Gottstein nächster Tage nach dem Orient fliehen wollten, ins Vertrauen zog.
• Ein Kranz mit einer ungezogenen Inschrift ist am Kaiser-Friedrich-Denkmal vor dem Brandenburger Tor niedergelegt worden und lag am Donnerstag noch dort. Der aus Lorbeer, Palmen und Chrysantemen gewundene Kranz hat eine weiße Schleife mit goldenen Franzen. Auf der einen Seite der Schleife liest man wörtlich: „Die dankbare Tochter den geliebten Vater den Kaiser Friedrich." Auf der andern Seite stehen die Worte: „Ruhe sanft." Wer den Kranz niedergelegt hat, wußten auch die aufgestellten Schutzmannsposten nicht zu sagen.
* Ein mißlungenes Geschäft. Von einem originellen Briefwechsel zwischen dem als Sonderling bekannten Prof. L a n d o i s in Münster und einem Manne aus Bielefeld, der seinen Leib schon zu Lebzeiten an die Anatomie verkaufen wollte, macht LandoiZ Mitteilung. Er erzählt: Mit einem Manne aus Bielefeld entspann sich folgende Korrespondenz: „Bielefeld, den 4. 5. 1901. Ich ersuche sie hiermit da ich willens bin mich zu verkaufen Mir über die Sache nähere Auskunft zu erteilen meine Adresse H. Meier da von men Frend erfahren habe das man sich an das Ackedemi- panoptum verkaufen kan. Achtungsvll H. Meier, Bielefeld, Finkenstraße 32." — Ich antwortete daraus: „Münster i. W., den 6. Juni 1901: Geehrter Herr! Vor dem Ankauf bitte mir mitzuteilen, wie alt, wie groß, wie schwer Sie sind? und ob verheiratet? Prof. Dr. H. Landois. — Die Antwort blieb nicht lange aus; sie lautete: „An das Ackedcmi Panoptikum zu Münster i. Westfalen. Geehrter Herr! Ihr schreiben habe ich erhalten, Sie haben mich geschrieben von den Ankauf zu schreiben wie alt ich wär. Ich bin 34 Jahre alt 120 Pfund schwer 1,57 Groß bin unverheiratet ohne Angehörige bitte mir mitzutheilen wie die Sache sich verhält. Adresse Finkenstraße 32. Achtungsvoll H. Meier. — Moralisch gezwungen mußte ich nun die Bedingungen des Ankaufs formulieren: ,1. Geldvergütung 20 Mark. 2. Sie haben die Erlaubnis zur Abschlachtung von der hiesigen Polizeibehörde einzuholen und 3. mit dieser versehen, sich am städtischen Schlachthause in der Abteilung für Rindvieh zur Abschlachtung zu stellen. Münster, den 22. Juni 1901." — Auf die Bedingungen hin habe ich von der Sache weiter nichts gehört.
* Bestellter Gattenmord. In der belgischen Stadt Charleroi sind zwei Individuen, Martin und Dewael, verhaftet worden, die im Ardennenwald einen Mord begangen haben, dem ein französischer Staatsbürger namens Gründler zum Opfer fiel. Die Mörder waren von der Frau Gründlers gedungen worden, ihren Mann zu ermorden. Sie hatten Gründler, der sie durch seine Frau kennen gelernt hatte, zu einer Jagdpartie aufgefordert und ihn durch Revolverschüsse meuchlings ermordet. Die Tat war ihnen von der Frau mit 15 Franks bezahlt worden.
* Auf Kommando. Der Zar (dem die neuesten Kriegsdepeschen vorgelegt werden): „Dummer Kerl, der
Kuropatkin! Ich befehle ihm, in der Offensive zu bleiben —- das tut er; befehle ihm Offensive — macht er auch; dabei vergaß ich, ihm das Siegen noch extra mitzubesehlen — vergißt der Mensch richtig das Siegen!" (Lustige Bl.)
„Erstklassige Menschen."
Berlin, 22. Ottober.
Ter Prozeß wegen Beleidigung verdeutschen Offd- ziere, der durch den bekannten Roman „Erstklassige Menschen" hervorgerufen worden ist, begann heute vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I. Tie Anklage richtet sich gegen den Schriftsteller Grafen Baudissin (dem Gießener Theater-Publikum seit kurzem bekannt durch bte Ausführung seines unter dem Pseudonym „Frhr. v. Schlicht," erschienenen schwankes „Liebesmanöv er") sowie gegen die Inhaber derOtto Janteschen Verlagsbuchhandlung Tr. phil. Erich Janke und verwitwete Frau Tr. Janke. Der int Jankeschen Verlage erscmenene vioman „Erstklassige Menschen" ist im März beschlagnahmt worden. Der Angeklagte bestreitet, daß sein Roman den Charakter einer Schmähschrift habe. Als solche sei er keineswegs gedacht, vielmehr habe er eine sehr ernste Tendenz und wende sich gegen den im Offizierkorps herrschenden Kastengeist und gegen verschiedene Mißstände, die sich aus der falschen Haltung der Gesellschaft gegenüber Offizieren ergeben. Von Bedeutung für das Entstehen des Buches sei auch der S e l b st m o r d eines ihm bekannten jungen Offiziers gewesen, der sich wegen übergroßer Schulden das Leben genommen. Ta habe er sich mit der Frage beschäftigt, wie es möglich sei, daß einem jo blutjungen Menschen ein Kredit von 65 000 Marr eingeräumt werden konnte. Sein Buch richte siel) nicht gegen die Offiziere, sondern gegen die Gesellschaft, die aus ihnen „Erstklassige Menschen" geradezu großzüchte. Er habe in seinem Buck auch deutlich Mittel zur Abhilfe angegeben. Als der Roman erschienen war, habe zunächst auch kein Mensch Beleidigungen darin erblickt, am wenigsten der Kriegsminister, der den Roman sehr bald gelesen Halle. Erst sechs Wochen später sei die Beschlagnahme verfügt worden, nachdem Skhel im Reichstag den: Kriegsminister gegenüber auf das Buch hingewiesen hatte.
Tr. Janke weist darauf hin, daß die Werke des Grafen Baudissin schon seit zehn Jahren in seinem Verlage ersännen. Schon im Frühjahr 1903, noch ehe Bilses Roman herausge- kommen war, habe er mit dem Angeklagten mündlich über die Herausgabe dieses Buches, das ein ernstes Werk sein sollte, verhandelt. Er habe also keinestoegs die „Konjunttur" wahrnehmen ivoUen urrd im Vertrauen auf die Autorität des Verfassers sein Werk in Verlag genommen. Jedwede beleidigende Absicht habe ihm völlig ferngelegen. Fast ein Drittel der ersten Auflage sei nach Oesterreich gegangen.
Frau Tr. Janke bestättgt die Angaben ihres Sohnes. Ter Verlag Halle die Ueberzeugung, daß der Ronran nach kurzer Zett wieder freigegeben werden würde.
Tie Gattin des Grafen Baudissin bekundete über Entstehungsart und Tendenz des Romans auf Grund der Unterhaltungen, die sie darüber mit chretn Gatten gehabt, dasselbe wie dieser.
Es folgt die Verlesung des ganzen Romans, die viele Stunden in Anspruch nimmt.
Graf Baudissin wurde zu 300 Mark und der angeklagte Verlagsbuchhandler Tr. Janke zu 200 Mark verurteilt. Ter Gerichtshof erkannte ferner auf Unbrauchbarmachung aller Exemplare des Buches, der Platten und Formen und sprach dem Kriegsminister die Publikattonsbefugnis zu. Frau Tr. Janke wurde von der Anklage der Beleidigung freigesprochen.
Wegen Vergehens gegen § 2d des PreßgeseßeS wurden xiu oemu und Frau Janke zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt.
F^lrnkfurt, 21. Okt. (Schöffengericht.) Tie „Frank- fu 5 * £5 0 ker hessische Landtagsabg. Hirschet redigiert, beschuldigte tm Januar den Leiter der hiesigen Filiale der Auskunftei Lesser und Liman, Ludwig Katz, daß er die Angestellten schlecht behandle. Katz erhob Beleidigungsklage, die mtt der Verurteilung Hirschels zu 30 Mk. Geldstrafe endete.
Spielplan der «reinigten Frankfurter Stadttheater.
Opernhaus.
Dienstag den 25. Oktober *): „Ter Trompeter von Säkkingen." Mittwoch den 26. Oktober abends 6 Uhr: Abonnements-Vorstellun: „Götterdämmerung." Donnerstag den 27. Ottober: „Mignon." Freitag den 28. Oktober geschlossen. Samstag den 29. Oktober: „Don Juan." Sonntag den 30. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr: „Die Geisha." Abends 7 Uhr: „Der Prophet." Montag den 31. Oktober: „Der Trompeter von Säkkingen."
Schauspielhaus.
Dienstag den 25. Oktober*): „Traumulus." Mittwoch den 26. Oktober: „Romeo und Julia." Donnerstag den 27. Oktober: „Nathan der Weise." Freitag den 28. Oktober: Zum ersten Male: „Im grünenBaum zurNachtigall." Samstag den 29. Oktober: „Die Karlsschüler." Sonntag den 30. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr: „Zapfenstreich." Abends 7 Uhr: „Im grünen Baum zur Nachtigall."
*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
Telegramm!
St. LOUiS, 14. Oktober 1904.
SÖhnüsinj Schierstein.
Die Jury der Weltausstellung in St. Itouis hat Ihrer Sektmarke
„Rheingold“
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„Grand Prix“, die höchste, bisher deutschen Schaumweinen zu teil gewordene Auszeichnung, verliehen.
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