Ausgabe 
22.11.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. Z75

'.eustag ÄÄ. November 1904

184. Jahrgang

Zweites Blatt.

Giehener AKZeiger

Erlcheinl iSgttch mit Ausnahme deS Sonntags.

Seyeral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für der« Kreis Sichen

DieGletzener Zamilienblätter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchenllich beigelegt Der «»Heistsche Landwirt^' erscheint monatlich einmaL

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.I.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr. < Anzeiger Giefeea»

RotattonSdruck und Verlag der Brühl'!chm UnwerütätLdruckeret R. Lange. Gießen.

Aie Werlobungsftier zu <L'ch.

R. B. Lich, 21. Nov.

In unterem engen, stillen Städtchen herrscht bunter Jubel und Freude über das Glück, das in dem Stammschloß unserer alteingesessenen fürstlichen Familie Solms eingekehrl ist. Soweit es äußerlich zum Ausdruck kommen konnte, ist es geschehen durch die allgemeine Ausschmückung der Häuser, aber wie herzlich und ausrichtig die innere Freude über die Krautwahl unseres allverehrten Landesherrn ist, läßt sich nicht durch bloße Worte zum Ausdruck bringen. Man muß sie selber sehen, die sreudestrahlenden Blicke unserer alten, wetter­festen Einwohner, sobald das Gespräch auf das Glück der beiden Fürstengestalten kommt oder das Auge auf eine der ge­liebten Persönlichkeiten selber fällt. Ist doch das fürstliche Haus seit tanger, langer Zeit aufs engste mit den Geschicken unserer alten, von der Wetter durchflossenen Stadt verwachsen und hat Freud und Leid mit ihr geteilt. Besonders aber hat es die jetzige Prinzessin-Braut verstanden, sich durch ihr lieb­reizendes, leutseliges Wesen auch in den Herzen der Geringsten einen Platz zu sichern. Es war deshalb auch nur natürlich und selbstverständlich, daß, nachdem die offizielle Feier der Verlobung am Sonntag im eügsten Kreise der Familie er­folgte, heilte die Freude und Begeisterung der Bevölkerung in spontaner Weise zum Ausdruck kam.

Das hohe Brautpaar konnte man heute schon früh um y29 Uhr das Schloß verlassen sehen. ES begab sich nach der fürstlichen Familiengruft, wo neben den Ahnen des Hauses auch die Eltern der Braut ihre letzte Nuhestätte haben, und verweilte hier längere Zeit in stillem Gebet. Erst nachdem dies geschehen war, wurde die Nachricht von der erfolgten Verlobung diirch den Draht nach Darmstadt, Berlin, Kiel, Petersburg re. verbreitet.

Nachdem schon in den Mittagstunden zahlreiche Glück­wunschtelegramme und Blumen 2C. eingetrofsen waren, blieb der späte Nachmittag für die Feier der Licher Einwohner­schaft reserviert. Der rühmlichst bekannte Gesangverein Eäcilta, dec erst im verflossenen Sommer m Gießen wieder einen Sangerpreis errungen hat, brachte dem hohen Braut­paar vor dem Schlosse eine Serenade dar, die ben mit der Prinzessin-Braut mit Andacht lauschenden Großherzog

einmal zum Vortrag bringen lassen. Unter großer Freude aller Teilnehmenden wurde dieser Wunsch erfüllt.

Am 24. d. M. begeben sich voraussichtlich die Fürst!ichkeiten nach D a r m ft a d t, wo anläßlich der Geburtstagsfeier des Großherzogs, die am 25. begangen wird, größere Fesllichkeiten ftattfinden werben.

Man schreibt uns aus unserem Leserkreise:

Mit unserer zukünftigen Landeöhcrrin kommt eine Prinzessin auf den hessischen Thron, welche außer sonstigen vortrefflichen Eigenschaften Mut, Herz und seltene Geistesgegenwart in sich vereinigt Vor ungefähr 810 Jahren befand sich Prm- zesstn Eleonore mit ihrer Familie in Dresden und machte eines schönen Tages einen Spaziergang im großen Garten, als sie plötzlich eine Reiterin gewahrte, welche die .Herrschaft über ihr Pferd gänzlich verloren hatte und gefaßt sein mußte, jeden Augenblick abgeworfen zu werden. Mit gänz­licher Selbstverleugnung warf Prinzessin Eleonore sich dem Pferd entgegen und rettete der Dame das Leben; sie selbst erlitt bei dieser Gelegenheit schwere Ver­letzungen, und lange Zeit dauerte cs, bis sie vollständig genesen war. Diese mutige Tat wirb sicher dazu beitragen, die ^ympatlsten für unsere künftige Landesherrin zu erhöhen. Tie Prinzessinarfnelt für diese Rettung eines Menschenlebens die sächsische Rettungsmedaille. * I. W.

Der Kreisausschuß des Kreises Gießen sandte Montags folgendes Glückwunschtelegramm an Se. Königl. Hoheit den Großherzog in Lich:

Eurer Königlichen Hoheit und der Durchlauchtigsten Prin­zessin-Braut legt in aller Hessentreue die ehrerbietigsten Glück- und Segenswünsche zu Füßen

Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.

Hieraus lief folgende Antwort em:

Danke herzlich für Glückwünsche. Ernst Ludwig. *

Montag nachmittag ging auf den Glückwunsch der Stadt Gießen folgende telegraphische Antwort ein:

Oberbürgermeister Mecu m - Gießen. Ihnen und der Bürger­schaft herzlichen Dank für freundliche Glückwünsche.

Eleonore. Ernst Ludwig.

*

Dem Landtagsabg. h ler, der im Namen des Ober­hessischen Wahlkreises Hungen-Lich ein Glückwunsch-Tele­gramm abgesandt hatte, ging folgende Antwort zu:

Ich danke Ihnen und dem Wahlbezirk herzlich für Glück­wünsche. E r n st L u d w i g.

£>er Ming.

Kriminal-No man von O. Elster.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Käthe konnte nicht umhin, ein wenig zu lächeln über Die sonderbare Art und Weise des alten Herrn. Vertha bemerkte es.

Verzeihen Sie mir, Bertha", bat Käthe.

O, lachen Sie nur über meinen guten alten Jmt§giua)t3' rat", sagte Bertha ohne Empfindlichkeit.Er besitzt doch das goldigste treueste Herz unter der Sonne."

Ich glaube es wohl. Ich habe ihn wahrend uniercr kurzen Bekanntschaft schon lieb gewonnen." .

Von diesem Tage au nm^tc die Genesung Berthas raschere Cor schritte« -rie fr eki il e Umgeb ng des P.arrh^ s s d.e rnr £>, guin;' v'ict des' Pfarre cs uno der ^lurcerin uno üie Freunds a) ast ztüthes trugen das ihrige dazu bei, die Harnwuie ihres Seelen­lebens wieder herzustellen und die Gegenwart ihres alten freun­des, seine muntere Laune, 1 womit er, jede trübe Stimmung ber chr zu verscheuchen wußte, gaben ihr Sicherheit und neue HofsnungS- srcudigkeit. .

Die Briefe Ferdinauds klärten den Sachverhalt jener un­seligen Verhältnisse vollständig auf. Ter unglückliche Kammski tonnte noch von einer Gcrichtskommission vernommen rverden, vor der er abermals ein offenes Geständnis seiner Schuld ablegte. Dem irdischen Richter aber entzog ihn der Tod; er entschues nt ben Armen seiner Frau, die treu bis zur letzten Stunde bei ihm anshwlt. ^ßr Amtsgerichtsxat die alte Frau Knoche, den /teilten Richard und Pfifft, den zottigen kleineii Hund kommen ließ, war Ber.Has Glück vollkonrmen.

Ter Amts.jerichtsrat, weicher in dem Gasthaus des Corses logierte, kam jeden Tag, und sie verplauderte mit ihm ginn- Yxiyt, behagliche Stunden. TPr Amtsgerichtsrat aber baute du

sichtlich tief berührte.

Umgeben von den Honoratioren der Stadt, hielt bann Amtsrichter Rausch namens der Stadtvertretung folgende Ansprache an die hohen Herrschaften:

Als sich bereits vor cmU^i Wochen die Hoffnung auf das /rohe Ereignis, dem wir jetzt gegenüberstehen, wenn auch ausangs zaghaft uno schüchtern hervorwagte, da schlugen bereits die Herzen höhcr in sreuotger gespannter Erwartung. Nun aber ist die Hoff­nung Tat und Wahrheit geworden und ein Sturm der Be­geisterung und der Freude geht durch alle Hessengaue. Nicht zum miiidesten aber findet diese Freude ihren Widerhall in den Herzen der Licher Einwohnerschaft. Tie Lia-ier Einwohnerseljast empfindet es als Stolz und Freude, daß eine Prinzessin aus dem hoch^ verehrten Fürstenhause, mit dem die Licher Bewohner gerne Freud und Leid teilen, den Thron des Hessenlandes besteigen wird. Aber auch im ganzen Lande wird diese Tatsache unenMidne Freude auslösen. Denn die Prinzessin aus dem edlen kerndeutschen Solmser Fürftenhause bietet für jeden d e Bürgschaft für Lebens- und Familien glück unseres treugeliebten Lanoesherrn. Wre sie, die erkorene Braut, einerseits der Sonnenstrahl sein wird, der den stellen Lebensweg ihres hohen Gemahls vergolden wird, so wird sie andererseits, des sind wir gewiß dem Lande eine allezeit treue und fürsorgendr Mutter sein. Als Tank aber wird sie die Liebe und Treue ernten, die unser Hessenvolk wre kaum em anderes mit seinem angestammten Herrscherhause verbindet.

So schlagen heute die Herzen aller Hessen m dem ernen Wunsche für eine glückliche Zukunft des hohen Paares zusammen.

Wir aber wollen unsere Wünsche, die wir tui die hohen Ver­lobten auf dem Herzen haben, in dem Ruf zusammenfassen:Tas hohe Brautpaar, es lebe hoch, hoch, hock!" , .

Ter Großherzog crwioerte, auch namens seiner Braut, und sagte wörtlich:Ihr könnt mirs gl.au- ben, es haben sich hier zwei Hessenkrnder: zu wirklichem Glück vereinigt. Wir danken ^zhnen für Ihre Huldigung von ganzem Herzen." .

Zum Schluß der Feier rief der Großherzog dem Dirigenten, Herrn Zimmer, zu, er möge dasGlo ck e n l i e d , das im vorigen Jahr bei seiner Anwesenheit auch erklungen sei, noch

KarlamerUtNischer ZLiuf.

R. B. Dar m st a d t, 21. Nov.

Tie Vorlage des neuen Staatshaushalts- etats für 1905 ist binnen wenig Tagen zu erwarten. Er wird keinerlei besondere Ueberraschungen bieten und in üblicher Weise zunächst dem Finanzausschuß überwiesen werden, der dann den Rest des lausenden und den ganzen nächsten Monat zur Verfügmig hat, um in aller Muße die .Vorberatung des Etats zu volizieheu. Im vor. Jahr war die Ausschußtätigkeit durch die bis tief in den Dezember, hin- eingeschobenen Plenarberatungen in empfindlichster Weise beeinträchtigt worden. Und wenn dann die Kamnier gleich in der ersten Hälfte des Januar eifrig an die Etats­beratung heranaeht, so kann sie diesmal schon bis Anfang Februar vollendet sein und dann bleibt der Volksvertret­ung bis Ostern noch eine Zeit von ca. zehn Wochen übrig, um sich eingehend mit der schwierigsten und bedeutungs­vollsten Materie der diesmaligen Kammertagung zu be­schäftigen, der Reform der hessischen Kommuualsteuer-Ge- setzgebung. Daß die Negierung den besten Willen hat, diese umjangreiche Ausgabe noch im Lause dieser Tagung zum Abschluß zu bringen, ist vom Staatsminister aus­drücklich hervoraehoben worden, und auch die Kammer scheint sich in diesem Bestreben zu vereinigen, wie die für die nächste Sitzung ais erster Punkt auf die Tages­ordnung gesetzte Wahl eines Sonder-Ausschusses vou zehn Mitgliedern zur Vorberatung des Gesetzentlvurss erkennen läßt. Die Vorlage selbst dürste morgen im Druck fertig- gestellt sein und an die Mitglieder zur .Verteilung ge­langen.

Der neue Haushaltsetat wird nach unseren In­formationen ähnlich, wie der vorjährige, im allgemeinen ein Bild allmählicher gesunder Weiterentwicklung unserer Staatssinanzen darbieten. Neben verschiedenen anderen Po­

herrlichsten Luftschlösser und eines Tages, als sie von einem kurzen Spaziergang - zurückkehrten, führte er sie auf den Kirchhof.

Bertha zögerte, ihm zu folgen. Tie Erinnerung drohte sie zu überwältigen.

Kommen Sie nur, mein Kind" > jagte der alte Herr freund­lich, ernst.Ich möchte gerade hier mit Ihnen ein verständiges Wort sprechen."

Er schritt geradeivegs auft das Grab Franz Grollers zu. Gesenkten Hauptes folgte sie ihm. Am Grabe blieb er stehen und legte die Hand auf das sLMarzc Marmorkreuz.

Ter hier ruht", sprach er mit fast feierlicher Stimme,hat Unruhe und Unfrieden in die Welt gebracht. Ruhe und Fneden möge er hier finden. Marie ich nenne Sie no'ch immer so, denn dieser Name ist mir lieb geworden Marie, Tu »hast diesen Mann einst geliebt, liebst Du ihn noch?"

Bertlja sckjauerte zusammen und faltete die Hände:

Ich bete für ihn, das; Gott ihm verzeihen möge, wie ich ihm verziehen habe. Er ist der Vater meines Kindes, es gebühret mir nicht, in Haß seiner zu gedenken."

Geben Sie mir die Hand, Manc fehen Sie mir mS Auge. Hier am Grabe dieses Mannes wiederhole uo meine Frage: Wollen Sie mein Weib werden, daß ich für Sie und Ihren Sohn sorgen kann Sie ftefcn in ber Blitze Ihrer Jahre"

O schiveigen Sie idj bitte ®ic !"

Ich bin ein alter Mann", wiederholte er.Sre sollen meine Tochter sein, aber die Welt hat ihre Ordnung, die wir nickft verletzen dürsen, ich muß ein Ziccht haben, für ^ie sorgen zu können, deshalb frage ich Sie: Wollen Sie mein Weib werden?" ,, _

Ta sah sie mit Werfließcnden Augen zu Ujm empor. Dann streckte sie die Hand aus.

Sehen bic den Ring hur?" fragte sie.

Ja, es ist jener verl)<i'.lgnisvollc Ring"

Den mir dieser Mann da im Grade einst gab als Pfand der Treue. Ich gelobte damals, ihn für ba-3 ganze Leben zu tragen, ich gelobte es abermals, als Dieser Mann eines blutigen Todes

sitionen konnte aus Grundlage der neuesten Vorberech­nungen auch das Gesamtsteuererträgnis wieder etwas höher in den Voranschlag eingestellt werden und als be­sonders erfreulich ist die Tatsache zu verzeichnen, daß auch der hessische Anteil an den Heberschussen aus der hessisch-preußischen Siaatseiienbahn-Gememschajt erheb­lich höher sein wird. Ob es freilich der Kunst des Fd- nanzminijkers und seiner äußerst vorsichtigen Budgetauf- steUung möglich sein wird, das im vorigen Etat auf li;3 Millionen zurückgedräugte Defizit schon dies Jahr ganz aus den Nullpunkt zu bringen, scheint die Frage.

In der skammer der Abgeordneten hat man sich's gleich in dec zweiten Sitzung nicht verkneifen können, auch wieder das ulte Steckenpferd zu reiten, die Hundesteuer. Zwar hatte man bei drei von den vier aus die Tagesordnung gesetzten Hundesteuer^Borstellungen diesmal, unjern srüher geäußerten Wünschen entsprechend, wenigstens die Druck­tosten gespart und mündliche Berichterstattung des Aus­schusses für hinreichend erachtet. Tie eigentliche Ver­anlassung zu der Hundesteuer-Diskussion gab diesmal der Negierungsvertreter, der nach den Berichten der ALgg^ Bähr und Möllinger die rechtliche Seite der Frage anschnitt und den aus Berüchichrigung der Vorstellungen hinzielenden Ausschußantragen gegenüber hervorhob, dcch der ganze Petitionsflurm wegen angeblich ungerechtfertigter Heranziehung zur Hundesteuer Schuld der zweiten Kammer sei, da sie die unklaren Beziehungeneinsam gelegene Ge­höfte" ujw. erst in das betr Gesetz hineingebracht habe. Obwohl dann jeder Redner sichgairz kurz jassen" wollte, damit in der Presse nicht wieder darüber räsonnrert werde, nahm d^ Debatte doch den ganzen Rest der Sitzung in An­spruch. Erst als der Abg. Weidner einige launige Bemerk­ungen über das abermalige lang andauernde Wauwau der Hundesteuer machte und empsayl, start dessen lieber aus eine präzise Fassung der in Frage kommenden Bestimm­ungen bedacht zu sein, legte sich der Eifer der Redner, wozu auch die knurrenden Magen es war inzwischen be­reits i/22 llhr geworden nicht wenig beigetragen haben mögen. Im Jnteresfe der Gesajajte der Kammer wäre es jedenjalls sehr erwünscht, wenn dem Wunsche des Re­gierungsvertreters entsprochen und eine klare Auslegung über die unklaren Punkte in der Hundesteuergesetzgebung von der Kammer in die Wege geleitet wurde.

Doüüsche Tagesschau.

Der Bundesrat

hat in seiner vorletzten ^ung, wie nachträglich verlautet, der Reichskags-Rejoiution wegen Selbstbeköstigung der Untersuchungs-Gesang en en und solchen Straf- gesangenen, deren Handlung nicht eine ehrlose Ge»- sin n un g bekundet habe, die Zustimmung versagt, d<r- gegeu eine andere Resolution wegen e in h eit lich e n Be-i fiimmungen über die Zuchthaus- und Gefängnis­arbeit in den einzelnen Staaten dem Reichs­kanzler über wiesen. Der Bundesrat hat die Verabschiedung der Gesetzentwürfe eines neuen Mili­tär - P en s o n s g e setz e s deshalb so sehr bleschleu- n igt, damit die dadurch verursachten, für das erste Rechnungsjahr auf 6V2 Millionen Mark veranschlagten Mehrausgaben noch in die Etats der Heeres-^Berwaltung und Marine sür 1905 eingestellt werden können.

Tie Selbstbeköstigungs-Resolution des Reichstags hat also keine Gnade vor den Augen des Bundesrats gefunden. Aus welchen Gründen, darüber schweigen die lakonischen Bescheide, die über die Entschließungen des Bundesrats auf Reichs-Anträge dem Parlament zugeftellt werden, herkömm­licherweise sich aus. Trotzdem wird man wohl bei der Beratung des Etats des Reichsjustizcunts hierüber etwas Näheres zu erfahren suchen. Klagen über Mängel der Rechtspflege wird als ein Universal-Trost entgegen­gehalten: Wartet nur die große Rejorm des Strafrechts ab, bei dieser Gelegenheit finden die berechtigten Wünsche und Beschwerden einheitliche Berücksichtigung. Jahr um Jahr geht ber solcher Beschwichtigung hin. Es ist nicht einzusehen, warum mit so bescheidenen Erleichterungen des Loses der Unterjuchungsgesangenen und der Straf­gefangenen von ehrenhafter Gesinnung einem bloßen Prinzip zuliebe gewartet werden soll. Tenn wir nehmen an, daß es sich nur um bas Prinzip handelt, die Straf­rechtsreform auf einmal zu bringen, und daß nicht etwa

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gestorben war der Nina sollte mia) pets an ihn, an seinen Verrat und an meine Schuld erinnern. Sehen Sie hier, wie ich den Ring jetzt abftreife und ihn dem wiedergebe, der ihn. mir einst gegeben, so will ich jeden Gedanken an jenen Verrat, jeden Gedanken an Haß und Sia&jc, und den Gedanken an meine Schuld abstreisen, die Sie, edler Mann, von nur genommen."

Sie streifte den Ring vorn Finger und liefe ihn in das hohe Gras fallen, welches das Grab überwucherte.

Meine Hand ist rein und frei", sagte sie dann mit bebender Stimme,wie mein L>erz nehmen Sie beide hin, wenn Sie wollen, sie gehören Ihnen fürs gan^c Leben"

Marie, meine gute Marie", flüsterte ber Amtsgciichtsrat ergriffen, indem er jie an sein Herz zog.Ich danke Tir Tu sollst meine Tochter sein mein einzig liebes Töchterchen

Ta blickte sie lächelnd zu ihm empor unbjagte: Min nicht Deine Tochter Dein Werb -V' (Schluß folgt.)

Bremen, 21. Nov. Die Vereinigung zur staats» wissenschaftlichen Fortbildung, welche zu Studien» zwecken sich Vom 21. bis 24. November hier aufhält, trat heute nachmittag zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Im Namen des Senats begrüßte Senator Dr. Markus die Versmnmlung, woraus Ministerialdirektor T-r. Thiel dankte. Hieraus folgten Vortrüge. Abends leisteten die Teilnehmer einer Einladung des Senats zu einem Zusammensein im Ratskeller Folge.

Prag, 20. Nov. Bei der heutigen Erommng des von dem Präsidenten dec böhmischen Akadeinie der Wisse nsckjasten Hiavka begründeten Kollegiums sür techuijche Hochschüler hielt der L a n d s m a n n s m 1 n i st e r N a n d a due piche, in der er ausführte, das tschechii-Ae Volk sei auf wiftechchast.. lichem Gebiete zwar ein strebsames, doch kein großes Volk. Daher füllten die Studenten sich nicht von Vorurteilen Unreifer . beeinfUiifcit lassen, fuiioem sich die Sprachen der großen Kiutur- völker anciancn, in ihren Horizont zu enveitenu Die Rede wurde mit Beijaii aufgenonnnen.