Ausgabe 
24.11.1904 Erstes Blatt
 
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-'«mal, so fängt das Märchen an, es war einmal, so härt das Märchen aus".

** Z u m Heldenberger Raubmord. Der wegen Verdachtes in der Heldenberger Mordaffäre in Eronberg verhaftete Tagelöhner Müller ist in das Amts- gerichtsgesängniS in Königstein übergeführt worden. Zwei Kriminalbeamte, die am Nachmittage hier eintrafen, nahmen das erste Verhör vor und hielten Haussuchung in seiner Schlafstelle ab. Sie beschlagnahmten seine Sonntagskleider und fanden Blutspuren an einem Hemdsärmel und einem Kragenschoner, ferner einen in einem Röhren- stiefel versteckten Dolch, der oberflächlich ab­gewischt war, aber Blutspuren aufwies. Auch zwei blutige Taschentücher wurden vorgefunden. Müller erklärt, er sei von einer Kellnerin in Frankfurt, gegen die er zudringlich geworden sei, auf die Nase geschlagen worden, so daß diese geblutet hätte. Aus derselben Wirtschaft kommt die Denunziatlon, weil er dort außergewöhnlich splendid ge­wesen sei. Geld wurde keins bei ihm vorgefunden, doch ist nachgewiesen, daß er in jüngster Zeit große Ausgaben für Ueberzieher, Hose und Stiefel gemacht habe, die zu seinem Verdienst in keinem Verhältnis stehen. Er will in einer Wirtschaft, in welcher sich junge Leute gestritten hätten, ein Porte monnaie mit 160 Mark gefunden haben und das Geld für sich verbraucht haben. Sein Brotherr bekundet, daß er am Morgen nach dem Heldenberger Morde rechtzeitig an der Ar­beitsstelle gewesen sei. Die Logiswirtin behauptet, er sei abends 9 Uhr noch zu Hause und morgens rechtzeitig beim Kaffeetrinken gewesen. In der Unter­suchung, betreffend den Mord des Pfarrers Thöbes in Helden­bergen, wurde neuerdings, wie aus Klein-Steinheim ge­meldet wird, auch ein Schachtmeister Bezold verwickelt. Dieser arbeitete früher in den Roussel'schen Steinbrüchen, ver­ließ aber vor einiger Zeit seine Stelle, um am Vilbeler Bahn­bau Arbeit zu suchen. Er soll sich damals in Begleitung einer Frauensperson nach der dortigen Gegend begeben haben, ist aber seitdem verschwunden. Auf ihn soll die Beschreibung des Mannes passen, der sich bei Heldenbergen am Morgen nach dem Mord zwischen 6 und 7 Uhr am sogen. Hinter- Müllerschen-Graben die Stiefel wusch. Es könnte also der Mann sein, der die zwei Röcke übereinander trug.

"Briefe, die ihn nicht erreichten. Wie wir erfahren, lagern bei der Oberpost-Direktion in Darmstadt folgende Sendungen, deren Absender vielleicht zu unseren Lesern zählen, als unbestellbar: Postanweisung von 90 Pfg. vom 19. 11. 03. aus Büdingen nach Frankfurt-Bockenheim; Empfänger unbekannt, Anweisung in Verlust geraten. Ein­schreibebrief mit 2 Fünfmarkscheinen aus Bad-Nauheim an Rudolf Heine in Triest. Die zur Empfangnahme der Gegen­stände Berechtigten müssen sich binnen vier Wochen bei der Ober-Postdirektion melden, widrigenfalls die Beträge der Postunterstützungskasse überwiesen werden.

** Ein Zapfenstreich wird heute vor Großherzogs Geburtstag abends um 8 Uhr von der neuen Kaserne aus stattfinden.

Butzbach, 23. Nov. Die Bohrung nach Wasser amkaiserlichen Kirchhof" hat vollständig das erwartete Re­sultat ergeben, indem bereits jetzt, nachdem das Bohrloch 85 Meter tief getrieben ist, ein ausgiebiges Wafferquantum zufließt. Seit dem 16. November wird mit einer leistungs­fähigen Maschine Tag und Nacht gepumpt, ohne daß da§ zuströmende Waffer eine Verminderung erfahren hätte. Es bleibt auf 50 Meter stehen. DaS Pumpen soll nun noch einige Tage fortgesetzt werden und wenn der Wasserstand ein so konstanter bleibt, dann wäre ein weiteres Bohren über­flüssig, da dann eine reichliche Versorgung der Stadt mit einem absolut einwandfreien Trinkwaffer gewährleistet wird. Die reichlichen Erfahrungen, die der Stadtvorstand in den ;a. 12 Jahren, in denen die Leitung funktioniert, sammeln konnte, haben dazu geführt, daß die Stadt ähnlich wie Gießen, Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Friedberg, Nauheim ?c. ge­pumptes Quellwasser benutzt, wenn eben die frei fließenden Wasserläufe nicht ausreichen. (B. Z.)

§ Friedberg, 23. Nov. Die gestrige Stadt- oerordnetenwahl verlief überaus erregt. Die Agitation war früher nie so groß gewesen; die Sozialdemokraten wollten ihren Kandidaten Bussold durchbringen, während die bürger­lichen Parteien seinen Sturz beschlossen hatten. Gewählt wurden: Maurermeister Bopp mit 699, Loth mit 691 (beide aus Fauerbach), Müller P. Dietz 553, Scriba 543, neu Ferdinand Damm 442 und Ed. Oppenheimer mit 402 Stimmen. Die Gewählten gehören den Freisinnigen und Nationalliberalen an, Dietz ist Zentrumsmann. Somit haben die bürgerlichen Parteien glänzend gesiegt. Der feit- herige Stadtv. Bussold erhielt nur 324, der nationalsoziale Dr. Best nur 308 Stimmen. Die Beerdigung des früheren Direktors vom Predigerseminar, Geh. Kirchenrat D. Gustav Diegel sand heute im Beisein der Vertreter des Oberkonsistoriums, der Stadt, des Predigerseminars, der Pfarramtskandidaten und vieler Geistlichen statt. Diegel ist 77 Jahre alt geworden; 1858 wurde er Professor am Pre- digerseminur und 1883 Leiter desselben, bis er 1896 in den Ruhestand trat. Die Stadt Friedberg hatte ihn zum Ehren­bürger ernannt. Der Verstorbene hatte sich um die Armen­pflege sehr verdient gemacht. Wegen seines überaus freund­lichen Wesens erfreute er sich allgemeiner Beliebtheit.

PB. Darmstadt, 23. Nov. Die hiesigen Stadt­oerordnetenwahlen haben ein überaus erfreuliches Er­gebnis gezeitigt. Während bei der vorjährigen Reichstags­wahl der Kandidat der Sozialdemokraten mit Leichtigkeit und großer Mehrheit den Sieg über die bürgerlichen Parteien davontrug und auch bei der letzten indirekten Landtagswahl ihr Kandidat mit Hilfe der Freisinnigen nur um wenige Stimmen hinter den Nationalliberalen zurückblieb, sind die Sozialdemokraten diesmal mit teilweise sehr großen Minder­heiten unterlegen. Die bürgerlichen Parteien haben sich mit Ausnahme der Bodenresormer zu einer gemein­samen Liste verständigt und die Folge war, daß die bürger­lichen Kandidat.m mit Mehrheiten von 32005700 Stimmen über die Sozialdemokraten siegten, deren Höchstzahl sich auf 2110 Stimmen belief. Da die Bodenreformer und eine sog. unabhängis.he Gruppe viele der sozialdemokratischen Namen auch aus ihren Listen hatten, so kam es, daß die Namen Pros. Dr. Staudinger. Rechtsanwalt Dr. Fulda und andere

eine wesentlich höhere Stimmenzahl erreichten, die aber immer noch um mehrere Hundert hinter den niedrigsten Zahlen der bürgerlichen Kandidaten zurückblieb. Das Endresultat ist, daß die sämtlichen zehn ausscheidenden Stadtverordneten wieder- und sechs neugewählt worden sind. Unter den letzteren besindet sich der alte Führer der Nationalliberalen, Justizrat Schmeel und der vorjährige Reichstagskandidat der Frei­sinnigen Prof. Dr. Harnack.

sd. Darmstadt, 23. Nov. Der Hessische Landes­verein für Todeseinäscherung hielt heute im Kaiser­saale eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab, in welcher nach Erledigung der satzungsmäßigen Geschäfte neue Pläne und ein Voranschlag für das schon seit Jahren geplante Darmstädter Krematorium vorgelegt wurden. Das neue Projekt soll ea. 6 0 000 Mark kosten, wozu der Verein ea. 40000 Mark beisteuern will; den Rest von 20 000 Mark soll die Stadtverwaltung aufbringen, welche das Pro­jekt ausführen und in Verwaltung nehmen solle, und in deren Besitz die Anstalt auch übergehen soll.

fc. Lorsch, 23. Nov. Der Stiefvater des kürzlich er­schossenen Polizeidieners Schneller hier, Kaspar Grieß er, begeht am 2. Dezember seinen 111. Geburtstag. Der Greis ist noch wohl aus, sieht gut aus, geht noch ohne Stock spazieren, hört und sieht gut, außerdem raucht er noch täg­lich sein Pfeifchen und trinkt seinenKurzen".

Kleine Mitteilungen aus .Hessen und den Nachbarstaaten. In Butzbach feiern am 24. d. Mts. Herr Jakob Bellof und seine Ehefrau geb. Marx das Fest der diamantenen Hochzeit. Das Alter der diamantenen Brautleute ist 85 und 83 Jahre. In Petterweil wurde bei dem Gemeindeeinnehmer ein Einbruchsdiebstahl verübt. Ea. 25003000 Mk. fielen den Dieben in die Hände. Sie hatten den eisernen Kaffenschrank erbrochen, ohne bemerkt zu werden.________________________________________

* Kleine Tages chronik. Kürzlich ertappte der Förster Kunze in Höxter l Wests, auf einem Tienftgange zwei Wil­derer aus frischer Tat. Während einer die Flucht ergriff, legte der andere beim Anruf des Försters auf diesen an. Ter Förster kam ihm jedoch zuvor und streckte ihn durch einen Schuß nieder. Schon nach wenigen Stunden war der Mann tot. Es ergab sich, daß es der weithin berüchtigte Wilddieb Bädecker war, der den Gerichten schon viel zu schaffen gemacht hat. In Tour- coing drangen zwei maskierte Personen in das Lokal der Vanque gönerale und versuchten den anwesenden Direk­tor zu knebeln. Auf dessen Hilferufe eilten vorübergehende Passanten zu Hilfe, wodurch es gelang, die beiden Verbrecher fest­zunehmen. In Nikopol (Rußland) wurde der Kaufmann Sackstern, dessen Familie ein Dienstmädchen und ein Gehilfe, im ganzen sieben Personen, ermordet und beraubt. In Hamburg wurde der Pferdemakler Niemeyer aus Altona in der Nacht überfallen, mit einem Totschläger erschlagen und beraubt. Die Töter entkamen.

Kerichtslaak.

Dessau, 23. Nov. Am 28. August gerieten der Gefreite Günther und der Musketier Voigt auf dem Tanzboden mit dem Unteroffizier Heine in Streit. Ter Unter­offizier hatte sich in seiner Volltrunkenheit un- anständig aufgeführt und war dafilr von ihnen zur Rede gestellt worden. Der Sinnlose antwortete darauf, indem er sein Seitengewehr zog und mit blanker Klinge um sich schlug. Tie beiden Soldaten entrissen dem Tobenden die Waffe und warfen ihn hinaus. Daß, wie die Anklage behauptet, die beiden draußen noch auf Heine los geschlagen hätten, konnte nicht bewiesen werden. Tie Folge war eine Anklage gegen Heine wegen Körperverletzung unter rechtswidrigem Gebrauch' der Waffe und Mißhandlung Untergebener; gegen die beiden Sol­daten wurde das Verfahren wegen Zusammenrottung, Aufruhrs und gewaltsam en Angriffs auf einen Vorgesetzten eingeleitel. Bei der strnfgerichtlicknn Verhand­lung bedauerte der Ankläger es, daß zwei sich des besten Leumunds erfreuende Soldaten so hart zur Rechenschaft gezogen werden müßten, und beantragte als das gesetzliche Mindestmaß gegen Günther eine Gesamtstrafe von 5 Jahren und 3 Mo­naten Zuchthaus, gegen Voigt eine solche von 5 Jahren Zuchthaus. Gegen den Unteroffizier Heine beantragte er 6 Monate Gefängnis und die Degradation, da erder Hauptschuldige sei, durch dessen unwürdiges Betragen zwei Menschen mit hohen Strafen belegt werden müßten". Ter Verteidiger des Heine, ein Hariptnrann. beantragte dessen Freisprechung, weil er sichinfolge seiner totalen Betrunkenheit seiner Handlungsweise nicht bewußt gewesen sei". Tie Richter verurteilten Heine wegen Körperverletzung zu 3 Monaten Gefängnis ohne Degradation, dagegen Günther und Voigt wegen Auftuhrs zu je 5 Jahren und einem Tag Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heere.

Die Mutterliebe hat die Arbeiterfrau Ida Kmnmisch zu einer verhängnisvollen Vernachlässigung ihrer Pflichten geführt, die sie vor der Strafkammer des Landgerichts 1 in Berlin zu verantworten hatte. Tie Angeklagte versieht bei Eichwalde an einer Kreuzung der Landstraße mit der Eisenbahn den Sperrdienst. Beim HerannalM eines Zuges hat sie die Sperr­stangen, die den Bahnkörper gegen die Landstraße abschließen, herunterzulassen. Ihr wird auch bon allen Seiten das beste Zeugnis gegeben. Eines Tages hatte sie ihr kränklickws Kind mit in die Bude genommen. An jenem Tage passierten kurz hintereinander zwei Züge jene Strecke. Beim Herannahen des zweiten Zuges hatte die Angeklagte vergessen, die Wehr rechtzeitig herabzulaffen. Ihr Kind hatte gefthrieen, sie hatte in der Bude danach gesehen und darüber die Signalz-eichen des Zuges über­hört. Ein unglücklicher Zufall hroUte es, daß gerade in dem kritischen Moment ein Gefährt aus dem benachbarten Gute über den Bahnkörper hinwegfahren wollte; es wurde von,der Lokomotive erfaßt und umgeworfen, und nicht nur das Pserd und d?r Wagenführer erhielten Verletzrmgen, sondern auch ein aus dem Wagen geschleudertes Mädchen wurde recht schwer am Kops ver­letzt. Tie Angcllagte mußte zugeben, daß sie in der Sorge -um ihr schreiendes Kind die gebotene Aufmerksamkeit nickt habe walten lMn-, Sie wurve rn secks Won^ Gffänam s verurteilt. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

B e r l i n , 23. Nov. In der heutigen Sitzung des H i t> e r n i a Konsortiums wurde beschloßen, dem Besitz und den Anrechten des Konsortiums auf die Hiberuia-Aklien eine juristische Form zu geben, welche eine dauerndeKonservierungderAkliell- majorität (also über 30 Millionen Mk.) sichern soll.

Märkte.

th. Gießen, 24. Nov. Am gestrigen O ck s e n m a r k t fehlte es an passender Ware für norddeutsche Käufer, die am Markt waren, um schweres Gangvieh zu kaufen, welches nicht aufge­fahren war. Tie wenigen Paare leichte Fahrochsen, welche den Vornat bildeten, blieben in der Provinz. Ter Schweine- markt fatte einen Auftrieb von 600 Stück. Ter Handel war rfor ruhig und Ware nur zu geringeren Preisen als die bc5 letzten Marktes anzubringen. Trotz des für unseren Markt ge­lingen Auftriebes konnten die Käufer den Vorrat nicht aufnehmen, sodaß etwa 100150 Stück überständig blieben. Bezahlt wurden für Ferkel, bis 10 Wochen alt, 2430 Mk., bis 16 Wochen alt, 3542 Mk, leichte Läufer 4675 Mk., schwerere Läufer 85 bis 100 Mk,' pro Paar Einlegschweiue je nach Güte 6580 Mk. pro Stück. Nächste Markttage: 13. und 14. Trzember, am letzten Jane Weihnachts-Krämermarkt.

Limburg a. b. L., 28. Nov. Frachtmarkt. Durch­schnittspreise nro Malter. Roter Weizen M 80 Mk., weiße- Weizen

00.00 Mk., Korn Mk. 10.50, Gerste 10.20 Mk., Haier 7.18 TtfJ Erbsen 0.00 Mk., Karoffeln 0.00 Mk.

te. Frankfurt a. M., 24. Nov. (Teleqr. Orig.-Bericht be3 Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt­preise. Zum Verkaufe standen: 25 Ochsen, 12 aus Oesterreich, 0 Bullen, 00 aus Oesterreich, 52 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oesterreich, 805 Kälber, 207 Schale und Hammel. Bezahlt wurde für 100 Pfund Scblacbtaewicht: Ochsen 1. Qualität 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 8870 Mk., 8. Qual. 5963 Mk.; Bullen 1. Qual. 0000, 2. Qual. 00-00; Kühe 1. Qualität 67-69 Mt» 2. Qual. 6466 Mk., 3. Qual. 5456 Mk., 4. Qual. 4547 Mk., 5. Qual. 0000 Mk. Kälber 1. Qual. 7580 Pfg., Lebendgewicht 4548 Pfg., 2. Qualität 5962 Pfg., Lebendgewicht 43 45 Pfg., Schlachtgew. 5761 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 6870 Pfg., 2. Qual. 6200 Pfg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand un­bedeutend ; bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand.

Henrik iilriöniuirn.

R. 13. Darmstadt, 24. Nov. (Eigener Draht« bericht.) In der zweiten Kammer wurde heute zu­nächst das Schlachtviehversicherungsgesetz zu Ende beraten. Darauf legte der Finanzminister den neuen Haus­haltsetat für 19 0 5 vor und bemerkte dazu, es sei ein Fehlbetrag nicht zu vermeiden gewesen, er sei aber von 1 700000 Mk. im laufenden Jahr auf 758 000 Mk. im neuen Etat zurückgegangen, während gleichzeitig die Abführung an dem Ausgleichsfond von 150 000 Mark auf 680000 Mark erhöht werden konnte. Auch der Abschluß der Rechnung für 1903/04 zeige eine wesentliche Besserung. Einem Rückgang des zu 2 360 000 Mk. veranschlagten Fehlbetrags auf tatsächlich nur 1189 000 Mark stehe eine erstmalige Abführung an den Ausgleichsfond von 1140 000 Mark gegenüber. Die Vermögensrechnungen der früheren Jahre betragen alle l/2 Million, während gleichzeitig der Ausgleichsfond um zwei Millionen angewachsen sein wird. Der Minister schloß:Alles in allem kann ich hiernach bei der liebergabe des neuen Voran­schlags wohl sagen, sie ist noch nicht gut, aber sie ist doch wesentlich besser geworden. (Leb­hafter Beifall auf allen Seiten des Hauses Bei der Beratung des Antrags Erck betreffend die Sonn­tagsruhe für Mühleingewerbe entspann sich eine außerordentlich . l e b h a f t e Debatte. Abg. Brauer warf der RegierungAufhetzung der Arbeite r? massen" vor. Sie begünstige Die großen Betriebe und ruiniere die kleinen. Dagegen protestierte kurz bet) Staatsmini st er und dann in längeren Ausführungen! und schärfster Weise Ministerialrat Braun. Brauer er­klärte später, der Ausdruck Arbeiteraufhetzung sei von ihm' aus einem Zuruf des Abg. Ulrich nur aufgegriffen worden; er habe weder Ministerialrat Braun noch der Regierung; einen derartigen Vorwurf machen wollen. Ministerialrat! Braun erklärte darauf gleichfalls, daß dann seine Bemerk­ungen auch nicht persönliche Angriffe enthalten sollten^ Die Sitzung wurde um s/42 Uhr beendet und wird Heute­nachmittag um Vb4 Uhr wieder ausgenommen.

Berlin, 24. Nov. Die Berliner Aerzte nahmen in einer Sitzung der medizinischen Gesellschaft energisch Stellung gegen das neue Fleischbeschaugesetz.

Berlin, 24. Nov. Durch die Zahlungseinstellung des Bankgeschäftes Paul Schmoock, ist eine Reihe von kleinen Leuten in Mitleidenschaft gezogen worden.

Wien, 24. Nov. Wegen eines Wortwechsels am Krankenlager eines Patienten fand zwischen den Buda­pester Aerzten Dr. Wilhelm Friedrich und Dr. Ugar ein Säbelduell statt. Beide wurden schwer vrletzt.

Bom Kriege.

London, 24. Nov. Einer Lloyd-Meldung Zufolge wirb befürchtet, daß der englisch e Dampfer ,Lnvernes^- welcher am 16. Oktober mit Lebensmitteln und Schießvor- raten nach Korea abging, in die Hände der Russen ge­fallen oder infolge seiner gefährlichen Labung zu Grunbe gegangen ist.Daily Mail" berichtet aus Weiheiwei. von gestenr: Die in einem Rettungsboote aus Port- Arthur ein getroffenen Russen erklären, baß sie das Boot gestohlen hätten, um darin zu fliehen. Sie teilen ferner mit, baß Wasser und Munition in Port Arthur sehr knapp seien, die Lebensmittel aber noch für mehrere Mo­nate reichten. In der Stabt seien 2 0 000 Verwunbete; und kranke Soldaten. DerStandarb" melbet aus Tokio von gestern: Nach zuverlässigen Mitteilungen von ber Be­lagerungsarmee feuerten bie russischen Seefortsi in ber letzten Zeit bei ber Annäherung von japanischen! Kriegsschiffen nicht mehr. Eines ber russischen Schiffe machte den Versuch cherauszukonrmen, ba alle schwer be- schäbigt sind. Die Zahl der bei ben Japanern eintreffen­den russischem Deserteure wächst täglich. Nach! ihren Aussagen nimmt bie Demoralisierung ber Garnison! von Port Arthur zu.Daily Chronicle" berichtet aus Schanghai von gestern: Der englische Dampfer Tung- schow, mit 30 000 Büchsen Büchsenfleisch von Schanghai nach Port Arthur unterwegs, ist am 23. Nov. von ben Japanern abgefpngen worben. Das Unternehmen! ging von der russisch-chinesischen Bank aus, ber es 260 000 Taels kostet.

Paris, 24. Nov. Das nationalistische Gemeinberats- mitglieb Aubignö, ein ehemaliger Offizier, macht imEcho be Paris" den Vorschlag, dem General Stössel einen EhrensäÜiel, seiner Gattin ein Andenken und allen Offizieren .und Soldaten in Port Arthur Me­daillen zu überreichen und zu diesem Behufe in Frank­reich eine Geldsammlung zu veranstalten.

Telephonischer Kursbericht«

3^°/o Heioh*anteihe . . 101 40 Mexikaner . . 33.40

87 do. . > . 89.40 lt/,0/,1 Konflols . . . 101.40 3% do .... 89.45

Hessen .... 100.20

% Ob erb essen . . .. 4 9q Oosterr. Godrenic , 102.10 4 6 % Oesterr. Silborrente 100 10 4% Untrar. Poldrento . . 100.00 40/ haben Rente . . . 104 00 4 ,% Portugiese . . . 68.40 °/ Portugiesen, .... 68.70 1 % 0. Türken ..... l'ürkonloso ..... 131 80 4% Grieeh Monopol-Anl. 48.00 4/,$o äussere Argentiner 00.00

Tenden

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4*V/. Chinesen , . . 90.60 Eioctro. so> uckert . . , 121.50 Nordd Lloyd . . . . 108.40

Kreditnktien . . , < 211 50

Diakonto-Kommand$t. . 192 90

Darmstädter Bank . , 141.90

Dresdener Bank ...» 156.30 Beriner Handelsges. . . 162.60 Oosterr. Staatr»bahn , . . 138 75 Lombardei*. , . , . 17.50 GoHhar-ibahu .... 391.50

Laurahüite ...... 267.50 Boobam ...... 228.60 Hnrponer ...... 218.00 Schatzscheine ..... : fest.

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