Ausgabe 
22.10.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

* Die vom GeselligkeitSve rein Gleiberg auS Anlaß der 25jährigen Besitzübertragung der Burg an den Verein einberufene Festversammlung, welche gestern nach­mittag in den oberen Räumen deS Nassauer Baues aus dem Gleiberg tagte, war überaus zahlreich besucht. AuS den Sammlungen deS Oberhessischen GeschichtSvereuiS war alles, was mit dem Gleiberg in Beziehung stand, zu einer Sonder- auöstellung vereinigt, nach der Burg gebracht worden, und die ausgestellten Altertümer erregten großes Interesse. Besonder« war mteresiant eine Zusammenstellung aller bisher existierender Grußpostkarten vom Gleiberg. Der Vorsitzende Provinziatdirektor Dr. Breidert begrüßte die Erschienenen. Gr danlte dem kgl. Landrat Dr. SartoriuS-Wetzlar, sowie den Vertretern deS Kreises Wetzlar, den Vertretern der Stadl und deS Kreises Gießen sür ihr Interesse an der Burg, das sie erst jüngst wieder durch Bewilligung von Mitteln zur weiteren Unterhaltung derselben betätigten und daS sie auch heute betätigt hätten, indem sie so zahlreich den Weg nicht scheuten, um an der Versammlung teilzunehmen. Hieraus nahm Professor Dr. Sauer das Wort zu einem Vorträge. Gr entwickelte in großen Zügen die Geschichte der Burg und sprach den Wunsch aus, daß eS dein Verein, nachdem er in den verflogenen 25 Jahren die Räume des Nassauer Baues sozusagen wohnlich gestaltet hat, vergönnt sein möge, tu diesem Jahrhunderiviertel die Ruine zu sichern und so in den Stand zu setzen, daß sie auch ferner so, wie sie dasteht, als eme Zierde unserer schönen Landschaft erhalten bleibt. Eine Besichtigung der Ruine, wobei Professor Dr. Sauer über die Entstehung 2C. der einzelnen Bauten Auskunft gab, bildete den Schluß der festlichen Veranstaltung.

♦♦ Die erfte Persammlung vor der Stadt­oerordnetenwahl. Die unbekannten Einberufer einer Wählerverscunnllung in den Gasthof zum Löwen hatten den Erfolg, co. 60 Personen gestern abend in dem genannten Lokal zuscunmengebracht zu haben. Zwar gelang es nicht, die Namen der Einberufer kennen zu lernen, und als einer der Anwesenden, Schreinermeister Beil, der in der richtigen Voraussetzung, daß von i/g9 Uhr ab die Sache sich erst eine Weile entwickeln müsse, etwas später das Bersamm- lungslokal betrat und als einer der Einberufer bezeichnet wurde, winkte er ab und meinte, in einer gemütlichen Unterhaltung sei allerdings von den Stadtratswahlen die Rede gewesen, aber niemand habe dabei den Auftrag er­hallen, eine Versammlung einzuberusen. Als er die Ver- Tnutung aussprach, der Wirt des ,^Löwen" habe diesen Eifer entwickelt, verwahrte sich dieser in einer sehr leb­haften Ansprache gegen diese ,FZerdächtigung". 'Als die Glocke bereits 9 Uhr geschlagen Halle und die Versammlung voll­zählig schien, sprach Dachdeckermeister Earls das Eröss- nungswort. Es wurde, nach ziemlichem hin und her, ein Bureau" gebildet, und der Sturm der Agitation konnte loslegen. Es zeigte sich aber, daß niemand mit großen Zdeen her vor trat; kleinlaut bekannten alle, daß man nur hergekommen war, um ^mal zu hören". Schon schien die Ultsnmmung über die Versammlung hereinzubrechen, als vom Vorstandsllsch die Aufforderung ertönte, Vorschläge zu machen. Aber was für welche, das war da die Frage. Etliche der Anwesenden wurden unter Gelächter als Kandi­daten genannt. ,Da erhob sich aus einem kleinen, sozial­demokratischen Winkel des Saales ein Redner, der mit erho­bener Sllmme und vollen Backen die Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Es feiganz egal", das war der langen Rede kurzer Sinn, wen man Wahle, ob hoch oder nidrig, so oder so, aber die richtigen Bürger sei man verpflichtet zu wählen. Darob erneute Heiterkeit, die den Redner zu immer leb­hafteren Anstrengungen ermunterte. Es seiganz egal" usw., das kehrte konstant wieder. Der Spektakel wurde dem Mundfertigen schließlich so arg, daß er in beleidigtem Tone sich erkundigte, ob man ihn denn für einenganz gewöhnlichen Europäer" halte. Es schien allerdings ein etwas ungewöhnlicher zu sein. So viel man verstehen konnte, sprach er auch einen Tadel über diestumme Redsee lig teil" der andern aus. Da löste sich aus den Reihen ein zweiter Redner, der laut dazu aufsorderte, doch endlich ein paar Kandidaten zumonieren", die das Herz auf dem richtigen Fleck hätten. Als die Namen der ausscheidenden Stadrväter und die Zahl der zu wählenden bekannt gegeben wurde, erhob sich jemand und führte aus, ahm sei ein Zettel auf den Tisch geflogen, der einige Namen nenne. Heber diesen auf den Tisch geflogenen Zettel bitte er die Diskussion zu eröffnen. Ter Zettel enthielt die Namen: Eichenauer, E. L. Sack, H. Winn und W. Plank. Sogleich sah der anwesende Herr Sack sich veranlaßt, zu erklären, daß er die ehrenvolle Kandidatur aus Mangel an Zeit nicht annehmen könne. Es kam nun durch die Nennung einer Anzahl von Kandidaten Ernst in die Versammlung. Man machte den Vorschlag, aus der Versammlung eine engere Kommission zu wählen, die die Liste aller genannten Kandidaten sichten und in einer nächsten Versammlung mit Vorschlägen hervortteten solle. Diese Kommission kam zu stände; sie jetzt sich aus folgenden, gestern anwesenden Herren zusammen: Earls, Bankier Grünewald, ftonr. Roch II., Krogmann, Struck, Schreiner Beil, Franz Brück, Georg Grunrg, Dr. Koch, Lehrer V. Müller und Jaskowsty. Bäckermeister Frey, der sich durch mancherlei Reden ausgezeichnet hatte, wurde so­wohl als Mitglied der Kommission als auch als Kandidat genannt, mußte aber, da er noch nicht vier Jahre hier ansässig ist, aus beiden Listen ausscheiden. Die Namen der gestern erwähnten Kandidaten für die Stadt­verordnetenwahl, unter denen die Kommission die Aus­wahl treffen soll, sind außer den aus dem jetzigen St.rdtvor- stand auLscheidendcnH<rr.n,ti:auch zurWuderm h g n n t wurden, jolgende: Kontrolleur Beamann, H. Brüa, Eichen­auer, Dr. Eoei, M. Friedberger, Friseur Frutig, A Gabriel, Medizinalrat Dr. Habertorn, Hennings, W. Hornberger, Hofkutscher Huhn, Kreiskafsenrechner zraug, W. Plank, Georg Simon, Gg. Schuchhardt, Louis Troß, Wigandt und H. Winn. Die Versammlung ging erst nach 12 Uhr aus­einander.

* Die 184 8 er. Am Donnerstag abend versammelten stch die 1848 geborenen Altersgenossen Gießens zu einer ge­mütlichen Feier im Kaiserhos. Die Feier begann mit einem Essen, bei welchem einer der Genossen die Erschienenen herz­lich begrüßte. Er gedachte der in dem obgelaufenen Jahr leider verstorbenen beiden Freunde, Schulmeyer und Stadt­verordneter Hanau, mit warmen Wollen und forderte die Anwesenden auf, zum Beweise deS ehrenden Angedenkens sich von ihren Sitzen zu erheben. Nach dem Essen begannen musikalische und komische Vorträge. Auch wurden noch ver- schiedene Reden gehalten und Toaste auLgebracht, und so oerliefen die schönen Stunden nur zu rasch. Die Genossen trennten sich erst m später Stunde mit dem allseitigen Wunsche.

noch manches Jahr einen solchen gemütlichen Abend in Ge­meinschaft gesund feiern zu können.

** Büffel karnps. Wir verweisen auf die Vorstellungen deS spanischen Stierkämpfers Charles MiSconelli mit seinen dressierten Büffeln, die auf OSwaldSgarten am Sonntag nach­mittag stattfinden sotten.

BS. Kloster Arnsburg. Anfang dieser Woche wurde im gräflichen Park hinter dem Chor der Klosterkirche eine Ausgrabung veranstaltet, die über die ursprüngliche Ge­staltung deö Chorabschlusses Gewißheit geben sollte. Der Gladbach'sche Grundriß, auf den alle bisher veröffentlichten zurückgehen, war nämlich nicht direkt nach den Mauerresten, sondern nach einer Dilletantenzeichnung aus der Zeit vor der Zerstörung aufgenommen und stieß auf Zweifel, weil er von den Baugewohnheiten der Zisterzienser nicht unwesentlich ab­wich. Die kleine Grabung, die im Interesse des Werkes über die "Kunstdenkmäler im Grobherzogtum Hessen" vorgenommen wurde, hat solche Zweifel beseitigt. Die Kirche hatte in der Tat nicht einen einfach gradlinigen Chorschluß, sondern überdies eine halbkreisförmig vorspringende Mittelapsis ent­sprechend den etwas kleineren Seitenapsiden, deren nördliche schon im Jahre 1892 durch Matthaei aufgedeckt wurde, wäh­rend die südliche, fast ganz von Gebüsch überwachsene jetzt wenigstens an der einen Seite angeschnitten worden ist. Die freigelegten Fundamente, die einige Zeit so liegen bleiben sollen, werden den Besuchern der Ruine einen guten Begriff von der ehemaligen Ausdehnung und Gestalt des Chores geben, der an drei Seiten von Kapellen unter einem gemeinsamen Pultdach umrahmt war, auS dem an der Ostseite das hald- fegelfönnige Dach der Mittelkapelle hervortrat.

** Von den oberen 10000 in Hessen. Im Großherzogtum gibt es im Steuerjahr 1904 64 Einkommen- steuerpflichtige, die ein jährliches Einkommen von 50 000 bis 60 000 Mark besitzen, 37 haben ein jährliches Einkommen von 61000 bis 70000 Niark, 82 haben ein Einkommen von 71000 biß 80 000 Mark, 19 haben ein Einkommen von 81000 bis 90 000 Mark, 25 haben em Einkommen von 91000 bis 100 000 Mark, und 102 haben ein Einkommen von 101000 bis 1918000 Mark. Von den letzten entfallen auf die Provinz Starkenburg 49, Rheinhessen 43 und Ober- Hessen 10 Einkommensteuerpflichtige. Der Höch st besteuerte ist der Freiherr von Heyl in Worms.

dl. Friedberg, 21. Ott. Seit einigen Tagen treffen hier wieder für das am Dienstag anfangende Winter-Semester der Gewerbe-Akademie junge Herren von nah und fern ein. Die Gesamtzahl der im Sommer-Semester Anwesenden, sowie der für jetzt neu Angemeldeten beträgt 450, die höchste Zahl, welche bis jetzt erreicht wurde. Für daß Wintersemester sollen auch Vorlesungen für Chemie stattfinden. Auf der Strecke Homburg-Friedberg, in nächster Nähe des Bahnhofes Homburg, wurde einem Arbeiter von Holzhausen daß linke Bein am Knöchelgelenk abgefahren. Der vor einigen Tagen in selbstmörderischer Absicht durch zwei Revoloerschüffe verletzte Röße ist wieder hergestellt, obwohl er noch eine Kugel im Kopse hat.

§ Allertshausen, 21. Oft. Wie man auß sicherer Quelle erfährt, ist in der gestrigen Nacht zu Allendorf a. d. Lda. Brandstiftung erfolgt, welche aber nicht gelang. In der Hofraite des Christian Stoß wurde eine Person in der an­gegebenen Zeit bemerkt; gegen Morgen erst sah man, welches Vorhaben diese hatte. In dem Holzschuppen des Chr. Stoß sand man die Ueberrefte verbrannten Strohs.

S. W. K. D a r m ft a b t, 21. Ott. Zur Vorbereitung der hiesigen Stadtverordnetenwahlen, die dem Ver­nehmen nach auf den 22. November anberaumt werden, hat auf Einladung des Vorsitzenden der nationalliberalen Partei eine Versammlung von Delegierten der Bezirks­vereine und der politischen Parteien unter Ausschluß der Sozialdemokraten, der Nationalsozialen unb deS Boden­reform Vereins, der bei den letzten Stadtverordnetenwahlen einen bemerkenswerten Achtungserfolg errungen hatte stattgefunden. Bei dieser Besprechung soll eine vorläufige Einigung wegen der gemeinsamen Auswahl der Kandi­daten erzielt worden sein. Ta beabsichtigt ist, sämtliche ausscheidenden Stadtverordneten wiederzuwählen, mürben sich die bürgerlichen Parteien über die Neubesetzung von sechs definitiv erledigten Sitzen zu einigen haben. Sollte das beabsichtigte Kartell unter der Führung der National­liberalen wirklich zu stände kommen, so wäre damit in der Hauptsache derZusammenschlußderbürgerlichen Parteien, einschließlich der Freisinnigen, gegen die So­zialdemokratie erreicht. Zugleich aber hätte man hierin wohl auch eine Frontstellung gegen die allzu sehr sozial gerichteten Elemente der hiesigen Einwohnerschaft zu er­blicken.

R.B. Darmstadt, 20. Oft. Die hiesige Handels­kammer faßte in ihrer jüngsten Sitzung den Beschluß, dem Großh. Ministerium in Bezug auf den vorläufigen Entwurf einer Maß- und Gewichtsordnung für das Deutsche Reich mitzuteilen, daß sie den Entwurf im allgemeinen als einen sehr wertvollen Fortschritt betrachte. Weiter sprach die Kammer den Wunsch aus, daß beim Weinhandel in Zukunft für 1000 Liter die BezeichnungFuder" angewendet werden möchte. Mit der Bezeichnung Doppelzentner oder Neuzentner für 100 Kilogramm könnte man sich nicht einverstanden er­klären, dagegen möge man die Wolle Kilozentner oder Dezitonne in Erwägung ziehen; weiter sprachlich die Kammer für Beibehaltung des Viertelliters als Flüssigkeitsmaß aus. Hinsichtlich der Talerfrage ist die Kammer der Meinung, daß daß Bedürfnis nach Dreimarkstücken schwinden werde, wenn es gelänge dem Funsmarkstück eine handlichere Form zu geben. Die Fälle über Bestechungen von Angestellten der Kundschaft zu dem Zwecke, dieselben zu einer Bevorzugung der Ware des Gescheiikgebers vor der Ware der Konkurrenz zu veranlassen, haben sich in letzter Zeit gemehrt. Die Kammer stimmte deshalb einer Anregung der Handelskammer Ludwigshafen zu, gesetzliche Vorschriften zu schaffen, welche jeden, der Angestellte besticht oder sie zu bestechen unter­nimmt, und jeden Angestellten, der Bestechungen entgegen­nimmt oder Aufforderungen hierzu erläßt, mit krimineller Strafe bedrohen. Die Kammer wird eine entsprechende Ein­gabe an das Ministerium richten.

r. Darmstadt, 19. Oft. lieber die Kenntnis der Stenographie unter den Studierenden hat der akademische Stenographenverein an der hiesigen Technischen Hochschule eine interessante Zählung veranstaltet. Von 1785 Studierenden und Howllanten tonnten 1285 statistisch ersaßt

werden. Von diesen sind stenographiekundig 588, also 44,9 Prozent und zwar nach dem System Gabelsberger 343, nach Stolze-Schrey 155.

Frankfurt a. M., 21. Oft. Wahrscheinlich um einem dringenden Bedürfnis abzuhelsen, hat ein hiesiges Waren­haus einen Blumenverkauf nebft Bindegeschäft eingerichtet. DeS weiteren sott eine Frankfurter Gärtnerei an gekauft werden. Ganze Wagenladungen belgischer und italienischer Topspslanzen sind schon angelangt. Dem gegen­über haben sich die Gärtner dahin geeinigt, mit den Firmen, bie an daß Warenhaus liefern, und die bekannt gegeben werden sollen, jede geschäftliche Verbindung abzubrechen. Man hofft, daß sich auch auswärtige Gärtner diesem Vorgehen an- schließen werden.

1c. Kassel, 21. Oft. Nach dem Jahresbericht deS Verbandes ländlicher Genossenschaften Raiffeisen- scher Organisation für Hessen pro 1903 gehörten am 31. Dezember 1903 dem Verbände an 376 Genossenschaften mit 2597 Mitglieder. An Sparkassengeldern wurden 8 802 000 Mf. eingelegt, an Darlehen 5 21'1 000 Mk. aus­gezahlt, an Düngemitteln, Kohlen, Maschinen re. für 2 305 000 Mk. bezogen. Durch Vermittlung der Raiffeisen- Vereine zum Erbauen von Wohnhäusern seitens der Landes- VersicherungSanstalt für Hessen-Nassau wurden 168 000 Mk. an 61 Arbeiter unter günstigen Bedingungen ausgeliehen.

* Kleine Tageschronik. Zum L u ft m o r d e in der Bohenstraße zu Berlin führte eine neue Spur nach Züllichau. T-oll bat Mn Sonntag vormittag, als in Berlin der Mord noch gar nicht bekannt war, ein Mann, der den Berliner Dialekt sprach, einen Schisfszimmermcifter gefragt, ob er schon von dem Morde in Berlin gehört habe. Tort sei eine Prostituierte er­mordet worden . Tie Berliner Kriminalpolizei verfolgt die Spur. Im Hauptpostamt zu Düss e ldo r f. gelang es zwei un- bekaiiiiten Männern, einen Brieskaften zu eröffnen. Sie haben bei dieser Gelegenheit etwa 20 riefe entwendet. Ter wegen Unterschlagung von 235 000 Kronen zum SckMden der Zentral­bank der deutschen Sparkassen fteckbneflich verfolgte Bankdiener Jenner wurde in Berlin in der Wohnung eines Photographen verhaftet. In Kneuttingen (Lothr.) explodierte auf dem Hüttemverk ein Ofen. Ein Arbeiter wurde getötet, drei andere verletzt. Ter wegen Sittlichkeitsverbrechens angellagte Arzt Tr. Feldmann in Dortmund wurde vom Gericht zur Be­obachtung einer Irrenanstalt übemnefen. In ln wurden aus dem Hauptbahnhofe einem jungen von ausivärts zugereiften Aiädchen beide Beine abaefaliren. Tie bedauernswerte Unbekannte ist im Spital an ihren Verletzungen gestorben. In Regens­burg wurde beim Soldatenspielen einem Knaben in Sünching dura, Platzen eines mit Pulver gefüllten Gewehrlaufes der Kopf vom Rumpfe gerissen. Als Kleinbahn­kuriosum wird aus dem badischen Otte Mosbach folgende von der Polizeibehörde erlassene Warnung mitgeteilt: Wer die Bahn durch Anklammern an die Puffer im Lauf hindert und aufhält, wird mit Arrest bis zu acht Tagen bestraft In Essen erschien eine Frau bei der Kriminalpolizei und gab an, ihre Nachbarin habe ihr zweijähllges Töchterchen erdrosselt. Tie Leiche wurde be.schlamiahmt. Tie Obduktion ergab, daß tatsächlich ein gewaltsamer Tod vorliegt. Tie Untersuchung schwebt noch. Zn Choucy bei Blois (Frankreich) entgleisten zwei Züge. Tie Entgleisung lvar durch einen böswilligen Akt herbeigeführt. Trei Personen wurden getötet, drei schwer und eine größere An­zahl leichter verletzt. . Ter 61 jährige Arzt Dr. Bertling in Werdau (Sachsen) vergiftete sich in einem Anfall von Ver­zweiflung mit Morphium.

UKNWM

Wochenbericht der Äuxenabteilung des Bankhauses S. H. Oppenheimer jr.

Hannover, 21. Okt.

Tie Tendenz auf dem Kali-Kurenmarkte ist nach wie vor flau. Wenngleich die Kurie der meisten Welle, die im Anfang dieser Woche itark zurückgegangen, eine leichte Besserung erfahren haben, so hält die Spekulation mit Rücksicht auf die Maßnahmen, welchie oas Kali-Syndikat in Bezug auf die Auslandspreise treffen will, sehr zurück. Tvs Hauptinteresse richtete sich wiederum auf kleine Werte, von denen insbesondere Hottors, für die bis Mark 860. angelegt wurden, hervorruheben finb. Zu besseren Preisen machte sich ferner für Hansa-SUberberg bei ca. Mk. 1175., Ronnenberg-Akt. bei Mk. 1325., Hofstnannshall bei Mk. 165., Benthe-Akt. bei 345. und vor allen Tingen für Heldbur^-Akt. bei 53Vz Prozent rege Kauflust bemerkbar. Adolfsglück gingen nach einem bezahlten Kurse von Mk. 625, Mk. 100. zulllck und bleiben bei Mk. 525. gefragt. Großherzogin Sophie, sowie Emilienhall und Albrechtshall büßten eine Kleinigkeit ein und bleiben zu billigeren Preisen angeboten. Tasselbe gilt von Sig- vrundshall-Att. für die bei Mc. 1850. reichliches Material er­hältlich ist. Zu bemerken ist noch, daß für Verden er Erdölbohi^ anteile bei Mk. 50. Stücke angeboten wurden, ohne ledoch Aufnahme zu finden. Für mittlere und schwere Papiere beendete sich volllbergeheud für Alexandershall bis Mk. 6725., rode bei Mk. 7900, Earlssund bei Mk. 7650. und Tesde- rnona bis Mk. 5100 mehrfach Kauflust. Wilhclmshall und Hercynia, sorvie Hohenftls und Neuftaßfull verharren weiterhin im Angebot., , .

Der Kohlen-Kuxenrnarkt befinbet jüb noch immer in seiner früheren Stagnation, und haben die Kurse der meisten Werte gegen die Vorwoche wenig oder gar keine Veränderungen aufzuweisen. Tie bis vor kurzem ausgetretene Nachfrage für schwere Welle, wie Constantin der Große, König Ludwig, Lothllngen, Unser Fritz usw. hat Dollfonnnen nc^hgelastem sodatz Umsätze hierin zurzeü selten getätigt werden. Augusta Bikdoria gaben nach einem bezahlten Kustse von Mk. 9300. wieder nach um mit Mk. 8600. angebotcu zu bleiben. In Herkules, Ein­tracht-Tiefbau, Graf Sänoelln u a. überwiegt ebenfalls ttrS Angebot. Kieme Welle wie Borussia, Altendorf-Trefbau, Blanken­burg, Alte Haase und namentlich Tremonia, letztere auf Fu- sionsgerüäste bin, standen bei anziehenden Preisen lebhafter ün Verkehr.______________

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Deutsche Re ichöb an kan t eil e. Tie Ausgabe der 30 Mill. Mark neue Anteile, die nun ein Jahr vor dem ins Auge gefaßten Termin vorgenommen wird, durfte hauptsächlich des­halb erfolgen, itxU die Reichsbankverwaltung den Wunsch hegt, das gegenwällig ungünstige Teckungsverhälttiis der Noten durch Heranziehung neuer Fonds zu beJffern. Trotzdem muß es, am- g-esichtD der ohnehin etwas gespannten Verhältnisse unseres Geld­marktes auffallen, meint dieVoss. Ztg.", daß die Neichsbank sich dieses letzten Mittels bedient; zudem dürste, nrie man an der Hand früherer Erfal-rungen annehmen kann, die Unterbringung der neuen Anteile zu einem gewrssen Teil auf Kosten der Mittel der ReiäMank selbst vor sich gehen.

Petroleumprodukte Akt.-Geis., Hamburg. Tie Ham­burger Meldung, wonach die genannte Gesellschaft einen Kon­trakt mit d?r Tiskontogesellschaft abgeschlossen hat, nach tvelcher die letztere ihre im Bau befindliche Raffinerie an die vorgenannte Gesellschaft abführt, eilt den Tatsachen jedenfalls voraus; die diesbezüglichen Verhandlungen sind ohne Resultat geblieben.