Ausgabe 
22.12.1904 Zweites Blatt
 
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». Lich, 21. Dez. Ihr 5 0. Jubiläum feiert am Schluß dieses Jahres die auch in Gießen und weiterem Um* kreise rühmlich bekannte Brauerei Jhring. Wenn man bedenkt, n>u9 Herr Jhring sen. aus kleinen Verhältnissen gemacht hat, so konimt man zu dein Schluß, daß dieser Herr- viel geleistet hat.

Io. Butzbach, 21. Dez. Die Tochter des Ziegen­berger Schloßherrn, Frl. Carola Pass avant, ver­lobte sich mit dein Flügeladjutanten S. K. H. des Groß­herzogs von Hesien, Hauptniann Freiherrn Schäffer von B e r n st c i n.

v. Bingen, 20. Dez. Der Thermometer zeigte heute morgen bis zu 3 Grad Reaurnur. Heute vormittag lagerte über dcunRhein ein jo dichter, undurchdringlicher Nebel, daß die gesamte Schiffahrt eingestellt war, und der Verkehr mit dem jenseitigen User nicht bewerkstelligt werden konnte.

kleine Mitteilungen auS Hessen und den Nachbarstaaten. Im Groß-Sie in Heimer Gemeinde­walde wiirden durch Bohrungen Basaltadern gefunden, die sich über eine Fläche von 250 000 Quadratmeter er­strecken. wurden neben deni bekannten grauen Basalt auch große Lager von dem besonders harten blauen Basalt fest- gestellt. Ein 24jähriges Mädchen aus Steeden bei Runkel, das in Rotenroth bei ihrer Schwester zu Besuch weilte, machte sich an einer Kommodenschubladc zu schaffen, in der ein geladener Revolver lag. Durch das Herum- kramen entlud sich die Waffe und die Kugel drang dem Mädchen in die Brust. Es war sofort tot.^ Ter nn ver­flossenen Sommer in Mainz |tottgcl)abtc Feuerwchrtag hat, wie jetzt sestgcstellt i|i, mit einem Defizit von 7000 Mk. abgeschlossen.

vermischte».

Mörder und Räuber. In uonsk (Polen) wurden der Oeljabrikant Scheinfeld und dessen Gattin nachts in ihrer Wohnung ermordet und beraubt. Die Täter entkamen. Ein freches Attentat ist in Gant (Frank­reich) auf den Juwelier Matthys verübt worden. Em junger Mann betrat den Laden und wünschte einige Schmuck­sachen zu sehen. Während der Juwelier sich unuvandte, gab der Fremde aus einem Revolver mehrere Schüsse auf ihn ab. Der Getroffene fiel schwer verletzt zu Boden. In demselben Moment trat cm Briefträger m den Laden und fragte, was los sei. Der Mörder antwortete, deni Juivelier sei schlecht geworden und er sei zu Boden gefallen und habe sich verletzt. Unter dem Vorwand, Hilfe zu holen, versuchte der Unbekannte dann zu entfliehen. Ter Briefträger, deut die Sache nicht geheuer vorkam, hielt ihn aber fest und übergab ihn der Polizei, der gegenüber sich der Attentäter bis jetzt weigerte, seinen Namen anzugeben.

New - 'Iork, 21. Dez. Madame Chadwick, die .Königin^ unter Amerikas Schwindlerinnen, ist erkrankt.

Jnfolgedeffen ist die Verhandlung ihres Prozeffes vertagt morden. Eine große Anzahl Juwelen ist verschwunden, über deren Verbleib Jraii Chadwick keine Angaben inacht. Einzelne Juwelen find in Brüffel erworben aber nicht bezahlt morden. Während einer Europareise kaufte Frau Chadwick für 1^ Million Juwelen. Wie die Zollbehörden nach­träglich erfahren haben, hat Frau Chadwick den Zoll nicht entrichtet. Jnfolgedeffen wird die Zollbehörde einen Prozeß gegen sie wegen Hinterziehung von Zoll anstrengen.

* Der Gras und die Ballerina oderWas der Gotha verschweigt, so könnte man nach berühmten Mustern einen kleinen Mmcm ans dem Leben nennen, dessen Fäden sich von Wtünchen nach Berlin und sogar bis in ferne Welt­teile, übers Meer fy? rüber spinnen. Zu den Stars am Ballett!) miniel der "Münchener Königl. Oper gehörte wäh­rend der letzten Jahre eine höchst anmutige junge Künsd- Icrüi böhmischen Ursprunges, im bürgerlichen Leben M aria N owa tu aus der Bühne Marietta Olly genannt. An fie verlor ein junger Kavalier der ersten Gesellschaftskreise, der bayrischen Hauptstadt, der Kanimerjunker unb Leutnant int 1. schweren Reiter-Regiment Graf W o l f f s ke e l von Reichenberg sein Herz. Er ist ein Sohn eines der intunsten Freunde und Jagdgesührten des Prinzregenten Luttpold, des bayrischen Oberst-Stallmeisters und Generalleutnants Grasen Woljfskeel, der am 80. Geburtslage seines fürst­lichen Herrn vom Freiherrn- in den Grascnstand versetzt wurde. Ta wohl wenig Aussicht schien, die Einwilligung der Eltern des jungen Grafen zu seiner Verbindung mit der yübschen Tänzerin in Güte zu erhalten, fuhr das liebende Paar kur.z, entschlossen und) England und ließ sich dort trauen. Wie mau erzählt, sogar auch ohne den Konsens der müitürijchen Vorgesetzten euizuholen. Tie Folge davon war, daß der Gras unmittelbar nach seiner Rüctkehr ein Kommando nach O 'sta s i c n mit dem Befehl zu sofortiger Ad reise erhielt. Gräfin Marietta aber die neunpeilige Krone kann ihr niemand rauben die schon am Münchener Sd)auspielhause den Sprung vom Ballett zum Lustspiel mit viel Glück versucht hatte, nahm inzwischen ein Engagement am Teutsck)en Theater in Berlin an und ist seit Beginn der neuen Spielsaison in Heineren Rollen mehr jach mit Erfolg ausgetreten. Jin Gothaischen Grasenkaleuder wurde man freilich nach der gräflichen Schauspielerin vergeblich suchen. Tas Berliner Adreßbuch p[t weniger diskret, es juhrt die Gräfin Marietta Wolfssteel von Reichenberg gariz richtig auf, währetrd der Bühnen-Al- manach auch jetzt noch nur ein Frl. Startetta Olly, das aber ui demselben Hause wohnt, fcinit

* Kleine Tages chronik. Im chcviischen Labo­ratorium der Universität zu Graz explodierte bei der Testillation von absolutem Alkohol ein tupfenicr Kessel. Ein Diener des Laboratoriums erlitt sckstvere Brandwunden, denen er erlegen ist. Ein Praktikam und ein Assistent wurden gleich- ialls fchlver verletzt. Ter Kassierer des italienischen Mini­steriums des Innern, Mardi, bat sich in Rom e r s ch o s s e n. Er bintmiefc zahlreiche Briese an Persönlichkeiten des Ministe­rium- Ter Grund des Selbstmordes ist unbekannt. In der Fabrik Spodio in S u s s a t (Istrien) fand eine Kessel-Ex­plosion statt. Zwei Arbeiter wurden auf der Stelle getötet, fünf wurden tödlich ,zahlreiche andere leicht verletzt. Tie gesamte

Fabrik ist in Flammen aufgegangen. Der Vadekommiffar mm Schlangenbad, Oberstleumant a. D. Hinnrus.wurde bei Wiesbaden im Hinteren Nerotale als Leiche aufgefundew Er hatte seinem Leben durch einen Revolverschuß em Ende gema cht. ----------- .

Aniversitals-Aachrrchten.

Dem Assistenten von Pros. Wiener am physikalischen In» stitut der Leipziger Universität Dr. phil. Hermann Scholl ist die venia legendi für Physik erteilt Scholl. 1872 geboren, studierte an der Aachener Techniichen Hochschule Maschinenbau und Elektrotechnik und an der Universität Gießen PMk als Schüler von Wiener. Bon 189599 war er Assistent am Gießener vbmikalischen JMitut. 1899 promovierte er an der hessisckMi Landesuniversität/ Als Ostern 1899 Prof. Wiener an die.Leip­ziger Universität übersiedelte, folgte ihm Sclw.ll als Assisüick. ^em seit Dezember 1900 als Privatdozent für Pl-armakologie und^Toxikologie an der Marburger Universität tätiger lang­jährigen Afsistenten am pharmakologischen Institut Dr. mev. Otto Loewi ist der Professortitel verliehen worden. _

Kandel und UerKelst. Volkswirtschaft.

E i n z w e i t c r S u e z t a n a l. Von ungiano aus juiru pro­jektiert, das Moiropol der Snezlanal-G-eisellschaft durch Anlage eines konkurrierenden zweiten Schisfahrtskanals zu brechen. Tie Gesellschaft hatte im letzten Jahre einen Reingewinn von rund 50 Mick Frs. zn verzeichnen, aus dem fie. eine Dividende von 27 Proz verteilen konnte. Wie dieser enorme Profit zustande kommt, erhellt aus folgendem Beispiel: Ein Tampfer von 7000 Tonnen Ladegewicht kann bei den gegenwärtigen Tarifsätzen «inen Frachtverdienst von höchstens 2275 Lstt. erzielen, davon muß er ungefähr 1310 Lstr., also ctua 60 Proz. Kanalgebühren ent- richten. Diese verkehrsseindliä^e Gebührenbemessung belastet )ede Tonne Körnerfruclst aus Indien oder Australien mit 4 Schill, jede aus England dorthin ausgeführte Tonne Epen oder Web­waren mit 48 Schill. Kanalzoll. Das englische Reedereigcschäst empfindet diese Belastung umso schwerer, als bet britische Anteil an dem gesamten Schifsahrtvcttehc durch den Kanal, obwohl er seit 1892 stetig zurückging, immer noch 62 Proz. betragt. Dabei darf allerdings nicht außer Aiht gelassen werden, daß bie eng­lische Regierung sich im Besitz der Halste aller Kanal-Aktien be­findet. <-chon 1883 wurde eine besondere Kommission gebildet, die ein Konkurrenzunternehmen in die Hand nehmen sollte. I etzt ist die Sache wieder ausgenommen wotdeti und findet in Sir Thwdore Angier, Chef der Reedereifirma Angier Brothers, laut Hamb. Kotr." einen ihrer tatkräftigsten Vertreter. Tie Plane für die Konkurrenzcknie sind ichon fix und fertig, und würde der neue Kanal 81 englische Mecken lang, also vier Mecken kürzer werden, als der alte, dabei doppelt so breit. Die Kosten sind auf 150 Mill. Mark veranschlagt. L

Bergwerksgesellschaft Hibernra. lieber bie Auf- sichtsratssitzung vom Dienstag hat der Telegraph ausführlich Mit­teilung gemacht. Aus den Ausführungen geht hervor, daß die Tividmde auf das vollberechtigte Aktienkapital 11 Prozent be­tragen dürfte. Für das weitere Publikum haben bie Abschlüsse der Gesellsckms't in ihren Einzelheiten kein Interesse urehr. Das Gros der Aktien gehört nun der neugegründeten Herne-Gesellschast, der andere Teil dem Staat, der schon in der Begründung der Hibernia -Vorlage mit einer Tivideiide von 11 Proz. rechnete.

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