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23.9.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 2N4

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonntags.

Die ^Gtetzeuer Familienblätter- werden dem Anzerger otermal wöchentlich beigelegt. Der ^Hessisch« Landwirt- erscheint monaUich einmal.

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Zweites Matt. 154. Jahrgang Freitag23. September 1904

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Netzen.

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5>ie Wirtschaftliche Hntwicklunq Deutschlands im 19 Iahrtzundert.

Von dem Gesamtverlauf der Wirtschiaftsgefchnchte Deutschlands im letzten Jahrzehnt entwirft Prof. Pohle in Frankfurt a. M. in seiner frei B. G. Teubner erschienen en Schrift:Die Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens im 19. Jahrhundert" ein besonders klares und übersicht­liches Bild. Die deutsche Wirtschaf-Mfeschichte läßt sich in drei leicht und zwanglos von einander abzugrenzende Tlbschnitte zerlegen. Mein nur der mittelste der drei Abschnitte gehört ganz und gar dem 19. Jahrhundert an. Die erste Periode dagegen beginnt nicht unv die letzte endet nicht mit dem 19. Jahrhundert. Wie bei der ersten nur der Schluß ins 19. Jahrhundert fällte ihr Anfang dagegen weit zurückreicht bis ins 16. und 17. Jahrhundert, so liegt bei der dritten Periode nur der Anfang in dem abgelaufenen Säkulum; wann sie ihr Ende erreichen wird, darüber können wir heute kaum Vermutungen anstellen.

Die drei Perioden, in welche die wirtschaftliche Ent­wicklung Deutschlands nn 19. Jahrhundert zerfällt, sind diese: die erste reicht bis zur Gründung des Deutschen Zoll­vereins im Jahre 1833, die zweite umfaßt die Zeit vom Abschluß des Zollvereins bis zur Meder au frichtung des Deutschen Reiches die Gründung des neuen Reiches be­deutet also nicht nur in der politischen, sondern auch in der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands einen wichtigen Ein­schnitt, der dritten Periode endlich gehören die Jahre seit 1871 an.

Obwohl die erste Periode in die Zeit fällt, die in politischer Beziehung zur neuen und teilweise sogar neuesten Zeit gerechnet wird, so gehört sie in wirt- schafilicher Hinsicht doch mehr noch zum Mittelalter als zur Neuzeit. Von einer einheitlichen deutschen Volkswirt­schaft kann man beim Eintritt Deutschlands in das 19. Jahrhundert noch nicht sprechen. Deutschland setzte sich damals vielmehr aus einer ganzen Reihe kleiner Volks­wirtschaften zusammen, die durch Zollschranken mehr oder weniger streng von einander abgeschlossen waren und da­durch nach dem treffenden Vergleich von Friedrich List das Bild eines lebendigen Organismus boten, dessen Glie­der durch Bänder von einander abgeschnürt sind, sodaß keine freie Vlutzirkulati on zwischen ihnen statt finden kann.

Wie das deutsche Wirtschaftsleben zu Anfang des letzten Jahrhunderts in bezug auf die Entwicklung der Produktionstechnik, der Betriebsformen und des Verkehrs in der Hauptsache noch durchaus mittelalterilche Ver­hältnisse zeigt, so trägt erst recht die Wirtschastsverfassung, die Rechtsordnung des Wirtschaftslebens einen aus­gesprochen mittelalterlichen Charakter. Denn die Wirtschaftsversassung Deutschlands in den ersten Jahres des Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch zwei Institute, die ihrem Ursprung und ihrem Wesen nach der ständisch gegliederten Gesellschaft des Mittelalters angehören, die Zunftverfassung auf gewerblichem und die Erbuntertänig­keit auf landwirtschaftlichem Gebiete.

Erbuntertänigkeit und Zunftverfassung sind die beiden Einrichtungen, von denen sich Deutschland sehr früh im 19. Jahrhundert, noch in der ersten der drei von uns unter­schiedenen Perioden emanzipiert hat.

Die.Einführung der wirtschaftlichen Freiheitsrechte, die Beseitigung der Gebundenheit der Person und des Eigen- tuins genügten noch nich>t, um die moderne Technik und die neuen großgewerblichen Betriebsformen- die in Eng­land schon in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahr­hunderts das Wirtschaftsleben revolutioniert hatten, ihren Einzug in Deutschland halten zu lassen. Dazu bedurfte es vor allem der Herstellung eines einheitlichen Mrtschafts- gebiets und einer Umgestaltung des Verkehrswesens.

In der Mitte der 30 er Jahve waren diese Voraus­setzungen endlich erfüllt. Nachdem Preußen schon durch die

Tarifreform von 1818 die Binnenzölle zwischen den ein­zelnen Teilen der Monarchie beseitigt hatte, wurde durch die Zollvereinsverträge von 1833 der größte Teil Deutsch­lands 18 Staaten mit einem Gebiet von über 7700 Quadratmeilen und rund 23 Millionen Einwohnern zu einem einheitlichen Zoll- und §>andelsgebiet zusammen-, geschweißt. Bei jeder Erneuerung erweitert der Zollverein dann später seine Ewenzen immer mehr.

Ein bedeutsamer Zufall fügte es, daß das Jahr, das dem Inkrafttreten der Zollvereinsverträge folgte, den Beginn des Eisenfrahnbaues in Deutschland bedeutete. Im Jahre 1835 gelang es Friedrich List, das Aktienkapital für die Linie Leipzig-Dresden zusammenzubringen, und noch im selben Jahre konnte die erste deutsche Lokomotiv-Eisen- bahn Nürnberg-Fürth, die fteilich nur eine Länge von 6 Kilometer hatte, eröffnet werden. Dann machte der Eisenbahnbau schnell gewaltige Fortschritte. 1844 betrug die Vahnlänge schon über 2300, 1850 über 6000 Kilometer. Und waren bis zur Mitte des Jahrhunderts meist nur einzelne Linien gebaut worden, die noch der rechten Ver­bindung unter einander ermangelten, so kann man am Ende der Periode, mit der wir uns jetzt beschäftigen, be­reits von einem svstematisch ausgebauten Eisenbahnnetz von etwa 20 000 Kilometer Länge in Deutschland sprechen.

Mit der Herstellung der wirtschaftlichen Einheit und der Umgestaltung des Verkehrswesens waren die beiden Hauptbedingungen für die Entstehung einer modernen Großindustrie und einer starreren interterritorialen Ar­beitsteilung gegeben.' Nun erst wurde das ganze Deutsch­land eine große Volkswirtschaft. Die einzelnen Landes­teile rückten einander näher, ihr Zusammenhang wurde enger, ihre VerfleckMng mit einander immer inniger.

Schon bald nach der Gründung des Zollvereins be­ginnt der moderne Kapitalismus in raschem Siegeslauf die deutsche Industrie umzugestalten.

Hand in Hand mit der zunehmenden Verwendung des Dampfes als motorische Kraft vollzogen sich in der In­dustrie bedeutsame Betriebsverändernngen in der Richtung einer Rationalisierung des gesamten Arbeitsprozesses auf wissenschaftlichen Grundlagen. Von der rohen Empirie, mit der man sich bis dahin begnügt hatte, ging man zur wissenschaftlichen Beherrschung des ganzen Produktions­prozesses über.

Das Aufkommen der Großindustrie stellte auch neue Anforderungen an das Bank- und Kreditwesen. Dem Be­dürfnisse nach einer Vermehrung der Umlaufsmittel wurde, namentlich seit der Mitte des Jahrhunderts, durch Gründ­ung zahlreicher Notenbanken entsprochen. Bei der Gründ­ung des neuen Reiches zählte Deutschland mehr als 30 Banken, die daS Privilegium der Banknotenausgabe be­saßen und davon auch in fast überreichem Maße Gebrauch machten.

Auf den übrigen Gebieten der wirtschaftlichen Gesetz­gebung wurde eine Vereinheitlichung erst erreicht, nach­dem die politischen Einigungsbestrebungen zum Ziele ge­führt hatten. Die Einheit des Gewerberechts, und zwar auf dem Boden der Gewerbefreiheit, brachten, zunächst für den Norddeutschen Bund, Gesetze von 1868 und 1869, die Einheit im Geld- und» Münzenwesen wurde erst einige Jahre nach der Gründung des neuen Reichs hergesieüt (1873). Schon lange vorher (feit der Dresdner Münz­konvention von 1838) hatten allerdings die Staaten des Zollvereins, seit 1857 außerdem noch vereint mit Oester­reich, in den Zweitaler- und später auch den Eintaler> stücken einen wenigstens teilweise gemeinschaftlichen Geld-' umlauf gehabt. Die Einheit des Bürgerlichen Rechts end­lich wurde erst erreicht, als schon wieder ein Menschen­alter seit der Wiederauftichtung des Rcichß verflossen war, ganz zum Schlüsse des 19. Jahrhunderts.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 22. Sept.

Anwesend: Oberbgm. Mecum; die Beigg. Eursch- mann, Georgi und Heyligenstaedt unb die Stadw. Brück, Emmelius, Euler, Faber, Dr. Gutfteisch, Haubach, Heichel­heim, Helftich, Huhn, Jann, Keller, Leib, Löber, Orbig, Petri, Schaffstaedt, Schiele, Schmält und Wallenfels.

Oberbgm. Mecum eröffnet nach 6 Uhr die Versammlung und bemerkt, daß er mitzuteilen habe, daß die Familie Pirr der Stadtverordnetenversammlung Mitteilung von) dem Ableben des Stadtv. Pirr gemacht habe und daß er im Namen der städtischen Verwaltung deren tiefstes Bei­leid aus Anlaß des Trauerfalles den Angehörigen zum Ausdruck brachte. Weiter machst der Oberbürgermeister von einem Beschluß der Schlach th aus ko mmission Mitteilung, wo­nach man der Frage einer Kühlh ausanlage im Schlachthause, welche schon lange in Aussicht genom­men war, nun näher treten wolle. Es sei beschlossen wor­den, daß eine Kommission am 3. Oktober sich nach Köln, Düren, Ohligs und Solingen begeben solle, um die bärti­gen Kühlhauseinrichtungen, welche unseren Verhältnissen! en tspre chen, anzus ehen.

Dortmund hat, so teilt OberbgM. Mecum mit, nach Plänen des Professor Dülfer ein neues Thle aterj errichtet. Auf Wunsch! des, Erbauers hat der Magistrat von Dortmund eine Einladung hierher ergehen lasten, benf Theaterbau und seine Einrichtungen am 25. September sich au zu seh en und gleichzeitig auch zu der an diesem Tage abends stattfindenden OpernvorstellungDer Freischütz", eingeladen. Der Oberbürgermeister hat den Dort-, munder Magistrat verständigt, daß die Annahme der Einladung nicht eher als am 5. Oktober möglich sei, am welchem Abend im Dortmunder Theater wieder gespielt wird. Es ließen beide erwähnten Reisen sich miteinander verbinden.

Eine weitere Mitteilung des Oberbürgermeisters be­trifft die Schritte bezüglich der Abänderung der Poli- zeiv er ordnun g fretr. das Musmelken der Ksth« vor dem Auftrieb auf den Viehmarkt. Ämj Dienstag hat in dieser Angelegenh-ett im KreisanttS-Ge^ bäude eine Besprechung stattgefunden, wybei neben Pro­vinzialdirektor Dr. Breidert und Oberbgm. Mecum zahl­reiche Interessenten, Landwirte und zwei Vertreter der- geladenen Viehhändler anwesend waren. Die Verhand-^ langen dauerten drei Stunden, und man einigte sich, datz das Großh. Kreisamt beim Ministerium vorstellig werden wolle, um die Genehmigung zur Zurücknahme der bett. Polizeiverordnung zu erlangen. Der § 1 soll nach einer: neuen Fassung nur bestimmen, es genüge, daß die Kühe abends vorher, vor dem Auftrieb auf den Markt, auA-^ gemolken werden sollten. Provinzialdirektor Dr. Breidert war heute, Donnerstag, deswegen in Darmstadt imb hatte! mit Oberbgm Mecum verabredet, er wolle über den Aus­gang seiner Verhandlungen mit dem Ministerium telegra^ phische Mitteilung machen. Das Telegramm, so sagt Cba> bgm. Mecum, ist bereits eingetroffen unb enthält die Nachricht, daß bte vorgeschlagene Aenderungab- gelehnt sei, da die Polizerverordnung fast im ganze» Lande und im Regierungsbezirk Koblenz seit längerer; Zeit Geltung habe. Weitere Mitteilungen, wegen der 9RiI* berung von Härten, sollen noch folgen.

Darauf erfolgte der Eintritt in die Tagesordnung.

Das Baugesuch des W. Wilke wegen einer Treib Hausanlage im Wiesecker Weg findet mit Bewilligung de§ Dispenses von § 5 des Ortsbaustatuts die Zustimmung der Versammlung. Auch das Baudispensgesuch des Louis Hellmold für die Weserstraße wird genehmigt.

Die Erwerbung des Grundstücks Wolken­gasse 1 (Auferstehung*) von Friedel L Asprion hat schon

Kleims Aenisseto«.

Aus Frankfurt wird uns von Befreunbeter Seite ge­schrieben : Tas Schauspielhaus bereitet folgende Neuein­studierungen vor: LaubesKarlsschüler" für den 1. Oktober, und PailleronsTie Welt, in der man sich langweilt" für den 7. Oktober. Am 15. Oktober, einige Tage nach dor Uraufführung im Deutschen Schauspielhaus zu Hamburg, findet die erste Auf­führung vonDer tote Löwe" von Oskar Blummenthal statt. Der Autor kommt hierher, um die letzten Proben seines Stückes zu leiten. Es behandelt den B i s m a r ck st o f s (in Versen und im mittelalterlichen Spanien spielend). Das Buch hat nach einigen kleineren Aenderungen und Sttichen bereits die Zensur passiert. Am 22. Oktober gibt es eine Neueinstudierung von A. Dumas SohnVater und Sohn" (Le p6re prodigneu).

Ter letzten Dienstagnummer derWeftl. Post" in St. Louis e ntnehmen wir: Am Kongreß der Zahnärzte nahmen etwa 1500 Zahnärzte teil, darunter 150 Ausländer. Auch Deutschland war gut vertreten. Der Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit fiel einem Deutschen, Prof. Dr. Miller in Berlin, zu. Vorträge wurden gehalten von Prof. Dr. Miller, von Hofzahnarzt Pfaff-Dresden, der gleichzeitig seine Arbeits­methoden zahnärztlicher Orthopädie durch eine große Zahl^ instruk­tiver Modelle zur Anschauung brachte, ferner von Dr. Schröder- GreisSwald. Tr. Rauhc-Tüssttdorf und Dr. Hoffendahl-Berlin, während von Tr. Römer-Straßburg, Tr. Röse-Tresden, Dr. Schrödce-Eafsel und Dr. Schäffer-Stuckert aus Frankfurt a. M. Vorträge eingesandt waren, die zur Verlesung gelangten. Der nächste zahnärztliche Kongreß wi-d in Berlin 1909 stattfinden.

Der Bismarck der Revolutionsjahre. Ter Köln. Ztg." wird geschrieben:Mein Vater war während der Revolutions'ahre Abgeordneter des preus-ischen Landtages, Steuer- Verweigerer, begeisterter Verehrer Waldecks usw. Nur feiten pflegte er von dieser interessanten Zeit zu erzählen; es war fast, n ls bedrückte es ihn, daß er, der begeisterte Fortschrittler und Abschasfer aller Orden, sich im Laufe der Zeit zu einem überzeugten Nativnalliberalen und iunrmcn Verehrer Bismarcks gewandelt hatte und mit dem Roten LLdlerorden geschenücktz war. Aber eine Gessbichte hat er mir ein paarnml erzählt: wie nämlich der Abgeordnete v. Bismarck-Schönhausen in einem Restaurant leider ist der Name meinem Gedächtnis entschwunden wiede-holl einen Stammliscu der Fortschrittler aufgesucht habe. Bälli'k verblüfst saß die Stammtisch-Runde da, als derJunker" v. Bismarck sich eines Abende mit einem leicksten ,^Jst's erlaubt?" tu Uw setzte. Und er. erklärte gleich: ,Hch möchte ein wenig

mit Ihnen plaudern, meine Herren, denn meine Fraktionsgenossen sind gute Leute, aber gor zu langweilig; ich öde mich da fürchter­lich. " Das betonte er später noch ein paarmal. Bismarck eröffnete die Unterhaltung ungefähr mit den Worten:Was Sie von mir denken, weiß ich natürlich ganz genau. Am liebsten hängten Sie mich an einen Laternen Pfahl." Mit cniftem Gesicht nickte der Königsberger Jacobi und wies mit der hageren Hand auf eine durch das Fenster sichtbare Straßenlaterne.Na, so weit find wir ja Gott sei dank noch nicht!" meinte Bismarck ohne die geringste Spur von Befangenheit oder Aerger. Tie erst etwas stockend geführte Unterhaltung, meist ein Streit um Ansichten, kam bald in flotten Gang. Das wiederholte sich in der Folge noch öfters, und am Stammtisch der Fortschrittler freute man sich trotz aller Gegensätze und aller: inneren Grolls, wenn der urwüchsige Junker, der sich vermaß, Volksnot mitBlut und Eisen" kurieren zu wollen, am Tische Platz nahm. Alle waren dann einer angeregten Stunde sicher.

Rheinhessen. Von Ächulrctt Brilmayer. Verlag von Emil Roth in Gießen. Vollständig in acht Heften ä 1 Mk. Eine lexikalische Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz. Vrilmayers Rheinhessen verspricht ein hervor­ragendes Werk auf dem Gebiete der lokalen Geschichtschreibling zu werden. Ausgehend von seinem ersten Auftteten in der Ge­schichte wird von jedem Ort seine politisck>e Zugehörigkeit im Laufe der Jahrhunderte bis zur Vereinigung mit Hessen erzählt, daran schließt sich eine Schilderung der lirchlicheir Verhältniss? des Ottes und anderer Merkwürdigkeiten. Besonders ausführlich sollen, die fünf Krsisstädte behandelt^ werden. Sehr wertvoll ist die Beigabe von Illustrationen, .Städteansichten, ehemaligen Wappen, alten Urkunden und Gettchtssiegeln usw. Somit empfiehlt sich daS Buch nicht nur für die Bewohner Rheinhessens, sondern ganzen Großherzogtums, und es wird wegen seines inter-- essanten Inhaltes gewiß ainfr weit über die Grenzen Hessens hinaus ftenndlicke Aufnahme finden. Heft 2 umfaßt Bingen bis Eppelsheim.

7- Hermann H ess es RomanPc ter Camenzind" ist binnen ganz kurzer Zeit in 5. Anftage erschienen. (E>eheftet 3 ^Nk., S. FisckDr Verlag, Berlin.) Der Ticltter gibt uns ein schönes und stilles Buch. Viilfach könnte man seine milde, gütige und treudeutsche Art umsckireiben, könnte sagen, daß es wie eine weiße Wolke sei, die still ihren frommen Weg geht, oder nrie ein Glocken ruf im Abend oder wie ein reines Gebet. Feinschmecker liebtm seine Weise so innig und versck)<wiegeu, wie man solckv erlesene Kunstwerke allein sck)ätzen barf. Die Geschichte eines

Bauernbuben, eines hatten, muskeligen Kerls, der aber bett) versonnenen Träumerkop-f des Hermann 5)esse auf den Schultert hat. Und da ist schon die Tragik so einer findet sich nn Leben nicht zurecht. Draußen nicht, aber drirmen wohl. Äeußer- ttch sind lauter schiefe Linien zwischen ihm inü) den Menschen: Schüchternheit, Pech, Plumpheit, Unrast, Herbe lassen ihn niL zu den glatten, geschmeidigen Weltbürgern heran. Aber inner* lich umfaßt er wundersam das Leben: mit seinen schlendernden Schritten und srmftern Sinnieren endet er dott, wohin Spinoza! mühsam seine reine Weisheit emporgezirkelt hatte, bei der reinen gütigen Weltliebe und der milden Inbrunst großer Liebender. Wahrhaftige Firnenreinheit ist über diesen letzten Kapiteln int Gebirge, da sich alles klärt und versöhnt.

Das Moderne Landhaus und seine innere Ausstattun g. 220 Abbildungen moderner Landhäuser au5 Deutschland, Oesterreich, England und Finland nebst Grundrissen und Jnnenräumen. Folio. Derlagsanstalt F. Bruckmann A.-G., München 1904. In festem Einband 5 Mk. Ein guter Gedanke der Verlagsanstalt Bruckmann. und elegant und geschmackvoll ohne alles überflüssige Nebenwerk zur Freude vieler auSgeführt. Nur Abbildungen, feine Beschreibungen undWürdigungen" und ästhe­tische Bettachtungen. Das ist entschieden dem Werke zum Bottell^ und fd)on deshalb wird es gern gekauft toerden. Es bedeutet schon, nrie es sich bietet, Etwas Das Wort wird frier überflüssig, weil, die Wahl der Bilder eine Auswahl des Besten eine Kritik mit Motten unnötig macht. In zahlreichen vorzüglichen Mbi'.dungen werden Landhäuser, Osattcuanlagen und Wohnzimmer, Herrenzimmer und .Hallen so gezeigt, daß sie Arditetten imb Wohnungskünftlern, Landhausbesiitzem und fol(fvn, die auch nickst im eigenen Hause künstlerisch befriedigende Räurne sich schafftn wollen ,im ganzen und im einzelnen aiiSrcidxnbe Anregungen geben. Sehr interessant ist das Nebeneinairder deutscher und aus­ländischer Landsitze der Gegcnn'art. Auch Incr wird durch kluge Wahl ohne Worte gesagt, daß wir nicht hatten können wie die Engländer ober die Finnen und diese nicht wie wir: Anregungen anszutausck>eu haben aber auch auf diesem Gebiiete alle Nationen. Einer weiteren Empfehlitng darf ein Werk wie das vorliegende nickst, es tvirb jedem mit Nutzen in die H<md gegeben werden, feinem zum Nachteil, lind nwr es durckwlättert, wird sich über den Reichtum unb hie Güte des Gebotenen freuen, zumal, nna gesagt, aller Ballast fehlt und daS Werk iid) obciibteut durch einen bibliophil geschmackvollen Einband als ein begehrenswerte-' aubictct Säi Ä.