Ausgabe 
24.5.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Veranstaltung eines Karussells zur Verfügung gestellt habe. Im KriegSminifterium wird jede Auskunft über diesen Vorfall verweigert.

Kirche und Schule.

Königsbergi. Pr., 23. Mai. Zu der vom 23. bis 26. Mai hier tagenden Deutschen Lehrerversammlung sind gegen 4000 Teilnehmer aus ganz Deutschland hier eingetroffen. Nach verschiedenen im Laufe des heutigen Tages abgehaltenen Vor- und Nebenversammlungen fand abends eine allgemeine Be­grüßungsversammlung statt, bei der mehrere Ansprachen gehalten wurden. Der Lehrergesangvercin trug eine Reihe von Liedern vor. Ter Vorsitzende schloß die stark besuchte Versammlung mit einem Doch auf das gesamte Deutschland.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 24. Mai 1904.

** PostauSweiSkarten. Um dem Publikum den Ausweis beim Empfange von Postsendungen zu erleichtern, sind die Postämter versuchsweise ermächtigt worden, vom 1. Juni ab für den inneren deutschen Verkehr Postausweis­karten auszugeben, die als vollgiltiger Ausweis nicht nur an den Postschaltern, sondern auch gegenüber dem Postbestell- ,personal dienen sollen. Bei der Abtragung von Post­anweisungen, sowie von Wert- und Einschreibsend­ungen an einen dem bestellenden Boten unbekannten Empfänger, der sich durch Vorlegung einer PostausweiS- karte auSweisen kann, bedarf es daher der sonst, vorge­schriebenen Bürgschaftsleistung durch den Gastwirt oder eine andere bekannte Person nicht. Die PostauSweiskarten haben eine Photographie, eine kurze Personalbeschreibung und ibte eigenhändige Unterschrift deS Inhabers zu enthalten. Für ihre Ausstellung ist eine Schreibgebühr von 50 Pfg. zu ent­richten. Anträge auf Ausstellung sind an diejenige Post­anstalt, welcher die Wohnung des Antragstellers zugeteilt ist, persönlich unter Vorlegung einer unaufgezogenen, nicht zu dunklen Photographie in Visitformat zu richten. Der Post­anstalt unbekannte Personen haben sich durch eine andere Person oder in sonst zuverlässiger Art auszuweisen. Post- ausweiSkarten sind ein Jahr, vom Tage der Ausstellung ab gerechnet, giltig. Postausweiskarten, während deren Giltig­keitsdauer im Aussehen des Inhabers solche Aenderungen eintreten, daß die Photographie oder die Personalbeschreibung nicht mehr zutreffen, müssen schon vor Ablauf der Frist er­neuert werden. Der Inhaber einer Postausweiskarte ist für alle Nachteile verantwortlich, die aus dem Verlust oder der mißbräuchlichen Benutzung der Karte entstehen.

** Das Ehrenwart-Diplom deS Deutschen Flottenvereins haben neuerdings u. a. erhalten: Dekan Ellenberger-Ortenberg,Lademeister-DiätarGeorgEscher-Hungen, Kreisamtsgehilfe Freundlieb-AlSfeld, Telegraphist Hof-Klein­linden, Zimmermeister Heinrich Kieffer-Langgöns, Rentmeister Kissel-Bad Nauheim, Kreisschulinspektor Kleinschmidt-Gießen, Oberförster Klingelhöffer-Gedern, Stationsvorsteher Köllner- Lollar, Pfarrer Kullmann-Altenschlirf, Oberförster Ohl-Ober- roßbach bei Friedberg, Oberamtsrichter Römheld-Nidda, Hilfsgerichtsschreiber Ruppel-Friedberg, Oberlehrer Storch- Butzbach, Lehrer Stöhn-Londorf, Medizinalrat Dr. Vogt- Butzbach, Pfarrer Weber-Londorf, Bürgermeister Zimmer- Grünberg.

Der Landesverband deS DeutschenFlotten- VereinS für das Großherzogtum Hessen wird, wie wir hören, am 5. Juni im Hotel Trapp zu Friedberg i. O. seine Landesversammlung abhalten. Auf der Tagesordnung steht u. a. der weitere Ausbau der Organisation des Vereins im Großherzogtum Hessen; Unsere nächsten Ziele und Aufgaben; Vortrag deS Dr. Vosberg-Rekow überDer russisch-japa­nische Krieg mit seiner Nutzanwendung für Deutschland".

+ Großen-Linden, 22. Mai. Da die hiesigen Bahnhofsverhältnisse dem starken Verkehr nicht entsprechen, hatte sich die Gemeinde vor einiger Zeit mit einer Eingabe an die Essenbahnbehörde gewandt mit der Bitte, eine ent» prechende Erweiterung des hiesigen Bahnhofs und Erbauung eines Stationshauses vorzunehmen. Vor einigen Tagen gelangte die Beantwortung der Eingabe an die Gemeinde. Der in der betreffenden Eingabe nachgesuchten Erweiterung wird die Genehmigung erteilt unter der Be­dingung, daß die Gemeinde Großen-Linden für das Gelände aufkommt. Zwischen der Gemeinde und den Eigentümern der in Betracht kommenden, an den Bahnhof grenzenden Grund­stücken sind bereits Verhandlungen gepflogen worden und so­weit, wie man hört, einem befriedigenden Abschlüsse nahe.

c. Garbenteich, 20. Mai. In den hiesigen Gesang- Vereinen herrscht seit zwei Jahren in Veranstaltung von Sängerfesten eine außerordentlich rege Tätigkeit. Im Jahre 1902 feierte der Gesangverein Frohsinn sein 25jähriges Stiftungsfest und im Jahre 1903 der Verein Liederblüte sein bjähriges Stiftungsfest mit Fahnenweihe. In diesem Jahre feiert auch der Gesangverein Vikloria, wie wir schon mit- teilten, sein 25jähriges Stiftungsfest und sein 20jähriges Fahnenjubiläum. Eine große Anzahl der auswärtigen ge­ladenen Vereine hat schon Beteiligung zugesagt, insbesondere die der benachbarten Orte.

g. Nieder-Mockstadt, 20. Mai. Heute nachmittag brach in dem Anwesen der Witwe Lotz Feuer aus. Scheuer und Stallungen wurden ein Raub der Flammen.

g. BücheS, 23. Mai. Im Güterschuppen der hiesigen Eisenbahn-Haltestelle brach Feuer aus. Der Schuppen brannte vollständig nieder. Das Stations­gebäude ist stark beschädigt. Die im Schuppen lagern­den Güter sind mitverbrannt.

g. Unterschmitten, 23. Mai. In der Nidda fand man die Leiche der Witwe Friedrich Uhl von hier. Es liegt Selbstmord vor. Die Tote hinterläßt 8 Kinder, von denen noch 4 unmündig sind.

g. Eckartshause n, 23. Mai. Der auf Hof Marien­born beschäftigte galizische Arbeiter Marcin Mojcik ver­letzte einen Mitarbeiter nach einem kurzen Wortwechsel derart mit einer Hacke, daß dessen Unterbringung in das Mathildenhospital zu Büdingen erfolgen mußte.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In derHofgeismarer Ztg." zeigt ein Stellenvermittler an:Für Schützen- und sonstige Sommer- feste empfehle ich den Herren Restaurateuren zu jed. Z. tüch­tige, chice Kellnerinnen, welche nach Wunsch mit oder ohne Kostüm bedienen." DerOberh. Ztg." in Mar­

burg wird aus Bürgeln geschrieben:Im Restaurant ChausseehauS zeigte em Taubenfreund den Gästen eine von ihm gekaufte schöne Taube, die er in seiner Tasche hatte. Wie erstaunte er aber, als das Tierchen dort ein Ei zurück­gelassen hatte." Sollte es nicht etwas anderes gewesen sein?, fragt der Kladderadatsch. In der in Dillenburg er­scheinendenZeitung für das Dilltal" wurde jüngst unter Kreistagsbeschlüssen überAbnahme der Rechnungen der Zahl- und Markenstellen der Kreisschweine -Versicherung pro 1903" berichtet. Daß der Dillkreis seine besonderen Kreisschweine" hat, war uns etwas Neues. Aber man hat ja bekanntlich in der Alsfelder Gegend früherKreis­raben" gehabt, zum Unterschiede von den in der Stadt selber hausenden Gemeinderaben. Der Mainzer Verlagsbuch­händler Franz Xaver Kirchheim ist in München im 36. Lebensjahre infolge eines Leberleidens gestorben. In Mainz hat sich der Unteroffizier Mogge von der 5. Kompagnie des 88. Infanterie-Regiments erschossen. Ursache deS Selbstmordes ist eine gegen den Unteroffizier ein» geleitete schwere Disziplinaruntersuchung. Er hatte einen schriftlichen Befehl eines Vorgesetzten zerrissen und die Fetzen demselben vor die Füße geworfen.

Vermachtes.

* et}, 23. Mai. In Sillegny. 14 Kilometer südlich von U n alu cksfall ereignet. Als die Schulender aus der Schule von Metz, an der Seille, hat sich am Samstag ein schrecklicher gingen, stürzte, 20 Meter weit von dieser entfernt, ein altes Gebäude ein und begrub eine Anzahl der Kinder unter feinen Trümmern. 6 kleine Mädchen von 67 Jahren sind als Leichen hervorgezogen worden. Heute mittag fand die Be­erdigung statt. Tie 80 jährige Mutter des Pastors eines Nachbar- ortes, die das Haus bewohnte, ist unversehrt geblieben.

St. Denis, 22. Mai. Der deutsche Neichskommissar Leh- wald veranstaltete im deutschen Hause einen Festball aus Anlaß des Besuches des Fräuleins Ali ee Roosevelt.

* Pfing st Unglücksfälle in den Sergen. Der Wiener Buchhalter Walter Kuhn fand auf der Rax-Alpe und ein junger Tourist in Mazocha in Mähren durch Absturz den Tod. Die beiden Söhne des Mechanikers Prinz aus Innsbruck stürzten beim Alpenblumensuchen vom B r a n d j o ch ab. Einer blieb tot liegen. Ferner stürzte ein bis jetzt noch unbekannter junger Tourist in Mazocha in Mähren ab. Da der Zugang Aur Absturzstelle sehr schwierig ist, kann die Leiche erst in den nächsten Tagen geborgen werden.

* 3cnntj Groß, die verstorbene Berliner Bühnengröße, hat, wie wir schon mitteilten, glückliche Erben hinterlassen. Wenn man Menschen als glücklich zu bettachten hat, denen ein Nachlaß von achthunderttausend Mark in bar, einer halben Million in Juwelen und einer märchenhaft ausgestatteten Villa in Ischl in oen Schoß fällt. Wie ein armes Waisenmädchen erscheint einem dagegen Rita Leon, eine Schauspielerin, die sich am Residenz­theater in Berlin einer kurzen Berühmtheit erfreute, da sie als Dame de chez Maxim" eine ausgelassene Rolle mit outrierter Eljantantgrciäie verkörperte. Ihr Name ist jetzt in aller Munde, sie rst die traurige Heldin des Tages in der Reichshauptstadt. Ihr Freund" Alfons Röhll hat sich und ein altes, ehrwürdiges Berliner Geschäftshaus, dessen Teilhaber er war, ihretwegen ruiniert Die hundert Jahre alte, solide Firma C. H. Röhll wird in Konkurs gehen, weil ihr der flüchtige Sohn Alfons ungeheure Wechselverpflichtungen auferlegt, weit über eine Million. Ritachen ist verschwunden sie soll augenblicklich das Pariser Leben studieren; es wird ihr wenig Neues bieten, der gute Alfons !L?erschwunden, und nun verschwindet auch die Firma C. H. Röhll. Alle bie Millionen, welche der leichtsinnige junge Mann der Dame seines Herzens gespendet, sind zerflossen. Sie, die nicht mit ihren Gunstbezeugungeu sparte, tat dies auch nicht mit dem schnöden Mammon. Was der Vater in langen Jahren harter Arbeit an Sorten und Knöpfen verdiente, verschwendet in knapp einem Dezennium der leichtfertige Sohn. Mles zerfließt! Fräulein Rita hat sich mit Erfolg bemüht, den alten Herallit zu Ehren zu bringen, und bei ihrem Galan war nichts dauernd als der Wechsel, den er nicht einlöste. <

Kunst und Wissenschaft.

_Andreas Kraft" ist der Tttel eines breiartigen Dramas, das der zurzeit in Paris lebende hessische Dichter Wil­helm Holzamer, der Verfasser der RomaneInge",Peter Rockler" u. a. m., vollendet hat. Die Gestalt des Helden, eines alten Lehrers, ist denen, die Holzamers Romane kennen, vertraut. Das Stück behandelt den Kampf zwischen Schule und Kirche in der sogenanntenReaktionszeit". Es ist nicht uninteressant, daß der Dichter in dem Drama einen Konflikt verwertet, der sich in seiner eigenen Familie abaespielt hat.

Stuttgart, 21. Mai. Heute starb hier im Alter von 64 Jahren Professor Adolf Müller-Palm, der lange Jahre Chefredakteur des Stuttgarter Neuen Tage­blatts war.

Spielplan der Vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Mittwoch den 25. Mai *):Rigoletto." Donnerstag den 26. Mai:Fidelio." Freitag den 27. Mai:Der Bundschuh." Samstag den 28. Mai geschloffen. Sonntag den 29. Mai: 1Der Bundschuh." Montag den 30. Mai geschloffen.

Schauspielhaus.

Mittwoch den 25. Mai *):Alt-Heidelberg." Donnerstag den 26. Mai:Nathan der Weise." Freitag den 27. Mai: Flachsinann als Erzieher." Samstag den 28. Mai: Neu em= studiert:Julius Cäsar." Sonntag den 29. Mai:Julius Cäsar." Montag den 30. Mai:Alt-Frankfurt."

) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Hlniversttäts-Wachrichten.

Der ordentliche Professor für Gebuttshilfe und Gynäko­logie und Direktor der Frauenllinik an der Universität Frei­burg i. Br. Geh. Rat 2. Klasse Dr. Alfred H e g ar ist unter Enthebung von feiner Stelle als Kreisoberhebearzt und als Heb­ammenlehrer auf fein Ansuchen auf 1. Oktober unter Ernennung z-um Geh. Rat 1. Klasse (Excellenz) in den Ruhestand versetzt worden. Geboren 1830 zu Darmstadt, studierte Hegar in Gießen, Heidelberg, Berlin und Wien. Dann wirkte er als Arzt in Darm­stadt. 1864 erfolgte feine Ernennung zum Professor in Freiburg.

An der Uniberfität Freiburg i. B. wurde, wie uns ein Telegramm meldet, der 2000. Student immatrikuliert. 1885 hatte Freiburg zum erstenmal taufend Studenten und 1898 fünfzehnhundert.

Landwirtschaft.

Berlin, 20. Mai. In den Bemerkungen derStattst. zum Saatenstand in Preußen Mitte Mai heißt es: Obgleich Nachtfröste wohl feinen Schaden verursacht hätten, habe doch die ungünstige Witterung in manchen Gegenden eine gedeih­liche Weiterentwicklung der Winter Halmfrüchte und teils auch der Futtergewächse noch nicht zugelassen. Früh eingefäte Sommer­halmfrüchte wurden hier und da gelb und spitz. Auch begännen sie zu faulen. In den meisten Berichten werde über starke Ver­unkrautung durch Hederich gellagt. An tierischen Schädlingen seien in allen Landesteilen Drahtwürmer, in manchen Gegenden auch Maden und Schnecken, weniger Mäuse aufgetreten. Seien die Auswinterungen einesteils infolge der vielen Feuchtigkeit, dann aber mit Nachhilfe von Kunstdünger und weiter durch Eindrillen von Sornrnersrucht ausgeheilt worden, würden andemteils nach

Meinung einer kleinen Anzahl von Vertrauensmännern hier und da doch allzu lückige Kleeschläge noch umgepflügt werden müssen. Der Stand der Winterfrüchte entspreche jetzt zwar noch nicht den nach der günstigen Turchwinterung gehegten Erwartungen, sei im allgemeinen aber doch befriedigend. Bei Futterpflanzen, besonders bei Klee und Wiesen, zeige sich größerer Fortschritt als bei den Halmfrüchten. Infolge der ungünstigen Witterung habe die Bestellung der Sommereinsaat vielerorten noch nicht zu Ende geführt werden können. Ans mehreren Landesteilen, "besonders den westlichen, werde über gute Aussichten auf die Obst­ernte berichtet.

München, 23. Mai. Nach dem amtlichen bayerischen Saateustangsbericht für Mitte Mai ist der Stand der Winter s a a t e u d u r ch w e a g u t. zum Teil sehr gut. Der Durch­schnittsstand beträgt für: Winterweizen 1,71; Sommerweizen 1,98 Winterspelz 1,66; Winterroggen 1,57 ; Sommerroggen 1,88; Som­mergerste 1.82; Hafer 1,87; Raps 1,84; Kartoffeln 2,00; Klee 1,75; Luzerne 1,69; Wiesen 1,59; Hopfen 1,95.

KerichtüsaaL.

Mainz, 20. Mai. Vor brr hiesigen Strafkammer spielte sich gestern und heute ein Aufsehen erregender Prozeß gegen f e d) § Wein-Kommissionäre ab, die angeklagt waren, längere Jahre hindurch Trester und überstreckten Wein in Rheinhessen autgefanit und hauptsächlich an die Firma Oppen­heimer Söhne und auch an andere Leute weiter verkauft zu haben. In der Sache selbst mürben etwa 100 Zeugen vernommen, und heute nachmittag das Urteil gesprochen. Es lautet: (Seger Cäcilie Heumann in Guntersblum auf drei Wochen Gefängnis, Julius Heumann aus Guntersblum auf 500 Mk., Hermann Koppel aus Sprendlingen 1 Monat Gefängnis, 1000 Mk. Geldstrafe, Hermann Feist aus Sprendlingen 1 Monat Gefängnis, 1000 Mk. Strafe, Simon Vollner aus Kallstadt (Bayern) 2 Wochen Gefängnis, 100 Mk. Strafe, und Marie Koppel in Bingen zu einer Geld­strafe.

Mühlhausen, 21. Mai. Tas Kriegsgericht verurteilte einen S o l d a t e n des 112. Infanterie - Regiment wegen Ma­jestäts-Beleidigung anläßlich des Kaisers-Besuchs im Elsaß zu 7 Monat en Gefä nguis

Hamburg, 21. Mai. Der vor Jahren von der Strafkain» mer II unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Riecke wegen Sittenvergehens zu zwei Jahren und drei Monaten Zucht­haus verurteilte Geschäftsführer Joh. Georg Fr. Steinhardt hat, nachdem er aus dem Zuchthause entlassen, dem Landgerichts- direktor Dr. Riecke, den er auf der Wandsbecker Chauffe traf, einen Faust schlag ins Gesicht versetzt mit den Worten: Mein Name ist Steinhardt, Sie haben mich tief unglücklich gemacht!" Wegen dieses tätlichen Angriffs wurde Steinhardt von der Strafkammer IV zu vier Monaten Gefängnis verur­teilt. Der Staatsanwalt hatte eine sechsmonatliche Gefängnisstrafe beantragt.

Budapest, 21. Mai. Der Reichsrats>Abg. Ves- zelovsky wurde wegen Aufreizung gegen bie ungarische Nation zu einem Jahre Gefängnis, 1000 Kronen Geld- strafe und zu den Kosten verurteilt.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 21. Mai 1904.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Jndusttie, Gießen.) Privat-Diskont 3% Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Kredit .... 201.50 201.62

Deutsche Bank . . . 219.25 219.12

Darmstädter Bank . . 136.50 136.70

Bochumer Guß . . . 191.75 191.75

Harpener Bergbau . . 199.30 199.75

Tendenz: Fest.

Fahrradindustrie. Wir haben mitgeteilt, daß in Kassel die Fahrradindustriellen versammelt waren, um eine Preiskonven­tton herbeizuführen. Man hat sich fürs erste nicht einigen können, will aber im Juni nochmals zusammenkommen. Seinerzeit wurde, um die fühlbare Konkurrenz im Masfenkonsum zu beseittgen, von den großen Werken, wie Adler, Naumann, Dürkopp, eine Kampfmarke zum Einheitspreis von 90 Mk. für den Händler an den Markt gebracht, wodurch sich der Massenbedarf bei den großen Firmen konzentrierte. Jetzt, da der Zweck erreicht ist, die Konjunktur sich überhaupt wieder gebessert hat, will man den Preis der Kampfmarke erhöhen, da aus demselben den Firmen kaum ein Nutzen blühte. Es ist mit einiger Sicherheit zu er­warten, daß die nächste Zusammenkunft der Fahrradindustriellen zu einer Einigung führt. In dieser Aussicht schlagen die Aktien der Fahrradwerke schon jetzt eine steigende Richtung ein; so sind z. B. an der Frankfurter Börse Adler-Fahrrad-Aktien in wenigen Tagen um 5 Proz. gestiegen, Dürrkopp in der Zeit vom 18.21. Mai um 15 Proz. in die Höhe getrieben worben. Diese Aktien notieren jetzt 400 Proz., während ber Kurs zu Anfang Mai 367 stand.

Vom Kohlenkontor. Wir haben schon wiederholt und von allem Anfang an auf die Machenschaften des Kohlenkontors, hinter dem das Kohlensn^dikat steht, aufmerksam gemacht und Über dieselben gesagt, daß die Geschäftsführung zu recht schweren Be­denken Anlaß gibt. Selbst dieK. Ztg.", die doch gewiß sehr syndikatsfreundlich ist, findet es zu stark, wie das Blatt schreibt: Das Kohlenkontor müßte nach Möglichkeit dazu beitragen, in der gegenwärtigen Uebergangszeit Härten zu vermeiden, was nament­lich von der Umgrenzung des Kreises der Händler gilt. Auci müsse vermieden werden, daß unter den Abnehmern des Kontors Existenzen dadurch ausgeschaltet werden, daß man ihnen die Liefer­ung von Kohlen verweigert. Das sei in verschiedenen Fällen aucb solchen Händlern gegenüber geschehen, die sich in jahrzehntelanger Tätigkeit ausgedehnte Absatzgebiete errungen hätten. Die rücksichts­lose Ausschaltung solcher Elemente müsse bereditigte Verstimmung Hervorrufen. Auch in der Preisftellung sei Mäßigung notwendig, denn bis jetzt seien recht bettächtliche Erhöhungen gegenüber den Syndikatspreisen beliebt worden.

Märkte.

ko. Frankfurt a. M., 24. Mai. (Telegr. Orig.-Bericht der Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt­preise. Zum Verkaufe standen: 500 Ochsen, 206 aus Oest­reich, 37 Bullen, 13 aus Oestreich, 436 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oestreich, 165 Kälber, 141 Schafe und Hämmel 1205 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahl: wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 7072 Mk., 2. Qual. 6265 Mk., 3. Qual. 5860Mk.; Bullen I.Qual. 65 bis 67 Mk., 2. Qual. 62-64 Mk.; Kühe 1. Qual. 6870 Mk., 2. Qual. 6365 Mk., 3. Qual. 5961 Mk, 4. Qual. 4648 Mk., 5. Qual. 0000Mk. Kälber: I.Qual. 8788 Pfg., Lebendgewicht 51-53 Pf., 2. Qual. 8084 Pfg., Lebendgewicht 4850 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg., Schlachtgewicht 64456 Pfg., Schafe: 1. Qual. 6870 2. Qual. 6062 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 5300 Pfa^ Lebendgew. 42 Pfg., 2. Qual. 5152 Pfg., Lebendgewichl 4100 Pfg., 3. Qual. 4446 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand bedeutend; Ge- chäft bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand.

Barte, weitze Kaut, schöne» klaren Teint erhält man; Hautunrei- uigkciten, Pusteln etc. hingegen verschwinden, wascht man sich nut der unübertrefflichen Doering's Eulen-Seife, die trotz ihrer ausgezeichneten Qualität für 40 Pfg. per Stück überall erhältlich ist. 2496

7nr naarnfintrn sollte keine Mutter bei ihren Kindern, tilll naal pUüggC keine Dame und kein Herr es verfaii' inen, Obermeyers Herba Seife zu verwenden, dieselbe verbinden icher jeden Haarausfall und erzeugt einen schönen Nachwuchs, er. 50 Pf. und 1 Mk. zu haben in allen Apotheken, Droguerien und Parfümetten.