verfahren batte Erfolg in 1166 Ritten gleich 84,4 Proz., in 216 Fällen gleich 15,6 Pror., keinen Erfolg. ^Von den 687 Xiimqtmfraiucn wurden 563, gleich 82,0 Pro-., mit Erfolg und 124, gleich 18 Proz., ohne Erfolg behandelt. Noch günstiger n*ar das Resultat bei den sonstigen Krankheiten. Hier waren von 695 Fällen, gleich 86,8 Proz., mit Erfolg und nur 92, gleich 13,2 Proz., ohne Erfolg behandelt worben.
Welche Entwicklung das Heilverfahren bei dieser Versicherungsanstalt durchgemacht hat, beweist nachstehende Zusammenstellung.
Dcö Heilverfahren erforderte und verursachte:
1900
57 733 Mk.
Megetage ^SS
Mk.
1901
73 219
Mk.
1902
74 282
Mk.
1903
83 307
Mk.
Kosten 164 497,89 246 094,45 867 947,76 380 507,11 421 757,73 pro Fall 227,52 246,83 297,93 296,11 305,18
Tie Versicherungsanstalt war also gewiß nicht „sparsam" gegen die Vorjahre gewesen. Auch die Krankenkassen haben ihren Anteil an diesem Aufschwung in den Heilverfahren; da sie es sind, die in erster ^üiie die Anregung gaben und das Krankengeld aus die Tauer des Heilverfahrens der UnterstützungSzcit der «Versicherungsanstalt zusichern. Nach dem Bericht zahlten die Krankenkassen im Jahre 1899 : 24 009,03 Mk., 1900: 42 616,85 Mk., 1901: 51 702,23 ML, 1902: 60 892,91 Mk. und 1903: 70 692,52 Mk. der Versicherungsanstalt für das Heilversahren zurück! Für die Lungentuberkulose wurden im Jahre 1903 33 446,20 Mk.« mehr ausgewendet! Ein Pflcgerag kostete der Versicherungsanstalt 5,06 Mk. gegen 5,12 Mk. im .Vorjahre und 3,69 Ml. im Jahre 1899. In der Ernst Ludwig-Heilstätte waren 470 Kranke, in Reichelsheim 214 Lungenkranke untergcbracht. Kranke ferner in Lindenfels, Bad-Nauheim, Wiesbaden, Bad-Wildungen, Bad-Neuenahr, Bad Orb, Bad Salzschlirf, Bad Soden usw.
Tas Gesamtvermögen der Anstalt betrug Ende 1903 20169 087,24 Mk., davon sind 4 898 400 Mk. in Wertpapieren und 13 074147,55 Mk. in Drrrlehen angelegt.
Man legt den kleinen Gesckstistsbericht mit größerer Befriedigung aus der Hand, als die umfangreichen Berichte der größeren Anstalten, die mit Stolz ihr Riesenvcrmöaen, erwähnen, für ihre Mitglieder jedoch nur Brosamen übrig
haben."
Kolitischk Tagesschau.
Professor Tr. Max Weber
in Heidelberg schreibt im .Archiv für Sozialivissenschaft* u. a. fol- gendes: .Für viele sind diese st u d e n t i s ch e n B e r b i n d n n g c n ja keineswegs in erster Linie Pstegeslatten studentischer Ehre und Sitte, sondern einfach Avancements-Versicherungsanstalten. Die kümmerlichen Sprößlinge deutscher Geheimrännnen oder auch Kommerüenrätinnen müssen darin den bei der heutigen Praxis recht bescheidenen .Mut" prästieren, sich, durch einige Narben ab- stempeln zu lassen, weil — mir sind selbst solche Falle wiederholt von den betreffenden besorgten Eltern geklagt worden — es für die .Konnexionen" unentbehrlich ist. Aber schlimmer ist, daß dies Treiben nunmehr die Techniker und, wie es fast scheiiit- wenigstens Anfänge dazu sind bemerkbar — auch die Zöglingen der Handelshochschulen ergreift . . . Daß wir uns mit einer Entwöhnung von der intensiven Arbeit, wie sie dies .akademische" Treiben heute regelmäßig mit sich bringt, als Macht neben deii großen Arbeitsvölkern der Erde, speziell den Amerikanern, auf die Daiier behaupten, ist mehr als fraglich. Feudale Prätensionen ersetzen den Geist rücksichtsloser bürgerlicher Arbeit Nicht".
Sprechjaal.
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Sehr geehrte Redaktion!
Für eine Aumayme dieser Zeilen in Ihrem sehr geschätzten Blatte wäre ich Ihnen sehr verbunden. Ich weiß mich eins mit allen Freunden echter Kamst, mit allen, die es mit ihrer Vaterstadt Gießen gut meinen und den Mut haben, einen tüchtigen Schritt zu ihrer Entwickelung vorwärts zu tun!
Wer mit unserer Aeit fortgeschritten ist, wer mit seinem Herzen dabei gewesen ist, wie jetzt jenseits des Meeres auf der Weltausstellung in 3t Louis deutsche Kunst gerade auf dem Gebiete der harmonischen künstlerischen Gestaltung in moderner Ar chite ktur und Innendekoration die größte Bewunderung aller Völker gefunden hat, der begrüßt das Tülfersche Projekt für den Saal- und Theaterneubau mit seinen wärmsten Sympathien! Wir sind Gott sei Tank hinaus übßr die Zeil und sollten es auch in Gießen sein, wo wir gefrorene, in unsere Zeit, unter unseren Himmel nicht mehr passende Nachahmung einer vergangenen .wenn auch 'gewaltigen Kulturepoche als die einzig zulässige Architektur für Prosanbauten anzusehen pflegten. Ein frischer fröhlicher Zug geht durch unsere Tage und wir haben uns bereits wieder selbst gefunden, uns, unsere deutsche Kunst! Tefsen ein Wahrzeichen wird ohne allen falschen äußerlichen Prunk der Tülfersche Bau werden. Wer durch die bei I. Hirz ausgestellte Skizze zu solchen Urteilen geführt wird, lvie sie dieser Tage in Ihrem lokalen Teile zu lesen waren, der weiß nicht, daß die Moderne heute nicht mehr eine Tageslaune, eine Mode ist, sondern ein sieghaft fortschreitender, ja schon zum Charakter erstarkter neuer Stil! Vielleicht hat er auch die Skizze nicht als Skizze zu lesen verstanden: dazu gehört Phantasie, die hinzudenkt, was auf der Skizze nicht wiedergegeben ist: die freie Umgebung, Baume, Natur usw., dazu gehört ein Farbensinn, der die Andeutungen der Skizze zu erschöpfen weiß, Erfahrung, bic sich sattgetrunken hat an den schönen Beispielen froher Färber- gebung gerade in der äußeren Architektur! Vielleicht ward auch übersehen, daß diese Skizze gewissermaßen aus der Höbe, aus der Vogelperspektive gesehen ist und aus technischen Gründen so gegeben werden mußte, während das fertige Gebäude sich dem Blick des Beschauers von unten in umgekehrter Verkürzung barbieten wird. Alles in allem ist dieser Plan ein in icber Hinsicht erfreulicher Beweis des Könnens unserer Zeit! Seine Ausführung wird der aufstrebenden Stadt Gießen ein leuchtendes Beispiel vor Augen stellen, wie man ohne unechtes Material, ohne Fälschung echtester Kunst auch bei gemessenen Mitteln künstlerisch und gediegen bauen kann. Möge es in Zukunst sich bewahren!
Nun ist es sicherlich sehr erfreulich zu hören, daß bereits 200 000 Mk. gezeichnet sind,, und wir alle wissen denen Tank, die zu großem. Zwecke eine offene Hand gezeigt [Taben und zeigen werden. Höchst bedauerlich aber wäre eine Halbh.it in falfdjer Sorge darum, daß das Ganze nicht zu erschwingen sei. Wer hat noch nicht an sich erlebt, daß er Jahre darum hat klagen müssen, weil er den rechten Schritt zur rechten Zeit versäumte! Tiefe Gefahr ist auch jetzt herauf beschworen aus Sorge vor unseren ja allerdings unhaltbaren Theaterzuständen, aus einer Furcht, die leicht gegen andere weit größere Hebet blind macht! Wahrlich, es wäre besser, das ganze Projekt würde nochuals vertagt, als daß man jetzt die Halbheit ausführt, bie_ uns Generationen hindurch nickts als gereuen wird. Gießen ist eine ausstrebende Stadt der Künste und der Wissenschaften; es ist eine sehr gesunde Stadt schon chne Kanalisation gewesen, cs liegt an einem Eisenbahnknotenpunkt ersten Ranges und an einem schönen Fluß, in angenehmer, ja schöner Lage umgeben von Wäldern und Beraen1
Hätten wir eine würdige Stätte für Theater und Konzerte, /inen -aal für große politische Versammlungen, in denen Die Biele der Zett — einer Zeil, die sich . <n Ruhm der jufunn verdienen taim, wie sie Gefahr läuft, von späteren Genecutioneu als die Zeit der Kurzsichtigkeit und Halbheiten gc|a?oitcn zu
werden — vor großem Kreise besprochen werden können, was stünde einer Entwickelung Gießens zu einer Hochburg der Wissenschaften und der Künste entgegen?! Unser Land Hessen nenne [;t daö wohlverdiente Ansehen größter politischer Freiheit! Würde da unser Gießen nicht eine Anziehungskraft auf weite Kreise bewahren, denen die gesetzlich garantierte Freizügigkeit auch nach ihren Verhältnissen zu genießen möglich ist?! Wer cd mit der Entwickelung Gießens gut meint, kann nicht säumen, daö vereinigte Projekt des Saal- und Theaterbaues zu sördern. was nur in seinen Kräften steht, jede Trennung aber zu verwerfen! Wir wollen keinen Saalbau allein, wir wollen aber auch kein Theater allein! Was brachte uns ein Theater allein? Zunächst ist an die Erhaltung einer Oper nicht zu denken; der Teutsche ist aber in erster Linie zur Musik prädestiniert; so könnte das Theater allein nur den beschränkten Kreis derer locken, denen Posse, Lustspiel, Schauspiel genug tut. Auch hier würde ein Theater mit ca. 800 Plätzen sich ohne jährlich steigende Opfer nicht ballen lassen. Nebeneinnahmcn hat es nickft, die Ansprüche an Personal und Ausstattung werden im neuen Bau lawinenartig anwachscn, und was beute möglich ist, wird es gar bald nicht mehr sein. Man sehe sich bod) unseren Theaterbesuch ohne Voreingenommenheit an. Vollbesetzt ist das Haus nur an den paar Theatervercinsabenden, sonst aber sieht man auch jetzt oft genug ein Häuflein Leute, die ebensogut in einem halb so großen Raum Platz fänden. Wo sollen da die Bemchcr.eines großen Theaters hergenommen werden? Mau darf doch nicht übersehen, daß ein Theater mindestens drei-, viermal wöchentlich spielen muß, um nur .einige geringe Aussicht zu haben, daß es sich rentiere ober auch nur ohne gar zu erhebliches Tesizit abschließen tonne. Wo haben wir hier in Gießen ein genügend großes Publikum dafür? Nur der mit dem Theater vereinigte Saalbau kann das leisten, was dem Theater allein nun einmal nicht möglich ist. Sicht man bad nicht? Ganz abgesehen zunächst von der musikalisckstu BedürsniSsrage, ist her Sa al bau', beffen Benutzung zu sehr vielen Anlässen möglich ist, der an dieser Stelle Gießens die denkbar günstigste Lage erhielte, die einzige Möglichkeit, das Ganze rentabel zu machen! Er kann bei rit&igcr Bewirtschaftung, die seine Räume allen Bevölkerungsklassen offen ftellt, eine Einnahmequelle ersten Ranges werben. Sommer- konzcrte, Vereinskonzerte usw. usw. werden hier eine würdige Stätte finden, wie sie von manchem heute doch vermißt wird.
Tazu dann bad Bcbürftüs nach einer mürbigen Statt für gute Konzerte, wie sie erstklassig burch ben hiesigen Konzert- Verein seit Jahren mit großen Opfern geboten worden. Wie man ben Leibschen Theatersaal als unhaltbare Thcaterlokalität für ben Theaterneubau ins Felb führt, so muß man boch gerechterwelle anerkennen, baß aus sicherheitspolizcilichcn Grünbcn auch alle seither benutzten Säle ebensowenig zu K o n z e r t z w e ck e n genügen. Ter ciinzig würdige Raum im Saale des Gesell- schaftsvercins ist für die Lrä-ester- und aar für die Chorkonzerte idjon lange zu klein. Will mau dies Bedürfnis also verleugnen? Ter Konzertvercin dürfte, wer die Verhältnisse im dcutsck>en Musikwesen kennt, an der äußersten Grenze ber Leistungsfähigkeit angelangt sein; schon legt ihm die Anstalt für Verlagsrecht neue Opfer auf und überall sind die Opfer gestiegen. Nur ein Raum, der es ermöglicht, breitere Schächten ber Bevölkerung für ein billiges Entgelt zum Besuche heranzuziehen, kann hier I/clfcn. Ties Publikum ist ba, nur bic jetzt uotwendip hohen Preise verschließen ihm ben Zutritt; seit Jahren Huben bic Opfer* freubigen Veranstaltungen des evangelischen Arbcitervercins regste Anteilnahme unb leicht könnte ba mehr geboten werben, wäre ber geeignete Raum ba. Tiefer sott nun in bem bereinigten ©aal* unb Thcaterban geschaffen werben unb ieber ßrcunb unserer Stadt muß das mit Freuden begrüßen. Wahrlich, cs soll dem Theater hier nicht zu nahe getreten werben — wer aber barf die edelste der Künste, die ebelste ber Freude verkennen unb hinter bem Theater mit seinen boch gar oft unechten Steinen zurücksetzen?! Geklärtes sittliches Bewußtsein wirb nicht verkennen bürfen, baß das moderne Theater vielfach auf falschem Wege wandelt; stets bient es ber sittlichen Läuterung, ber Erhebung ober Erbauung an den Werken edelster Kunst, sondern vielfach einem aanz falschen Kitzel, dem ys sogar seine besten Einnahmen verdankt. Wer dürfte auch nur auuähcrnb ähnliches von unserem Konzertwesen, von unserer deutschen Musik zu sagen wagen?
Ter Bau eines Thrakers allein, darüber sich Hinwegtauschen zu wollen, wäre ein Verbrechen, würde auf Generationen hinaus den Bau eines Saales unmöglich machen; denn schon nach kurzer Zeit muß sich die Unrentabilität des Theaters allein erweisen, und uns Opfer auferlegen, die nicht wieder gut zu machen sind. Tie Steuerlast würde über alles Maß hinaus wachfen und das Gegengewicht bliebe aus. Ja, unser musikalisches Leben würde nicht nur nickst auf der erreichten Höhe erhalten werden können, es würde notwendig zurückschreiten, weil dann weder die Mittel überhaupt, noch der Raum ba sein würbe um wirtschaftlich Weiterarbeiten zu können!
Caveant consules! Ihr alten und Ihr neugewählten Stadt- Väter, Euch allen gilt der 2lppell! Bewahrt Gießen vor einem nicht wieder gutzurnachenben Unheil, bas eine verfehlte Entschcib- ung biefer Frage bes Saal- unb Theaterbaues mit sich brächte!
Einer, ber in Gießen sein Leben zu verbringen gedenkt.
Theater und Saalbau und daö Dülfer'sche Projekt.
Tie Bestrebungen zur Errichtung eines Theater- und Saalbaues scheinen bereits wieder in ein bedenkliches Fahrwasser gelenkt zu werden, lu»rib zwar burch bie theater-partikularistischen Strömungen. Ein Teil ber „Theaterpartei" agitiert ganz offen für Errichtung eines Theaters ohne Saalbau, ein anderer glaubt letzteren vorläufig noch als Vorspann für ersteres verwerten zu können. Tie Uebrigeit, soweit sie sich bis jetzt überhaupt für bic Sache interessieren, gelten im allgemeinen als „Konzertpartei". Mag sein, baß unter letzteren solche sind, bie in erster Linie ben sehr berechtigten Wunsch haben, unserem im schönsten Aufblühen begriffenen Musikleben geeignete Räume zu schaffen, bie vor allem auch groß genug sind, daß entfpredjenb der Anzahl der Plätze die Eintrittspreise wesentlich herabgesetzt werden können, und damit auch weniger bemittelten Kreisen ber Besuch ermöglicht wirb.
Auf den Einwand, den man neuerdings diesen Interessenten entgegenhält, daß nämlich der projektierte neue Saalbau des Aulagebäudes für solche Konzerte geeignet sei, ist zu erwidern, daß zunächst biefer Anbau noch gar nicht genehmigt ist, wenn er aber ausgeführt und für diese Zwecke zur Verfügung gestellt wird, nur für ca. 600 Personen ausreichen, somit an Größe kaum einen Fortschritt gegen anoere hiesige Säle bedeuten wird.
Nun war aber mit dem Saalbau etwas ganz anderes beabsichtigt; er sollte für alle gesellige Zwecke, für die es an geeigneten Lokalen fehlt, dienen und damit der ganzen ElluvoHuerschaft, nicht nur den speziellen Theater- und Konzert-Interessenten.
Eben diese Bestimmung wird leider nicht richtig erkannt und deshalb fehlt es noch an dem einmütigen Zuge, der Sache zur Durchführung zu verhelfen.
Haben beim nicht alle Kreise lebhaftes Interesse daran, daß alle die Veranstaltungen, die jetzt in den unzulänglichsten Räumlichkeiten abgehalteu werden, geeignete Unterkunft finden?
Tas Projekt fielst möglichst verschieben benutzbare Räume vor, großen ©aal, kleineren Saal, Nebenzimmer, bie je nach Bebars einzeln ober zusammen von ber Restauration, bie zugleich als geräumige Tagesreftauralion gedacht ist. versorgt werden können.
Oder sollte der Argwohn bestehen, daß sich bad Etablissement zu einem Institut für einzelne exklusive Kreise ausbilden könnte? Hiergegen spricht doch, daß die Stabt beabsichtigt, dasselbe zu übernehmen, die an sich schon für eine gleichmäßige Berücksichtigung aller Kreise Sorge tragen wird und auch das größte Interesse an recht hoher Verzinsung hat, die nur bei möglichst vielseitiger Benutzung erreicht werden kann.
Tie Zusammenfassung der beiden Bauten, Theater und Saal- bau, zu einer Gruppe hat nun so unverkennbare Vortelle für seine Teile unb bad Ganze, baß man füglich von allen Jntcr- cssenten eine möglichste Förderung des (^esamtprojektS erwarten sollte.
Baulich liegen die Vorteile darin, das; sich die Kosten deS Baupmtzes unb bes Baues bei bem Gesamtprojekte imsentlich billiger stellen, ald bei getrennter Ausführung. Für zwei Einzel
bauten wäre vielleicht ein Drittel mehr Baufläche nötig. Veideal Bauteilen kann bei ber Zusammenfassung, wie cs auch ber Tülfersche Projekt Vorsicht, ein gemeinsames Vestibül dienen; die äußere Architektur iuiri> billiger, weil eine Fassade — und zwar eine Hauptsassade — gespart wird. Ter Betrieb wird dadurch ökonomischer, daß bie ©aalbaurestauration zugleich bie Theatcrbufsets versehen kann. Bei großen besonderen Veranstaltungen können die gesamten Räume, Säle, Foyer, event. Zusck>aucrhaus, in einer großen Gruppe benutzt werden.
Wie würde die Sache nun, wenn man beispielsweise zuerst daS Theater ausführen wollte?
Ta kämen zwei Alternativen in Frage. Entweder man führt das Theater als Teil eines Gesamtprojektes in ber Aussicht auf späteren Anbau des ©aalbaucs auf, ober man baut ein Theater (ür sich unb läßt ben Saalbau Saalbau fein. Im ersten Fall müßten für eine solche stückweise Ausführung nicht unbebeutenbe provisorische Bauteile zugesügt werden, und trotzdem würbe ber Bau für lange Zeit ald Torso dastehen. Tenn wemi sich Gießen jetzt nicht zur Ausführung des ganzen Baues ausschwingt, dann wird es ihn wohl auch noch in vielen Jahren nicht zustande bringen. Tann hat es eben sein Pulver für ein in erster Linie den besser Bemittelten zugute kommendes Theater verschossen unb alle anderen Jntercsienien haben das Nachsehen.
Will man aber ein für sich abgeschlossenes Theater errichten, für das dann selbstredend ein anderes Projekt zu fertigen wäre, )o fragt es sich: wohin stellen wir dieses Theater? Auf den SchÜlerschen Garten kann es kaum Anspruch machen, nachdem er seinerzeit gerade mit der Bestimmung der Stadt überlassen wurde, daß er für Errichtung eines Saalbaues reserviert werden solle.
Wo hat nun Gießen einen anderen geeigneten und den Kosten nach in BetracA kommenden Platz für ein Theater?
Was nun die Nentabüitätsfrage — den Kernpunkt des Unternehmens — betrifft, so spricht auch diese dafür, Theater und Saalbau zusammen zu bauen; denn ersteres wird ganz unzweifelhaft eine viel geringere Verzinsung erzielen, als der Saalbau mit Restauration.
Letzterer wird nach Ansickft von Männern, bie hierüber als kompetent angesehen werden können, bald schon sich selbst erhalten können, spater aber auh bem Theater zur Verzinsung bchülslich sein. Wie erwähnt, wirb aber bei einem gemeinsamen Bau ein wesentlich geringeres Anlagekapital zu verzinsen sein.
Unb um bie Verzinsung allein hanbelt es sich bod) bei bicsem Unternehmen. Tie absolute Höhe ber Bausummen ist Nebensache, sobaib sie sich im gewünschten Maße verzinst. Daher würbe sich bie Stabt mit einem Theater allein eine größere Last auflaben, als mit einem Toppeibau.
Nun ist noch zu beadtfen, baß einige sehr namhafte Beiträge nur für ben Tvppelbau in Aussicht gestellt sinb. und zwar nur, wenn Theater unö Saalbau gleichzeitig ausgefüyrt werden.
Nun zum Tülftrschen Projekt:
Ter Grundriß darf wohl als eine ausgezeichnete Lösung deS Programms betrachtet werden, inbem bie Raumanorbnung nicht nur praktisch, fonbem auch hochkünstterisch ist. Tie künstlerifd>e Anlaae bes GrunbrisseS .von ber bie Raumwirkung abhängt, ist ein Punkt, der nur zu oft übersehen wird. Eine nüchterne, rechteckige Aneinanderreihung der Raume kann wohl einen brauchbaren Grundriß abgeben, aber man vermißt später in einem solchen Bau, wenn aud) oft unbewußt, nur zu sehr ben höheren Schwung. Raumgruppierung spricht bei der Archllektur oft ein viel gewichtigeres Wort, als bie einzelne formale T-urchbilbung.
Die Außenarchitektur hat sich bereits abfällige Beurteilung gefallen lassen müssen.
Ter Geschmack ist bis zu einem gewissen Grabe Mobesacke. In biefer Hinsicht ist bie Baukunst übel bran, benn hier bildet sich bie Geschmacksmobe deS Publikums leiber burch bie „Architekturwerke", bie in Masse an bie Straße gebaut toerben. Wer sich ben Geschmack an tiefen gebildet hat, ist für eine Kunst, wie bie Tülfersche, freilich verloren.
Aber ein Bau, wie der projektierte, der der monumentalste der Stadt unb eine Stätte ebler Künste werben soll, muß eine besondere, eigenartige, feierliche Sprache reden; nichts schlimmeres konnte ihm geschehen, als wenn ihm eine jener mittelmäßigen, jeder Eigenart baren Fassaden angezogen würbe, wie sie leiber nur zu oft, clbft bei größeren öffentlichen Bauten, zu sehen sinb. Hiergegen fallen von selbst die Einwände ab, wie: solche Architektur passe nicht für Gießen. Wenn überhaupt der Bau für Gießen paßt, bann paßt auch bie einbruckSvvlle eble Formengebung eines Architekten, wie Prof. Tülfer, beffen Kunst in Künstler kreisen längst die verdiente Bewunderung gefunden hat. Tülfers Kunst hält sich trotz des modernen, individuellen Zuges so fern von allen sezessionislisd)en Auswüchsen, ruht vielmehr auf so klassischer Basis, daß ihr wohl eine lange Tauer im Wandel des Geschmackes jugcfprxKben werden kann.
Gießen kann sich nur gratulieren, wenn es das Projekt zur Ausful-rimg bringt, dem sich ein großer Künstler uni) erfahrener Praktiker mit ganzer Hingabe gewidmet hat. Wenn nicht, wird man es wohl demnächst in den Fachblättenn als neue Illustration dafür wieder finden, baß sich 'bebeutenbe Kunstwerke leider zu oft nicht durchzuringcn vermögen.
Wenn aber zunächst nur die Erkenntnis durchdringt, baß eine solche Anlage überhaupt eine Epoche in Gießens Entwickelung bedeutete, und damit auch der ganzen Bürgerschaft Nutzen bringen würde! .
Soll denn, nachdem bereits von vier Bürgern etwa der inerte Teil der Baukosten gedeckt ist, das ganze übrige Gießen nicht fertig bringen, soviel beizutragen, daß die Stadt die Verzinsung des Restrs übernehmen kann? Becker.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Donnerstag, ben 24. November, abends 8 Uhr, im Matthäus- Gemeindesaal, Kirchstraße 9, Bibelstunde. Psalm 111.
In der Stadtkirche.
Freitag, den 25. November, vormittags 11 Uhr: FestgotteS- dienst zur Feier des Geburtstages Sr. Ligl., Hoheit bes Groß- herzogd, für Ntltttär- unb Zivllgemeinbe gemelnjam.
' Pfarrer Euler.
Die auf Freitag, den 25. November verabredete Zufammen< kunft der konfirmierten Mädchen der Lukasgemeinde fallt aus.
__Pfarrer Euler.
Israelitische Neligionögesellschaft.
^oltesdleust.
Sabbathfeier am 2 6. November 1904.
Freitag abend: 4.00 Uhr.
©amdtag vormittag. 6.30 Uhr. ,
Feier des Geburtstages Sr. Königl. Hoheit deS Großherzogs.
Samstag nachmittag: 3 30 Uhr.
Sabdalhaudgang 5.15 Uhr.
Wochengottcsdienst: morgens 7.00, abelidS 4.00.
Israelitische ReligionSgemeinde.
Hottesdlena in der Synagoge i^üdaalage).
Samstag, den 2 6. November 1904:
Vorabend 4.80 Uhr.
Morgend 9.00 Uhr.
Nachmittags 8.30 Uhr.
Schrifterkläruug.
SabbathauSgcmg 5.15 Uhr.
8äVU
Vorzüglichster Kaffeezusatz.
Seelig8 feinste Kaffee-Essenz 50% Kaffee-Ersparnis.
m 2.1
5 2. = 3-
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