professoren. Tie Tabelle irrt ersten Entwurf der Statuten zeigt Gehälter von 120 bis 500 Gulden. Die Beträge wurden aber bald herabgesetzt. Aw meisten hatten die Theologen, am wenigsten die Professoren der phrlo- iophischen Fakultät. Nach einer Tabelle im Jahre" 1614, die allerdings erst als Vorschlag tzilt, sind die Gehälter der philosophischen Professoren auf je 136 Gulden an gesetzt, Tie Theologen sollten 250, die Juristen 160 bis 240, die Mediziner 200 bis 265 Gulden erhalten. Dazu kamen Naturalbesoldungen in Getreide, Hühnern und Holz. Der am meisten begünstigte Theologe Mentzer hatte 10 Malter Korn, 2 Hammel, 8 Gänse, 20 Hübner, 10 Hähne, 2 Wagen Heu, 40 Bund Stroh, 15 Zentner Holz. .

Im allgemeinen müssen die Gehälter ausreichend ge­wesen sein, was man aus einer Vergleichung mit Frank- ffurt schließen kann, wo in derselben Periode die Lehrer der Lateinschule aitfgebessert wurden. Dort hielten sich die ^Besoldungen ungefähr im gleichen Nahmen wie hier, und dort war doch das Leben wohl teurer als in Meßen. Die Nebeneinnahmen bestanden in Bezügen aus Privatkoltegien, deren Höhe die Professoren von Fall zu Fall festsetzen trennten^ aus Prüfungen, Disputationen, Promotionen, Outachten und aus den Einnahmen von Kost- und Trsch- gängern.

Tie Artszahlung der Gehälter erfolgte damals nicht regelmäßige es gab viel Klagen, und 1624 fehlte den Winter hindurch im pädagogischen Lehrsaal das Holz, sodaß boic Lehrtätigkeit eingestellt werden mußte.

Sehr interessant sind die K o m p e t e n z - K o n f l t1 tc inner Zeit zwischen den akademisch.'n und den landgräslichen Behörden hier, besonders in Fällen, wo es sich um die Gerichtsbarkeit handelte. Geheimrat Siebeck wußte

WeihnachtsHimmung.

b.UrrdLVnJere Beit ein Zug von Pessimismus, ??^6kert, Gleichgrlttgkeit; ein Zug von Oberflächlichkeit, der Tenge der Welt nicht ernst nimmt und deren Vertreter den Rest von Ernst, < den sie nicht loswerden tonnen, an nebensächliche, unbedeutende Dinge von Tages- wert verschwenden, die eine ernsthafte Behandlung kaum verdienen. Großes ist ihnen nichts, aber manches Kleine

I? Yr?r<$e,r Aufmerksame Beobachter wollen freilich sestgestellt haben, daß diese unerfreuliche, aus schief ver- ftanoenen Unregungen erwachsene Disposition, die sich hier und da Geltung verschafft hat, bereits wieder im W trauert begriffen sei, eine Modekrankheit, eine Modenarr- hert, wie so manche andere Erscheinung auch auf geistigem Gebrete. Sie ist der Todfeind der echten Weihnachts- strmmung, die nur auf dem Boden. freudiger, hofsnungs- ^oller Lebensbejahung gedeihen kann. Jene Kraft . der ^ebensbejabung, die das Kind ungestüm vorwärts drängt und die dein Genius den Mut gibt zu weltbewegenden Gedanken rtnd Taten. So ihr nicht werdet wie die Kinder...! Darum i)t das Weihnachtsfest das Fest der Kinder. Sie stnd die Nehmenden und doch weit mehr die Gebenden. Sie lehren rrns die rechte Weihnachtsfreude, die wahre Weihnachtsstimmung. Die Lichter, die in dem Dunkel der Weihnacht aufleuchten, sie sollen uns Sterne sein neuen Hoffens, Führer zu neuem Tun. Trotz allem!

Tas ist der allgemein menschliche Kern der Weihnachts­botschaft, daß sie die Verzagtheit menschlichen Dingen gegen­über, daß sie den Pessimismus bekämpft, daß'sie einen großen Optimismus und Idealismus predigt, oer von der Liebe zur Menschheit getragen ist, der uns zwingt, das Menschenleben und die Menschenseele höher zu bewerten. Und gerade in dieser Offenbarung der Liebe und ihrer Betätigung hat unsere Zeit einen gewaltigen Schritt vor­wärts getan, trotz aller liefert Schatten, die ihr Bild ver­dunkeln. Die N ä ch st e n l i e b e ist nicht mehr lediglich der Ausfluß schönen Mitleids, christlicher Barmherzigkeit; es ist als eine soziale und politische Pflicht er­kannt, Leid und Not zu lindern, die Armen und Schwachen zu schützen. Tie Verwirklichung der Erkenntnis dieser Pflicht rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt staatlichen Lebens.

Nur die christlichen Völker haben Fortschritte in sittlicher Kultur gemacht, und wenn man auch zugestehen muß, daß das Ideal sittlicher Kultur, welches das Christen­tum aufstellt, bei weitem noch nicht erreicht ist, und daß manche bittere Bemerkung, die darüber fällt, Berechttgung hat, so kann doch nicht verkannt werden, daß wir unab­lässig bemüht sind, uns der Erreichung dieses Ideals zu nähern. Nur das Christentum hat die Forderung aufgestellt, daß alle Menschei? berufen seien, in Frieden miteinander, in gegenseitiger Liebe und Hingebung dem Ziele der Voll­kommenheit zuzustteben, das allen gestellt ist.

Goethe hat wenige Tage vor seinem Hinscheiden die Worte gesprochen:Ueber die Hoheit und sittliche Kultur des Christentums, wie es in den Evangelien schimmert und leuchtet, wird der menschliche Geist nicht hinauskommen." Derselbe Goethe, der über die Geschichte der christlichen Kirche das sttenge Wort hatte, daß sie ein Mischmasch von Irrtum und Gewalt sei, fand, daß von der Person Christi eine Hoheit ausgeht, vonso göttlicher Art, wie nur auf Erden je das Götttiche erschienen ift".

Ein glänzendes Ruhmesblatt aber in der Geschichte des neuen Deutschen Reiches wird es bleiben, daß es in dem Wandel der Anschauungen über Wesen und Aufgabe des christlichen Staates und ihrer Betätigung kühn voran­gegangen ist und zur Nachfolge gezwungen hat. Freilich mögen auch hier nur die ersten schwankenden Kinderschritte getan worden sein; dennoch ist die Erkenntnis bei allen Einsichtsvollen vorhanden, daß es auf dem Wege des sozialen A u s a l e i ch s kein Zuräck gibst denn es wäre eine

Bankerotterklärung der menschlichen Gesellschaft, ein Be- kenntnis der Verzweiflung an der Möglichkeit einer Ver­vollkommnung, einer aufsteigenden Bewegung, einer fort­schreitenden Entwickelung. Ob auf diesem" Wege in fernen, fernen Zeiten einmal die frohe Botschaft des Weihnachts- festesFriede auf Erden" ihre Erfr.llung erfahren wird, wer vermag es zu sagen! Aber trotz des fürchterlichen Völkerringens im fernen Osten, trotz unserer deutschen Kümpfe im krankh eitsv erstuchten Wist'..-sande des schwarzen Erdteils, deren wir heute mit besonderer Wehmut ge­denken, trotz alledem: hoffen müssen wir auf die Er­füllung der Weihnachtsbotschaft immerdar unwandelbar, denn nach unserem Erkennen ist der Ausgleich, der hier an geb ahnt wird, die einzige Brücke über den Abgrund, der die menschliche Gesellschaft in vernichtender Weife zu zerklüften droht. Und denen, dir ans engem Gedanken­kreise heraus nicht genug jamm ent können, daß die Mensch­heit mehr und mehr entchristlicht werde, denen darf man mit Fug und Recht zurufen, daß in jenem Streben des modernen Staates, der modernen Gesellschaft mehr Christen­tum und Christensinn steckt als in aller Ketzerrichterei und Ketzerverbrennung, als in aller tötenden Buchstabengläubig- keit, in aller pharisäischen Selbstgerechtigkeit. Hier gelängt der Gedanke des Weihnachtssestes, der Weihnachtsbotschaft zu einer so großartigen praktischen Betätigung, wie er sie in den Jahrtausenden der Mcnschengeschichte noch nie­mals erfahren hat. Er tritt heraus aus dem kleinen Kreise der Familie, des Hauses, der persönlichen Barmherzigkeit und wird zum bewegenden, beherrschenden Prinzip des öffentlichen Lebens, der Menschen- und Völkergeschichte der Zukunst.

Und in diesem Verstehen ist das Weihnachtsfest nicht nur ein kirchliches, nicht nur ein Familienfest, sondern ein Volksfest im wahrsten Sinne, das das Leben erhöhen, den Menschen aus dem Jchtum seiner Hütte ziehen und ihm das Herz für Menschentum und Bürgertum, für Staat und Vaterland erwärmen soll. In diesem Geiste mögen die Weihnachtskerzen durch die Finsternis strahlen jetzt und allezeit, als Symbole des Lichts und der Wärme, der Er­kenntnis und der Liebe, und mögen mit ihrem Scheine die rechte Weihnachtssttmmung wach erhalten auch über die Tage festlichen Gepränges hinaus als,die Grundstimm­ung echter Lebensweisheit und mutiger Lebensbejahung, die auch in dunkler Nacht die Sterne glänzen sieht und, Großem nachstrebend, über die Hindernisse hmtnegschreitet, die Kleinlichkeit, Engherzigkeit und Unverstand allem Schönen und Edlen entgegenstellen.

Wirf ab, Herz, was dich kränket Und was dir bange macht!

Natiüsche Taaceschan.

Parteitag der preussischen Sozialdemokratie.

Auf der Tagesordnung des -wischen den Feiertagen und Neujahr stattfindenden preußischen Parteitages der Sozialdemokratie stelstn Themata wie der Wohnungsgesetz­entwurf und die Bestrafung des Kontraktbruches, die im allgemeinen einen ruhigen Verlauf des Partcitages erwarten lassen. Auch der Referent über den Schulgesetzentwurf, Tr. Arons, gehört nicht zu den Excrltados der Partei. Eine sehr lebhafte Diskussion kann sich jedoch an das letzte ReferatTas L cr n d t a g s w a h l r e ch t" anschließen. Mehring hat in derLeipz. Volksztg." hierfür schon das schöne Stichwortparlamentarischer Kretinismus" ge­prägt und Parvus wandelt in denselben Spuren, indem er in dem Leipziger sozialdemokratischen Blatte dasparla­mentarische 6ktue" der Fraktion verhöhnt. Ter Artikel sucht den bekannten Schandarttkel derLeipz. Volksztg." vom 3. Dezember durch eine möglichst knotige Sprache noch zu übertrumpfen. Die Reckte im prenüischen Landtage, die

über Herrn v. Hammersteins Bemerkungen über die russische Studentin Berson sich köstlich amüsiert habe, wird als eine schurkische" Gesellschaft bezeichnet:Die Schweinebande im preußischen Landtag wälzte sich in ihrem eigenen Kot." Ta es sich hier um Vor­kommnisse im preußischen Abgeordnetenhause handelt, ist es nicht unmöglich, daß bei der Frage der Beteiligung art den Lanotagswahlen auch dergute Ton" sozialdemokra­tischer Parteiorgane in der Agitation für die Landtags­wahlen zur Sprache kommt. Tann allerdings würde ein; recht dramatischer Verlauf des Parteitags zu erwarten feilt

Die künftigen Pensionssähe für die Offiziere.

Nach der dem Militärpensionsgesetze beigegebenen Be­gründung soll künftig der Jahcesbetrag der Pensionen in folgender Weise festgesetzt werden (die bisherigen Sätze sind in Klammern danebengestellt):

Pens.

Dienstgrad Dienst- '

einf. j

nach Dienst- iahren:

Pension

nach Dienst­jahren:

Komm. General . . . (21 990),

39

(16 493)

21 990

16 494

Gen.-Ltn. als Div.-Kom. (15 455),

37

(10 812)

15 455

11 592

Brig.-Kom. als Gen.-Maj. (12 008),

33

(7 606)

35

(9006)

12 008

8 607

9006

Regimentskommandeur . (9 354),

3V

(5 457)

35

(7016)

9 422

6 282

7068

Stabsoff. als pat. Oberst-

Leutn. der Znsant. usw. (8 163),

27

(4 354)

35

(6123)

8 714

5 376

6537

Stabsoff. als Batt.-Kom. (7 013),

25

(3 507)

35

(5260>

7 564

4 413

5673

Hauptmann I. Klasse. , (5 363),

10

(1 341)

30

(3129)

5 614

1 872

3744

Hauptmann II. Klasse . (4 163),

10

(1 041)

23

(1943)

4 414

1473

2430

Oberleutnant. .... (2 550),

10

(638)

15

(850)

2 860

954

1194)

Leutnant ...... (1950),

10

(488)

12

(553)

2 260

756

831 ----1

Aiib Äiacrt und

Gießen, den 24. Dezember 1904.

** Weihnachts g l o ckb n ! Durch die Luft zieht es schwirrend, summend, dröhnend, leise lockend, mächtig mahnend. Ueber die Dächer und Giebel hin trägt der Wind den Schall. Und wem er ins Ohr klingt, der horcht auf und trinkt die Töne in sich. Weihnachtsglocken! Süßer, holder Klang! Dem Kinde wie dem Greise trägt er die frohe Botschaft zu, läutet er das Fest ein, das weit undi breit begangen wird. Wer schlösse sich aus von feiner, Feier, wer gäbe, sich nicht gern seinem Reize hin? Jni allen Häusern prangen die Christbäume, durch alle Zim­mer zieht würziger Kiefernadelduft. ~ Und darüber hoch in* der Luft summen und brummen die Weihnachtsglocken. Die Leute auf den. Sttaßen scheinen ihre Schritte zu beflügeln, wenn sie die Feiertöne hören. Zimmer näher rückt die Stunde der Bescherung und noch ist dies und jenes zu besorgen und einzuholen. Zn den Läden drängen sich die Kauflustigen und warten ungeduldig, bis ihnen das Ver­langte hübsch eingepackt ist. Dann hinaus und nach Häusel Und wenn nun die Dämmerung herniedersinkt, auf bertj Straßen die spärlichen Gasflammen aufblitzen und unser Bahnhof in stolzer Einsamkeit im Glanz des elekttischenf Lichtes ersttahlt, dann beginnt überall in dem Zimmer, das in den letzten Tagen sorgsam verschlossen erhaltew wurde, ein seltsam's Rauschen und Hantteren. Vor der Tür kauern die Kinder und lauschen mit fleudebangen Seelen. Es ist da, das Christkindchen, es ist da. Was! trird es bringen, welche von alt den zaghaft gestammelten

mancherlei amüsante Vorkomnmisse zu berichten. Beson­ders streng scheint der landgräfliche .Hauptmann Hans Wolf von Weitels hausen, genannt Schrauten- bach, ins Zeug gegangen zu sein. Ter hat. wie es in einer Beschwerde an den Landgrafen hieß,sich sogar heraus- genommen, die Professoren und Dekane zu sich ins Haus zu fordern und da solche es verweigerten, weil es gegen die akademftchen Privilegien sei, dieselbigen bei Ew. Fürstlichen Gnaden ziemlich ins Salz ge- h a u e n."

Besonders bei Raushändeln, bi? damals zahlreich vor­gekommen sein müssen, waren die Streitigkeiten über die Kompetenz groß. Zn einer Beschwerde des damaligen Rektors über den Hauptmann Schrautenbach wurde neben­bei auch ein Langes und Breites vorgebracht über ein Hühnchen, das die beiden hochgestellten Herren persönlich miteinander zu pflücken hatten. Ein Huhn des Rektors war nämlich unter die Hühn er sch ar des Hauptmanns ge­raten und von des Rektors Fran wieder znrückgeholt wor­den, wogegen der Hauptmann es wieder für sich in Anspruch nehmen wollte. Die Entscheidung des Landgrafen über diesen Fall ist leider nicht bekannt.

Während der Kriegszeit wurden die Professoren auch mit Einquartierungen belegt, und es gab dar­über lebhafte Klagen, da man diePrivilegien" für sich in Anspruch nahm. Es zeigte sich immer mehr die Not der Zeit. Schließlich haben die Professoren 100 Gulden zu- sammengeworsen, um sich von der Last der Einquartierung loszu kaufen.

Um diese Zeit war es um die Sittendisziplin natürlich nicht gut bestellt. Besonders die Festgelage bei Promotionen ?c., den Hochzeits- und Kind tauf feiern arteten oftmals sehr aus. Man hatte eben daö Bedürfnis, für den Drang und die Gräuel der Zeit sich einigermaßen zu entschädigen. Die Fastnacht namentlich wurde mit großem Pomp begangen

Tas studentische Leben war sehr ungebunden, dal man immer fürchten mußte, daß die jungen Leute bei Ein­schränkungen, die man ihnen auferlegen würde, von tier Universität fortgehen würden. TieFreizügigkeit^ unter? den Studenten war in damaliger Zeit ja so groß!

Hinsichtlich des Mittagstischcs wurden 4 Stufen unter* schieden. Schon damals gab es über das Essen sowohl wie das Trinken viel Beschwerden der Studenten, obgleich int Grunde wenig Veranlassung dazu da war. Auch über die Luft in Gießen führte man laute Klagen; die. Kanalisation lag eben noch in großer Ferne. Wenn nun vollends, wie 1613, die Pest ausbrach, die in der Neustadl ihren Herd hatte, war zeitweise alles zu Ende. Die Professoren zer­streuten sich und die Sttidenten verzogen zum großen TeLl. nach Marburg.

Für die Bedürchisse des studentischen Lebens war reich* lich gesorgt. Es gab ein Reitinstitut und auch Fecht- u n t e r r i ch t.

Einen viel beregten Gegenstand bildet in den Akten der Universität die akademische Disziplin. Ter so­genannte Pennalismus zeittgte viele Ausschreittrngen. Die jüngeren Studenten wurden von den älteren mißhandelt und ausgebeutet. Viel Anlaß zu Klagen gab auch, wie bereits erwähnt, die Gießener Fastnacht. Aber auch sonst waren Maskenscherze und Mummenschanz nichts seltenes. In den Akten besinoet sich ein Schriftstück von 1617, wonach die Studenten bitten, wieder einmal eineTragödie" (d. h. Komödie und Zicg durch die Straßen) aufführen zu. dürfen. Mit dem Kriege nahm dieser Unfug immer mehr zu.

Man muß bei diesen Zeugnissen- so schloß der Redner, nur immer bedenkm, daß einmal die .Kriegszeit notwendig eine Verwilderung der 'itten mit sich bringen mußte, unb ferner, daß naturgemäß in den Akten die Schattenseiten mehr hervortreien, als die Lichtseiten, die die ernste Lehv- tatigkeit uub stilles Studium wohl auch aufweisen mögem