Ausgabe 
23.3.1904 Erstes Blatt
 
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Leipzig, 21. März. Die heute abend aFgehaltene Aerzteversammlung wer außerordentlich zahlreich besucht. Die an den Bericht über den gegenwärtigen Stand des Streites mit der Ortskrankenkasse sich anschließende Aussprache zeigte die unerschütterliche Einmütigkeit der ge­samten Leipziger AerKteschaft, die sich zuletzt auch in der einstimmigen Annahme folgender Resolution kundgab: Tie versammelten Aerzte erklären einstimmig, daß ihrer Ueberzeugung nach die der Ortskrankenkasse am 1. April voraussichtlich zur Verfügung stehenden Aerzte weder der Zahl noch der Beschaffenheit nach genügen werden, das an sich verwerfliche neue Arztsystem durckMführen. Die Leip­ziger Aerzte sind nach wie vor einig und lehnen es auf das Bestimmteste ab, ihrerseits auch nur das ge­ringste zur Durchführung dieses Systems beizutragen."

Ausland.

London, 22. März. Tie Beisetzung des Her­zogs von Cambridge fand heute vormittag in der Westminster-Abtei statt. König Eduard, K migin Alexandra und die übrigen Mitglieder des Königshauses, Vertreter fast aller Staatsoberhäupter Europas und die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden nahmen an der feierlichen Zere­monie teil. .

Rom, 22. März. Tie Affäre des Exministers Nasi (über die das Wesentlichste schon mitgeteilt wurde), ist in eine entscheidende Phase getreten. Abg. Saporito, Vor­sitzender des Ausschusses der Budgetkommission, verlas vor diesem heute seinen Bericht über die Amtszeit Nasis als Unterrichtsminister. Ter Bericht enthüllt eine große Korruption in der Gewährung von Unterstützungen und Verschleuderung großer Summen. U a. brauchte Nasi in zwei Jahren 54 060 Lire für Reisen.Giornale d'Jtalia" sagt, ein Kommentar sei überflüssig, der Eindruck des Berichts sei der, daß es sich nicht um die Taten eines Ministers, sondern eines Feindes handelt, der ein erobertes Land durchzieht. Man müsse gegenüber den fast unglaub­lichen Tatsachen zweifeln, ob Nasi nicht g e i st e s g e st ö r t sei.

Palermo, 22. März. Chamberlain und Ge­mahlin weilen augenblicklich hier; es heißt, er treffe Vor­kehrungen, um eine Begegnung mit Kaiser Wil­helm herbeizuführen, wenn dieser Palermo passiert.

Aschab ad, 23. März. Hier geht das Gerücht um, der <§mir von Afghanistan sei vergiftet worden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 23. März 1904.

und begründete Aussicht auf Erhaltung des Lebens vor- Händen fein/

(b.) M ainz, 23. März. Ter Entwurf des Ge­meindesteuergesetzes beschäftigte eine gestern abend imKötherhof" vom Schutzverband der Hauseigentümer und Verein für selbständige Gewerbetreibende einberufene Protestversammlung. Rechtsanwalt Gries er hielt einen Vortrag, worin er ausführte, der vorgelegte Steuerentwurf entspreche nicht dem humanen Gedanken der Gegenwart, er erinnere an die Lehnsperiode, in welcher der wirt­schaftlich Starke die Lasten auf den wirtschaftlich Schwachen abgewälzt habe. Es sei eine schreiende Ungerechtigkeit, daß der Schwache auch noch die Schulden besteuern soll, während der Starke solche nicht habe. Schließlich wurde vorgcschlagen, daß der Vortrag zu einer Tenkschrift aus­gearbeitet und mit einer zu fassenden Resolution der Regierung und den Landtagsabgeordneten übermittelt werde. Auch den Vereinen in Tarmstadt, Bingen, Worms und Gießen soll die Resolution unterbreitet werden. Eine längere Resolution fand einstimmige Annahme.

Mainz, 22. März. In der gestrigen Sitzung des Kreistages des Kreises Mainz wurden an Kreisausgaben für das Jahr 1904 05 540 895 Mk. bewilligt; ferner ge­nehmigte der Kreistag einen jährlichen Zuschuß zu den Kosten des ObstvcrwertungSbureaus in Frankfurt a. 9)L, welches von den Obstzüchtcrn des Kreises in so bedeutendem Maße in Anspruch genommen werde, daß alljährlich zwei Drittel des erzielten Obstes durch das Bureau in Frank­furt a. M. zur Verwertung käme. In geheimer Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wurde das mit der Süd­deutschen Eisenbahn-Gesellschaft getroffene lieber- einkommen genehmigt, nachdem die Pferdebahn bereits am 1. April in das Eigentum der Stadt Mainz übergeht.

F r a n k f u r t, 22. März. Die e l e k t r i s ch e B e l e u ch t u n g im Opernhause soll nunmehr mit einem Kostenaufwand von 400 000 Mark in§ Werk gesetzt werden, deren Bewilligung der Magistrat soeben von der Stadtverordnetenversammlung verlangt. Da? Amt hat durch Umfragen bei elektrotechnischen Fabriken festgestellt, daß die Anlage noch in diesem Sommer hergestellt werden kann, wenn die Installation des Hauses in denjenigen Räumen, in welchen es der Betrieb während der Spielzeit zuläßt, baldmöglichst begonnen werden und wenn das Haus vor Beginn der neuen Spielzeit sechs Wochen hintereinander zur Verfügung gestellt werden kann. Der Großherzog von Hessen hat heute nachmittag die Automobil- ausstelluna besucht und ist abends nach Darmstadt zurück-

L. U. S e. Exz ellenz der Groß herzoglich Hessische außerordentliche Gesandte und bevoll- mächtigte Minister am Königlich Preußischen Hofe, Bevollmächtigter zum Bundesrat, Wirk­licher Geheimerat Dr. oon Neidhardt in Berlin begeht morgen die Wiederkehr des Tages, an dem er vor 50 Jahren an der Universität Gießen zum Dr. juris. promo­viert wurde. Die juristische Fakultät hat ihm zu diesem Tage, unter Ueberreichung eines Glückwunschschreibens, das Diplom erneuert.

** Hessisch-Thüringi sch eStaatSlotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe fiel ein Gewinn von 20 000 Mk. auf Nr. 7759 (nach Mainz'), zwei Gewinne von je 10 000 Mk. auf Nr. 76159 (nach Dessau), 87886 (nach Altenburg), ein Gewinn von 5000 Mk auf Nr. 99371, Gewinne von je 3000 Mk. auf Nr. 4571 15314 19631 20977 42631 43751 59133 60196 82628 82642 89337. (Ohne Gewähr.)

** PassionSspiele. Ein sehr intereffanteS Schau­spiel wird heute abend 8 Uhr im Neuen Saalbau geboten werden. Nach dem Muster der Bauernspiele, wie sie in Oberammergau und einigen anderen Orten von den Dorf­bewohnern aufgeführt werden, finden Aufführungen der Passionsspiele unter der Leitung des bekannten Christus- darstellers Leopold Peterka statt, dessen Spiel von allen Hamburger Blättern, wie wir uns überzeugen, sehr gelobt wird. Schade, daß für das Bekanntwerden dieser interessanten Darbietung, die gerade jetzt, kurz vor Ostern, jedermanns Interesse erwecken muß, wie es scheint, von der Geschäfts­leitung des Unternehmens nicht genügend gesorgt worden ist. Möge heute abend trotzdem, wer irgend kann, den Besuch der Spiele nicht versäumen. Es hat ja nicht jedermann Gelegen­heit, die Oberammergauer Passionsspiele, die nur alle zehn Jahre stattsinden, sich anzusehen. Wie wir aus Zeitungs­berichten entnehmen, wird zuerst ein Prolog gesprochen, dann erfolgt das Vorspiel »Der Einzug Christi in Jerusalem" und eine Anzahl von Bildern aus der Leidenszeit Christi. Morgen abend wird, wie auch aus Inseraten hervorgeht, eine zweite Aufführung der Passionsspiele stattfinden.

** Ter verstorbene Kunstmaler Otto Fritz hat eine Anzahl beachtenswerter Gemälde hinterlassen, die zurzeit bei dem Kunsthändler Hochstätter am Seltersweg zu besichtigen find. Es sind zumeist Genrebilder von an­sprechenden, heiter gefälligen Motiven, ausdrucksvolle Stu­dienköpfe und farbenftohe Landschaften, Werke respektablen Kunstfleißes. Tie Witwe sieht sich genötigt, zu den niedrig­sten Preisen diese gefälligen Gemälde rum Verkauf zu stellen, und es ist anzunehmen, daß sie binnen kurzem Käufer finden werden.

* Die Betriebs-Eröffnung der Bahn Butzbach- d) findet am 24. März statt, lieber den aufgestellten Fahrplan ist man, so schreibt dieH. L. P.", in Lich und Umgegend nicht sonderlich erbaut und es scheint dabei mehr darauf Bedacht genommen zu sein, den Verkehr nach Butzbach zu lenken. Man erklärte sich dies namentlich auch damit, daß der Zug, welcher in Butzbach 7.30 abends abfährt, gar nicht bis Lich gelangt, sondern in Muschenheim, wo er um 7.58 Uhr ankommt, 8.08 wieder Kehrt macht und nach Butz­bach dainpft.

* Eisenbahneinnahmen. Im Februar betrugen die Einnahmen bei der Preußisch-Hessischen Eisenbahn-Gemeinschaft Mk. 1 095 570 000, also Mk. 9 045 000 mehr wie im Vorjahre. Die Haupt-Mehr-

gekehrt.

Frankfurt, 22. März. Als vor einer Reihe von Jahren die Goethestraße gebaut werden sollte, schwebten Verhandlungen mit den Anliegern der Kalbächergasse, die event. erbreitert werden sollte. Das Projekt scheiterte damals an der Höhe der Forderungen für die Häuser. In­zwischen haben sich die Jntereffenten anders besonnen und dem Magistrat für die Freilegung der verkehrsüberlasteten Gaffe 216 000 Mark zur Verfügung gestellt; jetzt kann die Freilegung durchgeführt werden, welche dis Stadt 600 000 Mark kostet.

Kleine Mitteilungen aus Hessen uno den Nachbarstaaten. Unter den aus dem Klapperfeld- gefängnis in F r a n k f u r t entflohenen UntersuchllngSgefangenen befindet sich auch der kürzlich verhaftete Reisende Max Niethe aus Berlin, der sich in verschiedenen Fällen des Verbrechens gegen das keimende Leben schuldig gemacht hat. Niethe ist noch nicht wieder ergriffen, außer ihm fehlen jetzt noch vier der Entflohenen. Die Frühjahrsmeffe in Frankfurt nimmt Mittwoch, den 23. März, ihren Anfang. Sie dauert drei Wochen. Sonntag, den 27. März, eröffnen die Nieder­waldbahnen den Betrieb, der bis zum 30 September dauert. Seit dem vorigen Jahre ist eine direkte Dampf­schiffverbindung von Rüdesheim-Bingen nach Schloß Nhein­stein eingerichtet. Im Magen eines in Gaulsheim ver­kauften Fisches wurde ein goldener Ring im Werte von 40 Mk. gefunden. Ein Landwirt von Gau-Wein- Heim machte dieser Tage beim Roden bedeutende Funde in Tongefäßen, Halsspangen, Brachen nnd der­gleichen. Die Gegenstände scheinen aus sogenannten Brand­gräbern herzurühren.

Vermischte».

Berlin, 22. März. Der vielerörterte Baudissinsche RomanErstklassige Menschen" wurde heute in Berlin in den Buchhandlungen beschlagnahmt.

* Budapest, 22. März. Die Polizei hob in dem größten Cafö eine unter dem Schutze des Cafetiers stehende Falschspielerbande aus, der die Fremden ihrer Barschaft beraubte. Es kam zu einem förmlichen Kampfe mit dem Cafetier und seinen Spießgesellen. 20 berüchtigte Falschspieler wurden verhaftet.

(Sofia, 22. März. Hier wurden die Urheber des in der Brüsseler SocietH coloniale industrielle verübten Dieb­stahls von 1 30000 Frcs. verhaftet und zwar zwei Beamte der Gesellschaft.

DieGewissens - Ehe". Zwei Studidrende an der Gothenburger Hochschule, Herr Frithjof Palmer und Frl. Garling, machen, wie man denMünch. Reuest. Nachr." aus Kopenhagen schreibt, in den Lokalzeitungen bekannt, daß sie eineGewissens-Ehe" eingegangen haben, d. h. daß sie ohne irgendwelches Zutun der weltlichen oder geistlichen Be­hörden des Landes einen Ehebund geschlossen haben. Die kleine Nachricht hat natürlich die Stadt und nicht zuletzt die akademische Welt in Aufregung versetzt. Die Familie der jungen Frau verstieß sie und der Rektor der Hochschule sandte dem Paare eindringliche Vorstellungen und Warnungen. Eine solche Ehe wird in dem Schriftstücke des Rektors als ein ärgerlicher Wandel" bezeichnet, aus welchem Grunde das eheliche Verhältnis der beiden Studenten als einVergehen

ernster Natur" gegen die Statuten der Schule angesehen werden müffe. Auch heißt es, man habe von dem Paare einnahme entfällt auch diesmal wieder auf den Güterverkehr verlangt, daß es sich bürgerlich trauen laffen solle, was mit einer Summe von Mk. 6 492 000, wahrend der Per- passend in Kopenhagen hätte geschehen können. Natürlich sonenverkehr eine Mehr - Einnahme von Mk. 3 129 000 wird der Fall in allen studentischen Kreisen mit größtem aufweist. Interesse besprochen. Etwa 400 Akademiker von der Universität

** Zu dem Unfall von Allendorf a. d. Lahn zu Upsala, darunter mehrere jüngere Universitätslehrer und wird uns heute mitgeteilt:Dem in der Klinik befindlichen eine große Anzahl weiblicher Studierende, haben der Gothen- Rangierer Luh aus Allendorf a. d. L., welcher vor einigen burger Hochschule ein Schreiben übersandt, in dem sie gegen Tagen durch unvorsichtiges Rangieren überfahren worden ist, den Verweis des Rektorates kräftig protestieren und das Vor­soll es, den Verhältnissen entsprechend, ziemlich gut gehen gehen der UnioersitätSbehörden scharf kritisieren. Die Kollegen

von Upsala suchen zu beweisen, daß eine Verbindung diese, Art nicht für strafbar angesehen werden könne. Bei uivi heißt man solcheGewissens-Ehen" sehr prosaisch wilde Eher, Allerdings pflegen diewilden Ehegatten" ihre Verbindung keineswegs in den Zeitungen bekannt zu machen, sonder» blühen meist sehr im Verborgenen.

Ansanas- u. Schlußkurse.

Port angekommen.

Telephonischer Kursbericht.

I. März.

33.

Frnnktnrt » "

101.80

4% Oosterr. Goldrente .

. 101.90

. 89.80

. 101.85

. 89.95

. 100.40

. 102.00

. 59.60

. 58.85

124.80

43.40

40.15

4% Ungar. Goldrente . . 4"/ Ifaben. Rente , .

4 Portugieser , . .

h6/ Portugiesen. , . . ,

1 % C. Türken ...

Türkenlose . . . .

4% Uriech. Monopo.-Anl.

4%% äussere Argentiner

Reicheanleihe do.

Konsole do . .

TT<*8son Oherhessen

31/o

W,o/B 3»/n «l'/.O/q Vl,%

8**/n Mexikaner 4*/j% Chinesen

Electric. 8ot uckert .

Nordd Lloyd . . Kreditaktien Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank Dresdener Bank . . Ber iner Handelsgee. Oesterr. Staatxbahn . Lombarden . » Gotthardbahn - Laura'ifltte . . . Bochum.....

Harp-ner . .

Tendenz: fest.

261'

' .1025 ]06 C?

' 203*'

' .1360 . .1^9

154 S .130.?

. u?

193 r» ' 234.0-

' ' J9L* ' ' 194S

ZLniversiläts-Machrichten.

3um Jenenier Studentenstreit. In der,®et mania" richtet ein katholischer Student aus Anlaß der jünqftf-, Vorgänge eine Anzahl offener Fragen an denhohen fiölene Seniorenkonventsverband der Korps", in der er sich für dH Sygambria" ins Zeug legt. Es mag genügen, eine der Frager heranszugreifen; sie ist bezeichnend für das Ganze:Soll es eine: maßlos verhetzenden nnd skrupellos hetzenden Stndeutenscha: ungestraft gestattet sein, ihre intoleranten und dem ®runb satze der Gleichberechtigung aller Staatsbürger widersprechende: Anschauungen und Prinzipien in weitere Kreise unserer deutsche Studenteuschast zu tragen und so zur Verschärfung der f on. fessionellen Gegensätze in unverantwortlicher Weise bei zulragen?" DieGermania" stimmt in die Frage des katholische: Studenten ein und meint, sie wolle abwarten, was derhob; Kösener Seniorenkonventsverband der Korps" darauf ontrooner wird. Wir glauben, daß sie da lange warten kann

Privat-Tiskont 3 78 Prozent.

Oest. Kredit . Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß .

Harpener Bergbau

Tendenz: Fest.

An der heutigen Börse standen wiederum Eisenaktien im Vordergrund des Interesses, und namentlich wurden Oberschlemw k Werte aus die anhaltend glänzenden Berichte hin besonders vevar - zugt. Von Kohlenaktien, welche ebenfalls recht fest lagen, erfreuter sich Gelsenkirchen einer besonders regen Nachfrage seitens der kannten Seite. Der Bankakttenmarkt verkehrte ebenfalls m refl». gut behaupteter Tendenz, wenn auch die Umsätze ganz minim» waren, und von sonstigen Werten sind noch, wie bereits neu um erwähnt, Dynamit Trust Shares und die diesen lloncem anq hörenden Werte anhaltend gefragt, wobei die Qualität der.nan eine nicht zu unterschätzende ist. In österreichischen Wertenlo _ heute ziemlich umfangreiche Deckungen statt, die eine nicht \m deutende Steigerung vor allem in Kreditaktien nut sich vE Auswärtige Renten, die anfangs für Pariser Rechnung fl?r wurden, gaben späterhin auf Abgaben desselben Platzes wi r nach, und amerikanische Werte tendierten im Einklang mit - Port ebenfalls leicht abgeschwächt. Gegen Börsenschluß t«i -

allen Gebieten ein unbedeutender Rückgang ein, ber wollt ieo g auf die Geldsteifheit für den bevorstehenden Ultimo zuruazu n fein dür'tc.

Krieskallen der Redalttivn.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.!

K. Im 10. Tienstjahre beziehen die Dolksschullebrei: Baden 1250, in Anhalt 1395, in Hessen 1400, in BraunM 1500 Mk. Gehalt. _____

Schiffsnachrichten.

Red Star Linie, Vertreter Carl Retter, Gießen, BleW Der PostdampferZeeland" der Red Star Lime werpen, ist laut Telegramm am 21. Marz wohlbehatte

4* .% Gestern Silberrente 100.50

- -- 99.20

Gerichtssaal.

Ein Gutsbesitzer von seinen drei Töchterner- mordet. Vor dem Schwurgericht von Lucera in Italien hat der Prozeß gegen die drei Mädchen Caterina. Ester, Berenice b e Francesco begonnen, die des Vatermordes überführt sind. Vater, ein alter Lebemann, hatte nach dem Tode der Mutter feine Mätresse Marianna Romano in seine Villa bei Bari genommen, und die Töchter waren der Willkür und Bevormundung dieser Person unterstellt. Das gespannte, Verhältnis zwischen Achlrei und Vater nahm noch zu, als die älteste, Caterina, sich gegen de» Alten Willen mit einem jungen Landwirt verlobte. Was in der einsamen Villa alles vorging, ist unbekannt; kurz, als eines TaqeS die Romano aus einen Tag in die Stadt ging, geschah das Un­erhörte. Während der Vater seinen Nachmittagsschlaf hielt, schlich Caterina an das Sofa und gab auf den Schlummernden einige Revolverschüsse ab, die ihn sofort töteten. Tann trugen die drei Schwestern den Leichnam des Vaters in einen Schrank, wo sie Ibn verbargen, und flohen nach Bari zu einer Tante. Tie Heimkehr erbe Mätresse entdeckte das Verbrechen, und die drei Mädchen, die im Hause der Tante sestgenommen wurden, gestanden die Tat ohne jedes Zeichen von Neue ein. Caterina, die älteste, ist eine be­strickende junge Schönheit. Ihre Aussagen lauten für den Toten vernichtend. Der einst reichbegüterte de Frances-o hatte zuerst Haus und Hof, brachte aber ohne Rück­sicht auf Frau und Kinder alles in liderlicher Gcsellsch.fi durch und mußte schließlich mit den Seinen nach einer fleinen Villa vor der Stadt übersiedeln. Mutter und Töchter wurden fon- während grausam mißhandelt, bis die Mutter vor Gram starb. Tann nahm der Vater seine Geliebte, eine Lehrerin, die bereit« tm Kind von ihm hatte, zu sich, und das Haus ward den unglückliche Wesen, die nicht einmal genug Nahrung erhielten, vollends ju: Hölle. Mit Tränen gestand Caterina schließlich, daß der Vater ü: unter Todesdrohungen und Schlägen vergewaltigte. An dem ver­hängnisvollen Tage wo des Vaters Mätresse nach der Stad: gegangen wollte der Elende das Verbrechen wiederholen, aber außer sich vor Verzweiflung, griff das gequälte Mädchen M Waffe und tötete das Scheusal, das sein Vater war. Allgemeine Bewegung bemächtigte sich des Publikums rote des Gerichtshöfe; bei dieser Schilderung. Ester sagte in demselben Sinne aut Berenice aber die geistesschwach ist fiel in epileptische Krämpfe und wußte sich auf nichts mehr zu erinnern. Auch die Aussage» des Bürgermeisters und anderer Augenzeugen^ stimmten überein, daß in der Villa de Francesco unerhörte Zustände herrschten, mit die Töchter unter dem gänzlich verkommenen Vater schwer er­leiden hatten. Natürlich ruft dieser Prozeß in ganz Italien bn - denkbar größte Aufsehen hervor, und man erwartet das Urteil mit begreiflicher Spannung. ____________

Handel und Verkehr. Volkslvirlschast.

Berliner Börse vom 22. März 1904.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)

. 202.20

203.75

. 220.25

221.12

. 185.25

135.62

. 192.00

191.50

*

. 193.40

193.40