der Bundesrat die Forderung an fiel) für eine unbillige hält. Jetzt ist die Sacke so, daß Gewährung und Nickt- gen^ibrung in das freie Ermessen der entscheidenden Behörde gestellt wird. Nu der einen stelle wird versagt, an der anderen die Erlaubnis erteilt. Daß einheitliche Bestimmungen zweckmäßiger und vor allem gerechter sein würden, liegt auf der Hand. Zn Sachen der Zuchthausund Gefängnisarbeit soll in naher Zeit die bksetzgebmig in Tätigkeit treten. Sprechen hier auch wichtige wirtschaftliche Interessen mit — namentlich in Bezug auf die Konkurrenz, welche die Gefangenenarbeit der freien Arbeit macht/ so ist doch die ersterwähnte Resolution des Reichstages nicht minder dringlich.___________________________
Aus Stadt und Kund.
Gießen, 22. Rovembcr 1904.
* Personalien. In den Ruhestand wurde versetzt am 19. November ds. Js. der Gerichtsvollzieher bet dem Amtsgericht Darmstadt II Philipp ReibstelN auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und unter Verleihung des Silbernen Kreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen.
♦* Tagesordnung für d i e S i tz u n g der Stadtverordneten-Versammlung Donners- tag den 2 4. November 1904, nachmittags 4 Uhr: 1. Baugefuch des Joh. Gg. Pfaff dahier für die Stephan- straße; hier: DiZpenS. 2. Befestigung des nördlichen Bürgersteigs in der Stephanslraße zwischen Goethe- und Bismarcl- straße. 3. Ausbau der Iohannesstraßc. 4. Tas Betreten von Bahngelände; hier: Uebernahmx der Haftpflicht für städtische Beamte. 5. Anschluß von Grimdstücken an die Kanalisation durch das Gas- und Wasserwerk. 6. Rechnungsabschluß des Gas- und Wasserwerks für 1903/04. 7. Desgleichen des Elektrizitätswerkes für 1903/04. 8. Rechnung
der Armenkasse für 1903,04. 9. Rechnung der Ploct'schcn
Stiftung für 1903,04. 10. Statut für das Kaufmanns
gericht. 11. Gesuch des Garnisonlazaretts Gießen um lieber» lassung des nach Zuschüttung des StadtringgrabenS sich ergebenden Geländestreifens in der Ostanlage.
•• Besichtigung d.er neuen Bibliothek. Ten Beamten der Universitäts-Bibliothek sind von so vielen Seiten Wünsche in Bezug auf Besichtigung des neuen Bibliotheks- gebäudes ausgesprochen worden, daß es unniöglich ist, allen im einzelnen zu entsprechen. Tie Direktion hat sich deshalb veranlaßt gesehen, am nächsten Sonntag dem 27. d. 2)L die Bibliothek weiteren Kreisen zu öffnen, und bittet, Anmeldungen in der Kanzlei der Bibliothek zu bewirken. Ter Zutritt kann nur gegen Karten gestattet werden, die m der Kanzlei unentgeltlich zu haben sind. Wir verweisen auf das Inserat.
•• Benn Motorsahren preisgekrönt. Ter einzige Teilnehmer aus Gießen an der Stafettenfahrt der deutschen Motorradfahrer-Vereinigung vor ihrem Protektor, Sr. Kgl. Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußen, Stuttgart—Kiel, war Herr Friedrich Schaaf jun. Ihm
gelang es, mit seinem Motorrad einen hohen Preis, die ilberne Medaille, zu erringen, welche ihm, wie wir hören, gestern zugesandt wurde.
" Zum Raubmord in Heldenbergen berichtet über das Verhalten des Ehepaares Fischer, das in der Nähe von München verhaftet wurde, die „Kl. Pr." folgendes: Etiva dreihundert Meter vom Bahnhof Heldenbergen entfernt, auf dem Wege nach Win decken, liegen zwei zusammenge- baufe Häuser. DaS kleinere ist Eigentum deL Maurers Bau sch er, Bauscher, der an dem Vilbener Bahnhof beschäftigt ist, hatte die freien Räume seines Hauses an die Eheleute Zöllner und Fischer vermietet. Ferner hat ein Fuhrmann namens Hüppig eine Schlafstelle bei ihm inne. Das Ehepaar Zöllner hatte ordnungsmäßig gekündigt und bewerkstelligte am Abend der Mordtat, einem Freitag, seinen Umzug. Bei deut Transport der Möbel nach dem Bahnhof halfen Fischer, der Fuhrknecht Hüppig und ein Fuhrmann aus dem Dorfe namens Emmerich. Um halb cif Uhr wurde Frau Fischer von Hüppig an diesem Abend zum letzten Mal gesehen. Ihr Mann ging mit den übrigen um 12 Uhr nach HauS. Beim Eintritt in das Haus machte Hüppig die Bemerkung, daß die vier Hunde Fischers nicht wie gewöhnlich an sch lugen. Er schloß daraus auf die Abwesenheit der Frau Fischer. Am andern Morgen ivurde er von Frau Fischer schon gegen 5 Uhr geweckt. Er schlief jedoch weiter, da er müde war. Was sie wollte, konnte er nicht erfahren, da die Fischer in aller Frühe schon durch gebrannt waren. Ihren Koffer hatten sie wahrscheinlich mit den Zöllnerschen Sachen am Abend fortgeschmiiggelt. Fischer war ein stiller, nüchterner, schmächtiger Mann im Alter von sechsunddreißig Jahren. Seine Frau, eine stattliche Person, war nicht beliebt. Sie war als Schnapstrinkerin bekannt. In der Nähe deS Pfarrhauses ist sie öfters beim Kartoffelgraben beobachtet worden. Fischer war für Logis und Flaschenbier seinem Wirte ungefähr siebenzehn Mark schuldig. Außerdem hat er von ihm drei Mark baares Geld entliehen. Möglicherweise ist nur diese Schuld die Ursache der heimlichen Flucht ge- lucfen. Man wundert sich aber darüber, daß Fischer und seine Frau, die übrigens von der Station Ostheim abgefahren sind, das Geld zii der weiten Reise nach Bayern hatten. Wieviel die Gegend an Pfarrer Th öbeS verloren hat, zeigt noch eine Tatsache. Er war im Begriff eine Baugenossenschaft zu gründen, um den Minderbemittelten Gelegenheit ;um Bauen zu geben. Er selber wollte sich mit seinen reichen Privatmitteln daran beteiligen.
6. Lauterbach, 21. Nov. Der Gastwirt Fenner au§ Wallenrod, der sich mit feiner Schußwaffe gegen seine Festnahme wehrte, hat sich heute mittag gegen 12 Uhr erschossen. Die „Belagerung" von Wallenrod ist also aufgehoben. Zu der Affäre hören wir noch: Wallenrod war in größter Aufregung. Als vor einigen Tagen der Land- mann Zinn an dem Hause des Gastwirtes Fenner vorüberging, wurde er von dem letzteren angefchoffen. Der Schuß
ging durch die Lunge. Der Mann hegt schwer krank darnieder, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Fenner war auf Zinn erbost, weil dieser in einem Prozeß gegen ihn auSgefagt hat. — Seit der Abgabe des Schusses nun hielt sich der Gastwirt in seinem Hause auf und bedrohte jeden, der sich nähern wollte, zu erschießen. Mehrere Personen sind schon, außer dem Zinn, mit Schrotladiingen angeschossen worden. Gendarme hatten das Haus umzingelt. Das Vorgehen gegen den Mann wurde aber sehr erschwert, weil das Haus frei liegt, sodaß er ein weites Schußfeld hatte, und weil seine beiden Kinder noch bei ihm waren, welche er nicht aus dem Hause heraus ließ. Der Mann hätte es lange aushalten können, da er neben der Wirtschaft noch einem Kramladen betrieb, sodaß er mit Vorräten reichlich versehen war. Fenner hat den Feldzug mitgemacht und galt als ein ausgezeichneter Schütze. Er hatte fünf Gewehre bei sich. Seine Frau ist am Sonntag abend in das hiesige Gefängnis abgeführt worden, weil sie ihrem Manne Munition zugetragen haben soll. Der Mann ist anscheinend geistesgestört. In der letzten Zeit soll er sich ganz besonders dem Trunke ergeben haben. Rach den eigenen Aussagen wollte Fenner noch den Bürgermeister und den Beigeordneten und dann sich selbst erschießen.
Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise
am 21. November 1904.
Höchste Schlachtviehpreise m Frankfurt a. Al.
Fleischpreise in Gießen
Ochsen
Kälber Schiveine
50 Kg. Schlachtgewicht 71-74 Mk.
7» Kg. Schlachtgew. 82—86 Ps.
7, v_____59-60 „
V, Kg. 70-80 Psg.
7, . 70-74 „
71 60 72 „__
Getreidepreise in Mannheim
Brotpreise in Gießen
Weizen 1UU Kg. 18,85 Roggen 100 „ 14,75 „
Weißbrot 2 Kg. 52 Pig.
Schivarzbrot 2 Kg. 48 Pig.
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