Ausgabe 
24.10.1904 Zweites Blatt
 
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Wr» Ä50 Zweites Blatt. 154. Jahrgang Montag 24. Oktober 1904

KgNch ^uS"lchm« des Sonntags. AA A, XX RotattonSdruck und Verlag der Brühlfchm

DieGießener LamMenblStter« werden dem fi WH M O* ßD W H O* P&1 M X HZ E O fl/Tf Unwersttätsdruckeret. R. Lange, Gießen. ÄÄSÄÄ5 WvfjvHvl

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

VolMfche Wochenschau.

urehr als zweijähriger Regierungszeit ist Cnober König Georg von Sachsen seinem berühmten Bruder, dem 1902 verstorbenen König Albers N, Tod gefolgt, und der bisherige Kronprinz hat als Könrg Friedrich August die Herrschaft angetreten. Eine trefgehendere politische Bedeutung kommt diesem Thron­wechsel nicht zu, da an dem innerhalb der weiß-grünen Grenzpfahle herrschenden konservativenSystcm auch fernerhin fest gehalten werden dürfte. Eine erfreuliche Maßnahme des neuen Königs ist ein soeben veröffentlichter Amnestie- 2 c *a ®den folgende Strafen erlassen werden: ^bgen M a j e st ä ts beleidigung, Hausfriedensbruchs, wörtlicher Beleidigung eines Beamten oder ejner Behörde, Preßvergehens, solvie Uebertretung gegen das Feld- und Forststrafgesetz. Diiie Vollstreckung soll am 25. d. M ab­gebrochen werden. Me Amnestie gilt auch für die Fälle, wo die Rechtskraft am 1. November eintritt Aus ge - fajloffen bleiben alle Strafen wegen Tierquälerei. Bezüglich der unter per Militärgerichtsbarkeit verhängten Strafen ist ein ähnlicher Gnadenerlaß ergangen.

Hendrik Witboi und die ihm anhängenden Stämüre der Hottentotten sind treubrüchig geworden und haben ebenfalls Die Fahne des Aufruhrs gegen die deutsche Ober­herrschaft erhoben. Der Distriktshauptmann von Ket- mannshop, v. Burgsdorff, an den Witboi seine Kriegs­erklärung richtete, war nach deren Empfang allein und unbewaff net zu dem Häuptling geritten, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Seitdem ist keine Nachricht von ihm eingetroffen, sodaß man leider «annehmen muß, daß er als Geisel im feindlichen Lager zurüekbehalten wird. Das ist eine neue Unverschämtheit dieses treulosen schwarzen Mannes, und es unterliegt keinem Zweifel, daß jetzt die Kriegsfackel noch einmal von neuem entfacht wird. Ueber die jetzt zu treffenden weiteren Maßregeln zur Nieder- ringung des.Aufstandes kursieren gegenwärtig nur vage Gerüchte. Spricht man do chdavou, noch weitere 6000 Mann mittels Kriegsschiffen in die aufständische Kolonie zu schicken, da sich der Krieg unter Umständen no>ch auf zwei Jahre erstrecken könnte. Dabei sollen die Kriegskoshen schon die für diesen Zweck gewaltige sSumme von 100 Millionen Mark betragen und in gut unterrichteten Kreisen glaubt man, daß sich zur gänzlichen Niederwerfung des Aus­standes diese Summe norch verdoppeln wird. Unsere Kolo- nialpolittk steht hier vor einem Fiasko, wie es schlimmer nicht gedacht werden kann, und das nur geeignet erscheint, uns in den Augen der übrigen Nattonen zu diskreditieren.

Ter Reichstag, der voraussichtlich erst Ende No­vember wieder zusammentreten wird, wird in seiner bevorstehenden Tagung einen umfangreichen Stofs zu bewältigen haben, wovon wiederum die zu erwartende Heeresvorlage das meiste Interesse erregen und zu den lebhaftesten Kontroversen Anlaß geben wird. Die Vor­lage fordert nichts Geringeres als eine Erhöhung der Fried ensPräsenzstärke, die denn auch, schon mit Rücksicht aus die Erhöhung des Heeresetats in Frankreich, bewilligt werden wird.

Im Gegensatz zu ihren Kollegen vom Reichstag werden sich die Abgeordneten für den hessischen Landtag wohl schon in den nächsten Wochen wieder versammeln, obwohl über die Einberufung noch immer nichts Sicheres verlautet. Zur Verhandlung stehen ein paar überaus wich­tige Regierungsvorlagen, so namentlich die Bad-Naü- heim betreffende, die die Befürwortung des Finanz­ausschusses gefunden hat und hoffentlich auch im Plenum volle Billigung finden wird, trotz der reaktionären, allem vernünftigen Fortschritt feindlichen, ewig nörgelnden und und obendrein anmaßend großsprecherischen Wormser Oppo­sition, die sich in der Wahlrechtsangelegenheit auf$ aller- ttäglichste und volksfeindlichste gezeigt Hut.

Vor der hessischen Kammer wird das preußische Abgeordn etenhaus seine Sitzungen beginnen.' Dort stehen sehr wichttge Angelegenheiten zur Verhandlung, zu­nächst die freisinnige Interpellation wegen der ominösen Sammlungen des Oberhofmeisters v. Mirbach. In den Kommissionen ruhen Vorlagen bezw. Mträge von noch größerer Bedeutung, wie die drei wasserwirtschaftlichen Vor­lagen, und der Anttag Hackenberg, den Erlaß eines Schul­

unterhaltungsgesetzes bettessend. Ihre Arbeit wirklich be­gonnen hat vorläufig erst die K a n a l k o m m i s s i o n. In Zusammenbüng mit deren Arbeiten steht eine vom Ministe­rium für Landwirtschaft zum letzten Samstag einberufene Konferenz, zu der Vertrauensmänner aus verschiedenen Landesteilen erschienen waren. Es handelte sich bei den Besprechungen um Maßregeln zum Stutze des Hochwassers und zwar sollen die Ausführungsbesttmmungen zu den bereits in Kraft getretenen wasserwirtschaftlichen Vorlagen begutachtet bezw. festgestellt worden sein.

Im Auslande haben letzthin in Frankreich die Sitz­ungen der Kammer gleich wieder mit Angriffen gegen das Ministerium E o m b e s begonnen, diesem inoes am letzten Samstag ein Vertrauensvotum gebracht. In Ita­lien veröffentlichte die Regierung ein langatmiges Dekret, in dem die Auslösung des Parlaments angeordnet wurde.

Die Tatsache, daß die Russen von jeher die blutigsten und verlustreichsten Kriege geführt haben man braucht nur an den siebenjährigen Krieg, die napoleonischen Kriege, den Krimkrieg und den letzten russisch-türkischen zu denken ist auch jetzt wieder vollauf bestätigt worden. Tie tagelang währenden Kümpfe, die in letzter Zeit am Schahoflusse in der Nähe von Mukden ausgesochten wurden, arteten zuletzt in eine Metzelei aus, wie sie in europäischen Kriegen der neueren Zeit in dieser Art niemals vorge- tommen ist. Auch in diesen hat man Schlachten gekannt, die mehrere Tage dauerten, um aber für den Riesen- kampf, der dort zehn Tage ununterbrochen wütete, passende Analogien zu finden, muß man schon weit in der Geschichte zurückgehen, etwa zu der Mongolenschlacht bei Liegnitz oder dem gewaltigen Kampf, der auf Öen katalaunischen Feldern der Herrschaft der Hunnen in Europa ein Ende machte. Bemerkenswert an diesen Beispielen ist es, daß es beide Male Völkerschlachten mongolischen Ur­sprunges waren, die hier in fatalistischem Todesnmt gegen die höher stehende europäische Kultur anstürmten. Rassen­kämpfe also, die eine gewrsse Aehnlichkeit mit dem zeigen, der jetzt wieder im Norden der Mandschurei abspielt. Die Schlacht am Schaho ist, wenn sich auch die Japaner den Sieg zuschreiben, im wesentlichen unentschieden geblieben. Ter russische General S s a cha r o w meldet, daß von den Russen im ganzen nach dem Kampfe vom 16. Oktober 14 japanisch e Geschütze erobert seien, und zwar neun Feld- fU' fünf Berggeschütze. General Putilow hat am 13. Oktober 12 japanische Geschütze genommen. Er hat dafür den Georgsorden 4. Klasse vom Zaren ei> hatten, der ein sehr gnädiges Schreiben au feineheiß geliebten Truppen" gerichtet hat. Die Rufs. Tel.-Ag. meldet ferner vom 21. d. M. aus Pudsiatsi: Vom 11. bis zum 18. Oktober kämpfte das erste Armeekorps unter Baron Meyendorffs Befehl bei den Höhen von Jansintun. Es ging mit Ehren, ttotz großer Verluste, aus diesem schwie­rigen Kampfe in dem bergigen Terrain hervor Ein be­sonders blutiges Gefecht fand bei der Besetzung eines Berg­kegels am Schahouser in der Nähe des Dorfes Sahojau 'tatt. Die Russen erbeuteten hierbei 14 Geschütze, 40 Munitionswagen und eine große Anzahl Gewehre. Der japanische Marschall Oyama berichtet seinersetts:Die Anzahl er von uns erber linken Armee ero b erten ruf si­ch en Geschütze beträgt im ganzen 43. Davon wurden 27 von der Linken und 16 von der rechten Kolonne ge­nommen."

Nach dem furchtbaren Ringen am Schaho trat auf dem Kriegsschauplätze eine Pause ein, vermutlich wegen der Er- chöpfung beider Gegner. Tie Japaner haben die russi- chen Lazarettgehilfen und die verstümmelten Sol­daten aus der Gefangenschaft entlassen und ie zu dem russischen Konsul in Schanghai gebracht. Es oll die Absicht bestehen, alle dauernd kampfunfähig ge­wordenen Gefangenen nach der Heilung zu entlassen. In der Umgebung von Mukden wütet ein furchtbarer Sturm Nachts fällt die Temperatur auf 5 Grad unter Null. Das chlechte Wetter ist für die Japaner äußerst ungünstig, ie erfrieren, während die Russen dieses ihnen adäquate Klima ganz gut ertragen. Sie scheinen sich jetzt längs des NorduferS am Schaho versammelt zu haben und besetzen vorbereitete Stellungen, die hinreichend stark sind, die Ver- vlgrmg der Japaner, die längs des Südufers des Muffes Mteilt sind, zu. hemmen. Die linke japanische Flanke

er den Fluß geworfen und droht die russische Flanke

zu umfassen. Es ist fraglich, ob Kuropatkin lediglich be- Ramsche Linke ganz aufzuhalten, um starke Nachhutstellungen vorbererten zu können, oder ob er ein neues allgemeines Treffen plant. Die letztere Hypothese scheint am meisten Glauben zu verdienen.

VoMische Tagesschau.

Daß der Rücktritt des Freiyerrn von Mirbach von der Stellung als Oberhofmeister der Kaiserin eine be­schlossene Sache ist, läßt sich wohl mit Sicherhett auS der vor wenigen Tagen bekannt gegebenen Ernennung deS Zerenwnienmeisters Eugen von Roeder zum ^Ersten Diensttuenden Zeremonienmeister" mit dem Rang einerVizeoberhofcharge" schließen. Denn Herr von Roeder, der vor seiner Ernennung vom Kaiser empfangen und zur Tafel gezogen wurde, ist, wie wir imHann, fccnir.* lesen, als Nachfolger des Herrn von der Knesebeck in den Funktionen eines Einführers des diplomatischen Korps in Aussicht ge- noinmen, wenn Herr von der Knesebeck die Nachfolger des Freiherrn von Mirbach im Archivmeisteramt der Kaiserin angetreten haben und, für das er als bestimmt gilt. Herr von Roeder würde dann übrigens m ein Amt gelangen, das am Hofe Kaiser Wilhelms I. gleichnenniger Oheim, der Major und Landrat a. D. Eugen von Roeder, alsIntroducteur des Ambassadeurs viele Jahre innehatte, der als Oberküchenmeister 1887 starb. Er selbst ist ein Sohn des 1884 verstorbenen Generals d. Inf. und Gesandten in Bern, Heinrich von Roeder, und der Bruder der Gräfin Alvensleben, der Gemahlin des deutschen Botschafters in St. Petersburg. Ehe er in den Hofdienst trat, gehötte er kürzere Zeit, als Leutnant im 2. Gardedragonerregiment, der Armee an. Dann lebte er mit feiner Familie seine Ge­mahlin ist eine Engländerin meist in der Schweiz, in Interlaken und erschien in Berlin nur, um während der Winterfestlichkeüen seines Dienstes zu walten.

Politische Militärattaches.

DaA Militärwochenblatt hat mitgeteilt, daß der kaiserliche Flügeladjutant Major Frhr. v. der Wenge, Graf v. Lambs­dorff, Militärattachee der deutschen Botschaft in Petersburg, dem Kaiser Nikolaus attachiert und dessen Haupt­quartier zugeteilt worden ist. Tie politische Bedeutung dieser Ernennung wird in derBoss. Ztg." also erläutert:

Mit dieser Ernennung wird ein Verhältnis wieder ausgenom­men, >das in den Tagen der Zaren Alexander L und Nikolaus L geschaffen, erst unter Alexander III., dem großen Hasser Teutsch- lands, beseitigt worden ist. Ter russische Militärattachee in Berlin war dem unmittelbaren Dienst beim König von Preußen zu- geteilt, befand sich dauernd in dessen nächster Umgebung und ipurbe beinahe wie ein preußischer Offizier betrachtet und be­handelt. Ganz in demselben bevorzugten BertrauensverhältniA stand der preußische Militärattachee in Petersburg zu dem Kaiser von Rußland. Wenn jetzt nach langjähriger Unterbrechung wieder zu dieser Einrichtung znrückgegrisfen wird die russische Parallel­ernennung dürfte gleichzeitig erfolgt sein und demnächst verlaut­bart werden so darf das als ein Symptom der Wieder- erwärmung der seit den Tagen Alexanders III. stark erkälteten Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland bettachtet werden.

Nach einer Wolfi'schen Meldung wurde der Militärattaches der russischen Botschaft in Berlin, Oberst v. Schebekow, bent1 deutschen Kaiser attachiert.

Unfallstatistik für Land- und Forstwirtschaft.

Tie vor ellva dreieinhalb Jahren angeordnete und seitdeni, eifrig betriebene besondere Unfallstatistik für Land- und Forsb-, Mrtschaft auf das Jahr 1901 ist im Reichs-Versicherungsamt fertig gestellt worden. Ihre Veröffentlichung erfolgt in, zwei Teilen.

Ter erste hat Aufschtüsfe über die versicherten Betriebe,' Personen und Verletzten, die Unfallereignisse, die Zahl der HinteMiebenen der Verletzten. Alter und Geschlecht der Verletzten, Att und Folgen der Verletzungen, die Zeit der entschädigungspfiichtigen Unfälle, die Unfall Häufigkeit nach der Art der Bodenbewirtschaftung und die durch die Viehhaltung und durch Tiere herbeigeführten Unfälle gegeben. Ihm sftid sechs kartographische Tarstellungen der Unfatthäufigkeil im all­gemeinen und bei der Bewittsämstung der Kewer, der Gätten, der Forsten, der Wiesen und Weiden und beS Reblandes bei-

IIIlli.......IIII...........................................

Ker Iiug.

Kriminal-Roman von O. Elster.

(Nach>ruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Haben Sie vielleicht hier eine Heilanstalt für Nervöse eingeriästct, Herr Neugebaur?" ,

Nein, das nicht", la-aste dieser.Mer rch habe an mir selbst die wohltätige Wirkung des^ hiesigen Aufenthalts gespürt."

Ja, die Langeweile soll ja manchmal eine wohltätige Wirk­ung auf überreizte Nerven ausÄben."

Was die Langsweile anbettifft, so werde ich versuchen, Ihnen dieselbe zu vertreiben. Machen Sie es wie ich und beschäftigen Sie sich mit den Keinen Angelegenheiten der Leute hier."

Ich bin kein Tetektiv, Herr Neugebaur. Und dann, was könnten diese Angelegenheiten Interessantes bieten?"

Oh greift nur hinein ins volle Menschenleben, sagt der Ticyter mit Rechet. Sehen Sie, da kommen die Frauen und Mädchen auS der Fabrik zum Mittagessen heim."

Ja, ich sehe es." . . .

Ich versichere Sie, daß jede von ihnen einen kleinen Roman hat. Ta sehen Sie sich einmal die große schlank Person an, die da im dunklen Kleide, welche ganz allein geht. . . fetyen Sie die Frau?"

Ja... ich sehe sie. . . was ist das?!"

NLit diesem Ausruf sprang Ferdinand empor, lehnte sich aus dem Fenster und sah mit gespannter Aufmerksamkeit der Frau nach.

Was haben Sie? Kemten Sie die Person?" fragte New- gebaur mißtrauisch.

Ferdinand wandte sich langsam wieder Neugebaur zu und sah ihn groß an. Sein Gesicht ivar nod) blasser geworden, feine Hände zitterten.

Kennen Sie die Fvau?" fragte er und seine Stimme bebte.

Gewiß kenne ich sie. Es ist eine Frau Marie Brandt, deren Leben ein wahrer Roman ist. Aber was erregt Sie so?"

O nkW .3 nickxts. Eine flüchtige Aehnlichkeit täuschte mich. .

,,Marie Brandt heißt die Frau, sagten Sie? Und sie ist verheiratet?"

Wie man's nimrnt", sachte Neugebaur.Wenigstens hat sie einen Sohn."

Ah... wie alt ist der Knabe?"

Er wird im Tezernber drei Jahre alt."

TM ist merkwürdig." . . .

Was haben Sie, Herr (toller?"

Nichts. Was sollte idt haben? Ihre Erzählung interessiert mich. Sie scheinen recht zu haben, daß man überall im Leben auch Interessantes trifft, wenn man nur die Auaen aufhält. In der Tat, eS ist sehr hübsch hier ... ich will Ihren Rat befolgen, und einige Tage hier bleiben. . . Herr Wirt, kann ich ein Zimmer aus einige Tage haben?" wandte er sich an den eintretenden Wirt.

Tiefer versichette, daß noch ein schönes Zimmer mit der Aus­sicht nach der Schneekoppe frei ist.

Gut, ich nehme das Zimmer auf acht Tage, lassen Sie mein Gepäck hinaufbringen", befahl Groller.

Mit Erstaunen hatte Neugebaur diese plötzliche Sinnesärrder- ung bemerkt. Mit der Schlauheit eines gewiegten Tetektivs butterte er ein Geheimnis. . . und dieses Geheimnis mußte mit Marie Brandt zusammenhängen, denn ihr Anblick hatte Groller zum Bleiben veranlaßt. Sollte Groller ftüher zu der Brandt in Beziehungen gestanden haben? das mußte noch ausgekrmd- sck>aftet lverden; aber zuerst wollte er dem alten AmtsgerickKsrat durch einen anonymen Brief einen gelinden Sclirecken einjagen, um ihn zu feiner Anzapfuivg gefügiaer zu machen.

Mit diesem löblichen Vorsatz begab er Jid)i auf fein Zimmer, da er vorläufig mit Ferdinand Groller ein intimered Gespräch nicht mehr führen konnte, well sich mehrere Gäste emgefunden batten

Auch Ferdinand zog ficb auf fein Zimmer zurück und ließ sich den ganzen Tag über nicht mehr sehen.

Am Abend desselben Tages saß der AmtsgerichtZttü Wernes vor der Tür des kleinen Hauses und blickte traurig in trie1 Tmnmerung hinaus. In der Hand hielt er einen Brief, der ihm diesen Nachmittag durch einen Jungen aus bem Torfe überbracht worden war. Er lächelte bitter, wenn sein Blick mif den Brief fiel. Plötzlich erhob er sich, wie in einem festen Entschluß und rief in das Haus:

Frau Marie, haben Sie einen Augenblick Seit?"

Gewiß, Herr Rat", klang die ernste Stimme der Frau zurück, und gleich darauf trat Marie Brandt ans dem Hause.' Tie Aermel ihres einfachen Kleides waren zurückgeschlagen,- ihre Wangen waren gerötet, und man sah e£ ihr an, daß sie ange­strengt gearbeitet hatte.

Durch die blühende Farbe, welche ihre sonst so blassew Wangen bedeckte, und die saubere weiße Schürze sah die Frau ordentlich jung aus, und der AmtSgerichtsrat betrachtete fie mit lächelndem Wohlgefallen.

Wie hübsch Sie mlsschen, Marie", sagte der alte Herr freundlich.

Ihr Gesicht verdüsterte sich

Nun, nun", fuhr er begütigend fort,Sie brauchen einem alten Mann ine~ tleine Schmeichelei nicht übel zu nehmen. Ich freue mich, daß Sie so zufrieden und munter arlsschauen."

Ich habe Ihre Oberhemden geplättet", entgegnete sie. . . Tabei ist mir etwas heig geworden."

Ja, ja, Sie sind immer fleißig und tätig. VEber nun lassen Sie die J-rau >knoche die Olx-r»n'mden nur fertig plätten und setzen Sie fiel) zu mir, ich habe ernsthaft mit Ihnen zu sprechen." t .

Tie junge Frau naljm neben dem alten Herrn Platz und sah

ihn gespannt an

W '

Ja, mein liebes

mir zu sägen, Herr 3tat?" Kind", entgegnete der alte Herr in