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24.5.1904 Zweites Blatt
 
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Dienstag 24. Mai 1904

154. Jahrgang

s Blatt,

Nr. 119

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Krds Siehe»

OCCTQl

Die heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.

Erscheint tSgltd) mit Ausnahme des Sonntags.

DieEiehener LamiNenblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchenllich betgelcgu Der «hesfische Landwirt' erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Universitätsdruckerei. R. Lange, Dießem

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. i Anzeiger Dießen.

z^um Papste fortgesetzt werden. Die sozialistische, streng mini­steriellePetite Rcpublique" schreibt: Vorläufig verlangen wir nichts weiter, diese Maßnahme wird durch Kündigung des Konkordates vervollständigt werden.

DerPopolo Nomano" erklärt, er ser in der Lage, folgendes zu versichern: Erstens, die Meldung, der Staatssekretär Merry del Val hätte dem Botschafter Nisard Erläuterungen über den Satz gegeben, der sich in der an die katholischen Machte autzn F-raukreich geschickten Note befand, gibt weder der Form noch zum Teil inhaltlich die Besprechung Zwischen Nisard und Merry del Val zutreffend wieder; zweitens, die Behauptung, Merry del Val hätte jede Antwort bezüglich der an die cmderen Mächte geschickten Note abgelehnt, ist vollständig erfunden.N>Pow Romano" sagt ferner, er könne zu^rüttsig versichern, daß bte an Frankreich und die katholischen Machte ^richtete Note nach Form und Inhalt der Note entspricht, die der verstorbene Papst Leo XIII. zur Zeit, als Rampolla Staatssekretär war, bet- bereitet, als der Besuch des Königs Viktor Emanuel in Paris und die Erwiderung desselben durch den Präsidenten Loubet tu Rom entschieden war. Das genannte päpstliche BlcM fügt hinzu, es wisse aus verläßlicher Quelle, daß Merry del Val weit ent­fernt war, eine Antwort abzulehnen, sondern nur wünschte, daß die Anfragen schriftlich emgereicht würden, und dabei versprach, daß die Antwort gleichfalls schriftlich in einer Stunde abgegeben

heftige Rippenstöße zu erteilen. ,

Ter neue Oberdefehlshader von Südwestafrika, ;

Generalleutnant v. Trotha, scheint sich ein wenig den - pomphaften Abschied des Grafen Wkldersee bei dessen Aus- < reise in China zum Vorbild genommen zu haben, indem er sich ebenfalls unter etwas ungewöhnlichen Huldig- ungen, wie Fackelzüge, Ständchen und feierlichem Kanonen­donner von seinem bisherigen Wohnort Trier verabschie­dete. Ob der General der rechte Mann sein wird, den dortigen Aufstand zu dämpfen, muß die Zukunft lehren, einfach wird seine Ausgabe auf keinen Fall sein, denn, abgesehen davon, daß ihm das Land seines zukünftigen Wirkens unbekannt ist, sollen die Hereros noch unerschüt­tert sein munkelt man doch, daß sie noch für zwei Jahre Munition besäßen! Daß die Deutschen den Hereros selbst Munition und Waffen geliefert hätten, wird jetzt aufs neue offiziös dementiert. Mit Bezug auf einen Ar­tikel derDtsch. Tagesztg." teilt dieNordd. Allg. Ztg." mit, daß nach amtlicher Auskunft seit dem 1. Januar 1898, also seit dem Bestehen amtlicher Verkaufsstellen an die Herero verkauft wurden: Im Bezirk Windhuk insgesamt nur 4 Gewehre Modell 71 und 230 Patronen, im Bezirk Okahandja 3 Gewehre Modell 71 und 348 Patronen.

Die Stichwahl in Frankfurt a. O. hat, wie er­wartet, mit dem Siege Bassermanns geendet, der 14 385 Stimmen gegen 11880 für den Sozialdemokraten Braun abgegebene erhielt. Die Stimmenzahl für Basser- mann bleibt nur um etwa 200 hinter der am 13. Mar für bürgerliche Kandidaten abgegebenen Gesamtzahl zurück; die Sozialdemokraten haben noch nahe an aOO Stim­men Zuwachs gegen die Hauptwahl erzielt, die ihnen, da sie Reserven nicht mehr gehabt haben können, aus der Zahl der Wähler des Generals v. Jagwitz zugekommen sein müssen. Immerhin ist die Gesamtzahl der sozial­demokratischen Stimmen gegen die Stichwahl des Vorjayres um nahezu 3000 (damals 14 685 Stimmen) zuruckgegcmgen, während § die bürgerlichen Stimmen (damals 14 204 für den Konservativen» sich rwch etwas vermehrt haben, em bündiger Beweis dafür, was durch zweckmäßige Auswahl des Kandidaten auf der Seite der burg^lichen ^irteien erreicht werden kann. Die. nationalliberale Reichstags- sraktion aber wird mit Genugtuung die Wiederkehr emes hochgeschätzten Mitgliedes begrüßen das besonders au sozialpolitischem Gebiete der Führer der Partei m der An­bahnung eines gerechten Ausgleiches zwifchen den Gegen­sätzen der Klassen und Stände geworden war. Gegen die Giltigkeit der Wahl wird übrigens sofort seitens der sozial­demokratischen Partei wie auch wahrscheinlich seitens der wirtschaftlichen Vereinigung Protest eingelegt werden, der angesichts ver obigen Zahl recht überflüssig erscheint.

In Straßburg- Land hat am Tage vor Psmg tm. eme Neuwahl zum Reichstage stattgefunden. Die Wahl des Demokraten Blumenthal war dort am 16. Ium IJOa mit nur sehr wenigen Stimmen Mehrheit erfolgt. Das Samstags-Resultat führt zu einer Stichwahl zwischen Blumenthal und dem Zentrumskandidaten Hautz. Wahr­scheinlich wird Blumenthal wiedergewählt werden.

Der Kampf der französischen Regierung gegen Klerikalismus und Kurie hat letzt zur Abberuf­ung des französischen Botschafters vom Vati­kan geführt. Der Papst Pius hatte gegen den unter­lassene Besuch LoubetS im Vatikan m euter scharfw Note protestiert. Das gab dem inzwischen schon etwas bruchig gewordenen Kabinett Combes eine neue Waffe m die Hand, die dieses recht kräftig zur Befestigung seiner Stellung zu gebrauchen weiß. Am Freitag vor Pfingsten begab sich der französische Botschafter am Vatikan, Nisard, zum Kar­dinal-Staatssekretär Merry del Val. Er fragte ihn, ob es Tatsache sei, daß man m der Frankreich zugestellten Protestnote einen Frankreich beleidigenden Satz unterdrückt

werden würde. _ ..

Tie Pariser Nuntiatur, deren Note die radikalen französischen Organe als eine neue Herausforder ung Frankreichs bezeichneten, erklärt imTemps", daß der Ausdruck ,,Heraus- ioäerungen" sich nicht auf die Abberufung des Botschafters Nisard, sondern lediglich auf die Auslassungen gewisser Blatter bezog. Also der Vatikan lenkt ein, so gut er es kann.

Der Wortlaut der Protestnote des Papstes ist nicht, wie man vermutete, durch den Fürsten von. Monaco bekannt geworden, son­dern, so heißt es jetzt, durch einen Polizeiagenten, der eme Abschrift genommen und diese an den Muttster des Auswärtigen gesandt hatte. Von hier wurde sie durch eine Indiskretion an die Zeitungfrumanite" befördert.

habe, der in den an die anderen katholischen i Mächte gelangten Abschriften enthalten sei. Merry del Val, der politisch höchst unerfahrene Diplomat des Heiligen Stuhles, konnte das nicht in Abrede stellen. Er sagte, er habe den Satz fortgelassen, weil er in Frank­reich anders beurteilt worden wäre, als er bei den anderen Mächten ausgenommen wurde. Der Satz sei eine Mahnung an jene gewesen, daß im Falle des Besuches katholischer Souveräne in Rom die Vertreter des heiligen Stuhles an deren Höfen würden zurückberufen werden, damit man sich nicht auf einen Präzedenzfall berufen könnte, weil Der päpstliche Nuntius Lorenzelli trotz des Besuches Lou- bets in Paris verblieben sei und nur aus formellen Grün­den seinen Posten nicht verlassen habe. Dies und nichts anderes bedeute der Satz, der in der an Frankreich ge­sandten Note nicht habe enthalten sein können, well er eine Beleidigung Frankreichs bedeute, die der Vatikan nicht beabsichtigte. Diese Erklärung hat die französische Regierung veranlaßt, Herrn Nisard den Befehl zu erteilen, Rom zu verlassen. N. ist bereits am Samstag abend ab gereist, und zwar ging er nicht in Urlaub, sondern ist formen abberufen. Selbst der größte Teil der französischen Oppositionspresse heißt die franz zösische Maßregel gut. Nach den jüngsten Nachrichten wird der apostolische Nuntius Lorenzelli nicht von Paris zurückberufen werden. Der Vatikan hat sich im Gegenteil zur Vermeidung jeglicher Kommentare ent­schieden, dem Nuntius den in letzter Zeit wiederholt er­betenen Urlaub nicht zu bewilligen. An dieser Stelle wenigstens verdient auch erwähnt zu werden, daß die Frage der Seligsprechung Pius' IX. demnächst zur Er­örterung kommen soll. ,

Die vom o stasiatischen Kriegsschauplatz ein­tausend en Nachrichten lassen erkennen, daß sich das dortige Bild inzwischen ein wenig geändert hat. Der Haupt­truppenkörper der Japaner ist schätzungsweise 80 000 Mann stark und hält sich im Süden der russischen Streitmacht, die Liaujang deckt. Die Japaner unterbrachen an­scheinend ihren Vormarsch. Die russischen Truppen nehmen von Tag zu Tag an Zahl zu, ihre Positionen werden stärker. Vielleicht hindert der kürzlich Niederge­gangene Regen die Bewegung der japanischen Artillerie und verursacht einen vorübergehenden Ausenthalt. Doch ist der japanische Rückzug nach Föngwantschön keineswegs als eine entscheidende Wendung anzusehen. Mög­lich, daß die Japaner, wie schon einmal wah­rend des Feldzuges, nochmals ihren allgemeinen Plan ändern werden, weil auch Kuropatkin augen­scheinlich andere Ideen verfolgt als noch vor kurzem : Möglich auch, daß die Rückwärtsbewegungen der Japaner - dahin zu denken sind, daß die Japaner die Stellung Kuro- patkins bei Liaujang als zu stark ansehen. Von anderer - Seite kommt die Meldung, die Japaner drängen angeblich von Osten nach Liaujang vor. Ferner soll eme 1 «Panische Streitmacht nach Mukden vorrücken mit der augenschein­lichen Ansicht, den Russen den Rückzug abzuschneiden.

Zur See sind die Japaner jedenfalls nchh. tote vor be­müht, Port Arthur zu zernieren. Doch dort tritt die russische Torpedo-Flotte jetzt wieder außerhalb des Hafens, der nicht mehr blockiert ist, aktiv auf. Die japani­schen Truppen befestigen die Hügel zwischen den Buch­en von Talienwan und Kintschou. eie stellen zahl­reiche Schnellfeuergeschütze auf und errichten Verschanz­ungen mit Sandsäcken, um einem etwaigen Ausfall der Garnison von Port Arthur zu begegnen. Nach den schweren Unglückssällen, die sie in der letzten Woche dort erlitten haben, machen sie sich auf alle möglichen kühnen russischen Lxmdstreicbe gefaßt. Nachdem ihr AvisoMijako" durch eine Mine zerstört worden war, wiederholte sich das gleiche Mißgeschick in verstärktem Maße. Beim Kreuzen vor Port Arthur stieß der KreuzerKassuga" infolge dichten Nebels, dieses gefährlichen Fenides der Seeleute, gegen den KreuzerJaschina", der in wenigen Minuten mit dem größten Teil der Besatzung versank. Ein ähnliches Schick- al, wie es seiner Zeit demPetropawlawsk" beschieden war, ereilte am nämlichen Tage das PanzerschiffHatsuse , das,-auf eine feindliche Mine stoßend, ebenfalls in kurzer Frist unterging. Die Mine soll, wie jetzt die Japaner be­haupten, 10 Meilen von der Küste entfernt das Pauzerschif vernichtet haben. Wenn das wahr ist, dann wäre die Schiff­fahrt auch für neutrale Schiffe gefährlich und em Protest der Mächte berechtigt. Diese schweren Unglücksfalle werden zwar die kampflustigen Japaner in ihrer energischen Krieg­führung kaum hindern, scheinen aber andererseits geeignet zu sein, den «tut der Russen zu heben und ihnen Selbst­vertrauen wiederzugeben. Am 20. d. M. haben japanische Torpedobootflottillen bei Port Arthur Rekognoszierungen ausgeführt. Russischerseits wird gemeldet, daß eine Ex­plosion dabei vorgekommmen sei und ein japanischer Panzer Schaden erlitten habe. Von japanischer Seite aber wird behauptet, daß sie keine Verluste erlitten, vielmehr ihre Absicht erreicht hätten. In Korea nimmt der TYphus einen bedeutenden Umfang an.

Politische Wochenschau.

Gießen, 24. Mai 1904.

Pfingsten, das Fest, das Goethe das liebliche nannte, hat diesmal ein recht trübes Gesicht gemacht. Nachdem es sich in [Der angenehmsten Weise in den ersten Tagen der vergangenen Woche angekündigt hatte, trat bald ein voller Umschlag ein, ein erheblicher Temperatursturz. Trotz­dem freute man sich der beiden Feiertage. Der Pflege des Männergefanges ist die erste Hälfte der Pfingstwoche bei uns in Gießen geweiht. Im Vorjahre feierte man zur Pfingstzeit in Frankfurt den Sängerwettstreit, dem der Kaiser mit feiner Teilnahme besonderen Glanz verlieh. Bei uns begeht man in diesen Tagen in kleinerem, aber für unsere Verhältnisse doch sehr stattlichen Kreise ein Sänger- fest, an dem mit rechter Freude und Hingabe Bürger, Handwerker und Arbeiter teilnehm em

In den Parlamenten herrscht zurzeit feierliches Schweigen. Reichstag und Landtag werden wohl ungefähr ru gleicher Zeit ihre Beratungen in der zweiten Woche des Juni beginnen. Die Etats sind glücklich zu Ende ge­führt. Im Reichstage wurden zuletzt die von der Budgetkommission zur Zucker st euer vorgeschlagenen Re­solutionen, betreffend die Besteuerung des Stärkezuckers und die Berücksichtigung derjenigen Händler, die ohne ihr Verschulden durch das Saccharingesetz Nachteile erlitten haben, erledigt. Im Zusammenhang mit dem Etat wurde ferner die lex Stengel auf Grund der Beschlüsse der Ludgetkommission angenommen und bereits im Etat ver­arbeitet. Des weiteren ist nur noch die von Hessen ausge­gangene Vorlage über die Entschädigung unschul­dig Verhafteter zu stände gekommen.

Der hessische Landtag sieht sich vor große Aus­gaben gestellt. Die wichtige Gemeinde st euerreform harrt noch ihrer Erledigung und ebenso die weittragende Wahlgesetzvorlage, für die in den letzten Wochen wieder viel Lungenkraft und Tinte aufgewendet worden ist. Besonders eifrig an der Arbeit ist die Wormser Hey ls-Armee, die keinen Tag vergehen läßt, ohne den Freunden des Regierungsentwurfs, dem Antrag Gutfleisch und allen Anhängern einer volkstümlichen Wahlreform

Politische Tagesschau.

Der Konflikt zwischen Frankreich und dem Vatikan.

Alle Pariser Blätter erörtern die Abberufung des französischen Botschafters beim Vatikan, der bereits in Paris eingetragen ist. TicRepublique ftancaise" spricht ihre Befriedigung darüber aus, daß die Abberufung durch einfachen Urlaub erfolgte. Das Hebel könne wieder gut gemacht werden; es brauche nur, so bemerkt sie mit ironischer Bitterkeit, eine Regierung ans Ruder zu kommen, die die Interessen Frankreichs wahrnehme, um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Senator Clemenceau sagt in der radikalenAurorc", im Wider,pruche zu der im letzten Ministerrate ausgegebenen Note sei der Bot­schafter Nisard nicht abberufen, sondern borbeurlaubt worden. Ministerpräsident EombeS und der Minister des Aeußern Delcasö hätten sich den Anschein gegeben, etwas zu tun, ohne daß in Wirk­lichkeit etwas geschehen sei. Die antiklerikaleLanterne" lagt, das republikanische Frankreich werde mit Entrüstung ersahren. Daß Titan es in unwürdiger Weise getäuscht habe. Die Republikaner gärten Geglaubt, der Abbruch der Beziehungen bedeute, datz nicht einmal ein Koch in der Botschaft zurüctbleiben würde, statt dessen mürben durch einen Botschaftsrat die Beziehungen Frankreichs

Daktyloskopie.

Zum ersten male spielte bei uns in dem Frankfurter Mordprozeß gegen Groß und Stafforst die aus Indien stammende Daktyloskopie (Fingerforschung) eine wichtige Rolle. Erst seit wenigen Jahren ist sie, nachdem sie von E. R. Henry zu London in ein System gebracht worden war, wissenschaftlich begründet und unter anderen auch m Oesterreich-Ungarn und Preußen eingeführt worden, um da§ Bertillonsche System (die sog. Anthropometrie) zu ersetzen, das darauf beruht, daß genaue Messungen aller Körperteile es ermöglichen, einen Verbrecher auch nach Jahren wieder zu erkennen, sollte er sich auch, wie derSchulmeister" in Eugen SuesGeheimnissen von Paris", durch Einreibungen mit Vitriol 2C. seine Gesichtszuge bis zur Unkenntlichkeit ver­unstaltet haben.

Die Daktyloskopie gründet sich auf die Erfahrung, daß die Fingerspitzen und deren Eindrücke niemals bei zwei Personen vollständig übereinstimmen. Dient aber das Ber- tillon'sche System nur zur Wiedererkennung eines Verbrechers, so' hat das neue System den Vorzug, daß es auch zur Er­mittelung der Täterschaft die wertvollsten Dienste leistet, wie dies auch die Frankfurter Schwurgerichtsverhandlung gezeigt hat. Denn aus dem Gutachten des Sachverständigen ergab sich, daß sich am Umlegekragen beS ermordeten B. Lichten­stein auf der linken vorderen Ecke eine blutige Fingerspur vorfand, die darauf hinwies, daß jemand den Getöteten von oben her, wahrscheinlich in gebückter Stellung, am Hals ge­würgt hatte, mit den Zeichnungen und Linien an den Finger­spitzen des Br. Groß, die von denen des Stafforst ganz ver­schieden sind, genau übereinstimmt, so daß also Groß zweifellos berjenige war, welcher dem B. Lichtenstein den Rest gegeben hat. Ebenso waren aus den blutigen Fingerabdrücken, welche an den im Kassen­schrank liegenden Papieren wahrzunehmen waren, sichere Schlüsse auf die Täterschaft der beiden Angeklagten zu ziehen.

Es ist somit die Daktyloskopie in doppelter Hinsicht für die Strafrechtpflege von großer Bedeutung, und mögen die Verbrecher auch mit der größten Verwegenheit und Schlau­heit zu Werk gehen, so mag es uns immerhin zur Beruhigung gereichen, daß die Wissenschaft doch stets neue Wege auf- schließt, um die Schuldigen den sühnenden Händen der Justiz zu überliefern.

Aer Ausstand in Aentsch-SüdrvestasriLa.

Berlin, 21. Mai. Gouverneur Leutwein meldet nachträglich anläßlich der ihm jetzt zugegangenen Zeitungen, daß er am 9. April bei Onganchira und am 13. April ' bei Owiumbo nicht gegen denselben Feind gefochten hat. Im ersten Gefechte hat er den Oberhäuptling Samuel . geschlagen. An dessen Verfolgung wurde er durch ; die Streitkräfte des Häuptlings Kajata, die in seiner Flanke standen, gehindert. Sie mußten zunächst ! am 13. April angegriffen werden.

parlamentarisches.

Straßburg, 21. Mai. Bei der heutigen Reichs­tagsersatzwahl im Kreise Straßburg-Land erhielten das Lanbcsausschußmitglied Rechtsanwalt Blumenthal (Demo­krat), Kandidat der Liberalen und Demokraten, der bisherige Vertreter, 7 85 5 Stimmen, das Landesausschußmitglied Redakteur Hauß (klerikal) 8243 Stimmen, der Schreiner Laurent Meyer (Sozialist) 1487 Stimmen. Zwischen Blumen- thal unb Hauß findet S t i ch w a h l statt.

«Heer unö Ilotte.

Paris, 21. Mai. Aus Nantes wird berichtet, daß der Kriegsminister den kommandierenden General des 11. Armeekorps, Grisot, mit zwanzigtägigem Stuben­arrest bestraft habe, weil derselbe ohne ministerielle Ermäch­tigung dem regierungsfeindlichen Gemeinderat von Nantes anläßlich eines Festes der Unterstützungsvereine Dragoner zur