Ausgabe 
23.12.1904 Zweites Blatt
 
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1r. 302

Zweites Blatt

Freitag 23. Dezember 1904

Gießener Anzeiger

Redaktion, Expedition «.Druckerei: Gchulftr.I.

Lei. 91t, 6L Lelegr^Adr. i SUi^etgei Eie dm.

154. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der Brüh liehe, UnwerfttütSdruckerei. ÖL Sange. Gietzm.

ErscheNü 8-Nch mtt Ausnahme der Sonntags.

Die ^Gletzener Somilltnblätter* werden dem bAnzetger viermal wöchentlich beigelegt. Der «helftjch» CaÄÖWkt** erjcheuu monaUtch einmal

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Aus der Arühzeit der ^udoviciana.

Gießen, 23. Tez.

Im oberhessischen Geschichtsverein hielt gestern abend Gehetmrat Prof. Dr. Sieb eck einen hochinteressanten Vor- trag auf Grund seiner Lektüre in den Meu unserer Uni­versität über das oben erwähnte Thema. Diese Fr uh zerr der Ludoviciana erstreckt sich vom Gründungs^ahr 10 0 7 -bis zum Jahre 16 24, der Wiedervereinigung mit der Universität Marburg. In diesen Jahren unterscheidet man eine doppelte Periode: eine Zeit der Blüte (16071617) -and dann ein? Zeit raschen Versailles. Schon in Ler frühesten Zeit hat die Universität einen sehr guten Auf und großes Ansehen genossen; es wirkten damals .angesehene Lehrkräfte hier, darunter der Theologe Mentzer, ferner Christoph Helwig, der Mathematiker Jung, der Mediziner Horstu. a. Auch für das Studium Ider neueren Sprache war schon gesorgt; der Franzose Phr- livve Garniers' «aus Orleans, der 1614 rmch sechzig ding, lehrte hier seine Muttersprache, der Partzer Olive llehrte aufi^rdenr auch die italienische Sprache. Tre Zahl Der Studenten beirug in d-n Griln^nrrgZähren bereits die lbettächttiche Zahl von 200 bis 500 ; bestimmte Airgoben klaffcn llch nicht machen, da die Zahlen sehr schwanken, 1110111( ^0(1) auch während jeden Semesters wechselten. Der Charakter der fpezinsch lutherischen Universität tr-chte es mit sich, daß die größte Zahl der Studenten aus Noro- Leutslvland, Dänemark iinb anderen nordischen Lau­dern [iuj rekrutierte. Cs exijneptcn uua) ichoü oerjchieoene

Bekanntmachung.

Betr.: Der Sterbekaste des Verbandes kath. kaufmännischer Vereinigungen Deutschlands in Essen a. Ruhr.

Der Sterbekasie des Verbandes kath. kaufmännischer Vereinigungen Deutschlands mit dem Sitz in Esien a. Ruhr ist die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Deutschen Reich erteilt worden.

Gießen, den 21. Dezember 1904.

Großh. Kreisamt Gießen.

I. V.: Hechler.

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß nächsten Sonntag, den 25. I. Mts., vormittags zwischen 11 und 12 Uhr im Weihnachtsverkehr eintreffende Auslands­sendungen in unseren Geschäftsräumen zollamtlich abgefertigt werden können.

Gießen, den 28. Dezember 1904.

Großherzogliches Hauptsteueramt. Weißenbruch.

Kaiser und Keneral.

Jin Reichstag kam in den letzten Tagen seiner vor­weihnachtlichen (Ätzungszeit die Pensionierung des letzthin bei uns in Hessen aus Anlaß der Veröffentlichung seiner Kriegsbriefe durch seine Tochter, die Sozialdemokratin Lilly Braun, und s einer nun glücklich aufgeklärten Angaben über die Erstürmung von Sens sehr viel genannten Generals v. Kretschman zur Sprache, wobei der Kriegsminister von Einem folgende Bemerkung machte:

Wenn ein hoher General gegen Neuerungen oder gegen Be­stimmungen des allerhöchsten Kriegsherrn vorgeht, sie tadelt und laut ktttisiett, kann er sich da wundern, wenn der allerhöchste Kriegsherr sagt: Wenn der Mann mit mir nicht einverstanden ist, dann kann ich ihn nicht brauchen!^

Dazu wird jetzt in einem angesehenen Zentrumsolatte, demWests. Merkur, nachstehendes ausgeführt:

Hier wird also mit ziemlich dürren Motten und ohne viel Verklausulierung der Grundsatz proklamiett: ein General hat zu allem, was von oben angeordntt oder getan wird, einfach zu schweigen, sonst wird er davon gejagt. Auch wenn er überzeugt ist, daß schwere Fehler gemacht worden sind, die unserer Wehrkraft schaden, hat er in Gehorsam den Mund zu halten. Jeder General hat als selbstverständlich anzu.- nehmcn, daß der Kaiser alles besser versteht, sonst darf er sich nicht wundern, daß der Kaiser kein Vettrauen zu ihm hat und den unbequemen Nörgler entläßt. Ist denn das wirllich heute Prinzip? Will man in der Armee nur mehr Höf­linge, Schmeichler, Kriecher, Byzantiner und Streber dulden? Dann dürste man sich wahrlich nicht wundern, wenn es mit ihr rapide zurückginge und das unfähige Stre­bertum in alle hohen Stellen eindränge, um die Armee im Kriegsfall ins Verderben zu fuhren. Wir haben geglaubt, es sei die erste Aufgabe des Kttegsministers, über die Erhaltung unserer Wehrkraft zu wachen. Wie er mit dieser Aufga^ seine Grundsätze . . . vereinbaren Eatan, ist uns unverständlich. Ob wohl der Reichskanzler sich in politicis zu denselben Grundsätzen bekennen würde? Wir glauben, bemerkt zu haben, daß er doch zuweilen Kritik und Widerspruch wagt. Und ob Herr v. Einem auch für seine Person ber Ansicht, daß er immer nur mit dem allerhöchsten Kriegsherrn einverstanden zu sein habe?"

Diese Schlußfolgerungen schießen zweifellos wert über das Ziel hinaus. Ein General, der darauf verzichtet, Anord­nungen des Kaisers zutadeln und laut zu kritisieren",. braucht deshalb noch lauge nicht alsKriecher und Streber" den Mund zu halten. Es gibt auch noch einige gangbare Mittelwege. Hält ein General eine Neuerung des obersten Kriegsherrn für einen schweren Fehler, der sogar ll^ignet ist, unserer Wehrkraft zu schaden, dann ist es seine Pflicht gegen Kaiser und Reich, seine wohlerwogenen Bedenken in sachlicher taktvoller Form dem obersten Kriegsherrn schriftlich oder mündlich vorzutragen. Daber jede Bloßstellung oder gar Verletzung des Karsers sorgsam zu vermeiden, gebieten nicht nur das -oftt^^sft der Sache, sondern die Rücksichten auf die Autorität des Reichsoberhauyts, das Ansehen der Armee und das persön­liche Treuverhältnis, in dem die Offiziere zum Gersten ,Kriegsherrn stehen. Werden solche sachliche, taktvolle Vor­stellungen nicht beachtet, dann wird sich der General die Frage vorlegen müssen, ob es seme Pflrcht gebietet sich damit zufrieden zu geben oder seine Entlasszu nehmen um dann dasjenige zu tun, was dre Rücksichten auf daS Vaterland erfordern. General v. Kretschman mag bei seiner

lauten Kritik" in der Sache Recht gehabt haben wir vermögen das nicht zu beurteilen in der Form scheint er Fehler gemacht zu haben, deren Folgen er eben tragen mußte.

Man mag ja an den Ansichten, Aeußerungen und Taten des Kaisers im einzelnen manches zu kritisieren haben, man mag es auch bellagen, daß er nicht selten in wichtigen Angelegenheiten öffentlich Stellung nimmt, ohne sich zuvor mit den Männern seines Verttauens zu beraten: gleich­wohl kann man nicht in Abrede stellen, daß er auch Wider- spruch zuertragenund zu beherzigen versteht. Ten überzeugendsten Beweis dafür ergab erst vor wenigen Monaten sein Verhalten im Streit um Lippe! Das war fteilich eine politische Frage; indessen hat der Kaiser auch schon in militärischen Dingen mit sich reden lassen, zumal wenn ernste Bedenken von mehreren Seiten geltend gemacht wurden. Und das Vertrauen darf man zu den höchsten Offizieren unserer Armee b^ben, daß sie gegenüber schweren Fehlern, die unserer Wehrkraft schaden" nicht bloß vereinzelt ihre warnende Sttmme erheben würden.

Volitische Tagesschau.

Die Konfession des Kaisers.

Daß der deutsche Kaiser im geheimen katho­lisch geworden sei. wird, wie dieDeutsche Ztg." des Tr. Friedrich Lange sich aus Rom melden läßt, in dorttgen Nerikalen Kreisen geglaubt. TieKöln. Volksztg." glaubt diese Nachricht, wie "folgt, dementteren zu sollen:

,Zn unterrichttten katholischen Kreisen glaubt man so etwas gewiß nicht, aber es ist fteilich Tatsache, daß in auswättigen katholischen Ländern vielfach die Meinung herrscht, Kaiser Wilhelm stehe in Glaubens fach en der ka­tholischen Kirche sehr nahe. Darum .wiederholen wir noch einmal mit aller Bestimmtheit, daß das nichts ist als eine leere Phantasie. Es trifft zu, daß der Kaiser darin keinen Unterschied macht, welche Konfession jemand hat, wenn er ihm nur sonst gefallt, aber dem katholischen Glauben steht Wllhelm II. mindestens ebenso fern als sein Großvater und sein Vater.

Würtembergische Finanzen n. a.

Stuttgart, 22. Dez.

Ter neue Hauptfincmzetat für 1905/1906 schließt bei einem Staatsbedarf von 82 423 219 Mk. bezw. 83 258 598 Mk. für 1905 mit einem Fehlbeträge von 202 627, für 1906 mit einem Ueberschusse von 16 921 Mk. ab. Ter Fehlbetrag steht ohne Deckung und soll aus dem Betttebskapital der Staatshauptkasse vorgeschossen werden. Zur Gehaltsaufbesserung der Geistlichen sind jährlich 450 000 Mk., der Volksschul­lehrer jährlich 673 000 Mk. eingesetzt. Der Erttag der neu zur Einführung gelangenden Einkommensteuer ist zu 14,8 bezw. 15,2 Millionen Mark angenommen sodaß der Steuersatz bei der Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer von 3,9 Prozent auf 2 Prozent, bei der Kapitalsteuer von 4,8 Prozent ebenfalls auf 2 Prozent ermäßigt werden kann. Für außerordentliche Bedürfnisse der Verkehrsanstalten und zu neuen Staatsbauten sind zwei neue Anleihen im Betrage von zusammen 3 6 Millionen Mark vorgesehen. Der Begleitvortrag des Finanzministers zu dem Neuen Etat hebt hervor, daß sich die Finanzlage zwar seit der letzten Etatsaufstellung entschieden gebessert habe, daß aber die seit längerer, Zeit in Aussicht genommene Verbesserung der Pensionsverhältnisse der Beamten, Geistlichen und Volkssch-ullehrer abermals habe verschoben werden müssen. So lange die Mittel zur Beftiedigung außerordentlicher Baubedürfnisse des Staates aus Anlehen genommen werden müssen, könne von einer wirklich befriedigenden Lage des Staatshaushaltes nicht gesprochen toerben. Sehr erschwerend für die Erhaltung des Gleichgewichtes sei gewesen, daß auch diesmal wieder der Staatshaushalt durch ungedeckte Matrikularbeiträge für das Reich erheblich be­lastet ist. Eine endliche Aenderung dieses Verhältnisses er­schiene unerläßlich, und es sei daher eine Besserung der Reichsfinanzen durch Erschließung weiterer eigener Reichseinnahmen als ein unabweisliches, bringen» desBedürfniszu bezeichnen.

Die Kammer der Abgeordneten hat heute bei der Beratung der Gemeindeordnung den Antrag des Zentrums auf Ab­schaffung der Haftstrafe gegen Gemeindeunter­beamte für Vergehen im Amte mit 72 gegen 5 Stimmen angenommen. Der Antrag Liesching wurde abgelehnt, nach dem gegen Mitglieder der Gemeindekollegien nur die Strafe des Verweises zulässig sein soll.

Kcer und I!otte.

Kiel, 22. Dez. Der Marineleutnant v. Witgen- stein von der Ostseestation ist unter geheimnisvollen Umständen verschwunden. Die amtlichen Stellen beob-

I n st i tu t e ; ein anatomisches, das nur wenig im Gebrauch war, da die Zahl der Mediziner gering mar, ferner ein bo­tanisches (der botanische Garten bestand schon) und endlich war auch ein chemisches Laboratorium vorhanden. Zlüs dem Jahre 1612 ist ein Gesuch des Studenten Mplius erhalten, der bat, im Laboratorium arbeiten zu dürfen und wirllich vom Landgrafen mit 3 Wagen Kohlen jährlich unterstützt wurde.

Tie Professoren hatten öffentliche Vorlesungen zu halten (meift waren es vierstündige); was sie sonst für sich herausschlagen konnten, war ihre Sache. Auch Heb­ungen gab es schon damals.

Was der Universität in ihrer Entwickelung oft hinderlich war, das waren die durch das enge Zusammen- wohnen innerhalb der Feftungswälle, die in der Umgegend liegenden Wälder und Sümpfe und den Mangel jeg­licher sanitären Einrichtungen hervorgerufenen Krankheiten, wozu noch kam, daß man sich auch nicht viel darum sorgte und beispielsweise den Dreck ziemlich dick aus den Straßen liegen ließ. So brachen mindestens alle 3 Jahre die Pest und andere Epidemien in der Stadt aus, was natürlich auf die akademischen Zustände wesentlich einwirkie. Im Jahre 1613 mußten das Lehr­personal und die Studenten für ein halbes Jahr sich zer­streuen und die Universität zeitweilig nach Alsfeld und Grünberg verlegt werden.

Der Verfall, der beim Beginn des 30jährigen

achten Stillschweigen, da es sich um eine geheime g e ( eg en t) eit handelt.

Ans Stnöt und La»»-.

Gießen, den 23. Dezember 1904.

** Pfarrer Hamann, der Nestor der hessischen Geist» lichkeit begeht heute hier in Gießen seinen 9 0. Geburtstag. Der ehrwürdige Greis erfreut sich noch einer bewundernswetten Rüstigkeit und voller geistiger Rührigkeit. Erst kürzlich konnte er einen zweiten Anhang zu unserem Gesangbuch sowie ein Werklein über Reformationsgeschichte neu herausgeben, und er hat mit großer Ausdauer und peinlicher Genauigkeit den Druck dieser Schriften überwacht. Mit vielen Kreisen der Bevölkerung unserer Stadt und unseres Landes, insonderheit seinen Amtsbrüdern bringen auch wir dem alten Herren unsere besten Glückwünsche dar. Vor einigen Monaten sagte das Hess. Kirchenblatt" den Jubelgreis fälschlich tot und er be­schwerte sich sofott in einem humorvollen Brief bei dem Herausgeber, daß erihn ganz harmlos tot gedruckt habe." Er konstatiette, daßer gottlob noch ganz vollkommen am Leben" ist, und forderte ihn auf, dieehrenrührige Mitteilung" zu dementieren. Nun wird sich wohl auch an ihm die alte Regel bestätigen, daß mit Unrecht Totgesagte noch besonders lange zu leben pflegen. Wir erinnern an den guten Spruch des alten Sophokles:

Nicht altern kann der Weise, desien Geist

Im Licht des Göttlichen erwuchs und wohnt."

** T h e a t e r - und S a a l b a u. In der letzten, sehr zahlreich besuchten Komiteesitzung wurden, wie man uns mit* teilt, folgende beiden Beschlüsie gefaßt:

1. Das Komitee spricht sich dahin aus, daß man nach wie vor den Gedanken der gleichzeitigen Errichtung eines Theaters und eines Saalbaus verfolgen und die Sammlungen freiwilliger Beitrage zu diesem Zweck iottsetzen solle. Sollten die bis 1. März 1905 gezeichneten Beträge der Stadt­verordnetenversammlung gur Errichtung beider Gebäude nicht genügen, so wird der Frage näher getreten werden müßen, o b zu nach st die Errichtung eines der beiden Ge­bäude und welches von beiden ins Auge zu fassen i st.

2. Das Komitee beschließt, die Sammlungen auf Grund der vorhandenen Sammellisten fortzusetzen und weitere Herren aus dem Gesamtausschuß zuzuziehen.

" Ein sehr bedauernswerter schwerer Un* glücksfall trug sich vorgestern in der Mäusburg zu. Vor der Malkomesius'schen Metzgerei standen ein städtischer Karren und ein Wagen, als, entgegen polizeilicher Vorschrift, in scharfem Trab ein Bäckerwagen die Straße durchfuhr. Er stieß in der so bellagenswert schmalen Verkehrsstraße gegen Wagen und Karren. Der Karren kippte auf das Trottoir über und traf das von einem Kindermädchen an der Hand geführte etwa vierjährige Töchterchen einer Dame aus EmS, die zur Feier des Weihnachtsfestes ihre hiesigen Verwandten mit ihrem Besuche erfreut hat. Während das Kindermädchen sich an die Wand eines Hauses hatte drücken und so einem Unfall hatte ausweichen können, erhielt das Kind eine überaus schwere Stirnwunde und es trat sehr starker Blutverlust ein. Es wurde bewußtlos zunächst in die Malkomesius'sche Metzgerei und sodann in die Klinik geschafft, wo es verbunden, aber alsbald wieder entlasten werden konnte. Eine Auskunft« über das jetzige Befinden des Kindes wurde uns von Seiten, der chirurgischen Klinik verweigert.

** Personalien. Am 20. Dezember d. Js. wurde der Dammwärter Geiger zu Rhein-Dürkheim in gleicher Diensteigenschaft auf die Dammwärterstelle zu Lampettheim versetzt.

** Praktische Ausbildungskurse für Hand­werksmeister und ältere Gesellen werden von der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe in Darmstadt auch in diesem Winter wieder, und zwar in den Monaten Januar und Februar 1905, ausreichende Beteiligung vorausgesetzt, veranstaltet. Obwohl in der Beilage zu Gewerbeblatt Nr. 49 ljd. Jahres die einzelnen Kurse aufgezählt und die näheren Umstände, unter denen die Kurse veranstaltet werden, mit* geteilt werden und auch in den Tageszeitungen Ankündigungen erschienen sind, so scheint diese Einrichtung in Handwerker*

Krieges über die Ludoviciana hereinbrach, geht auch aus den Vorlesungsverzeichnissen dieser Jahre hervor. Die Besetzung mit Lehrkräften war spärlich, und im Jahr 1621 lehtten z. B. in der medizinischen Fakultät nur 3 Dozenten, die auch nur 3 Vorlesungen ankündigten, und in der philosophische« Fakultät sieben Professoren.

Sehr beliebt war im Kolleg das Diktieren. Darauf wurde sogar von oben der besondei'es O^ewicht ge­legt. Im Visttutionsbericht von 1619 wurde eine Einschränk­ung des fertigen Vertrags empfohlen mit dem Bemerken, es könnten dabei die Fimdnmente nicht hinlänglich be­festigt werden. Auch sei der Besuch beim Tiktteren bestän­diger". Uebrigcns sind diese Airordimngen ssar nicht so sehr verwunderlich, denn es gab damals noch wenig Lehrbücher.

Viel aekla^t wird in der späteren Zeit über den Unsieitz der Professoren in; Leien. Sie waren indes bei ihren Ein- nadmcn aus zu viel cnrderes angewiesen. Schon 1613 gab eS eine lange (Srnwbnung vom Landgrafen,daß die Pro- essoren regelmäßig ihre Vorlesungen halten sollten, weil onst die Studenten nicht in Gieren blieben." Hierauf er* olgte eine lange Etuschuldigungsschrist des Rektors, der )ie Professoren vor dem Vorwurf bt's Unfleißes in Schutz nahnl. Er führte dabei auch den Nnsleitz und das Sck)wäl^en der Studenten ins Feld, was die leseeifrigen Professoren verdrießlich macl. Für das Nichtlesen der Professoren wurden schließlich sogar Geldsttaftn und Gehaltsabzüge ein geführt Besonders der Professor Nebelkrar scheint das Lesen nicht sehr eifrig b> n-üben zu haben.

(Schluß folgt.)