Ausgabe 
24.5.1904 Erstes Blatt
 
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Verantwortung, die wir freiwillig übernommen hatten, und umso fester wurden wir in dem Entschluß, den guten Ruf unseres lieben Gießen als bewährte Stätte festlicher Veranstaltungen zu er­halten und zu mehren. Derr Domberger gedachte dann der treuen Mitarbeiterschaft aller Komiteemitglieder, insbesondere auch des festgebenden Vereins und der übrigen Gießener Vereine, auch des Wohlwollens der Behörden, denen er sämtlich namens des aeschästs- führenden Ausschusses seinen Dank aussprach. Er gedachte ferner des Landesherrn, der es sich nicht habe nehmen lassen, der Ver­anstaltung durch eine hochwillkommene Stiftung den besten Glanz zu verleihen. Man habe auch weiter dessen eingedenk zu sein, wie S. M. der Kaiser jüngst dem Münnergesang sein Interesse zugewandt habe, und so eröffnete Derr Domberger das Fest mit einem Doch auf den Kaiser und den Großherzog, das begeisterten Widerhall fand.

An der Spitze der Gesänge des Abends stand ein kleiner, aber wirkungsvoller ChorFest grüß", komponiert vom Dirigenten des festgebenden Vereins, Wigand Gern­hardt. Von den weiteren Gesängen des Vereins seien noch hervorgehoben:Das erste Lied" von Jean Pauli und das ewig schöne VolksliedIn einem kühlen Grunde." In letzterem zeigten besonders bi<Tenöre mit ihrem weichen und biegsamen Falsett, daß sie in guter Schule sind. Der Dirigent zeigte in allen Chören, daß er ein hohes Können und künstlerisches Wollen in sich birgt. Alle vorgetragenen Gesänge fanden bei den Zuhörern warme Aufnahme. Eine Fahnenschleife, gestiftet von den Damen des Maschinen­bauer-Gesangvereins, überreichte Fräulein Frank mit einigen sinnigen Worten.

Ferner überbrachte der Vorsitzende der GesellschaftCon­cordia" die besten Glückwünsche und überreichte gleichzeitig einen Fahnennagel, worauf Herr Benk im Namen des Maschinenbauer-Gesangvereins seinen besten Dank sagte.

Weitere Gaben gingen noch ein: Vom Männer­gesangverein Bierstadt (Pokal) und vom Mitglied des fest­gebenden Vereins, Herrn Jean Carlö (ein Fahnennagel).

Dann wurden noch drei Gründer des Vereins durch Ueberreichung von Ehrentafeln ausgezeichnet.

Noch lange nach Schluß des ofsiziellen Teiles konnte man viele Festteilnehmer in animierter Stimmung beieinander sehen.

Am Pfingstsonntag, als um 8 Uhr abends in der Festhalle die vereinigten Gießener Gesangvereine unter der Leitung des Herrn Franz Bauer sangen, war das Wetter günstig, und der Andrang zu der übrigens außer­ordentlich stattlichen und mit ihren blühenden Kastanien­bäumen sehr gastlich anheimelnden Festhalle so groß, daß alle Plätze besetzt waren und durch die Gänge nicht mehr hindurch zu kommen war. Mit einer Ouvertüre zuRosa­munde" von Schubert eröffnete die Militärkapelle unter Musik­direktor Krauße sehr hübsch die Vorträge. Sehr still wurde es in der Halle, als der Begrüßungschor für den nationalen Gesangswettstreit, betitelt:Das deutsche Lied, kompo­niert von Herrn W. Gernhardt, vom festgebenden Verein unter deffen Direktion vorgetragen, ertönte. Schon tags zu­vor zeigte uns der Dirigent, daß er ein vorzüglicher Musiker ist, doch mit seinemDeutschen Lied" übertraf er die Er­wartung aller. Viele gute Ideen, verbunden mit einer effekt­vollen Orchesterbegleitung, sichern dem Werk eine Zukunft. Ganz besonders dürfte sich dieses Opus als Massenchor eignen. Doch auch die kleine Sängerschar von ea. 45 Mann tat ihre volle Schuldigkeit. Allerdings dominierte an manchen Stellen das Orchester etwas zu sehr, so daß vom Chor viel verloren ging. Wir wünschen Herrn Gernhardt von Herzen, daß sein Deutsches Lied" bald in alle Welt hinaus töne. Von den vereinigten Gießener Gesangvereinen wurde dann unter Leitung des Herrn Franz BauerSchäfers Sonntags­lied" undDer frohe Wandersmann" in schöner Weise zu Gehör gebracht.

Mit dem Terzett und Chor ausElias" brachte die Musik dann eine angenehme Abwechslung. Die hierauf folgenden Volkslieder:Der Schweizer" undDer Soldat" wirkten auf die Zuhörer wahrhaft erquickend. Man sah so recht an dem stürmischen Beifall, daß ein schön vor­getragenes Volkslied von jedermann gern gehört wird.

Besondere Anerkennung verdient unsere Regimentsmusik mit der tadellosen Wiedergabe derWalküren-Fantasie". Den Glanzpunkt de§ Abends bildete unstreitigFriedrich Roth bart" für Männerchor mit Orchesterbegleitung. Mit Wucht und Begeisterung wurde der Chor von den vereinigten Gießener Gesangvereinen gesungen und mit großen, Beifall wurden Dirigent und Sänger überschüttet, sodaß sich Herr Bauer zu einer Wiederholung des Werkes veranlaßt sah. Mit der Aufführung der Massenchöre hat sich Herr Franz Bauer ein großes Verdienst erworben, denn es ist ein schwieriges Unternehmen, in knapp vier Wochen mit ca. 150 Sängern solche Werke einzustudieren. Daß es Herrn Bauer gelang, diese Schwierigkeiten zu überwinden, dafür zeugte die gute Wiedergabe der Chöre. Schade, daß an manchen Stellen durch die Unachtsamkeit einzelner Sänger, die wahr­scheinlich in den Proben fehlten, die Wirkung etwas beein­trächtigt wurde.

Damit war das Programm erledigt. Aber die Festes­stimmung dauerte bis in die späte Nacht hinein fort.

Am zweiten Pfingsttag versammelten sich schon in aller Feiertagsfrllh die Vertreter des Musik-, Gesangs- und Vergnügungs-Ausschusses, um mit der Feuerwehrkapelle an der Spitze die Gießener aus den Federn zu trommeln in des Wortes ureigenster Bedeutung. Von West-Anlage, Schanzen­straße, Bahnhofstraße, Markt gings weiter bis in die Walltor­straße, über Braugasse, Brand, Kanzleiberg, Sonnenstraße, Schulstraße, Markt nach der Mäusburg, Kreuz, Neuenweg, Gartenstraße, Löberstraße, Bleichstraße, dann durch Süd- Anlage, Plockstraße, Seltersweg, West-Anlage, Bahnhofstraße, Neustadt nach dem Festplatz. Leider fehlte diesmal die so liebgewordene, altgewohnte Begleitung derWeckbuwwe" (Bäckerjungen) beim Weckruf. Wohl wegen der Feiertage. Allzu niederschmetternd schien diese Tatsache übrigens nicht zu wirken, und bei der Ankunft auf Oswaldsgarten konnte man entschieden eine echte Fest-Stimmung konstatieren.

Aehnliche Stimmung herrschte auch am Bahnhof beim Empfang der auswärtigen Vereine. Ueberall fröh­liche Gesichter. Und beim Einzug durch die Ehrenpforte in der Bahnhofstraße unterdrückte auch der jüngste Sängersmann sein Herzklopfen vor demgroßen Moment" in Steins Garten oder in der Turnhalle. Da zogen sie nun hinein ins gastliche Gießen, die Einenmit dem Preis schon m der Tasche" die Anderen mit demsüß»n Grauen, geheimen

Wehn" banger Erwartung. Aber Alle äußerlich möglichst heiter. Heiter waren auch meist die Namen der Vereine auf den flatternden Bannern:Sängerlust, Frohsinn, bis zur buchstäblichen Heiterkeit". Etwas trotzig nur leuchtete das Stark im Recht" der Ulrichsteiner durch die Morgenluft. Aber die Gesichter schimmerten friedlich, und wir wollen auch den Singvögeln vom Vogelsberg von Herzen einen Preis wünschen. Nun kamen die Namen der Musen und anderer Schönen bis zur heiligenCäcilia". Dem National­sinn gewidmet waren:Germania",Winfridia",Buchonia" u. a. m., währendHarmonie",Concordia",Eintracht" Hinweisen auf das Band der Zusammengehörigkeit. Möge sie auch nach dem Sängerkrieg ihre Schwingen breiten über denSängerhain" von Nah und Fern, die GöttinEin­tracht". AlleLiedertafeln" undLiederkränze" aber mögen das Bewußtsein mit nach Hause nehmen, daß sie in Gießens Mauern einige angenehme Tage und Stunden zu verleben Gelegenheit hatten.

Um 10 Uhr begann das Klassenwettsingen in verschiedenen Sälen der Stadt, dessen Ergebnis, wie wir an anderer Stelle berichten werden, später auf dein Festplatze verkündet wurde.

An dem Fe st zu g, der sich um 2 Uhr vom Walltor aus in Bewegung setzte, beteiligten sich 45 auswärtige Gesang­vereine mit ihren meist prachtvoll ausgestatteten Fahnen, zirka 20 hiesige Gesang- und sonstige Vereine. Den Zug eröff­neten dieWanderer", Gießener Radfahr-Gesellschaft, mit schön geschmückten Rädern; nach dem ersten Musikkorps folgte die Freiw. Gail'sche Feuerwehr, während die Gießener Freiw. Feuerwehr den Zug schloß. Der Festausschuß erschien in Wagen; voran das Ehrenpräsidium: Der Rektor der Landes­universität, Prof. Dr. Brauns, Regierungsrat Dr. Wagner als Vertreter der Provinzialdirektion, Oberbürgermeister Mecum als Vertreter der Stadt. Die sechs Gießener Krieger­vereinigungen hatten sich in letzter Stunde zu einem Ganzen vereinigt. Die zweite Abteilung wurde eröffnet vom Rad­fahrer-VereinGermania"-Gießen; der Verein versinnbild­lichte die Vereinigung von Ruder- und Radfahrsport in ge­lungener Weise, indem das vom Präsidenten gefahrene Rad zu einem in Flaggengala erscheinenden Schiffe ausgestattet war. Diese Grrrppe fand allgemeinen Beifall. Der Zug wurde auf dem ganzen Wege von einer dichtes Spalier bildenden Menschenmenge begrüßt, und hübsche Blumen­sträußchen, von zarter Hand gespendet, flogen den Sängern in Menge zu. Nach Ankunft auf dem Festplatze gruppierten sich die Vereine um die Musiktribüne, von der aus Ober­bürgermeister Mecum folgende Ansprache hielt:

Hochverehrte Festversammlung! Nachdem alle Teilnehmer unseres Festes, des nationalen Gesangwettstreites, jetzt an dieser Stelle sich versammelt haben, heiße ich Sie von ganzem Herzen willkommen namens der Stadt Gießen, der verschiedenen Aus­schüsse, die mit viel Fleiß und Sachkunde das Fest vorbereitet und seinen guten Verlauf gesichert haben, und namens des Maschinenbauergesangvereins, der gelegentlich seines 20. Stift­ungsfestes die Anregung zum heutigen Wettstreit gab und den gesangtechnischen Teil des Festes ordnete. Der Verein, der vor 20 Jahren von nur 15 Herren begründet wurde, ist groß und stark geworden, denn er hat sich durch eifrige Arbeit und gutes kameradschaftliches Einvernehmen seiner Mitglieder die Achtung und Zuneigung der gesamten Bürgerschaft und einen guten Ruf nach außen erworben. Er kann stolz darauf fein, daß aus seinem Stiftungsfest ein Fest der ganzen Bürgerschaft Gießens, ich möchte sagen, ein städtisches Fest geworden ist, und so viel hervor­ragende auswärtige und hiesige Gesangvereine seinem Ruf zum friedlichen Wettstreit gefolgt sind. Namens des Vereins danke ich Ihnen für Ihre zahlreiche Beteiligung an seinem Feste, und ich darf auch wohl im Namen aller, die hier versammelt sind, dem Maschinenbauer - Gesang - Verein unsere herzlichsten Glück­wünsche zu seinem Stiftungsfeste und seinen bisherigen Erfolgen aussvrechen. Wir hoffen, daß er auf der betretenen Bahn fort­fährt und die edle Sangeskunst weiter hegt und pflegt. Ist doch der Chorgesang die Kunst, die alle Menschen aller Stände und aller Orte enger zusammenschließt. An unserem heutigen Wett­streit nehmen nicht nur die, die jetzt hier beisammen sind, teil, sondern auch die Gedanken ihrer Freunde in der Heimat sind hierher gerichtet, und noch viele, uns fremde Menschen folgen dem Verlauf des Wettstreites mit großem Interesse. In diefer zu­sammenfassenden, bindenden Kraft liegt die große Bedeutung des Chorgesangs und unseres Wettstreits. Darum pflegen Sie die Sangcskunst auch ferner und stimmen Sie mit mir ein in den Ruf: der Chorgesang, der deutsche Männergesang, er lebe hoch!

Hierauf gab Herr Fr. Linker das folgende Ergebnis des Klassen wettsingens bekannt:

Klasse la. Vorgeschriebener Chor: Reiters Lieb, geb. von Rud. Dietz, komp. von Jean Pauli, sowie ein Volkslied nach freier Wahl. Bedingung: Vereine von mehr als 60 Sängern. 1. Preis mit 182 Punkten Thalia-Frankfurt a. M. Dirigent I. W. Kroppe. 2. Preis mit 159 PunktenLiederkranz"-- Kirchen. Dirigent Ludwig Kreutzer. (1. Preis: 400 Mk., Kunst­gegenstand und Ehrendiplom. 2. Preis: Kunstgegenstand und Ehrendiplom.) Beide Vereine werden zum Ehrenpreissingen zu­gelassen.

Klasse IIa. Vorgeschr. Chor: Steh fest du deutscher Eichen­wald, ged. von Karsten Runge, komp. von Edm. Parlow, sowie ein Volkslied nach freier Wahl. Bedingung: Vereine von 4059 Sängern. 1. Preis mit 198 PunktenFrohsinn"-Kassel-Wehl- heiden, Dirigent Ad. Köhler. 2. Preis mit 180 Punkten Hilda"-Wiesbaden, Dirig. Wilh. May. 3. Preis mit 135 Punkten Winfridia"-Fulda, Dirigent Maenz. (1. Preis: 250 Mk., Kunst- gegenstand und Ehrendiplom, 2. Preis: 100 Mk. und Ehren­diplom. 3. Preis: Ehrendiplom.)Frohsinn" undHilda" werden zum Ehrenpreissingen zugelassen.

Klasse Illa. Vorgeschriebener Chor: Waldfrieden, geb. von Reißhaus, komp. von Jos. Werth, sowie ein Volkslied nach freier Wahl. Bedingung: Vereine von 2039 Sängern. 1. Preis mit 167 PunktenFrohsinn"-Fechenheim, Dirigent L. Matosi. 2. Preis mit 157 PunktenCäcilia"-Lich, Dirigent W. Zimmer. 3. Vreis mit 152 PunktenLieberkranz"-Gelnhausen, Dirigent R. Knopp. 4. Preis mit 151 Punkten Gesangsabteilung des Turnvereins Dillenburg, Dirigent H. Brambach. 5. Preis mit 119 PunktenEintracht"-Hungen, Dirigent Metz. 6. Preis mit 115 PunktenLiedertafel"-Marburg, Dirigent R. Rohde. (1. Preis: 150 Mk., Kunstgegenstand und Ehrendiplom, 2. Preis: 75 Mk., Kunstaegenstand und Ehrendiplom, 3., 4., 5. Preis je ein Kunstgegenstand und Ehrendiplom, 6. Preis Ehrendiplomll Fechenbeim, Gelnhausen und Lich werden zum Ehrenpreisflngen zugelassen.

Klasse IVa. Vorgeschriebener Chor: Ein Obdach gegen Sturm, ged. von Fr. Rückert, komp. von Fritz Basolt, sowie ein Volkslied nach freier Wahl. Bedingung: Vereine von 819 Sängern. 1. Preis mit 186 PunktenLiederkranz"-Tarmstadt, Dirigent M. Stetefeld. 2. Preis mit 159 PunktenLiederluft"-- Enkheim Dirigent Dippel. 3. Preis w't 118 PunktenFroh- sinn"-Assenhcim, Dirigent Fr. Faatz. (1. Pre s: 100 Mk., Kunst­gegenstand mit Ehrendiplom, 2. Preis Kunstgegenstand mit Ehren­diplom, 3. Preis: Ehrendiplom.) Enkheim und Darmstadt singen um den Ehrenpreis.

Klasse 16. Vorgeschriebener Chor' , s ist Rosenzeit", geb. von A. Aar, komp. von Jean Pauli, sau i? ein Volkslied nach freier Wahl. Bedingung: Vereine von 35 und mehr Sängern. 1. Preis mit 198 PunktenMännergesangverein" Bierstadt, Dir. W. Kuhl. 2. Preis mit 178 PunktenHarmonie"-Rothen^mold,

Dir. A. Köhler. 3. Preis mit 148 PunktenLieberzweig". Walldorf, Dir. A. Keil. 4. Preis mit 119 PunktenGer­mania-Daaden, Dirigent O. Runkel. 5. Preis mit 104 Pktn. Sängerlust"-Dieburg, Dirigent I. Wohlfarth. 6. PreisGer­mania-Lollar, Dirigent Th. Kümmel. (Preise: 1. 200 Mk., Kunstgegenstand und Ehrendiplom, 2. 75 Mk., Kunstgegenstond und Ehrendiplom, 3., 4., 5. Preis Kunstgegenstand und Ehren­diplom, 6. Preis Lobende Erwähnung und Ehrendiplom.

Klasse II b. Vorgeschr-ebener Cl'or:Zwei Blümlein", geb. von B. Scholz, komp. von Jean Pauli, sowie ein Volkslied nach freier Wahl. Bedingung: Vereine von 1635 Sängern. 1. Preis mit 170 Punkten Gesangsriege des Turnvereins Kelsterbach, Dir. Bommarius. 2. Preis mit 167 PunktenSängerlust"-Langen- selbold. Dir. C. Berg. 3. Preis mit 160 PunktenHeiterkeit- Fechenheim, Dir. C. Ziegler. 4. Preis mit 144 Punkten Sängerhain"-Sinn, Dir. A. Weber. 5. Preis mit 139 Pkt. Coneordia"-Windeckcn, Dir. C. Racke. 6. Preis mit 130 Pkt. Eintracht-Alsdorf, Dir.' Mindenich. 7 Preis mit 122 Pkt. Frohsimt-Londorf, Dir. U. Bandaß. 8. Preis mit 121 Pkt. Deutsche Einheit-Fleisbach, Dir. Hild. 9. Preis mit 117 PunktenSängerlust-Somborn, Dir. Müller. 10. Preis mit 113 PunktenSängerlust-Berkersheim, Dir. H. Bäbler. Lobends ErwähnungGutenb«rg"-Burg, Dir. L. Weisgerber. (Preise: 1. 100 Mk., Kunftgegenstand und Ehrendiplpm, 2. 50 Mark, Kunstgegenstand und Ehrendiplom, 3., 4., 5., 6., 7., 8.. 9. je ein Kunstgegenstand und Ehrendiplom, 10. Ehren-Tiplom>. Zum Ehrensingen zugelassen die Vereine von Kelsterbach, Langenselbold. Fechenheim, .Sinn, Windecken.

Nachmittags um 4 Uhr begann das Ehrenpreis- singen in den verschiedenen Sälen der Stadt. Es hatte folgendes Ergebnis:

I. Thalia-Frankfurt, 122 Punkte: Großherzoglichen Preis. II. Frohsinn-Fechenhein. 117 P.; Preis der Stadt Gießen. III. Männergesangverein Bierstadt, 103 P.; UniversitätspreiA IV. Liederkranz-Darmstadt, 93 P.; Preis von Kommerzienrat Hetzligenstädt. V. Hilda-Wiesbaden, 88 P.; Preis von Kom­merzienrat Heichelheim. VI. Gesangsriege des Turnvereins Kelsterbach, 83 P.; Preis von Kommerzienrat Gail. VII. Sängerlust-Langenseläold, 77 P.; Preis des Festausschusses. Für die beste Gesamtleistung erhielt mit 304 P.Thalia"-- Frankfurt den Preis der beiden Vorsitzenden des Festausschusses.

Die Preisverteilung begleitete Oberbürgermeister Mecum mit folgender Ansprache:

Meine Herren! Die Würfel sind gefallen, und den Siegern des heutigen Wettstreites ist die wohlverdiente Palme des Ruhmes zuerkannt worden. Zu meiner großen Freude kann ich verkünden, daß die Leistungen aller Vereine durchweg gut, zum Teil her­vorragend sind. Wenn ich recht unterrichtet bin, haben bie Preis­richter mehrfach bedauert, daß sie nicht mehr Auszeichnungen austeilen dursten. Den Siegern spreche icki herzlichsten Glück­wunsch aus und bitte sie, sortzufahren und nicht zu erlahmen in ihrem Streben, damit ihnen nicht später der schwer errungene Preis entrissen wird. Aber aueh alle anderen Herren bitte ich den Mut nicht sinken zu lassen, denn auch sie haben tüchtiges ge­leistet. Sie haben den Siegern den Kampf recht schwer gemacht und wenn Sie bei nächster Gelegenheit wieder auf den Plan treten, werden auch Sie, ebenso wie heute, wieder mit Ehren bestehen.

Herr Homberger wird so freundlich feilt, dies Urteil des Preisgerichts zu verbinden, die Vertreter der preisgekrönten Ver­eine bitte ich hierher zu kommen und aus der Hand des Herrn Helm die Preise entgegenzunehmen.

Die Bekanntgabe der Sieger am Abend in der Festhalle wurde jedesmal mitBeifall und Tusch begleitet; bei Ueberreichung des von Sr. Königl. Hoheit dem Großherg gestifteten Ehrenpreisesan die FrankfurterThalia" wurde ein dreifaches Hoch auf den Stifter ausgebracht und das Heil Dir im Siegerkranz ge­sungen. DieThalia" gab während des Konzerts noch zwei Lieder zum besten, die mit rauschendem Beifall ausgenommen wurden. Festhalle und Festplatz waren während des Nach­mittags und Abends überaus stark belebt; auch die Tanz­lustigen kamen auf ihre Rechnung, da die Gießener Feuer­wehrkapelle unter Leitung des Herrn Weller unermüdlich ihre flotten Weisen ertönen ließ. Auf dem Juxplatz herrschte das denkbar lebhafteste Treiben; Dampfkarussell, Kinematograph und die sonstigen Sehenswürdigkeiten erfreuten sich großen Zuspruchs.

Auf ein gestern nachmittag nach dem Eintreffen des Festzuges auf dem Festplatz abgesandtes Ergebenheits­telegramm an S. K. H. den Großherzog traf heute früh folgende Antwort ein:

Darmstadt, am 24. Mai 1904. Oberbürgermeister Mecum, Güßen.

Herzlichen Dank und beste Wünsche sür erfolgreiches Streben bitte allen Teilnehmern auszusprechen. Ern st Ludwig.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 24. Mai 1904.

" Personalien. S. K. H. der Großherzog hat, wie uns aus Darmstadt gedrahtet wird, dem Geh. Forstrat Heyer in Gießen das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehem S. K. H. der Groß­herzog hat ferner verliehen: dem Hauptmann v. Kayser, Führer der Ostasiatischen (fahrenden) Batterie, seither Batterie­chef im 2. Großh. Feldartillerie-Regiment Nr. 61, das Ritter­kreuz 1. Klaffe und dem seitherigen Wachtmeister Ritzen- thaler im 1. Großh. Feldartillerie-Regiment Nr. 25 (Großh. Artillerie-Korps) das Silberne Kreuz des Verdienst- ordens Philipps des Großmütigen. Durch Entschließung des Ministeriums des Innern wurde der Regierungsassessor Dr. Seyferth in Bensheim mit Wahrnehmung der Dienst­verrichtungen eines Kreisamtmanns bei dem Großherzoglichen Kreisamt Oppenheim beauftragt. S. K. H. der Groß­herzog haben am 21. Mai den Amtsrichter in Homberg, Friedrich Schnitzspahn, zum Amtsrichter in Gießen mit Wirkung vom 1. Juni, den Gerichtsaffeffor Jost aus Schotten zum Amtsrichter in Homberg mit Wirkung vom 1. Juni, den Gerichtsaffeffor Dr. H o f aus Babenhausen zum Amtsrichter in Lauterbach mit Wirkung vom 2. Juni 1904, den Notar mit dem Amtssitz in Nieder-Olm, Dr. Bi11oug, zum Notar in Mainz als Nachfolger des Notars Morsch da­selbst mit Wirkung vom 10. Juni ernannt.

** Veränderung von Amts titeln. S. K. H der Großherzog haben am 21. Mai Allerhöchst zu verordnen geruht, daß die Gerichtsschreiber bei den Amtsgerich­ten, der Gehilfe des Generalstaatsanwalts und die ersten Staatsanwaltsgehilfen bei den Landgerichten den Amts­titelAktuar" sowie die dekreimäßig angestellten Hilfs­gerichtsschreiber bei den Amtsgerichten und die zweiten Staatsanwaltsgehilfen bei den Landgerichten den AmtstitelAktuarita ts ass i stcnt" fortan zu sichren haben. (War denn das nötig? Sind denn die Fremdtitel so erheblich schöner als die guten deutschen Titel? D. Red. d. Gieß. Anz.)

* Die Kanalisationsbauten sind augenblicklich an allen Ecken und Enden der Stadt, soweit sie noch nicht fertig sind, im vollen Gange. An der Alicestraße hat der Bauunternehmer H. Winn die Arbeit angefangen, Jäger und

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