6. Gelandet. Die Leiche der seit dem 6. November . ys. vermißten jungen Dame von hier wurde gestern nach- mittag vom Dammwärter Kreiling, Heinrich Benner und Heinrich Wenzel etwa 30 Meter oberhalb deS Einflusses de§ Mühlgrabens "in die Lahn aufgefunden und gelandet.
•* Zur Familientragödie in Maulbach wird uns heute von gut unterrichteter Seite mitgeteilt, das; die ausführlichen Schilderungen über bcn Hergang der furchtbaren Tat de§ Landwirts Wilh. Reil; gänzlich unrichtig und aus der Stift gegriffen sind. Von Beilhieben ist nach dem Befund nicht die Rede, und ausführliche Mitteilungen über den Beweggrund der Tat hat man noch nicht, da die einzigen Zeugen, die Schwerverletzten selbst, bis zur Stunde noch nicht vernehmungsfähig waren. Prof. Dr. Poppe rt, der Direktor der chirurgischen Klinik, lägt uns heute mitteilen, daß er von unserer gestrigen telephonischen Anfrage keine Kenntnis batte. Der Landwirt Reitz, der Täter, sei heute früh gestorben. Er batte Schußvcrlehungen der Mundhöhle und des Schädels. Damit hat die gerichtliche Untersuchung der Mordaffäre ihr Ende erreicht. Wie Prof. Dr. Poppert unS weiter mitteilt, haben die drei anderen Personen, der Sohn und die 12 - jährigen Zwillingsschwestern, schwere Verletzungen des Schädels und Gehirns. Sie muhten alle drei operiert werden und befinden sich in großer Lebensgefahr.
— Die unversteuerte Tabakspflanzung. Vor einiger Zeit trug sich in einem Dorfe des NiddataleS folgendes heiteres Vorkommnis zu: Kam da eines TageS der als sehr eifriger Beamter bekannte Steuerausseher H. in daS Wirtshaus des Dorfes. Der Wirt, ein Spaßvogel, beschloß, ihm einen Bären auszubindcn. Er frug einen der anwesenden Bauern, dem er vorher einen Wink gegeben hatte und der in der Nähe des Beamten saß: „No Hannjörg, was mache dann Dei Tuwaksplanze am Haag?" „Eich hät näit ge- glabt, daß dei TuwakSplanze häi sou gout fortginge, nf den letzte Räije hawwe se sich schien gemacht" antwortete Han- jörg. H. spitzte die Ohren. Donnerwetter, ein ganzer Äcker mit Tabakspflanzen und nicht versteuert! DaS gab was; Er packte auf, mußte aber seine Besichtigung bis gitm anderen Morgen verschieben, da es schon dunkel war. Am anderen Morgen in aller Frühe war er schon am Haag und suchte den Äcker mit den Tabakspflanzen. Da traf er einen Bauern. Diesen fragte er nach dem Acker des Hansjörg, der mit Tabak einqepflanzt sein sollte. Der Bauer, der von der Sache unterrichtet war, zeigte ihm einen Acker, der mit Zuckerrüben angepflanzt war. Was, schrie H. das soll Tabak sein, Zuckerrüben sind das. „Eich sein in de Butanik näit su bewannert, amer eich mane, däi Plauze härre fit woas sremlännisches an säich!" sprachs und ging von dannen. Wütend entfernte sich nun auch der Beamte, batte er doch wegen den vcrflirten „Tuwaksplanzen" einen Weg von vier Stunden gemacht.
x Heuchelheim, 23. Dez. Auch in dem nunmehr abgelaufenen Jahre entwickelte sich hier eine sehr rege Bautätigkeit. Die neu angelegten Straßen wurden durch stattliche Neubauten weiter ausgebaut. So steht auch das neue Pfarrhaus in seinem Rohbau vollendet da. Uebcr- haupt ist man eifrig bestrebt, in jeder Weise mit der Zeit voran Uu schreiten. Tas von Hrn. Kreiling cingefübrte elektrische Licht findet fortgesetzt durch vermehrte Hausanschlüffe wettere Verbreitung.
y. Mittelgründau, 23. Dez. Gestern begab sich der Untersuchungsrichter aus Gießen mit einer Anzphl Forstbeamter und dem kürzlich verhafteten Wilderer Weber aus Gelnhausen an verschiedene Stellen des Waldes zur Besichtigung. Weber mußte die bei ihm vorgefundenen falschen Bärte anlegen und die Stellungen einnehmen, in der ihn die Forstleute gesehen haben wollen.
. g. Ortenberg, 24. Dez. Bei der Kreistagswahl hier wurde Kaufmann Lenz, K'reisausschubmitglied, neugewählt.
le. Viernheim, 22. Dez. Der Großherzog übernahm die Path en stelle bei dem siebenten Sohne des Maurers Nikolaus Müller II. Sieben Knaben sind dem Ehepaare in ununterbrochener Reihenfolge geboren worden.
w. Mainz, 23. Dez. lieber die Frage, ob ein Prediger an einer freireligiösen Gemeinde als Geistlicher anzusehen ist, hatte heute der Kreis a u s s ch u ß zu entscheiden. Gegen die Wahl des freireligiösen Predigers Zueca von Eueeagna als Stadtverordneter war Protest eingelegt worden, weil der Gewählte als Geistlicher nicht gewählt werden dürfe. Eueeagna, der auf Grund seiner Eigenschaft als Geistlicher die Ausnahme in den Schulvorstand verlangte, war vor einiger Zeit vom Landtag aboetehnt worden. In der heutigen Verhandlung stellte der Vertreter der Beschwerdeführer gegen die Wahl fest, daß die Ablehnung des Freiherrn nicht erfolgt ist, weil er kein Geistlicher, sondeim nur aus dem Grunde, weil er kein angestellter Geistlicher sei. Der gegnerische Anwalt suchte nachzuweisen, daß der Prediger einer Treireligiöicn Gemeinde kein Geistlicher, rudern ein Beamter fei. Der Kreisausschuß entschied sich dahin, daß die Einwendungen gegen die Wahl gerechtfertigt, die auf den Prediger abgegebenen Stimmen ungiltig und der Stadt die Kosten des Verfahrens auf^uerlegen sind. Damit hat der Kreisausschuß sich in dem Sinne entschieden, daß der Prediger einer freireligiösen Gemeinde als Geistlicher anzusehen ist.
Kleine Mit*"' - ? Hessen und den
Nachbarstaten. Dem Bankier Ludwig Rothschild in Büdingen wurde von Sr. Hoh. dem Landgrafen Alexis von Heffen-Philippstal-Barchfeld der Titel „Hofrat" verliehen.
vermochte».
* Ein Eisenbahnung i uck in v- a r i s. Der Schnellzug, der am Freitag um 11 Uhr abends von Lille eintrefpn sollte ist in Paris vor der Emfah-t in den Bmdbahu''of auf den von Calais kommenden Schnellzug aufgcfahrm Trei Wagen des letzteren sind zertrümmert. 6 V ers ou en'sind getötet, darunter ein französische: Mcrrineoffizier. Die Namm b^r fünf anderen Toten sind noch nicht bekannt geworden. Zehn Personen sind verletzt, davon zwei schwer.
* Unmenschliche Mißhandlungen eines amerikanischen Studenten. Auf den amerikanischen Universitäten fat sich, trotzdem die Behörden schau wiederholt mit schweren Strafen dagegen cingcfdratten sind, noch immer ein eigenartiger Brauch, daS „Hazing", erhalten, der an neu rin» tretenden Studenten ausgeübt wird und b^'-fig zu den größten Roheiten führt. So hatte unlängst ein 17 jähriger Student von der .Kunstschule in San Francisco, Albert» de Rom, schwer unter diesen Roheiten zu leiden. Man schlevvte den jungen Musen- sabn zunächst in ein Atelier, wo man harmlose Sväße mit ihm trieb. Dann wurde er bis aus die Unterkleider entkleidet und
mit Stöcken und Riemen ht so grausamer Weise geprügelt, daß sein Körper über und über mit blutunterlaufenen Flecken bedeckt war. 2lls der junge Mann sich weigerte, einen Eid abzulegen, daß er Über die Vorgänge Stillschweigen bewahren würde, zwang man den Unglücklichen in einen elektrischen Stuhl, band seine .tSfiirbe hinter der Stuhllehne zusammen und seine Beine an bie Hinteren Stuhlbeine, so daß er sich nicht rühren konnte. Nun- mehr wurde der elektrische Strom angedreht. Mbert de Rom litt so furchtbare Schmerzen, daß er laut aufschrie. Die Unholde ließen von den Martern ab, um nach einer Weile noch einmal den elektrischen Strom, und zwar 15 Minuten lang, durch den Körper ihres Opfers zu leiten. Der Gemißhandelte wurde infolgedessen ohnmächtig, und als mau ihn endlich aus seiner gualvollen Lage befreite, war er gelähmt und konnte sich nur langsam, auf dem Erdboden kriechend, fortbewegen.
• Berlin Zwei Millionen st ad t. Wie man von statistischer Seite mitteilt, nimmt man an maßgebender Stelle an, daß Berlin die zweite Million erreicht bat. Der 1. Dezember batte 1 998 857 Einwohner nach den neuesten Feststellungen, im vorigen Jahre brachte die erste Hälfte des Dezembers eine Zunahme von ca. 900 Seelen. Da in diesem Jahre die Vermehrung und der Zuzug etwas lebhafter sind, so kann man annehmen, daß etwa der 17. Dezember die zweite Million gebracht hat. Zu einer dritten Million kann es Berlin nicht bringen, vorausgesetzt, daß es nicht eingemeindet. Cbne Eingemeindung haben allerdings immer noch 30 000 Menschen in Berlin Platz, da im Norden noch viel freies Baugelände liegt, das noch nicht aufgeschloffen ist.
* Ter Zweikampf zwischen Männern aus dcmVolke, wie er in Mascaguis ,,Bauerncchre" so drastisch dargestoM ist, wird vielfach als ein Rest früherer Sitten aufgefaßt, der sich in Italien nur in Sizilien und in den entlegensten Bergnestern gehalten habe. Das ist aber nicht der J-all. Er findet sich sogar noch in den ,Hauptorten des Landes. Ein Beispiel dafür lieferte, wie wir in der „Köln. Ztg." lesen, ein Vorfall in der römischen Vorstadt vor der Porta Salaria, wo, wie in allen Vorstädten vor den Toren, das geringe Volk wohnt. Es ist heller lichter Tag, nachmittags 2 Uhr. Vor einem elenden, aus Brettern zu- samm'engenagelten Theater steht ein Hausen 18- bis 20jähr. Burschen und treibt Llllotria. Ein Bursche gibt einem an beim, der den Spitznamen Menelik fraßt, einen Stoß, daß er auf die Eide torkelt. Ein dritter nimmt für Menelik Partei: „Du kannst auch mir mit dem da aubandeln. Warum gibst Du mir keinen Stoß?" — „Tn bist verrückt, so'n pezzo grosjo (großes Tier'i, ba5 Du bist!" — „Da komm' mal hier mit in die Gasse, da will ich Dir's mal zeigen!" Das ist die .Herausforderung. Kaum ausgesprochen, ist sie auch schon angenommen. Tie beiden Gegner werfen sich wütende Blicke zu^ überzeugen sich^ daß sie die Messer in den Taschen haben, und gehen in das benachbarte Gäßchen. Die beiderseitigen Frennde folgen, begierig auf das bevorstehende Schauspiel, und bilden um die Gegner einen Kreis. Diese ziehen die Dolche und messen sich. Ter erste Gang verläuft unblutig; die Gegner haben mit großer Gewandtheit die gegenseitigen Waffen pariert. Ter 'zweite 63ang trägt dem Herausforderer einen Stich am linken Arm ein. Dieser, dadurch aufs äußerste gereizt, stürzt jid) nun wie ein Tiger auf den andern und bohrt ihm daS Messer tief in die Brust. Der Gefordetre bricht bewußtlos zusammen. Der Förderer und die Zuschauer lausen davon und lassen den Bewußtlosen liegen. Zwei Schutzleute finden ihn so und schaffen ihn ins Hospital, wo er strebt. Run folgt natürlich das gerichtliche Nachspiel, denn das Strafgesetz erkennt diese Art von Zweikampf nicht an.
* Fast wie ein Märchen hört sich eine romantische Geschichte an, die sich der „Verl. Lok.-Anz." aus Petersburg berichten läßt: Dem russischen Obersten a. D. Kowa- lew wurde vor ungefähr sieben Jahren sein vierjähriges Töchterchen Helene geraubt. Die Familie Kowalew wohnte damals im Gouvernement Kamenetz-Podolsk aus ihrem Gute. Das Kind wäre kurz zuvor beinahe das Opfer eines Unfalles geworden. Der Diener de8 Obersten war mit feiner Frau in Streit geraten und warf einen Dolch nach ihr. Die Fran wich geschickt aus, doch traf die Mordwaffe die kleine Helene und schnitt dem Kinde einen Teil der Ohrmuschel ab. Bald daraus durchzog eine Zigeunerbande den Ort und raubte daS Kind. Alle Nachforschungen und Bemühungen der Eltern waren erfolglos, das Kind blieb verschollen. Im Sommer 1897 bemerkte der Obsthändler Breitmann in Odessa vor einem Hause ein weinendes Kind, das sich augenscheinlich verirrt batte. Nach genauem Befragen erfuhr er, daß die Kleine auf Bettel ausgeschickt war, sich dabei verirrt hatte und nun die Wohnung der „Tante" nicht finden könne. Sie vermochte keine Abreffe anzugeben. Das arme Kind dauerte Breitmann, er brachte es seiner Frau, die an dem netten, kleinen Mädchen Gefallen fand. Da das Ehepaar Breitmann kinderlos war, nahm es das Kind zu sich. Die Kleine wurde wie ein eigenes Kind erzogen und geliebt, nannte die „Breitmanns „Vater" und "Mutter". Vergangene Woche fand Oberst Kowalew auf einer Straße in Odessa ein Bündel mit Sachen, die er der Polizei übergab. Kurz danach erschien Breitmann im Polizeibureau, um nach einem verloren gegangenen Paket zn fragen. Hiernach gab man ihm die Adresse Kowalews, der es gefunden. Breitmann ging nicht selbst hin, sondern schickte seine Adoptivtochter. Fran Oberst Kowalew gefiel das freu.ndliche Mädchen, sie erkundigte sich nach ihren Verwandten, wobei das Mädchen erzählte, daß sie Marie heiße, ihre Eltern nicht kenne, sondern von Pfleqeeltern erzogen werde. Ihrer eigentlichen Eltern könne sie sich nur dunkel erinnern, sie wohnen sehr sehr weit. Man hätte sie entführt, wobei eine böse Fran ihr den Namen „Marie" beigelegt hätte. Frau Kowalew war sehr aufgeregt durch die Erzählung des Mädchens, stürzte auf sie zu, hob das Haar vom linken Ohr ob, und einen Schrei ausstoßend, sank sie ohnmächtig zusammen. Sie hatte ihr Kind erkannt. Die Freude war unbeschreiblich. Außerdem trug das Mädchen noch ein kleines Heiligenbild am Halse, worin das Datum der Geburt eingraviert war. Dem Breitmannschen Ehepaar cbenftc Oberst Kowalew sofort 5000 Rubel aus Dankbarkeit für die vorzügliche Pflege seiner Helene, ebenso gab er ihm eine freie Wohnung in seinem Hause.
' Eine ernste Theaterpanik entstand dieser Tage im Norfolk-Auditorium zu Norfolk, Nebraska, während einer Vormittagsvorstellung dadurch, daß ein elektrischer Draht einen kleinen Brand verursachte. Dutzende von Personen mnrbcn bei dem Gedränge übel zugerichtet; glücklicherweise (“am aber niemand ums Leben. Irgend jemand hatte den Feuermelder angedreht, und von der Gatlerie brüllte ein Manu: „Feuer!", wodurch die allgemeine Bestürzung noch erhöht wurde. Der Brand wurde ohne alle Schwierigkeit in wenigen Minuten gelöscht, und schließlich gelang es der
Feuerwehr, das Publikum zu veruyigen, oas noct) immer nach den Ausgängen drängte, als längst jede Gefahr vorüber war. ES heißt, die Türen seien geschlossen gewesen, aber die Theaterbetriebsleitung stellt dies entschieden in Abrede und behauptet, sie hätten leicht geöffnet werden können, wenn sich ba§ Publikum nicht in einer so sinnlosen Be- siürzung befunben hätte.
* Kleine Tag es chron ik. In Tempelburg ist her Pastor Guida, ber früher in Stettin wirkte, wegen Verdaclüs eines Ssttkichkeitsverbreckens verbnit ?t worden. — In R i o b c J a - niro kamen infolge Hitzs chlages zwei Todesfälle Vor. ttm 22. d. M. betrug hie 3ß Gr a d im ©matten.
Kunst und Wissenschaft
— Drahtlose T c 1 e g r a p li i e. Als Marconi vor wenigen Jahren in der drahtlosen Telegraphie praktische Erfolge erzielte, hatten sich schon verschiedene andere Forscher mit dem gleichen Gegenstand beschäftigt. Unter bm anftauchendcn Sv stemm ragten bekanntlich zwei hervor, Brmm-Siemms und Slabv-Arko, die einerseits von Professor Braun und der Firm« Siemens und .Halske, andererseits von der Allgemeinen Elekfnzitäts-Ge- sellschast ausgebeutet und den Anforderungen des prEscheu Verkehrs entsprechend ausgestaltet wurden. Diese beiden Svsteme sind seither in ein Svstem „Telesimken" verschmolzen, dessen Einführung voii einer zu diesem Zweck gebildeten Gesellschast übernommen wurde. Letztere arbeitet, , gestützt auf einen Stab von etwa 40 ncicfmUcii Spezial-Ingenieuren, Technikern, Mon- teureu, eine Werkstatt von etwa 100 Mechanikern und die beiden genannten aroßen Elektrizitätsgesellschasten, an der Vervollkommnung des SvstemS weiter. .Hunderte von Stationen sind bereits ausgeführt, die den weitgehendsten Anforderungen entsprechen. Wenn hentzntage von drahtloser Telegraphie die Rede ist, so denkt jeder wohl bauvtsächlich an Kriegszwecke, da er von Mitteilungen aus eiugeichlossenen Festungen oder bei der Kriegsmarine schon öfters gelesen hat. Daß die drahtlose Telegraphie schon in ausgedehntem Maßstabe dem Verkehr und 5oandel zur Verfügung stebt, ist im allgemeinm wohl weniger bekannt. Und doch bietet dieselbe, namentlich beim Säüffahrtsverkehr, ebenfalls Vorteile, wie sie von keiner Änderen Einrichtung geboten werden können. Schon heute bestehen an unseren Nord- und Ostseeküsten eine ganze Reihe von Stationen, die Eigentum der kaiserlichen Marine und in ununterbrochenem Betriebe sind, aber auch jedes ilmen in einem Bereich von 150 Kilometer zugehende Privattelegramm zu einem niedrigen Gebührentarif weiterbefördern. Es kann also nicht nur ein durch Sturm Nebel, Kollision oder sonstige .Havarie in Not geratenes Schiff, wenn es mit einer solchen Einrichtung verseh n ist, den nächstbefindlichrn Stationm Mitteilung zugehen lassen, sondern es kann auch jeder Passagier seinen Angehörigen oder Estschästsfrenndm dringende Mitteilungen zn- feitbeit. Dabei erfordern die Anlagen derartiger Stationen durchaus nicht ctnxi unerschwingliche Kosten, sondern diese, sowie auch die Betriebskosten sind eigentlich sehr mäßige zu nennen. (A. d. Techn. Korresvonden'i von Rich. Lüders, Görlitz.)
— Volkstümliche Kunst-Wanderausstellungen veranstaltet der Rbein-Mainische Verband für Volksvorlesungen und verivandte Bestrebungen in den Landstädten und größeren Tvrfern seines Gebietes. Die Ausstellungen haben den Zweck, den ländlichen Bevölkernngskreisen die Betrachtung guter Kunstwerke zu vermitteln, dnrcb Belehrung das Kunstverständnis zn erschließen, den Besuch 'größerer Kunstsammlungen vorzubereiten, die Freude am Schönen zu fördern und praktische Hinweise zur wohnlicheren Gestaltung des Familienheims zu geben. Ausstellungsgegenstände sind hauptsächlich die guten Reproduktionen unserer großen Meister «ruf dem Gebiete der Malerei, ^tizelne. Originale, plastische und keramische Z^unsterzeugnisse. Tie erste Ausstellung findet im Stadthause zu Neu-Isenburg ftott, und dauert vom 25. Dezember bis zum 1. Januar. Wenn diei Ausstellung auch zunächst für die Einwohner des Ausstellungsortes bestimmt ist. so hasst man doch auch ans guten Besuch boni. auswärts, hauvtsächlich hus Kreisen der Kunst- und Kunst- erziehungsinteressenten. Ein erklärender Vortrag durch .Bildhauer Dr. Greiner von der Tarmstädter Künstlerkolonie findet am Montag statt. -
KericStssaak.
Neuwied, 24. Dez. Die Strafkammer verurteilte den Otto Walter ans Naugard in Pommern, welcher Ende Oktober d. I. gemeinsam mit dem Ranbmörder Hudde <rus Schalke in das katholische Pfarrhaus in Herdorf ein- gebrochen ist, zu 12 Jahren Zuchthaus und Stellung unter Polizei-Aufsicht. Er gestand die Tat ein. Walter und Hndde hatten das Studierzimmer ausgcraubt, der Pfarrer schlief nebenan, hatte aber die Schlafttmr'rntür abgeschlossen. So ent- gina er wohl dem sickeren Tode.
Eingesandt.
(Für den Inhalt der unter bieier Rubrik stehenden Artikel, übernimmt die Redciktt-rn d'm Publikum gegenüber keinerlei
Verantwortung.^
Mein Eingesandt in Nr 300 des „Gießener Anzeiger" bezog, sich lediglich auf gewisse Stimmungen in der Bürgerschast, die dem Theater- und Saalbammternehmen gleich abhold sind. Es hat Einsender dieses völlig fern gelegen, den Bestrebungen des Saalbauvereins entgegen,uitreteu. Mit dieser Erklärung erledigt sich wohl der bent Eiusenber in einer unfreundlichen Zuschrift ausgesprochene Vorwurf. , X.
Gießen, den 23. Dezember.
Besteht eigentlich kein Verbot, Betteile aus den Fenstern nach der Straße herauszulegen? Wenn nicht, dann dürfte es wohl sehr angebracht sein, das; von zuständiger Seite irgend welche Best irnmnngen dagegen getroffen würden. Am vergangenen Sonntag führte mich mein Spaziergang auch in die Frankfurter-, Liebig- uub Wilhelmstraße. Ich betrachte mir die schonen Villen und muß ba sehen, wie im Anfang der Wilhelmstraße nachmittags um 4 11 ht noch das Bettzeug in den Fenstern liegt; wahrlich kein schöner Anblick! Man sollte meinen, die Bewohner müßten von selbst das Unschöne dieses Verfahrens einsehen, und es sollte den Einsender dieser Zeilen freuen, wenn diese '^röffentlichung schon oemiote, den Uebelftanb zu beseilioem
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche 2Vittcruna in Hessen für Sonntag, den 25. Dezember 1904: Trüb und nebelig, Temveratur wenig verändert, Frostwetter. Auch am Dienstag trocken, Frost.
Näheres burch die fflieftmer Wetterkarte.
N - d Star Linie
Vertreter Earl Netter, (ließen, Bleichstraße B.
Ter Postdampser „Kroonland" der Red Star Linie" ht Antwerven ist laut Telegramm am 21. Dezember wohlbehalten in New-Bork anciekommeu.
Telephonischer Kursbericht
■3* l/e°/(j Reiohwanleibe . . 101.70 3 do. . . . 90.00
"■V,®/ Konaola .... 101.75 30/n do. ..... 90.00 '*1 TTeflflon .... 100.10
31 7 % Ob, rheflRnn . . . 98.80 4% Oesterr. Go'drcnto . 101.40 4*6% Oesterr. Silberrouto 100 25 4 % Un°’ftr. Holdn'üto , , 99.80
। Ifal-en Bente . . . 104.40 4’ „% Portugieser , , . 63.85
Pori "rioHeii.....63.95
I % C. Türken .... —.— •’ürkonluBo .... —.— 4o/o (Irioeh Monopo1 - Xnl 48.00 4l/,% äusbore Argentinor —.—
82/,. Mexikaner . . 32 40
4Ven/ Chinesen ... 92.05
Kioctrie. Seluckert . . . 124.50 Nordd Lloyd . . . . 103 00
Kreditaktien . ... 205.10
I)1 Skonto-Komm und it. , 193 00
Darmstädter Bank . . 142 50
Dresdener Bank .... 158.00 Ror inor Hfindels^ee. . . 163 50
Oesterr. Staatnbnhn . . . 138 80
Lombtirdor, .....17 üO
Dotthar ihalm .... 102 :'O
LauraMltto ...... 258.00 llochnm.......284 50
Hnrnenor ...... 215.30 Schatzscheine . . . . . —♦—
: fest.


