Ausgabe 
23.1.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

fangvereine gaben dem allzufrüh Entschlafenen das letzte

Geleite.

B. L a u t erb a ch, 21. Jan. Die Leiche des v er st o r- benen Majors Frhrn. v. Riedesel wurde bereits gestern nachmittag 5 Uhr in feier ichem e i ch e n k o n d 11 k t nach Schloß Eisenbach übergeführt und in der dortigen Schloßkirche vor dem Altar zwischen Blumen unb brennen­den Kerzen aufgebahrt. Heute nachmittag 2 Uhr wurde in der Kirche der feierliche Trauergottesdienst ab^e^ast n^nach­dem ein von der Freiherclichen Familie zur Verfügung gestellter Extrazug die zahlreichen Teilnehmer von Lau e - back heraufgebracht hatte. Ter Louterbackier G sanaverein eröffnete die Feier mit einem Gesang worauf Pfar e Müller-Lauterbach in seiner Rede die edlen Tugenden des Entschlafenen hervorhob. Rach dem Gottesdienst setzte sich der Trauerzug nach dem Friedhöfe in Bewegung. Einige Kriegervereine, darunter auch der Lauterbacher, lesen Ehrenmitglied der Verstorbene gewesen war eröf'netcn den Zug, dann folgten 2 Offiziere mit den Orden des Heim­gegangenen, darauf unmittelbar hinter den amtierenden Geistlichen der mit Bärenmütze, Pallasch und Schärpe des Entschlafenen gezierte Sarg, von Freiherrlichen Forst- beamten getragen. Dem Sarge folgten zunächst die Patro­natsgeistlichen im Ornat, dann die Witwe des En'schlafe- nen und die anderen Mitglieder der F^eiherrlick e i Familie, die zahlreich erschienen waren. Ihnen schlos'en sich die Freiherrlichen Beamten und die große Meng" tc erschie­nenen Leidtragenden in langem Zuge an. Auf dem Fried- Hofe trug, nachdem der Sarg in die Gruft versenkt war, der Gesangverein wieder ein Grablied vor, worauf der Orts­geistliche, Pfarrer Türck-Frischborn, nach Verlesung einiger Schriftworte die Bestattung vornahm. Zahlreiche Kränze wurden am Grabe niedergelegt, u. a. von Bürgermeister Stöppler im Namen der Stadt Lauterbach und B'zirkskassier Fricß im Namen des Kriegervereins Lauterbach. Um 3.40 Uhr brachte der Extrazug ldie Teilnehmer wieder nach Lauterbach zurück.

Darmstadt, 22. Jan. DenN. Hess. Volksbl." wird von unterrichtetster Seite auf das bestimmteste mitgeteilt, daß Se. Königl. Hoheit der Großherzog Beyerleins Zapfenstreichs weder gelesen noch dessen Aufführung gewünscht hat. Ebensowenig hat der Großherzog einer Aufführung oder Probe der Novität bei­gewohnt.

Wiesbaden, 22. Jan. Die Frau eines gewissen Deichmann hatte einen hiesigen Handwerksmeister zu einem Schäferstündchen verführt. Imrichtigen" Moment erschien der entrüstete Ehemann, erpreßte von dem Räuber seiner Hausehre eine Anweisung aus 300 Mk. und stahl ihm nebenbei die Uhr. Ter Hereingefallene schöpfte Verdacht und erstattete Anzeige bei der Polirei. Dadurch hat sich herausgestellt, daß dem sauberen Pärchen schon eine ganze Anzahl von Personen verschiedener Berufsstände ins Garn gegangen war, die willig bezahlten und geschwie­gen batten.

Hanau, 22. Jan. In der gestrigen Stadtv erord- netensitzung wurde über das Mainhafenprojekt der Stadt beraten. Im Falle der Mainkanalisierung sind die Stadtverordneten einstimmig prinzipiell für Errichtung von Lösch- und Ladeeinrichtungen. Nach der Vorlage des Ma­strats soll der Bau eines Hafens nach dem verkleinerten Entwürfe des Regierungs-Baumeisters Landsberger und der Ankauf von rund 84 000 Quadratmeter Gelände von Pri­vaten und der eventuelle Ankauf von rund 35000 Quadrat­meter vom Fiskus, sowie die Hergabe des städtischen Grund­besitzes in der Größe von etwa 22 500 Quadratmeter wird grundsätzlich genehmigt werden.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Wie wir erfahren, ist der Gastwirt Schneider in Wies eck für die Kandidatur Heyliqenstaedt bei der letzten Reichstagswahl lebhaft eingetreten. Das kam dem sozialdemokratischen Wahlverein zu Ohren, und deshalb erfolgte der Ausweisungsbeschluß, über den zu Tode betrübt zu sein Herr Schneider wahrlich keinen Grund hat. Auf dem Heufelderhof in Wüstensachsen a. der Röhn erschoß ein Bruder den anderen im'Streit. Die Lackfabrik Roßbach in Friedberg beabsichtigt, für ihre Arbeiter Arbeiterwohnungen zu erbauen. Auf dem Gehöfte Hasel­hecke am Winterstein ist wiederum die Schweinepest aus­gebrochen, die dort bereits voriges Jahr den größten Teil des Schweinebestandes vernichtete. Sonst ist die Schweinepest 'in der Wetterau im Erlöschen begriffen. In Pfaffen- Schwabenheim fand ein Zirkusbesitzer, der sich seit einigen 'Tagen dort aufhielt, morgens sein erst drei Monate altes

Kind tot im Bette liegen. Das dreijährige Schwesterchen, das bei dem Kinde schlief, hatte sich auf sein Schwesterchen gelegt, und so mußte das arme Wesen in seiner hilflosen Lage ersticken.

Kurst und Wissenschaft.

Prozessor v. Behring über die Sanierung der Milch. Die schon erwähnten Pläne Prof. v. Behrings für die Sanierung der Milch laufen darauf hinaus, das Jungvieh bis zum Alter von drei Monaten mit besonders präparierten mensch­lichen Tuberkelbazillen zu impfen, um dadurch den Tierbestand von der Perlsucht zu befreien. Die Einführung dieses Systems durch ein Reichsgesetz rotrb erstrebt, lieber den in seinem Vorträge aus­gesprochenen Gedanken, Form al in der Milch zuzusetzen, hat Herr v. Behring dem Kultusministerium ebenfalls weitere Auf­schlüsse gegeben. Er ist der Ueberzeugung, daß die eben der Kuh entnommene Milch bakterientolende Elemente besitzt und so auch die Keime zu andern Krankheiten zu vernichten vermag. Aber diese Eigenschaft der Milch verschwindet sowohl durch Hitze, wie durch Kälte, sowie unter der Einwirkung längeren Stehens. Durch For- inalin in Menge von 1 :10 000, das sind auf 10 Liker Milch ein Gramm Formal in, glaubt Behring der Milch ihre volle bakterien­tötende Eigenschaft erhalten zu können.

Der fünfte internationale Dermatologen­kongreß findet vom 15. bis 17. September unter dem Präsidium des Professor Lesser in Berlin statt.

P r o f e s s o r v. B e h r i n g in B e r l i n veröffentlicht in der Berl. Klin. Wocheusch/ 41 Thesen über seine Anschauungen be­züglich der Entstehung der Tuberkulose beim 9)1 e n - schen und beim Tier. Er wendet sich wieder geqeii die An­nahme der Einatiiiungstiiberkiilose, wofür kein einwandsfreier Be­weis erbracht sei. Die Entstehung der tuberkulösen Lungenschwind­sucht sei vorwiegend auf tuberkitlöse Ansteckung im Kindes- oder Säuglingsalter ztirückzilführen.

Tie ZeitschriftTie Zutuns t", Herausgeber Maximilian Harden, ist für die Lesesäle der köiiigl. Biblio­thek verboten worden wegen eines ArtikelsSaint Louis", in dem über die bekannten, in der Budgetkommission bereits erörterten Kunstverhnltniffe gesprochen wird.

~^atiDroirtptidff-

Tie Getreideeinkaufsgenoffenschaft. Unter dem Vorsitz des Anwalts desAllgemeinen Verbandes landwirt­schaftlicher Genossenschaften". Geh. Regierungsrat Haas (Darm­stadt), wurde am 20 d. Mts. in Berlin eine qut besuchte Konferenz der Vertreter der deutschen Getreideeinkaufs-Genossenschaften abqe- halten. Der Hauptpuiikt der Tagesordnung betraf den heutigen Stand und die Zukitnft der deutschen Kornhausbewegung. Hierzu wurde nach längerer Anssprache folgeiide Resolution angenommen:Die im Fyrtschreiten der deutschen Kornhausbewe- gung eingetretenen Schwierigkeiten und im Verhältnis zu den erzielten wirtschaftlichen Vorteile relativ geringen Mißerfolge geben nicht im entferntesten einen Grund ab, die Bestrebungen auf diesem genoffenschaftlichen Arbeitsgebiete einzustellen oder auch nur ein zu- schränken. Die Sache des genossenschaftlich organisierten Getreide­verkaufs hat ffch im Gegenteil als eine fo durchaus gesunde, volks­wirtschaftlich wichtige und entwickelungsfähige erwiesen, daß die beteiligten Organe, ohne durch die seitherigen, zum Teil nicht durch- weg erfreulichen Erfahrungen des Anfangsstadiums der Bewegung entmutigt zu fein, dieselbe mit allen Mitteln weiter zu fördern, und auf ihre Ausbreitung hinwirken werden. Sie werden sich hierbei der ivirksamen und energischen Unterstützung der großen landwirt­schaftlich-genossenschaftlichen Körperschaften als Träger der Beweg­ung erfreuen, deren unveränderliche Absicht es ohne Rücksicht auf Angriffe aller Art ist, das Ziel einer umfassenden Organisation des Kornhauswesens in Deutschland beharrlich zu verfolgen und mit verneinter Kraft zu erreichen." Weiter sprach u. a. Ingenieur Krukenberg-Hannover über Erfahrungen beim Bau und bei der maschinellen Einrichtung der Kornhäuser.

Wetterbericht vom 22. Januar 1904.

Verlauf der Witterung von Donnerstag bis Freitag.

Ein im Westen Europas lagerndes Hoch erstreckt sich ostwärts über unser Gebiet. Tiefs lagern im Norden und Süden, durch das Hoch voneinander getrennt, ohne uns daher zu beeinfluffen. Es herrscht demnach ruhiges, trübes Frostwetter. Tas Hoch scheint sich weiter ostwärts auszudehnen.

Daher voraussichtliche Witterung für Samstag und Sonntag: Fottdauemd trübes Frostwetter.

Wetterdienst in Gießen: A. Peppler.

Vermischtes.

Ess en q. d. R., 22. Jan. Infolge strenger Kälte sind 3 Personen erfror-n, eine bei Halver, zwei bei Blankenstein.

Kiel, 22. Jan. Der hiesige Agent Meyer, der nach Unterschlagung von 16000 Mark nach Amerika entflohen ist, wurde bei seiner Ankunft in New - Port ver­haftet.

* Dresden, 22. Jan. In der Wohnung eines Hut-- macherS verbrannte bei einem Schadenfeuer ein fünf­jähriges Kind, ein anderes wurde schwer verletzt.

Magdeburg, 22. Jan. Gestern abend wurde auf der EbenSdorfer Chauffee der Kartoffelbändler Pfeiffer auf seinem Gemüsewagen ertnorbet und seiner Baarschast von 106 Mark beraubt. Der Täter ist unbekannt.

Petersburg, 22. Jan. Der Leiter eines russtschen StaatSlaboratoriumSfürPe st-Forschung ist infolge einer Infektion gestorben.

* New-Pork, 22. Jan. Ein heftiger Wirbel- wind suchte die Stadt MoundSville in Alabama heim. 37 Personen wurden getötet, 300 Privathäuser und sämt­liche Geschäfte sind vernichtet. Viel Vieh ist mnqefommcn.

Nnieste ItielTmnoen.

Lriginatdrahtmeldungeit des Gießener Anzeigers.

Berlin, 23. Jan. Eine Panik unter den Zu­schauern verursachte gestern abend ein kleiner Brand im Passage-Theater. Infolge elektrisch-'n Knrz- schlusses geriet ein kinematograhbischer Apparat in Brand. Es gelang jedoch mit einigen K "b'ln Was'er d'e Flammen zu löschen. Als das Publikum merkte, daß ferne Gefahr mehr vorbanden war, kehrte es auf seine Plätze zurück. Zu den Meldungen Frankfurter Blätter über ein dortiges Tbeaterprojekt des Direktors Neumann-Hofer erführt derLok.-Anz.", daß derselbe immer noch bif* Ver­wirklichung seines Berlin er Projektes erhofft, zu dem die Pläne bereits ausgearbeitet sind und der B^lwrde vorliegen. Ferner beratet dasselbe Blatt, daß das Ber­liner Projekt des T resors Bruck vom Franks-rte" O"pbenm recht fragwürdig erscheint, da das in Aussicht genommene Grundstück, die Kaiser Wilhelm-Akademie, vom Fiskus nicht veräußert wird.

Halle a. d. S., 23. Jan. Der Restaurateur Liebau feuerte auf seine Frau und seinen Schwager mehrere Revolverschüsse ab. Die Frau wurde lebens­gefährlich verletzt, der Schwager, namens Wer, getötet. Tie Ursache der Tragödie waren Streitigkeiten wegen der Schankkonzession. Liebau wurde verhaftet.

Dessau, 23. Jan. (Eigener Drahtbericht.) Prinz Friedrich wurde gestern auf Schloß Ballenstädt von einem neuen Schlaganfall betroffen. Das Be­wußtsein ist getrübt, der Zustand bedenklich.

Rom, 23. Jan. Laut Nachrichten von der Bema- dierküste sind nur die Stationen Prava und Dschumbo ausreichend gesichert. In B rbera hofft man, die Ruhe wieder herstellen zu können. Merka und Mogdischu find von aufrühr ergeben St "mm en b.d'oht, die die Herausgr.be der zahlreichen nach der Küste geflohenen Haussklaven verlangen.

Wien, 23. Jan. In unterrichteten Kreisen gilt daZ Heiratsprojekt des Erzherzogs Ferdinand Karl mit der Tochter des Professors Czuber keineswegs als aufgegeben. Es verlautet, daß der Erzherzog auf dem Vollzug der Heirat bestehe und daß diese am 13. Februar in Dresden stattsinden werde.

Budapest, 23. Jan. Zwischen dem Sekretär Gro- m o n aus dem Landesverteidigungs-Ministerium und dem Sekretär Jekel aus dem Finanz-Ministerium wurde ein Säbelduell ausgetragen. Gromon wurde durch einen Stich in die rechte Hand kampfunfähig gemacht. Tie Gemeinde Boeza im Kommitat Lipto wurde von hoch angeschwollenen Wildbächen vollständig überschwemmt. Viele Häuser find eingestürzt. Mehrere Personen fanden den Tod in den Fluten. Bei einer Fußball-Partie, welche zwischen Mitgliedern des hiesigen Athleten-Klubs ausgefochten wurde, erhielt der Spieler Stephan Tavit von seinem Gegner Weinbeer einen derartigen Schlag auf den Unterleib, daß er verstarb.

Telephonischer Kursbericht»

Frnnkfnrt ». tt.. 23. Jauuar 191'4

3l/a°/o Reichsanleihe . . 102 90 8<»/, do. ... 92.10 3*/,% Konsole .... 102.70 so/n do.....92.05

8*/fc% Hessen .... 101.50 37, % Oberheseen . . . 99.50 4% Oesterr. Go'drente . 102.90

4 Oesterr. Silberrente 101.10

4% Unerar. Goldrente . . 100.50

4°' Italien. Rente , . . 103.90 4*/32f> Portugieser , . . 62.85 8°/ Portugiesen.....32.00

1 % C. Türken .....

Türkenloso...... 138 20

4% Orieoh. Monopol.-Anl. 43.75

41/.% äussere Argontiner 43.05

8% Mexikaner . . . 26 8b

4Ve"/<i Chinesen . . . 90.45

Electric, flcbuckert . . . 104.40

Nordd Lloyd . . . .105 00

Kreditaktien . ... 213.80

Diskonto-Kommandit. 194.80 Darmstädter Bank . 144 90 Dresdener Bank .... 157.40 Berliner Handelsges. . . 166.70 Oesterr. Staatebahn . . . 144.80 Lombarden .....16.10

Gotthar-lbalm..... 192 00

Laurahfitte...... 236.50

Bochum.......191.75

Harponer...... 206.76

Tendenz: ruhig.

Der

Räumungs-Verkauf

des Modewarenhauses

Carl Nowack

beginnt

Preisliste folgt