Ausgabe 
24.6.1904 Zweites Blatt
 
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Die Prüfung von zwei Kandidaten ist wegen Krankheit noch nicht zum Abschluß gelangt. Von den übrigen 26 Kandidaten 'haben 17 das Examen bestanden, und zwar 4 mit der Notegut" 6 mit der Note ,im Ganzen gut" und 7 mit der Notegenügend".

f Klein-Linden, 23 Juni. Ein schwerer Unfall trug sich heute mittag zu. Das Zi/rjährige Töchter­chen des Schreinermcisters und Bauunternehmers W'. Jung imachte sich am Herd feuer zu schaffen. Plötzlich stand die Kleine in Hellen Flammen, ihre Kleider hatten Feuer Ncfangen. Zum Glüct waren Erwachsene in der Nähe, die dre Flammen erhielten. Das Kind hat schwere Brandwunden an Händen, Armen, Hals, Gesicht und Kopf erhalten.

-s-Queckborn, 23. Juni. Mit dem letzten schweren Gewitter war ein orkanartiger Sturm verbunden, der vielfach Schaden anrichtete. Die Heulegel auf den Wiesen wurden teilweise fortgetrieben und durcheinander gejagt und Obstbäume stark beschädigt. Ein Mann aus Ettingshausen, der in Grünberg einen Wagen Heu holte, verunglückte ans dem Heimwege; sein Pferd scheute, ging durch und schleifte den Fuhrmann, der an Armen und Knien verletzt wurde und zwei Finger brach. In Stangenrod schlug der Blitz in die Wirtschaft Echter und in Hein men in das Wohn­haus des Landwirt Loos, beide, ohne zu zünden.

§ Nidda, 24. Juni. Vor gerade 30 Jahren büßten wir infolge der damaligen neuen Kreiseintcilung unser seit 1852 bestandenes Kreisamt ein. Ueber diesen Verlust haben sich seinerzeit die Bezirkseingescssenen in einer merk­würdigen, das Nebenzimmer desDarmstädter Hofes" hier gierenden eingerahmten Todesanzeige beklagt, welche lautet:

Todesanzeige.

Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß es dem unersorschlichen Ratschlüsse des Ministeriums gefallen hat, unser einzig geliebtes Kreisaint, welches noch vor wenigen Tagen in den besten Blüten seiner Jahre zu den größten Hoffnungen berechtigte, abzurufen. Alle Mittel der Zweckmäßigkeit blieben erfolglos, bis es einem starken Gunstfehler erlag und dadurch aus seinem pral- tischen Dasein in das rätselhafte Jenseits versetzt wurde.

Trennung ist unser Los, Wiederiehen uns're Hoffnung!

Um gerechte Teilnahme bitten Nidda, den 28. Juni 1874.

Sämmtliche Kreisangehörige.

F rankfurt a. M., 22. Juni. Um einerasche Bei­legung der in den Orten des Mittelrhcinischen Arbeitgeber­verbandes Aschaffenburg, Darmstadt und Mainz bestehenden iMaurer- und Zimmerer-Ausstände herbeizuführen", hat der Mitteldeutsche Arbeitgeber-Verband für das Bau­gewerbe am Montag hier eine Versammlung abgehalten, in der folgender Beschluß gefaßt wurde:Die dem Mittel- deutschen Arbeitgeber-Verband für das Baugewerbe ange­hörigen Verbände haben ihre Bedingungen, unter denen sie in den nächsten drei Jahren mit ihren Arbeitern Verein- Larungen treffen wollen, bis Donnerstag den 23. Juni an- Zugeben. Diese Bedingungen sollen dann von dem Verband den Vorsitzenden des Zentralvcrbandes der Maurer und Zimmerer in Hamburg zur Annahme vorgelegt werden. Er­folgt seitens derselben bis zum 2. Juli nicht die Annahme für sämtliche Verbände, dann wird die Arbeit seitens der Arbeitgeber des ganzen Mitteldeutschen Arbeitgeberverbandes, und zwar zunächst nur für die organisierten Arbeiter, am 18. Juli eingestellt."

Verrnneytes.

* B c r l i n, 23. Juni. Tie 25 jährige Virtoriakranken- 5 chw e st e r E l i s a b e t h M., die seit längerer Zeit im Kranken­haus Friedrichshain besänftigt ist, wurde am Morgen in ihrem Bett bewußtlos aufgefunden. Die sofort herbcigerufenen Aerzte stellten fest, daß Fräulein M. Morphium zu sich genommen hatte. .Tie Wiederbelebungsversuche waren von Er­folg ^begleitet ,Als "Ursache für ihre Tat gilt ein schweres Nervenleiden der Schwester.

* Kiel, 23. Juni. Bei der heutigem Wettfahrt der ^Kriegs schiss boote kam es infolge einer außcrordentlu . . steifen Brise zu verschiedenen Unfällen. Mehrere Bar­kassen und Kutter stießen aneinander und kenterten, jedochwur- den die Insassen der Boote durch "Tampspinasfen gerettet. Von der gekenterten Gig der Kommandantur Friedrichsort werden zwei Mann vermißt.

Gera, 23. Juni. Aus einem Ausflugsort im Königreich Lachsen wird gemeldet, daß ein Wirt und dessen Frau ver­haftet sind, weil sie im Verdacht stehen, schwere Verbrechen verübt zu haben. Vor einiger Zeit mar tn der Nähe des Fichtel- berges ein Kaufmann erschossen auigesunden worden, und als vor einiger Zeit ein Radfahrer in dem Lokal des bclr. Gastwirts verkehrte und zur Nacht verbleiben wollte, sei von dem Wirt der Versuch gemacht worden ihn zu erwürgen. Durch zwei hinzu- gekommene andere Radfahrer wurde er jedoch gerettet. Wegen der Erschießung des Kaufmanns ist der Wirt auch in Verdacht gekommen.

* Nach .dem Gordon Bennett-Rennen. Bei dem Städtchen Krrchberg, in der Nähe von Trier, erlitt ein französi­scher Automobilist, als er einem ihm entgegenkommenden

Wagen ausweichen wollte, eine Fußverletzung, indem sein Auto­mobils in einen Chausseegraben fuhr. Das Gerücht, daß T h e r y, der Sieger im Rennen, verunglückt sei, bestätigt sich "nicht. Der Telegraphcnarbeiter Nickel aus Gräfenwiesbach ist gestor­ben, der am Tage vor dem Gordon Bennett-Rennen von einem der belgischen Automobilwagen bei Homburg über­fahren und schwer verletzt worden war. Tie Zahl der löährend des Gordon Bennett-Rennens durch Automobil-Unfälle ums Leben gekommenen Personen beträgt nun mit diesem vier.

Unglücks fahrt auf d e m R a d e. Ein schwerer Z u- sa mm en stoß zwischen einer Automobildroschke und einem Zweirad ereignete sich an der Ecke der Friedrich- und Mohrenftraße in 23 er Hn. Die 16 und 15 Jahre alten Schreiber Arthur Schimmelpsennig und Richter des Justtzrats.Bruck fuhren oeide zusammen auf dem Zweirade Schimmelpsennigs und trieben nach übereinstimmenden Bekundungen vieler Zeugen Allotria als der Automobildroschkenkutscher Wolf aus der Fried­rich- in die Mohrenslraße einbog. Die Droschke warf das Zwei­rad um und fuhr es in Stücke. Tie beiden Fahrer flogen her­unter. Schimmelpsennig fiel mit dem Hinterkopf auf die Bord­schwellen, zog sich einen Schädelbruch und eine Gehirnerschütter­ung zu und blieb besinnungslos liegen, Richter fiel auf das Straßenpflasier und brach sich das rechte Bein. Wolf brachte die beiden Verunglückten mit seiner Droschke nach der Unfall­station 13 in der Kronenstraße. Dort starb Schimmelpsennig schon nach fünf Minuten unter den Händen der Aerzte. Seine Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhauw gebracht. Richter erhielt einen Verband und wurde von der Station dem Kraukenhause am Urban zugeführt.

" Gemütlich. TerMünch. Allg. 3tg." schreibt ein Leser: Ort der Handlung: Bahnhof Neuffen am Hohenneuffen. Zeit: 20 Minuten nach der vorgeschriebenen 2lbfahrtszeit des Zuges. Ter Zugführer hat schon zweimalAbfahre" gerufen; die Loko­motive stößt unaufhörlich kurze grelle Pfiffe aus, bewegt sich aber nicht vom Fleck. Endlich reißt zweien der drei anwesenden Passagiere die Geduld, und entrüstet wenden sie sich an den Schaffner:Warum fahrt's Zigle nct ab?"Warum pfeifet fe denn so?"Ja, wir müsse auf de Lokomotivführer wurde; der sitzt noch beim Veschbere; drum weise wir em jctz, daß Zeit isch."

Getreidelagerhäuser.

Eine Nachweisung über die bis Ende Tezember 1903 zur Errichtung .landwirtschaftlicher Getreidelagerhäuser bewilligten und verwendeten Beträge, sowie über den Fortgang und den Stand dieser Bauten in Preußen ist dem Hcrrenhause zugegangen. Im Jahre 1903 ist der Bau der Getreidelagerhäuser in Rajten- burg (Ostpreußen), Münster (Westfalen), Fulda (Hessen-Nassau) be­endet worden. Es sind nunmehr v6 Getreidelagerhäuser mit Mitteln des Kornhanssonds errichtet worden. Für den Ban der Getreidelagerhäuser sind 4 563 552 Ml. 72 Pfg. bereitgestellt und 4 347 566 Ml". 36 Pfg. bisher verwendet worden. Nach den neueren Feststellungen beträgt der Fassungsraum der Getreide­lagerhäuser 47 658 Tonnen. Tie Zahl der Lieferanten ist gegen das Vorjahr gewachsen, die e i n g e l i e s e r t e n Mengen sind aber zurückgegangen. Im allgemeinen werden auch diesmal die günstigen Erfolge bei der Bearbeitung der Erzeugnisse, bei der Herstellung und Verwertung einer markt­gängigen Ware anerkannt, vereinzelt aber, wie wir derTisch. Tagesztg." entnehmen, darauf hingcwiescn, daß nicht immer aus dem feucht angelieferten Getreide eine gleichmäßige, allen Anforderungen entsprechende marktgängige Ware hergestellt wer­den konnte, und daß die Kosten für die Bearbeitung des feuchten Getreides mitunter niaft durch seine Wertsteigerung gedeckt wur­den. Andererseits wird aber auch hervorgehoben, daß das in den Getreidelagerhäusern bearbeitete Getreide von Mühlen besonders in Kahnladungen bevorzugt und zu höheren Preisen angekauft wurde. Von den in Betracht kommenden 32 Betrieben ar­beiteten 16 mit Gewinn, 13 mit Verlust, 3 ohne Gewinn unb .23 er lüft. Tie Betriebsunternehmer sind im allgemeinen der Ansicht, daß sich die gemeinsame und genossen­schaftliche Verwertung der landwirtsckwftlichen Erzeugnisse be­währt hat und im Wesentlichen die Vorteile, welche davon erwartet wurden, brachte. Finanziell haben allerdings manche Be­triebe ans oerfdjicbenen Ursachen nicht erfolgreich ge­wirtschaftet. Ist es ohnehin für den Staat nicht leicht, aus den in Betracht kommenden verwickelten wirtschaftlichen Ver­hältnissen heraus zu einem zutreffenden Urteile über die Ur­sachen einerseits der Erfolge, andererfeits der Mißerfolge eines Teils der KorilhauSgcnossenschaften zu gelangen, so ist dazu der gegenwärtige Zeitpunkt, wo überall die Verhandlungen über die Weiterverwerlung der Kornhäuser schweben, um so weniger geeignet .Tas Urteil über den Erfolg des ganzen Versuchs wird noch ausgesetzt bleiben müssen. Immerhin verdient s hervorgehoben zu werden, daß anscheinend im allgemeinen die­jenigen Kornhäuser, bei denen das Risiko des Staats verhältnis- mäßig gering war, wirtschaftlich bessere Erfolge aufweisen, als diejenigen, die nur auf fünf Jahre vermietet waren und demnach die Genossenschaft nur mit einem zeitlich begrenzten Betriebs­risiko belasteten. Letztere . an sich dem Versuchscharakter des staatlichen Vorgehens am meisten entsprechende Vetricbs- sorm scheint also und darauf deutet auch der Wunsch fast aller Genossenschaft m nach käuflichem Erwerb der Kornhäuser hin dem geschäftlichen Bedürfnisse der vollen Selbstverant­wortlichkeit des Betriebsunternehmers nicht genügend zu ent­sprechen. .Andererseits ist festzuhalten, daß trotz der Fehler die meisten .Kornhausgenossenschäften nicht nur mit dem ge­wünschten Erfolge der Verbesserung .des landwirt­schaftlichen Getreideabsatzes, sondern auch finan--i zielt befriedigend gearbeitet haben.

Flniversitäls-Machrichten.

Ter ordentliche Professor, Geh. Medizinalrat Tr. Bumnt in Berlin ist .zum ordentlichen Mitgliede der Königlichen Wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen ernannt worden. Der etatmäßige Professor an der Technischen Hoch­schule in Aachen Geh. Regierungsrat Professor Tr. v. Man. goldt ist in gleicher Eigenschaft an die Technische Hochschule in Danzig versetzt worden.

tzljeavayn-AdltMig.

München, 23. Juni. Gutem Vernehmen nach beab­sichtigt die Regierung, demnächst neue Verhandlungen wegen V e r st a a t l i ch u n g der Pfälzischen Eisenbahnen einzuleiten.

Gingejanöt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktton dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

In Nr. 138 Ihres Blattes brachten Sie einen Artikel der -tarinftäbter Zeitung, der die Freude ausspricht über das Ver­bleiben des Herrn Prof. Pfannenstiel an der Universität Gießen dem stimmen wir von Herzen bei! Wir möchten nur bemerken baß die Gießener Frauenklinik schon zu Zeiten des Herrn Geheim­rat Tr. L ö h l e i n_ sich eines guten, weitklmgenden Rufes erfreute bZs bezeugen gewiß gerne feine einheimischen uud auswärtigen' Patientinnen. Dem Verstorbenen, der 14 Jahre sein Wissen und Können der Anstalt widmete, der Gesundheit und Leben feinem Berufe opferte, gebührt diese Anerkeummg! Herr Pros. Pfannen- stiel hat es verstanden, auf das gute Fundament, das er fand, aui= zubauen und wir freuen uns, daß ihm dies so wohl gelang.

E i n c f u r V i e I c,

Handel und Verkehr. Dolkswnlj'chast.

Russische Staatspapiere. Man muß es als er­staunlich bezeichnen, daß trotz der großen Opfer, die Rußland bis jetzt gebracht hat und trotz der großen Verluste an Mann- Ichaften, Schissen, Kanonen, Pferden, Munition und Proviant der Kurs der russischen Staatspapiere sich immer noch auf einem hohen Niveau halt. So sind die 4 o/o Russen von 1880 seit Gnde Mat, wo dieselben 89.75 notierten, bis 91.30 gestiegen und die Russische Staatsanleihe von 90.25 bis 91.50. Es ist sehr gefährlich, daß die deutschen Kapitalisten, anstatt sich ihrer russischen Papiere zu erledigen, noch immer zukaufen um sich ihren Besitz etwas billiger zu machen. Man müßte sich sehr täuschen, wenn man jetzt nicht annehmen könnte, paß Rußlands Macht gebrochen ist und wenn es militärisch gebemütigt ist, kann es. leicht nachher zu recht erheblichen sinanziellen Schwierig, keifen, comnten, da größere innerpolitische Unruhen durchaus nicht ausgeschlossen sind. ^Noch "hat das bekannte Bankhaus Mendels­sohn u. Eo. in Berlin nach jeder verlorenen Schlacht Jnter- venttonskäufe vorgenommen. Wenn es nur nicht zu spät ein­sieht, daß alle Opfer vergeblich waren und Rußland vermutlich gezwungen sein wird, wieder voll zur Papierwährung bei seinen Zinszahlungen zurückzukehren; zumal auch Frankreich kaum im >fände fein dürste, den Russen weitere Milliarden Gold vor­zustrecken.

Die Bewegung auf dem Berliner Grundstück- M a r k t. Seitdem die Großbanken mit ihren enormen Kapitalien auch am Grundstück-Markt erscheinen, um für dieselben Unterkunft zu finden, herrscht auch auf diesem Gebiete außerordentliches Leben In der letzten Zeit haben bedeutende Transaktionen stattgefunden. .Erst ganz vor kurzem ist ein, dem Fürsten Henkell von Donnersmarck gehöriges, am Berliner Zenttalviehhof ge­legenes Terrain im Umfange von ungefähr 35 000 Quadratmeter von Herrn Max Gutmann in Firma B. Gutmann in Dresden er­worben worden. An der Transaktion sind die Dresdener Bank und der A. L-chaaffhausensche Bankverein hervorragend beteiligt. Zum Zwecke alsbaldiger Verwertung des Terrains soll schon in den nächsten -vagen eine Aktiengesellschaft gegründet werden.

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pon edelstem Wohlwollen eingegebenes Geschenk eine einigermaßen erkenntliche oder zumindest freundliche Gesinnung entgegenbrachren. Indes das G e ge nteil ist der Fall. Schon das Suchen nach einem Platze für das Denkmal offenbarte, zumal Rom außer- ,ordentlich reich an trefflichen Orten für Denkmäler ist, daß drc Italiener für ein Denkmal Goethes nicht nur nicht im mindesten erkenntlich sind, sondern es am lieb­sten gar nicht oder in sehr, aber sehr bescheidenem Maß­stabe (etwa als irgendwo neben vielen anderen aufzu­stellende Büste) gesehen Hütten. Der P l a tz, den das Denk­mal in der Villa Borghese nun hat, nämlich in der Gegend ber Kinderspielplätze, der Milchwirtschaft und in der Höhe der Fahrstraße, ist aus jedem Gesichtspunkte so ungeeig­net und gesucht c i; i w ü rdi 5 erid, daß an der Ge­sinnung derer, die diesen Ort erwählt haben, um so weniger ein Zweifel sein kann, als man in Rom in derlei Dingen wahrlich geschult und feinfühlig genug ist. Zum Ueber- fluß bringt ein auf den Sinn und die künstlerischen Qua­litäten des Denkmals bezüglicher Artikel derTribuna" jüngsteii Datums soviel Malitiöses angeftrngen mit der Bemerkung, ob etwa die Inschrift auf dem DenkmalKaiser 'Wilhelm 11." besagen oder wenigstens dahingestellt sein lassen wolle, daß Wilhelm II.römischer Kais e r"^iei, daß die Stimmung eines patriotischen Deut­schen wegen des Denkmals kaum gedrückter sein kann als s ie ist. Dem Denkmal des französischen Dich­ters Victor Hugo kommen die Italiener ganz anders entgegen. Es ist ein gut Ding, wenn die Diplomaten, wie sic cs in ihren schönen Reden getan haben, nngünsttge Gesühlsdispositionen der Rationen gegeneinander im Jn- /teresse des F-riedens und der humantt-rren Ideale nach

Kräften auszstheben sich bemühen. Aber dieses Bunühen darf nicht den Erfolg haben, daß es rnißdeutet wird und das Gegenteil, dessen bewirkt, was es bezweckt. Daß die Italiener und die Romanen überhaupt mit den Deutschen und dem Deutschtum nicht spm- pathisicren, ist eine alte Erfahrung! was wie Sym­pathie aussieht, ist doch nichts anderes, als Berechrrurig des Nutzens oder freudige Genugtuung über günstige E!eschäfte. Den f^ralienern unsere kulturellen Erruiigenschaften zu em­pfehlen, habeii wir keine Ursache; sie kommen schon von selber, um sie sich möglichst zu eigen zu machen. Lassen wir uns voll Wohlwollen gegen sie leiten, so ivird uns dieses Wohlwollen nicht als solche^, sondern als Schwäche und Geschäftsknifs ausgelegt, sintemalen der Eigenart des Italieners ein derartiges Wohlwollen ganz unverständlich ist. Die Würde des Deutschen Reiches ist Politik der realen Interessen und Härte in Wahrnehmung dieser Interessen einzig angemessen.

WilhelmJordan, der greife Tichter derNibelunge", liegt irn Sterben. Aus F r a u f fu r t a. M. wird uns geschrieben: Schon seit Wochen nahmen die Kräfte zusehends ab, feit Mittwoch aber ist ein Zustand eingetreten, der eine baldige Auflösung erwarten unb jetzt auch hoffen läßt; denn das Dasein ist nur noch Qual für den Leidenden. Am Mittwoch hatte der 85 jährige zwei heftige Anfälle von Atemnot, gestern war er ruhiger. .Tie Aerzte meinen, es könne dmmer noch einige Tage dauern, bis die kraftvolle Natur ganz unterliegt.

M eisterbilder fürs deutsche Hau 5", hcraus- gegeben vom Kunstmart 16. und 17. Folge, Blatt 97108. Verlag von Georg T. W. Callwey, München. Preis jedes Blattes 25 Psg. Mit den vorliegenden Folgen legen die vom Knnst- wart IjeraitSgeg:urneu , Meisterbilder" auf den Tisch des deut­

schen Hauses ihr undcrtstes Blatt das bedeutet, von altem übrigen abgesehen, auch rein als Arbeitsleistung etwas, denn anders als ihre Nacha,,mer reprcduzieren die KuusNvart Meuicr bilder nicht ettva Bild auf Bild mechanisch in gleicher Xocue. Sie verzichten auch nicht auf das, was die meiste geistige Mru|i verlangt, auf die Texte hiurdert Texte, auch daSZvilt cii'.-uo sagen! Was gab's für ein Staunen, als vor zwei Jahren die erstenRteisterbilder" erschienen: Folioreprodukttoii.il in 1111 schlag mit Text nach den alterherrlichsten Werten der giiamica bildenden Kun ft jedes Stück einzeln käuflich für jage uno schreibe fünfundzwanzig Pfennige! Tie Meuurbiioer sind mit Begeisterung begrüßt worden. Tann tarnen a:;cb andere Leute dahinter, dai; d.e bisherigen Bilderpreise zu hvai ie.cn eine neue billige Bilderpubttkation ähnlicher Art folgte in nm liebem Wettbewerb der anderen, unser ganzer Kuw'.verlag ) ch-n sich auf neue Preise einrichten zn wollen. Tcr Kunstmart aoe. verlangsamte das Tempo tm Erscheinen derMetstervuoer, um mitVorzugsdruaen" undKünstler-Mappen' feine po^u- larisierungs-Arbeit zugleich zu ergänzen und auszudehnen.

die neuenMeisterbilder", die er herausgab, ze.gten, daß e. von der Unterstützung seines UnternelMens durea ben lerroüJ Nutzen zog: Lichtdrucke und Drucke mit mchrerut Platten U'urm- eingesührt. Blatt 108 ist nun das neueste, es wewcit tyn immer noch weitere folgen. Die 17. Folge enthält: .

Rembrandt, Hettdrickje Stoffels. 98. E ra na d), er y- > Hieronymus. 99. H o l b e i n d. I., Bildnis eines alteren .^rri.. 100. Rembrandt 'Selbstbildnis von 16u8. 101/102. X u ' Himmelfahrt der Maria und Teil daraus. 2/tc 18- ttolg hält: Blatt 103. Hans Thoma, Endymton. 104. L.stao , Die Künstlerwerkstatt. 105. van Dyck, Sog. van der u.ia- 106. Mttri11 o, Tie unbefleckte Empfängnis. 107/ Wb. L a i- £ o r r a i n ,Ter Morgen" undDer Abend".

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Paris, 23. Juni. Die G a 11 in Em i le Z o 1 ad bat bu gesamten Werte ihres Mannes der Nattonal-Bibl thek zum Geschenk gemacht.