Ausgabe 
24.3.1904 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

154» Jahrgang

Donnerstag 24. März 1LSO4

Gießener Anzeiger

k scheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Unwerfttätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulftr.?.

Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

DieSiehener Lamilienblätter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der .Hessische tanbwirt4* erscheint monatlich einmal.

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblalt für den Kreis Eichen.

.........

Z)ie heutige glummtr umfahl 8 Seiten.

Bckanntmachnng.

Die Maigasse wird wegen Vornahme von Kanali- saiionSarbeiten von Donnerstag den 24. I. MtS. an bis auf vkilnreS für den Fuhrwerks» und Fahrradoerkehr gesperrt.

Gießen, den *3. Llärz 1904.

Großherzogticyes pviizeiamt Gießen.

Hechler.

Bekanntmachung.

B et r. r Die Feierabendstunde für offene Verkaufsstellen und Mindestrichezeck der Gehilfen in solchen; hier: Festsetzung der AuSnahmetage.

Wir bringen hiermit zur Kenntnisnahme der Interessenten, lob in diesem Jahre nur an drei Wochentagen vor ClKivn, nämlich am 30. und 81. März, sowie am !. April l. IS., die Vorlchriften über die Mindeslnihezeit ynb WOtlngSpause der Gehilfen, Lehrlingen uub Arbeiter (j n9c der Gewerbeordnung) keine Anwendung zu finden ^übeiai unb die Läden, sowie die offenen Verkaufsstellen an iiejern Tagen bis 10 Uhr abends offengehalten werden dürfen.

Gießen, den 22. Alärz 1904.

Großherzogin o Pviizeiamt Gießen.

Hechler.

gefahren, auf deren Verhütung er großen Wert gelegt wissen möchte. Sein Vorfcklag^ das Viey^ das vou den Händlern eingesührt würde, erst in Quarantäneställcn unter­zubringen, die außerhalb der Ortsclzoften zu errichten seien, stände keinesfalls vereinzelt da, es würde heute schon von einigen Grundbesitzern so gehandhabt.

Geh. Obermedizitralrat Tr. Lorenz stellt fest, baß bei den zwei Märkten der Gemeinde Heppenheim nach Abzug aller Kosten der Gemeinde noch 100200 Mk. verblieben. Ta sei doch kein Grund vorhanden, daß die Kosten vom Staate getragen werden.

Abg. Weidner vermißt in der Antwort des Rcgier- ungsvertreters die aus seine Anfrage bezgl. Anwendung des Artikels 3 der Sieichsversassung. Hiermit ist die Debatte erledigt.

Bei Beratung des dringlichen Antrages des Abg. B r e i m e r bett, die Verteuerung der auf dem hessischen Gebiete in Schein unb Alain gebaggerten Bau­materialien, beantragt derselbe, die Regierung zu ersuchen, die bisher Übliche Pauschalgebuhr aus bO bezw. 40 Psg. zu erhöhen.

Abg. Reinhart stimmt ebenfalls dafür.

Aba. Molthan erstattet namens des Ausschusses Be­richt. Er führt aus, daß eine Besteuerung in Höhe des Antrages Breimer für mund),en Unternehmer den Ruin bedeuten würde, auch gegenüoer anderen Staaten sei die Besteuerung viel zu hoch Er bittet, den Antrag an den Ausschuß zurückzuverweisen.

Abg. Tr. Tavid spricat sich ebenfalls im Sinne des Ausschusses aus, zumal die Besteuerung die kleinen Unter­nehmer bettessen würde, die mit erheblich teureren Kosten arbeiteten, wie die großen Betriebe.

Ministerialrat v. Biegeleben bemerkt, daß in den einschlägigen Bestimmungen nur eine mäßige Gebühren­erhebung zulässig sei. Ter Rheinsttom könne nicht zu einer Finanzqueile gemacht werden. Mit einer Gebühr von 10Psg. jur den Kubikmeter, mit Ausnahme Den Baggereien un Interesse des Schiffsverkehrs, sei die Regierung einver­standen gewesen. Bon der Festsetzung der Gebühr von 10 Psg. sei aber abzusehen, weil die Turchführung der Kontrolle zu schwierig sei. Deshalb sei eine Pauschalgebühr vorzuziehen.

Sdach weiterer Debatte, an der sich Geh. Oberbaurat Jmroth, sowie die Abgg. Reinhart, Molthan, Ulrich, Adelung, Bähr und Häusel, Ministerial­rat v. Biege le den beteiligen, wird der Antrag aus Zurückverweisung genehmigt.

Eine lange und teilweise recht erregte Debatte rief der Antrag der Abgg. Ulrich u. Gen., bett, die Veröffent­lichung amtlicher Bekanntmachungen, hervor.

Abg. Köhler wendet sich in den schrossslen Ausdrücken gegen die amtlichen Kreis blätter überhaupt und verlangt die Gründung eines amtlichen Zentcatanzeigeblatles. Er beschwert sich dann besonders überschlechte Behandlung", die er und Der Bauernbund beimGreß euer Anzeiger" erfahre. Das Anzeigewesen liege ganz in den Händen der Juden. Er meint zum Schluß, wenn die Regierung aus dem von ihm angebeuteten Wege vorgehe, werbe sie ein sehr gutes Geschäft machen.

Abg. Ulrrch legt Die Gründe für seinen Antrag näher bar und wünscht die Errichtung einer Staatsdruckerei; eine solche würde, wenn sie die Verlagsartikel des Staates herstellte, voll beschäftigt werden können. Redner zählt

Kcllannlumchung.

!Die Geschäftsfiunben für Entgegennahme von Anträgen onb (Erklärungen in Grundbuchsachcu sind anstatt seither Cai^tng von 1012 vormittags aus Dienstag, vormittags fil/g 12 und nachmittags 25 Uhr, festgesetzt.

iLich, am 23. März 1904.

GroßherzoglicheS AmtSg erichi.

-landtag.

Zweite Kammer der Stande.

R. B Darmstadt, 23. März.

Um Ministertisch die Ministerialräte Tr. E i s e n h u t h, Nr v. Biegeleben, Geh. Obermedizinalrat Lorenz, it(. Oberbaurat Jmroth, später Staats Minister Dr. iioM e.

Sie nm 9V* Uhr begonnene Bern tun a hatte als ersten ^gej.iftanb die Anfrage deS Abg. Weidner, bett, die .ioj.tm für tierärztliche Ueberwachung der Biehmärkte. Abg. itieibrnw bemerkt wiederholt, daß er sich mit der Antwort ita Regierung nicht zufrieden geben könne. ES sei keine «itiilMsuglge roache, um die eS sich handle, und keineswegs itivj/bcr Gemeinden Md Viehbesitzer, sondern eine Sache iiii S taates, die Verschleppung vou Seuchen zu verhindern, * dßCuxir. habe auch der Staat die Kosten zu tragen. Redner . \ rt bann eine Reihe seiner Meinung nach herrschende Ü.Mlänbe. Daß die Regierung die in Frage kommenden Wiiren ^nlssehr mätzia" bezeichnete, sei ihm ein Be- to-U, daß in Regierungskreisen der Anttag unterschätzt IvndL.

v.bg. Köhler stimmt den Ausführungen des Vor- öhnttS wesentlich zu, er bespricht eingehend die Seuchen-

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Gießener Theaterverein.

Die Schule der Kraue«.

Lustspiel in 6 Aufzügen von Moli - re.

Ludwig Fulda hat die Komödien MoliöreS für die dtutsche Bühne neu gewonnen, seine Uebersetzung steht mit lail dreutschen Shakespeare-AuSgabe von Dingelstedt, Simrock, : sAidam ic., die leider viel zu wenig gewürdigt wird, auf ^id)etr Höhe und sollte mit dieser einen bleibenden Ehren- idig in unserer ßitteratur behaupten. Sind doch auch i Sc!< ipeare unb Moliöre die Unseren, ist doch Deutschland ) fifrt Zwecke Heimat geworden, wo ihre Werke bekannter sind c cii im ihrem Vaterlande. Auf den Gebieten der Künste und ;Ak ?ischaften haben wir Deutsche immer Weltpolitik getrieben. ct $;a 8 deutsche Verse kommen mit feinstem Sinn- und e Si-ähverständniö Wort und Geist des Originals nahe. 5LÜSchule der Frauen * ist ein entzückendes Lustspiel, das, ibe Eugen Zabel in seinen lesenswerten Studienzur i normen Dramaturgie" *) berichtet, dem Dichter schon i ui:» 1662 bei der Erstaufführung in Paris einen durch- f schgttnden Erfolg bereitete. Der König unterhielt sich bei l ii« 'liluffübrung so gut, daß er sich nach der Versicherung t liiii zeitgenössischen Dichters die Seiten hielt. Aber es f auch die hämischen Tadler und keifenden Nörgler nicht, L s cheinheiligen Prüden und gegierten Schöngeister, die dem SiCtpc viel zu schaffen machten. Moliöre ärgerte sich über s eie Kritiker und ließ ein halbes Jahr darauf ein kleines lijji'piielDie Kritik der Schule der Frauen" aufführen, eine 2 MHr und Gegenkritik. Man sieht, es giebt doch wenigstens k! ihre rti Zug, den manche Komödienschreiber von heute mit SBteie gemeinsam haben. Seit Nioli^res Tagen hat sich b : ^icht viel geändert. Kritiker und Kritisierte stehen ein- ci M.i heute wie vor 240 Jahren oft in Harnisch gegenüber. 2 La Unterschied ist nur der, daß Moliöres antikritische kleine k iÄMie von Geist und Witz funkelt und noch heute auf dem Sitten: wirken würde, während die antikritischen Bühnen- n )«li lOtto Ernst'S (Gerechtigkeit") und Max Halbe's (Wal- p MMacht") litterarisch nicht eben wertvoll und selbst von d uttatteraliirchronisten unserer Tage kaum beachtet worden fi teil, GoubermannS antikritische Zeitungsartikel aber an Witz- u Ä «Lbeisllosigkeck ziemlich konkurrenzlos dastehen. Wenn

') ij Oldenburg, Schulze'sche Hofbuchhandlung 1899.

Moliöre u. a. sagt, daß die Autoren die Stücke der Anderen nämlich am meisten loben, die durchfallen, so ist das eine Wahrheck, die den Jahrhunderten Trotz ge­boten hat.

Die Schule der Frauen" ist zugleich auch eine Schule der Lustspieldichter. Mit den einfachsten Dlltteln erzielt Molare den größten Erfolg. Monsieur Arnolphe es sei daran erinnert, daß derheilige Arnolph" noch im 17. Jahr­hundert der Schutzgeist der betrogenen Ehemänner war hat für das Unglück der Ehemänner des Hohnes nicht genug, glaubt aber selber vor jeder Gefahr sicher zu sein. Das kleine Mädchen, das er einst epier armen Frau abgenommen hat, ist in völliger Abgeschiedenheit von aller Welt, in förm­licher Einzelhaft ausgewachsen und hat sich die denkbarste Naivetät und Unberührtheit bewahrt. Dies ist das Ideal der Frau, das der Vorsichtige für sich aufgezogen hat. Und dieses Kind kein Engel ist so rein führt den lieber- schlauen an der Nase herum und bewahrheitet das alte Wort, daß die einfältigste Frau gescheiter ist als der klügste Mann. Von drastischer Komik ist, daß Arnolphe der Ver­traute des glücklichen Liebhabers und fortwährend von der Steigerung feines Mißgeschickes unterrichtet wird, bis endlich alles in Wohlgefallen sich auflöst und der kühne Freier die Braut heimführt.

Zabel zitiert die Aussprüche zweier großer Kritiker MoliöreS. Er erzählt:Voltaire sagte, es sei in diesem Stücke alles Erzählung, aber so künstlerisch, daß alles nur Handlung zu sein scheint. Dagegen Lessing bemerkte sehr richtig, daß vielmehr alles Handlung sei, obwohl es Er­zählung zu sein scheint." Ich meine, daß das, was Voltaire sagte, sehr richtig und das Lessing'sche Paradoxon sehr un­richtig ist. Lessing hat bisweilen, nur um etwas Neues zu sagen, einem.anderen Großen widersprochen. Die ganze Handlung des Moliöre'schen Stückes besteht tatsächlich doch nur in der Erzählung jener heimlichen Liebesabenteuer; aber mit bewimderswertem Geschick täuscht der Dichter den Zuschauer darüber hinweg, daß er alles nicht sieht, sondern nur hört. Diese scheinbare Einfachheit, zu der den Dichter die damals unvermeidliche Einheit des Ortes zwang, ist die höchste Kunst.

Amor, so doziert Moliöre, ist der Lehrmeister, die Liebe ist die Schule der Frauen, sie macht sie erfinderisch unb listenreich. Und neben dieser Lehre giebt Moliöre, nach

bann eine Reihe von Mißständen aus, die aaigcblich bei. Vergebung der Annoncen an die Kreisblätter herrschten und verlangt, daß die amtlichen Anzeigen allen Blättern eines Kreises überwiesen würden. Die einseitige Bevor­zugung Der Kreisblätter fei ungerecht.

Abg. Pennrich spricht seine Genugtuung über den Antrag ans und wünscht denselben an einen Sonderaus­schuß verwiesen.

Abg. Dr. Gut fleisch wendet sich in scharfer Weise gegen die Art der Ausführungen des Abg. Köhler. Das vorliegende Thema fei auch schpn im Finanzausschuß ein­gehend besprochen worden, aber ob der Weg, den Aba. Ulrich Vorschläge, der richtige sei, müsse sehr bezweifelt werden. In Hessen liege die ganze Frage nicht so un­günstig, wie in den meisten anderen Staaten. Er gebe au, daß im Kreisblattwesen Mißstände herrschten, aber die Gründung eines Zentral annoncenblatt es halte er für v e r s e h l t. Wenn Abg. Köhler DomG i e ft. '21 n fr" so behandelt werde, wie er es geschildert, so dürfe er sich darüber gar nicht wundern, denn seine, Köhlers, Ausführungen über seine Feinde und namentlich über DenGieß. Anz." feien keineswe as milder gehalten oder schön zu nennen. Er, Redner, habe eines Tages während der letzten Reichstagswahlzeit einen Besuch im Frack machen müssen und am anderen Tage habe Herr Köhler vonfrei­sinnigen Frack sch wind lern" gesprochen, weiter sprach er doujüdischem s2l b D o t a t e n p a d" rc. Seine heutige antisemitische Rede hier bedeute aber gegen eine frühere doch einen Fortschritt, er habe sie eben wirklich ge halten und man war in der Lage, daraus zu ant­worten. Eine andere antisemitische Kammer­rede habe Herr Kohler vielleicht halten wollen; tatsächlichseidasabernichtgeschehen,erhabe aber die nicht gehaltene Rede dennoch in das stenographische Sitzungsprotokoll e i n g e. schoben. (Große anhaltende Heiterkeit und allge­meine Bewegung.)

Nach kurzer weiterer Debatte der Abgg. Weidner und Dr. Heidenreich wird ein Anttag Ulrich genehmigt, feinen Antrag an den vierten Ausschuß zu verweisen, der um zwei Mitglieder des Hauses verstärkt werden soll.

Darauf wird die Sitzung um U/s Uhr geschlossen. Nächste Sitzung morgen vormittag 10 Uhr.

Erste Kammer der Stände.

T a r m ft a d t, 23. März.

Dm Negierungstisch: Staatsminister Dr. Rothe, Fi­nanzminister Tr. Gnauth, Justttminister Dr. Ditt- mar, Geh. Staatsrat Krug zu Nidda, die Ministerialräte Ar aun und Best, Geheimrat Milbrand u. a.

Präsident Gras Görtz genannt von Schlitz eröffnet die Sitzung um 10i/4 Uhr und widmet zunächst dem ver­storbenen .früheren Mitglied der Kammer, Staatsminister Tr. Finger einen ehrenden Nachruf; das Haus erhebt sich zu Ehren des Tahingeschiedenen von den Plätzen.

Tie Kammer tritt daraus in die Beratung des Haupt­voranschlags für 1904 ein und genehmigt ohne T«- batte nach den Anträgen des Finanzausschusses, Bericht­erstatter Frhr. v. Ried e sel, die 57auptabteilunaen: 1. Reste aus früheren Jahren, 2. Domänen des Großh. Hauses,

eigener bitterster Erfahrung, als älterer Gatte eines jungen Weibchens, noch eine zwecke: das sicherste Mittel, sich vor Betrug in der Ehe zu schützen, ist: nicht zu heiraten. Die Psychologie der Ehe ist das Steckenpferd der französischen Poeten von Nloli^re bis auf Balzac, Maupaffant und PrLoost geblieben.

Die Komödie Moliöres verfehlte auch gestern nicht ihre Wirkung auf die den übermütig launigen Geist der Renaissance­komödie Nachempfindenden, die sich allerdings scheinbar nicht in der Mehrzahl befanden. Es war ein echter, ein behaglicher Genuß. Die poetischen Scherze wurden aber auch in überaus ansprechender Weise veranschaulicht. Sehr anmutig, sehr drollig, mit feiner, diskreter Komik gab der Gast, Fräulein Leonie Taliansky vom Wiesbadener Hoftheater, die ge­lehrige Schülerin der Liebe. Die graziöse junge Künstlerin hatte eine Reihe ganz wunderhübscher Ntomente. Besonders luftig wär ihre eigensinnige Herunterleierung der im Knittel- versmaße ä la Wilhelm Busch ulkig gereimten Ehestands- Regeln. Ihr Organ hat viel Wohllaut, Umfang und Modu­lationsfähigkeit, besonders reizend ist ihr Lachen; das weiß das muntere, schalkhafte Frl. Taliansky sehr wohl, und darum lachte sie den ganzen Abend viel, sehr viel, ein bischen zu Diel für die Agnes, aber jedenfalls noch nicht genug für ihre entzückten Zuhörer. Hoffentlich haben wir im nächsten Winter das Vergnügen und den Vorzug, sie noch näher kennen zu lernen. So oft sie kommt, wird sie willkommen sein.

Richtig angelegt war auch die Rolle des Arnolphe durch Herrn Teleky, der sich mit brutaler Engherzigkeit^und Super­klugheit seine Fran wie einen Hund herandressieren will. Herr T. spielte drastisch und mit Feinheit, zwei Eigenschaften, die sich zu widersprechen scheinen, die aber Herr T. geschickt zu vereinen verstand. Herr T. liebt keine besonderen Effekt­nuancen, er unterstteicht nicht ausdringlich und verfehlt doch nicht die rechte Wirkung. Leider nur blieb sein Arnolph eine Einzelleistung, was unsere heimischen Künstler anbelangt. Es fehlte da die seine, harmonische Abtönung. Bick welcher romanischen Zartheit und Zierlichkeit hatte Irl. Taliansky ihre Rolle auf- und angesaßt, rote bemühte sich Herr Teleky ihr darin nachzutun, wie anders aber, in niederdeutscher Natur- burfchenart hatte Herr Achterberg den Horace angepaeft! Er zeigte ja, wie immer, fein sprudelndes Temperament, er war lebendig und, wenn man will, auch flott, aber wahr­lich nicht von der Floltheck des unternehmenden Liebhabers