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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen
I>ie heutige Yummer umfaßt 8 Seiten.
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.
treten, daß das, was dem Mel recht, dem Bürgertum billig ist, und das Verlangen stellen, daß auch das Bürgertum seine „groölf ausgezeichneten" Manner wähle, anstatt daß der Großherzog die Auswahl treffe. Und es ist dabei zu bedenken, daß das Wahlgesetz nicht für eine kurze Spanne Zeit, sondern für eine unabsehbare Reihe von Jahren geschaffen werden soll, daß es wie am Anfänge, auch noch am Ausgange dieses Jahrhunderts Giltigkeit haben soll. Darum hat ein Gesetz nicht mit gegenwärtigen Umständen, nicht mtt den Anschauungen und Charaktereigenschaften eines Wlonarchen zu rechnen wie des Großherzogs Ernst Ludwig, der seine Leute ganz gewiß bester zu wählen weiß als kleinliche Partei- cliquen in Stadt und Land. Wir reiften nicht, welcher Wind von oben her am Ausgange dieses Jahrhunderts wehen wird. Darum wäre es wahrlich nicht unbillig, wenn unsere heuttgen Gesetzgeber alles daran setzten, um zu erreichen, daß auch die .zwölf ausgezeichneten Staatsbürger" der Ersten Kammer
Zweite Lämmer deu Antrag ihres Ausschusses Beschluß erhebt, anderer Meinung sein. Es aber sehr wahrscheinlich, daß schon im Plenum II. Kammer sich Stimmen erheben werden, die die Ansicht
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könnteM also auch die Oberhäupter der Städte Fried- L erg, Bad-Nauheim und Bingen, die schon eigene Vertreter in der Zweiten Lämmer hüben, vom Großherzog zu Gesetzgebern berufen werden, wenn auch naturgemäß die Oberbürgermeister der größeren Städte mehr An- loartschaft auf die Berufung zu Mitgliedern der Ersten Kammer hätten. Wahrend der Adel des Landes seine &toet Mitglieder zur Ersten Kummer wähl t, soll im übrigen dem Landes Herrn nach wie vor die Berufung in die (.ttste Kammer Vorbehalten bleiben. Die Erste Kammer in ihrer heutigen Zusammensetzung dürste im wesentlichen mit diesen Wünschen des Wahlrechtsausschusses der Zweiten Kammer wohl zufrieden sein; nur was die Kleinbürger uut) Arbeiter anbetrifft, wird sie woyl, wenn
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steht das Ende nahe bevor. Die Ausreißer nehmen offenbar an, daß sie dadurch ihr Leben retten. Ein trügerischer Wahn!
Ein Telegramm vom 21. d. M. meldet: Verstorben sind in Otjosondu am Typhus Leutnant Lutz aus Vilsech. Bezirksamt Amberg, früher im königlich bayrischen 16. Infanterie-Regiment, am 18. Juni, Reiter Ernst Heinrich Ba- ruffe aus Duchawe bei Militsch, früher Infanterie-Regiment Nr. 27, am 17. Juni. Swakopmuird an Herzkrankheit: Unteroffizier d. L. Wilhelm Harbecke aus Berge, Kreis Beesenbrück, am 10. Juni.
Für die Mannschaften in Südweftafriia sind eine An* zahl Wachhunde bestimmt, die ihre Begleiter und Be- ichützer im Lagerleben sein sollen. Gerade in den Kämpfen gegen die Hereros, wo mit dem Anschleichen des Feindes^ gerechnet, werden muß. werden die Hunde sicherlich gute Dienste leisten. Es Und das nicht eigentliche Kinegshunde, die durch mühevolle Dressur auf ihren „Beruf" vorbereitet werden, sondern es handelt sich hier um Wachhunde, die den Lagerdienst versehen. Auf das Ersuchen von beteiligter Seite hat der „Deutsche Tierschutzverein" für die, Schutztruppe in Südwestafrika und zwar zunächst für die Feldartillerieabteilmlg eine Anzahl Hunde zur Verfügung gestellt. Der Kommandeur der 1. Feldartttlerieabteillmg' Major Freiherr v. Reitzenstein hat den Empfang des Transports in einem Schreiben bestätigt.
Der „Berl. Lokalanz." meloet aus Okahandja: Gouverneur Leutwein geht anfangs August nach dem Südew des Schutzgebietes, um die Ansiedler zu beruhigen unty die Eingeborenen in Schach zu halten. Das Hauptquartier des Generals v. Trotha bleibt vorläufig in Okahandja/ Bei der alten Abteilung v. Estorfs und bei der b^ herigen Hauptabteilung sind bis zum 21. Juni zusammen 6-1 Typhusfälle vorgekommeu.
von seinen Anfängen bis zur höchsten Reife veranschaulichen und uns gleichsam von der logischen Notwendigkeit überzeugen, daß der hartnäckige Kampf des zähen Schweizers zu seinem endlichen Triumphe rühren mußte.
— Die Weltanschauungen der großen Philo- he n der N eu z e i t. Von Tr. Ludwig Busse, Professor der Philoiophie an der Universität Königsberg i. Pr. („Aus Sammlung nnssenschaftlich-gemeinoer- stLEcher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens, ob- Bändchen.) Verlag von G. B. Teubner in Leipzig. (IV und 164 S.) 8. Preis geb. L25 Mk. — Das Buch mW den Leser in allgemeinverständlicher Form mit den bedeutendsten Erscheinungen und Persönlichkeiten der neueren Philosophie bekannt Nach einer Einleitung, die über Wesen und Aufgabe der Philo- Mphie orientiert, wird der Rationalismus von Descartes bis Spinoza, der Empirismus von Baco bis Locke und die Gestaltung der Vtnwjophie un Jahrhundert vor Kant behandell, daraus die tritqche Philosophie tt'ants dargestellt. .Daran schließt sich eine Ueberilcht Wer die Philosophie des 19. Jahrhunderts: der Idealismus Fichtes, Schellings, Hegels, Schopenhauers und Hartmanns, der Realismus Herberts und Lotzes. Der Neukantianismus Alben Langes, der Posttivismus von Comte, Mill und Spencer werden dabei besonders berücksichtigt. Die Darstellung arbeitet die beherrichenden und charakteristischen Grundgedanken eines leben Systems scharf heraus. Gewicht ist darauf qeleat worden, den Fuiammenhang einzelner Systeme untereinander den Fortschritt der philosophischen Gesamtentwicklung er fennbar ru machen. Zn dreier Hinsicht sind die allgemeinen Charatte- ^süken ganzer Epo«hen unedle zusammenfassenden orientierenden Ueberblicke innerhalb der Systeme von besonderem Wert.
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Aie Ersten Kammern.
Ein eigenartiger Zufall will es, daß in diesen Tagen die ersten Kummern mehrerer deutscher Staaten einen besonderen Einfluß auf den Gung der Gesetzgebung ansgeübt haben. Noch ist die sehr prononcierte Stellungnahme des preußischen Herrenhcmses gegen die innere Regierungspolitik im Gedächtnis aller pvlitffch Interessierten, die den Grafen Bülow zu einer scharfen Abwehr veranlaßte. Jetzt stehen die wür t t ember g is ch e M ag n a t en k amm e r und das bayerische Oberhaus im Vordergrund des Tagesinteresses, dort wegen der Verwerfung des Vvlks- schulgesetzes, hier wegen der Stellungnahme in einer wichtigen Steuersrage. Auch die badische erste Kammer hat wegen ihrer Haltung zu der im Gange befindlichen Revision der Verfassung in Baden von sich reden gemacht, und wenn dieser Sommer zur Rüste geht, wird ivohl unsere hessische Erste Kammer zu den Beschlüssen Stellung zu nehmen haben, die unsere Zweite Kammer fassen wird über die Wahlrech ts- und die Gemeinde- fteuergefetzvorlage. Daß da eine Uebereinstimmung zu stände kommen wird, mit der sich die breiten Kreise werden befreunden können, scheint uns sehr fraglich.
In weiteren Volkskreisen ist man geneigt, ein Anathema gegen die ersten Kammern auszusprechen und wohl gar ihre Existenzberechtigung anzuzweiseln, wenn sie gelegentlich einen von den allgemeinen Volkswünschen abweichenden Standpunkt im politischen Leben einnehmen. Das preußische Herrenhaus hat such oft im Parteisttett nachsagen lassen müssen, baß es sein Dasein eigentlich gar nicht auf ein besonderes Staatsarundgesetz, sondern nur aut eine einfache königliche Verordnung zurückführe. Jetzt ist man in Württemberg auf dem besten Wege, den Widerspruch der ersten Kammer gegen ein volkstümliches Gesetz durch einen kurzen Eingriff in ihre Existenzbedingungen zu besettigen. Bei uns in Hessen wünscht der Wahlrechts- ausschilß der Zweiten Kammer eine auf breiterem Boden erwachsende Zusammensetzun g der Ersten Kammer, die Berufung von Kleinbürgern und Arbeitern in die Erste Kammer, sodaß sich das Gremium dieser gesetzgebenden Körperschaft in seinen Wünschen und Neigungen und Entschlüssen den Lüi- und Absichten der Zweiten Kammer nähern würde. Auch sollen außer „12 ausgezeichneten Staatsbürgern", drei Bürgermeister von Städten mit Städteordnung Mitglieder der Ersten Kammer werden. So
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Kitteratur.
— C l. Na st. Familie Swetzow. Verlag von Adolf Bonz u. Cv., Stuttgart. — Frau Clara Nast, die Gattin eines Tilsiter Gymnasialprofessors, führt uns nach Russisch-Polen. Das Milieu sind eine Heine Landstadt und ihre Bewohner. Im Mit- tetiiuntt der Handlung stehen die Swetzows, eine verkommene, zi- ^unerhafte Künstlerfamilie. Faulenzend, prahlend, Schulden machend ziehen sie von Ort zu Ort, getragen von einer zähen Äibensenergie, von einem unzerstörbaren Selbstbewußtsein, der iia am völligen Versinken hindert und allen kritischen Betrachtern schließlich immer eine Art Bewunderung abnötigt. Besonders 'ljiegt diese der ältesten Tochter des merfivürbigen Ehepaares, ber libnen, milden Anninka zu, bie sich wie eine Klette an alle Mmier hängt, alle ausnutzt und alle auslacht. Der reiche, jumge Gutsbesitzer ist ebenso in ihrem Bann wie der fesche Q'lfizier und der armselige Schreiber, der sich die Schwindsucht cmbuiigcrt, um ihr Geschenke und Süßigkeiten zu bringen. Trotz alber frivolen Genußsucht bewahren sie ihr Stolz und ihre eg oistiscl-e Kühle davor ganz zur Dirne herabzusinken. Es ist das alle Poleutmu, das sich auf Lumpen und Trümmern noch sioolz geberbet. Aber wo solche Sumpfpflanzen gedeihen, entziehen sie allen gesunden Gewächsen in der Nähe den Lebens- iröt Die arme Waise Inna, die im Hause des trefflichen Onkels rttvetzow auswächst, wird von den Verwandten einfach aufgebraucht, umo der arme Schreiber Burmin ist ebenfalls ein Opfer Anninkas mutt, seines gaunerischen Hauswirtes. In diesen beiden ist die unsere <xite des Slawentums geschildert, die Anspruchslosigkeit,
unendliche, rührende Geduld, die klaglose Ergebung in ein hartes Schicksal- Aber wie diese beiden edlen Gestalten im uu-
Karlamerttarisches.
Berlin, 22. Juni. Im heutigen Wiederzusammen- lritt des preußischen Herrenhauses erklärte der Präsident Fürst Knyphausen, daß bis zum 30. Juni vollauf zu tun sei. Am 1. Juli soll das Ansiedlungsgesetz erledigt werden. In der Beratung wurde das Gesetz betr. Regelung der Kirchensteuer an eine Kommission von 15 Mitgliedern verwiesen. Alsdann wurden kleinere Vorlagen erledigt.
Berlin, 22. Jiuii. Dem Ab geordneten Hause ist ein Antrag Dr. Rewoldt (ff.) zugegangen auf Annahme eines Gesetzentwurfs betr. Abänderung des Gesetzes über die Ausführung des Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetzes vom 28. Juni 1902.
— Im Abgeordnetenhause wurde heute die. Interpellation betreffend den Ausbau des masurischem Kanals beraten. Von der Regierung wurde erklärt, daß sie der Frage andauernde Aufmerksamkett zuwenden werde und zur Ausführung des Planes weder Mühe noch Kosten scheue. Es würden sich aber auch noch technische Bedenken geltend machen, lieber eine Petition aus Frankfurt a. M. und Hanau um Heranziehung der Aerzte und Rechtsanwälte zur Gewerbesteuer ging man zur Tagesordnung über.
— In der K a n a l k o m m i s s i o n des Abgeordnetenhauses sand die allgemeine Besprechung des Kanals vom Rheine nach Hannover gatt. Berichterstatter Am Zehnhofs legt in einem mehrstündigen Vortrage die Grundgedanken der Vorlage dar, die auf Verbilligung des Transportes gerichtet sind, um der Industrie billigere Produktion und leichteren Wettbewerb mtt dem Auslande zu ermöglichen. Lebhaftes Interesse nahm der Vorschlag m Anspruch, für die Einmündung der Emschertal-Linie eine Variante ins Auge zu fassen, die von Herne bis Ansa nach der Zeche Bismarck, dann nordwärts abschwenkend bei Torsten in die kanalisierte Lippe münden soll. Bei der Besprechung der Leistungsfähigkeit des Kanals wurden Gründe entwickelt, die dafür sprechen, die Emschertal-Linie nicht für 600-Tonnen-, sondern für 1000-Tonnen-Schiffe einzurichten. Sodann besprach der Berichterstatter ausführlich die Rentabilitätsftage und die Einwttkung des Kanals aus die Eisenbahneinnahmen. In letzterer Beziehung wird dargelegt, daß die sinanziellen Bedenken gegen die frühere Kanalvorlage gegenüber der gegenwärtigen Vorlage unbegründet seien. Zum Schlüsse befürwortet Am Zehnhofs die Einrichtung eines Wasserftraßenbei- rats, wie er in Oesterreich besteht. Diesem aus Fachmännern und Vertretern der Jnteresseltten bestehenden Bei-
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durchdringlichen Schnee der Winternacht versinken, so wirb bie Kultur von jenen ungesunden Elementen überwuchert, so lange die Gesellschaft solche Sumpfpflanzen wie die Swetzows lächelnd unter sich duldet.
— Eine der gewaltigsten Individualitäten in der Kunst des 19. Jahrhunderts, Arnold Böcklin, hatte zu den Zeitgenossen nur durch künstlerische Schöpfungen gesprochen, bie lange Zeit ebenso hoch gepriesen wie lcideuschaftlicy angegriffen wurden, bis sich der Streit der Meinungen in dankbarer Bewunderung löste. Bald nach seinem Tode regten sich die Federn seiner Freunde und Schüler, die pus dem Schatze ihrer Erinnerungen uns das Bild des Menschen lebendig gemacht haben, eines liebenswetten Mannes, der in den härtesten Prüsuugen des Lebens die Lauterkett seines Charakters bewahrt hat, der ehrlich hassen und lieben konnte und niemals seine Kunst nach Gunst gedreht hat. ,Die zahlreichen Einzelzüge, die aus Büchern und Zettungsattikeln über das Wesen und bie Kunst des großen Meisters bekannt geworden sind, hat jetzt Ftttz von Ostini mit seinem krttischen Sinn und künstlerischer Gestaltungskraft zu einem lebensvollen Gesamtbilde zusammengefaßt, das als 70. Band in der Reche der von H. Knackfuß herausgegebenen Künstler - Monographien (Bielefeld und Leipzig, Vechagen u. Klasing, mit 107 Mbilbungen, Preis 4 Mk.) erschienen ist. In zusammenhängender Darstellung wirb hier über den künstlerischen Entwicklungsgang Böcklins, über seine schweren Kämpfe und bitteren Enttäuschungen, über den .Verkehr mit seinen Freunden, über seine künstlerischen Absichten und sein reickzes Innenleben ein Helles Licht verbreitet. .In die lebendige, hie und da fast dramatisch wirkende Darstellung fügen sich als beredtester Kommentar die zahlreick;en Abbildungen ein, bie uns Böcklins Entwicklung
aus Wahlen hervorgehen. Dann wird unser „Oberhaus" keine nur ,zufällige Erscheinung", kein willkürliches Gebilde sein, wie in anderen deutschen Ländern.
lieber das System der Ersten Kammer überhaupt ohne wetteres den Stab zu brechen, ist u. E. falsch. Die Erste Kammer ist allenthalben mit gutem Recht berufen, der oft ungezügelt und frei von aller Verantwortung emporzüngelnden Voltsleidenschaft bie ruhige Entscheidung der politischen Vernunft gegenüber zu stellen und zwischen den oft jäh klaffenden Gegensätzen im Patteistteit einen angemessenen Ausgleich herbeizuführen. Den bei den allgemeinen Volkswahlen hervortretenden einseitigen, manchmal nur eingebildeten, oft nur vorübergehenden Volksinteressen soll sie das Gegengewicht der dauernden Staatsinteressen gegenüberstellen. Sie ist weise gedacht als die Hüterin einer stetigen Entwicklung unseres inneren Staatslebens, als die Wächterin über die mit Ordnung und Vernunft gepaarte Freiheit.
Auf der anderen Seite will man es jedoch nicht ruhig hinnehmen, daß wichtige Vorlagen, über die Regiettlng und Volksvertretung sich nach langwierigen Verhandlungen geeinigt haben und deren Durchführung von diesen beiden Faktoren der Gesetzgebung als eine Staatsnotwendigkeit betrachtet wird, durch eine Körperschaft, deren Mitgliedschaft zum großen Teil durch die bloße Gebutt, durch Rang und Stand erworben wird, vereitelt werden können.
In den anderen süddeutschen Staaten scheint z. Z. der alte Kampf um das Zweikammersystem von neuem entbrennen zu sollen. Wir in Heften können dem heute noch mit der Ruhe der Unbeteiligten entgegensehen. Und wir wollen hoffen, daß wir auch in Zukunft keinen Grund haben zur Bekämpfung der uralten Institution der Ersten hessischen Kammer, auch nicht, wenn es sich um die Schaffung eines volksfreundlichen Wahlrechtes handeln wird.
Aer Ausstand in Aeutsch-Siidrvestafrika.
Darüber, daß Generalleutnant v. Trotha sofort nach seiner Ankunft in Sübwestafrika bedeutende weitere Verstärkungen verlangt habe, verlautet aus den zuständigen amtlichen Kreisen nichts. Recht unwahrscheinlich ist, °baß er gerade am Tage seiner Ankunft eine solche Forderung gestellt haben sollte. In jedem Falle würde er sich doch, da er im Schutzgebiete fremd war, zuvor die Lage genau besehen haben, was in einem oder in wenigen Tagen nicht möglich war. Sodann sind noch mehr als 1000 Mann der Schutztruppe unterwegs, die der General vor seiner Abreise ttlbst verlangt hatte. Unbegreiflich ist, daß nach dem neuesten Telegramme des Generalleutnants v. Trotha vielfach angenommen wird, zwischen diesem und dem Oberst Leutwein sei ein Gegensatz oder eine Art Zerwürfnis eingetreten. Wenn der neue Kommmandeur auch einige frühere Anordnungen und Aufstellungen geändert hat, so braucht man sich darüber nicht zu wundern, denn nirgends wird es wohl einen Nachfolger geben, der in allen Punkten mit seinem Vorgänger gänzlich uliereinstimmt. Gegen die Annahme spricht in bestimmter Weise auch die Meldung des Generals, daß er den Oberst gebeten habe, nach Okahandja zu kommen und daß die beiden Herren sich herzlich begrüßt haben. Der Gouverneur, der kein Truppenkommando mehr führt, soll ihn mit seinem erfahrenen Ra.e unterstützen. Diese Unterstützung, die überhaupt unter den bestehenden Verhälttnssen nicht zu entbehren ist, kommt in allen Telegrammen von dort zum Vorschein. Bemerkenswert ist vor allem, daß General v. Trotha von neuem betont, die Herero wären im Süden des Waterberges in großen Massen vereinigt. Er faßt also die Lage sehr ernst auf. Wie wenig wir jedoch über die Dinge bei den Herero unterrichtet sind, geht daraus hervor, daß es heißt, Michael habe sich von Samuels Hauptmacht getrennt. Dieser Michael wäre der Sohu und Erbe Manasses von Omaruru. Nach der Eroberung von Omaruru durch die Kompagnie Franke wurde aber besonders angegeben, daß der Tod Michaels sicher cheine. Der Zusammenschluß der gesamten Herero ist nach >en letzten Vieldungen nicht mehr aufrecht zu erhalten, die bedeutendsten Häuptlttige suchen sich mit chren Leuten nach ihrer Heimat zu entfernen. Darin liegt ein deutliches Zeichen dafür, daß nicht allein Samuel Maharero, sondern auch die meisten anderen Häuptlinge kein rechtes Vertrauen mehr in den Sieg ihrer Sache haben. Wenn der moralische Mut erst gesunken ist, dann
Nr. 145 Zweites Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 25. Juni 1804
Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags. /J» J*
Die „Siebener Zamilienblätter" werden dem fl S BH Sj B sl WW Jk 0 O jgJr
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„hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. W ■ ™ w H 'tr w XHq
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