— em andermal sich seine Leute genauer ansehen und ferne Instruktionen studieren. Der andere war außer sich, rief einen vorübergebenden Soldaten heran, der den Diener, verhaften und auf die Wache bringen mußte, von wo man ihn jedoch bald entließ. Der Fähnrich suchte bald darauf einen Vergleich mit dem Burschen, wenn dieser wegen des DuzenS und der Beleidigung Abbitte leiste. Der Bursche ließ sich nicht darauf ein, sondern beschwerte sich beim Oberst, der indes die Handlungsweise des Fähnrichs korrekt und vorsichtig nannte, dieser wäre sogar berechtigt gewesen, dem Burschen „das Seitengewehr in den Bauch zu stoßerck, er wäre in gleicher Lage ebenso verfahren. Ueberdies werde der Bursche eine Klage wegen Beleidigung zu erwarten haben. (Diese Darstellung ist so wenig glaublich, daß man dem genannten Blatte die volle Verantwortung dafür überlasten muß. D. Red. d. Gieß. Anz.) .
• Neues Briefpapier für den Kaiser ist soeben von einer Berliner Firma hergestellt worden. In mattem Hellblau gehalten, stellt es in seiner zarten Rauhung eine Nachahmung feinen Leinengewebes dar. Die Umschlagklappe und die linke obere Ecke des Bogens zeigen ein neu entworfenes Monogramm des Kaisers in reicher mehrfarbiger Prägung. Der Schild mit dem Reichsadler ist umgeben von dem Band des britischen Hosenbandordens (mit der Inschrift „Honny soll qui mal y pense“) und dies von der Kette des Schwarzen Adlers, beide eine elliptische Umrahmung bildend. Hinter dieser Anordnung erscheinen die weißen Spitzen des Johanniterkreuzes, in besten Winkeln zwei Marschallstäbe gekreuzt sind. Heber dem Ganzen schwebt die Kaiserkrone mit flatternden Bändern. Das vorherrschende Gold des Monogramms vereinigt sich, so schwärmt der „Berliner Lok.-Anz.*, mit dem zarten Blau des Papiers zu einem vornehmen Farbenzusammenklang.
»Von Stufe zu Stufe. Wegen Zechprellerei wurde in Hamburg der 36jähr. Gerichtsassessor a.D. P. verhaftet. Er hatte in einer Gastwirtschaft sieben Glas zu sich genommen und wollte sich heimlich entfernen, ohne Zahlung zu leisten. Er wurde angehalten und zur Polizei sistiert. Hier wurde festgestellt, daß der Verhaftete in Halle a. d. S. als Sohn eines Gymnasialprofestors geboren war. Nachdem er das Gymnasium absolviert hatte, studierte er Jura, wurde später zum Militär eingezogen, wo er es bis zum Feldwebel brachte. Dann studierte er weiter, führte aber auf der Universität ein richtiges Lotterleben, so daß seine Eltern froh waren, als das Studium beendet war und der Sohn als Referendar an ein Gericht kam. Als der Vater gestorben war, verlor der junge P. jeden moralischen Halt; er machte Schulden, die die Mutter unter mancherlei Entbehrungen decken mußte, bis der Sohn mit Mühe das Assestorexamen bestand. Er machte aber noch ferner Schulden, die ihn schließlich zwangen, den Abschied zu nehmen. Im Laufe der letzten Zeit versumpfte er derartig, daß er bis zum Pennbruder sank und Zechprellereien verübte. In seinen Taschen wurden verschiedene gerichtliche Vorladungen gefunden. Er erklärte, er sei froh, daß er verhaftet würde, denn nun hätte er wenigstens Obdach für die Nacht gefunden.
* Von einem Löwen zerfleischt. Fran Luise Drohsuer, die unter dem Namen „La Goulue" einen Weltruf hatte, als die naturalistischen Tänze im Pariser Moulin Rouge en vogne waren, die aber seither dem Tanzboden Valet gesagt und sich nach der Verheiratung mit einem Menagcriebesitzer mit dem Bändigen von wilden Tieren beschäftigte, ist auf dem soganannten „Mirlitons"-Feste von Saint-Cloud von dem LÄven Nogus deartig zugerichtet worden, daß sie wohl kaum mit dem Leben davonkommen wird. Die Bestie war von dem amerikanischen Bändiger Bostock als völlig undressierbar ausrangiert worden; die Goulue hatte sich aber in den Kopf gesetzt, sie zu bändigen, trotzdem ihr von allen Seiten davon ab geraten wurde. Der Löwe sprang, als sie ihn während der Vorstellung mit der Peitsche bedrohte, auf sie, packte sie und warf sie zu Boden, worauf er sich über sie kauerte und ihr Gesicht mit den Zähnen und den Krallen bearbeitete. Vergeblich stießen die ZWärter sichre Eisenstäbe ihm in die Seiten; er ließ sich nicht von seinem Opfer abbringen, und erst, als jemand ihm mit einer Zange die Ohren halb hercck»riß, während ein anderer einen Dreizack ihm in die Weichen stieß, konnte man ihn von der unglücklichen Bändigerin losbekommen und diese schwerverletzt in Sicherheit bringen.
* Das Billardspiel im Löwenkäfig. 'Aus London, wird ^geschrieben: Einen tollen Streich führten die Brauereibesitzer Hutchlngs und Jackson in Dudley aus, als sie am Samstag abend in der dortigen Empire Music Hall aus purem Brav ad o eine Partie Billard in einem großen Käfig spielten, in dem sechs Löwen ihre Zuschauer bildeten. Das Publikum wurde ersucht, sich ruhig zu verhalten, um die Tiere nicht aufzuregen, vergaß sich aber, und dies brachte die Löwen in solche Aufregung, daß einer aus der Ecke brach und, nachdem er zweimal um den Billard tisch gelaufen, sich brüllend aus Gitter stellte. Er wurde von der Löwenbmrdigeriu zurückgetrieben, ohne daß die Herren sich dadurch in ihrer Ruhe und in ihrem Spiel hätten stören lassen.
* Die amerikanischen Krösusse. Nach den jüngsten Steuerveranlagungen in den Vereinigten Staaten ist, wie dem „B. T." geschrieben wird, der Grundeigentumswert der größten Steuerzahler im ganzen Lande: M. Field, Chicago, 40 000 000 Dollars, I. I. Astor, Newyork, 35 300 000 Dollars, W. Weightman, Philadelphia, 30 000 000 Dollars, Wm. W. Astor, Newyork, 27 500 000 Dollars, L. Z. Leiter, Chicago, 13 000 000 Dollars, Otto Ä)oung, Chicago, 10 350 000 Dollars, H. E. Frick, Pitts- burg, 10 000 000 Dollars, F. White, Baltimore, 8 000000 Dollars, W. Cheßman, Denver, 6 000 000 Dollars, I. M. Sears, Boston, 4 500 000 Dollars. Von diesen zehn reichsten Grundbesitzern ist Weightmann in Philadelphia .kürzlich gestorben und hat seine einzige Tochter zur Universalerben! eingesetzt. Fields Reichtum ist natürlich ebensowenig wie 'der der übrigen Großgrundbesitzer durch die Ziffern der Steuerbehörde erschöpft; man schätzt vielmehr sein Gesamtvermögen, das zum Teil in Werten der Pulman Car Co. angelegt ist, auf etwa 250 000 000 bis 300 000 000 Doll. Unter den Steuerzahlern, die mit beweglichem Vermögen hoch eingeschätzt sind, stehen obenan Carnegie mit 5000 000 Doll. Einkommen, John D. Rockefeller mit 2 500 000 Doll, und Rüssel Satze, der bekannte Newtzorker Geizhals, mit 2 000 000 Doll. Die ^bereinigten Staaten fcnneit bisher keine Steuergesehe, die es gestatteten, die Reichen ihrer Leistungsfähigkeit entsprechend her anzuziehen. Hauptein- nahulequelle ist und bleibt vorläufig der Einfuhrzoll; eine Einkommensteuer befürworten nur die Radikalen.
• AuS den .Meggendorfer Blattern*. lleber- legen. Studiosus Streber: .Fürchtest Du nicht auch, daß uns aus der Frauenemanzipation eine gefährliche Konkurrenz erwächst?" — Studiosus Süffel: „Ach, Mumpitz, das Frauenzimmer möchte ich sehen, das mich untern Tisch trinkt!*
Wniversttäts-Wachrichten.
Freiburg t Br., 22. Sept. Der Großherzog ernannte den etatsmäßigen a. o. Professor der Mineralogie und Kristallographie Dr. Alfred Osann, Direktor des hiesigen mineralogischen Instituts, der erst kürzlich einen ehrenvollen Ruf als Ordinarius an die Universität Gießen ablehnte, zum ordentlichen Honorarprofessor.
Kunst und Wissenschaft.
Edinburg, 22. Sept. Die Verhandlungen der aus Juristen aller Länder zusammenges-tzten Institute für Völkerrecht wurden heute eröffnet. Zu Mitgliedern wurden gewählt: Gram-Norwegen und Tr. Ullmann-München, zu korrespondierenden Mitgliedern: Professor Dr. W. Kaufmann-Berlin, Professor Andre Mandelstamm-Vctersbuvg. Der Vorsitzende, Lord Reay, betonte die Notwendigkeit der Einberufung einer internationalen Konferenz und der Beratung über die Frage der Kontrebande.
KirÄkiche YaHrickten.
Evangelische Gemeinde.
17. Sonntag nach Trinitatis, den 25. September: Hotlesdleuü.
In der Stadtkirche.
Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde.
Pfarrer D. Schlosser.
Zn dem am Sonntag nachmittag stattfindenden Ausflug der Konfirmierten nach Ziegenberg—Nauheim werden noch die Mitglieder der Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde eingeladen. Zusammenkunft am Bahnhof um 17< Uhr.
In der Johanneskirche.
Vormittags 97, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.
Katholische Gemeinde.
HollesdieuS.
Samstag, den 24. September 1904.
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.
Sonntag, den 25. September 1904.
18. Sonntag nach Pfingsten.
Vormittags von 6 7, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.
, um 7 Uhr: Die erste heil. Meße, vor und in derselben Allsteilung der heil. Kommunion.
, um 8 Uhr: Tie zweite heilige Messe.
„ um 9 7, Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 2l/t Uhr: Christenlehre; darauf Andacht für die Abgestorbenen.
Montag abend 67? Uhr ist Jubiläums-Andacht mit Segen. Donnerstag vormittag um 7 Uhr ist Segensmesse.
Israelitische Religionsgemeinde.
Hottesdirnst in der Synagoge (Südanlage).
Samstag den 2 4.
und Sonntag den 25. September 1904. Laubhütterrfest.
1. Tag: Borabend: 6 Uhr.
Morgens: 8.30 Uhr. Predigt.
Nachmittags: 4.00 Uhr.
2. Tag: Vorabend 7.00 Uhr.
Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr.
Abends 7 Uhr.
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 22. September 1904.
(Mitaeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Prioat-Diskont 37* Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
Oest. Kredit.... 206.75 206.40
Deutsche Bank . . . 225.70 225.62
Darmstadter Bank . . 142.00 142.00
Bochumer Guß . . . 206.25 206.30
Harpen er Bergbau . . 214.10 213.90
Tendenz: Schwach.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 28. Sept. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 35 Ochsen, 8 aus Oestreich, 1 Bullen, 0 aus Oestreich, 55 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oestreich, 721 Kälber, 200 Schafe und Hämmel, 345 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht • Ochsen 1. Qualität 75—76 Mt., 2. Qual. 70—72 Mk., 3. Qual. 63—67 Mk.; Bullen l. Qual. 63 bis 00 Mk., 2. Qual. 00—00 Mk.; Kühe 1. Qual. 70—72 Mk., 2. Qual. 67—69 Mk., 3. Qual. 57—59 Mk, 4. Qual. 48—50 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber: 1. Qual. 83—87 Psg., Lebendgewicht 49—52 Pf., 2. QUal. 74—78 Psg., Lebendgewicht 44—47 Psg^ 3. Qual. 58—61 Pfg., Schlachtgewicht 00—00 Psg., Schafe: 1. Qual. 68—70 2. Qual. 60—62 Pfg., 3. Qual. 00—00 Psg.; Schweine 1. Qual. 59—60 Pfg., Lebendgew. 47 Pfg., 2. Qual. 58—00 Pfg., Lebendgewicht 46—00 Psg., 3. Qual. 53—55 Psg., Lebendgewicht 00—00 Psg. Geschäft bei Hornvieh gut, Ueberstand unbedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand.
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
September
1904.
Barometer auf 0° reduziert
Temperatur der Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
ÖD
S ß
Windstärke
Wetter
22. 2“
747,2
8,6
7.2
87
ENE.
4
Regen
22. 956
748,0
7,8
7,2
93
NNE.
4
Bed. Himmel
23. 7»6
748,2
8,0
7,0
88
NE,
2
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Höchste Tk
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21. b
is 22.
Septen
iber =
= 4- 9,40 C.
Niedrigste
-
w
21.
„ 22.
= 4- 5,10 C.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
l Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag, den 24. September: Vorwiegend trüb, Temperatur wenig verändert, Regenfälle. Im Süden vorübergehend Aufheiterung.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldungen des Gießener TlnzeigerS.
Berlin, 23. .Sept. Major v. Glafenapp, der Führer der Marius Infanterie-Division in Deutfch-Sildwestafrika, hat am Mx b. M. von Sw-akopmund die Heimreise au ne treten.
Berlin, 23. Sept. Das Begräbnis von Emil Thomas, dem bekannten Komiker, auf dem Kirchhofe der Kaiser Milhelm-^dächtnis'kirche gestaltete sich zu einer inrpo- fanten Volkskniidgebnng. Tie offiziellen Theaterkreise waren vollzählig erschienen. .Mehr als 10000 Menschen nahmen an der Beisetzung teil. .Die Kränze türmten sich zu Bergen auf.
Mannheim, 23. Sept. Wie die „N. Bad. Landeszrg."' meldet, ist Direktor I. Hofmann, früher Direktor des Kölner Stadttheaters, zum Intendanten des hiesigen Hof- und Nationaltheaters gewählt worden.
London, 23. Sept. Nack einer Meldung ausl Kapstadt ist dort von einem deutschen Fawner ein Privatbrief eingegangen, wonach die Vondelzwarts sich neuerdings erhoben hätten. Alle Eingeborenen in Deu ts ch - Südwestafrika seien im Aufstande. Die Schwierigkeiten für die deutschen Truppen wachsen fortwährend.
London, 23. Sept. Wie aus Beaufort West gemeldet wird, empfahl General von Trotha dem Kaiser die Verleihung von Ordensauszeichnungen an den "Inspektor Doon und den Sergeanten Austin von der dortigen berittenen Kappolizei in Anerkennung ihrer Tapferkeit bei einem Kampf während des 5)ottentottenaufstandes im vorigen Dezember. Sie stürzten damals unter heftigem Feuer hervor und beschützten mit der englischen Flagge eine englische Trägerabteilung, die einen verwundeten Offizier^trug.
Luxemburg, 23. Sept. Der gestern abend kurz nach 1/210 Uhr hier eingesiosfene Personenzug sollte nach dem Aussteigen her Passagiere nach dem Maschinendepot gefahren werden. Kurz vor dem Maschinendepot wird die Bahn eingleisig. Ta kam der um 9.25 Uhr abends fällig gewesene Zug Remich- Mondorf-Luxemburg mit Verspätung an und stieß unter einer Straßenüberfl'hrung auf den Echternacher Zug. Von letzterem wurde ein Wagen aus dem Gleise gehoben, während von dem Remicker Zuge die Maschine zusammengequetscht wurde und sämtliche Wagen aus dem Gleise gehoben wurden. 14 Personen wurden mehr oder minder schwer verletzt. Einem Heizer wurde der Brustkorb eingequetscht. Unter den Verletzten befindet sich der Vürgermeistereisekretär Knapp und Frau aus Metz.
Brüssel, 23. Sept. Wie in hiesigen Hofkreisen verlautet, hat sich feit dem Zwischenfall mit der Prinzessin Luise die Prinzessin Klementine mit ihrem Vater überworfen. Nunmehr sei es sehr leicht möglich, daß biß Verlobung mit Viktor Napoleon, die vom Könige bisher hintertrieben toorben sei, nun doch erfolge. _ . „ .
Paris, 23. Sept. Gräfin Lonyay war bei ihrem gestrigen Besuche bei der Prinzessin Luise von ihrem Gatten begleitet. Nach der Unterredung unternahmen die beiden-Lchwesteru eine Automobilfahrt und kehrten hierauf ins Hotel zurück. Die Prinzessin Luise ist augenblicklich mit der Abfassung ihrer Memoiren beschäftigt. ,
Paris, 23. Sept. Wie bereits gemeldet, fand gestern nachmittag eine Zusammenkunft der Gräfin Lonyah mit ihrer Schwester, der Prinzessin Luise von Koburg, statt. Tas freudestrahlende Gesicht der Prinzessin Luise beim Abschied habe verraten, wie sehr sie von der Begegnung befriedigt war. Gräfin LonyaY war sehr gerührt und weinte über das Schicksal der Schwester und die Leiden, die jene erduldet. Sie sprach ihre Freude darüber aus, daß die Schwester nunmehr befreit sei und sich wohl befinde. AußerLem habe sie ihre Unterstützung zugesagt, falls die Prinzessin Luise derselben bedürfe. Tie Aussöhnung der beiden Sck?iwestern werde wohl auf den Gang der Verhandlungen mit Wien fernen Einfluß haben, sei aber von günstiger Wirkung auf den Gemütszuitand der Prinzessin.
Belgrad, 23. Sept. Das Theater pars machte out die Diplomaten einen peinlichen Eindruck, weil in dem aufgeführten historischen Drama Serbien auf Konten Kroatiens, Griechenlands und Bulgariens verherrlicht ist, was allgemein <rls taktlos bezeichnet wird. Viel besprochen wird die Zurücksetzung, die die als Gäste des Königs hier weilenden Prinzen Rozidar w nd Alescki Karageorgewitsch erfuhren, womit angeblich gezeigt werden sollte, daß sie nicht zur königlichen FamUie gehören. Sämtliche Verschwörer wurden anläßlich der Krönung dekoriert, was allgemein auffällt.
Odessa, 23. S^t. Zu dem Attentat aus General v Neidthart wird noch gemeldet: Als der General mit dem Flügeladjutanten Fürsten Obolensky einige auf dem Boulevard liegende Bauten besichtigte, kam ein 19jähriger Jüngling in blauer Bluse heran und feuerte auf sechs Schritte auf den Stadthauptmann. Die Kugel flog links vorbei, ohne zu treffen. Ms der^ Attentäter einen zweiten Schuß abgeben wollte, schlug Fürst Obo- lensty ihnr den Revolver aus der Hand. Ter General stürzte sich auf den Uebeltäter, um ihn festzunehm-en, verwundete sich jedoch bei dem Kampf durch einen bei dem Manne befindlichen Dolch nn der Hand. Der Revolver war, allerneuesten^ Kalibers. Der Uebeltäter weigert sich hartnäckig, seinen Damew zu nennen.
Newyork, 23. Sept. 40 Arbeiter sind bei dem Z n* sammenbru Heines Gerüstes am Grüies-Fluß in Indiana' 30 Meter tief abgestürzt. 20 Arbeiter tparen ftchvtt t o,t,. die übrigen wurden schwer verletzt. '
* 'hx.
Pom Kriege.
Petersburg, 22. Sept. Der Kriegsberichterstatter des „Regierungsboten" brautet aus Mukden: Nach Mitteilungen aus chinesischer Quelle ist die Umgehung der linken Flanke der Russen durch die Japaner im Gange.
London, 23. Sept. Wre berichtet wird, wurde die Gattin des BefeWhabers von Port Arthur, Generalin Stüsse.1 verwundet, als sie Verwundete pslegte.
Petersburg, 23. Sept. Ein Telegramm des General. Stöffel an den Generalstab berietet, daß bei dem Angriff auf; Port Arthur am 15. d. M. 45Geschutzeunbrauchbar gemacht worden seien. 400 Mann seien getötet und 800 v erwunde t worden, darunter 50 Offiziere. — Die Reparatur, des Schiffes „Orel" und der Kreuzer „Oleg" und „Rhentschug"' ist beendet. Dieselben werden in Begleitung des Transportschiffes „Kamtschatka" morgen und der Kreuzer „Pidung" am 29. die Reede von Kronstadt verlassen um sich mit dem in Lkbau befindlichen Ostseegeschwader zu vereinigen. Alsdann wird sofort die Mfahrt des Ostseegeschwaders nach Ostasien erfolgen. Wie weiter beruhtet wird, soll von der Schwarzen Meerflotte der Panzer TriÄvjatitelja, Rostislaw und Potenlln sowie die beiden Kreuzer Kalml und Offchakow nach Ostasien abgehen. Ein etwaiger Einspruch Englands gegen die Durchfahrt durch die Dardanellen werde durch politische Konzeffionen paralisiert.
Petersburg, 23. Sept. Gerüchtweise verlautet, daß bie, „R 0 ssij a" und „G r 0 m 0 b 0 p" in Begleitung von drei Tor- pedojägern und .5 Torpedobooten Wladiwostok verlaffen haben.' — Ter Generalstab erhielt eine genaue Liste über die Verluste bei Liaujang. Tieselben bezieffern sich darnach auf 1810 Tote und 10 811 Verwundete. . Von den Offizieren wurden 54, darunter zwei Generale getötet, und 252 verwundet, dahinter drei Generale.
Schiffsnachrichten.
RedStarLinie
Vertreter Carl Retter, Gießen, Bleichstraße 8.
Der Postdamvfer ^Vaderland" der Red Star Linie in Antwerpen, ist laut Telegramm am 20. September wohlbehalten m New-Bork angekommen. ________________
telephonischer Kursbericht.
37,o/o Reiohflftnleibe 8o/o do. . .
37,0/v Konsole . . .
8°/o do ....
3l),°/n Hessen . . .
37,96 Oberhessen . .
4ssz Oestorr. Goldronte . Vl6% Oosterr. Silbcrrento 4% üiurar. Goldrente .
4°/p Italien. Rente . .
4V, % Portugieser . .
80/ Portugiesen. . . .
1% C. Türken . . .
Türkenlose ....
4°/o Grieoh. Monopol.*Aid. 47,^ Äussere Argentiner
F »nkturt a 23. September.
. 101.85
. 89.65
. 102.00
. 89.95
. 99.90
. 98.70
. 101.70 100.40
. 99.95
. 104.20
61.80 I Gottbardbnhn ..... 189.25
, - । Laurfthntto ...... 249.90
130.40 Boohnni....... 205.60.
48.00 ! Herponer......214JM>
44.301 Tendeni: ruhig»
3°/o Mexikaner . . . • vo Chinesen .... 89.9o
Electric. Sohuckort . . . 117.ix> Nordd. Lloyd . .
Kreditaktien 208 05
Diskonto-Komniandit . • 191.00 Darmstädter Bank . < . 141.80S Dresdener Bank .... 155 30 Berliner Handelsyes. . . 170 40 Oosterr. 8taatsbahn . . • 188 50 Lombarden.....18.10


